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m. 2^ Erster Blati

187. Jahrgang

Dienstag, 19. Oktober 1937

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Innerpoliiische Leidenschaften in Polen.

Von unserem Dr. K.-Äerichierstaiier.

(Nachdruck verboten.)

Warschau, Oktober 1937.

Man kann Menschen, die sich nur mißverstanden haben, zusammenbringen, man kann Gruppen poli­tischer Art, die allzusehr ihren Vorteil in den Vor­dergrund schieben, auf der Grundlage beiderseitiger Opferungen von Privatinteressen einigen, besonders dann, wenn man ihnen eine gemeinsame Gefahr vor Augen führt, aber man kann nicht zwei Weltan­schauungen in einem gemeinsamen Lager mitein­ander versöhnen. Will das Oberst Koc, der Füh­rer des Lagers derNationalen Einigung" oder will er es nicht? Das ist die große innerpo'li- tische Frage, die heute über Polen hängt wie ein Gewitter in den Wolken. Oberst Koc ist kein Theo­retiker, deshalb glaubt er nicht an die ausschlag­gebende Bedeutung von Parteiprogrammen, aber er ist ein Patriot und deshalb hat für ihn die Vaterlandsliebe die entscheidende Schlagkraft eines Glaubensbekenntnisses. Die weiche Hand des Außen­ministers Beck hat dafür gesorgt, daß dergraue Mann" in Polen keine gegenwärtigen Gefahren von außen her sieht, daß das Gefühl einer grö­ßeren Sicherheit über ihn gekommen ist, deshalb hat sich die politische Leidenschaft innerpolitischen Dingen zu gewandt. Aus dem brodelnden Kessel stets neuaufsteigender Gerüchte über Neuwahlen und Re­gierungsumbildungen steigen die vielfachen Wünsche ' machtpolitischen Einflusses und so entstehen die Konventikel, die heute zum Teil unbeschwert durch frühere parteipolitische Bindungen, aus der Erde schießen, wie der Pilz nach einem warmen Regen.

Da ist der Demokratische Klub entstanden. Das heißt, man hat angezeigt, daß er da sei, aber eigentlich hat er noch keinen rechten Vater, denn so weit geht die Bekenntnisfreudigkeit seiner Ur­heber denn doch nicht, daß sie in aller Oeffentlich- keit sich entschließen könnten, die Präsidentschaft der Organisation zu übernehmen. Weder der frühere Ministerpräsident Bartel, noch der ehemalige Kultusminister Iendrzejewicz, noch der ost­oberschlesische Wojewode G r a z y n s k i, deren Sympathien für diesen Konventikel offenbar sind, wollen sich offiziell dazu bekennen. Es riecht nach Volksfront, das spüren die Politiker, das spürt aber nicht der Kinderarzt M i ch a l o w i c z , den sie an die Spitze bugsiert haben. Hinter dem Schwall seiner Phrasen über Freiheit und Demo­kratie soll sich ein Rückmarsch ins Parteien­wesen vollziehen. In seiner ganzen Anlage kann dieser neue Block nur reüssieren, wenn es ihm ge­lingt. die marxistische Opposition und die bäuerliche Dolksparkei heranzuziehen, aber dafür spricht sehr wenig. Die polnischen Sozialisten glauben die älte­ren und bewährteren Rezepte für Demokratie zu besitzen und erblicken in der Neugründung geradezu eine Bestätigung der Richtigkeit ihrer bisherigen Politik, und mit den Bauern, die sich in dem | -parlamentarschen Routinier Rataj einen neuen Führer gewählt haben, verhandelt die Kirche.

Der politische Katholizismus sucht neue Wege. Das ist vielleicht in diesem Wirrwarr die auffal­lendste Erscheinung. Unter den Fittichen des Klerus wächst noch eine Front heran, die ebenfalls als ein Geaengewicht gegen das Lager der Nationalen (Einigung gedacht war und die eine Art polnisches Zentrum darstellen dürfte. Ihr Programm ist zwar gegen die kommunistische Propagan- d a, aber gleichzeitig wendet es sich gegen die Rassenidee, so daß die Juden Polens in ihr wohl einen künftigen Beschützer werden erblicken dürfen. Dieses Zentrum wird aus einer Zusammen­legung der Christlichen Demokraten und der Nationalen Arbeiterpartei hervor­gehen. Wie es heißen soll, weiß man noch nicht, es ist ja wohl auch nicht sehr wichtig. Oberst Koc, der den Wert ihrer nationalen Prägung in Vergangen­heit und Gegenwart wohl zu schätzen weiß, hatte sich auch um die Kirche bemüht, aber da konnte es scheinen, als wolle der polnische Klerus seine poli­tischen Bindungen an die nationale Opposition, die auf eine jahrzehntelange Tradition zurückblicken, nicht aufgeben, was den Wunsch desLagers der Nationalen Einigung" bestärkt haben mag, die Brücke der Verständigung nach dieser Seite hin zu schlagen. Die Gegenliebe blieb aus. Im Lager Kocs selbst gibt es auch keine eigentliche Richtung, selbst wenn man von den demokratischen Separatisten »bsieht. Der Stabschef Kowalewicz will nicht Ansehen, warum man nicht mit der Regierungs- ront die ganze linke und rechte Opposition in den- ielben Topf werfen könne, niemand wird sich mehr xvundern, wenn er sich eines Tages von seinem Führer trennt.

Jetzt wird über eine Aenderung derWahl- o r b n u n g viel gesprochen und geschrieben. Oberst S l a w e k, der in dem Streben, den Parlamenta- lismus mit Stumpf und Stiel auszurotten, vor Itet Jahren eine Wahlordnung geschaffen hatte, die eigentlich nur die Umschreibung der Ernennung der Abgeordneten durch die provinziellen Regierungs­stellen bedeutete, hatte sich damit sein politisches Grab gegraben. Zufrieden war niemand mit der ton ihm gefundenen Lösung. Die Opposition natür- lch nicht, denn sie konnte in den Sejm nur einige wenige Konzessionsmänner entsenden und verlor ten Tummelplatz ihrer Kritik an der Regierung, ober auch im Regierungslager bekam man es schließlich mit der Angst vor der eigenen Courage tnb man konnte die Meiklung vertreten hören, daß 15e Ausrottung eines Uebels'auch übertrieben wer- ten könne. Man hätte den Parlamentarismus we- wgstens noch ein bißchen leben lassen sollen. In

Die Araber Palästinas fordern die völlige llnabhangigkeil.

Der Großmufii von Jerusalem warnt England vor einem Bruch mit dem Islam.

Paris, 18. Oft. (DNB.)Paris Soir" bringt eine Unterredung mit dem Großmufti von Jerusa­lem vor seiner Abreise nach Beirut in der Omar- Moschee. Der Mufti erklärte, das arabische Volk werde niemals die von England ge­plante Aufteilung Palästinas zulas­sen, die den Verlust der reichsten Landstriche Ara­biens bedeuten würde. Die Araber seien seit 1300 Jahren d i e einzigen Herren Palästinas und wollten es auch bleiben; keine Ver­gleichslösung werde sie zufriedenstellen. Nur die völlige Unabhängigkeit komme in Frage, die es den Arabern ermöglichen würde, dem Ein­dringen der Zionisten ein Ende zu bereiten.

Die Versprechen, die England den Juden ge­macht habe, gingen die Araber nichts an. England habe den Juden nicht etwas versprechen können, was ihm gar nicht gehöre: nämlich das arabische Palästina. Ihre Politik in Palästina sei im Begriff, ihnen die Sympathien nicht nur der Araber Palästinas, sondern aller Länder ara­bischer Rasse und der gesamten muselmanischen Welt zu entfremden. Auf der vor kurzem abgehal­tenen Konferenz von Bludan seien alle arabischen Länder, Aegypten, Irak, Syrien und Arabien ver­treten gewesen und hätten ihren völligen Zusammenhalt mit der Sache der Araber in Palästina betont und ihnen Unterstützung verspro­chen. Werde England es wirklich wagen, sich we­gen der Zionisten mit der arabischen Welt und mit dem ganzen Islam auf den Tod zu verfeinden? Wenn die Engländer das täten, würden sie es sicher bedauern, denn England sei in der Welt nicht allein.

Paris vor einer heilen Entscheidung.

Soll der Grotzmufti aus Syrien ausgewiesen werden?

P a r i 5 , 19. Okt. (DNB. Funkspruch.) Die Flucht des Grvßmuftis von Jerusalem nach Syrien hat Anlaß zu einem lebhaften Meinungsaus­tausch zwischen Paris, London und Beirut gegeben.Journal" meint, der Groß­mufti sei ohne ordnungsgemäße Papiere nach Syrien gekommen. Es ermangele daher nicht an Gründen, feine Abschiebung zu ermög­lichen. Wenn England die Auslieferung des Flücht­lings verlangte, könne Frankreich sie schwerlich ab­schlagen. Der Fall sei aber um so peinlicher, als man den Mufti nicht zu einem Märtyrer st e m p e l n dürfte. Das würde den ärgsten Fehler aller derer darstellen, die von der arabischen Be­wegung bedroht seien. Frankreich fei an die­sem Problem jedenfalls ebenso interessiert wie England.

ImOeuvre" heißt es, mit gesetzlichen Gründen könne die französische Regierung den Großmufti

zwar ausweisen, es sei für Frankreich in der Tat heikel, den Großmufti wegen der panarabischen Aktivität im Libanon, Syrien oder in Damaskus zu beherbergen. Wenn er aber ausgewiesen werde, könne er kaum wo anders hin als nach Italien gehen. Man brauche die sich daraus ergebenden Folgen nicht zu unterstreichen. Auf alle Fälle sei es sicher, daß die umstrittene Teilung Palästinas nicht so bald verwirklicht werde und daß die eng­lischen Streitkräfte noch auf Jahre in Palä- ft i n a bleiben mühten.

Wachsende Spannung.

Jerusalem, 18. Okt. (DNB.) Die gespannte Lage in Palästina hält weiter an und scheint sich in

einigen Landesteilen wie neue Zwischenfälle be­weisen zu verschärfen. So griffen in einem Dorf bei Hebron in Südpalästina Araber eine dortige Polizei st ation an und zogen sich erst nach einem heftigen Kugelwechsel zurück. In zwei Dör­fern bei Lydda wurden von englischen Truppen fünf Häuser, deren Besitzer beschuldigt werden, an dem Attentat a u f den Eisenbahnzug bei Raselain beteiligt gewesen zu sein, durch Dyna­mit in die Luft gesprengt. Die arabische Nachrichtenagentur in Jerusalem berichtet aus dem Safed-Bezirk in Nordpalästina Schieße­reien zwischen der Polizei und Aufständischen, wobei angeblich ein jüdischer Hilfspolizist verwun­det wurde. In Jerusalem hält die allgemeine Un­sicherheit weiter an.

Die Wahabiten marschieren.

Der englische Plan einer Dreiteilung P a - lästinas droht jetzt, die örtlichen Grenzen des palästinensischen Konfliktes zu sprengen, und zu einer ausgesprochenen Staatsangelegenheit des vor­vorderen Orientes zu werden. Der Führer Saud- Arabiens, Ibn Saud, der zugleich das religiöse Haupt der Wahabiten ist, hat nach Berichten ita­lienischer Zeitungen 20 Kompanien im Marsch gegen die transjordanischen Grenzen gesetzt. Ein dieser Truppe zur Aufklärung entgegengesandtes englisches Militärflugzeug ist abgeschossen worden. Die Engländer haben mit der Entsendung motori­sierter Abteilungen und einer Flugzeugstaffel ge­antwortet. Wenn hier von transjordanischen Gren­zen und nicht von palästinensischen Grenzen ge­sprochen wird, so hat es damit folgende Bewandt­nis: Palästina ist ein schmaler Küstenstreifen am Mittelmeer; jenseits des Jordan wurde ein ara­bisches Fürstentum Transjordanien geschaffen, dessen Regent Emir Abdullah, einer der Söhne des schärfsten früheren Widersachers von Ibn Saud, des früheren Königs Hussein von Hedschas ist. Die­ser Emir von Transjordanien wurde für den bri­tischen Teilungsplan Palästinas dadurch gewonnen, daß ihm die Herrscherwürde über den arabischen Teil Palästinas in Aussicht gestellt wurde. Damit wäre ihm auch ein unmittelbarer Zugang zum Mit­telländischen Meere eröffnet worden. Als Gegen­leistung verlangten die Engländer die Abtre­tung von Akaba, einem Hafen von höchster strategischer Bedeutung, Akaba liegt an dem Meer­busen zwischen der Halbinsel Sinai und Arabien und riegelt die strategische Position der Engländer im Dreieck AlexandrienSuezAkaba nach Osten zur See und zu Lande ab. Tatsächlich ist Akaba während des abessinischen Konfliktes ebenso wie eine dem gleichnamigen Meerbusen vorgelagerte Insel bereits von den Engländern befestigt worden. Auf Akaba hat aber auch immer Ibn

Saud Ansprüche erhoben. Der unglückliche englische Teilungsplan gibt nun Ibn Saud eine erwünschte Gelegenheit, sich als Vorkämpfer aller Araber auf­zuwerfen. Ibn Saud hat eine sehr wechselvolle Politik hinter sich, die bald englandfreundlich und bald englandfeindlich orientiert gewesen ist. Tat­sächlich gelang es ihm aber, die ganze große Halb­insel Arabien bis auf kleine Restbestände wie eben Transjordanien unter seiner Herrschaft zu einigen. Dieser militärische Erfolg geht parallel der reli­giösen Bewegung der Wahabiten, die man die Puri­taner des Islam genannt hat, weil sie zu seinen ursprünglichen, vom Staube der Jahrhunderte Diel« fast überdeckten religiösen Auffassungen zurückkehren.

Englische Aktivität in Aegypten.

Kairo, 18. Oft. (DNB.) Don unterrichteter Stelle hört man, daß unter englischer Jntiative Vorbereitungen getroffen werden, um die Be­festigungsanlagen in d e r libyschen W ü st e, besonders diejenigen von Mersah Na- truch, zu modernisieren und mit Material und Truppen aufzufüllen. Nach dem Beispiel Alexan­driens und PortSäids gehen langsam fast sämt­liche Z i vi l f l u g h ä f e n Aegyptens an die englischen Militärbehörden über. In der nächsten Parlamentssitzung wird ein neuer Ge­setzentwurf über Truppenaushebungen vorgelegt, der insbesondere die Beschaffung techni­scher Kräfte für die fortschreitende Mechanisie­rung der ägyptischen Armee sichern soll. Im Zu­sammenhang damit interessiert, daß unmittelbar am Suezkanal bei Jsmailiah ein neuer Binnen­hafen geschaffen wird und daß die Straßen- bauten i m Nildelta fordert und die im Rotmeerdistrikt bereits begonnen werden, obwohl der anglo-ägyptische Vertrag den Baubeginn erst nach acht Jahren vorsieht.

dieser seelischen Verfassung, die hierzulande durch­aus kein Einzelfall ist, liegt vielleicht der tiefe Kern der inneren Krise, von der Polen heute geschüttelt wird.

Die Forderung nach Aenderung der Wahlord­nung war indessen sehr populär geworden, so sehr, daß dasLager der Nationalen Einigung" sich ent­schließen mußte, aus der Not eine Tugend zu machen. Eines Tages hörte man also, daß die Wahlreform sicher bevorstände. Aber wie diese Re­form aussehen würde, darüber verlautete von auto­risierter Stelle nichts mehr. Die Linke verlangt na­türlich Wahlen weitestgehender demokratischer Art, einige Regierungspolitiker wollten noch retten, was zu retten war, und schlugen einen Modus vor, der zur Hälfte auf Demokratie, zur Hälfte auf autori­tärer Ernennung der Abgeordneten beruhte. Und jetzt geschah das Verwunderlichste: die nationale Opposition, vorher fast der ärgste Rufer im Streit, wollte von Wahlreform garnichts mehr wissen, sie witterte eine Niederlage gegen Volks­front und Juden und gegen die Regierung selbst und wollte keineLotterie", sondern vorher eine grundlegende Aenderung des ganzen S y - ft e m 5 , womit denn die Entwicklung glücklich wie­der an den Anfang zurückgekehrt wäre.

Wenn nicht alles täuscht, wird die ganze Dis­kussion sich totlaufen, wie schon manches andere Problem. Denn nach der Verfassung ist dieses Par­lament dazu bestimmt, noch zwei Jahre zu leben. Es bestehen keinerlei Anzeichen dafür, daß der Staatspräsident als entscheidende Instanz sich ent­schließen wird, es vorzeitig aufzulösen und in die Verwirrung yoch den Erisapfel von Neuwahlen hineinzuschieudern. Auch seine Amtszeit dauert noch bis zum Jahre 1940. Vielleicht, daß die Lage dann zu einer Entscheidung heranreift.

Japan

und die Neunmächiekonferenz.

Tokio verlangt Eingehen

auf die kommunistische Gefahr in China.

Tokio, 19. Okt. (DNB. Funkspruch.) Dftafien» dienst des DNB. In politischen Kreisen befand)! man die Neunmächte- Konferenz in Brüssel. Die Teilnahme Japans sei nur bei grundsätz­licher Betrachtung des japanisch-chinesischen

Konfliktes möglich. Das würde vor allem eine K l a r- stellung der kommunistischen Gefahr in China als einer der wesentlichen Ursachen des gegenwärtigen Konfliktes bedeuten. Falls etwa in bisherigem Genfer Geist verfahren würde, müßte Japan seine Stellung zum Neunmächtepakt überprüfen.

Die japanischeSoziale M a s s e n p a r t e i" wendet sich in einem Manifest gegen d i e Boy­kottdrohungen der britischen und amerika­nischen Gewerkschaften. DieSoziale Massenpartei" bezeichnet den japanisch-chinesischen Konflikt als Japans heiligen Krieg gegen den Kommunismus. Sie erklär^ gegen alle Doy- kottversuche des Auslandes anzugehen.

Oer Herzog von Windsor im Gau Sachsen.

Dresden, 18. Okt. (DNB.) Seit Montaanach- mittag hält sich das Herzogspaar von Windsor in Dresden auf. Reichsleiter Dr. Ley hat mit dem Her­zog die Chemische Fabrik von Heyden besucht. Am Montagvormittag hatte der Herzog mit Reichsstatt­halter Mutschmann und Wirtschaftsminister Lenk an einer Vertrauensratssitzung in der Leipziger Woll­kämmerei teilgenommen. Die sozialen Einrichtungen des als nationalsozialistischer Musterbetrieb ausge­zeichneten Unternehmens haben dem Herzog wert­volle Aufschlüsse über den Begriff der Selbstverant- mortung vermittelt.

40000iialienischeKreiwillige inSpanien

Jtom macht unsinnigen Gerüchten ein Ende.

Rom, 18. Oft. (DNB.) WieJnformozione ^Diplomatien" zu den in der ausländischen Presse über die Zahl der italienischen Frei­willigen umlaufenden Gerüchten erklärt, befin­den sich alles in allem ungefähr 40 000 italienische Freiwillige in Spanien. Man nehme immer noch, so führt die Korrespon­denz aus, völlig Phantastische Zahlen an, um eine Kriegspsychose^ zu schaffen. Bedenklich, ja nach­gerade skandalös sei es, daß ein ehemaliger Chef der englischen Regierung wie Lloyd George, dem wenigstens sein Alter Gewissenhaftigkeit und Vorsicht hätte ratsam erscheinen lassen müssen, völ­lig frei erfundene Zahlen in die Welt setzte. Gegen­über derartigen schamlosen Manöpern halte man es für angebracht, hie Wahrheit bekannt zu- geben. Die Valencia unterstehenden Freiwilligen seien weit zahlreicher. Es sei deshalb Zeit, daß die gefährliche Hysterie, die manche Kreise befallen habe, einer ruhigeren Prüfung der Lage Platz mache.

Gazetta bei Popolo" sagt, die genannte Ziffer könne als eine Basis für die kommenden (Erörterungen angesehen werden. Italien habe die Karten offen ausgebreitet. Es habe bereits er­klärt, daß es bereit fei, mit einer Zurückziehung von Freiwilligen zu beginnen. Die B"kanntgabe der ge­nauen Anzahl der in Spanien befindlichen Italiener

fei ein neuer Beitrag zur Klärung und Lösung des Problems, das in der Gesamtheit der spanischen Frage als das wichtigste ange­sehen sei. Es sei eine Kundgebung der Loyalität, des Stolzes und des guten Willens, den man auf der anderen Seite mit ein wenig Verständnis entgegen­kommen müsse.

Vor der neuen Ausschuß-Sitzim.

London, 19. Okt. (DNB. Funkspruch.)Daily Telearaph" undMoming Post" erklären, der ita- lienische Botschafter habe vorgeschlagen, entgegen der französischen Anregung eine gleiche An­zahl von Freiwilligen auf beiden Seiten in Spanien zurückzuziehen. Die in Rom veröffent­lichte Erklärung verfolge offensichtlich den Zweck, dieser Forderung das nötige Gewicht zu verleihen. Daily Expreß" schreibt, der Ausschuß werde sich heute vor allem mit der schwierigen Frage zu be­fassen haben, in welcher Reihenfolge der britisch-französische Plan zu beraten sei. Eden setze sich für die vordringliche Zurückziehung der Frei­willigen ein, während Italien und Deutschland höchstwahrscheinlich zunächst eine wirksame Waffen - und Freiwilligen-Werbungskontrolle verlangten. Es sei aber sehr wohl möglich, daß der Sowjetbot- schafter Maiski alles umstürze. Niemand wisse.