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Nr.llZ Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesjen)Mittwoch, ly.Mai 1957

versalisten und den bisherigen Vertreter revolutio-

är französischer Ideen zum deutschen Patrioten, in diese Zeit fiel die Veröffentlichung mehrerer

nar

(Scherl-Vilderdienst-M.)

die

als Sohn eines Bandwebers geboren in jenem Winkel des obersächsischen Landes, der im Ablauf eines Jahrhunderts den Deutschen neben Fichte auch Lessing und R i e t s ch e l schenkte. Er ver­lebte seine frühe Jugend in dürftigen, ja ärmlichen Verhältnissen. Hochbegabt mit scharfem Verstand, hartem Willen und unergründbarer Gewissenstiefe erhielt er durch die Gunst eines Edelmannes auf der Schulpforta eine gelehrte Erziehung. Mit 18 Jah­ren bezog er die Universität Jena, dann Leipzig, um Theologie zu studieren, die er jedoch bald gegen die Philosophie vertauschte. Bittere Not zwang ihn, in Zürich die Stelle eines Hauslehrers anzunehmen. Hier lernte er seine spätere Gattin kennen, Johanna Rahn, eine Nichte K l o p st o ck s. Ein bewegtes Wanderleben führte den brotlosen Gelehrten von dort über Leipzig, Warschau nach Königsberg, wo er und seine inzwischen vollbrachte wissenschaftliche Arbeit durch Kants Vermittlung bekannt, ja be­rühmt wurden. Em neuer Aufenthalt in der Schweiz, wo er die Ehe schloß führte Fichte mit Pestalozzi zusammen und gab ihm Gelegenheit, sich unter dem Eindruck der französischen Revolution und ihres Echos in der republikanischen Schweiz lebhaft für die große französische Umwälzung und ihre Berechtigung einzusetzen. Im Jahre 1794 wurde er endlich als Professor an die Universität Jena be­rufen. Hier hielt er sehr erfolgreiche philosophische Vorlesungen und verfaßte Lehrbücher und andere philosophische Schriften. Sein Versuch, das aka­demische Leben der Studenten zu reformieren, rief einen schweren Konflikt hervor, der Fichte nötigte, Jena schon 1795 zu verlassen und sich zeitweilig in Oßmannstädt bei Weimar aufzuhalten. Ein Aufsatz über die Entwicklung des Begriffs Religion, in der Fichte nur einen praktischen Glauben an eine mo­ralische Weltordnung sah. beschwor neue Schwierig­keiten herauf und führte schließlich, da Fichte einen ihm erteilten Verweis nicht hinnahm, 1799 zu seiner Entlassung. Er übersiedelte nach Berlin, wo er trotz der atheistischen Verdächtigung geduldet wurde und mit Schlegel, Schleiermacher und T i e ck zusammentraf. Die preußische Luft sollte für Fichte von läuternder Wirkung werden: Der Staat Preu­ßen bildete den Lehrer, den Philosophen, den Uni-

Nach Tisch schläst der Sohn in seinem Zimmer, in seinem Bett. Wo ist der hingekommen, konnte er fragen, der einst hier gelebt hat? Unfertig, früh­reif, jung und voller Träume, elend vor Sehnsucht und Einsamkeit, obwohl er zu Hause war. Und er müßte antworten, daß der, nach dem er fragt, fort­gekommen ist, wie die Jahre fortgekommen sind, die damals waren.

Nach dem Kaffee, zu dem die Mutter einen Streuselkuchen gebacken hat, geht der Sohn die Landstraße hinunter zur Stadt. Und dann sucht er die alten Freunde auf. Es gibt solche Freunde und solche Freunde. Es gibt Freunde, mit denen man die entscheidendsten Dinge bespricht, im Brief oder auf Spaziergängen, und es gibt Freunde, mit denen man nichts zu besprechen hat, man sitzt mit ihnen zusammen und hat sich gleichsam nichts zu sagen, man schreibt ihnen nie, aber wenn man sie irgendwann wiedersieht, fühlt man sofort die älteste Berührung. Man hebt das Glas, stößt an, keiner verlangt ein besonderes Wort, man versteht sich, es ist alles in Ordnung, es war nie anders, und wenn es hoch kommt, werden Erinnerungen ausgetauscht, die für ein fremdes Ohr völlig belanglos sind.

Solche Freunde sucht der Freund in der Heimat­stadt auf. Und mit solchen Freunden geht er in die Stadtschänke, der blankgescheuerte Tisch in der Ecke füllt sich, es ist wunderbar und erholend, mit den alten Kumpanen Bier zu trinken, zu rauchen und unbeschönigt zu klönen.

Es wird spät, bis der Sohn nach Hause kommt. Er zündet die Gaslampe in der Küche an, der Wellensittich auf der Stange hinterm Drahtgitter starrt geblendet in das grüne Licht, und dann findet der Sohn auf dem Küchentisch einen Zettel, wie er ihn auch früher fand. Der Kakao sei im Ofen, steht darauf, und in der Speisekammer seien noch <?eber= klöße und Nindswürste, die könne er sich heiß­machen. Und darunter steht:Gute Nacht! Mutter."

Die Fürsorge

fürMutter und Kind".

NSG. Mutter und Kind sind das kostbarste Gut einer Nation; in der Gesundheit und der Kraft unserer Mütter liegt die innere Stärke unseres Volkes. Der schwierigste und schönste Teil der Arbeit im HilfswerkMutter und Kind" spielt sich in der Hilfsstelle, die in jeder Ortsgruppe eingerichtet ist, ab. Die Hilfsstelle erfaßt alle erb- gesunden deutschen Mütter. Insbesondere gilt ihre Fürsorge der werdenden Mutter, die doppelt des Schutzes bedarf. Es ist selbstver­ständlich, daß a u ch d i e kinderreiche Mutter durch alle erforderlichen Hilfsmaßnahmen erfaßt wird. Die Wöchnerinnen- und Säuglingsfürsorge wird gemeinsam mit dem NSV.-Arzt und der N>s.- Gemeindeschwester durchgeführt. Der Hilfsstellen­leiterin dürfen die Mütter ihre großen und kleinen Nöte bringen. Nicht nur Anträge auf Kleidungs­und Lebensmittelzuwendungen werden von ihr ent­gegengenommen, sondern sie steht der Mutter auch in geistigen und seelischen Nöten bei. Sie sucht die Mutter auch in ihrem Heim auf, weil hier am klarsten der wirkliche Grund der Notlage erkannt werden kann.

In engster Fühlungnahme mit allen NS.-Orga- nisationen, der NS.-Frauenschast, der Deutschen Arbeitsfront, dem Arbeitsdienst für die weibliche Jugend, den Einrichtungen der öffentlichen Für­sorge, des staatlichen Gesundheitsamtes und der Sozialversicherung ist es der Hilfsstellenleiterin möglich, eine durchgreifende Hilfe zu schaffen. Ar­beitsplatzhilfe bei Erwerbslosigkeit des Ehe­mannes, Wohnungsbeihilfe bei starker Not­lage, Haushaltshilfe bei Kinderreichtum oder schlechtem Gesundheitszustand der Mutter und schließlich Maßnahmen der Erholungsfür­sorge für Mütter und Kinder helfen der Familie von Grund auf. Hier in der Hilfsstelle wird die Auswahl der Frauen für die NSV.-Müttererho- lungsheime getroffen, die nicht nur körperlich, son­dern auch seelisch den Müttern zu neuer Kraft ver­helfen.

Johann Gottlieb Fichte.

Ein nationalpolitischer Vorkämpfer der Deutschen.

Von Minister Or. Paul Schmitthenner, profest or an der Universität Heidelberg.

zaretten von einem Fieber befallen worden war. Sie wurde gerettet, aber ihr Mann wurde dahinge­rafft. In feine letzten Fieberträume fiel noch, wie T r e i t s ch k e schrieb, die Kunde von der Neujahrs­nacht 1814, da Blücher bei der Pfalz im Rheine den Grenzstrom überschritt und das feindliche Ufer widerhallte von den Hurrarufen der preußischen Landwehr. Unter solchen Träumen von kriegerischer Größe ist der streitbare Denker am 27. Januar 1814 verschieden.

Besuch im Elternhaus.

Von Ernst Kreuder.

Es ist fein großes Elternhaus, es ist eine kleine Wohnung zu ebener Erde, in einem einfachen, ein­stöckigen Backsteinbau, unweit der Landstraße. Da­hinter ist aufgeschüttete Erde, mannshohes Unkraut, Schilf, alte Weidenbäume und ein großer Weiher. Hinter dem Weiher erhebt sich der Bahndamm mit einem Streckenhäuschen, Wiesen und Waldrand. Niemand wird diese Gegend besonders lieblich sm- den. Sie wird beherrscht von dem hohen, langge­streckten grauen Gebäude einer Eisengießerei, die an eine kleine Zeppelinhalle erinnert.

Es sind feine reichen Leute, die hier wohnen, aber hier kehrt der Sohn am liebsten ein. Dies ist ein kleiner Ort in der Welt, für den man sich mch^ anzumelden braucht, und wo man immer herzlich empfangen wird. Wenn aber der Sohn rechtzeitig »ine Karte schreibt, dann wird sein Empfang zu einem kleinen Festtag mitten im grauen Alltag.

urteilen könnte, er schmeckt den einen, unnachahm­lichen Geschmack der heimatlichen Küche, Mutters Küche. Selbstvergessen ißt er hier, anders könnte er es nicht im Schlaraffenland. Und dann lobt er, wie er immer gelobt hat, und die Mutter strahlt, wie sie dann immer gestrahlt hat.

&od)fd)Ulnod)rid)ten

Dem Konstruktionsleiter Dr Jng. Wilhelm Knolle in Bautzen ist unter Ernennung zum ordentlichen Professor an der Universität Halle als Nachfolger von Prof. M a r t i n y der Lehrstuhl für Landwirtschaftliche Maschinen- und Gerätefunde übertragen worden.

So der äußere Lebensgang. Dieser Weg durch kaum 52 Jähre wurde zurückgelegt von einem Mann, dessenGrundcharakter die Ueberkraft war". Er war unbeugsam, von stärkster Willenskraft, voll edler Begeisterungsfähigkeit und selbstlosem Opfer­sinn, aber auch eigenwillig, unduldsam, ohne Ver­ständnis für fremde Ueberzeugung und für die Wirk­lichkeit. Erfüllt und geprägtvon hinreißender Lei­denschaft, von despotischem Willen zur Wahrheit und Sittlichkeit und von einem um alles Irdische unbekümmerten Heroismus", war er ein deutscher Mensch von strenger überwältigender Größe. Nicht eine Philosophie interessiert uns hier, sondern sein nationalpolitisches Wollen und Wir­ken. Was bedeutet Fichte in diesem Sinn für un­sere Vergangenheit und Gegenwart?

Vieles in seinem Denken und Wollen ist uns Heu­tigen fremd. Denn Fichte ging von der universalen Idee aus und glaubte an dis Erziehung des Men­schengeschlechts zur sittlichen Freiheit bis zu einem künftigem Herrschaftsbereich der Vernunft. Der Staat war ihm ein unentbehrliches Zwischenglied, durch das der Weg des einzelnen zur Menschheit führe. Sein Ziel war nicht ein nationales und politisches, sondern ein menschheitliches und sittliches. Das Va­terland war für ihn jeweils der Führerstaat der Menschheit. Aus dieser Welt, die wir heute im Dritten Reiche überwunden haben, bricht plötzlich seit 1807 der nationale und der deutsche Gedanke hervor.Mit unerhörtem persönlichen Mut", so schreibt Otto V o ß l e r,vorbereitet und entschlossen, wenn nötig, das Schicksal zu teilen, das Palm in Braunau erlitten hat, verkündet er unter den Augen der Franzosen die gewaltigste Verherrlichung des deutschen Volkes. Leidenschaftlich wendet er sich gegen alles Ausländische, insbesondere gegen das Französische. Das Ganze ist ein flammender Auf­ruf zur nationalen Befreiung." Fichte selbst empfand diese Wendung nicht als einen Bruch seines bis­herigen Denkens, sondern als dessen Fortsetzung. Wenn er nunmehr dem deutschen Volke diente, so deshalb, weil er in ihm allein noch den Führer­staat der Menschheit erkannte. Himmelhoch ragte nach seiner Ueberzeugung das deutsche Volk über alle anderen empor. Es ist das Volk schlechthin, das Urvolk, das allein noch eine Ursprache besitze, das gegen das kaiserliche und päpstliche Rom ge­kämpft, die Freiheit gerettet und auch für die Zukunft retten wird. So erklärt sich sein Wort: Charakter haben und deutsch sein ist ohne Zweifel gleichbedeutend." Und so ruft er den Deutschen zu:Es ist daher kein Ausweg: wenn ihr versinkt, so versinkt die ganze Menschheit mit, ohne Hoffnung einer einstigen Wiederherstellung."

Wir sind heute, wie Ernst K r i e ck es formuliert hat, aus einer Ideologie, wie sie für Fichte noch entscheidend war, herausgetreten und unterstehen unserem völkisch-politischen Realziel. Wir nehmen das Recht in Anspruch, das Denken und Handeln Fichtes dort abzulehnen, wo es jenseits dieses Real­zieles verläuft, es aber dort zu fassen, wo es un­seren Volkskörper durchschneidet, befruchtend, reim- aend, fortreißend wie ein heiliger Strom. Es mag sein, daß der radikale Nationalismus Fichtes aus den universal-sittlichen Idealen seine leiden­schaftliche Kraft und Würde gewann. Aber eben . diese selber waren inmitten des damaligen Nieder­bruchs eine entscheidende Tat. Kein ande­rer deutscher Philosoph oder Gelehrter hat für die nationale Größe und Wiedergeburt unseres Volkes eine gleiche opfermutige Begeisterung gehegt und bei anderen erweckt Seine Sprache berauschte die Hörer, und seine national-sittliche Gedankenwelt

Der Vater lacht, schmunzelt, Uückt ihm die Hand, steht untätig und zufrieden da, während die Mutter mit gewohntem Eifer dem Sohn zu dem Will- kommensfrühstück verhilft.

Noch immer steht der Sohn in der Küche, links ist der große Käfig mit den beiden Wellensittichen, die plötzlich ein lärmendes Gezwitscher vollführen, aus dem Fensterbrett steht der kleine Käfig mit dem Kanarienvogel, der artig piepst. Früher war der Küchenschrank viel, viel größer, auch die Eltern waren viel größere Leute, und jetzt reichen sie dem Sohn knapp bis zur Schulter. Der Küchenschrank ist oertrauter als irgendein Freund oder ein Onkel, er hat von beiden etwas nur das Buntpapier hinter seinen Scheiben ist erneuert worden.

Das Frühstück ist fertig, frische Hausmacherwurst, süßsaure Gurken und eine Flasche Bier. Der Sohn streckt die Füße unter den Tisch, und nun kann ihn nichts mehr anfechten. In den Töpfen auf dem Herd kocht und schmort es, der Vater geht zufrieden auf und ab, und durch die offene Tür kommen die Fragen der Mutter.Du hast ja noch gar nicht ge­fragt, was es heute gibt?" fragt sie. Was konnte es anderes geben als das Lieblingsgericht? Hammel­braten und rohe Kartoffelklöße, genannt Thüringer Alöße

Jetzt steht die Zeit still. Des Sohnes Leben steht still, denn er hat das seine für einen Tag verlassen und lebt wieder ein früheres, das des Sohnes im

Elternhaus. . -. s

Nach dem Frühstück geht er m em Zimmer das immer nochfein" Zimmer ist. Hier hat er gefeffen, als das Leben für ihn noch aus Ungewißheit be­stand, aus Angst, Hoffnungen und unvorstellbaren Erwartungen. Hier haben ihn die Freunde besucht, und hier haben ibn auch die wenigen Freundinnen besucht. Sein Tisch, sein Schrank, sein Sofa sein Ofen und sein Bett, zwei Fenster und eine Gas­lampe. Und seine Jahre, seine Jugend sind ihm hier widerfahren, unvergleichlich, unverwechselbar, seine Einsamkeit und auch seine tröstlicheren und erfütlteren Stunden. Sein Leben. Und für diese Stätte gibt es nur ein einziges Gefühl, das sie er­trägt: die Demut vor dem Leben.

Der Tisch wird nebenan gedeckt, die dampfenden Klöße kommen darauf, der würzige Braten. Hast du deine Frau zuhause gelaßen? fragt der Vater^ Sie ist zum Geburtstag ihrer Großmutter nach München gefahren", antwortet der Sohn. Und er­denkt daran, daß seine Frau keine Eltern mehr hat, nur ihre Gräber. .

Selbst wenn der Sohn sich eine Meisterkochm halten könnte, würde es ihm nicht so gut schmecken wie hier. Er schmeckt vielleicht weniger die Gute der Zubereitung, die ein fremder Gaumen anders be­

ste Landstraße in der Nähe des Mains ist lang und hat für ihn ein uraltes Gesicht, verwittert, un­verrückbar, denn er ist sie viele Jahre seines Ledens gegangen, Kindheit und Jugend, Winter und Som­mer, am Tag und in der Nacht. Diese Landstraße mit den windschiefen, kleinblättrigen Birnbäumen führt für ihn nicht nur zum Elternhaus, sie fuhrt viel weiter, sie führt in die Fernen widei-fahrenen Lebens, das vergangen, unwiederbringlich bleibt. Diese Landstraße ist unablösbar von jenem unaus­sprechlich geheimen und tiefen Bezirk, der sich dem Sohn zur Heimat verwob.

Es ist schön, nach Hause zu gehen. Da ist die erste Eisenbahnbrücke, bald wird er an der zweiten sein, und jetzt sieht er schon am Ende der Schreber­gärten, in denen Eisenbahnwagen mit rauchenden Schloten stehen, das unansehnliche, fahlgelbe Back- steinhaus. Er geht guer übers Gras so leicht geht man nur zu diesem einen, einzigen Haus. Mag der Gang zum Haus der Geliebten erregender sem er- wartungsschwerer, so leicht, so friedvoll, so ruhig und froh geht man zu keiner anderen Tur.

Und diese Tür fliegt nun plötzlich auf, denn nun ist der Sohn gef^en worden, und die Mutter eilt auf ihn zu, sie hat ein Kopftuch umgebunden sie hat Pantoffeln an, die Kuchenschurze, aber sie strahlt und ist fast übermütig. Und der Sohn druckt ihre Hand und kann nur sagen, daß sie sich nicht er­kälten soll, denn das Gras ist noch naß vorn Regen.

Ja das ist die alte, die einzige Küche sie ist weder schön noch häßlich, weder klein noch groß es ist eben die Küche, in der die Heimat beginnt.

Am 19. Mai 1937 jährt sich zum 175. Male i)cr Geburtstag Johann Gottlieb Fichtes. Sein Name hat einen hehren, fast heiligen Klang. Seine be­rühmtenReden an die deutsche Nation" sind zwar von den wenigsten der heute lebenden Deutschen gelesen und gekannt; aber sie leben im dankbaren Bewußtsein des Volkes fort im Sinne einer einstmals entscheidenden und fortwirkenden nationalen Tat und gehören so gleichsam zum un­veräußerlichen Grundstock unseres nationalpolitischen Erbes. Und doch ist der Name Fichtes um mit Heinrich von Treitschke zu sprechen aeprie- fen worden und geschmäht, ist aufgetaucht und wie­der verschwunden. Seine Arbeiten wurden gelesen und vergessen, wiederentdeckt und aufs neue begra­ben. Zwar gewann der Philosoph Fichte einen bestimmten Platz im wissenschaftlichen Weltbild des 19. Jahrhunderts; aber der N a t i o n a l p o l i t i - ker blieb eine zwar anerkannte, doch wenig greif­bare, ja fast legendäre Erscheinung. Im Weltkrieg freilich fand die gewaltige Stimme, die aus den Reden an die deutsche Nation erklang, in manchen Soldatenherzen ein lebendiges Echo, und der schmale Band, der jene leidenschaftliche Aufrufe enchielt, gehörte zum Inventar manches deutschen Unterstan­des. Auch heute fühlen wir, so sehr wir Abstand und Andersartigkeit empfinden, doch zugleich eine wakme Zugehörigkeit und die Verpflichtung, Jo­hann Gottlieb Fichtes als eines nationalpolitischen Vorkämpfers der Deutschen zu gedenken.

Er wurde 1762 in Rammenau in der Oberlausitz

schien erst der Tat der Befreiung die höhere gott- liche Weihe zu geben. Fichte selbst rechnete freilich mit einer langen Zeit der Knechtschaft, wie ja über­haupt der reale Körper seines nationalen Ziels sich vergeistigt, sobald man ihn greifen will. In der Rolle, die er unserem Volke zuweist, Fackelträger der Menschheit zu sein, war etwas von jener glück­lichen Eigenschaft, die wir beim Engländer kennen, der sein Volk für das auserwählte Volk Gottes hält, oder beim Franzosen, der seine nationalen Ideen den Menschheitsideen gleichsetzt. Freilich fehlte bei Fichte die realpolitische Verhaftung, die für England und Frankreich wesentlich ist. Dennoch ist seine nationale Bedeutung mit den Freiheitskriegen nicht erschöpft. Denn er 'erörterte im Zuge seines Denkens als einer der ersten auch den Plan, den König von Preußen als einenZwinaherrn zur Deutschheit" an die Spitze des gesamten Vaterlandes zu stellen. Er erblickte seherisch in der norddeutschen Welt den Kern unserer künftigen Nation. Er wurde der erste Verkünder jener nationalen Ideen und Kräfte, aus denen das deutsche Schicksal des 19. Jahrhunderts hervorgestiegen ist.

So steht Fichte uns Heutigen fern und nah zu- gleich. Fern, weil wir seine Grundgedanken und seine letzten Ziele nicht mehr als die unfrigen an­erkennen. Nahe, weil vieles bei ihm neuzeitig an­mutet, so etwa, wenn er erklärt, daß Volk und Vaterland den Träger und das Unterpfand der ir­dischen Ewigkeit darstelle und dasjenige sei, was hinieden ewig sein könne. Nah steht er uns aber vor allem durch die bis zum letzten wahrhaftige Glut seiner nationalen Leidenschaft und durch die heldische Haltung seiner Seele. In diesem Sinn ist der Sohn des obersächsischen Bandwebers empor­gestiegen aus dem Schoß des deutschen Volkes in den heiligen Tempel ferner Heroen.

Kopenhagen nach Berlin zurück, gerade, als preußische Regierung sich entschloß, dort jene neue, für die deutsche Zukunft so hoch bedeutsame Uni­versität zu errichten. Fichtes Denkschrift zu dieser Neugründung wurde zwar von Humboldt und S ch l e i e r m a ch e r als unpraktisch abgelehnt; da­für eröffnete sich aber für ihn nun die Möglichkeit, im Winter 1807/08 in jenen Vorträgen vor die Oeffentlichkeit zu treten, die als die Reden an die deutsche Nation berühmt und ewig denkwürdig ge­worden sind. Sie wurden abgehalten,oft unter­brochen von den Trommeln der französischen Be­satzung und belauscht von fremden Horchern" unter den mißtrauischen Augen der französischen Gewalt­herrschaft, die freilich ihre Bedeutung nicht erkannte. Sie waren von höchstem Einfluß und wurden in den Seelen der Hörer und durch diese im Bewußt­sein des Volkes gleichsam zum geistig-sittlichen Un­tergrund der späteren preußischen Erhebung. Seit 1810 wirkte Fichte als Professor an der neubegrün­deten Hochschule Als im Jahre 1813 die Stunde der Befreiung schlug, brach er im Februar die Vor­lesungen ab gab dadurch den Studenren das er­wartete Signal zu den Waffen und bot sich selber an, das Hauptquartier als religiöser Redner zu be­gleiten. Doch sein Gesuch wurde abschlägig beschie- den, und so nahm er seine Berliner Vorlesungen vor einem kleinen Kreis zurückgebliebener Hörer wieder auf. Da wurde er von einer tödlichen Krankheit er­saßt, wohl von der eigenen Gattin angesteckt, die nach monatelanger aufopfernder Pflege in den La-

Gchwammfischer in der Adria.

An der dalmatinischen Küste liegt, durch einen Kanal von 300 Meter Breite vom Festland ge­trennt, die kleine Insel Krapani, deren Bevölkerung ausschließlich von dem lebt, was ihr das Meer bietet. Alle Männer sind Fischer, und alle betreiben die Schwammfischerei. Schon mit zehn Jahren ler­nen die Jungen das Tauchen, und so weit sie nicht als Matrosen zur See gehen, bleiben sie ihr ganzes Leben in diesem Beruf. Die Schwammfischerei wird ähnlich primitiv betrieben wie die Perlenfischerei der Eingeborenen in der Südsee. Die Ernte beginnt schon Anfang März, wenn das Wetter etwas wär­mer wird. Vom Kahn fpringen die Taucher nackt ins Wasser, reißen oder schneiden die Schwämme aus und bringen sie in das Boot zurück. Obwohl die Ausbeute bei diesem Verfahren natürlich gering ist, können die Fischer sich im allgemeinen keinen Taucheranzug anschaffen. Nur ein einziger hat, wie die LeipzigerJllustrirte Zeitung" berichtet, die Mittel dazu aufbringen können, und feine Taucher­ausrüstung macht sich sehr gut bezahlt. Während die Fischer sonst nur geringe Tiefen erreichen ton­nen, kann er zu den größeren hinabsteigen, und er erzielt so etwa den zehnfachen Ertrag an Schwäm­men. An Land werden die Schwämme in einer Wasserlache mit den Füßen gestampft, damit alle Lebewesen und Verunreinigungen daraus entfernt werden, und zum Schluß an der Sonne getrocknet. Sie werden wegen ihrer Zarcheit sehr geschätzt.

Zeitschriften.

Im Mai-Heft der ZeitschriftVolk und Rasse" (I. F. Lehmanns Verlag, München 2 SW) zeigt der Leiter des Rassenpolitischen Amtes, Dr. W? Groß, wie heute das Blutbewußtsein in allen Schichten unseres Volkes geweckt roiri). H. Pohl beschreibt in einem BeitragVom Adel der Ar­beit" den Anteil der Deutschen Arbeitsfront an der Wiedererweckung ständischen Ehrgefühls beim Ar­beiter. I. Römer spricht von derErziehung des Arbeiters zum Stand in biologischer Bedeutung" und verlangt Förderung der wertvollen Erbstämme unter den Handarbeitern. Sehr aufschlußreich find die Ausführungen des BeitragesArbeiterschaft und Wehrtüchtigkeit" von Reg. Rat H. Mafuhr, nach denen der Fabrikarbeiter sowohl hinsichtlich seiner Wehrtüchtigkeit wie auch seiner Wehrtauglich­keit einen hohen Rang einnimmt. In welch weit­schauender Weise dieBerufs- und Lebensauslese des deutschen Arbeiters" durch die zuständigen Stel­len (Berufsberatungsämter, Lehrstellenvermittlung u. ä.) erfolgt, geht aus einer Darstellung Dr. I.

Handricks hervor.

In diese Zeit fiel die Veröffentlichung mehrerer Schriften, von denen einige, die etwa die vom ge­schlossenen Handelsstaat, über die rein denkerische Linie hinaus zur praktischen Politik vorzudringen schienen. Im Sommer 1805 wurde Fichte mit dem Auftrage betraut, in der damals preußischen Uni­versität Erlangen Vorlesungen zu halten. Das Schick­salsjahr 1806 wurde auch für ihn entscheidend. Von dem Zusammenbruch des preußischen Staates bei und nach Jena aufs tiefste getroffen, begab sich Fichte aus dem Bereich der französischen Zwing­herrschaft nach Königsberg und kehrte 1807 über