Ausgabe 
19.6.1937
 
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Wandem und weisen Bäder und Sommerfrischen

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zierte. Nun begann die Blütezeit Homburgs. Nach dem Vorbild der Pariser Oper wurde 1860 ein Theater gebaut, die herrlichen Parkanlagen entstan­den, eine eigene Gasversorgung wurde hergestellt und eine Eisenbahn nach Frankfurt gebaut. Homburg wurde der Mittelpunkt der großen Welt, Kaiser, Könige und Fürsten aus allen Ländern trafen sich in seinen gastlichen Mauern.

Nun wollte ich meine Liebeserklärungvernünf» tig" vortragen und bin doch ins Schwärmen qe» raten. Wer Bayreuth kennt, wirds begreifen. Wers nicht begreifen kann, der packe so schnell wie möglich einmal seine Siebensachen und fahre hin.

Ständig ist die Flotte der KdF.-Schiffe wieder unterwegs, um viele Tausende von Volksgenossen in die herrlichen Landschaften des europäischen Nordens zu führen. Diese Aufnahme zeigt eins der KdF.-Schiffe vor Bergen. (Presseamt der DAF. Scherl°M.)

Liebeserklärung an Vayreuth

Bon Herbert Günther.

Den ganzen Taunus in vier Mnuten.

Vom Schnelldienst der Deutschen Lufthansa. - Das Erlebnis eines Blitzfluges.

Vad Hombuw.

NSG Umgeben von den Höhenzügen des Taunus liegt idyllisch mitten im Grünen Bad Homburg, die Hellstätte, die schon Tausenden die Gesundheit zu- rückgab. Drei Faktoren sind es, die das Bad aus- zeichnen: feine herrliche Lage in einer kllma isch be­günstigten Gegend, seine sprudelnden Heilquellen und seine eigengeartete Heilmethode für Magen- und Darmkranke. Wer Homburg schon einmal be­suchte, wird entzückt gewesen sein von seiner reiz- vollen Umgebung, seinen schattigen, gepflegten Parkanlagen und seinen zahlreichen kulturhisto­rischen Stätten, auf die der Fremde auf Wande­rungen immer wieder stößt. Ueberreste von Bauten römischen Ursprungs wechseln ab mit mittelalter-

Welcher Ort aber könnte ausgeprägter sein in seiner Eigenart als Bayreuth? Glücklicher in seiner ausgeglichenen Mischung von Anmut und Würde, Gelassenheit und Heiterkeit? Also in seiner Gesamt­heit angenehmer? Bayreuth ist ein wahres Heilbad der Seele. Selten findet sich in engem Rahmen so viel an reizvollen Bildern aus drei Jahrhunderten wie in Bayreuth: nicht dies scheint mir das Schönste an dem überall schönen Bayreuth, sondern die wohl­tuende Stimmung, die alles übersonnt. Eine kurze Rast genügt, und schon spüren wir, wie unsere Ab- gehetztheit innerer Sammlung weicht, und wie zu­gleich der Krampf der Ueberanstrengung sich lockert. In Bayreuth stürzt man nicht; man wandelt noch. Man hat nicht immer ein bestimmtes Ziel, bis dann und dann aus dem und dem Grunde zu er­reichen: man spaziert um seiner-selber willen, und nichts als die Freude am Gehen, Betrachten, 23er- weilen ist unser Lohn der höchste

Es gibt Städte, die man einmal gesehen haben möchte, das genügt. Es gibt Städte, die man noch ein zweites Mal sehen möchte, weil der .Sehens­würdigkeiten" zu viele sind. Und es gibt Städte, nach denen man eine Sehnsucht hat, die nie ganz gestillt wird, wie oft man sie auch sieht. Oder, gesteht ichs offen: Heimweh. Eine solche Stadt ist Bay­reuth. Und dieses Heimweh, das so ganz allgemein binverlangt, nach seinem warmen Dunstkreis es hängt sich merkwürdigerweise nun doch ans Ein­zelne. Ihm bleibt die Erinnerung verhaftet. Es ist mir geschehen, daß ich in meinem Berliner Stu­dierzimmer zwischen den Bücherregalen hockte, die mir so teuer sind, und unvermittelt in der drängend­sten Arbeit unterbrochen wurde durch das plötzlich aufsteigende Gefühl, das sich nicht abwehren ließ: jetzt möchtest du im Hofgarten sitzen ... Nicht etwa nur: in Bayreuth sein, nein, ganz genau im Hof­garten, auf der Bank mit dem Blick über den Teich und seine Springbrunnenfigur zum Schloßbalkon hinüber ...

Liebeserklärungen kann man auf sehr verschie­dene Weise vorbringen: stürmisch ober stockend, atemlos vor Leidenschaft, still verhalten oder träu­merisch flüsternd. Der Ton hängt nicht allein von dem Liebenden ab, mindestens ebensosehr auch von dem Gegenstand seiner Zuneigung. Wenn es mich drängt, Bayreuth meine Liebe zu bekennen, ift es mir, als könne ich ein kluges reifes Wesen bei der Hand nehmen, ihm tief ins Auge schauen und ganz einfach sagen, wie mirs ums Herz steht. Es ist ja kein Backfisch mehr; es freut sich der Blute seiner Jahre, hat schon manches von der Welt er­lebt, ist trotzdem jung geblieben dabei und wird mich schon verstehen, selbst wenn meine Sätze ein nig ungeordnet herauskommen sollten, so Der- nftig ich auch bleiben möchte in aller Be­zauberung ... Was ipich so anzieht? Wir bestäti­gen wohl gern einem Mädchen oder einer Frau (was sie längst selber wissen), daß ihr Haar von holdem Glanz sei, ihr Mund süß, ihr Gang be­schwingt/ wir können uns auch in eine Stirn, ein Ohr, einen Fuß verlieben, es wird doch immer das Ganze sein müssen, das uns verlockend erscheint, wenn ^unserer Verbindung Dauer beschieden sein soll. So auch hier. Man reift kaum wegen eines einzelnen Hauses, eines Platzes, eines Blickes im­mer wieder an denselben Ort, wenn die Luft, die er atmet, uns nicht lieblich eingeht. Aus dieAtmo­sphäre" kommt es ja bei allem Lebendigen an, bei einem Menschen wie bei einer Stadt, auf das Fluidum", das sie ausstrahlen, das sie unsichtbar unverkennbar umgibt.

Als nach dem Kriege 1870/71 die Spielbank ver­boten wurde und nach Monte Carlo übersiedelte, schuf man auf den Rat Bismarcks einen Kur­fonds, der bis zum Kriege noch vorhanden war. In dieser Zeit hatte es sich gezeigt, daß das Bad auch ohne die Spielbank lebensfähig bleiben konnte. Nach Ausbruch des Krieges ging der Kurbetrieb sehr zurück. Die Russen und Engländer, die allein zwei Drittel der Kurgäste stellten, blieben aus, der Niedergang nahm seinen Anfang. Auch in der Nach­kriegszeit erholte sich Bad Homburg nicht, so daß die Stadt nicht länger mehr in der Lage war, das Bad zu erhalten. In der Nachinflationszeit wurde eine Aktiengesellschaft gegründet, und 1929 nahm sich der Preußische Staat des Bades an. Von die­ser Zeit an ging es langsam wieder aufwärts. Aber erst jetzt im Staate Adolf Hitlers kann sich das Bad wieder entfalten, und der Weg zu einem neuen Aufstieg ist frei. Don Jahr zu Jahr steigt die Zahl der Kurgäste wieder, und Bad Homburg ist auf dem besten Wege, seinen guten Ruf. den es früher genoß, erneut zu erringen und zu einem ~ v ifr.

fflofellanb.

Anmut und Herbheit.

Das Ruhrgebiet liegt hinter uns und dann der Rhein. Dörfer. Städte, Serge, Burgen kommen schwinden kommen. Der Zug eilt weiter.

lieber dem Strom der Nebel hüllt die Ufer in Dunst. Nachher steht die Sonne hell im Mittag. Als müßte es so fein, daß über dieser Landschaft nun die Wärme strahlt, den schimmernden Schieferboden bei Hänge erhitzt und dem gewundenen Fluß jene eigenartige blaugrüne Klarheit gibt. Dor ein paar Stunden: Land der Schwere, Heimat der Schorn­steine und Maschinen, und nun ist die Erde anders Seworden. Ungekannte Beschwingtheit erfüllt das ?oselland, nicht prunkend und prahlend nenn es Heiterkeit, Stille, doch diese Stille will nicht Sanftheit werden; denn oftmals ist die Erde steinig- herb, und jedes schmälste Fleckchen über schroffem Fels muß noch die Reben tragen.

Steil wächst das Heer der Weinstöcke die Berge hinan, Reihe um Reihe, schnurgerade, unvergleich­lich geordnet. Harte Arbeit verlangt der zerrissene Boden, das Gebröckel des Schiefers, bis es locker die Rebe umgibt und nicht rutscht und die Wurzel nicht bedrängt. Sie stehen in der Frühjahrssonne: Frauen in gestreiften Schürzen, Männer mit Schaufeln und Hacken hier unten im Hügel und dort so hoch im Berg, bereit, den Reichtum und die Sorge ihrer Heimat zu pflegen. Einen Augenblick halten sie ein, winken dem Zug, arbeiten weiter. Jeder Weinberg, jede hochgebundene Rebe spricht von ausdauernder, andächtiger Arbeit.

In den leichten- Zauber des klaren, stinken Flus­ses mischt sich das Gesetz kraftvollen Schaffens, das feine Hange fordern. Unruhiger Lauf eigenwillig sind die Moselschleifen, stille Rebenhänge, wink­lige Städtchen und Dörfer, dort eine zerfallene Burg, seltsam zerklüftete Felsen geben dem Land jenen ungewöhnlichen Reiz von Feinheit und An­mut von Beweglichkeit und Stille, von herber Ge­schlossenheit und Kraft. Doch nirgendwo ist Schwere. Keine Plumpheit. Verhalten dämpfen die Weinberge die mitteilsame Schnelligkeit des Flusses. Oder triumphiert seine Munterkeit über jede Ruhe? Neckt er die Hügel und Hänge mit seinen Windungen? Spielt er mit ihnen? Sie können sich doch nicht von Ihm trennen Hat er das Spiel gewonnen, den Tanz der unzähligen Drehungen und Figuren? Ein Tunnel ein, zwei, drei Minuten ... und blendende Helle. Fachwerkhäuser kommen. Fest in­einander geschachtelt ist die kleine Stadt mit den engen Gassen: ein unregelmäßig besetztes Feld

Vorbei, vorbei!

Doch im Augenblick fühlst du: beruhigende Wärme geht von Häusern und Winkeln aus, Ge­borgenheit und irgendeine Heimlichkeit, die du er­gründen möchtest.

Nun ist die Mosel wieder nah am Zug nun Mesen mit Obstbäumen. Wenn sie in voller Blute stehen, wird das Land noch schöner sein Wir eilen weiter

Immer wieder tauchen im Moselland Anmut und Herbheit so wundersam ineinander als wache über ihnen eine kluge, gute List und sage ihnen im Vertrauen ein Geheimnis, ganz im Vertrauen... Unb sie verplaudern doch ein wenig Viel Debatten fie für sich. M D-

Schnelldienst der Deutschen Lufthansa in wirtschaft­licher Hinsicht besitzt.

Die Schnelligkeiten im Blitzflugoerkehr sind auch für die heutigen Begriffe noch außerordentlich; nur wenige Menschen können sich das Erlebnis eines Blitzfluges vorstellen. Wir können hier Erfahrun­gen sprechen lassen, die bei einem Blitzflug von rund 350 Kilometer Stundendurchschnitt gemacht wurden. Wenn man in demSalon" des Blitzflug­zeugs fitzt, möchte man gar nicht glauben, daß 350 Kilometerdrauf" sind. Die Maschine stürmt wie eine Rakete durch die Lust, scheinbar losgelöst von der Erdschwere. Höcker, Buckel und Löcher im Lust- meer, Absacken und dergleichen kennt der Blitzflug nicht. Man kann einen Brief schreiben, ohne daß der Füllfederhalter kleckst ober unfreiwillige 23 er- schnörkelungen auf das Papier zeichnet. An Luft­krankheit ist schon gar nicht au denken.

Es sei nachfolgend ein Ausschnitt aus einem Btitzflug über Deutschland geschildert, um zu zeigen, was ein Blitzflug ist: Wir starten in Frankfurt am Main mit dem fahrplanmäßigen Heinkel-Blitz nach Köln. Was ist da aus den Entfernungen geworden, die wir auf der Karte ausrechneten? Was find die massigen Bergfronten des Taunus, die den Horizont scheinbar abgrenzten? Sie tauchen auf, rücken an, einer nach Dem andern. Städte blinken zwischen ihnen, »leine Dörfer, Flußläufe schillern, aber gerade hat sie das Auge erfaßt, schon sind sie vorbei. Diese fliehenden Berge, die vorbeihuschenden Städte, die kleinen, silbernen Fluhläufe, diese Flucht aller Schönheiten und Besonderheiten, mit denen sich die Erde schmückt und interessant macht, ver­raten auf einmal, wie klein doch die Erde ist. Wir überqueren fünf Kilometer Landschaft in einer Minute, unsere Motorenfressen" den ganzen Taunus in vier Minuten, teilen Wald­gebirge auf, daß die nicht größer erscheinen als ein Heiner Park. Wir flitzen dem Rhein au. Er schim­mert in der Ferne wie eine Riesenschlange. Und während wir noch staunen, wie alles unter uns, die Wolken um uns unb über uns oorbeihuschen, tauchen in der Ferne zwei nadelfeine Spitzen auf: der Kölner Dom. Wenn man vom Rheindampfer aus seine Türme sieht, kann man noch gemütlich frühstücken. Wenn man von Bonn aus mit dem D=3uge kommt, gestattet ihr Auftauchen am Hori­zont noch einen kleinen Klön. Sitzt man aber im Blitzilugzeug, müßte man sich zum Aussteigen be­reit machen wenn nicht zur Landung das Tempo verlangsamt würde. Die Maschine steuert auf den Landeplatz zu, geschmeidig und elegant, setzt auf, rollt noch ein wenig weiter, die Nase gegen den Wind, dann steigt man aus. Die nächsten 24 Stun- den scheint einem die Welt still zu stehen. Ein Blitz­flug ist auch heute noch ein Erlebnis, das schwer zu beschreiben ist und das man nicht wieder vergißt.

W. L.

Die Deutsche Lufthansa hat in den elf Jahren ihres Bestehens ein Luftnetz geschaffen, das führend in Europa und in der Welt sich behauptet. Wenn wir hier den sog. Blitzflug- oder Schnellverkehr Her­ausstellen der seit dem Jahre 1933 im ständigen Aus­bau begriffen ist, so aus dem Grunde, weil dieser Blitzflugdienst die Krönung einer auf absoluter Zu­verlässigkeit und Sicherheit aufaebauten Leistungs­steigerung bedeutet. Der Blitzflugverkehr mit den eigens dafür konstruierten Maschinen von Heinkel, Junkers, Messerschmidt und dergleichen wartet mit einer S t u n d e n g e s ch w i n d i g k e i t von 300 bis 400 Kilometer auf. Mit diesen Maschinen ist seit einigen Jahren ein sogenanntes Blitzflug- oiereck in Deutschland besetzt, das die Städte Ber­linFrankfurtKölnHamburg miteinander ver­bindet und gleichzeittg Anschlüsse an die internatio­nalen Linien vermittelt. Die Verkehrszeiten in die­sem Blitzflugviereck sind von Jahr zu Jahr ver­bessert worden und bedeuten zur Zeit Rekorde, die, abgesehen von einigen amerikanischen Linien, in der Welt einzig dastehen.

Die Flugzeiten sind zwischen Berlin und Frank­furt a. M. in den letzten Jahren ständig verkürzt worden. Während 1933 bis 1935 die Flüge zwischen BerlinFrankfurt 80 Minuten, zwischen Berlin und Köln bei 10 Minuten Zwischenlandung m Frank­furt 120 Minuten, zwischen Berlin und Hamburg 50 Minuten und zwischen Hamburg und Köln 70 Minuten dauerten, hat man sie durch den Einsatz der neuesten Schnellflugzeuge, unter denen beson­ders die Heinkel 111 heroartritt, um durchschnittlich 40 v. H. verkürzen können. Von Berlin nach Ham­burg gelangt man mit der He 111 in 30 Minuten, von Hamburg nach Köln in 40 Minuten und von Berlin über Frankfurt nach Köln in etwas über einer Stunde. Die Entfernungen von Berlin nach Pans oder London, die bisher 3 Stunden bzw. 3V4 Stunden ausmachten, verkürzten sich entspre­chend auf l3/4 Stunden bzw. 2 Stunden, wenn man die He 111 einsetzte.

Der Geschäftsmann, der morgens um 8 Uhr mit dem fahrplanmäßigen Schnellflugzeug Tempelhaf verläßt, kann bei Benutzung der neuesten Flug­zeuge schon kurz nach 9 Uhr in Köln sein. Dort stände ihm ein voller Achtstundenarbeitstag zur Ver­fügung, es ließe sich eine Reihe Geschäfte erledigen, und wenn er um 18 Uhr wieder in Richtung Berlin startet, könnte er bequem zum Abendessen zu Hause sein. Wer morgens nach dem Kaffee mit den neuesten Schnellflugzeugen Berlin verläßt, würde nach rechtzeittg in London anlangen können, um in der City das Frühstück einzunehmen. Gar nicht zu reden von den kleinen Ausflügen nach Hamburg oder Frankfurt, die in aller Gemütlich­keit während einer zweistündigen Mittagspause er­ledigt werden könnten. Aus diesen Zahlenangaben geht am besten hervor, was für eine Bedeutung der

Oder es durchfährt mich: wer jetzt wohl gerade durch das Brautgäßchen auf die Stadtkirche zu­schreitet? Manchen Nachmittag würde ist etwas darum geben, könnte ich wieder wie damals in der satten Glut des Augustes auf dem stillen Friedhof den Findling aus dem Fichtelgebirge suchen, unter dem Jean Paul ruht, die Kapelle desAbbö Dr. Franz Liszt", Siegstied Wagners schlicht­aufrechtes Steinkreuz, neben das jetzt auch Hans S ch e m m gebettet ist, und das weltverlorene Grab eines halbvergessenen Dichters, Oskar Panizzas, der nahebei aus geistiger Nacht in ewige Helligkeit einging, nur eine treue Hand bringt seinem Hügel mitunter eine Blume des Gedenkens. Wie könnte mir der frohlockende Vormittag aus dem Gedächt­nis entschwinden, an dem .ch zum erstenmal hinaus­gewandert bin auf den majestätisch breiten Königs­weg, dessen riesige Bäume Aecker und Kornfelder säumen hinaus zu dem Wunderwerk der Ere­mitage, nicht aber ohne haltzumachen in des Herrn Legationsrates Jean Paul Richters' Roll» w e n z e l e i, demkleinen, bräunlichen Wirtshause" der Rollwenzeln, von der Jean Pauls Frau pro­phetisch schrieb:Sie wird mit ihm zur Unsterblich­keit gelangen .."

$)abe ich diese beneidenswerte Poetenklause. >n der sichs noch heute phantasieren läßt wie einst, je ge­nug in mich aufgenommen, je bedächtig genug Blatt für Blatt des Gästebuches gelesen, das eine Kultur­geschichte für sich ist? Fast alle bedeutenden leben­den Nachfahren des genialen Erzählers sind hierher gepilgert unb haben ihren Namen eingetragen non Rudolf G. Binding bis Agnes M i e g e l. Des Abends aber bilde ich mir manchmal eine Auffüh­rung in jenem üppigen barocken Opernhaus Deutsch- lands ein, dessen kunstvoller Raum schon Musik ist und mich mehr hinriß als Palladios klassisches Teatro Olimpico in Vicenza, der kalte Renaissance- Prunk der Farnese Italiens Stolz in Parma. Und nach der Vorstellung begebe ich mich, im Geiste, eilends in dieEule , wo der Gast nicht erst lange gefragt, sondern ohne ein weiteres Wort als ..Grüß Gott!" mit schäumendem Bierglas erfrischt wird. Dabei überlege ich, was Bayreuth inzwischen wohl N-'ues geschaffen haben mag. Denn nicht zu­letzt diese gehört zu den vornehmsten seiner vielen Tugenden: es entwickelt sich ständig weiter, es ist feine Stadt nur der Vergangenheit. Wohl leuchtet es in edler Patina, aber es fetzt keinen Rost an, es lebt. Wer hätte noch vor zwei Jahren gedacht, daß so bald neben Hans Richters idyllischer Tabu­latur das mächttgeHaus der Erziehung" aufragen würde?

liehen Kulturstätten und Gebäuden aus der Zett des Prinzen von Homburg.

Ein Wahrzeichen der Stadt ist der Weiße Turm, der sich inmitten des prächtigen von Landgraf Fried­rich II. erbauten Schlosses erhebt. Das Schloß und fein Park von einzigartiger Schönheit find allein schon eines Besuches wert. Auch der etwas größere Kurpark, der zu Sommerszeit für die Badegäste zu einer Stätte der Erholung und des Ausruhens wird, steht ihm nicht viel nach. Sitzt man auf der Kurhausterrasse, so übersieht man den sanft sich abwärts neigenden Park. Der Blick bleibt haften auf einem kleinen Weiher, aus dessen Mitte eine Fontäne ihr Wasser in die Luft spritzt. Rechter Hand breiten sich Sportanlagen aus, an denen sich Brunnen und das Kaiser-Wilhelm-Bad anschließen.

Bad Homburg hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Schon immer war das Bad, das nun rund hundert Jahre alt ist, ziemlich auf sich selbst angewiesen und hatte demgemäß viel zu kämpfen. Seine heilenden Quellen, die in dem wundervollen Kurpark entspringen, sind ja schon von altersher bekannt und schon die Römer haben darin geba­det. Auch Salz wurde früher aus dem Quellwasser mittels Salinen gewonnen. Später gingen die An­lagen an Bad-Nauheim über. Im Jahre 1840 machte Landgraf Friedrich II., der sehr fortschritt­lich gesinnt war, mit dem Francois Blanc einen Abschluß und übertrug ihm die Aufgabe, aps Hom-

Wanderfahrten

Vuhbach Cleeberg Vadenrod Hausberg Butzbach.

Vom Bahnhof Butzbach (Sonntagskarte) führen uns schwarze Punkte die Taunusstraße aufwärts zum Zipfenwald. Auf wohlgepflegten Waldwegen wandern wird weiter am gastlichen Forsthaus Butz­bach vorbei nach dem anmutig gelegenen Cleeberg mit feiner, das Dorf überragenden schönen Burg, das uns schon von weitem entgegengrüßt. (Gute Gasthäuser.) Von hier leiten uns fchwarze liegende Gabeln durch ein steiles Waldtälchen hinab nach Weiperfelden im Solmstal. Hinter der Kirche steigt ein von der Talstraße abzweigender Weg felban (nunmehr grüne Striche) zum Bodenroder Grund und hinaus zum 420 Meter hoch gelegenen Dörfchen Bodenrod. Rote Striche bringen uns alsbald zum Wald und in diesem aufwärts zum Gipfel des Haus­bergs, wo wir uns vom Holzturm an dem herrlichen Blick über die gesegneten Fluren der Wetterau er­freuen. lieber drei Ringwälle steigen wir abwärts, kommen durch das, reizvoll über einem stillen Tal gelegene Dörfchen Haufen und gelangen nach fünf­stündiger Wanderung wieder an unseren Ausgangs­punkt Butzbach.

Gießen Krofdorf Ürofdorfer Forst Düns- berg Fellingshausen Vetzberg Rodheim.

Wenn wir nicht vorziehen, das Postauto zu be­nutzen, wandern wir die Landstraße nach Krofdorf, um von hier die gelbe Markierung zu begehen. Wir Jteigen langsam aufwärts zum Wald, an dessen Rand ich ein schöner Rückblick erschließt. Das Zeichen leitet uns waldeinwärts, auf ruhigen Schneisen, vielfache Windungen machend, durch den großen wildreichen Krofdorfer Forst. Später überschreiten wir die Frankenbacher Straße und kommen auf Feldwegen zum Dünsberg, der von dieser Seite bequem zu ersteigen ist. Nachdem wir uns oben erfrischt und an der herrlichen Rundschau vom Turm erfreut haben, folgen wir jetzt roten Strichen, die uns hin­ab nach Fellingshausen bringen. Ohne Zeichen stei­gen wir auf der anderen Seite wieder hoch, genie­ßen einen hübschen Blick auf das anmutig gelegene Dorf, durchschreiten das Vetzberger Wäldchen und gelangen auf Feldwegen, angesichts der beiden Burgen nach Vetzberg. Von der nahegelegenen Sta­tion'Rodheim benutzen wir die Biebertalbahn zur Heimfahrt. Dauer der Wanderung 5% Stunden; bei Benutzung des Postautos nach Krofdorf eine Stunde weniger. *

bürg ein Bad zu gestalten. Blanc wußte, wie er e» «tuyci a -

die Sache anzufaffen hatte. Er gründete eine Spiel- wahren Volksbad zu werden bank, aus deren Erträgnissen er das Bad finan-! -------