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Bollwerk des Friedens

Dos Unterhaus des britischen Parlaments hat mit der großen Mehrheit, über die die Konservative Partei verfügt, dem Anleiheprojekt zugestimmt, mit dessen Hilfe die Regierung ihr riesenhaftes Auf' rüstungsprogramm in den nächsten fünf Jahren durchführen will, wobei der Schatzkanzler Neville Chamberlain es jedoch noch offen ließ, ob man mit den vorgesehenen 1,5 Milliarden Pfund (rund acht­zehn Milliarden Mark), von denen 400 Millionen Pfund auf dem Anleihewege und der Rest durch Steuern aufgebracht werden sollen, auskommen werde. Die Regierung hat diese für Friedenszeiten beispiellose Belastung des britischen Steuerzahlers und Inanspruchnahme des Geldmarktes für Rü­stungszwecke mit der Notwendigkeit begründet, das mit größter Beschleunigung, gleichsam mit einem Ruck wieder aufzuholen, was man seit Beendi- aung des Weltkrieges in der Erhaltung der briti­schen Verteidigungskraft und ihrer Anpassung an die Erfordernisse der modernen Kriegstechnik im Vertrauen auf die Möglichkeiten des Völkerbundes und eines kollektiven Sicherheitssystems versäumt hatte. Ministerpräsident Baldwin hat diese Gründe noch einmal klar herausgestellt als Antwort auf die Kritik der Labourleute und Oppositionsliberalen, die in der Durchführung dieses Riesenaufrllstungspro- gramms eine Abkehr der von Eden bisher vertre­tenen Grundsätze britischer Außenpolitik sehen wol­len. Baldwin hat mit schonungsloser Offenheit an die trüben Erfahrungen erinnert, die England (bei der japanischen Besitzergreifung der Mandschurei so­wohl wie im abessinischen Konflikt) mit einem Völ­kerbund gemacht hat, der weder alle für den Gang der Weltpolitik maßgebenden Großmächte umfaßt, noch in seiner Konstruktion dem Idealbild entspricht, das fick seine Väter von ihm gemacht hatten, bevor in Versailles Uebermut, Rachsucht, Habgier und Un­verstand der Sieger die ideologischen Verfechter der Begründung einesewigen Friedens" brutal an die Wand gequetscht hatten.

Baldwin kam den Einwänden der Opposition in­sofern entgegen, als er erklärte, daß die britische Regierung keineswegs daran denke, nun von ihrem alten Ideal eines kollektiven Sichereitssystems ab­zurücken, sie werde vielmehr auch weiterhin um das Zustandekommen eines solchen Systems bemüht bleiben. Aber um es in Augenblicken einer Gefahr ür den Frieden wirksam zu machen, müsse England tark sein, damit es seine Verpflichtungen als we- entlicher Teilhaber eines solchen Systems erfüllen könne. Das britische Aufrüstungsprogramm be­zweckt nach den Worten Baldwins England so stark zu machen, daß keine Macht oder Mächtegruppe das Risiko eines Friedensbruchs auf sich nehmen könne, wenn das Britische Reich seine Machtmittel in die Waagschale des Friedens werfe. Baldwins Erinne­rung an 1914 müßte allerdings auch nachdenklichen Engländern in diesem Zusammenhang unangebracht erschienen sein, denn in den kritischen Juli- und Augusttagen des Jahres 1914 hätte England es tat- sächlich in der Hand gehabt, durch rechtzeitige Klar- stellung einer Politik, wie sie nun Baldwin für künftige Fälle vorschwebt, den Frieden zu erhalten. Statt dessen aber hat damals Sir Edward Grey, während er in Berlin in wenig durchsichtigen Wen­dungen zu einem Druck auf Oesterreich im Sinne einer Mäßigung gegenüber Serbien riet, seinem französischen Verbündeten die Gewißheit gegeben, «m gegebenen Falle von England nicht im Stiche gelassen zu werden. Und erst diese Gewißheit gab in Paris und Petersburg den Kriegstreibern die Oberhand. . Wenn Englands Rüstung tatsächlich das größte Bollwerk für den Frie- d e n" werden soll, wie der Schatzkanzler Neville Chamberlain erklärte, so setzt dies voraus, daß Eng­lands Staatsmänner aus den Erfahrungen und Folgen der englischen Politik in der Julikrisis des Jahres 1914 gelernt haben, Englands Stärke in die richtige Waagschale zu werfen, statt ihren Verbün­deten Mut zu machen, den Kriegspfad zu be­schreiten.

Der Wunsch, stark zu sein als Partner eines kollektiven Friedenssystems, ist natürlich nur eine Seite der britischen Aufrüstungspolitik. Die andere, in der Diskussion selbstverständlich bewußt in den Hintergrund gerückte Seite ist der sich aus den Er­fahrungen der lebten Vergangenheit und aus der machtpolitischen Lage der Gegenwart ergebende Zwang, die Sicherheit des Reichs künftighin weni­ger in Bündnissen zu suchen, als in der eigenen Stärke. Wir denken nicht im entferntesten daran, uns an dem Ausmaß der britischen Aufrüstimgs- pläne irgendwelche Kritik zu erlauben. Der Führer und Reichskanzler hat erst in seiner letzten großen Rede am 30. Januar erklärt, daß jeder Staat über den Umfang dessen, was er zu seiner nationalen Sicherheit nötig zu haben glaube, s e l b st ent­scheiden müsse. Was England heute wie schon zu jeder Zeit vorder als sein selbstverständliches Recht für sich in Anspruch nimmt, muß auch für Deutsch- land gelten. Daran die englische Oeffentlichkeit ge­rade in diesem Augenblick zu erinnern, mag viel­leicht nützlich sein. Nicht, als ob wir nun auf das englische Aufrüstungsprogramm mit irgendwelchem Wettrüsten reagieren wollten. Das Ausmaß unserer Rüstung richtet sich einzig und allein nach dem Be­darf unserer nationalen Sicherheit. Aber wenn man heute in England mit der Aufrüstung einBollwerk des Friedens" schaffen will, so sei daran erinnert, daß dies gleiche Argument in England nicht als stichhaltig angesehen wurde, als es ein völlig ent­waffnetes, sich seinen hochgerüsteten Nachbarn als verlockender Kriegsschauplatz geradezu präsentieren­des Deutschland mit weit größerer Berechtigung ins Feld führte, um die Notwendigkeit zu begründen, seine nationale Sicherheit sowohl wie den Frieden in Mitteleuropa durch ein Aufholen seiner Rüstung auf die eigene Kraft zu stützen. In ähnlicher, wenn auch weit günstigerer Lage denn nicht im ent­ferntesten hat die Vernachlässigung der britischen Rüstung jemals den Grad der tatsächlichen Ent- waffnung Deutschland erreicht sieht sich nun England veranlaßt, die Folgerungen daraus zu ziehen, daß einmal der insulare Charakter des Mutterlandes unter dem Einfluß der modernen Kriegstechnik immer mehr schwindet daher der Wunsch nach einer starken Luftflotte, zum andern das Umsichgreifen des Bolschewismus in West- europa den Wert der französischen Freundschaft er­heblich zu mindern droht, und schließlich die Nicht­verlängerung der Flottenverträge von Washington und London ein Wettrüsten der großen Seemächte des Pazifik einleitet. So sieht England innerhalb seiner Bündnispolitik und eines künftigen Systems der kollektiven Sicherheit feine Rückversicherung in einer Aufrüstung aller drei Wehrmachtsteile, in dem Aufbau einer leistungsfähigen Rüstungsindu­strie und der Bereitstellung ungeheurer Waffen- und Munitionsreserven, ein Gesamtprogramm, das mit seinem Aufwand von 18 Milliarden Mark Opfer verlangt, die zu tragen selbst dem reichen britischen Volk nicht leicht fallen wird.

Es ist ein seltsames Zusammentreffen, daß gleich-

Deutschland verbietet die Teilnahme am spanischen Bürgerkrieg.

Berlin, 20. Febr. (DJIB. Funkspruch.) Die Reichsregierung hat das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird:

§ 1.

Deutschen Staatsangehörigen ist die Einreise nach Spanien und den spanischen Be­sitzungen, einschließlich der Zone des spanischen Protektorats in Marokko, zur Teilnahme am Bürgerkrieg verboten.

§ 2.

Der Reichsminister des Innern wird ermächtigt, die erforderlichen Maßnahmen zu tref­fen, um die Ausreise und Durchreise von Personen zu hindern, die sich zur Teilnahme am Bürgerkrieg nach dem im § 1 bezeichneten Gebieten begeben wollen.

§ 3.

Es ist verboten, Personen zur Teilnahme am spanischen Bürgerkrieg anzuwerben, oder sie Werbern zuzuführen.

§ 4.

Der den Vorschriften der §§ 1 und 3 dieses Ge­setzes oder einem auf Grund des § 2 erlassenen Verbot zuwiderhandelt, wird mit Gefängnis bestraft.

8 5.

Der Reichsminister 2)es Auswärtigen bestimmt den Zeitpunkt des Inkrafttretens und des Außerkrafttretens dieses Gesetzes.

Berchtesgaden, den 18. Februar 1937.

Der Führer und Reichskanzler: Adolf Hitler.

Der Relchsminister des Auswärtigen: Freiherr von Reurath. Der Reichsminister des Innern:

Frick.

Auch Portugal erlaßt Freiwilligen-Verbot.

Lissabon, 20. Febr. (DNB. Funkspruch.) Die portugiesische Regierung veröffentlicht einen Erlaß, der die Anwerbung und Ausreise Frei­williger portugiesischer Staatsan­gehörigkeit für die Teilnahme an den Kämp­fen in Spanien verbietet. Staatsbürger, die

nach Erlaß des Gesetzes das Land in der Absicht verlassen, an den Kämpfen teilzunehmen, verlie­ren ihre Staatszugehörigkeit. Portu­giesen, die sich bereits bei einer der kämpfenden Parteien haben anwerben lassen, müssen in­nerhalb eines Monats nach Inkraft­treten des Verbots zurückkehren. Aus­ländern, die in Portugal ansässig sind und sich für eine der kämpfenden Parteien anwerben lassen, wird die Rückkehr nach Portugal für einen Zeit­raum von fünf Jahren untersagt. Das gleiche gilt für Ausländer, die nur durch Portugal rei­sen, um zu einer der kämpfenden Parteien zu gelangen. Das Verbot tritt sofort in Kraft.

Das portugiesische Außenministerium stellt fest, daß Portugal niemals von seiner ursprünglich ein­genommenen Haltung, die eine internationale Ueberwachunq auf nationalem Gebiet nicht liebt, abgegangen (ei.

Um jedoch eine Erfüllung des Nichteinmischungs­abkommens zu ermöglichen, habe die portugie­sische Regierung England gebeten, Beob = achter zu entsenden, die ihren Konsulaten zugeteilt werden, und die die Erfüllung der von Portugal übernommenen Verpflichtungen bezüglich der Re­krutierung Freiwilliger und deren Durchreise sowie bezüglich Waffentransporten nach Spanien fest­stellen sollen.

Dei portugiesische Regierung würde, wenn sie zu der Ueberzeugung kommen müßte, daß Portugals Anwesenheit ein unüberwindliches Hindernis für die notwendige Einstimmigkeit bei den Be- schließungen des Londoner Ausschusses darstellte, nicht zögern, den Nichteinmischungsausschuß zu verlassen.

Französische Bedenken gegen eineGowjetfloite im Miiielmeer.

Paris, 20. Febr. (DNB. Funkspruch.) Der Matin" lehnt energisch die Forderung Sowjetruß­lands ab, diesem Lande im Rahmen der internatio­nalen Kontrolle die Ueberwachung des Kü­stenstreifens von Marokko zu übertragen. Frankreich müsse diese Forderung als unannehmbar zurückweisen, ebenso wie den von Moskau zum Aus- druck gebrachten Wunsch, der sowjetrussischen Flotte einige Stützpunkte zur Verfügung zu stellen. Diese Stützpunkte würden dann sehr bald zu k o m munistischen Unruheherden werden. Das von Frankreich in Nordafrika verfolgte Werk mache es zur Pflicht, eine derartige Möglichkeit, deren Ver- wirklichung voller Gefahren sei, rundweg ab« zulehnen.

Arbeitsnachweis"

Sie kommunistische Partei Englands »Freiwillige" für den

London, 20. Febr. (DNB. Funkspruch.) Der Sonderkorrespondent derDaily Mail" an der Madrider Front schreibt, daß an der Madrider Front von den nationalen Truppen gefangenge­nommene englische Staatsbürger ihm gegenüber Aussätzen gemacht haben, aus denen das Netz der Jntrigien deutlich sichtbar wird, das die kommuni­stische Partei Englands über das ganze Land ge­sponnen hat. Jeder Faden dieses Netzes führe z u irgendeinem Industriezentrum, wo Menschen, die lange arbeitslos waren, leicht dazu verführt werden könnten, nach Spanien zu gehen unter dem Versprechen, bei Straßenbau­arbeiten, in Plantagen ujw. beschäftigt zu werden. Das Hauptquartier dieser Anwerber sei zugleich das Hauptquartier der kommunistischen Partei. Jeder habe hier eine Wochenendkarte zur Fahrt nach Frankreich erhalten. Alle Ge­fangenen hätten Harry Pollitt, den General- s e f r e t ä r der kommunistischen Partei Englands, gesprochen. Viele erklärten, daß er ihnen persönlich die Fahrkarte und ein Pfund Sterling ausgehän- digt habe. Die Angeworbenen stammten aus ver­schiedenen Orten Englands, die Anwerbung aber hat sich immer in der tzleichen Weise abgespielt: Ein Agent näherte sich jungen Erwerbslosen, ver­sprach ihnen Arbeit gegen gute Bezahlung

als Werbezentrale.

besorgt den spanischen Bolschewisten Kampf gegen Franko.

und schickte sie dann nach Liverpool weiter, wo in einem Büro mit der AufschriftArbeitsnach - weis" die Opfer dann gesammelt wurden. London wird von Agenten des bolschewistischen Spaniens geradezu durchgekämmt.

In Gruppen zu 20 wurden die Opfer nach Frank­reich geschickt, wo sie in Boulogne von fran­zösischen Bolschewisten nach Paris weiter verfrachtet wurden. Von hier geht es nach Perpignan und schließlich im Kraft­wagen zur Front. Die meisten erfuhren ihr eigentliches Schicksal, als fie in Madrigueras Waffen in d i e Hand bekamen. Von dort find sie dann direkt an die Front geschickt worden, die meisten ohne jede Ausbildung, ohne zu wissen, wie man überhaupt mit einem Gewehr um­geht. Sie wurden dann in das Saklatvala-Batail- lon eingegliedert, dessen Namen in kommunistischen Kreisen bekannt genug ist; seinKommandeur" ist ein Engländer namens Wintrigham. Sehr bald waren die jungen Engländer dann auch mitten im Kampf. Das Bataillon verlor die Hälfte feines Bestandes durch Tod und Verwun­dung. Proteste gegen die Einreihung in die Truppe haben nicht gefruchtet, im Gegenteil, alle befange­nen haben erklärt, daß diejenigen, die einen Protest gewagt hätten, kurzerhand erschossen wurden.

zeitig mit der Rüstungsdebatte im britischen Unter­haus in Berlin die internationale Front­kämpferorganisation tagte. Ihr Besuch im Bertzhof auf dem Obersalzberg gab dem Führer und Reichskanzler erneut willkommene Gelegenheit, als Kamerad zu Kameraden Deutschlands aufrich- tttzen und unbeirrbaren Friedenswillen zu betonen. Die Männer, die uns einst im Schützengraben als Feinde gegenübergestanden haben, aber sich durch die von politischem Haß und Neid vergiftete Atmo­sphäre der Nachkriegszeit die ritterliche Hochachtung vor der Leistung des Gegners, die von jeher das Zeichen des echten Soldaten gewesen ist, bewahrt haben, werden die Worte des Führers verstanden haben, daß der Krieg zwar ein großes, aber auch ein grauenhaftes Erlebnis fei und ein neuer kriege­rischer Konflikt katastrophale Folgen für alle Na- tionen haben müsse. Die Frontkämpfer, die den Krieg bis ins Letzte an sich selbst erfahren haben, denen niemand Tapferkeit und Vaterlandsliebe ad- sprechen kann, sind daher auch in erster Linie be­rufen, als Träger der Friedensidee unter den Völ­kern für Verständigung und Kameradschaft zu wer­ben. Sie wissen, daß sie nicht besser das Vermächt­nis ihrer gefallenen Kameraden erfüllen können, zu deren ehrendem, aber auch verpflichtendem Ge­denken sich morgen das deutsche Volk in ernster Feierstunde zusammenfindet.

Die Frontkämpfer wissen aber auch, daß die gegenseitige Achtung, die sie selber zusammengeführt har, auch die Grundlage für eine Verständigung bt'r Völker sein kann. Sie sind daher auch die ge­gebenen Vorkämpfer für eine Entgiftung der Welt, ohne die es nach einem sehr ernsten Mahnwort des Herzogs von Coburg keine Befriedung der Welt geben kann. So werden die Frontkämpfer ein ..Bollwerk des Friedens" in einem anderen und würdigeren Sinne als Neville Chamberlain es von dem waffenstarrenden England behauptet hat. Don diesem Bollwerk aus sollen sie die Herzen ihrer Nationen erobern und in ihnen der Stoßtrupp einer Front der anständigen Menschen sein gegen Argwohn und Mißgunst, Niedertracht und Der- leumbung, die heute wie vor zwanzig Jahren im­mer wieder versuchen, die alte Kluft zwischen den Völkern aufzureißen, um schließlich Europa in ein Meer von Blut und Tränen zu stürzen. So wie

die ausländischen Frontkämpfer in ihre Heimat die Gewißheit mitgenommen haben, daß das national­sozialistische Deutschland und sein Führer nichts anderes wollen, als geachtet und gleichberechtigt mitarbeiten im Kreise der Nationen, so ist es für uns Deutsche am morgigen Heldengedenktag ein tröstliches Gefühl zuversichtlicher Hoffnung, auch jenseits der Grenzen einen wachsenden Ring auf­rechter Männer zu wissen, die bereit sind, mit aller Tatkraft den Kampf für einen ehrenhaften Frieden zu führen, für den einst im großen Kriege die Besten aller Nattonen ihr Leben dahingegeben haben. Fr. w. L.

Frankreich darf nicht taub bleiben."

Ein französischer Frontkämpfer über seine Eindrücke in Deutschland.

Paris, 20. Febr. (DNB. Funkspruch.) Der Vorsitzende des Nattonal-Verbandes der französi- fchen Kriegsverletzten, C h a t e n e t, der mit der französischen Frontkämpfer-Abordnung in Berlin weilte, gab einem Vertreter desJournal" seine Eindrücke wieder, die er aus Deutschland m i t g e b r a d) t hat. Chatenet betonte die Herzlich­keit des Empfanges und das äußerst höfliche Ent­gegenkommen der Bevölkerung insbesondere gegen­über der französischen Abordnung. Unter Hinweis auf die Reden der leitenden deutschen Männer, in denen immer wieder der Friedenswille Deutschlands zum Ausdruck gekommen sei, er- klärt der ehemalige Abgeordnete, Frankreich habe nicht das Recht, einem solchen Aufruf zur Annähe­rung taub gegenüberzustehen. Was die interna­tionalen Frontkämpfer in Berlin getan hätten, fei weder für Frankreich noch für Europa, die Welt und den Frieden unnütze Arbeit gewesen.

Botschafter von Ribbentrop stattete Lord Derby auf dessen Landsitz in Knowsley einen Privatbesuch ab und nahm an einem Essen teil, das ihm zu Ehren von Lord Derby im Manchester ge­geben wurde.

Nach sechs Monaten.

Der deutsche Botschafter in London, von Ribben­trop, hat in der entscheidenden Sitzung des Nicht- einmischungsausschusses über die spanischen Ange­legenheiten einer Zeitungente den Hals umgedreht. In sehr bewußter Taklik hatte die britische Presse hervorgehoben, die Einigung über den Kontroll­plan sei Frankreich zu verdanken. Die französische Regierung habe durch ihr Entgegenkommen nicht nur, sondern durch die energischen Erklärungen des französischen Botschafter (Sorbin durchgefetzt, daß mit Ausnahme von Portugal die Großmächte sich darüber einigten, das Freiwilligenverbot am 20. Fe­bruar und den Kontrollplan am 6. März in Kraft treten zu lassen. Die Tendenz solcher Meldungen war klar. Frankreich sollte als Friedensfreund hin- gestellt, die Volksfrontminister in ihren tausend Nöten glorifiziert werden. Diese Fälschung der histo­rischen Tatsachen wurde sofort von Ribbentrop an­geprangert. Nicht die französische Regierung, nicht die ihr sekundierende englische habe das Verdienst, das Zureiseverbot durchgesetzt zu haben. Schon vor mehr als einem halben Jahr, am 17. 21 u g u ft 19 3 6, hatten die Deutschen und die Italiener den Vorschlag eingebracht, der jetzt endlich angenommen ist. Die deutsche Regierung hat sogar mit ihrem Memorandum vom 7. Januar 1937 den weitergehenden Vorschlag gemacht, alle nichtspanischen Freiwilligen aus Spanien zu ent­fernen. Das Hureifeverbot ist also ein deutscher und nicht ein französischer Vorschlag.

Selten ist in der Diplomatie so schnell und wir­kungsvoll einer böswillgen Legende das Lebens­licht ausgeblasen worden, wie es durch Ribben­trop geschah. Alle Welt weiß, daß die Sowjetunion und Frankreichs Volksfrontregierung direkt oder in­direkt die Bolschewisten in Spanien unterstützten. Die Meldungen der französischen Rechtspresse über die Tätigkeit des Luftfahrtministers Pierre Cot, über die geradezu bolschewistischen Zustände an der fron» zösischen Pyrenäengrenze, über die Werbearbeit der Komintern nicht nur m Frankreich sind bis jetzt auch nicht im geringsten widerlegt worden, und der seinerzeit vomMessagerv" veröffentlichte Bries, der einige Mitglieder des französischen Kabinetts bis zu Leon Blum herauf der aktiven Einmischung in die spanischen Verhältnisse bezichtigte, kann heute als echt gelten. Gerade weil Frankreichs rechte Hand nicht wußte, was die linke tat, weil Läon Blum den Nichteinmischungsausschuß angeregt hatte, in Wirklichkeit aber eine sofortige Kontrolle über Spanien verhinderte, ist die furchtbare Tatsache zu verzeichnen, daß Spanien seit August durch die Ein­mischung der Sowjets verwüstet und ausgeplündert wurde. Hunderttausende von Opfern, die auf bolsche­wistische Weise hingcschlachtet wurden, klagen die französische und die englische Regierung an, durch die um ein halbes Jahr verspätete Annahme des deutschen August-Vorschlags sie ins Grad gestoßen zu haben.

Auch die englische Regierung. Man weiß, daß der englische Außenminister Eden aus gewissen Er­wägungen des demokratischen Gleichgewichts in Europa heraus zwar von Nichteinmischungspolitik sprach, in Wirklichkeit aber gerade den Sieg der nationalen Sache in Spanien veichindern wollte. In diesem Falle ist Edens Taktik von einem ver­hängnisvollen Erfolg gefrönt worden, zumal die Londoner und die Pariser Politik fein abgestimmt vorging. Man braucht sich nur die Meldungen ins Gedächtnis zurückzurufen, Deutschland und Italien verlängerten den spanischen Krieg, sie hätten Trup­pen gelandet, und die Deutschen säßen bereits in Marokko, die Italiener auf den Kanarischen In­seln, um die ganze Perfidie dieser französisch-eng­lischen Pressemeute zu ermessen. Es stimmt zwar nicht, daß der französische Botschafter Corbin, wie eine ausländische Zeitung berichtete, mit der Mobi- lisation einiger Divisionen für den Fall drohte, daß der Kontrollplan nicht sofort angenommen würde, aber die seitherige Schwenkung der Pariser Regie­rung in der Nichteinmischungsfrage ist eine Tat­sache. Worauf ist die plötzlich verwandelte Energie zurückzuführen. Doch nur auf die militärisch mise­rable Lage der befreundeten spanischen Bolschewi­sten, auf die Einnahme von Malaga durch die na­tionalen Truppen, auf die anarchisch-bolschewistischen Zustände im roten Katalonien und die Abschnürung des roten Madrid! Man hat billig Lorbeeren zu sammeln, wenn man nach vielen Monaten des Nichtstuns plötzlich eine Neutralität strikter Obser­vanz verkündigt--nur um den Sieg der na­

tionalen Regierung des Generals Franco nicht voll in die Erscheinung treten zu lassen. Das war die Taktik, das ist das Ziel der Dolksfrontregierung in Frankreich. Wäre der deutsch-italienische Vor­schlag schon im August angenommen worden und in die Akten eingesargt, bann wäre aller Voraus­sicht nach nicht nur die nationale Regierung Fran­cos schon längst im Besitze des Sieges, sondern Spanien wäre nicht ausgebrannt worden.

Soviel ist jedenfalls klar, daß die beiden Haupt­interessenten an der Einmischung die weitere Ver­schleppung einer wirksamen Kontrolle bis zum 6. März zu nutzen wissen werden. Und nach dem 6. März? Die Londoner Beschlüsse beziehen sich nicht nur auf Freiwilligen-Transporte, sondern auch auf die Anwerbung! Es wird sich auf dem Weg über die nationale spanische Regierung sehr bald Herausstellen, wie weit jene Interessenten die Schmugglerpfade über die Pyrenäen und die Zu­gangsmöglichkeiten nach Valencia und Barcelona von See her wirklich stillegen werden.

Denn es erscheint als außerordentlich merkwür­dig, daß Frankreich, bisher mit Sowjetrußland zu­sammen Saboteur jeder wirklichen Nichteinmischung, jetzt zwar mit solcher Plötzlichkeit auf die Londoner Beschlüsse gedrängt hat, aber gleichzeitig das volle Maß politischen Druckes gegenüber Portugal an­wenden will, und zwar in so auffallend dringlicher, ja fast ultimativer Form (Drohung mit Wieder­gewinnung der Handlungsfreiheit), daß für Paris die Verhinderung von Unterstützungen für die nationale Regierung über die portugiesische Grenze noch wichtiger zu fein scheint als die Abriegelung aller Zufuhren für die Bolschewisten. Und zweitens hat ja schon der Sowjetbotschafter M a i s k i in dem Londoner Ausschuß Vorbehalte angemeldet, wenn er behauptete, daß immer noch einige Punkte ge­klärt werden müßten, bevor man an eine wirk­liche Kontrolle ginge. Wie während des ganzen bisherigen Sowjetkriegs in Spanien ergibt sich auch aus diesen beiden Momenten eine so enge lieber« einftimmung zwischen der Haltung Frankreichs und Sowjetrußlands, daß man sie als das Ergebnis dauernder Fühlungnahme ansehen muß. Es macht demgegenüber einen fatalen Eindruck, wenn man in Paris und in London den Franzosen das Verdienst an den Londoner Beschlüssen zuschieben will. Der 6. März als letzter Stichtag wird darüber ent­scheiden, ob die Weststaaten den Sowjetkrieg in Spanien wie bisher unterstützen bzw. dulden zumal anscheinend niemand von ihnen an die Zurückziehung derfreiwilligen" Bolschewisten denkt.