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Samstag, 20. Zebruar 1937
187. Jahrgang
Nr. 4 3 Erstes Blatt
Das deutsche Volk gedenkt seiner gefallenen Helden
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Wir klagen nicht an eurem Grabe, Wir neigen uns vor solchem Geist, Der deutschen Männer beste Habe, Die deutsche Art durch Tat beweist. Der Geist, der euch zum Kampfe führte. Euch noch im Sterben lächeln ließ .. Soll wie ein Stern vom Aether funkeln. Ein Glaubenszeichen in der Nacht, Wenn Wetterwolken uns umdunkeln Bis wir zum Sonnentag erwacht Boll Andacht denken wir der Toten Und ehren ihren Geist, der lebt! Der Geist, der ihnen einst geboten, Sei auch der Geist, der uns erhebt!
Als wir im ersten Kriegsjahre die ersten Soldatengräber erblickten, wurde unser Gesang leiser, ob wir nun auf den gewölbten Straßen marschrer- ten ober in den Zügen saßen, die langsam dem stürmenden Heere neue Menschenkraft zusuhrtem Aber ihrer wurden immer mehr: die Helme mit den verregneten Ueberzügen, die Holzkreuze an den Waldrändern unter den blutroten Abendwolken
Das waren Schlacht und Kämpfe, von denen Adolf Hitler in seinem „Kampf" schreibt: „Nach vier Jahren kehrten wir zurück. Selbst der Tritt war jetzt anders geworden. Siebzehnjährige Knaben sahen nun Mannern ähnlich. Die Freiwilligen des Regiments List hatten vielleicht nicht recht kämpfen gelernt, allein, zu sterben wußten sie wie alte Soldaten."
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Ja, zu sterben wußten sie wie alte Soldaten! 28 Tage hindurch, so lange die Schlacht dauerte, färbte sich Flandern rot von ihrem Blute. Und sie hielten den Feind in Schach, zermürbten ihn mit ihren Opfern Tag und Nacht, stellten sich frontal in allen
Kämpfen und ließen ihn nicht vorkommen. Sie bauten mit ihren Leibern die Mauer in die Lücke und führten die Front bis zum Meere. Sie schlossen den Wall um Deutschland.
Die Schlacht starb am 17. November 1914 an der Erschöpfung aller Soldaten.
Der Tod von $pern war müde geworden.
Und niemals war das Opfer der Jugend umsonst!
Wie viele es waren, wie hießen sie? Fragt nicht!
Bei Roulers meißelten Kameraden in den Stein des Massengrabes:
„Gelitten, gestritten für Deutschlands Ehr!, es kennt ihre Namen nur Gott der Herr!"
So soll es sein. Denn alle waren sie des neuen Deutschlands Saat und alle sind sie unser!
gegen, marschierten unbeirrt gegen die Läufe unserer Gewehre und fanden furchtlos scharenweise den Tod. Das ist die Frucht eines Jahrhunderts nationaler Disziplin. Die Kraft der preußischen Kriegsmaschinerie schweißt zusammen, damit sie sich für die nationale Existenz einsetzen, und ihr Vorgehen beweist, daß für sie „Deutschland, Deutschland über alles" kein leerer Schall ist."
Das waren jene Regimenter, in denen der Kriegsfreiwillige Adolf Hitler die Feuertaufe erhielt. Männer, die fo handelten, wie es in der Geschichte des Regiments List schlicht rubriziert wird: „Beim Sturm auf den „Bayernwald" am 15. November 1914 wollte der Regimentskommandeur per-
Kampfe in den rauchenden Festungen, dann nahmen wir die Toten in unsere Mitte und trugen sie feierlich in die ewige Ruhe.
Und an den langen Abenden dachten wir an die fernen Mütter, die Mütter der Toten. Und wie ihr Schoß einst das junge Leben getragen, so wurde nun ihr Herz, ihr vom Schmerze geöffnetes Herz, das Grab der Helden. Und als sie im Herzen der Mütter begraben lagen da begannen sie höher zu leben. Ihre Leiber wurden zur Geisterbrücke, die unsere Todesgemeinschaft der Front mit der Le- bensgemeinschsat der Heimat zu einem einzigen Volke verband.
Bis endlich, nach Jahren der Schmach, das Volk aufstand in alter Kraft und sich die Freiheit der Rüstung wieder holte. Da glühte die Brücke der Toten blutrot; denn nun war all das geopferte Blut verklärt und gerechtfertigt und ein neuer Friede gegründet: der Friede der Kraft in einem einigen Volke.
Und einst, am Tage der letzten Freiheit, werden sie lauter Licht fein, strahlendes Licht, das über unserem Volke einherzieht wie die Sonne. Dann ist der Sinn des Schicksals erfüllt, das dunkle Opfer hat sich in lautere Liebe verwandelt und scheint nun ewig auf das ewige Leben des Volkes.
Das Kameradengrab der deutschen Kriegsgräberstätte Bousbeque bei Lille; erbaut vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.
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Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
Lebendige drücke der Tölen
Von Josef Magnus Wehner.
sönlich in den Kampf eingreifen und begab sich im Hohlweg bis zum Rande des Waldes, wo er das Gelände überblicken konnte; aber kaum hatte ihn das wachsame Auge des Gegners entdeckt, als ein mörderisches Infanterie- und Mafchinengewehr- feuer einfetzte. Die beiden ihn begleitenden Gefechtsordonnanzen, Hitler und Bachmann, sprangen vor, stellten sich schützend vor ihn und drängten ihn mit den Worten zurück, er möge das Regiment davor bewahren, in so kurzer Zeit ein zweitesmal seinen Regimentskommandeur zu verlieren, in ein nahes Erdloch. Zum Dank drückte er beiden stumm die Hand. Leider sollte sich aber die Befürchtung der beiden Gefechtsordonnanzen nur allzubald erfüllen."
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Die Saal von Langemarck.
Von Otto JRiebicfe.
Jrn Herzen Kind, ein Mann in bitterer Not, So ging er, wie's das Vaterland gebot, Vorn schönsten Leben in den schönsten Tod.
(Auf dem Grabe eines Langemarck-Kämpfers.)
Als man am Tage nach Antwerpen die Siegesflaggen in Deutschland einholt, sind die Freiwilligen alarmiert. Deutschlands jüngste Armeekorps stehen im Abtransport — aus dem Boden gestampft. Studenten, Lehrer, Schüler, Kaufleute, Bauern, Städter, Handwerker stecken in neuen Uniformen und jubeln begeistert „Deutschland, Deutschland über alles". Sie fahren über den Rhein nach Belgien hinein; sie singen und jauchzen und können es nicht erwarten. Deutsche Jugend zieht aus, deutsche Jugend marschiert in die Schlacht — ver sacrum, heiliger Frühling. Und der Tod von Ypern reckt sich auf.
Acht Wochen standen sie auf Kasernenhösen, marschierten sie auf Uebungsplätzen, zielten sie in Schieß- ständen. Acht Wochen lernten sie Pflicht, Gehorsam, Tornistertragen und Schießen. Acht Wochen lernten sie Soldatsein. Und dann schwuren sie den Eid wie klirrendes Gebet. Ihre Herzen waren voller Glut, und in ihren Adern brannte der Wille. Und die Kraft. Und die heilige Liebe zu Deutschland. Sie sind bereit. So meldete am 9. Oktober unter den Fahnen des Sieges von Antwerpen das Kriegsministerium dem Generalstabschef von Falkenhayn. Sie waren bereit zu kämpfen — und zu sterben. Sie traten den Opfergang an für Deutschland. Die Lücke klaffte. Das Westheer war in Gefahr. Soldaten fehlten. Und die Freiwilligen kamen, 16 Jahre alt oder 20 ober 30, 40, 50 — sie kamen tatbeseelt.
„Als die Tage heiter glänzten, hat kein Gott uns offenbart, daß Ihr die geheim' Bekränzten und die Todgeweihten wart!"
(Ina Seidel.)
Mit dem XXII., XXIII., XXVI. und XXVII. Reservekorps rücken sie in die 4. Armee ein, und mit hellodernder Begeisterung füllen sie die Lücke, in die der Feind stoßen wollte — im Angriff. In den letzten Tagen des Oktober, da beginnt es. Franzosen und Engländer liegen in starken Stellungen, vor ihnen der Sumpf Flanderns. Hundert Kilometer weit brennt die Schlacht der Artillerien. Und plötzlich schwillt es heran, aus allen Erd falten und Sumpflöchern, aus allen Feldern und Wäldern, und die Luft ist erfüllt von jauchzenden Rufen und Todesschreien — die Jugend stürmt.
Die Jugend stürmt ... Und der Tod von Ypern steht riesenhaft über den Heeren, er rührt die Schlägel der Batterien und die Trommelwirbel aller Gewehre, er reißt immer neue Regimenter in das Feld seiner Ernte. Er stößt den Himmel auf, daß der Regen in Strömen heruntergießt und alles Land überschwemmt, er zertritt die Flüsse, die Kanäle, die Bäche und alle Schleusen. Aber die Jugend stürmt, immer wieder und unaufhaltsam, und sie hat ein Lied auf den Lippen, jauchzendselig. Das steht hell über dieser Schlacht: Deutschland, Deutschland über alles!
Bei Becelare ist es. Am ersten Kampftage, abends 8 Uhr. Da klingt das Lied dieser Schlacht zuerst auf. Die Jungen vom 1. Bataillon des Leipziger 245. Reserve-Regiments nehmen den Ort und liegen auf dem Kamm der Höhe feinbroärts. Hinter ihnen brennt Becelare, und sie sind wie Silhouetten auf diesem Kamm. Furchtbar mäht der Tod durch ihre Reihen. Unentrinnbar packt er sie im Schein des brennenden Dorfes. Sie kratzen sich in die Erde ein. Was ist das gegen Stahl und Eisen? Becelare brennt heller und heller, und der Feind sieht alles. Da springt vom 1. Bataillon der Oberstleutnant Haeser auf, fein mächtiger Bariton dröhnt das Deutschlandlied über das donnernde Feld, das Bataillon reißt sich hoch, die vom III. schließen sich stürmend an ... „Deutschland, Deutschland über alles" braust es in das rasende Feuer „..über ... alles ... in ... der Welt!" Sekundenlang ist nichts als dieses Singen über dem Feld, so starr ist der Feind. Die Schlacht bleibt stehen, aber der dreimal verfluchte Hohenkamm liegt nun hinter den Deutschen. _
Am andern Tag ist Oberstleutnant Haeser gefallen — aber das Lied wird nicht mehr still, es flammt auf nun über Langemarck, Bixfchoote, Dix- rnuiden, Het Sas, über das Blutfeld von Ypern und ganz Flandern . . Es wird das Sturmlied der Freiwilligen. „Als sie das Deutschlandlied fangen, wurden mir die Augen feucht. Ich habe fie bann sterben sehen lautlos, ohne Klage, in den Gesichtern noch die vaterländische Begeisterung." Sv schreibt ein preußischer General Das war die Jugend in der Schlacht von Flandern, die Jugend aus dem Ringen um Langemarck, das sechsmal in diesen Tagen im Angriff stand — und sechsmal standhielt und nicht genommen werden konnte bis zum nächsten April! t , ...
lieber ihnen allen steht der deutsche Heeresbericht vom 11. November 1914 vormittags mit den klassischen Worten: „Westlich Langemarck brachen junge Regimenter unter Dem Gesang Deutschland, Deutschland über alles!" gegen die erste Lime der feindlichen Stellungen und nahmen fie." Das war die deutsche Jugend, über die auch der Engländer den Degen senkte, in seinem Tagesbericht vom 12. November: „Ungeachtet des Mangels an Offizieren, stellten sich diese Knaben unseren Kanonen ent-
Gelöbnis der Lebenden.
lieber einem der großen deutschen Gefallenenfriedhöfe stehen die Worte:
„Steht Ihr noch an unferm Grabe Schmerzumflort und gramverhüllt, Euer Leid ist keine Labe
Dem, der fein Geschick erfüllt.
Nicht mit Weinen oder Klagen, Seufzend unter Schickfalswucht, Sondern mit der Kraft zu wagen Seid Ihr unsres Opfers Frucht. Willst du deine Toten ehren, Sei der Welt, der liebeleeren Liebesflamme, Gottes Licht!"
Wenn wir morgen wieder unserer gefallenen Helden gedenken, dann wollen wir es auch recht tun. Sie wollen nicht bloß gepriesen und gefeiert oder gar nur beklagt und beweint werden. Sie haben mehr von uns zu verlangen! Denn sie haben unendlich viel für uns getan! Wir stehen tief in ihrer Schuld!
Ohne sie wären wir entweder einer immer mehr entnervenden Uebertultur und seelischen Verflachung verfallen, ober wir wären einem neuen, bie Schmerzen unb Wunben bes Krieges betäubenben Genußleben erlegen ...Da haben unsere Gefallenen auch noch ben letzten unb schwersten Kampf gekämpft, ben Kampf gegen bas eigene Volk, bas bie Wunben und Opfer des Krieges nicht mehr in feiner Seele und in feiner Gesinnung trug. Unb auch in biefem Kampf sind sie Sieger geblieben. Doppelten Dank schulden wir ihnen heute!
Aber die besten unseres Volkes sind nicht gefallen, damit die Lebenden tot feien, sondern damit bie Toten lebenbig werben. Wie Walter F l e x („Vom großen Abendmahl") sagt, hüten die toten, feldgrauen, deutschen Soldaten die Seelen der un- geborenen deutschen Kinder, baden sie in den reinen Tränen des Volkes, damit sie wieder stark werden unb rein bleiben sollen. Unb sie reben mit ihnen. Und daraus wird einst in der Kinder Erdenleben ein reiner und feiner Duft ausströmen auf das eigene Volk. So wie seingeschliffene Gläser den Duft des kostbaren Oeles noch jahrelang festhalten und ausströmen. Das alles verdanken wir heute den gefallenen Helden.
Unb wir können ber Kriegsgefallenen nicht gedenken, ohne zugleich auch der Toten der nationalen Erhebung zu gedenken, die ihr junges Leben eingesetzt und hingegeben haben für bie Wiebergewin- nung der Ehre unseres Volkes. Auch sie gehören in die Reihe der feldgrauen Kämpfer. Denn ihnen verdankt unser Volk die Befreiung von allem undeut- fchen Wesen unb Treiben, bas burch lanbfrembe Elemente über uns gekommen war. Sie kämpften für bas heilige Vermächtnis ber Gefallenen ba braußen hier brinnen im eigenen Volk und haben es neu errungen.
„Als der Führer rief, die Trommel klang Scharten um bas Banner sich bie Mannen, Und für manchen war's der letzte Gang, War ein bitter Sterben, doch ein ernstes Mahnen! Heute weiß ein ganzes Volk euch Dank!" ...
Hinter ihrem Sterben glüht eine Kraft, deren Stunde gekommen ist. Sie mußten sterben, damit wir e i n Volk werden konnten im wahrhaften Staat, wo jeder Deutsche weiß, daß nur aus Opfer und Leiden, aus „Blut und Eisen" Großes unb Lebensechtes geboren werben kann. Das ist das große, geistige Gesetz alles wahren Lebens. Ohne Opfer kein wahres Vorwärts und Aufwärts. Wo keine Gräber sind, gibt es auch keine Auferstehung.
Darum sind unsere Gefallenen das größte und herrlichste Opfer, das jetzt an uns wirksam geworden ist. Darum fordern fie jetzt aber auch ihr heiliges Recht: die alte Treue vom neuen Geschlecht. Darum fordert dieser Tag ernsten Gedenkens von uns allen, das wir ihnen die Treue wirklich halten. Daß alle Treuen im Lande ben festen Ring um bie Gefallenen schließen. Denn tot bliebe bas feierlichste Gebächtnis, wenn es nicht würbe zum ernsten Gelöbnis, es ihnen gleich zu tun in Opferbereitschaft unb Hingabe an bie großen Aufgaben, bie das Leben von uns fordert, uns zu Taten aufrufen und begeistern, die der Toten würdig find.
Darum nicht bloß Totenklage und Totenleid, sondern Helbengebenken und Heide n d a n k! Das ist rechtes Gedenken am heutigen Tage.
Nordfrankreichs und Flanderns.
Und bald sahen wir die langen, hohen Banke der Gräber in den Abend steigen, deren Erde rot glühte, wenn das Licht in ihnen verblutete. Sie glichen Altären, diese erhabenen Hügel, in denen die Gebeine der Geopferten eingeschloffen waren
Uns jungen Kriegern Dämmerte von jenen Hügeln bas Wort entgegen „Das Blut ist der Wem des Lebens". Wir ahnten, daß es keine siegende Ju- aenb, keine jauchzende Freude mehr geben könne, ohne daß der heilige Abendmahlswein des Volkes, das Blut seiner Heiden, in die Erde geopfert werde. Denn von ihrem Blut schlägt das Herz der Welt.
Dann begruben wir selbst. Wir bargen sorgsam und oft unter Gefahr unsere Toten, trugen sie brüderlich in der Zeltbahn auf die großen Friedhöfe hinter der Front und senkten sie in die fhübraune Erde hinab. Keinen ließen wir ohne Grab. Und wenn wir weichen mußten nach monbelangem |
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