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Nr. 139 Zweites Blatt_______________Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)8reltag,l8.Zllni 193Z

Aus der Stadi Gießen.

Erdbeeren -Köstlichkeit aus jedem Garten!

ZdR. Was der deutsche Garten uns schenkt, ist entweder Augenfreude oder Gaumenfreude. Wir schätzen beide Geschenke, die Blume sowohl wie die Frucht. Aber natürlich steht jene Pflanze im Garten in besonders hoher Gunst, die Augen- und Gaumenfreude zugleich ist, die aus tiefdunklem Grün im prächtigsten Rot leuchtende Erdbeere, die so herrlich schmeckt wie sie aussieht. Es sind Men­schen genug unter uns, die zwar alle Obstsorten ihrer Schmackhaftigkeit wegen schätzen, aber allein die Erdbeere als die große Köstlichkeit des Gartens bewerten. Selbstverständlich wird der Mensch die Walderdbeere nicht gering achten.

Die große Köstlichkeit der Erdbeeren wirkt beson­ders stark auf uns ein, wenn wir sie appetitlich in Körben oder Schalen aufgeschichtet sehen. Dennoch ist es schwer, sich davon eine Menge von 473 373 Doppelzentner vorzustellen. Soviel betrug das Er­gebnis der deutschen Erdbeerernte im Jahre 1936, und die süddeutschen Gaue, die dem Reisenden oft wie ein einziger riesengroßer Obstgarten erscheinen, lieferten dazu den größten Anteil. Immerhin er­schöpft sich mit den südwestdeutschen Gärten unsere Anbaufläche für Erdbeeren nicht; sie beträgt viel­mehr insgesamt 8898 Hektar. Und dabei ist noch nicht die Menge der Erdbeerbeete mitgezählt, die der eine oder andere unter uns vor oder hinter seinem Hause zur Befriedigung des Eigenbedarfes pflegt. Diese Anbauflächen im kleinsten Ausmaß hat noch kein Statistiker erfassen können, wohl aber vermochte er herauszurechnen, daß nach den letzten Ergebnissen jeder Hektar Anbaufläche im Reichs­durchschnitt 53,2 Doppelzentner Erdbeeren als Er­trug lieferte. Das hört sich gut an, reicht jedoch im­mer noch nicht aus, um die Ansprüche der Erdbeer­freunde zu decken. Insbesondere für den Frühbedarf kommen reife Früchte aus klimatisch begünstigten Ländern wie Italien zu uns, und erst seit Ende Mai schaffen die Obstzüge der Reichsbahn in rasen­der Fahrtmit dem O-Zug um die Wette" die frischgepfückten Gartenfrüchte in die entlegensten Teile des Reiches.

Dornotizen.

Tageskalender für Freitag.

Reichsmütterdienst im Deutschen Frauenwerk: 20.15 Uhr Kinderklinik, Kursus. Gloria-Palast (Seltersweg):Soldaten-Kameraden". Oberhes­sischer Kunstverein: Skagerrak-Ausstellung, 17 bis 19 Uhr, Gesellschaftshaus, Sonnenstraße.

Landschaftsbund Volkstum und Heimat.

Der Bund besucht am morgigen Samstag, 19. Juni, um 17 Uhr, die Skagerrak-Kunstausstellung im Club. Stadtbaurat Gravert wird zunächst einen kurzen einführenden Vortrag halten, daran schließt sich der Rundgang durch die Ausstellung.

Die deutsche Rrbeitefront y / n.9.=6em.einfdiaftßräft durch freute".

Sonntag, 20. Juni, 20.30 Uhr, Großer Heiterer Abend in der Volkshalle mitNazi-Eisele" und sei­ner Truppe. Preise 40, 60, 80 Pf. und 1 Mark. Sammelbestellungen der Betriebswarte bis Don­nerstag, 17. Juni. Kartenvorverkauf: Musikhaus Chaäier, Schokoladenhaus Huntemann, Oberhessische Tageszeitung, Kreisdienststelle.

Sonntag, 20. Juni, 16 Uhr: Großes Sommerfest in Kloster Arnsburg. Eintritt 40 Pf.

Samstag/Sonntag, 26.Z27. Juni: Wochenendfahrt nach Düsseldorf zur großen Reichsausstellung Schaffendes Volk". Abfahrt: Samstag, 14 Uhr, Rückkunft: Sonntag, 24 Uhr, Teilnehmerpreis: ent­haltend Fahrt, Uebernachtung, Frühstuck, eine Abend- und eine Tageskarte 9,20 Mark.

Idylle bei Familie Schwan.

Bei Familie Schwan, die am und auf dem großen Teich an der Schlageter - Anlage ihre geräumige Heimstatt hat, ist vor einiger Zeit (wir berichteten bereits dar­über) Nachwuchs ange­kommen. Die jungen Schwäne, jetzt noch zarte und empfindliche Feder­bälle, werden von den Eltern mit einer rühren­den Sorgfalt betreut. Dor allem Vater Schwan ist sehr aufmerksam und je­derzeit bereit, etwaige und zu aufdringliche An­näherungsversuche von Mensch oder Tier ener­gisch abzuwehren. Unser Bild zeigt die Familie während einer geruhsa­men Stunde im hohen Ufergras. Es sei auch an dieser Stelle darauf hingewiesen, daß die Tiere aller Schonung bedürfen.

(Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger)

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Mittwoch, 30. Juni, gegen 16 Uhr: Billiger Son­derzug nach Marburg zu dem Freilicht-Festspiel Scharnhorst". Preis für Fahrt und guten Mittel­platz 1,70 Mark. Karten zu den Fahrten durch die Betriebswarte und die Kreisdienststelle, Schanzen­straße 18. 4137D

Hitler-Jugend Bann 116 Gießen

Betr.: Elternausspracheabend der Ge­folgschaft 3/116 (Gießen-Mitte). Der Elternaus­spracheabend der Gefolgschaft 3/116 findet heute, Freitag, den 18. Juni 1937, um 20.30 Uhr in der WirtschaftGambrinus", Wetzsteinstraße, statt.

Betr.: Schwimmwettkämpfe der Hit­ler-Jugend. Zu den Schwimmwettkämpfen der Gießener Hitler-Jugend treten alle Schwimmer der Einheiten des Unterbannes 1/116 am Samstag, 19. Juni, um 19 Uhr in der Müllerfchen Bade­anstalt an.

Betr.: Fahrtenführerschulung am 20.6. Zur Fahrtenführerausbildung am 20. Juni ist fol­gendes mitzubringen: Fahrtenführer einer Gef. je zwei Zeltbahnen und ein Beutel Zeltzubehör. Gef. 1 bis 4 und Sondereinheiten je IlVl-Spaten, 1 Koch­pott und je ein vorschriftsmäßig gepackter Tornister. Papier und Bleistift.

Betr.: Sonnenwendfeier. Die Sonnen­wendfeiern der Gefolgschaften 5 bis 17 werden am Samstag, dem 19. Juni 1937, 22 Uhr, durchgeführt. Zur Sonnenwendfeier in Gießen treten am Mon­tag, 21. Juni, um 21.15 Uhr auf dem Oswaldsgar- ten an:

1. die beiden Spielmannszüge,

2. Gef. 1 bis 4/116 und Flieger je 20 Jgg.,

3. Motorschar und Nachrichtenschar je 10 Jgg.,

4. Marinegefolgschaft 1/116 mit 60 Jgg. (Antre- treten: 20.30 Uhr.)

Jede Einheit hat fünf Fackeln mitzubringen. DJ., BDM. und IM. treten ebenfalls um 21.15 Uhr auf dem Oswaldsgarten an.

71SLB., Kreis Gießen.

Fachschaft: körperliche Erziehung.

Sommerkampfspiele 1 9 3 7: Die Ein­teilung bleibt bis auf geringe Aenderungen, die von den Bezirksspielwarten bekanntgegeben sind, die­selbe wie im vergangenen Jahr. Oppenrod und Harbach sind auf Antrag befreit. Zur Deckung der Auslagen für Fahrten, Platzinstandsetzung usw. wird von den Bezirksspielwarten pro Mannschaft

ein Unkostenbeitrag erhoben. Bei den Grenzballspie- len entscheidet bei Punktgleichheit am Ende der Spielreihe das bessere Torverhältnis. Bei den Fuß­schlagballspielen wird bei Punktgleichheit ein Ent­scheidungsspiel angesetzt.

Hans - Schemm - G e d ä ch t n i s s ch w i m- men 1937. Auch in diesem Jahr wird wieder das Schemm-Schwimmen durchgeführt. Es nehmen alle Volks-, Mittel- und höheren Schulen teil, soweit Schwimmgelegenheit vorhanden ist. Berufsschulen kommen nicht in Frage. Die Ausführungsbestim­mungen find den meisten Schulen zugegangen. Schulen, die nicht im Besitz der Ausschreibungen sind, wenden sich an Studienassessor Fontius (Gießen), Oberrealschule. Jede Schule führt die Leistungsprüfungen gesondert durch. Als Abschluß des Schemm-Schwimmens ist eine gemeinsame Schwimmveranstaltung aller Schulen des Kreises nach den Sommerferien geplant.

TIE.-Lehrerbund, Gießen.

rNädchenerziehung, Hauswirtschaft und Handarbeit.

Samstag, 19. Juni, 15 Uhr, in der Mädchenberufs­schule in Gießen. Fräulein Lorch, Gießen, wird überDie Durchführung des Lehrplans im Hand­arbeitsunterricht" sprechen.

Reichsmütterdienst

im Deutschen Frauenwerk.

Am 18. 6. 37 beginnt um 20.15 Uhr ein Lehrgang über Erziehungsfragen mit Basteln in der Kinder­klinik. Zweimal wöchentlich. Anmeldungen Frank­furter Straße 1, Kreisfrauenschaft, Telephon 2818.

Das 7iG.-Reiterkorps im Ausstieg.

NSG. Die sportlichen Erfolge, welche in der letzten Zeit das Nationalsozialistische Reiterkorps innerhalb der SA.-Gruppe Hessen auf so vielen Turnieren gegen starke und stärkste Mitbewerber zu verzeichnen hatte, lenkt die Augen immer wieder auf diesen mächtig emporstrebenden jüngsten Zweig der SA.-Ausbildung. Während im Jahre 1936 in 72 Prüfungen auf 884 Bewerber 694 ausgestellte Neiterscheine entfielen, haben sich diese Zahlen für das Jahr 1937 fast verdoppelt. Es konnten in ins­gesamt 108 Prüfungen bei 1765 Bewerbern 1136 Reiterscheine und daneben noch 60 Jugendreiter­scheine ausgestellt werden. So liefert auch dieser

Vergleich den besten Beweis dafür, daß in der Gruppe Hessen die SA.-Reiterei im Rahmen des NSRK., die Anordnung des Führers vom 10. März 1936, mit großem Einsatz und besten Erfolg durch­zuführen in der Lage ist.

Das Nationalsozialistische Reiterkorps ruft erneut und immer wieder die deutsche männliche Jugend auf zur Erringung des R eiter sch ein es und damit zur vormilitärischen Reitausbildung und Erhaltung der Reitfertigkeit und Reitfreudigkeit nach der Dienstzeit.

Sonderzug zum Oberhessischen Feuer­wehrtag in Büdingen.

Am kommenden Samstag und Sonntag findet in Büdingen der Feuerwehrtag der oberhessischen Frei­willigen Feuerwehren statt. An dieser Veranstal­tung werden aus den Kreisen Gießen, Friedberg, Büdingen, Schotten, Alsfeld und Lauterbach zahl­reiche Abordnungen der Wehren teilnehmen. Die Reichsbahn hat sich entschlossen, aus diesem An­laß von Gießen aus einen Sonderzug einzufetzen, der am Sonntag, 20. Juni, hin und zurück ver­

kehrt. Für den Zug liegen folgende Abfahrts­zeiten fest:

Gießen ab 8.41 Borsdorf 9.35

Schiffenberg 8.49 Nidda 9.41

Garbenteich 8.54 Ranstadt 9.49

Lich 9.04 Stockheim 9.56

Langsdorf 9.10 Bleichenbach 10.04

Hungen 9.16 Büches-Düdelsheim 10.09

Trais-Horloff 9.21 Büdingen an 10.16

Ober-Widdersheim 9.27

Bei der Rückfahrt hält der Zug an folgenden Or­ten und zu nachfolgenden Zeiten:

Büdingen ab 19.05 Trais-Horloff 20.13

Büches-Düdelsheim 19.10 Hungen 20.20

Bleichenbach 19.17 Langsdorf 20.31

Stockheim 19.33 Lich 20.38

Ranstadt 19.40 Garbenteich 20.52

Nidda 19.49 Schiffenberg 20.56

Borsdorf 20.03 Gießen an 21.05

Ober-Widdersheim 20.08

Millionenwerte in Heilkräutern.

LW. In vielen alten Sagen und Märchen wird uns von wundersamen Kräutern und Pflanzen be­rietet, die so oft Unheil und Krankheiten bei Mensch und Tier abgewehrt haben. Sie tragen Namen, mit denen wir heute nichts mehr verbinden können, Na­men, die so wundervoll in die alten Märchen hin­einpaßten. Doch alle die Pflanzen wachsen und blühen heute noch. Unscheinbar auf Wiesen, am Wegrande und auf dem Acker, als Unkraut ver­achtet, gedeihen noch viele heilkräftige Pflanzen, die richtig angewendet wirksame Helfer gegen man­che Krankheit sind. Hin und wieder kann man schon in der Ecke eines Bauerngartens eine Heilkräuter- fammlung entdecken.

Unser Verbrauch an Heilkräutern ist bedeutend größer als man es sich vorstellt. Für 40 bis 50 Millionen Mark werden in einem Jahre Heilkräu­ter eingeführt. Da steht an erster Stelle die Linden­blüte mit 430 000 Kilogramm, dann folgt das Huf­lattichblatt mit 250 000 Kilogramm, der Dogelknö- terich mit 150 000 Kilogramm, das Veilchenblatt mit 100 000 Kilogramm, das Tausendgüldenkraut

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PUTZT ALLES tyU&idUd* und ukoHtnä.

Michelangelo.

Don Or. £>. K Sprengel.

Wie eine seiner eigenen gewaltigen Schöpfungen ragt die Gestalt Michelangelos aus der Reihe der Renaissance-Künstler hervor. Wohl steht er in seiner allgemeinen handwerklichen Meisterschaft auf der gleichen totufe wie etwa ein Leonardo, Oiorgione, Tizian ober Raffael. Doch ein einzigartiges Kenn­zeichen seines Charakters und auch Schaffens hebt ihn selber hier noch heraus auf eine einsame un­bestrittene Höhe: sein in unterster Seelentiefe wur­zelnder tragischer Ernst. Mitten im heiteren Wirbel der festlichen Renaissancestädte Florenz und Rom lebend und schaffend, blieb er fast unberührt wie em Fels vom Wogenprall der ihn umbrandenden Le­bensfreude.

Sein Selbstbildnis in den Uffizien von Florenz zeigt den Kopf eines von feinem Schöpferdrang ganz beherrschten Suchers und Kämpfers. Aus die­sen in düsterer Sehnsucht brennenden Augen, der tief eingegrabenen Zornesfalte zwischen Öen Brauen und dem in höchster Willensanstrengung schmerz­haft verzogenen Munde spricht das gewaltige Rin­gen der Künstlerseele um die Gestaltwerdung eines Titanenwerkes. Durch einige Briefstellen und be­sonders seine leidenschaftliche Sonette wissen wir um diesen schweren Kampf, den er immer wieder nicht nur mit dem harten Stein, sondern auch mit dem noch unvergleichlich spröderen Widerstand seiner eigenen Veranlagung zu kämpfen hatte. Ihm war es nicht gegeben wie etwa dem jugendlichen Malergenius Raffael feine Werke leicht unb schmerzlos zu schaffen. Langsam unb schwer gestal­tete er bie ungeheuren Bilder seiner Eingebungen. Nie aber genügte bas Erreichte feinem bis in letzte Wefensgrünbe vorstoßenben Wahrheitsdrang. So blieb manches feiner Werke - z. B. der Torso des Herkules unvollendet oder mußte, wie der mäch­tige Kuppelbau frer Peterskirche in Rom, von an­deren Künstlern fertiggestellt werden.

<?eine Meisterwerke tragen bei aller Vollkommen­heit die Prägmale ihres schweren Werdens aus dem tragischen Ernst ihres Schöpfers an sich. Nickst nur die gualvoll ringenden Gestalten der Sklaven und Gefangenen oder der gleich einem Rachegeist über die Wasser brausende Herrgott der sixtinischen Decke vermitteln diesen Eindruck einer zum Bersten er­füllten Gespanntheit des Ausdrucks.

Vielleicht am überzeugendsten offenbart sich Mi­chelangelos Drang zur großen Körpergebardem der einzigartigen malerischen Vision desJimasten Gerichtes" der Sixtina. Hier hat sich der Künstler einmal ganz aus dem Bann der eigenen Schwer-

blütigfeit befreit: Der Weltenrichter in der Höhe hier nicht die milde Jesusgestalt der christlichen Ueberlieferung, vielmehr ein athletisch gebauter an­tiker Heros schmettert mit weit ausholendem Schwung seiner Rechten die Verdammten in die ewige Vernichtung. Dem Sturz der Verlorenen ent­spricht auf der anderen Sette die gleich heftig auf­wärts wallende Bewegung der Seligen. Vor dem elementaren Ausbruch des göttlichen Zornes ver­stummt selbst der Mund der ängstlich sich beraenben Fürbitterin Maria, währenb bie kraftvollen Apostel in ihrer wuchtig brohenben Bereitschaft wie eine riesige Leibwache bes zürnenben Olympiers er­scheinen.

Aus biefemJüngsten Gericht" wirb noch ein­mal Michelangelos lebte künstlerische Absicht deut- lich: Mit seinen ins Riesenmaß gesteigerten, meist unverhüllten Menschenleibern wollte er nicht nur bie körperliche, vielmehr auch bie sie belebenbe gei­stig-seelische Urkraft eines heroischen Uebermenschen- tums barstellen. Aus ber tragischen Vereinsamung bes Genies seiner Zeit suchte er sich eine eigene heroische Welt in ber Kunst zu schaffen. In dieser Welt hat ber Mensch bie Fesseln bes irbischen All­tags burchbrochen unb ist über sich hinaus in ein göttergleiches Uebermenschentum hineingewachsen.

Wie' unenblid) groß auch sonst ber Unterschieb zwischen bem Renaissancekünstler unb bem beutschen Dichterphilosophen Nietzsche fein mag, in ber künst­lerischen Gestaltung ihres Wunschtraumes von heroischem Uebermenschentum finb bie beiben gro­ßen Einsamen einanber innerlich verwanbt.

Einer oeaen 'Zehntausend.

Don Wolfgang Züneniann.

Es war am Ausgang bes vorigen Jahrhunderts in jenem Kriege, der das Heer der Vereinigten Staaten auf die spanische Halbinsel führte. Zehn­tausende landeten an der Küste des Landes, Zehn­tausende marschierten durch die heißen Tage und kühlen Nächte auf Santiago zu, ein eisernes Auf­gebot von Waffen, das hinzuhalten und zu zerstören einer kleinen spanischen Vorhut befohlen war. Und doch, den Tapferen hat Gott lieb. Und die Ameri­kaner waren es, die einer erdrückenden Uebermackst wichen, als sie auf einen einzigen spanischen Sol­daten stießen. Und das kam so.

Hatte die Vorhut der Verteidiger El dorret) be­setzt unb ihre Posten weit hinausgeschoben, um gegen alle Ueberraschungen gesichert zu fein, von denen sie bann doch wie ihre Gegner überrumpelt werden sollten. Da springt nun, gleich einem hüp­fenden Ball, geschickt die Schatten der Büsche und

Bäume benutzend, ein Junge über die dunklen Aecker. rollt über steinige Hänge und gleitet durch feuchte Wiesen. Unb endlich entdeckt er, da er in einer Atempause sich die Schweißperlen aus den Augen wischt, den spanischen Posten, stößt einen Laut aus, in dem Wut und Schrecken und frohes Jauchzen zusammenklingen, unb setzt bann über eine Hecke, baß ihm bie Domen bie nackten Beine von oben bis unten zerreißen, bem Posten, mit ben Armen fuchtelnd, roilb schreienb entgegen. Der fährt herum, packt erschrocken ben Jungen unb starrt in zwei fladernbe Augen, bie in ber Finsternis wie Sterne erglühn.Dort", keucht ber Bengel, unb er bekommt vor Erschöpfung kein Wort mehr her­aus,bort", versucht er's noch einmal,bie Feinde, viele, viele!"!" brummt ber Posten unb rüttelt ben Jungen an ben Schultern. Aber bem ist ber Kopf in bie Hände bes Solbaten gesunken, unb ba ber Posten verwirrt zurücktritt, sinkt ber kleine Körper leblos in ben Staub der Straße. Nur unter dem Herzen, ba sickert es leise hervor, unb jetzt be­merkt es auch ber Soldat, daß das zerfetzte und verschmierte Hemd des Burschen, dunkelrvt von Blut und Schmutz auf der Haut klebt.

Was soll er machen? Unschlüssig blickt er zurück auf El Cvrrey. Dort fchll.fen die Kameraden. Dann plötzlich wendet er sich und stapft in ber Richtung bavon, aus ber der Junge gekommen, besinnt sich auf einmal, unb nun schleicht er vorsichtiger neben ber Straße über bie Wiesen unb Felber. Manchmal bleibt er stehn unb horcht hinaus, den kühlen Stahl des Gewehrs gegen die Brust pressend, in her es hämmert unb hämmert und Zweifel und Erwar­tung das Blut zum Sieden bringen Aber da treiben ihn die angstvoll aufgerissenen Augen des Jungen weiter, unb triefe Augen glühen burch bie Nacht, funkeln aus jedem Gebüsch, daß der Posten keuchend und stöhnend Doranftolpert, von Zauber­hand getrieben, seiner Sinne nicht mächtig.

Bis er unmittelbar vor sich, da der Mond einen Augenblick wieder aus den Wolken hervortritt, den langen Zug der Feinde erkennt, und ihn das blanke Entsetzen lähmt. Doch da bleibt keine Zeit, sich zu be­sinnen! Feinde Feinde. Feinde' Unb der Rosten wirft sich auf die Erde und schießt und schießt, so schnell es bie vor Erregung bebenben Hände schaffen. Laden, Zielen. Feuern! Laben, Zielen, Feuern! Schießen! Weiß er es, baß bort unten Tausenbe in ihrem Mersch stocken, sich zusammen- bränaen wie ein Haufe erschrockener Schafe, in bie ber Blitz fuhr? Laben, Zielen Feuern! Weiß er es nicht? Hoho' Jetzt jedenfalls siebt es ber Posten, und er spukt in weitem Bogen voll Verachtung ins Wras und verbrennt sich bie Finaer am glühenben Rohr.Hoho! Kommt nur, kommt!"

Unb wahrhaftig, bie Tausenbe bort brühen schwär­men aus wie zum morbenben Gefecht, Hörner gel­len, Männer brüllen,Hoho, ist bas ein Fest!" Und nun hebt ein Geknalle unb Gebumse an, daß es von ben Bergen rings in luftigem Echo grollend unb knatternd widerhallt. Da wird es unserem Posten, der einer ganzen Armee mit heißem Herzen trotzt, auf einmal klar, als er sich die nassen Haare aus ber Stirne streicht: er hat keine Patronen mehr! Suchenb blickt er umher unb lacht dann laut her­aus, als er hinter sich die Kameraden sieht, bie, aus ihrer Nachtruhe aufgescheucht, nun vorsichtig heranpirschen. Er reißt ben nächsten zu sich nieber, nimmt ihm bie Patronen ab, unb dann geht's wie­der los in unheimlicher Lust: Laden, Zielen, Feuern!

Beim Morgengrauen wagt der Feind den Sturm. In schwellenden Massen stürmt er über das Feld und stockt verdutzt, als er in Kilvmeterbreite hier einen Mann findet und dort einen, sonst nichts. Und diese paar, sie sind schon auf und davon, ehe er sich von seinem Erstaunen erholt, nur dort, an einer einzigen Stelle, feuert noch einer wie toll in ihre Reihen hinein. Und von den Bergen klingt es tausendfältig, peitschend unb roüenb rote ber stäh­lerne Schlachtgesang eines ganzen Heeres roiber, baß jebermann still wirb in biefem Wunderbaren, wie hier die Heimat und Mutter Erde sich zum Ver­bündeten ihres Sohnes machte unb Zebntausenbe von Feinden kostbare Stunben in ihrem Vormarsch aufhielt. Dann inbeffen gewannen Grimm unb Scham boch bie Dberhanb, und bas wütende Feuer der Amerikaner richtete sich auf einen einzigen Punkt . . Aber das Lächeln des Toten blieb .. denn den Tapfern hat Gott lieb.

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Professor D. Dr. Gustav Hölscher, Orbinariu» für altteftamentliche Wissenschaft an ber Universität Heibelberg, beging seinen 60. Geburtstag. Hölscher habilitierte sich 1905 in Halle, wo er 191*6 zum Ertraordinarius ernannt mürbe; 1920 wurde er als Ordinarius nach Gießen berufen, 1921 nach Marburg, 1929 nach Bonn. Seit einem Jahre wirkt Hölscher in Heidelberg.

Zum Rektor ber Wiener Universität würbe ber Chemiker Professor Dr. Ernst Späth gewählt. Prof. Späth, ein geborener Sudetenbeutscher, Schü­ler bes berühmten Chemikers Prof. Wegschei - ber, ist ein international anerkannter Gelehrter unb gilt vor allem auf bem Gebiet der Arzneimittel- künde als erste Autorität. Der neue Rektor ist Ehrenmitglied der Wissenschaftlichen Akademien von Halle und Budapest.