Nanking wird geräumt.
Tschiangkaischek gibt die Präsidentschaft des Reichsvoltzugsamts ab.
Schanghai, 16. Nov. (DNB.) Angesichts des unaufhaltsamen Vormarsches der Japaner bereitet die Nankingregierung die Verlegung zahlreicher Behörden aus der bedrohten Hauptstadt in entfernt gelegene Provinzstädte vor. So sollen fünf Reichsämter nach Sunking in der Provinz Szetfchuan verlegt werden, das Derkehrsminifterium nach T f ch a n g t f ch a in der Provinz Hunan und die Ministerien für Auswärtiges, Finanzen und Gesundheit nach H a n k a u. Dagegen sollen die Militärbehörden zunächst in Nanking verbleiben. Staatspräsident Lin» Sen ist bereits mit den Beamten der Reichsämter nach Tfchungkiang in der Provinz Szetfuan unterwegs. Ein Teil der Staatsakten ist bereits abtransportiert worden. Auch die deutsche Botschaft hat angesichts der Lage Vorsichtsmaßnahmen im Interesse der deutschen Kolonie getroffen. Die in Nanking lebenden 31 deutschen Frauen und Kinder sollen am Donnerstag an Bord des für diesen
Zweck gecharterten Dampfers Tutwoh a b transportiert werden. Für die restlichen etwa 80 männlichen Staatsangehörigen Deutschlands und Oesterreichs sind ebenfalls Maßnahmen eingeleitet worden, um ihre Evakuierung im Falle der Gefahr sicherzustellen. Wie verlautet, hat Marschall Tschiangkaischek die Absicht geäußert, die Präsidentschaft des Reichsvollzugsamtes an Finanzmini ft er Kung obzugeben. Tschiangkaischek scheint sich einzig und allein der Leitung der chinesischen militärischen Operationen widmen zu wollen.
Das Straßenbild Nankings wurde beherrscht von Lastkraftwagen, Autos, Pferdewagen und Rikschas, die bis zur Grenze der Tragfähigkeit mit dem Hab und Gut flüchtender Einwohner beladen in endloser Reihe die Stadt verlassen. Mit der Räu- lyung der Regierungsstellen setzte die große A b - Wanderung der chinesischen Zivilbevölkerung ein, deren Zahl in den letzten drei Monaten bereits von 1 000 000 auf etwa 350 000 zusammengeschrumpft ist. Tausende warten auf den Bahnhöfen und Dampferanlageplätzen auf Fahrgelegenheit. Gegen den Strom der Flüchtlinge marschieren Regimenter durch die Stadt in Richtung auf die Sntschau-Front. Inmitten der allgemeinen Flucht der chinesischen Bevölkerung bewahren die Ausländer vollkommene Ruhe. Die Mitglieder der deutschen Kolonie trafen Maßnahmen für den Fall einer notwendig werdenden Räumung zum Uebergang auf den auf dem Jangtse bereitliegenden Dampfer.
Meine politische Nachrichten.
Der Führer wohnte im Münchener Ostfriedhof der Beisetzung von Frau Ella Schindler, einer alten Parteigenossin, die lange Zeit a l s Betreuerin des Hauswesens im Berghof aufdemObersalzberg in treuer Pflichterfüllung wirkte, bei. Mit dem Führer erwiesen der im Alter von 57 Jahren mitten aus einem arbeitsreichen Leben Dahingerafften eine Reihe von Mitarbeitern des Führers, an der Spitze Rudolf Heß, die letzte Ehre.
Am Dienstagvormittag stattete Reichskriegsmini- fter Generalfeldmarschall von Blomberg der Internationalen Jagdaus st ellung einen mehrstündigen Besuch ab, wobei vor allem die Trophäenschau und die Sonderschau der historischen Waffen das Interesse des Reichskriegsministers sanden. Am Nachmittag erschien Reichsminister Dr. Goebbels am Kaiserdamm und besichtigte die Ausstellung eingehend unter der sachkundigen Führung des Beauftragten des Reichsjägermeisters Oberstjägermeister Scherping.
Der österreichische Unterrichtsminister Dr. P e r n - ter hat an Gerhart Hauptmann aus Anlaß seines 75. Geburtstages ein Glückwunschtelegramm gerichtet. Das Wiener Burgtheater ehrte den Dichter durch eine Wiedereinstudierung seines Märchenspiels „Die versunkene Glocke".
Das am 8. Juni 1937 in London unterzeichnete Abkommen zur Regelung des Walfanges ist von Deutschland ratifiziert worden. Die deutsche Bestätigungsurkunde ist bei der Regierung des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Nordirland niedergelegt worden. Das Abkommen wurde außer von Deutschland bisher von England, Norwegen und den Vereinigten Staaten von Amerika ratifiziert.
Die Hauptversammlung der U l l st e i n Aktien-Ge- sellschaft hat beschlossen, die Firmenbezeichnung in „Deutscher Verlag, Aktiengesellschaft" umzuändern.
Kunst und Wissenschaft.
Hauskonzert
bei 8eichSminNer Dr. Krick.
Der Tag der deutschen Hausmusik hat nicht die Aufgabe, große Menschenmassen zu musikalischen Darbietungen zu vereinen, er will die edle Kunst der Musik im besinnlichen Kreise des Hauses, der Familie, zur Geltung bringen. In diesem Geiste veranstaltete Reichsminister Dr. Frick und Frau Frick in ihrem gastlichen Heim nun schon seit mehreren Jahren Hauskonzerte, die jeweils am Tage der deutschen Hausmusik stattfinden und seine künstlerische und gesellschaftliche Krönung in Berlin bedeuten. Auch diesmal hatten der Reichsinnenminister und seine Gattin Männer von Partei und Staat, Künstler und Gelehrte, Freunde und Bekannte in ihr Haus eingeladen. Frau Prof. Elly Ney spielte klassische und romantische Klavier- kompositionen, Kammersängerin Emmi Leisner und die Kammersänger Rudolf Bockelmann von der Berliner Staatsoper und Walter Lud- w i g vom Deutschen Opernhaus sangen, von Prof. Michael Raucheisen am Flügel begleitet, Lieder von Brahms, Schubert und Liszt.
Unter den zahlreichen Gästen des Ministers sah man Reichskriegsminister Generalfeldmarschall von Blomberg und Tochter, Reichsjustizminister Dr. Gärtner und Frau, Reichsverkehrsminister Dr. Dorpmüller und Schwester, Reichsminister Dr. Frank und Frau, Frau Reichsbankpräsident Dr. Schacht, Reichsminister Dr. Ohnesorge, Reichsleiter Reichsarbeitsführer H i e r l und Frau, Staatsminister Gauleiter Wagner (München), Reichsstatthalter Murr, die Staatssekretäre Dr. Lammers, Dr. Pfund t n e r , Funk, Zschintsch, Koenigs, Körner, o. Macken
sen, Dr. S t u ck a r t und Frauen, General D a - luege und den Chef des Protokolls v. Bülow- Sch w a n t e. Ferner bemerkte man die Botschafter von Italien, Frankreich und Amerika und die Gesandten von Ungarn, Oesterreich, Argentinien, Belgien, Dänemark, Griechenland, Rumänien, Schweden, der Schweiz und Aegypten.
BilSielegraphie
auf der Gau-Kutturausstellung.
Auf der Gaukulturausstellung in Frankfurt hat die Deutsche Reichspost im Hause der Moden (Bachsaal) eine Sonderbildtelegraphen st elle eingerichtet. Diese Bildstelle übermittelt mitgebrachte Bilder jeder Art auf telegraphischem Wege nach allen Orten des Deutschen Reichs. Freunde und Bekannte werden ein derartiges Lichtbildtelegramm, das von den großen Fortschritten auf dem Gebiete der Nachrichtenübermittlung Zeugnis ablegt, als besondere Aufmerksamkeit empfinden und als Andenken aufbewahren. Den Bildern kann auch ein verbindender Text beigefügt werden, der ebenfalls bildtelegraphisch übermittelt wird. Das Personal der Sonderbildtelegraphenstelle gibt jederzeit bereitwillig Auskunft und gewährt gern einen Einblick in den lehrreichen technischen Ablauf der Bildübermittlung. Die Gaukulturausstellung ist täglich bis 2 2 Uhr geöffnet. Die eindrucksvolle Kul- turschau unseres Gaues sollte jeder Volksgenosse besuchen, zumal er nach Feierabend noch genügend Zeit hat, ohne Ueberstürzung die einzelnen Abteilungen der Ausstellung in Augenschein zu nehmen. Der Besuch der Ausstellung in den Abendstunden hat durch die Darbietungen des Reichssenders Frankfurt einen besonderen Reiz.
Aus aller Well.
Neuschnee in den bayerischen Bergen.
Der Mittwoch hat den bayerischen Bergen teilweise eine kräftige Steigerung der Schneehöhe gebracht. In den Tälern setzte der Schneefall stellenweise erst in den' späten Nachmittagsstunden ein. Auch in München hat sich eine leichte Schneedecke gebildet. Aus Füssen (Allgäu) wird gemeldet, daß auf der Höhe die Neuschneedecke am Mittwochabend etwa 10 Zentimeter betrug. Heftigen Schneefall meldet Garmisch-Partenkirchen. Hier bildete sich in den Abendstunden eine geschlossene Schneedecke. Ergiebig waren die Schneefälle auf den dortigen Bergen. Auf dem Kreuzeck herrschte den ganzen Tag über ein reger Wintersportbetrieb. Der Neuschnee ermöglichte Skiabfahrten bis ins Tal.
Aljechin — Euwe 10:8.
Die 18. Partie im Schachweltmeisterkampf Euwe gegen Aljechin, die abgebrochen worden war, endete nach dem 51. Zuge mit Remis. Der Stand lautet jetzt: Aljechin 10, Euwe 8 Punkte.
Filchner vor der Rückkehr in die Heimat.
Ein Vertreter des Deutschen Nachrichtenbüros besuchte in Dehradun (Britisch-Jndien) den deutschen Forscher F i l ch n e r , der gerade seine Messungen abgeschlossen und damit sein gesamtes Programm lückenlos durchgeführt hat. Filchner betonte, daß er weit mehr erreicht habe, als erwartet wurde. Der deutsche Forscher rechnet mit seiner Heimreise im Lause des Dezember. Wegen eines auf feiner Expedition erlittenen Doppelbruches und einer damit verbundenen Operation wird er vorläufig an die Durchführung größerer Expeditonen nicht denken
können. Außerdem werden die Berechnungen und die wissenschaftliche Ausarbeitung der kartographischen Ergebnisse der Expedition mehrere Jahre in Anspruch nehmen.
Ku-Klux-Klan in einem Kabarett in Miami.
In Miami im Staate Florida drangen über 100 maskierte Männer in weißen Ku- Klux-Klan-Kutten gegen Mitternacht in ein Kabarett ein. Sie zerschlugen das Mobiliar, durchsuchten alle Gäste und Kellner nach Waffen, würgten drei Kabarettistinnen und verprügelten zwei Kellner. Alle Gäste wurden gezwungen, das Lokal sofort zu verlassen. Der Uebersall auf das Kabarett, vor dem ein großes Holzkreuz aufgepflanzt und angezündet wurde, erfolgte kurz nachdem der Ku-Klux-Klan auf einem öffentlichen Spielplatz etwa 150 neue Mitglieder aufgenommen hatte.
Beim Waschen mit Benzin ums Leben gekommen.
Eine 28jährige Frau aus Trier beging die* Unvorsichtigkeit, ihre Kleider in einem geschlossenen Raum mit BenzinLU waschen. Plötzlich entstand eine Explosion, durch die die Frau so schwere Brandwunden erlitt, daß sie bald daraus st a r b.
Schwere Explosion in einem Londoner Wohnhaur.
In London ereignete sich in einem Hause Stadtteil Fulharn eine folgenschwere Explosion, durch die ein Einwohner getötet und acht weitere verletzt wurden. Die Gewalt der Explosion roa'r so stark, daß die Vorderfront des Hauses völlig weggerissen und das Innere des Hauses bloßgelegt wurde. Man nimmt an, daß es sich um eine Gasexplosion gehandelt hat.
Wetterbericht
des Reichswetterdiensies. Ausgabeork Frankfurt.
Von Südwest aufgleitende Warmluft, in Süd. deutschland Schneefälle, die aber in Regen über« gehen. Der in den Hohen bereits seit Tagen vorhandene Warmluftzustrom wird sich nur langsam zum Boden durchsetzen, so daß die augenblickliche Wetterlage noch anhalten wird.
Aussichten für Freitag: Wolkig bis be> deckt, einzelne Regenfälle, dunstig. Temperaturen um 5 Grad, Wind aus Süd.
Aussichten für Samstag: Etwas milder und Fortdauer der unbeständigen Witterung.
Lufttemperaturen am 17. November: mittags 1,6 Grad Celsius, abends —1,5 Grad; am 18. November: morgens 1,9 Grad. Maximum 1,7 Grad, Minimum heute nacht —2,3 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 17. November: abends 1 Grads am 18. November: morgens 1 Grad. — Sonnen- fcheindauer 1,1 Stunden.
Haupttchriftlelter: Dr Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum- schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr Fr W Lange: für Feuilleton: Dr Hans Thyrioh für den übriaen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigen- leiter: Hans Beck Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D A X. 37: 10 031. Druck und Verlag: Brühlfche Unioersitätsdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf mehr Einzelverkaufs- preis 10 Pf und Samstags 15 Pf., mit der
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