Nr.br Erstes Statt
187. Jahrgang
Samstag, 20. Mar; 1937
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Der Prüfstein Belgien.
Don Or. Hans von Malottk»
Trotz der betonten Zurückhaltung, die man in amtlichen englischen und französischen Kreisen gegenüber hen Westpaktnoten Deutschlands und Italiens wahrt, ist die taktische Linie der beiden Westmächte nun klar erkennbar geworden. Sowhl in London wie in Paris sieht man es als das Dringlichste an, unter allen Umständen zunächst einmal mit Belgien ins Reine zu kommen. Denn unter allen Sorgen, in die die Wortführer der Militärpolitik und ungehemmten Beistandsmechanik angesichts der von Deutschland und Italien vertretenen Idee der Friedenssicherung durch Kriegsverzicht geraten sind, verursacht das belgische Problem die größten Beschwerden. Bei Beginn der Westpakt-Gespräche, also vor fast einem Iah):, war ja Belgien bekanntlich eine feste und sichere Größe in der englisch-französischen Rechnung. Das nach dem Erlöschen des Locarno-Vertrages übrig gebliebene und neu gefestigte gegenseitige Beistandssystem dieser drei Mächte war der äußere Ausdruck einer Einheitsfront, die vor allem in Frankreich den Kummer über das „rücksichtslose deutsche Vorgehen am 7. März" ziemlich schnell beseitigte. Sah man sich doch endlich der Erfüllung jener geheimen Wünsche nahe, um deren Verwirklichung man sich eigentlich von 1919 an in der verschiedensten Weise vergeblich bemüht hatte.
Dies alles änderte sich mit einem Schlage, als Belgien mit der Königsrede vom Oktober vergangenen Jahres jene Schwenkung vollzog, die auf eine unabhängige und von Bindungen freie Stellung abzielte. Je mehr die Ernsthaftigkeit dieser Unabhängigkeitsbestrebungen zu Tage trat, desto größer wurde auch das Unbehagen in Paris und London. Denn es wurde immer deutlicher, daß der neue Kurs der belgischen Politik mit den französisch-englischen Absichten und Ansprüchen schwerlich zu vereinbaren war. Zu tiefer Unruhe aber steigerte sich dieses Mißvergnügen in dem Augenblick, wo die neue belgische Politik das volle Verständnis und die vorbehaltlose Zustimmung Deutschlands und Italiens fand. Die Erkenntnis, daß sich die deutsch-italienische Westpakt-Konzeption einerseits und der belgische Unabhängigkeits-Garantiewunsch organisch und reibungslos zufammenfüaen lassen, — diese völlig neue und bei Beginn der Westpakt-Gespräche nicht vorausgesehene Lage rief vor allem in Paris wahre Angstzustände hervor.
Run versucht man zu retten, was zu retten ist. Der bereits begonnene und demnächst sicher noch gesteigerte Meinungsaustausch auf. der Linie Pa- ris-Brüssel-Lvndon wird in einer offiziösen französischen Agenturmeldung mit der Hoffnung begleitet, „daß von allen drei Regierungen schließlich doch eine gemeinsame Haltung eingenommen werden könne". Dahinter verbirgt sich nichts anderes als die Besorgnis vor einem Unheil, das „aus den eigenen Reihen" drohen könnte. Wird die französisch-englische Rechnung aufgehen? Eine wichtige und für die ganze Entwicklung der Westpakt-Problematik entscheidende Frage. Zugleich aber auch einer der aufschlußreichsten Vorgänge innerhalb der Westpaktauseinandersetzungen. Denn hier, wo England und Frankreich die Gefahr sehen, daß ihre diplomatische Stellung durch die Initiative des plötzlich aus der Reihe tanzenden belgischen Partners von innen her aufgerollt wird, muß Farbe bekannt werden. Was man sonst meist so gut verstand, nÄnlich die eigenen Interessen und Ansprüche hinter dem Rebel der „kollektiven Sicherheit" zu verbergen und unauffällig zur Geltung zu bringen, das ist in diesem Falle nicht mehr möglich. Heute muß auch die französische Presse zugeben, worum es sich im Grunde handelt: um die Sorge, daß die englisch-französischen und die französisch-belgischen Generalstabsabmachungen durch die etwaige Neutralisierung Belgiens in Frage gestellt werden können.
Es ist sehr lehrreich, wie man diese egoistischen militärpolitischen Ansprüche noch immer nach außen zu tarnen versucht ist. Mit einem Eifer, der einer besseren Sache wert wäre, wird der belgische Un- abhängigkeits- und Garantiewunsch zwar bestätigt, zugleich aber — in der von Belgien gewünschten Form — als wenig zweckdienlich für die belgischen Interessen hingestellt. Es wiederholt sich hier, was schon so fort zu beobachten war. Gewisse Leute in Paris und London wissen über die Interessen eines fremden Landes stets besser Bescheid als die Betroffenen selber. So erteilt man denn hem auf Abwege geradenen belgischen „Schützling" in aller Öffentlichkeit die entsprechenden Lehren, wie er es machen und wie er es nicht machen dürfe — selbstverständlich nur aus idealen Motiven und nur aus echter Sorge um sein ferneres Wohlergehen!
Im Endeffekt laufen all diese freundschaftlichen Ratschläge auf die Behauptung hinaus, daß eine Garantie der belgischen Unantastbarkeit keinen Sinn und Wert hätte, wenn sie nicht von vorbereitenden militärischen Abreden „für den Angriffsfall" be- aleitet wäre. Interessant ist dabei zunächst, daß dieser Wunsch nach Fortsetzung der Generalstabsgespräche selten direkt vorgetragen, sondern in der englischen Presse meist als eine Forderung Frankreichs, in den Pariser Blättern dagegen als Englands Ansicht dargestellt wird. Beiderseits stimmt man aber in schöner Eintracht darin überein, daß die Frage der belgischen Unab- hö lgigkeit am besten unter Ausschluß Deutschlands zu regeln wäre — selbstverständ- lcch nur im belgischen Interesse.
Dies ist typisch für die geistige Einstellung der französischen und der englischen Politik. Man geht skrupellos einfach von der Annahme eines wahrscheinlichen deutschen Angriffs — ohne jede
Neuorganisation des deutschen Rundfunks.
Berlin, 19. März. (DNB.) Unter nationalsozialistischer Führung hat sich die Zahl der Rundfunkteilnehmer von 4 307 000 auf 8 483000 erhöht. Gleichzeitig erfolgte eine starke Steigerung aller Leistungen. Diese Aufwärtsentwicklung hat nun auch neue organisatorische Maßnahmen notwendig gemacht. Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Dr. Goebbels hat die Stellung eines Reichsintendanten des deutschen Rundfunks geschaffen, der gleichzeitig Vorsitzender des Vorstandes der Reichsrundfunkgesellschaft ist. Mit
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Dr. Heinrich Glasmeier. — (Scherl-M.)
der Wahrnehmung der Geschäfte hat Reichsminister Dr. Goebbels den Intendanten des Reichssenders Köln, Pg. Dr. Heinrich G l a s m e i e r, beauftragt. Die Neuorganisation wird eine wesentliche D e - Zentralisation in der Verwaltung und damit eine größere Selbständigkeit der einzelnen Reichssender unter erhöhter Verantwortung der Intendanten zur Folge haben.
Auch die Arbeit der Rundfunkabteilung des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda hat' so stark zugenommen, daß der Leiter nicht mehr in der Lage ist, gleichzeitig andere Aufgaben zu erfüllen. Aus diesem Grunde hat Reichsminister Dr. Goebbels angeordnet, daß eine Teilung der rundfunk-politischen und volkskulturellen Aufgaben innerhalb des Ministeriums vorgenommen und eine besondere Abteilung (XI) für volkskulturelle Arbeit geschaffen wird. Zum Leiter dieser Abteilung hat Dr. Goebbels den Ministerialrat Pg. Horst Dreßler - Andreß ernannt, der seine Stellung als Amtsleiter der NSG. „Kraft durch Freude" beibehält. Hierdurch soll die Zusammenarbeit zwischen dem Reichsministerium und der DAF. noch wirksamer als bisher gestaltet werden.
Mit der Wahyehmung der Geschäfte des Leiters der Abteilung Rundfunk (III) im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda hat Dr. Goebbels den Intendanten des Reichssenders Breslau, Pg. Hans K r i e g l e r , beauftragt, der. gleichzeitig die Geschäfte des Präsidenten der Reichsrundfunkkammer führt und zum stellvertretenden Verwaltungsratsvorsitzenden der Reichsrundfunkgesellschaft ernannt wird. Vorsitzender des Verwaltungsrats bleibt Staatssekretär Funk.
Der erste Reichsrundsunkintendant.
Dr. Heinrich Glasmeier hat sich als Intendant des Reichssenders Köln einen Namen gemacht. 1892 in Dorsten geboren, studierte er Germanistik, Geschichte, Philosophie und Archivwissenschaften. 1913 arbeitete ^r am Meroeldtschen Archiv in Münster, machte dann als Reserveoffizier des Westfälischen Husarenregiments Nr. 8 (Paderborn) den Krieg
von Beginn bis Ende mit, und wurde, nachdem er feit 1920 im Croyfchen Archiv in Dülmen gearbeitet hatte, 1922 Leiter des Landsbergschen Gesamtarchivs in Velen und 1924 Direktor der Vereinigten Westfälischen Adelsarchive. Zugleich betreute er die Archivberatungsstelle der Provinz Westfalen. Seit 1921 ist Dr. Glasmeier Vorsitzender des Heimatbundes Münsterland. Seiner Anregung ist die anthropologische Untersuchung von münsterlän- dischen Dorf- und Bauernschaften sowie des westfälischen Adels zu danken. Aus Dr. Glasmeiers Fe- oer stammen wertvolle geschichtswissenschaftliche Quellenstudien. Dr. Glasmeier ist Beisitzer der Filmprüfstelle Berlin, Präsidialrat der Reichsrundfunkkammer und Mitglied des Reichskultursenat» Er war Gaugeschäftsführer des Gaues Weftmark- Nord, ist heute Gauhauptstellenleiter im Gau- schulungsamt Gau Köln-Aachen und Führer in der SS., um deren Aufbau in Westfalen er sich sehr verdient gemacht hat.
Vo'.kskullurelle Ausgaben des Reichspropagandammtstenums.
Pg. Horst Dreßler-Andreß erhielt mit seiner Berufung zum Leiter der Abteilung für volks- kulturelle Arbeit im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda ein Arbeitsgebiet übertragen, auf dem er schon bisher neben seiner rundfunkpolitischen Tätigkeit große Leistungen aufzuweisen hatte. Als Amtsleiter der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", an deren Ausbau er hervorragend beteiligt war, gibt er die beste Gewähr für die einheitliche Gestaltung der volkskulturellen Aufgaben. Dreßler-Andreß, der im 38. Lebensjahr steht, hat in seinem künstlerischen Wirken als Musiker, Schauspieler und Regisseur von Anfang mitten im Volk gestunden. Sein Ringen um eine deutsche Kunstgestaltuna führte ihn schon frühzeitig in die Reihen der NSDAP., in der er sich uor allem auf kulturpolitischem Gebiet betätigte. So war er an der Gründung der nationalsozialistischen Rundfunkhörerorganisation und am Aufbau des rundfunkpolitischen Apparates der NSDAP, beteiligt. 1933 berief Reichsminister Dr. Goebbels ihn in das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda als Leiter der Abteilung Rundfunk und später zum Präsidenten der Reichsrundfunkkammer. Seine künstlerische und organisatorische Befähigung fand dann ein weiteres Arbeitsfeld bei der Schaffung der Bewegung „Kraft durch Fr e u d e ". Aus einem Nichts entstand in kurzer Zeit eine kulturelle Macht, die in ihrem letzten Jahresbericht auf 18 000 Ortsdienststellen in 800 Kreisverbänden und 32 Gauen Hinweisen konnte. Wenn Horst Dreßler-Andreß nun aus seinem bisherigen Verhältnis zum Rundfunk scheidet, so werden seine Verdienste an dieser Stelle ebenso unvergessen sein
wie die Erfolge, die unter seiner Leitung die NS.- Gemeinschaft „KdF." errungen hat.
Die Schaffung der neuen Abteilung XI für volkskulturelleAufgaben bedeutet die Zusammenfassung der bereits schon im Rahmen der Partei in Angriff genommenen Arbeiten auf volkskulturellem Gebiet Wir sehen in der Personalunion von Ministerialrat Horst Dreßler-Andreß als Leiter der neuen Abteilung XI und als Amtsleiter der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" ein Zeichen dafür, wie stark diese beiden Instanzen miteinander an die Lösung der Aufgaben Herangehen werden. Schon die gemeinsame Feier der „Kraft durch Freude"-Organisation mit der Reichskulturkammer im vergangenen Jahr war ein sichtbares Zeichen für diese Zusammenarbeit. Es beschäftigen sich heute sehr viele Stellen in Deutschland mit volkskultureller Arbeit. Das Propagandarnimsterium hat durch die Schaffung der Abteilung XI für all diese Bestrebungen die zentrale Lenkung geschaffen, die von sich aus den großen Apparat des Propagandaministeriums einerseits und auf der anderen Seite durch die Personalunion mit Kraft durch Freude die Tiefenwirkung durch die Erfassung der bereits organisierten breiten Massen einsetzen kann. Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf den neuen Aufgabenkreis, den die Kraft durch Freude- Organisation auf dem flachen Lande erhalten hat. Hier zeigen sich die Ansätze einer neuen Zielrichtung der KdF.-Arbeit, die immer den Ehrgeiz besaß, nicht nur zur Verschönerung des Lebens beizutragen, sondern auch zur Fundierung des Wissens um das Volk, seine kulturelle Vergangenheit und seinen Kunstbesitz.
Rücksicht auf die deutschen Friedenserklärungen — aus, um auf diese Weise Belgien die Organisierung der „Abwehr gegen diese Gefahr" mit Hilfe Frankreichs und Englands plausibel zu machen. Wieder ein Beispiel für die üble Methode, durch moralische Diffamierung Deutschlands die eigenen egoistischen Ziele möglichst unverdächtig durchzusetzen, ja ihre Durchsetzung am Ende noch als selbstlose Friedenstat in Erscheinung treten zu lassen!
Tatsächlich wird man hinter oiese stürmische Hilfsbereitschaft ein erhebliches Fragezeichen setzen können. Denn daraus spricht nur der Wunsch, Belgien im Widerspruch zu seinem Unabhängigkeitsstreben nach Möglichkeit auch weiterhin in einseitige Bindungen hineinzuzwängen. Eben weil die von Velgen im März vergangenen Jahres übernommenen Garantieverpflichtungen gegenüber Frankreich und England eine einseitige und je länger je mehr als gefährlich empfundene Bindung darstellen, ist im eigenen Lande d i e Kritik dagegen laut geworden. Durch die Vorschläge, die man jetzt den Belgiern schmackhaft zu machen versucht, und die auf eine einseitige französisch-englische Garantie hinauslaufen, würde sich aber an der Stellung Belgiens grundsätzlich nichts ändern. Es käme im Gegenteil in eine zweideutige Lage, durch die gerade das verhindert würde, worauf es Belgien selbst ankommt und was allein dem Gedanken der Neutralität entspricht: eine wahrhaft unabhängige Vertrauensstellung gegenüber allen seinen Nachbarn. Bei einer einseitigen Garantie, wie sie von Paris und London lanciert wird, könnte davon um so weniger die Rede sein, wenn noch dazu Generalstabsbesprechungen mit den daraus erwachsenden militärpolitischen Intimitäten zur Voraussetzung gemacht werden. Belgien bliebe Vorfeld und Verbindungsstück der französisch-englischen Militärpolitik, mit einem Wort Objekt fremder Interessen.
Daß man überhaupt auf den absurden Gedanken kommt, so gegensätzliche Begriffe wie Unabhängigkeit und Generalstabsbesprechungen miteinander zu verbinden und gleichsam als zusammengehörig hinzustellen, ist schon seltsam genug. Es handelt sich dabei auch nicht um bahnbrechende neue Einsichten in das Wesen der Neutralität, sondern um das allerdings sehr durchsichtige Bestreben, ganz b e - stimmte eigene Wünsche und Interessen, die mit der strategischen Position Belgiens Zusammenhängen, durchzusetzen und sicherzustellen. Denn sonst müßte man, weizn schon vorbereitende
Militärabreden für notwendig befunden werden, solche Gespräche auch zwischen Belgien und seinem östlichen Nachbarn mit dem gleichen Eifer befürworten. Darüber schweigt man sich allerdings aus.
Desto klarer tritt der ausgesprochene Zweckcharakter der französisch-englischen Garantiegelüste zutage. Der „Paris Soir" hat mit seinem Geständnis: die Sage in Osteuropa würde sich völlig ändern, wenn Belgien die Generalstabsabmachungen nicht beibehalte, die Katze aus dem Sack gelassen. Man möchte eben auf keinen Fall auf die strategischen Möglichkeiten und Vorteile verzichten, die das belgische Gebiet in den Augen gewisser Jnter- ventionspolitiker besitzt, falls Frankreich „einmal gezwungen fein sollte, im Osten einzugreifen". Dies ist der &ern der Dinge, und das hat allerdings nicht das geringste mehr mit dem Schutz Belgiens zu tun.
Alles was man aus Belgien hört, deutet darauf hin, daß man sich auch dort über die Hintergründe einer solchen Schutzpolitik im Klaren ist. Es wird nun abzuwarten sein, ob die belgische Politik gegenüber dem französisch-englischen Druck ihr Selbstbestimmungsrecht und damit ihre eigenen Interessen wird wahren können. Unabhängig von dem Aus- aang dieses diplomatischen Ringens verdient das Vorgehen der beiden Westmächte mit aller Deutlichkeit festgenagelt zu werden. Wieviel höher steht demgegenüber die deutsche Politik, die für sich selbst nicht mehr verlangt, als sie allen anderen zubilligt und deshalb auch in der Sage ist, konstruktive Friedenssicherungen, im Gegensatz zu anrüchigen Verschwörungen, zu schaffen! Erst wenn man in Paris und Sondon auf diesen Boden zurückfindet, wird sich jenes Einvernehmen Herstellen lassen, zu dem Deutschland jederzeit bereit ist und das durch eine echte Friedenssicherung im Westen um einen wichtigen Schritt weiter gebracht werden könnte.
Der beHftöe KöRßsbesuch in London.
Sondon, 19. März. (DNB.) Reuter bestätigt, daß sich König Seopold von Belgien am Montag nach Sondon begeben wird. Am Dienstag wird der Könia Golf spielen und am Mittwoch bei Könia Georg VI. zum Abendessen weilen. In der englischen Presse ist der Besuch mit den West- vaktverhandlunben in Zusammenhang gebracht worden. Es wird jedoch vorläufig nur mitgeteilt, daß
in letzter Zeit mehrere Besprechungen zwischen Außenminister Eden und dem belgischen Botschafter Baron Cartier de Marchienne über diese Frage stattgefunden hätten. „Daily Telegraph" schreibt: Die nächste Phase der Verhandlungen werde wahrscheinlich die eines Versuches der Aushandlung eines belgischen Unabhängigkeitspaktes als erster Schritt zu größeren Plänen sein. Belgien habe erklärt, daß seine künftige Außenpolitik auf dem Versuch beruhen werde, sich selb st unabhängig und frei zwischen feinen Nachbarn zu erhalten. Man habe sich entschlossen, eigenes Gebiet nie wieder zu einem Schlachtfelde in einem Kriege machen zu lassen, der das Sand nicht direkt angeht. Da das die feste Absicht Belgiens sei, sei es wahrscheinlich, daß die übrigen Socarnomächte, wenn sie ein neues dicherheitsinstrument wünschten, dieses um diese neue Basis herum aufbauen müßten. Das werde nicht leicht fein. Belgien wolle auch die Nichtangriffsformulierungen in der jüngsten deutschen Note nicht annehmen. Das und vieles andere werde auf diplomatischem Wege erst erörtert werden müssen, ehe die britische Regierung in der Sage fei, einen Vertragsentwurf vorzulegen. Es werde jedoch energisch daran gearbeitet.
pariser Wunschträume.
P a ri s, 20. März. (DNB. Funkspruch.) „Oeuvre" findet, die englische Regierung habe absichtlich König Seopold allein eingeladen und nicht auch den belgischen Außenminister. Der englische Außenminister werde den König dazu zu bestimmen suchen, nicht mit dem Völkerbund zu brechen und ein Mindestmaß von „technischen Abkommen" beizubehalten. Man wolle Belgien, das der Neutralität zusteuere, auf andere Bahnen bringen. Der englische Außenminister werde das bekannte Thema entwickeln, wonach ohne vorheriges technisches Abkommen zwischen Sondon, Paris und Brüssel eine Verteidigung Belgiens im Falle eines plötzlichen Angriffs vollkommen unmöglich fei. Daher liege es im Interesse Belgiens, sich „nicht zu sehr auf die Versprechungen Deutschlands zu stützen" (!). Falls der König dennoch auf feinem Standpunkt beharren und erklären sollte, daß er den Wünschen der Mehrheit seines Volkes Rechnung tragen müsse, werde England als Zwischenlösung vorschlagen, daß Belgien beit augenblicklichen Stand der SanbesDerteibigung beibehalten und sie sogar noch in dem Umfange erw


