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Kr. 269 Drittes Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Donnerstag, 18. November 1937

Aus der Stadt Gießen.

Hausmusik.

Wir Deutschen sind das Volk der Denker und Dichter. Wir wollen hinzufügen: auch der Musiker. Schauen wir doch z. B. die Programme der auslän­dischen Sender an! Stehen da nicht immer wieder Namen wie Bach, Schubert, Strauß, Mozart, Wag­ner und Beethoven? Ohne deutsche Musik geht es eben nicht.

Wir Deutschen sind aber nicht nur Musiker, wir sind auch musikliebend. Selbst wenn uns des Tages Arbeit ermüdet hat, "schenkt uns ein Stündchen Hausmusik die nötige Erholung. Am Abend, wenn wir im traulichen Kreise vereint sind, kommt das Volkslied nicht zu kurz. Wie leicht läßt es sich aber singen, wenn ein Instrument begleitet. Es muß nicht immer ein Klavier sein. Eine Zither, eine Gitarre, ja selbst eine Mundharmonika trägt uns leichter hinüber in das Reich der Töne, begleitet und erfreut.

Wer sich heute im Volke umsieht und umhört, wird feststellen, wie groß und tief die Liebe zur Musik ist. Heute will der deutsche Mensch die Musik nicht nur passiv genießen, sondern er will sie selbst am Musikinstrument praktisch ausüben, sei es am Klavier, Harmonium. Geige, Hand- und Mundhar­monika, der Blockflöte, Gitarre oder Mandoline usw. DerTag der Deutschen Hausmusik" gibt Gelegen­heit^ in dem Hauskonzert die Spielmöglichkeiten und Klangreize der einzelnen Musikinstrumente kennenzulernen.

Schauen wir auch auf die wandernden Scharen des Jungvolks, des BDM. und der Hitler-Jugend! Wie anders marschiert es sich, wenn einige Instru­mente, Flöten und Gitarren, an der Spitze des Zuges erklingen!

Die neuerwacht^ Freude am Selbstmusizieren führt ganz von selbst zum gemeinsamen Musizie­ren musikfroher Menschen. Dieses gemeinsame Mu­sizieren bildet die Krönung oolksmusikalischer Be­tätigung. Täglich entstehen in allen Teilen Deutsch­lands neue Spielgruppen, und häufig liest man von gut besuchten und erfolgreichen Konzerten der zum weit verzweigten Baume deutscher Volksmusik ge­hörenden Orchester. Wir sind auf dem besten Wege, ein Volk zu werden, das in seiner Gesamtheit wie­der musiziert.

Im Aufstieg der Volksmusik liegt keine Gefahr für die Kunstmusik, für das anders geartete Schaf­fen der Orchestermusiker. Dem großen Dirigenten und Berufsmusiker sind andere Aufgaben gestellt. Man hat aber die Wahrnehmung gemacht, daß die Volksmusiker eifrige Konzertbesucher wurden. Sie schulen ihr Streben und Können gern im Erleben einer Oper, oder eines Symphoniekonzertes. Bei Lichte besehen, gibt es übrigens keinen Gegensatz zwischen Volks- und Kunstmusik. Ebensowenig wie es einen Gegensatz zwischen dem Veilchen und der Mose gibt.

Wir Eltern sollten deshalb jeden Wunsch, den unsere Kinder in bezug auf Musik äußern, gern willfahren. Soweit die Kleinen musikalisch sind, sollten wir sie irgendein Instrument spielen lassen. Sie werden es uns noch in späten Tagen danken. Das Weihnachtsfest steht vor der Tür. Wir können nicht alle Wünsche unserer Kinder erfüllen. Aber dafür können wir sorgen, daß sie irgendein Musik­instrument erhalten, das ihnen für viele Jahre Freude und Genuß bereitet.

Schallplatten und Lautsprecher können eine Haus­musik nie ersetzen. Eines schließt freilich das andere nicht aus. Gern hören wir auch die Darbietungen des Rundfunks. Aber sie sollten zu gleicher Zeit ein Ansporn sein, sich selbst in der Ausübung der musi­kalischen Betätigung zu vervollkommnen, immer weiter zu streben und den Kindern ein Vorbild zu

Vlandine setzt sich durch

Vornan von

Hans-Ioachim Ireiherrn von Reihenstem

Copyright by Carl Ouncker

27 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Sei doch nicht kindisch. Du mußt doch irgend etwas getan haben, um dich vorzubereiten. Ein Wechsel ist doch keine Schneiderrechnung. Der Mann wartet nicht. Der läßt dich hochgehen."

Ja, aber was soll ich denn machen?"

Das fragst du mich heute?"

Hättest du mir denn früher etwas raten kön­nen?"

Vielleicht."

Was denn zum Beispiel? Vielleicht läßt sich das heute auch noch machen?"

Hat deine Frau noch echte Steine?"

In ihrem Schmuck?"

Na, wo denn sonst."

Selbstverständlich."

Mächtig feine Leute seid ihr. Warum hast du mir denn das nicht früher gesagt?"

Harry sah ihn verständnislos an.Da gibt man den Schmuck zum Juwelier und läßt Similisteine reintun. So etwas bringt schön ein. Und das merkt fie noch nicht mal. Ich kenne das doch von meiner Frau; die ist heute noch nicht dahinter gekommen, »bwohl sie jetzt, während des Prozesses, die ältesten Sachen, an die kein Mensch mehr denkt, auskramt, um nur ja die angestrebte Scheidung zu erreichen."

Lange gab noch verschiedenen wertvollen Rat. Aber er hatte als guter Freund ja von Anfang an ein Hehl daraus gemacht, daß es für heute zu ;rpät sei. So hatten seine Aufklärungen nur einen unterhaltenden Wert.

Harry, der nicht gern bei unangenehmen The­men verweilte, ließ seiner Phantasie freien Lauf, während er ein gutes Abendbrot und dazu sehr h v'iel trank.

'Menschettskind, man müßte Geld haben!" 'eufzte er.

Natürlich, müßte man!" Lange nickte bekräf­tigend.

Die OAF. Kreis Wetterau im Oktober.

Die Kreiswaltung Wetterau der DAF. zählte im Monat Oktober 1937 insgesamt 43 759 Betriebs­führer und Gefolgschaftsangehörige als Mitglieder. Die von Monat zu Monat steigende Mitgliederzahl beweist, wie systematisch auch noch die letzten, bis­her abseitsstehenden Kameraden durch den Tat- sozialismus überzeugt werden.

Die Derwaltungs stelle zahlte im gesamten Kreisgebiet Wetterau 980 Unterstützungen aller Art im Gesamtbeträge von 12 879,25 RM. aus.

Die Rechtsberatungsstellen Gießen und Friedberg wurden von 1057 Betriebsführern und Gefolgschaftsangehörigen aufgesucht. Diesmal war die Anzahl der Streitfälle aus dem Baugewerbe außerordentlich groß.

Das Gaststätten - und Beherbergungs­gewerbe hat nun auch in Gießen, nachdem der DreiklangLehrling, Gehilfe und Meister" verwirk­licht worden ist, die ersten gastronomischen Meister zu verzeichnen. Anläßlich der 7.Internationalen Kochkunst-Ausstellung" in Frankfurt a. M. wurden 8 Servier- und Küchenmeistern hiesiger Betriebe bei der feierlichen Verpflichtung imRömer" das Mei­sterdiplom und die Meisternadel überreicht. In die­sem Zusammenhang wird darauf hingewiesen, daß im Winterhalbjahr 1937/38 letztmalig ein Meister­vorbereitungslehrgang durchgeführt wird, um noch­mals allen Köchen, Kellnern und Betriebsführern im Gaststättengewerbe die Gelegenheit zu bieten, den Meistertitel desDeutschen Gaststätten- und Beherbergungsgewerbes" zu erwerben.

Das Amt für. Volksgesundheit führte verschiedene Betriebsbesichtigungen und Besprechun­gen durch, die insbesondere der beruflichen Er­ziehung aller Fachschaften dienten.

Die Abteilung für Berufserziehung und Betriebsführung hat Lehrgemeinschaften der verschiedensten Art begonnen. Die zahlreichen Mel­dungen, trotz der Einschränkungen gemäß den neuen Richtlinien für die Uebungsftätten im Berufs- erziehungswerk der Deutschen Arbeitsfront, bewei­sen in steigendem Maße, daß diese Neugestaltung

sein. Es ist selbstverständlich, daß uns ein gutes Buch Freude und Heiterkeit vermittelt. Ebenso selbstverständlich sollte es sein, daß wir im Kreise der Familie Erholung und Befreiung in der Haus­musik finden. Und jeder, der das Glück hatte, in sei­ner Kindheit in einem Hause aufzuwachsen, in dem die Musik gepflegt wurde, wird dafür sorgen, daß dieses große Gut seinen eigenen Kindern nicht vor­enthalten wird.

Dornotizen.

Tageskalender für Donnerstag.

Gloria-Palast, Seltersweg:Arzt aus Leiden­schaft". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Ein Volks­feind". Ev. Stadtmission, Löberstraße 14: 15 und 20.30 Uhr: Vorträge. Reichsmusikkammer, Kreis­musikerschaft Gießen: 20 Uhr, Neue Aula,Tag der Deutschen Hausmusik".

Vortrag über Kneippkur.

Die Ortsgruppe Gießen der Kneipp-Bewegung veranstaltet am Freitag einen öffentlichen Vortrag über das Thema:Kneippkur, die Jdealkur für alle". NGOAv. Amt für Bolkswohlfahrt. Kreisamtsleitung Wetterau, Gießen.

Die Sprechstunden des Kreisamtsleiters sind jeden Donnerstag von 15 bis 18 Uhr m Gießen, Goethestraße 34.

Die Sprechstunden in Friedberg sind jeden

wohl für manchen jungen Kameraden eine schein­bare Härte darstellt, in Wirklichkeit aber nunmehr ermöglicht, die befähigten Kameraden wirklich zu j fördern und höher zu führen auf Grund der jeweils | gezeigten Leistung. Umfangreiche Vorbereitungen für die betriebliche und überbetriebliche Berufs­erziehung im ganzen Kreisgebiet sind noch im Gange, aber bereits soweit abgeschlossen, daß täg­lich weitere Maßnahmen bearbeitet und begonnen werden können. Besonders zu erwähnen ist noch das Neichsleistungsschreiben in Kurzschrift 1937, das in zahlreichen Orten des Kreisgebietes zur Durch­führung kommt. Zahlreiche Schulen beteiligen sich geschlossen an diesem Reichsleistungsschreiben Der Deutschen Arbeitsfront. Der Auftakt der Propa­ganda für die Uebungsstätten der Deutschen Ar­beitsfront bildete in Gießen die Schaufensteraus­stellungLeistungspyramide" auf dem Kreuzplatz. Ferner wurden in derWoche des Berufes" in verschiedenen größeren Betrieben Betriebsappelle von der Kreiswaltung durchgeführt, auf denen der Betriebsführer und der Betriebsobmann zur Be­teiligung an den Lehrgemeinschtiften im Berufs­erziehungswerk aufriefen.

Der Monat Oktober stand bei der NS.-Gemein­schaftÄraft durch Freude" im Zeichen des Beginns der Winterarbeit. Im Stadttheater Gießen gab es die ersten Vorstellungen für die neu auf­gelegtenKdF.-Mieten". Die Volksbildungsstätte wurde mit einem sehr interessanten Vortrag von Prof. Grühl geöffnet, während die eigentlichen Kurse des deutschen Volksbildungswerkes erst im November beginnen. In den Neichsautobahnlagern Winnerod, Großen-Buseck und Holzheim wurden je ein Tonfilmabend und ein heiterer Abend durch­geführt. Trotz der vorgeschrittenen Jahreszeit fan­den noch 8 Omnibusfahrten statt, an denen 312 Ar- beitsfameroDen teilnahmen. Zur Werbung für den deutschen Wein wurden im Landkreis Gießen neun Winzerfeste durchgeführt, die von 2875 Volks­genossen besucht wurden.

Mittwoch in der Zeit von 15 bis 18 Uhr in den Geschäftsräumen der Ortsgruppenamtsleitung, Friedberg, Schnurgasse 2.

BDM.- u. HM.-Untergau 116, Gießen

Velr.: 3. Vorstellung des HI.-Thealerrings.

Die 3. Vorstellung des HJ.-TheaterringsDer Wildschütz" findet am Montag, 22. Nov., 20 Uhr, statt. Die Einführung dazu steigt am Samstag, 20. Nov., ebenfalls um 20 Uhr in der Turnhalle der Schillerschule. Die Karten müssen bis spätestens Donnerstag, 18. Nov., auf dem Untergau abgeholt fein.

Velr.:lag der Deutschen Hausmusik".

Wir machen nochmals auf denTag der Deut­schen Hausmusik" in der Aula der Universität am Donnerstag, 18. Nov., 20 Uhr, aufmerksam. Karten könnt ihr bei eurer Gruppenführerin haben zum Preis von 20 Rpf., Programm 10 Rpf.

Vetr.: H^.-Arbeitsgemeinschaft.

Am Freitag, 19. Nov., findet im MHJ.-Gefolg- schaftsheim unser dritter HJ.-Arbeitsgemeinschafts- abenb statt. Antreten aller M.- unb IM.-Gruppen­führerinnen um 20 Uhr an der Dienststelle des Untergaues.

Bekr.: Segelslug-Wodellbau.

Am Donnerstag, 18. Nov., kommen alle Mädel, die sich zum Segelflug-Modellbau gemeldet haben, auf die Dienststelle des Untergaues, um 19.30 Uhr,

zu einer kurzen Vorbesprechung. Anmeldungen kön­nen noch entgegengenommen werden.

Betr.: Besprechung

der Pressemadel der vier Gießener Gruppen.

Die Pressemädel der vier Gießener Gruppen kom­men am Freitag, 19. Nov., um 19.30 Uhr, auf die Dienststelle. Mitzubringen ist: Schwarzes Papier in der Größe des Schaukastens und Werbematerial für dasDeutsche Mädel".

NG.-Lehrerbund, Gießen.

Geschichtliche Arbeitsgemeinschaft.

Heute, 17.30 Uhr, Seminarzimmer der Oberreal-, schule; Vortrag Gundel: Strategie der Germanen.

Gerhart Hauptmann in G.eßen.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Der Dichter, der in der vergangenen Spielzeit der Aufführung feines DramasDer Bogen des Odys­seus" beiwohnen wollte, aber durch Krankheit ver­hindert wurde, den Besuch auszuführen, wird nun­mehr im Anschluß an die Feiern, die zu seinem 75. Geburtstag in Berlin und Frankfurt stattfinden, am Dienstag, 23. November, der Aufführung seines SchauspielsFuhrmann Henschel" im Stadttheater Gießen beiwohnen.

Es ist ein offizieller Empfang des Dichters durch den Oberbürgermeister der Stadt Gießen geplant. Der Besuch des Dichters ist eine hohe Auszeichnung für den Ruf und die k "mstlerische Arbeit unseres Stadttheaters.

Mitglieder-Appett

der Ortsgruppe Gießen-Mitte.

Die Ortsgruppe Gießen-Mitte hielt am Dienstag ihren ersten Generalappell unter Leitung des komm. Ortsgruppenleiters Weber im Winterhalbjahr 1937/38 ab.

Als Redner des Abends sprach Gauredner Bull­mann. Er ging von dem Ausspruch des Führers auf dem Reichsparteitag der Arbeit aus:Nicht die Wiedergurt des alten Reiches, sondern etwas Einmaliges, ein neues Deutschland!" Er ließ dann das große Werben in ben letzten fünf Jahren ver- stänblich werden und betonte dabei, nicht auf Äußerlichkeiten komme es an, sondern auf das Empfinden des Einzelnen, auf jein gläubiges Ver­trauen zum Führer, auf das mitempfinbenbe Herz. Revolutionärer Geist sei immer eine Herzenssache, bie ben berechnenben Verstaub ausschließe unb we- ber auf ben Menschen, noch auf zu erwartende Vorteile ausgerichtet sei. Diesen Schwung der Her­zen in das deutsche Volk hineinzutragen, sei die schönste Aufgabe der alten Parteigenossen. An dem gewaltigen Aufbau, den der Redner in vielen Ein­zelheiten schilderte, machte er begreiflich, welch viele Ursachen^ das deutsche Volk für eine solche revo­lutionäre Haltung habe. An denKraft-burch- Freude"-Fahrten Des Deutschen Arbeiters unb an ben Liebern ber Jugenb zeigte er beispielhaft den Wandel ber Zeiten. Wenn heute eine Neuordnung in ber Welt sich anbahne, bann sei Deutschland mit dabei, unb an vielen kleinen Episoben wies er nach, wie alle Welt heute auf Berlin hört und wie Deutschland bie Umklammerung burchbricht. Die Bewältigung biefer großen Aufgaben sollte voraus­setzen, baß bas deutsche Volk die große Bedeutung dieser Wandlungen erkennt, bie von dem Führer ausgingen und heute die ganze Welt in Bewegung gebracht haben. Deshalb sei es erforderlich, so be­tonte Pg. Bullmann, baß jeber einzelne Volks­genosse seine kleinen Pflichten erkennt unb banach handelt, baß er treu und gehorsam hinter dem Hakenkreuzbanner marschiert unb bem Manne nach­lebt, ber bem Volke in jeder Hinsicht vorbildlich ist. Diese Arbeit an der vollkommenen Erfüllung des

Und wie zwei ernsthafte Männer vertieften sie sich in dieses Gespräch. Sie erwogen alle Vor- und Nachteile der unwahrscheinlichsten Pläne. Lange erörterte auch alle nur denkbaren Folgen. Wobei es sich herausstellte, daß er auffallend gut im Strafgesetzbuch Bescheid wußte. D-as Leben in sei­ner völlig zerrütteten Ehe hatte ihmbedeutsame" Kenntnisse vermittelt Kenntnisse, die Harry noch abgingen.

Während er viel Wein und Schnäpse durchein­ander trank, bewunderte er seinen Freund restlos und fühlte sich geborgen.

Lange ließ. Sekt kommen.

Ach, Mensch", sagte Harry auf der Mitte zwi­schen Nüchternheit ünd gänzlicher Bewußtlosigkeit, wenn ich so sechzig Mille hätte---

Na, was würdest du denn dann machen?" fragte der andere interessiert.Mal sone richtige grande cocotte halten, was?"

Nee, ganz im Gegenteil", lallte Harry selig. .

Wieso im Gegenteil?" fragte Lange oerblüfff Engemann beugte sich vertraulich zu ihm vor. Nee. Diesmal was ganz Neues, Sauberes, weißt du."

Ach so Blandinchen!" meckerte Lange.

Harry antwortete nicht. Aber er griff in nicht mehr ganz direkter Linie über den Tisch und klopfte seinem Komplizen auf die Schulter.

Als Harry Engemann am nächsten Morgen er­wachte, fielen ihm alle Langeschen Weisheiten wie­der ein, für die es zu spät war. Und dazu einige Brocken des Gesprächs, die er in feiner Aufregung nicht genügend gewürdigt hatte. Wenn er diese Brocken jetzt im nüchternen Morgenlicht aneinander­pappte, ergaben sie etwas höchst Unschmackhaftes, nämlich die Tatsache, daß sein guter Freund Lange sich den Freundschaftsdienst, ihn an einen Halsab­schneider zu bringen, der zehntausend Mark gegen einen Wechsel über vierzehntausend Mark hergab, mit tausend Mark hatte bezahlen lassen wollen.

Er hatte selbstverständlich mit diesen tausend Mark bei Fälligkeit des Wechsels gerechnet. Und es war ein schwerer Schlag für ihn, daß Harry sich nun nicht zu helfen wußte. Nach dieser Erfahrung hatte es keinen Sinn, noch einen andern Freund um Rat zu fragen. Und doch hätte er gern jemand ge­fragt. Auf jemand die Verantwortung abgeschoben. Er hatte in feinem verwöhnten Leben so oft von

Frauen Rat und Hilfe erhalten. Wie wäre es, wenn er Blandine anrief?

Er wollte ihr sagen, daß er dabei sei, um ihret­willen die Tat zu begehen. Wenn er sie so liebte, dann würde sie es gutheißen müssen.

Oder er wollte ihr eingestehen, daß er in der un­entrinnbar fürchterlichen Lage war, um des Geldes willen einen Menschen töten zu müssen. Dann würde Blandine es nicht zulassen. Sie würde einen Ausweg finden.

Das würde sie aneinanderketten. Er würde ihre Liebe als angenehme Beigabe bekommen.

Natürlich wagte er nicht, sie von zu Hause aus anzurufen. Er wollte zu einer Telephonzelle fahren.

Draußen arbeitete Lüdtke im Garten Luciennes Maybach stand vor der Tür.

Fahren Sie mich doch mal rasch zum Roseneck", sagte Harry.

Er stieg an der Telephonzelle aus.

Na, roatt denn, matt Denn? dachte Lüdtke. Wen kann er denn da nicht von Hause aus anrufen? Er machte sich vorn am Kühler zu schaffen.

Er stand dicht vor der gläsernen Zelle und hörte, wie Der Doktor im Zustand größter Aufgeregtheit nach Fräulein Hertel fragte. Das hatte sich ja ge­lohnt, daß er vom Führersitz geklettert war. Also zwischen Den beiDen bestand eine Verbindung. Und eine enge sogar. Denn die Telephonnummer konnte er nicht erst nachgeschlagen haben. Und Harry war in einer Aufregung so regt man sich nicht über n fremden Menschen auf, dachte Lüdtke.

Blandine hatte sich schon oft über Harrys Attrufe geärgert. Heute kam er ihr besonders ungelegen. Es war Frau Diehls Geburtstag, und sie saßen mit ein paar Damen beim Tee. Durch Zufall stand das Telephon in diesem Zimmer. Frau Diehl nahm, während sie die Gäste unterhielt, den Hörer ab und zwang Blandine, die im Zimmer war, in Gegenwart Der Damen zu sprechen.

Die Hausfrau wußte also. Daß ein Mann am Apparat war.

Blandine vollbrachte wahre Kunststücke, um Harrys Fragen so zu beantworten, Daß Den Damen nichts auffiel. Schließlich riß ihr Die Geduld. Sie hörte nicht mehr auf Das, was er sprach, sondern redete wie es ihr recht war.

Ich bin in dieser Woche schon versagt. Ich muß

unbedingt zu meiner Mutter und zu einer Freun­din gehen, Die mich braucht."

Dann holte sie tief Atem. Und obgleich Harry bat, flehte, fragte und beteuerte, sagte sie ruhig:

Bestellen Sie Ihrer Gattin meine herzlichsten Grüße und sehr vielen Dank. Es tut mir leid, daß es in dieser Woche nicht klappt. Aber ich werde mich - bestimmt melden, sobald ich Zeit finde, zu kommen."

So, Das war getan. UnD nun würde sie Harry Engemann morgen vormittag einmal von einer Telephonzelle aus selbst anrufen und ihm ihre Meinung Darüber sagen, Daß er ihr bei Diehls und wahrscheinlich auch bei Molnys unter den Leuten im Hause ganz und gar den Rus verdarb. Er sollte sie endlich in Ruhe lassen.

*

Die stählerne Energie, mit Der ßucienne sich selbst an Die Kandare nahm, hatte nachgelassen. Immer öfter tauchte in ihr Der Gedanke auf: wozu? Lohn­ten die Anstrengungen für ihre Chargenrollen? Lohnten ihre Entsagungen für Das Leben, Das sie führte?

Frau Hertel war ihren Stimmungen entgegen­gekommen. Auch sie fanD es richtig, Daß ßucienne es sich leichter machte. Sie hatte ihr geraten, wenigstens zweimal in Der Woche Die Massage fort- zulassen. DaDurch gewann ßucienne anderthalb Stunden Morgenschlaf.

Wir wer'n schon aufpassen, daß Sie nich zu dick werden, jnädije Frau", sagte sie.Bei den bißken, wat Sie am Essen riechen, t)ab ich keine Bange "

Frau Hertel hatte heute Zeit. Denn Frau Pro­fessor ßambertz war verreist. Sie reiste viel. Und wenn ihr Gatte mitfahren wollte und doch wieder wegen schwerer Fälle nicht fort konnte, dann sagte er:Reise für mich mit". Manchmal ließ er sich ihren wundervollen Trousseau zeigen. Die Skiaus­rüstung oder die Luft- und Badekostüme. Und manchmal sagte er:

Bleibt nicht zu lange. Eine schöne Frau im Haus ist das einzige, was ich nicht für meine Patienten habe."

Können Sie hierbleiben und mir ein bißchen beim Anziehen helfen?" fragte Frau Molny.Das möbelt mich immer so auf. Und ich möchte heute vergnügt sein. Wir wollen ins Freie."

ftortieftuna rolat

Niite 'M