Ausgabe 
18.11.1937
 
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Nanking wird geräumt.

Tschiangkaischek gibt die Präsidentschaft des Reichsvoltzugsamts ab.

Schanghai, 16. Nov. (DNB.) Angesichts des unaufhaltsamen Vormarsches der Japaner bereitet die Nankingregierung die Verlegung zahl­reicher Behörden aus der bedrohten Hauptstadt in entfernt gelegene Provinzstädte vor. So sollen fünf Reichsämter nach Sunking in der Provinz Szetfchuan verlegt werden, das Derkehrsminifterium nach T f ch a n g t f ch a in der Provinz Hunan und die Ministerien für Auswär­tiges, Finanzen und Gesundheit nach H a n k a u. Dagegen sollen die Militärbehörden zunächst in Nanking verbleiben. Staatspräsident Lin» Sen ist bereits mit den Beamten der Reichsämter nach Tfchungkiang in der Provinz Szetfuan unter­wegs. Ein Teil der Staatsakten ist bereits abtrans­portiert worden. Auch die deutsche Botschaft hat angesichts der Lage Vorsichtsmaßnahmen im Interesse der deutschen Kolonie getroffen. Die in Nanking lebenden 31 deutschen Frauen und Kinder sollen am Donnerstag an Bord des für diesen

Zweck gecharterten Dampfers Tutwoh a b trans­portiert werden. Für die restlichen etwa 80 männlichen Staatsangehörigen Deutschlands und Oesterreichs sind ebenfalls Maßnahmen eingeleitet worden, um ihre Evakuierung im Falle der Gefahr sicherzustellen. Wie verlautet, hat Marschall Tschi­angkaischek die Absicht geäußert, die Prä­sidentschaft des Reichsvollzugsamtes an Finanzmini ft er Kung obzugeben. Tschiangkaischek scheint sich einzig und allein der Leitung der chinesischen militärischen Operatio­nen widmen zu wollen.

Das Straßenbild Nankings wurde beherrscht von Lastkraftwagen, Autos, Pferdewagen und Rikschas, die bis zur Grenze der Tragfähigkeit mit dem Hab und Gut flüchtender Einwohner beladen in endloser Reihe die Stadt verlassen. Mit der Räu- lyung der Regierungsstellen setzte die große A b - Wanderung der chinesischen Zivilbe­völkerung ein, deren Zahl in den letzten drei Monaten bereits von 1 000 000 auf etwa 350 000 zusammengeschrumpft ist. Tausende warten auf den Bahnhöfen und Dampferanlageplätzen auf Fahr­gelegenheit. Gegen den Strom der Flüchtlinge marschieren Regimenter durch die Stadt in Rich­tung auf die Sntschau-Front. Inmitten der allge­meinen Flucht der chinesischen Bevölkerung bewah­ren die Ausländer vollkommene Ruhe. Die Mitglieder der deutschen Kolonie trafen Maßnah­men für den Fall einer notwendig werdenden Räu­mung zum Uebergang auf den auf dem Jangtse be­reitliegenden Dampfer.

Meine politische Nachrichten.

Der Führer wohnte im Münchener Ostfriedhof der Beisetzung von Frau Ella Schind­ler, einer alten Parteigenossin, die lange Zeit a l s Betreuerin des Hauswesens im Berg­hof aufdemObersalzberg in treuer Pflicht­erfüllung wirkte, bei. Mit dem Führer erwiesen der im Alter von 57 Jahren mitten aus einem arbeits­reichen Leben Dahingerafften eine Reihe von Mit­arbeitern des Führers, an der Spitze Rudolf Heß, die letzte Ehre.

Am Dienstagvormittag stattete Reichskriegsmini- fter Generalfeldmarschall von Blomberg der Internationalen Jagdaus st ellung einen mehrstündigen Besuch ab, wobei vor allem die Trophäenschau und die Sonderschau der historischen Waffen das Interesse des Reichskriegsministers san­den. Am Nachmittag erschien Reichsminister Dr. Goebbels am Kaiserdamm und besichtigte die Ausstellung eingehend unter der sachkundigen Füh­rung des Beauftragten des Reichsjägermeisters Oberstjägermeister Scherping.

Der österreichische Unterrichtsminister Dr. P e r n - ter hat an Gerhart Hauptmann aus Anlaß seines 75. Geburtstages ein Glückwunschtele­gramm gerichtet. Das Wiener Burgtheater ehrte den Dichter durch eine Wiedereinstudierung seines MärchenspielsDie versunkene Glocke".

Das am 8. Juni 1937 in London unterzeichnete Abkommen zur Regelung des Wal­fanges ist von Deutschland ratifiziert worden. Die deutsche Bestätigungsurkunde ist bei der Regierung des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Nordirland niedergelegt worden. Das Abkom­men wurde außer von Deutschland bisher von Eng­land, Norwegen und den Vereinigten Staaten von Amerika ratifiziert.

Die Hauptversammlung der U l l st e i n Aktien-Ge- sellschaft hat beschlossen, die Firmenbezeichnung in Deutscher Verlag, Aktiengesellschaft" umzu­ändern.

Kunst und Wissenschaft.

Hauskonzert

bei 8eichSminNer Dr. Krick.

Der Tag der deutschen Hausmusik hat nicht die Aufgabe, große Menschenmassen zu musi­kalischen Darbietungen zu vereinen, er will die edle Kunst der Musik im besinnlichen Kreise des Hauses, der Familie, zur Geltung bringen. In diesem Geiste veranstaltete Reichsminister Dr. Frick und Frau Frick in ihrem gastlichen Heim nun schon seit mehreren Jahren Hauskonzerte, die jeweils am Tage der deutschen Hausmusik stattfinden und seine künstlerische und gesellschaftliche Krönung in Berlin bedeuten. Auch diesmal hatten der Reichsinnen­minister und seine Gattin Männer von Partei und Staat, Künstler und Gelehrte, Freunde und Be­kannte in ihr Haus eingeladen. Frau Prof. Elly Ney spielte klassische und romantische Klavier- kompositionen, Kammersängerin Emmi Leisner und die Kammersänger Rudolf Bockelmann von der Berliner Staatsoper und Walter Lud- w i g vom Deutschen Opernhaus sangen, von Prof. Michael Raucheisen am Flügel begleitet, Lieder von Brahms, Schubert und Liszt.

Unter den zahlreichen Gästen des Ministers sah man Reichskriegsminister Generalfeldmarschall von Blomberg und Tochter, Reichsjustizminister Dr. Gärtner und Frau, Reichsverkehrsminister Dr. Dorpmüller und Schwester, Reichsminister Dr. Frank und Frau, Frau Reichsbankpräsident Dr. Schacht, Reichsminister Dr. Ohnesorge, Reichsleiter Reichsarbeitsführer H i e r l und Frau, Staatsminister Gauleiter Wagner (München), Reichsstatthalter Murr, die Staatssekretäre Dr. Lammers, Dr. Pfund t n e r , Funk, Zschintsch, Koenigs, Körner, o. Macken­

sen, Dr. S t u ck a r t und Frauen, General D a - luege und den Chef des Protokolls v. Bülow- Sch w a n t e. Ferner bemerkte man die Botschafter von Italien, Frankreich und Amerika und die Ge­sandten von Ungarn, Oesterreich, Argentinien, Bel­gien, Dänemark, Griechenland, Rumänien, Schwe­den, der Schweiz und Aegypten.

BilSielegraphie

auf der Gau-Kutturausstellung.

Auf der Gaukulturausstellung in Frankfurt hat die Deutsche Reichspost im Hause der Moden (Bach­saal) eine Sonderbildtelegraphen st elle eingerichtet. Diese Bildstelle übermittelt mitgebrachte Bilder jeder Art auf telegraphischem Wege nach allen Orten des Deutschen Reichs. Freunde und Be­kannte werden ein derartiges Lichtbildtelegramm, das von den großen Fortschritten auf dem Gebiete der Nachrichtenübermittlung Zeugnis ablegt, als besondere Aufmerksamkeit empfinden und als An­denken aufbewahren. Den Bildern kann auch ein verbindender Text beigefügt werden, der ebenfalls bildtelegraphisch übermittelt wird. Das Personal der Sonderbildtelegraphenstelle gibt jederzeit be­reitwillig Auskunft und gewährt gern einen Ein­blick in den lehrreichen technischen Ablauf der Bild­übermittlung. Die Gaukulturausstellung ist täg­lich bis 2 2 Uhr geöffnet. Die eindrucksvolle Kul- turschau unseres Gaues sollte jeder Volksgenosse besuchen, zumal er nach Feierabend noch genügend Zeit hat, ohne Ueberstürzung die einzelnen Abtei­lungen der Ausstellung in Augenschein zu nehmen. Der Besuch der Ausstellung in den Abendstunden hat durch die Darbietungen des Reichssenders Frankfurt einen besonderen Reiz.

Aus aller Well.

Neuschnee in den bayerischen Bergen.

Der Mittwoch hat den bayerischen Bergen teil­weise eine kräftige Steigerung der Schneehöhe gebracht. In den Tälern setzte der Schneefall stellen­weise erst in den' späten Nachmittagsstunden ein. Auch in München hat sich eine leichte Schneedecke gebildet. Aus Füssen (Allgäu) wird gemeldet, daß auf der Höhe die Neuschneedecke am Mittwochabend etwa 10 Zentimeter betrug. Heftigen Schneefall meldet Garmisch-Partenkirchen. Hier bildete sich in den Abendstunden eine geschlossene Schneedecke. Er­giebig waren die Schneefälle auf den dortigen Ber­gen. Auf dem Kreuzeck herrschte den ganzen Tag über ein reger Wintersportbetrieb. Der Neuschnee ermöglichte Skiabfahrten bis ins Tal.

Aljechin Euwe 10:8.

Die 18. Partie im Schachweltmeisterkampf Euwe gegen Aljechin, die abgebrochen worden war, endete nach dem 51. Zuge mit Remis. Der Stand lautet jetzt: Aljechin 10, Euwe 8 Punkte.

Filchner vor der Rückkehr in die Heimat.

Ein Vertreter des Deutschen Nachrichtenbüros besuchte in Dehradun (Britisch-Jndien) den deutschen Forscher F i l ch n e r , der gerade seine Messungen abgeschlossen und damit sein gesamtes Programm lückenlos durchgeführt hat. Filchner betonte, daß er weit mehr erreicht habe, als erwartet wurde. Der deutsche Forscher rechnet mit seiner Heimreise im Lause des Dezember. Wegen eines auf feiner Ex­pedition erlittenen Doppelbruches und einer damit verbundenen Operation wird er vorläufig an die Durchführung größerer Expeditonen nicht denken

können. Außerdem werden die Berechnungen und die wissenschaftliche Ausarbeitung der kartographi­schen Ergebnisse der Expedition mehrere Jahre in Anspruch nehmen.

Ku-Klux-Klan in einem Kabarett in Miami.

In Miami im Staate Florida drangen über 100 maskierte Männer in weißen Ku- Klux-Klan-Kutten gegen Mitternacht in ein Kabarett ein. Sie zerschlugen das Mobiliar, durch­suchten alle Gäste und Kellner nach Waffen, würg­ten drei Kabarettistinnen und verprügelten zwei Kellner. Alle Gäste wurden gezwungen, das Lokal sofort zu verlassen. Der Uebersall auf das Kaba­rett, vor dem ein großes Holzkreuz aufgepflanzt und angezündet wurde, erfolgte kurz nachdem der Ku-Klux-Klan auf einem öffentlichen Spielplatz etwa 150 neue Mitglieder aufgenommen hatte.

Beim Waschen mit Benzin ums Leben gekommen.

Eine 28jährige Frau aus Trier beging die* Un­vorsichtigkeit, ihre Kleider in einem geschlossenen Raum mit BenzinLU waschen. Plötzlich entstand eine Explosion, durch die die Frau so schwere Brandwunden erlitt, daß sie bald daraus st a r b.

Schwere Explosion in einem Londoner Wohnhaur.

In London ereignete sich in einem Hause Stadtteil Fulharn eine folgenschwere Explosion, durch die ein Einwohner getötet und acht wei­tere verletzt wurden. Die Gewalt der Explosion roa'r so stark, daß die Vorderfront des Hauses völlig weggerissen und das Innere des Hauses bloßgelegt wurde. Man nimmt an, daß es sich um eine Gas­explosion gehandelt hat.

Wetterbericht

des Reichswetterdiensies. Ausgabeork Frankfurt.

Von Südwest aufgleitende Warmluft, in Süd. deutschland Schneefälle, die aber in Regen über« gehen. Der in den Hohen bereits seit Tagen vor­handene Warmluftzustrom wird sich nur langsam zum Boden durchsetzen, so daß die augenblickliche Wetterlage noch anhalten wird.

Aussichten für Freitag: Wolkig bis be> deckt, einzelne Regenfälle, dunstig. Temperaturen um 5 Grad, Wind aus Süd.

Aussichten für Samstag: Etwas milder und Fortdauer der unbeständigen Witterung.

Lufttemperaturen am 17. November: mittags 1,6 Grad Celsius, abends1,5 Grad; am 18. Novem­ber: morgens 1,9 Grad. Maximum 1,7 Grad, Mini­mum heute nacht2,3 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 17. November: abends 1 Grads am 18. November: morgens 1 Grad. Sonnen- fcheindauer 1,1 Stunden.

Haupttchriftlelter: Dr Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum- schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr Fr W Lange: für Feuilleton: Dr Hans Thyrioh für den übriaen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigen- leiter: Hans Beck Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D A X. 37: 10 031. Druck und Verlag: Brühlfche Unioersitätsdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugs­preis RM 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf mehr Einzelverkaufs- preis 10 Pf und Samstags 15 Pf., mit der

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