Ausgabe 
18.10.1937
 
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Nr. 243 Erstes Blatt

187. Jahrgang

Montag, 18. Oktober 1937

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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58 neue Zugendherbergen ihrer Bestimmung übergeben.

St. Annaberg, 17. Oft. (DNB.) Der histo­rische Boden am Annaberg in. Oberschlesien, dieses Symbol deutscher Heimatliebe und Opfer­bereitschaft aus schwerster Notzeit, als deutsche Menschen aus Oberschlesien und allen Gauen des Reiches mit der Waffe in der Hand für den Bestand der Südostmark einstanden, war am Sonntag die Stätte einer weihevollen Feierstunde. Unweit der fast vollendeten Feier st ä t t e Oberschlesrens und des gleichfalls im Bau befindlichen Ehren­mals für die Toten des Selbstschutzes ist auf beherrschender Höhe in reizvollster landschaft­licher Lage dieAnnaberg-Jugendher- berge" erstanden, ein Denkmal deutschen Be­hauptungswillens im Ostland. Von hier aus nahm am Sonntagvormittag Reichsjugendführer Baldur von Schirach die Einweihung aller neuen Fugendherbergsbauten des Baujahres der Hitler- Jugend im ganzen Reiche vor. 58 Neubauten wur­den ihrer Bestimmung übergeben. Ueber 19 weite­ren Jugendherbergen wurde der Richtkranz gehißt und zu 19 anderen der Grundstein gelegt.

Die Klänge des Liedes der OstlandjugendIn Den Ostwind hebt die Fahnen" leiteten die Feier­stunde ein. Der Wiedergabe eines Führerwortes surch einen Einzelsprecher folgte der Willkommen- oruß des schlesischen Gebietsführers. T)bergebiets° fführer R o d a tz berichtete dann über die Erfolge des Jugendherbergswerkes im Baujahr 1937 und dankte allen, die an diesem Werk teilhatten. Dann richtete der Reichsjugendführer das Wort em die deutsche Jugend. Es fei nun das drittemal, daß eine größere Anzahl von neuen Bauten als Jugendherbergen in den Dienst des Nationalpro- Nrammes der deutschen Erziehung gestellt werden sollen. Der Reichsverband'für deutsche Jugendherbergen gebe damit der deutschen Oeffentlichkeit einen so starken Beweis feiner Leistungsfähigkeit, daß er ihm von dieser Stelle aus seine Anerkennung aussprechen möchte. Sie gelte jedem Volksgenossen und jeder Dolksgenossin, Die im Rahmen dieses Werkes mitgearbeitet haben. Die Aufwärtsentwicklung der Uebernachtungsziffern in den deutschen Jugendherbergen, so fuhr Baldur von Schirach fort, ist seit 1933 von 4 630 683 Ueber- nachtungen auf 7 468 778 Uebernachtungen im ver­gangenen Jahr gestiegen. Das gesamte Baupro- gramm des Jahres 1937 einschließlich der in Pla­nung befindlichen Jugendherbergen erfordert gegen* «der einer Bausumme von 3,7 Millionen Mark im »ergangenen Jahr für 1937 eine Bausumme von L0,5 Millionen Mark. Diese gewaltige Summe, die »ei weitem alles übertrifft, was jemals für solche »der ähnliche Zwecke auf der Welt ausgegeben wurde, ist weder durch Steuern erhoben worden, iod) ist sie das Ergebnis der Wohltätigkeit einiger Multimillionäre!

Dasdeutfchevolkfelbslhatin wenigen Jahren aus Groschen und Pfennigen diese Riesensumme freiwillig zusammenge- fragen und uns zu freuen Händen überant­wortet Die Pfennige aus den Sammelbüchsen, die Hiller-Jugend und BD2N. am Reichswerbe- und Opfertag des Jugendherbergsverbandes treppauf und treppab durch Dörfer und Städte trugen, find die Finanzmacht, die hinter dieser im wahrsten Sinne des Ausdrucks gemeinnützi­gen Einrichtung stand und steht Der Bauherr dieser vielen neuen Häuser, die das deutsche Volksvermögen um IHiUionenroerfe bereichern, ist die deutsche Ration selb st. Wie froh macht es uns, daß wir eben diese Bauten nicht der Wohltätigkeit einzelner, sondern der sozialistischen Gesinnung eines ganzen Volkes verdanken. Es will, daß die Jugend Deutschlands niemand anderem zu Dank verpflichtet fei, als der Ration. Jede Jugendherberge ist ein Elternhaus, denn d i e deutschen Eltern haben sie erbaut. Und gerade die Kinder unserer ärmsten Volks* gknossen können in unseren Gemeinschaftsbauten am stolzesten chr Haupt erheben. Mancher hat von sei- nrm geringen Lohn für diese Bauten 20 Pfennig ^spendet und damit ebensoviel gegeben wie der Mann, der vielleicht 1000 Mark monatliches Lin­ke mmen hat. Selbst wenn von allen diesen Reichen jeder einen hohen Betrag zur Verfügung stellen lliärde, wäre die Summe dieser Spenden nur win- jig klein im Vergleich zu der Spende der deutschen Srbeiterschaft. Ihr gilt heute mein besonderer Dank. Umb ich will dir, deutscher Volksgenosse am Schraub- swck, an der Drehbank oder hinter dem Pflug, feier* lihst mein Wort dafür verpfänden, daß deine Kin­der in den Häusern, die du mit Millionen anderer Volksgenossen für sie errichtet hast, als gleich­berechtigte und gleichoerpflichtete Ka­meraden und Kameradinnen ausgenommen sein werden. Sie sollen in der Gemeinschaft der Hitler- Jugend jedes Amt erringen können, das ihre Lei- ftr.ng verdient.

Unter den erzieherischen Mächten, die auf die Ent­wicklung jugendlicher Menschen Einfluß haben, nimmt der Raum eine hervorragende Stellung ein. Es ist keineswegs ein Ausdruck nationalfozia- lisischen Stilgefühls, wenn städtische Wohnungen nut Bauernmöbeln angefüllt werden und in den Grotten der Großstädte hier und da Häuser er* stellt werden, die sich mit geringem Erfolg allerdings, ck: Bauernhäuser zu tarnen versuchen.

Der erzieherische Raum ist zugleich der !Ünstlerische, denn er erfüllt die Forderung lad) der unbedingten Ehrlichkeit. Der Jugend soll gelehrt werden, materal-

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Die neue Jugendherberge auf dem Annaberg. (Scherl-Bilderdienst-M.)

echt zu denken. Die vollkommene Ueberein- ftimmung der Ausdrucksform mit den Gedan­ken, der Gestalt mit der Idee, ist harmonisch und darum schön, Selbst der bescheidenste von Menschen gefügte Raum kann durch den Geist, der ihn schuf, zu einem Sinnbild der ewigen

Schönheit werden.

Die Bauten der Jugend fingen das Lied ihrer Landschaft. Sie sind Gleichnisse und Kinder des größeren Raumes, dem sie entwuchsen. Ich habe einst verboten, für diese Bauten ein Zentralbüro mit angestellten Architekten in Berlin zu errichten, damit nicht von einem Mittelpunkt aus am grünen Tisch die Häuser konstruiert würden, die in allen Teilen des Reichs unserer Jugend zur Erholung und Freude dienen sollen. Meine Architekten-Mitarbei- ter in Berlin Haven keine andere Ausgabe, als die Erfahrungen aller Bauten zusammenzutragen und jedem neuen Bau vorher dienstbar zu machen. Ihre Tätigkeit ist eine anregende. Sie rufen die Architek­ten des Landes auf, die jungen sowohl wie die alten. Diese gehen ans Werk und folgen der Stimme ihres Gewissens, ihres Blutes und Stammes. Zu­gleich aber wachen wir darüber, daß nicht die ro­mantischen Türmchen der Gründerzeit an unseren Bauten wiederkehren, ober die falschen Propheten

von gestern aus der Herberge der Jugend eine Ma­schine zum Uebernachten konstruieren. Im übrigen sind wir der Sachlichkeit gewogen und erheben sie sogar zu einem Maßstab, den wir furchtlos an alles anlegen, was den praktischen Aufgaben unserer Ju­gend zu dienen hat. Selbst für unsere Jugend, für die Jugend Adolf Hitlers eben, ist die Zeit der Minnesänger und Burgfräuleins vorbei. Die Gene­ration des Berufswettkampfes schafft sich ihre eigenen Symbole, die wie alle aus deutschem Wesen geborene dennoch ein Romantisches enthalten.

Baldur von Schirach erinnerte schließlich daran, daß im vergangenen Jahr in den deutschen Jugend­herbergen allein 196 591 Ausländer-Ueber- nachtungen zu verzeichnen gewesen seien. Er­klärungen des französischen Ministerpräsidenten Chautemps im Führerorgan der nationalsozia­listischen Jugend seien ein neues, hoffnungsvolles Anzeichen, daß durch gegenseitigen Besuch der Ju­gend untereinander ein wertvoller Beitrag für die Annäherung der Völker geleistet wird. Mögen diese 58 neuen Jugendherbergen, so schloß der Reichs- jugendführer, immer Wahrzeichen einer im Inneren ebenso sozialistischen, wie nach außen hin friedlie­benden Generation sein. Das deutsche Volk hat sie uns gegeben, i ch weihe sie dem deutschen Volke.

Mit dem Gummiknüppel gegen sudetendeutsche Abgeordnete.

Skandalöses Vorgehen tschechischer Polizei auf einer sudetendeutschen Amtswaltertagung in Teplih.

Prag, 17. Okt. (DNB.) Nach einem störungs­losen Verlauf der großen Amtswaltertagung der Sudetendeutschen Partei des Wahlkreises Laun im Stadttheater in Teplitz-Schönau ist es zu unerhörten Vorfällen gekommen. Als Konrad Henlein, der sich mit feinen Mitarbei­tern in die Wohnung des Kreisleiters Abg. Dr. Z i p p e I i u s begeben hatte, das Haus wieder ver­ließ, um sich in seinem Wagen nach Leitmeritz zu begeben, fanden sich rasch etwa hundert Personen ein, um ihn zu begrüßen. Drei Polizisten, die beim Wagen standen, forderten die Leute zum Aus­einandergehen auf. Plötzlich trat eine in Be­reitschaft gehaltene Polizeiabteilung von 20 bis 30 Mann in Tätigkeit, stürzte auf den Wa­gen und die ihn umstehende Menge los und be­gann, ohne zum Auseinandergehen aufzufordern, mitdem Gummiknüppelaufdie Menge einzuschlagen.

Als der Abgeordnete Frank den Wagen be­steigen wollte, versuchte die Polizei, ihn am Einsteigen zu hindern. Er wurde brutal aus dem Auto zurückgeriffen, während ein anderer Polizist mit dem Gummiknüppel zum Schlag gegen ihn ausholte. Frank konnte den Schlag mit der rechten Hand abfangen. Darauf stürzten sich drei weitere Polizisten auf ihn und schleppten ihn ins polizeigebäude. Während vier Polizisten Frank an den Armen und am Man­tel hielten, schlugen andere über deren köpfe hinweg aufihn mitGummiknüp-

P e l n ein.

Zur gleichen Zeit wurde der Abg. K u n d t, der die Polizei auf ihr ungesetzliches Verhalten auf­merksam machen wollte, trotz seiner Legitimation als Abgeordneter gepackt und rücklings über die zur Polizei führende Treppe hinabge stoßen. Der Abgeordnete Kellner, der auch gegen die­ses rücksichtslose Vorgehen protestieren wollte, wurde ebenfalls mit Faust st ößen mißhandelt. Der versammelten Menge bemächtigte sich eine unge- ungeheure Erregung, die sich in empörten Rufen Lust machte

3m polizeigebäude wurde Abg. Frank |

erneut mißhandelt. Er wurde durch einen brutalen Faustschlag auf die Halsschlagader verletzt. Mittlerweile hatten sich die Abge­ordneten Dr. Zippelius, Sandner und Birke den Einlaß in den Amtsraum erzwungen. Selbst in deren Anwesenheit stieß ein höherer Polizeibeamter, ohne daß feine anwesenden Vorgesetzten dagegen Einspruch erhoben hätten, Frank mit beiden Fäusten gegen die Brust. Einer der Verhafteten wurde hinter einem Vor­hang von Polizisten derart mißhandelt, daß er vor Schmerz gellende Schreie aus- stieß.

Die mißhandelten Abgeordneten Frank, Kundt und Kellner, sowie die als Augenzeugen anwesen­den Abgeordneten Birke, Dr. Zippelius und Sand­ner setzten die Festlegung schriftlicher Protokolle durch und protestierten auf das schärfste gegen das rücksichtslose Vorgehen der Polizeibeamten. Birke, Dr. Zippelius und Sandner begaben sich zum Leiter der Teplitzer Staatspoli­zei, Dr. Soukup, und bestanden auch dort auf der schriftlichen Niederlegung ihrer Aussagen. Abgeord­nete der Sudetendeutschen Partei haben mitgeteilt, daß diese Vorfälle auch Gegenstand einer scharfen Interpellation und einer Vor­sprache im Innenministerium sein werden.

Ein weiterer Uebergriff der Staatspolizei in Teplih-Schönau ereignete sich in den Abend­stunden. Der Abgeordnete Richter, der den Abgeordneten Dr. Zippelius besuchen wollte, wurde, als er vor dem Wohnhaus Dr. Zippelius' zu den Fenstern hinaufwinkte, plötz­lich von einem Wachmann aufgefordert, weiter­zugehen. Als Richter sich legitimierte, rief der Polizist einen zweiten Wachmann herbei. Beide packten Richter und schleppten ihn in das polizeigebäude. hier beschwerte sich Richter, daß dieses vorgehen gegenüber Parlamentariern einzig dasiehe, worauf ihm ein höherer Beamter antwortete, das fei ihm voll­kommen gleichgültig. Die Verhaftung Richters

hatte einen großen Auflauf zur Folge. Gegen diese Ansammlung ging plötzlich ein polizei- frupp von 40 Mann vor, und ohne Aufforde­rung zum Auseinandergehen schlugen die Schergen mit dem Gummiknüppel auf die Menge ein.

Der Abgeordnete Sandner, der mit Senator Liehm vom Fenster der Wohnung Dr. Zippelius' aus Zeuge des Vorfalls gewesen war, wollte den diensthabenden Beamten über den Zwischenfall auf­klären, wurde aber, ohne Gehör zu finden, von einigen Polizisten mit aller Wucht aus der Tür der Wache gestoßen.

Eine unerhörte Brüskierung.

Eben erst war das deutsche Volk gezwungen aus Anlaß der Prager A u s st e l l u n gManes" sich mit der eindeutig deutsch-feindlichen Einstellung gewisser tschechischer Kreise zu befassen und nun kommt dieses unerhörte brutale Vorgehen tschechi­scher Polizisten gegen sudetendeutsche Abgeordnete, die nichts anderes sich haben zuschulden kommen lassen, als die Ausübung ihrer selbstverständlichen Rechte und Pflichte als gewählte Vertreter des su­detendeutschen Volkes im tschechoslowakischen Parla­ment. Wir kennen die rüpelhaften Methoden der tschechischen Polizei seit langem. Wir wissen, wie unsere sudetendeutschen Brüder in der auf ihre de­mokratische Verfassung immer besonders stolzen Tschechoslowakei seit der Gründung des Staates die Zielscheibe, unerhörtester Vergewaltigungen der tschechischen Behörden gewesen sind. Wir kennen die Finessen, mit denen man es fertig gebracht Ult, den arbeitsfamften und intelligentesten Volksteil der Tschechoslowakei, die Sudetendeutschen, in. seiner wirtschaftlichen Betätigung so einzuengen, daß heute die von den Sudetendeutschen vorwiegend bewohn­ten Teile Nordböhmens die furchtbarsten Elends­gebiete Europas sind, in denen die Arbeitslosigkeit zu den erschütterndsten Beispielen von der Massen­verelendung eines ganzen Volksstammes geführt haben.

Die politische Zersplitterung der Sudetendeutschen hatte seinerzeit dazu beigetragen, daß die Prager Machthaber keinen Finger zu rühren brauchten, um diesem Elend zu steuern. Erst der Zusammen­schluß des Sudetendeutschtums in der Sudetendeut­schen Partei Konrad Henleins zwingt die tschecho­slowakische Regierung, ihre Aufmerksamkeit auch der Not der Sudetendeutschen zuzuwenden, wenn sie auch versucht, sich durch Kompromisse mit den kleinen deutschen Splittergruppen ihrer Verantwor­tung zu entziehen. Vermutlich um die Propaganda­tätigkeit der Sudetendeutschen Partei aus Anlaß der bevorstehenden Gemeindewahlen zu hindern, hat die tschechische Polizei plein pouvoir bekommen. Mit den brutalsten Mitteln sucht sie die suden- deutsche Bevölkerung einzuschüchtern, ohne jede Rücksicht darauf, daß dieser Terror nicht nur dem Ruf der Tschechoslowakei alsdemokratisches Mu- sterländle" weiter Abbruch tut, sondern auch eine neue unerhörte Provokation öes deutschen 70 - Millionenvolkes darstellt. In Deutschland hat man die dreiste Belei­digung nicht vergessen, die gewisse deutschfeindliche Kreise in Prag sich durch die Ausstellung von elen­den Machwerken einer antifaschistischen Klicke glaub­ten leisten zu können, man wird auch den Schrei der Empörung nicht überhören, der heute ange­sichts des frechen Verhaltens der tschechischen Po­lizei in Teplitz durch das gesamte Sudetendeutsch- tum geht. £.

Deutschlands Sendung im Osten.

Ministerpräsident Klagges auf der Reichs­tagung für deutsche Vorgeschichte

Elbing, 18. Okt. (DNB.) Der R e i ch s b u n d für deutsche Vorgeschichte führt seine 4. Reichstagung in der Grenzprovinz Ostpreußen durch. Ministerpräsident K l a g g e s (Braunschweig) beschäftigte sich mit den Tendenzen der wissenschaft­lichen Epochen des Liberalismus, der die nordisch- germanischen Wurzeln unserer Kultur verneinte, um den Glauben an eine kosmopolitsche Mensch­lichkeits-Republik zu begründen. In Wahrheit aber waren die Germanen Kulturträger, wohin sie kamen, vor allem auch im Osten. Angesichts dieser Tatsache ist es empörend, wenn andere Nationen diesen Vorgang schmälern und gegen die deutsche Kulturarbeit vorgehen wollen, obwohl sie selber davon abhängen. Mit großer Klarheit zog Minister­präsident Klagges die geschichtlichen Folgerungen, die sich aus dem jahrtausendealten Kamps zwischen germanisch-europäischer Kultur und asiatischer Bar­barei, vor allem für unsere östlichen Nachbarn, er­geben. Er stellte fest, daß das Ergebnis des Welt­krieges im Osten den Druck des russischen Kolosses von Deutschland und von Europa etwas entfernt habe. Polen und die Randstaaten könnten nun ihr eigenes Leben führen. Die Westslawen und die übrigen Völker an unserer Ostgrenze stehen heute mit uns in der gleichen weltge­schichtlichen Entscheidungsstunde Es kommt darauf an, ob sie diese verstehen. Polen habe zwar durch sein Abkommen mit dem nationalsozia­listischen Deutschland diese Erkenntnis bewiesen, doch sei sie in Polen noch nicht überall vorhan- d e n. Die Hetze gewisser Presseorgane, die Unter­drückung des deutschen Schulwesens und die Ent­eignung deutschen Grundbesitzes seien Tatsachen, die nicht von Verständnis für die weltpolitische Lage gegenüber der vom Osten drohenden Gefahr zeugten.