£()'*.•« mit reDohüi 'närem Geiste werde wegen der in nschlich... Schwächen eine stete und vordringliche Zb'^dbe der Partei bleiben.
* rt><d0iüflub g der Lugendqruppen des K-- ses Wetierau.
Am Sonntag sand im „Burghof" eine Zusammenkunft der Führerinnen der neu erstellten Ju« gendgruppen des Kreises statt. Die Jugendgruppen- leiterin des Kreises, Pg. Anni Schwengber, begrüßte ihre Mitarbeiterinnen und dankte ihnen für die überall erfolgreiche Werbung. Als Geleitwort für ihre Weiterarbeit gab sie ihnen den Gedanken mit, daß in der Gemeinschaft unseres Dol- kes nur der ein Recht hat, der bereit ist, für diese Volksgemeinschaft zu arbeiten.
Zu der Taaung war die Jugendgruppenführerin des Gaues Hessen-Nassau aus Frankfurt gekommen, und sie gab in längeren Ausführungen klare Richtlinien für die Weiterarbeit. Sie zeigte die Notwendigkeit dieser Jugendorganisation, da heute jedes Mädel und jede Frau verpflichtet sei, sich in eine Gemeinschaft einzufügen. Der Platz für unsere weibliche Jugend fei die Jugendgruppe der NS - Frauenschaft und des Deutschen Frauenwerks. Die Mädel vom BDM. treten mit 21 Jahren in die Jugendgruppe über, ebenso die jungen Mädchen, die noch keiner Organisation angehören, vom 30. Jahre an ist ihr Platz in der Frauenschaft. Mädel, die keiner Gemeinschaft angehören, können vom 18. bis 21. Lebensjahr in der Jugendgruppe als Gäste Aufnahme finden. Die Rednerin betonte, daß bei der Werbung keine vergessen werden darf, daß an alle herangetreten werden muß, die bis jetzt noch abseits stehen, damit der Kreis der Mitarbeiterinnen sich ständig vergrößert.
Am Nachmittag wurde die Arbeitstagung, nach gemeinsamen Eintopfessen, auf dem Schiffenberg mit den Ortsfrauenschaftsleiterinnen fortgesetzt. Als Erfolg der Werbung konnten bereits 40 Jugend- gruppen im Kreis gestellt werden. F/K.
Familiengeschicktlicher Spaziergang über den Alten Friedhof.
Der Ortsring Gießen des Landschaftsbundes Volkstum und Heimat veranstaltete am gestrigen Buß- unh Bettag einen Gang über den Alten Friedhof, für den Oberkriegsgerichtsrat i. R. Koch die Führung übernommen hatte. Zahlreiche Mitalieder und Freunde des Landschaftsbundes hatten sich dazu eingefunden.
Oberkriegsgerichtsrat Koch führte feine Zuhörer von Grabstein zu Grabstein und wußte aus schier unerschöpflichem Wissen hineinzuführen in die Geschichte, in bas Leben und Wirken vieler Gießener Familien. Er begann am unteren (Eingangstor an der Licher Straße, schilderte zunächst die beiden schönen Steine links und rechts an der Innenseite des Eingangs, über die zwar keine verbrieften Nachrichten erhalten seien, von denen aber zu vermuten sei, daß es sich bei den beiden Dargestellten um Mitglieder der Familie Schmalbach handele, die als Burgamtsmänner in Gießen ansässig waren. Weiter führte er zu den Grabsteinen der Revel- manns, die mit anderen aus Westfalen eingewandert waren und von denen der Dortragende viel Unterhaltsames zu berichten wußte. Man hörte dann von der Familie Langsdorf, aus der viele bedeutende Manner hervorgingen, von der Familie des Gastwirts Müller („Einhorn") und der Familie jenes Barthel Thom, der Gastwirt zum „Wilden Mann" (Kreuzplatz) gewesen war. Sehr Unter- haltsames erfuhr man ferner von Gießener Chorherren, denen die Stadt die Chorröcke stiften mußte, und schließlich erzählte Oberkriegsgerichtsrat Koch von jenem reichgeschmückten Grabstein unter dem ältesten Eingangstor des Friedhofes am Nahrungsberg. Nicht weniger interessant waren seine Darlegungen über die Art und Geschichte der beiden
Erbbegräbnishäuser der Dietor und der Todenwart. Schließlich wandte man sich den Grabsteinen zu, die unmittelbar an der Kapelle des Alten Friedhofs angebracht sind, und hier erfuhr man u. a. einiges über das Leben einer Scharfrichterfamilie.
In der Kapelle sprach Oberkriegsgerichtsrat Koch über die Entstehung des Alten Friedhofes, über die Bedeutung und Herkunft des Wortes Nahrungsberg und über einige beachtenswerte Grabdenkmäler in der Kapelle selbst. Mit großer Aufmerksamkeit folgten die vielen Zuhörer den vielfältigen Schilderun- gen des Redners, und viele werden ihm für die anregende Stunde Dank wissen. Den Abschluß der Veranstaltung bildeten einige geistliche Lieder, die der Chor der Luthergemeinde unter Leitung von Fräulein Koch sang.
Ehrenmal-Weihe
auf dem Neuen Friedhof.
Die Arbeitsgemeinschaft Gießener Soldaten- Kameradschaften veranstaltet am kommenden Sonntag, 21. Nov., um 14.30 Uhr, auf dem Krieger- Ehrenhof des Neuen Friedhofs die Weihe des Ehrenmals, das in Gestalt eines großen Findlingssteins aus dem Odenwald von der Arbeitsgemeinschaft errichtet wurde. Die Weiherede hält Leutnant der Reserve Pfarrer Trapp. Das Musikkorps des Jnf.-Regts. 116 unter Leitung von Musikmeister Wohljahrt und der Bauersche Gesangverein unter Leitung von Musiklehrer Blaß werden bei der Feier mitwirken. Im Rahmen dieser Feierstunde wird das Denkmal an die Stadt Gießen übergeben werden.
Gießener Dochenmarktpreife.
* Gießen, 18. Nov. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, VA kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das
Stück 5 bis 10, (Eier, deutsche, Klasse B 11, Wirsing, A kg 8 bis 12 Pf., 50 kg 7 bis 8 Mark, Weißkraut, kg 5 bis 6 Pf., 50 kg 4 bis 5 Mark, Rotkraut, % kg 7 bis 12 Pf., 50 kg 7 bis 9 Mark, gelbe Rüben, % kg 8 bis 9 Pf., Karotten 8 bis 12, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 10 bis 18, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15, Rosenkohl 20 bis 30, Feldsalat, Vio 10, Tomaten, % kg 15 bis 20, Zwiebeln 8 bis 9, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 40, Kürbis 5 bis 6, Kartoffeln, A kg 4 Pf., 5 kg 40 Pf-, 50 kg 1. Sorte 3,45 Mark, 2. Sorte 3,25, 3. Sorte 3 Mark, Aepsel, kg 10 bis 18 Pf-, 50 kg 10 bis 18 Mark, Birnen, A kg 8 bis 15 Pf-, Hähne 1 bis 1,10 Mark, Suppenhühner 80 bis 90 Pf-, Gänse 90 Pf. bis 1,05 Mark, Blumenkohl, das Stuck 10 bis 50 Pf., Endivien 8 bis 12, Lauch 5 bis 8, Rettich 5 bis 15, Sellerie 10 bis 30 Pf.
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EPNH. Nur zwei Derkaufssonntage vor Weihnachten. In einer Mitteilung der Wirtschaftsgruppe Einzelhandel wird daraus hingewiesen, daß auch in diesem Jahr nur zwei Sonn- tage zum Verkauf freigegeben sind. Es handelt sich um den 12. und den 19. Dezember. Die Regelung gilt einheitlich für das ganze Reich. Der „kupferne" Sonntag ist also in Wegfall gekommen.
* * (Ste rb e fäHe in Gießen. Es oerftarben vom 1. bis 15. November: 27. Okt.: Ranft, Ernst, Elektrotechniker, 23 Jahre alt, Alicenftraße 18. 2. Nov.: Wagner, Marie, geb. Schönhals, 46 I., Wilhelmstraße 3; 7.: Segadelli, Andreas Jakob, Terrazzoleger, 74 I., Hammstraße 17; 8.: Böck,
Friedrich, Geschäftsführer, 66 I., Horst-Wessel- Wall 46; 9.: Reidt, Karl, ohne Beruf, 70 I., Wol- tengaffe 16; 10.: Hellmold, Kath. Luise, geb. Spran- kel, 79 I., Steinstraße 23; 11.: Wimmler, Pauline, geb. Schneider, Wwe., 76 I., Leimenkauterweg 3; 13: Battenberg, Luise, geb. Schmidt, Wwe., 71 I., Schloßgasse 1.
Eröffnungssitzung
der Veterinärmedizinischen Gesellschast Gießen. Neugründung einer dritten Abteilung der Oberhessischen Gesellschast für Natur- und Heilkunde.
Der naturwissenschaftlichen und medizinischen 2Tb-; teilung der heuer 104jährigen Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde gesellte sich in diesen Tagen mit der Gründung der „Veterinärmedizinischen Gesellschaft Gießen" durch die Veterinärmedizinische Fakultät der Ludwigs-Universität eine dritte bei, die am Dienstagabend mit einer '
gemeinsamen Eröffnungssitzung
im Hörsaal des Physiologischen Institutes erstmals vor die Öffentlichkeit trat.
Wenn man in diesen ernsten Zeiten den Mut zu einer solchen Neuschöpsung aufbringt, so nur bann, wenn man dessen gewiß ist, daß sie weit abseits rein gesellschaftlicher Bestrebungen wirklich ernsten und fest umrittenen Zielen zustrebt. Dem gab der Vorsitzende und geistige Urheber der Gesellschaft, Professor Dr. C. Krause, Direktor des Deteri- närpathologischen Institutes, in seiner Erösfnungs- ansprache beredten Ausdruck. Wir alle, so jagte er u. a., ob alt oder jung, ob Professor oder Assistent, ob Praktiker oder Wissenschaftler, sind und bleiben von dem Augenblicke an, da wir in die Gemeinschaft der Universitas literarum eingetreten sind, Lernende, Strebende, Suchende, Forschende, und in dem Maße, in dem die analytische Spezialisierung uns auf die einzelnen Arbeitsfelder auseinanderführt, in dem gleichen Maße müssen wir wieder zu- fammenftreben, um über den Einzelheiten nicht die
Ganzheit, über dem Stoff nicht das große Lebendige aus den Augen zu verlieren. Und ein Zweites! Die alte Romantik, die die kleinen Universitäten umfing und zum brennenden Anziehungspunkt machte, ist dahin. An ihre Stelle müssen wir das Gegenstück, ernste Arbeit und tiefgründige wissenschaftliche Bildung setzen, die mit einer besonders nahen Gemeinschaft von Lehrer urid Schüler, von Erfahrenem und Neuling gerade die kleine Universität zur besten Keimzelle unseres Nachwuchses werden läßt.
In diese große Ausgabe schaltet sich die Veteri- närmedizinische Gesellschaft mit allen ihren Kräften ein. Sie lehnt sich dabei bewußt und nicht allein aus praktischen Gründen an die Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde an und gliedert damit die Veterinärmedizin als angewandte Naturwissenschaft, von dem Bestreben eifriger und erfolgreicher Mitarbeit beseelt, in den bestehenden Rahmen ergänzend ein.
Den Vorsitzenden der Odechessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde, Professor Dr. Henne- berg und Professor Dr. A n k e l, sowie dem Vor- sitzenden der medizinischen Fachgruppe, Professor Dr. Riem, dankte Professor Dr. C. Krause für die tatkräftige Förderung der Neugründung. Sodann galt fein Dank und Gruß den Erschienenen. Insbesondere begrüßte er die Ehrengäste des Abends, voran das vollzählig anwesende Veterinär-
ofsizisrskorps, an feiner Spitze den Gruppen« veterinär, Generalveterinär Dr. Schäfer (Kassel), den Korpsveterinär des IX. Armeekorps, Oberst- veterinär Dr. M a n g e l o w (Kassel) und den Di- oisionsveterinär, Oberfeldveterinär Dr Garn (Gießen). Ferner den Prorektor der Lüdwigs-Uni- verfität, Professor Dr. Hildebrandt, den Kreis- direktor des Kreises Gießen, Dr. Lotz, den Vertreter der städttschen Behörden, Beigeordneten N i • c o I a u 5 , den Direktor des Staatsinstitutes für experimentelle Therapie in Frankfurt a. M., Geheimrat Professor Dr. Otto, den Vertreter der Höchster Farbwerke, Dr. Stephan, den Leiter der Behringwerke Marburg, Dr. D e m n i tz , den Vertreter der Firma E. Merck, Darmstadt, Dr. Schreyer, die Mitglieder der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde, sowie alle in reicher Zahl erschienenen Berufskameraden.
Mit dem Wunsche, daß sich die an die Neu- schöpfung geknüpften Erwartungen uns zum Lohne^
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den Kommenden zur Nacheiferung und dem Vaterlands zum Nutzen erfüllen mögen, erklärte der Dor. sitzende die Veterinärmedizinische Gesellschaft Gießen für gegründet.
Der zweite Vorsitzende der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde, Professor Dr. Ankel, und der Vorsitzende der medizinischen Ab- teilung, Professor Dr. Riem, sprachen der jungen Schwestergesellschaft in herzlichen Worten ihre Glückwünsche aus. Dann eröffnete der Vorsitzende die erste wissenschaflliche Sitzung über das Thema: „Maul• und Klauenseuche" und erteilte dem Direktor des Deterinärhygienischen und Tier« seuchen-Jnstttutes, Professor Dr. K. Beller, das Wort zu seinem Vortrag:
„Epidemiologie und Aetiologie der Maul- und Klauenseuche".
Die feit langem in Europa bekannte Maul- und Klauenseuche erlangte für Deutschland erst größere Bedeutung, als mit Beginn des 19. Jahrhunderts durch die Zunahme der Bevolkerungsziffer und die Verbesserung der Verkehrswege die Bestrebungen nach Leistungssteigerung und Verdrängung der wid er stand sfäyigen Landrassen durch schwerere und milchergiebigere Nutzviehrassen in Erscheinung traten. Damit steigerte sich einerseits die Anfälligkeit der Tiere und anderseits die Verbreitungsmöglichkeit für den Ansteckungsstoff. Vom Standpunkt der unmittelbaren Seuchenverluste aus gesehen, ist die Maul- und Klauenseuche eine verhältnismäßig ungefährliche Krankheit. Schwer fallen dagegen die durch den Rückgang der Fleisch- und Milchleistung und den Ausfall an Arbstts- und Zuchtleistung entstehenden mittelbaren wirtschaftlichen Schäden ins Gewicht. Für den einen Seuchenzug 1919/21 allein erlitt das deutsche Volksvermögen eine Einbuße von einer halben Milliarde Mark. Dazu kommt, daß die Seuche verborgene Krankheiten, wie Tuberkulose und Geschlechtsleiden, mobilisiert. Es ist also vollauf berechtigt, wenn her Staat vermittels gesetzlicher Tierseuchenbekämpfuna alle Anstrengungen macht, der hemmungslosen Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche Einhalt zu gebieten Die Forschung hat hierzu in fruchtbarer Arbeit durch die Klärung der Biologie des Krankheitserregers im
Gießener Giadifheaier.
Gerhart Hauptmann: „Fuhrmann Henschel."
Zur Feier von Hauptmanns 75. Geburtstage brachte das Stadtcheater das schlesische Schauspiel „Fuhrmann Henschel" (1898). Schon sechs Jahre zuvor war die Novelle „Bahnwärter Thiel" erschienen, die Geschichte eines einfachen Mannes, dem ein ähnliches Schicksal beschieden ist wie dem Henschel, den Hauptmann, in (Erinnerung an seine Heimat und fein Elternhaus in Obersalzbrunn, im Gasthof ,Lum grauen Schwan" eines schlesischen Badeortes ansiedelte. Fünf Jahrs später erschien bann in „Rose Bernd" bas Gegen-Stück zum .Henschel", die innere Umkehrung des dort gestalteten Schicksals: während das Mädel von der männlichen Roheit und Gemeinheit in Elend, Schuld und Tod gehetzt wird, geht der Mann Henschel an der Brutalität und Verdorbenheit eines hemmungslosen und triebhaften Weibgeschöpfes seelisch und physisch zugrunde.
Henschel, ein Hüne von Gestalt, einfach, anständig und gutmütig, arglosen und kindlichen Herzens, heiratete nach dem Tode seiner seit langem kränkelnden Frau — entgegen dem ihr auf dem Totenbett gegebenen Versprechen — feine Magd Hanne, ein robustes und gefühlsrohes Geschöpf, die auf den Tod der F"iu nur gewartet hat, um an deren Stelle zu treten. Diese Heirat ist Henschels Unglück, der Anfang vom Ende; seitdem geht es mit ihm bergab: seine kleine Tochter folgt der Mutter bald ins Grab; Hanne wehrt sich gegen ihr von Henschel ins Haus genommenes, voreheliches Kind, betrügt den Mann mit einem windigen Kellner, bringt ihn dazu, einen alten, guten Knecht davonzujagen und untergräbt auf jede Weise Henschels Stelluna und Ansehen. Als er schließlich erfährt, was „die Leute" von Hanne erzählen — daß sie ihn betrüge, daß sie seine erste Frau ins Grab gebracht habe und auch am Tods des Kindes nicht unschuldig sei —, und als Hanne sich gegen solche Anschuldigungen nicht zu verteidigen vermag, bricht er nach einem rasenden Anfall von Jähzorn und Eifersucht völlig zusammen. Das ist das Ende, ein Schlag, von dem sich der Mann nicht mehr zu erholen vermag; als er' bann noch von Erscheinungen der toten ersten Frau heim gesucht wird, die ihn an sein gebrochenes Versprechen mahnen, weiß er keinen andern Aus- weg aus einem verfehlten Leben als in den freiwilligen Tod.
In diesem äußerlich vollkommen naturalistischen Stück bemerkt man schon die Ansätze zur lieber« Windung einer scheinbar noch ganz geschlossenen und konsequenten Stilform: hier ist zwar noch überall Zustandsschilderung und Milieubeschrsibung, aber es verläuft nichts im Sande, bas Drama schreitet fort, es gibt in Henschel eine klare und entschiedene, fühlbare und akttv werdende Charakter
entwicklung. Außerdem sind die wesentlich handelnden Personen nicht mehr bloß, typisch naturalistisch, als Produkt ihrer Umwelt begriffen: Henschel selbst gebraucht, gleichsam unbewußt, den alten Dramen« legriff der Schuld, die er in sich selber sucht und inöet und sühnt. Für die dramatische Aktion in liefern Schauspiel mag etwa der meisterhaft ange« etzte, entwickelte und gesteigerte vierte Aufzug zelten, der die eigentliche Entscheidung und Schick- alswendung herbeiführt und die Katastrophe vorbereitet. Hier sammelt sich auch noch einmal der vielfälttge Figurenreichtum, mit dem Hauptmann den Schauplatz feiner Jugend belebt und die Auseinandersetzung zwischen Mann und Frau umgibt, innerlich begründet und begleitet. —
Herr Kühne hat die Aufführung inszeniert; einige Anmerkungen dazu gab er im Programmheft: der Weg, den er hier einschlug, ist heute wohl der angemessene für die Wiedergabe eines solchen Stückes: das, was naturalistisch wirkt im extremen Sinne, möglichst gedämpft; eine Stilisierung war nicht gut denkbar, aber beispielsweise konnte die Mundart (in solchen Hauptmann-Stücken stets eine Klippe) auf ein andeutendes Maß zurückgeführt werden, wie es hier geschah; auch konnte einiges gestrichen werden. «Hinter der schlichten unverstellten Darbringung des Menschen und seiner Umwelt den Urgrund des Lebenskampfes fühlbar werden zu lassen...", das war hier die Aufgabe, und das ist auch gelungen. — Sehr gute Raumbilder, Fuhrmannsstube und Wirtslokal, hatte Herr Löffler geschaffen.
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Wenn es die Absicht der Inszenierung war, möglichst wenig grell und kraß zu wirken, wie man das Stück früher gelegentlich von der Bühne herab hat empfinden müssen, so war diese Tendenz auch dar- stellerisch angenehm zu spüren. Herr Neuhaus nahm den Henschel einfach und sehr menschlich, gutmütig und im Grunde hilflos: der Mann „kann nischt dosier", er ist „halt so neigetapert", fast un- rnerklich, stufenweise, immer tiefer. — Else Mon« narb gab die Hanne — welch ein Sprung von der Uta in dis schlesische Kellerwelt; aber sie erfaßt bas triebhafte, dumpfe, harte und irgendwie unheimliche Wesen dieses Geschöpfes ruhig und bewußt, ohne Drücker und ohne Lärm, sehr sicher im Dialekt, und es fehlt keiner der Züge, die man irn Buche ausipürt.
Um die beiden herum eine ganze Reihe individuell gesehener Gestalten aus dem reichen Menschentum dieses Stückes: Emmy G ü n g e r i ch , die Hen- schsln, versorgt und vergrämt und hellsichtig vor- ausahnend; Herr Geißler als Siebenhaar sehr verhalten und still; Herr P a s ch e n , der alte Knecht Hausse, in einer eindringlichen Szene am Wirtstisch; Herr v. Gschrneidler, Herr Geiger und Herr Frickhoesser gaben sehr lebendig ausge« formte Chargensiguren; der altgewordene Komödiant, der schlesische Hausierer, eine ßieblinqsfigrrr Hauptmanns, der unonaenebm geleckte Kellner George. Herr D o l ck als Walther hatte seine große
Szene im vierten Akt; Herr Dittmar als Franz und Frl. Garbe, die leichtfertige kleine Franziska, rundeten das sigurenreiche Bild. —
Das Publikum dankte mit lebhaftem Beifall.
Hans Thyriot.
Albert Lortzing: „Der Wildschütz."
Der „Wildschütz" ist auf unfern Bühnen heimisch, aber meist bleibt doch seine Aufführungszahl hinter der von Lortzings anderen Opern zurück. Nicht etwa, weil der „Wildschütz" diesen Werken in musikalischer Hinsicht etwas nachgäbe; sondern im Gegenteil, hier hat Lortzings Opernstil eine Feinheit der Charakterisierungskunst und der musikalischen Durchdringung erreicht, die ihn in Vergleich zu Mozart setzen läßt. Allerdings wird dieser seine musikalische Geschmack dieses Werkes sich nur dann voll entfalten können, wenn die zur Verfügung stehenden musikalischen Kräfte diesen Feingeist zu erfassen ver- mögen und dafür die gesanglich-technische Reife aufbringen. Das erkannte Lortzing schon: „Dennoch mar der Erfolg an einigen Bühnen zweifelhaft. Warum? — Ich muß wiederholt das alte Lied fingen: — Unseren deutschen Sängern mangelt durchschnittlich die Leichtigkeit des Spiels, des Vortrags, mit einem Worte die zu „dieser Operngattung erforderliche Salongewandtheit."
Dieser geistreiche, spritzige, pointierte, musikalische Konversationsstil wurde das Ledens- und Grundelement der ausgeglichenen, hochstehenden Aufführung. Musik und schauspielerische Darstellung banden sich in einer inneren Gelöstheit, die dem Einzelnen freie Entfaltung aller seiner Möglichkeiten und Fähigkeiten gab, die das letzte Schlummernde weckte, Leben sprühte und beim Hörer (wie etwa in der Billardszene) zündete. Gegenüber den an die Vorschriften gebundenen Bildern der „Boheme"-Auf- sührung zuckte hier frohpulsierendes Leben, in ungehemmter Natürlichkeit und damit auch in Werktreue. Denn Lortzing hat tatsächlich feine Meinung über die Auffassung einzelner Rollen in diesem Sinne niedergelegt. Damit hatte der Intendant Hermann Schultze-Griesheim dem Abend das Motto verliehen; die einzelnen Kräfte gaben ihm volle lebendige Wirklichkeit.
Ein Baculus, fast wie aus einem Spitzwegschen Bilde heraus, war Wilhelm Greif, voll Selbst- überzeugtheit, wo er es wagen konnte, und wiederum voll Unterwürfigkeit; etwas verschlagen, ja fast raffiniert, berechnend; ein selbstbewußter Träger der Bildung, selbst dann nicht verlegen, wenn sein Wissen zu Ende ist. Ein getreues Abbild der Schwankungen feines Selbstgefühls, das sich zu größter Uederheblichkeit steigerte, wurde die Arie „Fünftausend Taler". In diesem musikalischen Monolog gab er das Resume feines ganzen Wesens in fein durchdachter stimmlicher Charakterisierung, fast seherisch im Rausch der Selbstbespiegelung mündend bei großen stimmlichen Akzenten. Jeder Situation war der Klang seines Organs angepaßt und gleichzeitig mit einer Gebärde verbunden, die
seine Fremdhett in der großen Welt trefflich charakterisierte.
Sein Gretchen (Friedel F o r n a l l a z), ein natur-gewachsenes Landkind, aber doch nicht ohne Mutterwitz und weiblichen Instinkt, ein Ziel der Eifersucht ihres gestrengen Gebieters und dennoch nicht ganz ohne eigenen Willen, ausgeprägt auch in der stimmlichen Aeußerung, reizvoll in der gesanglichen Linienführung in den Szenen des ersten Aktes.
Dem gegenüber das gräfliche Paar voll hoheitlicher Würde und Anmut. In bildhafter Schönheit war Hildegard I a ch n o w mit jeder distinguierten Miene, mit jedem Schritt, mit jeder Bewegung und mit jedem Wort eine Standesperson mit überzeugendem Persönlichkeitsakzent, glaubhaft durch ihre geistige Haltung in ihrer Schwärmerei für die Antike, eine Wahrerin der guten Sitte durch ebles, vornehmes Frauentum. Wenn auch die Partie ihr nicht viel Gelegenheit zur sängerischen Auswirkung gab, so war doch das Wenige so musikalisch wertvoll und gesanglich schön, daß der Wunsch wach wird, sie in einer größeren, ihren Fähigkeiten voll entsprechenden Rolle zu erleben.
Gebietender Herr, ganz Kavalier und doch auch Mensch, nicht ohne verzeihliche Schwächen war Gustav Bley. Doch wiederum auch ein Lebens- künstler, der fein philosophisches Bekenntnis mit Usberzeugungstreue in der Arie des dritten Aktes zusammenfaßte. Wieder in Dollform seiner stimm« lichen Kräfte, zündete er mit seinen prächtigen, glanzvollen Tonen und feiner vielseitigen musikalischen Gestaltungskraft, die ihm ebenso pointierte Plastik des Parlandos ermöglichte.
Die Rolle des Baron Kronthal, mit ihrer sentimentalen Schwermut ließ in dieser Hinsicht bei Jupp Müller verwandte Saiten sich erregen. Das prägte sich auch in seinem schönen, warmen, emp- findungsvollen Stimmklang ab. PZeitere Bühnenerfahrung wird ihn hoffentlich recht bald zu voller (Entfaltung aller in ihm ruhenden Fähigkeiten führen. Das dürfte auch für Margarethe Merian (Baronin Freimann) gelten, die als reifende Frau noch mehr Selbstbewußtfein zur Schau tragen könnte und damit ihren schönen Stimmitteln volle darstellerisch« Auswirkung geben würde. >
(Ein kecker Stubenbursche — Kammermädchen wak Christ! B a 1 ck e. Fritz B ö h 1 i g gab dem Haushofmeister wohl eigene Züge; doch könnte er noch deutlicher seine Umwelt widerspiegeln.
Das Ganze spielte sich in einem szenischen Rahmen ab, im 1. Akt heimatlich verwurzelt, im letzten Akt auf die freudige Geburtstagssphäre abgestimmt (Karl Löffler). Die (h)öre wurden zum lebendigen Ausdruck mit strahlender Frische für das Grundel em ent der Szene (Heinz Markwardt). Ueberaus fein durchgearbeitete Ensembles und klare Klangwirkung im Orchester zeugten für den temperamentvoll am Dirigentenpult wirkenden Paul Walter.
Allen dankte ein überaus angeregtes und darum um so beifallsfreudigeres Haus.
Dr. Hermann Hering.


