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mark- und Fünf-Reichsmarkstücke außer Kurs gesetzt hat. Ab 1. April 1937 gelten sie nicht mehr als ge­setzliches Zahlungsmittel. Zn den folgenden drei Monaten, und zwar bis zum 30. Juni 1937 ein­schließlich, werden diese Münzen von den Reichs­und Landeskassen noch in Zahlung genommen und gegen andere Zahlungsmittel umgetauscht. Ab 1. Juli 1937 hört die Einlösungspflicht auf. Die Münzen haben dann nur noch ihren Metallwert.

Die Außerkurssetzung umfaßt alle Eine-Mark- und Eine-Reichsmarkstücke aus Silber und die großen Fünf-Reichsmarkstücke. Die zur Erinnerung an be­sondere Begebenheiten geprägten Fünf-Reichsmark- stücke sind von der Außerkurssetzung nicht aus­genommen. In Kurs bleiben demnach von den Eine- Reichsmarkstücken nur die aus Nickel geprägten Münzen und als Fünf-Reichsmarkstücke nur die kleinen Fünf-Reichsmarkstücke.

Es liegt im Interesse jedes Volksgenossen, die in Rede stehenden Münzen so schnell als möglich in Zahlung zu geben, damit sie in den Besitz der mit der Einziehung beauftragten Reichsbank gelangen.

Gießener Dochenmarktpreise.

* G i e ß e n , 18. März. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: D. f. Molkereibutter, M kg 1,57 Mk., f. Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,42 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 14, Klasse A 13, Klasse B 12, Klasse C HM, Klasse D 10M, un­gezeichnete 10, Wirsing, M kg (gelb) 12, (grün) 16 bis 20, Weißkraut 10, Rotkraut 10 bis 12, gelbe Rüben 8 bis 12, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 25 bis 30, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 12 bis 15, Rosenkohl 25 bis 30, Feldsalat, 50 g 10 bis 12 Pf., 1,2 kg 1 bis 1,50 Mk., Tomaten 70 bis 75 Pf., Zwiebeln 10 bis 14, Meerrettich 30 bis 70, Schwarzwurzeln

25 bis 35, Kartoffeln, M kg 5 Pf., 5 kg 44 Pf., 50 kg 3,65 bis 3,80 Mk., Aepfel, % kg 15 bis 45 Pf., Birnenl5 bis 30, Zwetschenhonig 50 Pf., Hähne 1 bis 1,10 Mk., Suppenhühner 80 Pf. bis 1 Mk., Tauben, das Stück 50 bis 60 Pf., Blumenkohl, 30 bis 45, Salat 20 bis 30, Endivien 10 bis 25, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 30, Rettich 5 bis 15, Ra­dieschen, das Bündel 15 bis 20 Pf.

** Tod an d e r Hochspannungslei» t u n g. Am gestrigen Mittwochmittag fand man in der Nähe des Tonwerkes Abendstern bei einem Leitungsmast der Hochspannungsleitung einen Mann tot auf. Es handelt sich um einen 32 Jahre alten Einwohner von Heuchelheim, der bereits seit etwa zehn Tagen vermißt wird. Nach dem Befund ist der Mann an dem Mast zum Hochspannungs­draht emporgestiegen und hatte durch Berührung des Drahtes den Freitod durch Starkstromwirkung gesucht und gefunden. Da die Leiche beim Absturz in eine tiefe Ackerfurche fiel, blieb sie einige Tage lang unbemerkt liegen, bis am gestrigen Mittag vorübergehende Leute aufmerksam wurden.

** Arbeitsunfall. Bei Erdarbeiten, die ge­genwärtig am Philosophenwald durchgeführt wer­den, ereignete sich ein Unfall. Der Arbeiter Otto A l b a ch von Ruttershausen geriet unter eine rutschende Erdmasse und erlitt dabei einen Unter­schenkelbruch. Der Verunglückte wurde durch die Sanitätskolonne vom Deutschen Roten Kreuz in die Chirurgische Klinik gebracht.

** Ortsoerband f ü r Deutsche Jugend­herbergen. Alle Ausweise und Jahresmarken sind im Städtischen Jugendamt und im Reise- und Verkehrsbüro (Selterstor) zu erhalten. Auf die Hauptversammlung am Freitag in der Oberreal­schule sei hingewiesen. (Siehe heutige Anzeige.)

Das Lugendherbergsnetz unseres Gaues wird ausgebaut.

NSG. In wenigen Wochen beginnt die neue Wanderzeit und mit ihr kommt wieder Leben in die Jugendherbergen. Seit der Machtergreifung, bei der die Leitung des Jugendherbergsoerbandes von der Hitler-Jugend übernommen wurde, ist eine außerordentliche Steigerung der Uebernachtungs- zahlen festzustellen. Von 4,3 Millionen im Jahr 1932 stieg die Zahl der Uebernachtungen auf 6,5 Millionen im Jahr 1936.

Die Steigerung der Besucherzahlen unserer Ju­gendherbergen verlangt selbstverständlich einen immer breiteren Ausbau des Jugendherbergsnetzes. In jedem Jahr treten neue Herbergen hinzu, ohne daß den immer steigenden Erfordernissen genügt werden konnte. Im Landesverband Rhein-Main wurde im letzten Jahr eine ganze Reihe neuer Jugendherbergen eingerichtet und andere wurden in ihrem Ausbau vollendet.

Im Dammbachtal bei Wiesbaden wurde am Fuße des Neroberges eine mustergültige Jugend­herberge mit 400 Betten errichtet. Vier Tagesräume, neuzeitliche Wasch- und Brauseanlagen, ein großer Spielplatz und der anschließende Wald machen diese Jugendherberge zum Daueraufenthalt und für Schu­lungslehrgänge besonders geeignet. In Neckar­steinach konnte eines der schönsten Fachwerk­häuser in eine Jugendherberge mit 70 Betten ver­wandelt werden, die vor allem von den Wasser­wanderern mit Freuden begrüßt wurde. Auch in Oppenheim wurde in der Nähe des Rheines ein Haus erworben und vorläufig mit 70 Betten ausgestattet, so daß auch hier in landschaftlich schö­ner Lage ein neuer Stützpunkt für Wasserwanderer geschaffen wurde. An dem wichtigsten Wanderweg, dem Rheintal, wurde das Jugendherbergsnetz durch

die Errichtung einer neuen 30bettigen Jugendher- berge in Kempten geschloffen.

Im schönen Schlitzerland entstand in Schlitz eine Herberge mit 200 Betten und mehreren Tages­räumen, die seit ihrer (Eröffnung einen außerordent­lichen starken Besuch aufzuweisen hatte. Als Aus­gangspunkt für das Lahn- und Edertal erhielt Biedenkopf eine neue Jugendherberge. Die Jugendherberge in Rüdesheim wurde um zwei Tagesräume vergrößert, die wegen der zahlreichen hier stattfindenden Lehrgänge notwendig wurden. Auch die Neuemühle bei Mainz erhielt ein neues Gewand und wurde mit neuem Gerät versehen. Mit diesen neuen Jugendherbergen wurde im vori­gen Jahr das Herbergsnetz, das ganz Deutschland überzieht, weiter ausgebaut; aber auch für das beginnende Jahr sind bereits neue Pläne vorhanden.

Bis zum Beginn der Wanderzeit wird im alten Kloster zu Schlüchtern eine Jugendherberge mit 70 Betten betriebsfertig fein. Die Peste Otz­berg im Odenwald soll von der kleinen Jugend­herberge, die in ihr bereits besteht, zu einer I u - gendburg ausgebaut werden. Auch in Bad Soden soll eine Jugendherberge, die gerade hier beim Wintersport fehlt, geschaffen werden. Die Her­berge in Schloßborn im Taunus fall eine Er­weiterung erfahren. In Bad Ems oder Nassau soll ein Neubau errichtet werden, um den Wan­derern im Lahntal eine moderne Jugendherberge zu schaffen. Auch das alte Projekt in Worms am Rhein ist wieder aufgegriffen worden, denn für die dort zu errichtende 'Nibelungenherberge wird zur Zeit das Vorprojekt ausgearbeitet.

Oberheffen.

Derdunkelungsübung im Kreise Schotten.

* Schotten, 17. März. Entgegen allen anders lautenden Mitteilungen teilt das Är eis amt Schotten mit, daß die Verdunkelungsübung am Montag, 22 März, mit einbrechender Dunkelheit beginnt. Von hier ab bis 20 Uhr herrscht einge­schränkte Beleuchtung. Um 20 Uhr setzt die volle Verdunkelung ein, die in den einzelnen Gemeinden durch Signale bekanntgegeben wird. Mit dem Be­ginn der vollen Verdunkelung sind alle öffentlichen und außerhalb von Räumen vorhandenen Licht­quellen zu löschen.

Landkreis Gießen.

* Wieseck , 18. März. In der gestrigen 23er» öffentlichung über die Religionsgemeindesteuersätze in unserer Gemeinde ist eine Zahl irrtümlich falsch wiedergegeben worden. Im Rechnungsjahr 1937 sol­len 4,5 Pfennige (nicht 5,5 Pfennige) auf je 100 Mark Steuerwerk des unbebauten Grundbesitzes erhoben werden.

nsf. Wieseck, 17. März. Einen sehr anregenden Vortragsabend veranstaltete die hiesige Frauen- schäft. Frau Dr. N e u m a n n aus Gießen sprach über Erziehungsfragen. Es ist für jede Mutter wertvoll und wichtig, Bescheid zu wissen über die den Anlagen entsprechende Erziehung ihrer Kinder. Frau Dr. Neumann wußte die Teilnahme der Höre­rinnen zu wecken. Sie betonte, daß in unserer Zeit besonders die Tatkraft, Einsatzbereitschaft, Wahr­heitsliebe und der Opfermut gestärkt werden müß­ten, Eigenschaften, die rassebedingt dem deutschen Kind angeboren sind. Schlechte Anlagen und Eigen­schaften sind mit festem Willen und mit Geduld zu unterdrücken und zu bekämpfen.

u. Klein-Linden, 16. März. Die B D M. - Gruppe veranstaltete am Sonntag im Hitler- Heim eine W e r k a u s st e l l u n g, die aus allen Kreisen gut besucht war. Es waren alle Arten von Arbeiten ausgestellt, die die Mädel in ihren Heim­abenden angefertigt hatten. Man sah Handarbeiten, von den einfachsten bis zu den feinsten, ferner Klei­dungsstücke, Gebrauchsgegenstände, feine Leder­arbeiten und vieles andere mehr. Die ausgestellten Gegenstände gaben einen Einblick in die Arbeit des BDM. und wurden von den Besuchern sehr be­wundert. Auch der Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger, der unserm Hitler-Heim am Sonn- tagmittag einen kurzen Besuch abgestattet hatte, sprach der Leiterin, Mädelscharführerin Erna Mäh­ler, seine Anerkennung über die schönen Arbeiten aus.

00 Klein-Linden, 17. März. Unter dem Vorsitz von Pfarrer König hielten die Vorstände der Kranken st ation und der Kleinkinder­schule ihre diesjährige Hauptversammlung ab. Den Rechnungsbericht der Krankenstativn erläuterte der Rechner der Station, Kaufmann Wilh. Jung VIII. Die Einnahmen betrugen 1898,70 Mark, die Aus­gaben 1718,92 Mark, so daß ein Ueberschuß von 179,78 Mark verblieb. Die Zahl der Mitglieder der Krankenstation beläuft sich auf 355. Die Rech­nungsprüfung wurde den Vorstandsmitgliedern, Alt­bürgermeister Jung und Karl Rinn, übertragen. Die Rechnung der Kleinkinderschule zeigt in Ein­nahme 2196,50 Mark, in Ausgabe 2106,65 Mark. Mithin verbleibt ein Ueberschuß von 89,85 Mark. Die Zahl der Mitglieder dieser Station beläuft sich auf 109. Von einigen örtlichen Vereinen wurden der Kinderschule Geldbeträge überwiesen Da auch von privater Seite die Kasse stark unterstützt wurde, so ist sie heute besser gestellt, als in den verflosse­nen Jahren. Die Rechnung war von den Vor­standsmitgliedern Johannes Germer und Kaspar

Lenz bereits für richtig befunden worden. Pfar­rer König sprach den beiden ehrenamtlichen Rech­nern den Dank für ihre Mühewaltung aus. Es wurde noch beschlossen, sämtliche Kinder, die die Kinderschule besuchen, gegen Unfall zu versichern. Die Kosten dafür übernimmt die Kasse der Sta­tion. Ferner wurde der geplanten Anschaffung von Spielsachen für die Kinderschule zugestimmt. Auch

Plötzlich kommt ein DackelSie wissen schon: Zwei Hunde lang undn halben hoch und schnuppert immer so an mir und meinem vollen Rucksack. Na, denke ich, das Hündchen gehört doch wem? Und richtig . . . (Näheres erfahren Sie demnächst im Gießener Anzeiger!)

für die Krankenstation sollen einige Geräte ange­schafft werden. Die Anschaffung eines Elektrisier­apparates für diese Station wurde für die nächste Sitzung zurückgestellt.

00 Klein-Linden, 17. März. Die technische Lehrerin unserer Volks- und Mädchenbe­rufsschule hatte für Sonntag zu einer Hand- arbeitsausstellung in die neue Schule ein­geladen. Auf langen Bänken waren, nach Schul­jahren geordnet, die für die einzelnen Jahrgänge vorgeschriebenen Arbeiten der Kinder ausgestellt. Von den einfachsten bis zu den schwierigsten gaben die Arbeiten Zeugnis, daß für das Leben, für den Haushalt und für den Beruf gearbeitet worden ist.

Das Mädchen mit dem Gilberhaar.

Roman von Anny von panhuys.

31. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Berthold Radix antwortete:Ihr Wunsch trägt den Verhältnissen Rechnung und wird Ihnen ge­währt."

Der Graf neigte den Kopf.

Herr Decourt ist tüchtig und weiß im Geschäft Bescheid und versteht zu repräsentieren. Er ist gut eingearbeitet und ich empfehle ihn sehr als meinen Nachfolger."

Ich danke Ihnen; ich werde mich morgen mit Herrn Decourt in Verbindung setzen", antwortete Berthold Radix kurz und kühl.

Der Graf strich sich über die Stirn.

Noch etwas möchte ich erwähnen, was Sie auch interessieren dürste, fast hätte ich es vergessen. Aber es gewinnt erst besondere Wichtigkeit, seit ich heute nachmittag hörte, daß die gnädige Frau das Diadem verloren hat. Es muß nämlich einen Finder geben. Ein mir bekannter Juwelier, der die Steine des Diadems vor früher her gut kennt, machte mich auf etwas aufmerksam."

Er erzählte in kurzen Worten seine Unterhaltung mit Mortier und schlug dann vor:Es wäre viel­leicht ratsam, wenn sich die gnädige Frau morgen gegen elf Uhr vormittags auch bei dem Juwelier einsände. Da das Diadem doch auf dem Masken­ball verlorengegangen ist und dort gefunden wor­den sein muß, liegt der Gedanke nahe, daß jemand aus Ihrer Stadt hier und in London die wert­vollen Juwelen geschickt in bare Münze umwandelt. Sie sollten sich den betreffenden Herrn wirklich ansehen, gnädige Frau. Vielleicht kennen Sie ihn."

Berthold Radix nickte:Der Vorschlag wäre zu überlegen! Ich werde Ihnen morgen früh telepho­nisch Bescheid geben und bitte Sie, im Büro darauf zu warten. Um zehn Uhr werden Sie den Entschluß meiner Frau wissen."

Er verbeugte sich kurz, während Franziska den Grafen nur flüchtig ansah. Sie brachte keinen Gutenachtgruß über die Lippen. Zu weh und trau­rig war ihr zumute, und es wurde ihr klar, daß der alte Herr, der Vater ihres Vaters, allein, ganz allein die Schuld am Unglück ihrer Eltern trug. Sie sehnte sich nach den Hotelzimmern wie nach "einem stillen Hafen. Nur mit Mühe konnte sie gegen das Weinen anfämpfen.

Kaum war man daheim angekommen, brachen die Tränen hervor und überströmten Franziskas Gesicht.

Perthold Radix nahm sie sanft in seine Arme.

Fränze, meine einziggeliebte Fränze, meine dich nur ordentlich aus! Es wird dir leichter werden. Du tust mir ja so leid."

Ich selbst bebaure mich nicht, Berthel. Aber meine armen Eltern tun mir leid, weil sie ein hoch­mütiger Mann um ihr Glück gebracht. Wie hätte

alles so ganz anders für sie werden können, wenn meine arme Mutter dem Grafen Rethel für seinen Sohn nicht zu gering gewesen wäre, wenn er für ihn nicht nach einer reichen Frau gestrebt hätte. O, du, ich wünschte, Großmutter hätte das alles noch erlebt! Aber Mutter hätte das alles auch nicht ver­schweigen dürfen."

Berthold erwiderte nachdenklich:Nach deiner Geburt würde sie sicher gesprochen haben, aber da war es zu spät, und der Tod legte ihr ewiges Schweigen auf." Er strich ihr zärtlich über das Haar. Wollen froh fein, daß Graf Rethel doch noch, wenn auch spät, Gewissensbisse empfunden hat." Franziska nickte.Ja, das war gut."

Er fiel ihr ins Wort:Und unsere Heiratspapiere sollen geändert werden, schon deiner Mutter wegen."

Sie schmiegte sich schluchzend an ihn.

Ob der Graf ein Pild meines Vaters besitzt?

Ich möchte ihn so gerne sehen!"

Ich werde ihn fragen, und wenn er ein Bild von ihm hat, wird er es dir sicher zeigen. Er ist ganz niedergeschlagen, und ich bin sicher, daß er dir jeden Wunsch erfüllen würde."

Sie sagte weinend:Er ist der einzige Mensch auf Erden, der mir verwandtschaftlich nahesteht, und doch muß er für mich der Fremdeste aller Fremden bleiben."

Er nickte:Ja, Fränze, das. ist wohl so. Dein Großvater lebt und muß doch für dich tot fein. Zwischen euch beiden steht das Unglück deiner Eltern. Er küßte ihr die Tränen von den Wimpern, bat leise:Gehe zur Ruhe, Liebling, und schlafe gut. Morgen sieht alles nicht mehr so düster aus."

Sie drückte ihre Wange gegen fein Gesicht.

Du lieber, Guter! Ich kann mir das Leben ohne dich gar nicht mehr vorstellen."

Er lächelte sie an und dachte, daß er noch immer geduldig sein müsse. Einst würde ja der Tag kom­men, an dem sie ihm sagen würde: Ich liebe dich!

Am nächsten Vormittag telephonierte Berthold Radix, wie verabredet, den Grafen im Büro an und erklärte ihm:Meine Frau hat sich entschlossen, zu dem Juwelier zu gehen. Wir kommen jetzt zu Ihnen und können uns dann sofort an Ort und Stelle begeben."

24.

Günther Grevenstein hatte gan$ besonderes Ver­trauen zu dem Juwelier Marter in der Rue Royal, weil er so eigenartig und geschmackvoll gefaßte Schmuckstücke zur Schau stellte.

Er war gestern abend mit Mabel im Theater gewesen und hatte von ihr gehört, daß sie nächste Woche ihren Geburtstag feiere. Da war er auf die Idee gekommen, dem Juwelier, bei dem er heute vormittag einen Ring und eine Schmucknadel ab­zuholen hatte Stücke, die er später wieder mit anderen neugefaßten Steinen in London verkaufen wollte eine weitere Arbeit anzuvertrauen.

Er wallte für Mabel einen Armreif anfertigen lassen mit Perlen aus dem Diadem besetzt. Er hatte schon eine kleine Zeichnung entworfen.

Heute früh hatte er die Perlen aus dem Diadem genommen und dabei ein bißchen selbständig und spöttisch lächeln müssen. Er besaß längst ein paar

kleine Spezialwerkzeuge und verstand damit um­zugehen wie ein Goldschmied oder ein Dieb. Anfangs war es gar nicht so leicht gewesen, die sehr solid gefaßten Steine aus ihrer Metallumklam­merung zu brechen, aber jetzt hatte er Hebung darin.

Er war heute in bester Laune. Mabel hatte merk­würdigerweise selbst den Wunsch ausgesprochen, das Hotel Continental zu verlassen und bis zur Hochzeit in eine kleine möblierte Etage zu über­siedeln, die ihr eine Bekannte empfohlen. Schon morgen sollte das geschehen. Dadurch war er der Peinlichkeit enthoben, der blonden Frau oder Tilli Bergschlag zu begegnen. Jene reijie ja sowieso in Kürze ab und konnte bann auch nicht mehr ins Palais Rethel kommen. Also würden seine Wege bald wieder frei und schattenlos fein.

Grevenstein sah heute die Welt wieder mit sorg­losen Augen an.

Er betrat den Verkaufsraum von Mortier.

Eine junge Verkäuferin sagte sehr höflich zu Günther:Es handelt sich um die Abholung eines Ringes und einer Krawattennadel, nicht wahr?"

Gunther nickte, und sie erklärte verbindlich:Der Chef wünscht den Herrn selbst zu bedienen. Ich werde ihn herbitten."

Günther setzte sich und holte inzwischen das Päck­chen mit den Perlen aus seiner Prusttasche.

In dem bequemen Büro des Juweliers warteten außer Mortier selbst der Graf, Berthold Radix und dessen Frau. Das Fräulein zog die Tür hinter sich zu und meldete:Der Herr ist eben gekommen."

Mortier erhob sich.Es ist gut, Justine. Ich komme sofort."

Nachdem die Angestellte verschwunden war, sagte er leise zu den drei anderen:Also, Sie wissen Pe­scheid, meine Herrschaften. Sehen Sie sich den Herrn von der anderen Seite durch das Fensterchen nur recht genau an. Wünschen Sie feine Fest­nahme, brauchen Sie nur auf diesen Knopf zu drücken." Er wies auf einen weißen Knopf an der Wand.Da wird dann ein leises Geräusch aus­gelöst, das verschiedene Ursachen haben kann, bas aber bestimmt niemandem oerbächtigt erscheint."

Mit Spannung blieben bie brei zurück, sahen sich gegenseitig wie fragenb an, bis bann auf eine Hanbbewegung von Bertholb Rabix ber Graf zuerst aufstand unb an bas kleine Fenster trat, bas ein gutes Blickfelb bot.

Er sah ben Rücken des Juweliers unb einen Männerkopf mit bunflem Haar. Er wartete ein wenig. Der Juwelier trat, wohl absichtlich; etwas zur Seite, unb ba ber vor bem Labentisch sitzende Herr eben sein Gesicht hob, konnte er ihn deutlich sehen.

Im nächsten Augenblick taumelte er zurück. Die ihm so töricht scheinende Ahnung, die ihn flüchtig gestreift, als ihm ber Juwelier bas Aeußere feines Kunben beschrieben, bewahrheitete sich. Es war Günther Grevenstein, ben er braußen sah! Er war es, ber Juwelen bes Diabems fassen ließ unb an­scheinend wieder verkaufte.

Wie aber kam er ausgerechnet in den Besitz der Steine? Der Graf riß sich zusammen. Grevenstein mußte die Steine gekauft haben.

Er nahm wieder auf feinem Stuhl Platz, dachte, daß Grevenstein mit dem Finder bes Diadems sicher nichts zu tun hatte, unb baß Franziska Rabix ihn nicht kennen konnte.

Das heißt, sie hatte ja bei ihm Grevensteins Bild gesehen, und es bestand bie Möglichkeit, daß sie ihn hier miebererEennen würbe.

Der Graf lächelte krampfhaft:Bitte, gnäbige Frau, werfen Sie nun auch einen Blick in den Ver­kaufsraum."

Franziska trat an das winzige Fensterchen und unterdrückte nur mit großer Mühe den Schrei, ber sich ihr entringen wollte, denn sie erkannte sofort Günther Grevenstein. Sie wußte nun, baß er bas Diadem, nachdem sie fortgegangen, auf ber Galerie gefunben haben mußte und es behalten hatte. Wahrscheinlich verhalf es ihm zu bem glänzenden Leben, bas er jetzt führte.

Schuft! bachte sie verächtlich, unb irgenb etwas, bas sich in ihrem Herzen bisher nicht hatte nieder­zwingen lassen, trotz aller Mühe, bie sie sich ge­geben, starb jäh. Bitternis und Scham erfüllten sie.

Sie trat zurück, winkte ihrem Mann. Totenbleich war sie, so daß sie nicht nur Berthold Radix, son­dern auch der Graf ängstlich ansah.

Berthold drückte Franziska auf ihren Stuhl zu­rück und war mit einem Sprung an dem Fenster, um sich zu überzeugen, wer Franziska so sehr er­schreckt haben konnte.

Er hatte ja auch bie Photographie bes zukünftigen Grafen im Palais de Rethel gesehen, ebenso bie bes Geigers in ber Frankfurter Weinstube; er kannte also besten Züge mit unb ahne Bart unb wußte sofort, baß ber Mensch, ber Franziskas Herz gewonnen, ohne sich bann weiter um sie zu küm­mern, bas wertvolle Diadem gefunden unb sich an­geeignet hatte, wie ein gewöhnlicher Dieb.

Ehe Franziska aber ber Graf ihn zu hindern vermochten, hatte er schon auf ben weißen Knopf gebrückt, unb ein Geräusch würbe laut, das ähn­lich klang, als zöge man eine Uhr auf.

Günther Grevenstein lauschte wohl flüchtig, aber er legte bem Geräusch keine Bebeutung bei. Er fuhr ruhig in seinem Satz fort, erklärte mit Hilfe der kleinen, flüchtig entworfenen Zeichnung, wie er sich das Armband mit den Perlen dachte.

Es fiel ihm auch nicht auf, daß der Verkäufer, der bisher an einem der breiten Schaufenster ge­standen, sich vor der Eingangstür postierte und feine Rechte in die Tasche steckte.

Der Juwelier sagte verbindlich lächelnd:Wir wollen uns mit der Zeichnung in mein Büro be­geben. Ich kann Ihnen dort ein paar Armbänder Dorlegen, die nach neuesten Entwürfen gearbeitet wurden."

Günther Grevenstein sah den Juwelier forschend an. Er besaß ben feinen Sinn jener Menschen, bie eine Gefahr wittern, wie ein Wilb ben Jäger; er kannte bas eigentümlich warnende Gefühl, das bie großen Hochstapler manchmal im letzten Moment noch rettet.

Er erwiderte lässig:Ich werde morgen wieder­kommen, heute habe ich keine Zeit mehr; bie Perlen lasse ich da. Den Ring und die Nadel bezahle ich ja bereits." (Fortsetzung folgt)