Nr.65 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Donnerstag, 18. März (957
Oberheffen im Sommersahrplan der Reichsbahn
Aus der Provinzialhauptstadt
Keine Plan.
den, an hier bei gen der
Vilbel—Stockheim—Lauterbach.
Veränderung gegenüber dem bisherigen
Nidda 1.48 Uhr. Im übrigen hat es auch einigen Zügen kleine zeitliche Verschiebun- An- und Abfahrtszeiten gegeben.
Friedberg—Nidda—Schotten.
(an 14.12 Uhr) verkehrende Personenzug in eine tägliche Durchgangsverbindung bis Fulda umgewandelt, und zwar ab Gießen 13.48 Uhr, an Fulda 16.15 Uhr. In der Gegenrichtung Grünberg—Gießen fällt der jetzige Lokalzug ab Grünberg 15.10 Uhr, an Gießen 15.40 Uhr, künftig fort.
Gießen — Gelnhausen.
Auf dieser Strecke ist im großen und ganzen alles beim alten geblieben. Erfreulich ist, daß auch im neuen Fahrplan die seit einigen Wochen bestehende durchgehende Spätabendverbindung bis Gelnhausen, ab 23.10 Uhr in Gießen, an 0.46 Uhr in Gelnhausen, auch im neuen Fahrplan beibehalten ist. In der Gegenrichtung ist die Nachtverbindung ab Gelnhausen 1.00 Uhr, die bisher nur bis Büdingen reichte, im neuen Plan bis Nidda verlängert wor-
Raturwanderung
zu einem seltsamen Vogel.
So um die Tage, da die Zeiten sich teilen und der Herbst zum Winter oder der Winter zum Frühling wird, begegnet man ost Meldungen, die sich mit einem Vogel befassen, der scheinbar nur über die Rauhzeit hin den Weg zu uns findet: der Eisvogel. Und wahrlich, nichts liegt näher und ist leichter zu begreifen, als daß allein der Name schon, den man zu frühen, naturnahen Zeiten im Volke für ihn fand, darauf zu verweisen scheint, als daß der Vogel nur im Winter bei Eis und Schnee, Rauhreif und Hartfrost in unsere Landstriche kommt. Gerade im Rhein-Main-Lähngebiet beobachte ich es schon seit Jahr und Tag, daß er um diese Zeiten auffälliger in Erscheinung tritt, den Menschen begegnet, beim Fischfang bemerkt wird, zumeist in der Nähe einer menschlichen Siedlung, dann aber auch bis mitten in bachgeleitete Anlagen der Stadtzentren kommt. Die Art und Weise, wie man diese Wahrnehmungen weitergibt, lassen zumeist darauf schließen, daß es sich beim Eisvogel um eine ausnehmend seltene Angelegenheit handele, der etwa der Rang eines Jrrgastes zustehe und den der Zufall in unsere Lebensräume verschlug, wenn man von der laienhaft einfachen Auslegung seines Namens absehen will. Dem ist aber nicht so. Vielmehr ergibt sich die Eigentümlichkeit, daß wir ihn nicht zu allen Zeiten im Jähre und gleich häufig an allen ihm zusagenden Orten zu sehen bekommen, aus seinen ganz bestimmt gelagerten Lebensverhältnissen.
Das ist nämlich so: Dieser sperlinggroße, tropenartige Vogel, zur Familie der Königsfischer gehörig (Alcedo atthis ispida L.), dessen Rücken schön smaragdgrün bis türkischblau glänzt, während die Bauchseite rostrot leuchtet, ist bei uns ein zwar einzeln vorkommender, aber keineswegs seltener Stand- und Strichvogel, wenn man allgemein von dem heiklen Kapitel des Begriffs „selten" oder seines Gegenteils „häufig" an dieser Stelle einmal grundsätzlich absehen will. Standvogel ist er allemal im Sommer, und er kann schon deshalb nicht überall erscheinen, wo Fischreichtum und Seichtstellen den Bach- und Flußtisch für ihn besonders reichlich gedeckt haben, weil er nur ganz besonders geartete Stellen für sein Brutgeschäft gebrauchen kann. Er hat nämlich die Ang'ewohn-
bereits ab Nidda 4.14 Uhr vorgesehen, an Friedberg 5.02 Uhr. Neu ist ferner eine Sonntagsverbindung ab Nidda 19.55 Uhr, an Friedberg 20.45 Uhr. — Ebenfalls neu die sommerliche Spätabendverbindung ab Schotten 21.24 Uhr, an Nidda 22.19 Uhr.
Friedberg—Hungen—Mücke.
Als neuer Zug erscheint ein Werktags-Frühzug 6.42 Uhr ab Friedberg, 7.04 Uhr an Wölfersheim. Ebenfalls neu erscheint ein Zug ab Friedberg 10.45 Uhr, an Hungen 11.28 Uhr, als Sonntagszug weiter ab Hungen 11.40 Uhr, an Mücke 12.27 Uhr. Im übrigen keine Veränderungen.
In der Gegenrichtung ist der Werktags-Frühzug ab Hungen um eine Viertelstunde früher gelegt, ab Hungen 4.15 Uhr, an Friedberg 4.54 Uhr. Neu ist ferner ein Sonntagszug 10.05 Uhr ab Mücke, 10.50 Uhr an Hungen, 11.39 Uhr ab Hungen, 12.18 Uhr an Friedberg.
Grünberg—Londorf—Gießen.
Auf dieser Strecke verkehren die Züge in dem neuen Fahrplan in der gleichen Weise wie bisher.
Burg- und Nieder-Gemünden—Kirchhain.
Auch hier bleibt im großen ganzen alles beim alten, nur bei einem Zuge hat es eine kleine zeitliche Verschiebung gegeben.
Gießen—Limburg—Koblenz.
Abgesehen von einigen kleinen Verschiebungen in den An- und Abfahrtszeiten einzelner Züge hat es auf dieser Strecke keine Veränderungen gegeben.
heit, sein Nest in Form von Brutröhren bis zu einem Meter tief in überhängende, rutschsichere Lehmwände zu graben, ähnlich derart, wie das auch unsere insektenvertilgenden Uferschwalben zu tun belieben. Diese Brutröhre, die mit unglaublicher Zähigkeit und Emsigkeit durch Hacken mit dem Schnäbel und Kratzen mit den Füßen etwa 1 bis 3 Meter über dem Wasser angelegt wird, wobei als Maßstab für die Höhenlage offensichtlich der höchstmögliche Hochwasserstaüd der jeweiligen Stelle ausschlaggebend ist, endet im Innern in einem badofenförmigen Napf und wird mit Gräten von Kleinfischen, Libellenlarven und Krebsfüßchen sowie sonstigen schlecht faulbaren Feststoffen ausgelegt. Hier treibt er sich mit seinem Weibchen den ganzen Sommer herum, bis die Jungen hoch sind und wacht ängstlich und mit jedem nur erdenklichen Aufgebot von Futterneid und Eifersucht über die Grenzen seines Brutstandortes. Zu Reisen aber, selbst nur bis in die Nachtbarschaft, hat er während der produktiven Monate nicht die geringste Zeit.
Anders ist das, wenn die harten läge, wenn der Winter mit seiner Unbill, seinen Frösten und seinem Nahrungsmangel kommt. Nicht, daß er während dieser Zeit nach Zugvogelsitte außer Landes ginge ober weite Reisen machte. Ein Einsiedler von echtem Fischergeblüt, der langweiliges Sitzen an Ort und Stelle über Stunden hinaus zum Lebensprinzip erhebt, bei dem Trägheit und Gleichgültigkeit Trumpf zu fein scheinen und bei dem Sitzenbleiben Dauerzustand ist, hat dazu keine Fähigkeiten und kein Verlangen. Er wandert nicht weiter als er muß, um neue Nahrungsquellen zu finden — und wird zum Strichvogel. Und so geht er dem Zufrieren der Teiche und der Bäche aus dem Wege, haut ab, wenn Regengüsse und Schneeschmelze das Wasser undurchsichtig und trübe oder reißend machen, so daß sich die junge Brut und kein einziger Kleinfisch mehr halten kann, taucht je nach Witterung und Wasserstand, Laichhäufigkeit und Fließgeschwindigkeit, Ueberschwemmung oder Verebbung hier, da oder dort auf und begegnet dann den Menschen an Orten und Stellen, wo man ihn das ganze Jahr über nicht sah, weil er diese Zeit über eben woanders war. Und den Menschen geht er gemeinhin aus dem Wege, nicht nur weil sie ihn früher so schrecklich verfolgten, sondern weil er sie grundsätzlich nicht mag und ihre Anwesenheit störend und lästig empfindet. So ist das mit dem Eisvogel!
K. R. F.
Neu ist hier eine Werktags-Frühverbindung ab 5.38 Uhr Friedberg, an 6.30 Uhr Nidda, ebenfalls neu eine Sonntagsoerbindung ab 17.50 Uhr Nidda, an 18.30 Uhr Schotten. Die bisherige Sonntaas- Spätabendverbindung ab 21.20 Uhr Friedberg besteht künftig ab 22.26 Uhr Friedberg, bisher an Nidda 22.09 Uhr, künftig 23.15 Uhr; bisher ab Nidda 22.13 Uhr, künftig ab 23.19 Uhr, bisher an Schotten 22.53 Uhr, künftighin 23.59 Uhr.
In der Gegenrichtung ist der Frühzug, der bisher ab Echzell nach Friedberg fuhr, im neuen Plan
Der Erste Entwurf zum Sommerabschnitt des Jahresfahrplans 1937/38 der Deutschen Reichsbahn, der vom 22. Mai bis 2. Oktober gültig ist, liegt jetzt vor. Nach den bisherigen Erfahrungen wird dieser Erste Entwurf bis zu der am 10. April erscheinenden endgültigen Festlegung wohl kaum Aenderungen erfahren, so daß man die bis jetzt getroffenen Fahrplan-Entscheidungen mit Wirkung vom 22. Mai ab wohl als in Kraft gesetzt ansehen kann.
Auf den Reichsbahnstrecken in der Provinz Oberhessen und auf den angrenzenden wichtigen Strecken ergeben sich die nachstehenden bedeutsamsten Aenderungen:
Frankfurt a. N^.—Gießen bzw. Gießen—Frankfurt a. 217.
Neu erscheint hier ein Eilzugspaar Frankfurt — Gießen — Siegen — Köln und umgekehrt: E 381 ab Frankfurt 11.47 Uhr, an Gießen 12.42 Uhr, ab Gießen 12.49 Uhr, an Köln 15.28 Uhr; E 382 ab Köln 7.45 Uhr, an Gießen 10.21 Uhr, ab Gießen 10.28 Uhr, an Frankfurt 11.24 Uhr. Beide Züge halten in Friedberg, Bad- Nauheim, Gießen, Wetzlar, Herborn, Dillenbukg, Siegen, Betzdorf, Wissen, Siegburg, Köln.
Ebenfalls neu, aber nur für die Zeit vom 2 0. Juni bis 5. September steht ein Eilzugspaar Frankfurt — Gießen — K a s- sel — Hannover und umgekehrt im Fahrplan. E 69 fährt ab Frankfurt a. M. 16.12 Uhr, mit Halt in Vilbel, Friedberg, Bad-Nauheim, Butzbach, an Gießen 17.17 Uhr, weiter in Richtung Kassel ab Gießen 17.24 Uhr, an Kassel 19.15 Uhr, an Hannover 22.33 Uhr. Der Gegenzug E 70 fährt in Hannover 7.05 Uhr ab, ab Kassel 11.14 Uhr, an Gießen 13.09 Uhr, ab Gießen 13.16 Uhr, mit Halt in Butzbach, Bad-Nauheim, Friedberg, Vilbel, an Frankfurt a. M. 14.16 Uhr.
Im übrigen tritt bei einzelnen Zügen dieser Strecke eine mehr ober minder geringe zeitliche Veränderung der Abfahrt bzw. Ankunft ein, die im einzelnen hier aufzuzählen zu weit gehen würde. Es sei in dieser Hinsicht auf den demnächst erscheinenden neuen Fahrplan hingewiesen. Einige Züge, die von vornherein in den bisherigen Fahrplan nur mit zeitlicher Beschränkung eingestellt waren, kommen in Fortfall, ebenso ein Frühpersonenzug, bisher ab Frankfurt 7.36 Uhr, an Gießen 9.05 Uhr. Im ganzen gesehen bleibt aber der Zugfolgeplan auf dieser Strecke nach wie vor gut.
Gießen—Fulda und umgekehrt.
Auf dieser Strecke tritt durch die von uns schon berichtete Wiedereinlegung eines Eilzugspaares Gießen — Fulda und umgekehrt eine bedeutende Verbesserung der Verkehrsverhältnisse ein. Im Anschluß an den bisherigen Eilzug E 371 ab Frankfurt a. M. 9.23 Uhr mit Halt in Vilbel, Friedberg, Bad-Nauheim, Butzbach, ist die neue Verbindung geschaffen worden; an Gießen 10.26 Uhr; die Fahrt kann im gleichen Zuge ab Gießen 10.33 Uhr fortgesetzt werden, Ankunft in Grünberg 10.55 Uhr, Mücke 11.03 Uhr, Burg- und Nieder-Gemünden 11.15 Uhr, Alsfeld 11.37 Uhr, Lauterbach 11.55 Uhr, Bad Salzschlirf 12.04 Uhr, an Fulda 12.27 Uhr mit Anschlußsicherung in Richtung Bebra bzw. Frankfurt a. M. Der Gegenzug E 372 (mit Anschluß ab Frankfurt 14.44 Uhr, ab Bedra 14.18 Uhr) fährt in Fulda ab 16.32 Uhr und kommt an in Bad Salzschlirf 16.51 Uhr, in Lauterbach 16.59 Uhr, in Alsfeld 17.18 Uhr, in Burg- und Nieder-Gemünden 17.39 Uhr, in Mücke 17.48 Uhr, in (Brünberg 17.56 Uhr, in Gießen 18.15 Uhr. Von Gießen fährt der Zug als neuer Spätnachmittags- Eilzug E 372 ab Gießen 18.18 Uhr, mit Halt in Butzbach 18.34 Uhr, Bad-Nauheim 18.43 Uhr, Friedberg 18.48 Uhr, Vilbel 19.02 Uhr, Frankfurt a. M. 19.20 Uhr.
In Richtung Gießen—Fulda erscheint im neuen Fahrplan der bisherige Zug 11.23 Uhr ab Gießen, 13.43 Uhr an Fulda, nicht mehr. Das Verkehrsbedürfnis um diese Zeit darf man aber durch den neugeschaffenen Eilzug und durch den um 12.47 Uhr ab Gießen fahrenden Perfonenzug als befriedigt ansehen. Als Ausgleich für den gestrichenen Zug wird der im bisherigen Fahrplan als Werktags- Lokal-Zug ab Gießen 13.39 Uhr nur bis Grünberg
Domotizen.
Tageskalender für Donnerstag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Liebe geht seltsame Wege". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Lumpaci- vagabundus".
Stadttheater Gießen.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Der Intendant des Stadttheaters, Hermann Schultze-Griesheim, hat das neue Schauspiel von H. A. Weber, „Das Schloß im Wind", zur Uraufführung angenommen. Die Uraufführung dieses neuen interessanten Schauspiels von H. A. Weber findet am 2. April statt. — Von Weber wurde bereits „Holzappel" im Stadttheater uraufgeführt.
RSDAP. Ortsgruppe Gießen-Süi>.
Abteilung: Hilfskasse.
Alle Angehörigen der SA., SS., Marine-SA., Reiter-SA. und des NSKK. im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Süd, die ihren Beitrag zur Hilfskasse für die Monate April, Mai und Juni 1937 noch nicht entrichtet haben, können diesen noch bezahlen, und zwar am
Mittwoch, 17. März, und
Donnerstag, 18. März,
jeweils in der Zeit von 20 bis 22 Uhr auf der Geschäftsstelle der Ortsgruppe, Frankfurter Straße 29H.
Wer bis dahin nicht bezahlt hat, wird bei der Hilfskaffe in München abgemeldet und hat sich daraus entstehende Folgen selbst zuzuschreiben.
Hitler-Zugend Bann 116 Gießen.
Betr.: Führertagung des Gebietes Hessen-Nassau am 21. Mär; in Frankfurt a. M.
Durch die plötzliche Erkrankung des Reichsjugendführers muß die Führertagung des Gebietes Hessen-Nassau auf einen späteren Termin verlegt werden. Aus diesem Grunde verschieben sich auch alle für den 20. März eingesetzten Sondertagungen.
Betr.: Gefolgschaftsappelle.
In der kommenden Woche finden folgende Gefolgschaftsappelle statt:
Gefolgschaft 15/116 am Montag, 22.3., 20.30 Uhr;
„ 4/116 am Dienstag, 23.3., 20.30 Uhr;
„ 2/116 am Mittwoch, 24. 3., 20.30 Uhr;
„ 1/116 am Donnerstag, 25.3., 20.30 Uhr.
Die Gefolgschaften 1, 2 und 4/116 melden bis zum 21. 3. den Appellplatz.
Reifeprüfung an Gießener höheren Lehranstalten.
Unter dem Vorsitz von Ministerialrat G l ü ck e r t fand gestern die Reifeprüfung am Gymnasium statt. 16 Unterprimaner unterzogen sich der Prüfung, alle bestanden, vier waren von der mündlichen Prüfung befreit. Das Gymnasium wird am heutigen Donnerstagnachmittag in einer Feierstunde seine Abiturienten entlassen.
Im Realgymnasium wurden die Reifeprüfungen der Unterprimaner am Dienstag und am Mittwoch vorgenommen. Am Dienstag wurden 14 Schüler, am Mittwoch 17 Schüler geprüft. Alle zur Prüfung zugelaffenen Schüler konnten bestehen. Den Vorsitz führte Oberstudiendirektor A n gelbe r g e r.
An der Oberrealschule bestanden 20 Unterprimaner die Reifeprüfung. Die Prüfung wurde unter dem Vorsitz von Oberstudiendirektor Leonhard am vergangenen Dienstag durchgeführt.
Zum 1. April: Außerkurssetzung von Reichssilbermünzen.
DNB. Es wird nochmals daran erinnert, daß der Reichsminister der Finanzen durch Verordnung vom 29. Dezember 1936 die alten Eine-Mark-, Eine-Reichs-
Nicht Die Klinge ist schuld! Denn wenn Ihre Haut rissig und spröde ist, kann selbst die
beste Rasierklinge nicht glatt
hingleiten. Kräftigen und glätten
Sie daher Ihre Haut vorm Einsei- fey
fen mit Nivea-Creme. Der Gehalt $
an Euzerit macht Nivea so wirksam.^s-s^k.' ./ c7*
Zwei Augenblicke im FrankfurterGoethemuseum
Von Otto Doderer.
In einer Vitrine des Frankfurter Goethe- Museums liegt zwischen vergilbten Handschriften und Büchern, Silhouetten, Bildern, Schmuckstücken und brüchigen Gerätschaften bei einer blaugelb gestickten Brieftasche ein Billett, das lautet: „Mache mir doch eine Brieftasche wie Agnes ihrem Bruder gemacht hat. Du kannst Dich bey ihr erkundigen. Ich möchte gar zu gern so was von Deiner Hand haben um mich Deiner zu freuen. Es wird Dich nicht viel kosten. Nimm mir schwefelgelbes Band um es zuzubinden. Ich habe jetzt Werthers Uniform blau und gelb und mir ist wohl dabey."
Goethes Mutter hat erzählt, wie er schon in früheren Jahren in seiner Kleidung „ganz entsetzlich eigen" war. Und nun findet der junge Legationsrat in Weimar — wie das kleine Schriftstück des Frankfurter Museums so entzückend lebensnah offenbart — eines Tages plötzlich Gefallen an einem hübsch gestickten Brieftäschchen in den Wertherfarben. Flugs setzt er sich hin und bittet seine Schwester Kornelia — die wenig später starb —, sie möchte ihm doch eine solche Mappe sticken, wie fein Freund Maximilian Klinger, der Dichter des Dramas „Sturm und Drang", eine van seiner Schwester erhalten habe. Die schwärmerischen Jungfrauen und Jünglinge sämtlicher deutschen Kleinstaaten erlitten damals Werthers Leiden, vergassen darüber Tränen der Rührung, und die „Werther-Uniform" war Mode geworden wie Werther-Selbstmorde epidemisch. Goethe aber lebt und liebt vergnügt und guter Dinge, wohnt in seinem ihm eben vom Herzog geschenkten Gartenhaus im Park von Weimar, genießt das Hofleben, reitet, läuft Schlittschuh. „Weimar muß vors Wiedersehn ein gefährlicher Ort seyn" meint Frau Rat.
Die paar Zeilen aus seinem gleichgültigsten und zufälligsten Alltag, die da vor uns liegen, beleuchten für einen Augenblick die ganze frische Unmittelbarkeit seines Wesens, das Organische, sein nach allen Seiten gleichmäßig ausgebildetes Menschtum. Er hat sich nie spezialisiert, sondern nur gelegentlich „isoliert". Seine Schöpferkraft war immer'mit
ten in das Leben gestellt. Er blieb immer erquickend unliterarisch. Privatmensch, aber weil er so vollendet Mensch war, finden wir alle uns in ihm bestätigt.
*
Einige Schritte weiter hängt ein eigenartiges Porträt des gealterten Goethe. In den Ausmaßen ziemlich klein, stellt es nichts weiter vor als den Kopf. Es war lange Jahre verborgen, bis es kurz vor dem Kriege in den Besitz des Museums kam. Wahrscheinlich stammt es von dem Kupferstecher S ch w e r d g e b u r t h und ist eine Studie zu seinem Kupferstich, dem letzten Bild Goethes, das kurz vor feinem Tode entstand. Vielleicht bezieht sich auf diese Studie eine Stelle aus einem Briefe Schwerdgeburths, worin berichtet wird, wie Goethe während der Sitzung auf einmal anfing, „unverständliche Worte leise zu sprechen und dabei mit dem rechten Zeigefinger in die Lust ein lateinisches W zu malen."
Ein merkwürdiges.und ergreifendes Bild! Das Greisenantlitz von Leiden und Entsagungen durchfurcht, die Lippen schmal zusammengepreßt, das weiße Haar wirr und gelichtet, die Augen weit auf- gerissen, sonderbar ins Leere starrend. Man vergißt das Bild nicht so leicht. Es steht einem vor der Seele wie eine Vision. Es ist das Antlitz eines Sterbenden, eines dieser Welt schon Entrückten. Man möchte vor diesem Bild an die Legende glauben, daß die starren, leeren Augen plötzlich aus dem dumpfen Brüten aufflammten: Mehr Licht!
Die geheime Tragik im Innern dieses Götterlieblings wird in dem Bildnis offenbar. Es zeigt die eisige Einsamkeit des Ingeniums in diesem „Privatmenschen", der sich so wenig ganz und ungeteilt besaß wie jeder andere schöpferische Mensch und für uns alle lebte. Es zeigt ihn nun völlig „isoliert" nach einem Dasein, das wie es in einem Brief an Auguste z u Stolberg hieß, „immer in fick) lebend, strebend und arbeitend ... kämpfend und spielend" gewesen war. Aehnlich spricht er auch in seinem Brief, den er auf dem Totenbett noch an Wilhelm v. Humboldt diktierte, von seinem „so lange tätig nachdenkenden Leben". In jenem letzten Briese stehen Worte, die sich wie ein merkwürdiger Epilog zu seinem Leben lesen: „Verwirrende Lehre zu verwirrtem Handel waltet über der Welt, und ich habe nichts angelegentlicher zu tun, als dasjenige, was an mir ist und geblieben ist,
womöglich zu steigern und meine Eigentümlichkeiten ZU kohobieren." Das ständige Kohobieren, das heißt Läutern, war das Treibende dieses Wunderwerks von Mensch, und in dem Brief scheint er schon mit der Hand hinter die Schleier des Todes zu greifen, wie feine Augen in dem Bildnis hinter sie zu schauen scheinen.
Hallo?
Von Barbara Carttand.
Die Telephonistin des Hotels „Superb" blickte lange und sehnsüchtig in den Spiegel ihres Täschchens. An ihrem hübschen Gesicht war zwar nichts auszusetzen, aber zwischen Dosenrand und Spiegel steckte die Photographie eines jungen Mannes.
„In vier Monaten und zehn Tagen bin ich verheiratet", dachte die Telephonistin und drückte das Täschchen hastig zu, als die Telephonglocke läutete.
Während sie Verbindungen herstellte, sah sie eine elegante Frau in rotem Kleide hastig aus dem Speisesaal kommen und in den Lift steigen.
„Nummer 567" dachte sie, „hat ihr Diner mit Nummer 71 aber rasch beendet."
Für die Telephonistin war jeder Hotelgast eine Nummer. 567 zum Beispiel, die Dame im roten Kleid, war bei allen Angestellten besonders beliebt. Sie bewohnte zwar nur ein kleines billiges Zimmer im obersten Stockwerk, ganz in der Nähe des Speisenaufzuges. Aber ihre Anspruchslosigkeit und ihr stets freundliches Lächeln hatte ihr die Herzen aller gewonnen. Das ganze Hotel freute sich, als der reiche junge Mann, Nummer 71, sich für sie zu interessieren begann.
Die Telephonistin hörte manchmal ihren telephonischen Gesprächen zu und konstatierte mit Vergnügen, daß Nummer 567 sich tadellos benahm, was die Verliebtheit von Nummer 71 nur steigerte.
„Genau wie ich und Gerald", sagte sie zum Buchhalter. „Man muß die Männer zu behandeln wissen."
Heute abend waren Nummer 567 und Nummer 71 gemeinsam zum Diner gegangen, und sie hatte zufrieden hinter ihnen hergelachelt.
„Was kann geschehen sein?" überlegte sie nun, als der Lift mit Nummer 567 hinaufflog. „Ein Streit? Das ist dumm. Ein so netter junger Mann!"
Zwei Minuten später kam Nummer 71 aus dem Speisesaal. Seine Stirn war gerunzelt, die Hände steckten tief in den Hosentaschen, und er nahm die Stufen zum ersten Stock im Sturmschritt. Einen Augenblick später gab Nummer 71 am Telephonbrett Signal.
„Hallo", sagte eine energische Stimme, „sagen Sie dem Nachtportier, er soll mir einen Platz im Schlafwagen nach Liverpool besorgen und senden Sie mir den Hausdiener, damit er meine Koffer packt."
„Jawohl, Sir."
„Sie haben also gestritten", überlegte sie. „Schade, schade. Nummer 567 ist doch so nett und liebt ihn. Seit Gerald habe ich Erfahrung. Und er liebt sie ebenfalls, wenn er auch ohne Abschied abreifen will."
Kleinlaut gab sie dem Portier die erhaltenen Aufträge weiter. Dann läutete sie Nummer 71 an.
„Der Hausdiener kommt gleich, Sir."
„Oh ... danke sehr."
Die Telephonistin dachte angestrengt nach. In seinem „Hallo" war Gespanntheit, Erwartung gewesen. Er hatte gehofft ... auf einen andern Anruf gehofft. Nun läutete sie Nummer 567 an.
„Hallo?"
„Ist dort Nummer 568?"
„Nein, hier ist Zimmer 567."
„Irrtum. Verzeihung."
„Sie hat gemeint", dachte sie, „und hat seinen Anruf erwartet. Ist das nicht dumm? Und wenn sie morgen erwacht, wird er fort fein!"
Einer plötzlichen Eingebung folgend, läutete sie gleichzeitig bei Nummer 567 und Nummer 71 an und stellte die Verbindung her. Zwei Stimmen sagten „Hallo?". Und dann kam eine Pause.
„Hallo?" sagte Nummer 71, ein wenig unsicher. „Oh!" sagte Nummer 567.
„Oh, Schatz!" sagte er.
Von 567 kam ein leises Schluchzen.
„Oh, Liebling", sagte sie.
Die Telephonistin zog sich diskret zurück und lautete beim Nachtportier an. „Nummer 71 reift mcht ab", sagte sie. „Also keinen Schlafwagenplatz und keinen Hausdiener."
Zufrieden lächeln öffnete sie ihr Täschchen und blickte lange in den Spiegel.
(Deutsch von W. von A r m a t a.)


