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Aus der engeren Heimat

Landkreis Gießen.

Der hiesige Einwoh-

Jugend im Landdienstlager

(Nachdruck verboten.)

24 Fortsitzung.

und die Arnikablüte. In kleinem Umfange pflanzen wir Pfefferminz, Fenchel, Baldrian, Kamille und und Salbei an, und unsere Anbaufläche ist in den letzten Jahren von 820 Hektar auf 1300 Hektar gestiegen, doch das genügt bei weitem noch nicht.

Gerade der Anbau der Heilpflanzen eignet sich für besonders kleine Flächen und daher sollten es sich die Kleinbetriebe zur Aufgabe machen, in ver- stärkte-m Maße sich der Zucht und der Pflanzung der Heilkräuter anzunehmen. Wie auch für alle anderen Pflanzen ist die Voraussetzung für gute Erträge die Verwendung von einwandfreiem Saat­gut. Die Pflanzen selbst sind überaus anspruchslos und stellen auch an den Boden zumeist keine beson. ders hohen Anforderungen. Dem Bauern und dem Gärtner wird diese kleine Ecke in seinem Garten kaum irgendwelche Arbeit machen und ihn daher auch wenig belasten; das Ergebnis dieser kleinen Mühe wird für ihn lohnend sein.

burtstag. ,

* Grüningen, 17. Juni. Die 59 Jahre alte Witwe Eleonore Londorf von hier erlitt durch einen unglücklichen Sturz einen Bruch d e s l l n ° ken Oberarmes. Die bedauernswerte Frau mußte zur Behandlung in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden.

Kreis Friedberg.

)( M ü n z e n b e r q , 16. Juni. Gestern abend ließ die Gaufilmstelle Hessen-Nassau im GasthausZur Burg" den TonfilmVerräter" laufen. Die Bei­filmeUnfallverhütung" undUfa-Tonwoche' wur­den mit großem Interesse verfolgt. Die Veranstal­tung war gut besucht.

= Münzenberg, 17.Ium. Gestern mittag gingen die Pferde des vor einigen Wochen verun-

Tödlicher Unfall an der Autobahn- ausfahrt Darmstadt.

LPD. Darmstadt, 17. Juni. Der 27jährige Heinrich Stamm aus Frankfurt a. M.-Höchst hatte mit seiner jungen Frau einen Ausflug nach Heidelberg unternommen. Auf der Heimfahrt rannte er an der Reichsautobahnausfahrt Darm­stadt mit seinem Kraftwagen in voller Fahrt gegen einen Lastkraftwagen. Dabei wurde Stamm aus der Stelle getötet, wäh­rend die Frau mit schmeren Verletzungen in das Darmstädter Krankenhaus eingeliefert werden mußte.

Ben dem Besuch einiger Landdienstgrupven tm Gau Hessen-Nassau konnten wir überall feststellen, daß die Stimmung trotz der vermehrten Arbeit und der größeren Anstrengungen in der Heuernte, die ge­rade im vollsten Gange ist, ausgezeichnet ist.

Obwohl Hier im Gebiet hessen-Nafsau zum ersten Male fast nur 14jährige, die ja am ersten für die Rückführung aufs Land in Frage fom- men, eingesetzt sind, sind die Dauern durchweg mit den Leistungen zufrieden.

Ueberall wurde uns bei dem Besuch, den wir mit Inspekteur West für den Landdienst der HI. un er- nahmen, bestätigt, daß die Jungen für chr Alter sehr ordentlich arbeiten. Klar ist natürlich, daß mit einem Landdienstjungen kein Knecht gespart werden kann. Der Bauer, der unter dieser stillen Annahme einen Landdienstjungen genommen hat, wird natur- lich eine Enttäuschung erleben. Der Junge soll nicht ausaenutzt werden, wie es leider in manchen Fallen versucht wird, wenn der Landdienstgruppenfuhrer nicht energisch dahinterhaken würde, sondern der Bauer soll an dem Jungen eine Erziehungsaufgaoe erfüllen. r v , .

Aber nicht nur bei den Jungen, sondern auch bei den M ä d e l n , die in Schlitz zwei Lager haben, ist die Stimmung gut. Bei dem gewittrigen Wetter waren die Mädel gerade nicht auf dem Feld, son­dern mit anderen Arbeiten auf dem Hof beschäftigt. Mit frohem Lachen waren sie bei der Arbeit, von der sie als Städter bis vor kurzem noch keine Ahnung hatten. Landdienstler und Bauer haben überall ein gutes Verhältnis geschaffen, das bei einiger Einsicht von feiten des Bauern, der immer bedenken muß, daß er noch sehr junge Menschen anvertraut bekam, die er nicht überanstrengen Darf, bestimmt zu dem Erfolg führt, dem der Landdienst seine gesamte Arbeit widmet:

Die Rückführung der Jugend aufs Land!

Der Landarbeitremangel kann nur behoben wer­den, wenn sich die Jugend wieder auch die der Stadt dem Lande zuwendet. Der Landdienst der HI. schafft hier die großen Möglichkeiten, indem er die Jungen und Mädel in ihren jungen Jahren mit der Arbeit des Bauern bekannt macht und in ihnen die Liebe zum Land weckt. Nur so kann er wirklich dem Lande zugeführt werden, weil er seine Entscheidung aus bester Kenntnis der Sachlage trifft. Die HI. hat sich mit diesem Einsatz, der sich nun von Jahr zu Jahr verstärken wird, ein großes Ver­dienst um die Sicherung unserer Ernährung und der Rückführung des deutschen Volkes zum Lande er- worben. E. K*

glückten Landwirts Adolf Walter abermals durch. Schwager, Schwester und Mutter von A. Walter kamen vom Feld gefahren, als in der Nahe des Hofgutes die Pferde scheuten und durch die Alt­stadt an der Führerschule vorbei, nach der Burg­ruine rasten. Der Wagen ging zu Bruch, und die drei Personen stürzten ab. Dabei erlitt Frau Wal­ter einen Armbruch und mußte nach Gießen in die Chirurgische Klinik verbracht werden.

Rockenberg, 17. Juni. Der Reichsmutterdlenst im Deutschen Frauenwerk beendete hier einen Lehr­gang in Gesundheitslehre und häus­licher Krankenpflege. Die Abschlußfeier bot so recht das Bild eines fröhlichen Gemeinschafts­abends. Außer der Frauenschaft und den Angehö­rigen der Teilnehmerinnen fanden sich auch der Ortsgruppenleiter und die SA. als Gäste ein. Eine lange Reihenfolge ernster und heiterer Vorführun­gen brachte Abwechslung und Unterhaltung. Ge­meinsamer Gesang beschloß den eindrucksvollen Abend. Sfs-

Kreis Alsfeld.

Homberg, 18. Juni. Zu Beginn dieser Woche sprach hier in der überfüllten Stadthalle der aus der Kampfzeit bekannte Reichsredner M ü n ch - metjer. Der Redner streifte in seiner mehrstün­digen Rede fast alle wichtigen politischen Ereignisse der vergangenen Jahre und insbesondere der letz­ten Zeit. Er betonte zum Schlüsse, daß wir aus dem Weltgeschehen erkennen müßten, immer bereit zu sein, zum Dienste am Volke, zur siegreichen Abwehr unserer Feinde im Innern und Aeußern. Die Aus­führungen fanden einmütige Zustimmung. Orts­gruppenleiter Damm schloß nach dem Deutschland­lied und dem Horst-Wessel-Lied und demSieg- Heil" auf den Führer die Kundgebung.

Kreis Wehlar.

* Lützellinden, 17. Juni. Der hiesige 24jäh- riae Former Heinrich Euler erlitt bei seiner Ar­beit einen Unfall. Er mußte mit schweren Verbrennungen am linken Fuß in die Chir­urgische Klinik nach Gießen gebracht werden.

diese Beträge bezahlt worden seien, da er infolge Krankt, it und Arbeitsüberlastung nicht mehr den nötigen Ueberblick gehabt habe. So sei auch zu er­klären, daß er die Buchungen zunächst einmal un­terlassen habe. Es wurde festgestellt, daß sich kurze Zeit später die fragliche Summe in seiner Kasse be­fand und auch die entsprechenden Buchungen nach­träglich vorgenommen worden waren. Hierfür gab der Angeklagte folgende Erklärung: Er habe durch eine Nachprüfung die Namen der Einzahler nach­träglich feststellen können und so die Sache wieder in Ordnung gebracht. Die Beweisaufnahme ergab, daß sich der Angeklagte um diese Zeit in finanziellen Schwierigkeiten befunden und bei verschiedenen Zeugen Darlehen ausgenommen hat. Der Vertreter frer Anklagebehörde hielt auf Grund der Haupt­oerhandlung den Beweis für erbracht, daß der An­geklagte die fragliche Summe zunächst für sich ver­braucht und daher die Buchungen unterlassen habe.

Nach der Revision der Kasse feien, die als Darlehen aufgenommenen Beträge zur Deckung des rZehlbe- trages verwandt und die entsprechenden Buchungen nachgeholt worden. Er hielt daher den Angeklagten im Sinne der Anklage für überführt und beantragte eine Gefängnisstrafe von einem Jahr und drei Monaten, außerdem Haftbefehl. Der Verteidiger beantragte Freisprechung. Er wies m seinen Ausführungen darauf hin, daß die Haupt­oerhandlung den Nachweis einer Unterschlagung nicht erbracht habe und die unrichtige Buchführung des Angeklagten durch seine schwere Krankheit ent­schuldigt werden müsse. Das Gericht hielt jedoch den Angeklagten auf Grund des Ergebnisses der Be­weisaufnahme einer Unterschlagung in sechs Fällen für überführt und auch in subjektiver Hinsicht voll verantwortlich. Es erkannte unter Zu­billigung mildernder Umstände auf eine Gesang- n i 5 ft r a f e von zehn Monaten.

< Staufenberg, 17. Juni. Gestern abend ereignete sich in unserem Städtchen ein Auto- züsammenstoß. Ein auswärtiger Autofahrer fuhr mit einem Reichsbahn-Lastauto zusammen. Es entstand einiger Sachschaden. Glücklicherweise kamen beide Fahrer ohne Verletzungen davon

= Mainzlar, 18. Juni. Am heutigen Frei- tag kann Werkmeister L. Z e ch e r aus Alten-Buseck auf eine 30jährige T ä t i g k e i t in den hiesigen Didierwerken zurückblicken. Der hiesige Einwoh­ner Heinrich Kehr rettete dieser Tage einen Jun­gen aus der Lumda, der in die Gefahr d e s Ertrinkens geraten war. Kehr hat sich als guter Schwimmer in der diesjährigen Badezeit schon mehrfach in gleicher Weise ausgezeichnet.

= Mainzlar, 18. Juni. Die hier durchge­führte Schweine-Zwischenzählung ergab folgendes Resultat: 4 Zuchtsauen, 40 Ferkel unter acht Wochen, 208 Schweine bis ein halbes Jahr alt, 118 Tiere bis ein Jahr alt, 3 Schweine über ein Jahr alt. Gezählt wurden an Schafen: 138 Lämmer und 169 ältere Schafe. .

y Watzenborn-Steinberg, 18. Juni. Heute begeht der älteste Einwohner unserer Ge­meinde, Wagnermeister Johannes Schäfer IX. m geistiger und körperlicher Frische seinen 8 8. Ge-

** Kursusabschluß im Reicksmütter- dienst. In der Frauenoberschule beendete der Reichsmütterdienst unter der Leitung von Schwester Elisabeth Müller einen Lehrgang in Säuglings­pflege. 39 Teilnehmerinnen waren mit Ernst und Eifer dabei und erhielten ihre Diplome. Zum Ab­schluß fand ein Ausflug auf den Schiffenberg statt. Die muntere Mädchenschar in ihren bunten Dirn- < delkleidern zog singend und lachend durch den Wald. Oden angelangt, stärkte man sich bei Kaffee und ' Kuchen. Die Zeit verging nur zu schnell bei fröh­licher Musik, Spiel und Tanz. In diesen Tagen be­ginnt der Reichsmütterdienst in Gießen wieder einen Kursus in Säuglingspflege und einen Lehrgang über Erziehungsfragen und Beschäftigung des Klein­kindes. 8*8-

** Unfälle. Ein hiesiges 18jähnges Mädchen, wohnhaft am Horft-Wessil-Wall, erlitt bei einem Sturz vorn Fahrrad eine schwere Gehirnerschutte- rung, sowie erhebliche Prellungen. Ein junger Mann aus der Licher Straße erlitt bei einer sport­lichen Hebung einen Beinbruch. Beide Verunglückte mußten zur ärztlichen Behandlung in die Chirur­gische Klinik gebracht werden.

** Treue fahrt der Ost- und Westpreu- ßen. Wie in jedem Jahre, so veranstaltet der Bund heimattreuer Ost- und Westpreußen auch jetzt wieder eine Sonderfahrt für seine Landsleute und andere Volksgenossen aus Hessen-Nassau, Baden und Saar-Pfalz nach Ostpreußen und Danzig. Sinn dieser jährlichen Fahrt ist, die Anhänglichkeit zur alten Heimat zu bewahren und gleichzeitig auch Verständnis bei den übrigen Volksgenossen des Reiches für dieses deutsche Bollwerk im Osten zu wecken. ...

** Das Auto als Wochenendheim. Ge­stern um die Mittagsstunde war in der Schulstraße Gelegenheit geboten, ein interessantes Fahrzeug in Augenschein zu nehmen. Ein Polizeioffizier aus Wiesbaden hatte an seinem Sportkraftwagen einen sogenannten Wochenendwagen angehängt, der auf kleinem Raum vielerlei Komfort in sich vereinigte. Der Wagen enthielt zwei lange Sitzbanke, die für die Nacht zu Betten umgebaut werden können, fer­ner eine Kocheinrichtung, einen Küchenschrank, einen Wäscheschrank und schließlich auch eine Waschein- richtung mit fliehendem Wasser. Der Wochenend­wagen wurde, kaum daß das in unseren Straßen nicht alltägliche Fahrzeug zum Stehen gekommen war, von vielen Neugierigen umringt und gebüh­rend bewundert. Wie der Besitzer des Wagens er­zählte, sind bisher in Deutschland nur vier derar­tige Wagen unterwegs, deren einen übrigens auch der Eifelsieger und Rekordmann Bernd R o fe­rn e y e r besitzt.

Schwurgericht Gießen.

Die Verhandlung gegen den E. L. in Nieder- qemünben wegen Amtsunterschlagung, über die wir amDienstag berichteten, wurde vor der Großen Straf­kammer des hiesigen Landgerichtes fortgesetzt. Der Angeklagte hatte im Jahre 1935 bis Anfang 1936 Holzgelder in Höhe von 336 Mark, die bei ihm eingezahlt waren, nicht verbucht. Eine Revision tm Januar 1936 ergab jedoch eine völlige Ueberein- ftimmung der Buch- und Kaffenlage, obwohl der Barbestand um 336 Mark hatte hoher ein muffen Der Angeklagte bestritt mit großer Entschiedenheit, das ©) unterschlagen zu hoben und behauptete die fragliche Summe habe sich jeder Zeit m der Kosse, allerdings in einer anderen Kassette befun- den; er habe lediglich nicht mehr gewußt, von wem

Wie jedermann, hatte Fogg gute und schlechte Stunden. Zu den schlechten zählte ein unklarer Fall, eine Reifenpanne im Regen ober Tutscheks Nadelstiche. Zu den guten ein aufmunternder Brief Dolschis, der sich Schellenberg auf komische Weise verbunden fühlte, ein Gang auf die Kuhleiten nach Feierabend, der rasch hingestammelte Dank einer Wöchnerin oder ein Beisammensein mit Viktoria Engasser.

Um Foggs Zuneigung zu dieser Frau ist es etwas Eigenartiges. Zwar sagt er sich mit Recht, diese Liebe ist Unsinn, führt zu nichts und muß aufhören; auch handelt er danach, benimmt sich korrekt und übt Selbstzucht. Aber er kann nicht verhindern, baß ein beträchtlicher Rest von bem auszurottenben Untraut von dieser ganz und gar unseligen und verbotenen Gefühlverirrung in ihm zurückbleibt und ihn glücklich ober unglücklich macht, je nachdem. Immerhin ein seltsamer Zustand für einen Mann, der kein Jüngling mehr ist und anderthalb Jahrzehnte Abenteuertum und Ausland hinter sich hat. Aber er macht das nur mit sich selbst ab, belästigt Viktoria mit keinem unerlaubten Blick und ist nach außen ganz Ehrerbietung und freundliche Sachlichkeit.

Auch in Viktoria Engassir vollzog sich ein Neues; nur wußte sie nicht recht, was es war. Es kam ihr vor, als fei Schellenberg feit einiger Zeit er- träglicher und weniger langweilig. Wenn Fogg be­ruflich nach ihr schickte, ertappte sie sich bei dem Gedanken: Endlich! Es war schon lange nichts mehr los... Sie fand, baß es gut fein war in feiner Nähe und im Umkreis feiner klaren Stimme. So geschah denn auch in Viktoria etwas, das man als auffeimenbe Sympathie, als zarten und ihr selbst noch unbewußten Anfang bezeichnen konnte. Wenn ihr Mann sie mit der Frage überrumpeln würde: Wie gefällt dir Fogg? so würde sie ihm in die Augen sehen und nachdenklich erwidern: Oh, er gefällt mir recht gut, Gottlieb; ich kann mir vor-

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Boman von Walther Kloepffer

Copyright 1936 by August Scherl G. m. b. H. Berlin.

NSG. Zehntausend Jugendliche im Alter von 14 bis 25 Jahren sind im gesamten Reichsgebiet m Dorf- oder Betriebsgruppen eingesetzt, um m einer einjährigen Dienstzeit die bäuerliche Arbeit mit dem letzten Ziel, wieder auf dem Lande ansässig zu wer­den, kennen zu lernen.

Im Gau Hessen-Nassau sind etwa 300 Jugend­liche vorwiegend im Alter von 14 bis 15 Jahren zum ersten Male im Landdienst der HI. eingesetzt, der die Landdienstler in Gruppen von 10 bis 15 Jungen unter Leitung eines Landdienst-Gruppen­führers zusammenfaßt.

Ls werben dabei Dorfgruppen unterschieden, bei denen die Jungen nur die Rächt über im Lager sind und tagsüber bei dem Bauern ar­beiten. und Betriebsgruppen. bei denen die Jungen alle zusammen auf einem Hof. auf dem sie auch wohnen, beschäftigt sind.

stellen, daß eine Frau bei ihm sehr gut aufge­hoben ist.

Sie trafen sich durch Zufall mitten im Dorf. Fogg kam von einer Entbindung, die glücklich abgelaufen war.

Warum so ernst heute?" fragte Viktoria lächelnd. Sie trug eine Art Florentinerhut und ein fröhlich geblümtes Kleid; sie hatte sich ganz auf Mai ein­gestellt.Ich war beim Einkäufen. Das ist ein schreckliches Kreuz hier."

So? Bin ich ernst? Gott, man hat seine Sorgen. Da ist vorhin wieder so ein Absagebrief mit der Post gekommen, der mir den ganzen Tag ver- pfuscht. Doktor Dolschi hat mir nämlich em paar Adressen von .Kapitalisten' gegeben, und die habe ich der Reihe nach abgeklappert. Der vorhin war der letzte. Mit meinen Graphitplänen will es gar nicht recht vorwärtsgehen."

Fragen Sie doch mal meinen Mann. Vielleicht kann er Ihnen helfen. Er hat allerlei Verbindungen in der Stadt."

Das wäre großartig!"

Kommen Sie doch zu einer Tasse Tee um fünf! Dann treffen Sie ihn sicher."

Gern, wenn Sie erlauben. Nun habe ich doch wieder ein bißchen Hoffnung!" sagte er erfreut.

Auf Wiedersehen, Herr Doktor!"---

Du, ich habe den Fogg zum Tee eingeladen. Es ist dir doch recht, Gottlieb?" fragte sie den Pro­fessor nach ihrer Heimkehr.

Warum soll es mir nicht recht sein, Vicki? Ich muß ihn ohnehin etwas wegen meiner Arbeit fragen. Das trifft sich ganz gut."

Fogg erschien pünktlich zur festgesetzten Stunde. Er hatte sich manierlich gemacht und rasiert, er hatte feinen besten Anzug angezogen und einen netten Schlips umgebunten; nur der zügellose Haarschopf wollte sich der Bürste nicht recht fügen. Meine Frau kommt gleich", begrüßte ihn Engasser. Bitte, machen Sie es sich bequem! Zigarre ge« fällig?" Er mochte Fogg ganz gern leiden, weil sich der auf das Zuhören verstand und die weitschwei­figen Ausführungen des Professors nicht unter­brach. Während Des Tees brachte Frau Engasser das Gespräch auf die Graphitgefchichte und auf Foggs fehlgeschlagene Bemühungen.

Vielleicht kennst du jemand, Gottlieb? Es han­delt sich doch schließlich um eine gute und sichere

Acht Nationen beim Rhön-Gegelflug-Wettbewerb.

Der vom Aero-Club von Deutschland für die Zeit vom 4. bis 18. Juli ausgeschriebene Rhön-Segel- flug-Wettbewerb 1937 verspricht ein flugsportliches Ereignis ersten Ranges zu werden. Obwohl der Nennungsschluß erst am Sonntag, 20. Juni, abläuft, liegen bereits Nennungen aus acht Ländern vor. Jedes Land darf sich an dem internationalen Wett­bewerb mit fünf Flugzeugen beteiligen. Das Na­tionalsozialistische Fliegerkorps hat seine Vertreter bereits namhaft gemacht, und zwar die Flugzeug­führer Hanna Reitsch, Kurt Schmidt, Lud­wig Hofmann, Heini D ittmar und Wolfgang Späthe. England und Polen haben ebenfalls je fünf Flugzeuge gemeldet, die Schweiz vier, Oester­reich und die Tschechoslowakei je drei, Italien und Rumänien je eines. Schauplatz der Kämpfe ist wie­der das Gelände der Reichs-Segelfliegerschule Was- . serkuppe.

lieb!" sagte sie eindringlich, fast flehend. Sie wußte, ihr Gatte hatte eine große Summe auf der Bank liegen, da er erst kürzlich ein Paket Aktten mit Gewinn verkauft hatte. Sie kleidete ihren Wunsch nicht in die Worte: Gib du ihm das Geld, Gottlieb! sondern sie sagte nur: Besinne dich! Ihr Mann verstand sie schon, mußte ja verstehen.

Der Professor Gottlieb Enaasser, von seinen Schülern ehedemGogassl" geheißen, griff unbe» haglich und bedrängt in feinen Kragen. Stimmt, er besaß die erforderliche Summe, zur täglichen Verfügung sogar. Aber hatte er sich nicht schon mit diesen verwünschten Aktten zu Tode geärgert? Ein­mal waren sie droben, einmal sielen sie, und all das n-ach unerforschlichen Gesetzen, mit denen sich kein Mensch auskannte. Und jetzt sollte er den Er­lös abermals in einer so undurchsichtigen Sache anlegen? Das konnte niemand von ihm verlangen. Auch Vicki nicht, die ein zu gutes Herz besaß. Nun ja, die Frauen. Lange Haare und kurzer Verstand. Mit Gefühl erledigt man kein Geschäft... Er jeden­falls fand ein Haar in dieser Graphitsuppe

Kein böser Mensch, beileibe nicht, aber ein stets oön Zweifeln heimgesuchter pedantischer und vor- sichtiger, räusperte er sich, flüchtete mit den Blicken in seine Teetasse und erwiderte langsam:Ich habe nachgegrübelt, Vicki, aber ich weiß wirklich niemand^ Es tut mir sehr leid, Herr Doktor Fogg!"

Viktoria Engasser ließ die Schultern sinken und haßte ihren Mann in dieser Minute.

Es ist eine schlichte Binsenweisheit, daß Gerüchts am allerletzten zu dem bringen, den sie in erster Linie angehen. Das Gerücht über Anna, das seit Wochen die Spatzen von den Dächern pfiffen, er­reichte Fogg bei der Diktualienhändlerin Ober- bimmer, als er sich gerate die Hände wusch. Dis Oberhimmer lag an einem schmerzhaften Muskel- rheumattsmus danieder, der zwar ihre Glieder, aber nicht ihre Zunge ergriffen hatte.

--so, ich hab gemeint, Sie wissen es schon?

Da werden Sie sich wohl bald um eine andere Haushälterin umschauen müssen, wenn das Fräu­lein Anna Verwalterin auf dem Schloß wird", sagte die Oberhimmer scheinheilig. In Wirklichkeit dachte sie keinen Moment daran, daß ein so feiner Herr wie Tutschek diese Liebschaft mit der Doktors-Anna ernst nehmen würde. Der konnte andere Partien machen, abgesehen davon, daß dieser flotte Bengel nicht nach Heiraten aussah.

Fortsetzung folgt.

Jede Gruppe hat ihr eigenes Heim mit Schlaf-, Wasch- und Aufenthaltsräumen, in die die Jungen nach der Tagesarbeit abends zurückkommen.

Ein Gruppenführer, der in Kursen besonders auf feine Aufgabe vorbereitet ist, betreut die Jungen, daß sie nicht über Gebühr zur Arbeit herangezogen werden und leitet den Dienst, der wie bei der HI. ebenfalls Schulung und Sport umfaßt. Gerade die Betreuung der Jugend ist eine wesentliche Aufgabe des Gruppenführers, der sich nicht immer leicht durchsetzen kann, denn nur allzu oft vergessen die Bauern, daß diese Jungen ja nun nicht die Land­arbeit gewohnt sind, daß sie auch nicht wie ein Er­wachsener arbeiten können, sondern daß es eben Jungen find, die die Arbeit auf dem Lande kennen­lernen sollen. Aus der Liebe zum Land und seiner Arbeit sollen sie wieder auf dem Land ansässig ge­macht werden, da dies der tieffte Sinn des Land- dienftes der HI., die Rückführung der Ju­gend aufs Land, ist.

Sache", bemerkte sie zaghaft.Wieviel brauchten Sie denn, Doktor?"

Mit 50 000 ließe es sich schaffen, gnädige Frau. Viel Geld!" murmelte der Professor.

Gewiß. Manchmal bin ich ganz mutlos und möchte den Kram am liebsten hinwerfen. Aber wenn ich dann wieder in die Häuser komme und die Not sehe, die Armut und die Kinder, dann sage ich mir: Du darfst nicht auskneifen, du mußt es durchfechten."

Sie hätten das Angebot der Fürsttn nicht aus­schlagen dürfen", meinte Engasser tadelnd.Nun ist sie verärgert. Der Verwalter hat mir alles erzählt."

Manchmal halte ich mir das ja selber vor. Wenn ich aber dann wieder an die Bedingungen denke, die mir dieser Tutschek gestellt hat, kriege ich die helle Wut."

Sie waren zu hitzig, lieber Freund! Man darf nicht gleich so schroff sein. Wenn Sie versöhnlicher gewesen wären, hätten sich die ärgsten Spitzen des Vertrags wohl abbiegen lassen."

Ich glaube nicht, daß man mit Tutschek viel hätte verhandeln können, Herr Professor. Das ist ein Mann, der über Leichen geht, wenn ich mich so ausdrücken Darf. Auf alle Fälle ist er herzlos und kennt nur seinen Ehrgeiz und das liebe Geld" verteidigte sich Fogg. Dann rührte er verzweifelt in seiner Tasse.

Engasser wiegte den Kopf. Zu Viktorias Verdruß lenkte er das Gespräch in völlig andere Bahnen. Sie nahm ihre ganze Tapferkeit zusammen und fing an:

Du hast meine Frage noch nicht beantwortet, Gottlieb. Besinne dich einmal! Du kennst sicher jemand, bei dem 50 000 Mark keine große Rolle spielen und der bereit ist, sie in diese Sache zu stecken? Er würde Doktor Fogg, den armen Leuten hier und sich selbst einen Gefallen erweisen. Ich nehme doch an, Doktor, daß das Geld sicher an­gelegt ist und sich ordentlich verzinst?" wendete sie sich an Fogg.

Die Sicherheit steht außer Frage, gnädige Frau. Und die Verzinsung? Lieber Gott, ich habe Ihnen doch letzthin schon erzählt, was wir uns davon ver­sprechen! Ich tue noch ein übriges und bürge mit meiner Person, mit meinem Ehrenwort dafür, daß ich an diese Sache glaube. Mehr kann fein Mensch tun."

Da horst du es, Gottlieb! Ich, Doktor Fogg, hätte alles Vertrauen der Welt zu Ihnen, wenn Ihnen das ein Trost ist. Bitte, besinne dich, Gott-