Nr. 295 Erste? Blatt
187. Jahrgang
Samstag, 18. Dezember 1957
tr|d)etm täq ltd), außer Sonnt aqs und Feiertags Beilagen Die Illustrierte ©teßenei Familienbiälter Heimat >m Bild Die Scholle MonatL-Bezugsprets:
Mit 4 Beilagen NM 1.95 Ohne Illustrierte . 1 80 Zustellgebühr „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt
Hernfprechanfchlüffe unter Sammelnummer 225' Anschrift für Drahtnach richten Anzeiger Sietzen poftfchecktonto.
grontfurt am Main 11686
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Drum und Verlag: Srühlsche Unioersilätrdruckerei «.Lange in Sietzen. Schrtstleitung und Seschästsftelle: rchulfttatze r
Annahme von Anzeigen für öte Mittagsnummer bis8'/,Uhr des Vormittags
Grunbpretle für 1 mm höhe
für Anzeigen von 22 mm Brette 7 Rpf., für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Rpf „Platzvorschrist nach vorh. Bereinbg.250/,, mehr.
«rmählgte Grundpreise:
Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie ein* spaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B
Ser Führer dankt allen Schaffenden der Reichsaulobahn.
Berlin, 17. Dez. (D9l23.) Die 2000 Reichsautobahnarbeiter, die als Gast der Reichsregierung in Berlin weilen und am Vormittag bereits eine Rundfahrt durch die Reichshaüptstadt unternommen hatten, vereinten sich dann zu einem gemeinsamen Mittagessen inderDeutschlandhalle. Lange, weiß gedeckte Tische füllten den ganzen Jnnenraum aus. Ein Wald von kleinen und großen Weihnachtsbäumen, die auf der Bühne aufgebaut waren, erhöhte die vorweihnachtliche Feststimmung. Zur Unterhaltung spielte der Musikzug der Leibstandarte Adolf Hitler. Für die Männer der Reichsautobahn war es eine besondere Freude, daß Reichsminister Dr. Goebbels das Wort an sie richtete. „Es ist ja das Schöne an allen Aufbauwerken des natto- nalfozialistifchen Staates", erklärte Dr. Goebbels unter stürmischer Zustimmung, „daß sie nicht nur der Führung zugute kommen, sondern auch dem Volke, und daß die ganze Ration mit dem Herzen unmittelbar an ihnen beteiligt ist." Dr. Goebbels erinnerte daran, daß Hunderttausende von Ausländern, die jährlich nach Deutschland kommen, tief bewegt und erfüllt von der Größe unseres deutschen Zeitalters in ihre Heimat zurückkehrten. „Da muß es auch für Sie, meine deutschen Autobahner, ein ergreifendes Gefühl fein, zu wissen: Was wir schaffen, trägt nicht nur zum Ruhme des Führers bei, zum Ruhme der Partei oder einiger weniger Männer, sondern das mehrt und erhöht die Würde und Größe des Volkes, zu dem auch wir gehören! Wir nennen mit Stolz die Reichsautobahnen die Straßen Adolf Hitlers, denn es war ein Mann, der feinen Namen und fein Vertrauen auf die Zukunft in dieses Werk setzte. Und es war auch die Erkenntnis eines Mannes, daß man sehr viel für die Zeit tun könne, daß man mehr aber für die Ewigkeit tun müsse. Viele Namen, die heute klangvoll find, werden in Jahrhunderten von der breiten Masse längst vergessen sein. Aber die Steinbrücken, die Sie, meine Autobahner, gebaut haben und die filbernen Bänder, die Sie durch die deutschen Wälder hindurchgezogen haben, stehen bann noch, und die nach uns kommenden Generationen werden sagen, das sind die Straßen, die Adolf Hitler fchuf."
Der Kameradschastsabend.
Ein Fest deutschen Schaffens im Beisein des Führers.
Auf einem K a m e r a d s ch a f t s a b e n d hn Theater des Volkes weilte der Führer selbst unter den 2000 Reichsautobahnarbeitern. Gewaltig brausten die Heilrufe dem Führer entgegen, und voll herzlicher Freude und Verehrung erhoben die Männer der Reichsautobahn ihre Hände dem Führer zum Gruß.
Generalinspektor Or. Todt
erinnerte daran, wie zuerst der Führer anläßlich der Automobilausstellung im April 1933 und dann am ersten Feiertag der Nationalen Arbeit, am 1. Mai 1933, das Werk der Reichsautobahnen an kündigte. Dr. Todt sprach weiter von der Ueberroinbung alle Schwierigkeiten, bis sich bem gewaltigen Werk' entgegenfteUten, und bem ©anbei der Verhältnisse in Deutschland, der nicht deutlicher belegt werden könne als durch die Tatsache, daß in allen Teilen des Reiches die Arbeitsämter, die seinerzeit gegründet wurden, um 6,5 Millionen Arbeitslosen Almosen zuzuteilen, heute ausschließlich damit beschäftigt sind, die nötigen Arbeitskräfte für das aufbauende Deutschland zu finden. Unter den im nächsten Jahre fertig werdenden Strecken fei eine zusammenhängende Verbindung von rund 900 Kilometer von der Ostsee über Berlin—Leipzig—Nürnberg-München bis zur Grenze von Salzburg. Der deutsche Straßenbau habe in der kurzen Zeit von vier Jahren einen weiten Vorsprung vor allen anderen Ländern erreicht und damit neben der technischen eine politische Aufgabe erfüllt.
Unter stürmischem Beifall der Autobahnarbeiter erklärte Dr. Todt: „Mein Führer, ich melde Ihnen hiermit die heute durchgeführte Freigabe des 2000 Kilometers. Dank der Mitarbeit aller ist das von Ihnen beim 1000. Kilometer eingenommene Bauziel für das Jahr 1937 erreicht worden. Ich bitte, als Erinnerung an diesen Ehrentag des deutschen Straßenbaues die von Prof. Klein (München) entworfene Plakette des 2000. Kilometers, die heute jeder von uns trägt, anzunehmen." Dann wandte sich der Generalinspektor an den Reichsverkehrsminister Dr. D o r p m ü l l e r. Er dankte ihm dafür, daß die Deutsche Reichsbahn ein hervorragendes technisches Personal den Reichsautobahnen zur Verfügung gestellt habe. Die Arbeit der Reichsbahner sei eine wesentliche Voraussetzung für die schnelle Inangriffnahme und flotte Arbeit der Reichsautobahn gewesen Unter nicht enden wollendem Jubel überreichte Dr. Todt dem Führer die Plakette und anschließend auch dem Reichsverkehrs- minister Dr Dorpmüller. Der Führer dankte Dr. Todt herzlich und sprach auch dem Reichsverkehrsminister seinen Dank /ms.
Der Reichsaulobahnarbeiler Ludwig Brohler aus Frankfurt a. 2N. dunkle dann im Namen aller beteiligten Arbeitskameraden dem Führer. Diefer Mann, der selbst vom ersten Spatenstich zur Reichsautobahn an dem Merk mitarbeilet und heute noch auf der Bauteile Gießen beschäftigt ist, gab in beweg
ten Dorten dem Danke aller Ausdruck, die lange Zeit hindurch vergeblich nach Arbeit
Ein heiterer Abschluß.
suchten, die heule aber in fester Arbeit stehen, die im nationalsozialistischen Staat wieder frei geworden find. Wir wollen, fo erklärte er unter lauter Zustimmung feiner Arbeitskameraden, Ihnen mein Führer, bei ihrem großen Werke helfen. Wir glauben an unseren Führer, wir glauben an unser Volk, wir glauben an Deutschland!
Der Führer spricht
Dann legte derFührerselbstin überaus eindrucksvollen Ausführungen den 2000 Männern, die in allen deutschen Gauen an den Reichsautobahnen schaffen, Sinn, Zweck und Bedeutung dieses gewaltigen Werkes dar. Seine Worte zeugten von der tiefen inneren Anteilnahme, die den Schöpfer der Idee mit den Trägern und Gestaltern dieser für die Jahrhunderte bestimmten Straßenbauten verbindet. Diese Verbundenheit klang aus jedem seiner Worte, die aus dem Herzen kamen und zu Herzen gingen. Unter minutenlangem stürmischem Jubel gab der Führer seiner Freude und seinem Stolze über das größte Werk, das zur Zeit auf dieser Erde geschaffen und gestaltet wird, Ausdruck. Er verband damit denDankandendeutschen Arbeiter, aus dessen Reihen er selbst hervorgegangen sei und der immer am treuesten zu ihm gestände n habe. Dieses Denkmal der deutschen Arbeitsleistung sei nicht nur ein Werk des deutschen Geistes, sondern auch kws Werk der deutschen Arbeitskraft und der deutsR)en Faust. Die Arbeiter nahmen die Ansprache des Führers mit nicht endenwollenden Kundgebungen der Treue Und der Dankbarkeit auf. Begeistert und ergriffen stimmten sie in das Sieg-Heil ein, das Reichsminister Dr. Goebbels auf den Führer ausbrachte.
Nach einer kurzen Pause und zur allgemeinen freudigen Ueberraschung wiederum im Bei- sein'Adolf Hitlers nahm dann der der heiteren Muse gewidmete zweite Teil des Kameradschaftsabends seinen Anfang. Die Berliner Theater und Varietes vor allem das Deutsche Opernhaus und die „Scala", hatten ihre besten Kräfte zur Verfügung gestellt. Die drei Fratinellis machten ihre urkomischen Späße. Den leicht beschwingten ländlichen Tänzen, von namhaftesten Solisten und der Tanzgruppe des Deutschen Opernhauses ausgeiührt, folgten die schier unglaublichen Künste der beiden Manginis italienischer Gladiatoren, bifr sich sozusagen gegenseitig als Turngerät benutzten und mit ihren kaum für möglich gehaltenen athletischen Leistungen begeisterten Beifall fanden. Dann wieder wurden die grotesken Trampolinkünste 'von Adriana und Charly zur Quelle ungetrübter Heiterkeit. Tänze nach amerikanischen Schlagern, wieder von deutschen Künstlern gezeigt, die staunenswerte Leistungen auf dem Drahtseil vollbringende Quin- tilitra. die unerhörten Zauberkunststücke der Mitglieder des Magischen Zirkels — fütwahr ein Programm, das an Abwechslung nicht hätte überboten werden können. Dann kam Weiß Ferdis Posse- „Autobahn — kein Bedürfnis nicht vorhanden!" Die Bauern von ' Haxefink, die sich „vom Automobil nicht über’n Haufen fahren lassen wollen", beratschlagten solange über die Begründung ihrer ablehnenden Haltung, bis die Autobahnarbeiter, schon tüchtig am Werke, den „Karnickelstall" abbrechen. Stürmischer Beifall wie nach jeder Darbietung! Die wundervollen Wiener Walzertänze, für die sich die gesamte Tanzgruppe des Deutschen Opernhauses unter Leitung von Rudolf Kölling zur Verfügung gestellt hatte, beschlossen den herrlichen Abend. Bis zum Schluß blieb der Führer bei seinen Autobahnarbeitern.
w ■
W
W M
•> <
V, -C
»>>>><:> /.w»
■?
F <
:?
■
,/ M •£:
V-.y W- < - v 4
’ -> - *-y7< <v.
Das gemeinschaftliche Essen in der Deutschlandhalle. Unser Bild zeigt die Reichsminister Dr. Goebbels und Dr. Dorpmüller mit den Autobahnarbeitern an der Mittagstafel. (Scherl-Bilderdienst-M.)
Der 2000. Kilometer Reichsaulobahn
Berlin, 17. Dez. (DNB.) Heute vormittag wurden im Reich an sechs verschiedenen Stellen zugleich, und zwar im Ruhrgebiet, bei Kassel, Gera, Köln, Stuttgart und am Berliner Ring fertiggestellte Bauabschnitte der Reichsautobahn in einer Gesamtlänge von 218 Kilometer in Betrieb genommen. Den Mittelpunkt der feierlichen Eröffnung bildete ein Festakt an der Auffahrt Erkner-Grünheide an der Ost- tangente des Berliner Ringes, der hier den Anschluß an die Reichsautobahn von Berlin nach Frankfurt an der Oder herstellt. Durch Rundfunk wurde diese Feier an die übrigen fünf Baustellen im Reich übertragen. Baudirektor Usinger von der Obersten Bauleitung Berlin sprach allen, die an der Vollendung dieses Bauabschnittes mitgewirkt haben, feinen Dank aus. Mit der Ferttgstellung dieses Teiles des Berliner Ringes sei die Hauptstadt des Deutschen Reiches mit der zukünftigen Gauhauptstadt Frankfurt a. d. O. durch eine Reichsautobahn verbunden. Wenn dieser Abschnitt trotz Schnee und Eis so programmäßig fertig geworden sei, so sei das in erster Linie dem Fleiß und dem unermüdlichen Schaffen der -Arbeiter zu danken
Nach dem Dorspruch eines Arbeiters dieser Baustelle nahm der Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen Dr.-Jng. Todt das Wort, um die neuen Autobahnstrecken in Berlin und im Reich dem Verkehr zu übergeben. „Der 2000. Kilometer wird dem Vermehr übergeben — ein kurzes Wort, das eine gewaltige Arbeitsleistung in sich schließt. 2000 Kilometer fertige Strecke ist das* Ergebnis unermüdlicher drei- bis vierjähriger Arbeit von rund 250 000 Volksgenossen, die entweder direkt auf den Baustellen ober indirekt in den
Fabriken durch die Straßen des Führers beschäftigt waren.
Eine große Gemeinfchaflsleiftung ist vollbracht, ein Beweis für die Leistungsfähigkeit des Volkes, das sich nicht mehr in unterschiedliche Interessen spaltet, sondern seine ganze Kraft für gemeinsame Aufgaben einfeht. Nur bei selbstlosem, opferbereitem Einsatz aller Beteiligten können derart große Werke entstehen." —
Während das Lied vom guten Kameraden erklang und dis Fahnen sich senkten, gedachte Dr. Todt all der Arbeitskameraden, die auf diesem Abschnitt als Opfer der Arbeit aus unseren Reihen in treuer Pflichterfüllung geschieden sind. — „Diese gewaltigen Straßen des Führers werden nicht nur dort errichtet, wo bereits heute stärkster Verkehr besteht. Diese Straßen entstehen im ganzen Reich und stoßen vor allem im östlichen Teil Deutschlands bewußt in bisher verkehrsarme Gebiete vor, um dadurch die Voraussetzung für eine lebhaftere wirtschaftliche Entwicklung zu schaffen." Im Auftrage des Führers übernahm dann Dr. Todt den 2000. Kilometer der Straßen Adolf Hitlers vier Jahre nach dem ersten Spatenstich an diesem gewaltigen Werk und übergab die Strecke dem Verkehr.
Gauleiter Stürtz sprach Dr. Todt 'einen Dank dafür aus, daß das Werk so ausgezeichnet gelungen sei. „Gerade für uns", erklärte der Gauleiter, „die wir die schöne Aufgabe haben, an der Ostgrenze des Reiches zu stehen, ift es eine besondere Freude, zu sehen, daß der deutsche Osten beim Bau der Reichsautobahnen nicht vernachlässigt wird."
Illusionen.
Zwei Jahre hat Mussolini der Genfer Liga Zeit gelassen, den polittschen Fehler, den man in Genf auf Betreiben Edens durch den Sanktionsfeldzug gegen Italien gemacht hatte, durch die Anerkennung des neugeschaffenen italienischen Imperiums wiedergutzumachen. Zwei Jahre hatten die Herren in Genf Muße, darüber nachzudenken, ob ihre Institution nach der Krisis im Mandschukuo-Konfli^t, die mit dem Austritt Japans endete, nach dem Scheitern der in Artikel 8 des Genfer Statuts feierlich versprochenen Abrüstung, das Deutschland mit feinem Austritt beantwortete, nach dem völligen Versagen im spanischen Bürgerkrieg und im gegenroärtigen ostasiatischen Konflikt, wo die in Genf tonangebenden Mächte selbst die als oberste Schlichtungsinstanz gegründete Einrichtung völlig beiseite schoben und mit dem Londoner Nichtein- mlschungsausschuß und der Brüsseler Neunmächtekonferenz neue, von Genf faktisch unabhängige ©re- mien schufen, ob nach diesen eklatanten Mißerfolgen die Genfer Institution noch eine weitere Minderung ihres Prestiges ertragen würde. Man hat in Genf die Hände in den Schoß gelegt und weder etwas getan, um den berechtigten italienischen Erwartungen zu entsprechen, noch auch nur das geringste unternommen, um die auch in den der Genfer Ideologie verschriebenen Kreisen oft genug als dringend notwendig empfundene Reform der Genfer Liga in Angriff zu nehmen Es konnte also nicht überraschen, daß. Mussolini dieses Verhalten mit dem Austritt Italiens beantwortete und daß Deutschland das Wort des Duce „Es 'st genug!" mit einem „Niemals mehr!" entschieden unterstrich.
Italien hat diesen Schritt nicht unvorbereitet getan. Schon die römischen Protokolle vom März 1934, in denen sich Oe st erreich und Ungarn mit Italien zu enger politischer und wirtschaftlicher Zusammenarbeit verpflichteten, lagen außerhalb der Genfer Atmosphäre. Der Abessinienkonflikt brachte die Annäherung an Deutschland. Der Ausgang des Sankttonsfeldzuges bewies Italiens wirtschaftliche Widerstandskraft und Unabhängigkeit. Die Bekräftigung der Achse Berlin—Rom durch den Besuch Mussolinis in der Reichshauvt- stadt und die Erweiterung der europäischen Achse zum weltpolittschen Dreieck durch 'ben Anschluß Italiens an den deutsch - japanischen Antikominternpakt bekräftigte die Abkehr der italienischen Polittk vom Genfer Kollektivismus. Die Verständigung mit Jugoslawien, das mit der habsburgischen Erbschaft an der Adria auch Oie Reibungsflächen mit Italien übernommen hatte und als schwere Belastung empfand, überzeugte im März dieses Jahres sowohl Rom wie Belgrad von dem Nutzen zweiseitiger Verträge, wie sie das nationalsozialistische Deutschland als echte Beiträge zur Sicherung des Weltfriedens statt verschwommener den wahren Interessen des Volkes zuwiderlaufender und deshalb den Keim künftiger Kriege in sich tragender Kollektivpakte schon immer empfohlen und in seinen Abkommen mit Polen vom 26. Januar 1934 und mit Oesterreich vom 11. Juli 1936 in die Tat umgesetzt hatte. So hatte die italienische Polittk hinter der für Italien längst inhaltslos gewordenen Kulisse seiner Völkerbunds- mitgliedscha'ft ein neues System internationaler Zusammenarbeit aufgebaut, als es Italiens Austritt aus der Genfer Liga bekannt gab, ein System, das der gleichen politischen Grundanschauung entspringt, wie die außenpolitische Linie des nationalsozialistischen Deutschlands, der Anschauung, daß . nur eine den wirklichen Interessen der Völker ent- , sprechende Zusammenarbeit freier und unabhängiger Nationalstaaten die Grundlage eines dauerhaften Friedens fein kann, der Kultur und Gesellschaftsordnung der abendländischen Völkerfamilie sichert.
Es ist kein Zweifel, daß trotz aller Versuche der französischen und englischen Presse, die Abkehr Italiens von Genf und ihre Folgen zu bagatellisieren, der Beschluß Mussolinis und die Bekräftigung Deutschlands, auch seinerseits die Genfer Episode als endgültig abgeschlossen zu betrachten, namentlich bei den kleineren Völkern, die bisher in der Genfer Institution noch ein Mittel zu sehen gewohnt waren, in der großen Politik mitsprechen. und mit Hilfe des Genfer Forums ihre Belange eher wahren zu können, lebhaften Widerhall gefunden hat. In der Presse der sog. „neutralen" Länder, in Skandinavien und der Schweiz, in Holland und Belgien, in Polen und auf dem Balkan und schließlich auch in den südamerikanischen Staaten, überall findet man recht nachdenkliche Betrachtungen darüber, ob der sog. „Völkerbund", dessen Universalität ja infolge des Fernbleibens der Vereinigten Staaten niemals Tatsache geworden ist und der nach dem Ausscheiden von drei weiteren Großmächten diesen Namen in keiner Weise mehr zu Recht führen kann, überhaupt noch als Plattform zur Erörterung internationaler Fragen cm- gesprochen werden kann, da er sich jetzt auch für wohlmeinende Beobachter als das offenbart, was er im Grunde genommen immer gewesen ist, nacktes Instrument einer bestimmten Mächtegruppe, in der die Sowjetunion immer mehr die erste Flöte spielt. Das Geschick, mit dem die Sowjetdiplomatie es verstanden hat, die Genfer Liga in wachsendem Maße vor ihren Wagen zu spannen und die Genfer Institutionen zum Forum einer hemmungslosen Agitation für den Bolschewismus zu machen, hat fogat schon in England bedenkliches Kopfschütteln veranlaßt, obwohl man dort die Tuchfühlung mit Moskau, wenn auch nur auf dem Umweg über den französischen Bundesgenossen, als Mittel der britischen Ostasienpolitik nicht entbehren zu können • glaubt und deshalb sogar fo dreiste Brüskierungen^


