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Br.89 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
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Samstag, 17. April 1937
//Hie guet deutsch Waidewerk allewege!"
Oie oberhessischen Läger treffen sich in Gießen.-Oie große Lagdtrophäenschau in 0er Gießener Volkshatte im Mittelpunkt der allgemeinen Aufmerksamkeit.
Gießen steht für drei Tage im Zeichen der grünen Farbe. Der Wald, das Wild und der Jäger treten ii den Vordergrund. Wir begegnen ihnen in der Kolkshalle Den Rahmen gibt die vom I a g d - ( a u Oberhessen der Deutschen Jägerschaft ver- mstaltete Gau-Trophäenschau 1937, die cm heutigen Samstaa um 11 Uhr feierlich eröffnet ' r>urde und den Besuchern bis zum kommenden Nontag 18 Uhr zur Besichtigung offensteht.
Wir haben auch in früheren Jahren zwar schon ^ogdausstellungen in Gießen gesehen. Jene Schauen raren von sachkundigen Männern mit viel Liebe Sir Jägerei und mit großer Sorgfalt in der aus- Mungsmäßigen Gestaltung hergerichtet. Sie gaben fier alle nur ein engbegrenztes Bild, da sie auf den Sreis Gießen beschränkt waren und dadurch nicht de Breiten- und Tiefenwirkung hatten, die in >ägerkreisen damals schon gewünscht wurde. Die Mige Jagdtrophäenschau des Jagdaaues Oberhes- jin weist dagegen sowohl räumlich als auch im Ge- Llt ein weit größeres Format auf Einstmals die L ebigshöhe — jetzt die Volkshalle. Damals der L-eis Gießen — heute alle sechs Jagdkreise der gan- jin einstigen Provinz Oberhessen! Das ist ein ge- trnliiger Wandel, der noch verstärkt wird durch die Liswirkungen der neuen großen Gesichtspunkte, die M 1935 durch das Reichsjagdgesetz in der deutschen ? gerei Eingang gefunden haben und seitdem in sichtbarster Weise Geltung besitzen. Zwar bleibt P- den Jäger trotz der großen Fortschritte in der & gd und in der Wildhege seit 1935 noch viel zu in übrig, aber eine Ausstellung wie die jetzige in der Volkshalle macht auch dem Laienbetrachter Li-itlich, daß die Jägerschaft kräftig auf dem Wege is! zur Erreichung der durch das Reichsjagdgesetz gestickten hohen Ziele.
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Die Presse hatte am gestrigen Freitagnachmittag E legenheit, unter der Führung des Gaujäger- rr> isters, Oberforstmeister Nicolaus, und seines Enbsleiters, Studienrat Hölzel, eine Vorbesich- iioung der Ausstellung zu unternehmen. Der Rund- grig offenbarte in. eindrucksvoller Weife, mit welche Liebe zum Wald und Wild, mit wieviel Sach- kimde und mit welcher Verantwortungsfreudigkeit fir die große Aufgabe an der Herrichtung dieser Siiau gearbeitet worden ist. Würziger Tannenduft in der weiten Halle, von den zahlreichen Tannen- giiJanben, und Tannenschmuck am Eingang zur
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Künstlerische Darstellung eines Wisents durch den Frankfurter Bildhauer C. Wagner. — (Aufnahmen [3]: Neuner, Gießener Anzeiger.)
Volkshalle erinnern an unseren schönen Heimatwald. Girlandenbinderinnen waren noch eifrig am Werk der letzten Herrichtung des Grünschmuckes. Die für einen Teil der Aufbauarbeiten benötigte große Feuerwehrleiter wurde soeben fortgeschafft, damit „sich niemand einbilde, sie sei die moderne Form des Hochsitzes".
In übersichtlicher Gliederung find an langen Wandflächen die Trophäen aus dem Jagdjahr 1936/37 in der Mitte der Volkshalle aufgebaut. Der Raum vor der Bühne ist für die Besucher der Eröffnungsfeier und für die Teilnehmer am Gaujägerappell am heutigen Samstagnachmittag vorgesehen. Im Mittelgang zwischen den beiden Abteilungen der Trophäenschau steht eine wunderbare Plastik, einen Wisent darstellend, den der Frankfurter Künstler Carl Wagner nach Sichtung einer großen
Anzahl Vorlagen im Auftrage der Deutschen Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents geschaffen hat. Eine Büste des Reichsjägermeisters, Ministerpräsidenten Hermann Göring, befindet sich unmittelbar am Eingang, während in dem großen dekorativen Aufbau vor der Bühne, der den hohen Idealen der deutschen Jägerei gewidmet ist, inmitten von frischem Tannengrün die Büste des Führers steht. Bilder von hervorragenden Jagdmalern, vor allem Deiker und Zimmermann, aus Privatbesitz für die Ausstellung zur Verfügung gestellt, bereichern das schöne Bild dieser Schau.
Stabsleiter Hölzel gab vor dem Rundgang einige grundsätzliche Erläuterungen, die allgemeines Interesse verdienen. Der Jagdgau Oberhessen umfaßt die sechs Kreise der bisherigen Provinz Ober
Links: Die monumental geschmückte Bühne der Volkshalle. — Rechts: Blick in einen Teil der Schau der Rehbock-Gehörne.
Hessen, also unser engstes Heimatgebiet. Trophäenschauen sind Pflichtschauen, in denen jede Trophäe des geschossenen männlichen Schalenwildes aur Ausstellung gebracht werden muß Zu den Trophäen gehören Rehgehörne, Hirschgeweihe, Damschaufeln und vom Schwarzwild die Gewehre (Hauer). Sie müssen auf den jährlichen Trophäenschauen gezeigt werden, weil sie den besten Anhaltspunkt für den Gesamtgesundheitszustand und die körperliche Entwicklung des Wildes bieten. An diesen Trophäen kann der Jäger einwandfrei feststellen, ob der Wildbestand in seinem Revier eine gesunde und gute Entwicklung aufweist, oder ob minderwertiges und gesundheitlich mangelhaftes Wild in dem Bestand vorhanden ist. Unter dem obersten Grundsatz der Gesundheitspflege im Wildbestand muß der Abschuß durchgeführt werden. Starke (also gesunde) Böcke sind bei der Jagd nur im Rahmen genau umrisse- ner Richtlinien abzuschießen, damit die Verwendung der guten Böcke für die weitere Pflege des Bestandes auf die festgesetzte Zeit von Jahren in ausreichendem Maße gesichert bleibt. Schwache Stücke, d. h. an der Gehörnbildung als geringwertig erkanntes Wild, kommen beim Abschuß in erster Linie in Betracht, weil sie für die Aufzucht eines gesunden und starken Wildbestandes nicht von so großer Bedeutung sind, wie starke Stücke. Die alljährliche Trophäenschau des Jagdgaues soll auch den Ueberblick ermöglichen, wo im Jagdgau Wild mit guter und starker Veranlagung vorhanden ist und wo man in der Hauptsache gesundheitlich und körperlich schwaches Wild, sog. Abschußböcke, die oft auch mit Rachitis behaftet sind, antrifft. Jeder Jäger bekommt jährlich einen gewissen Prozentsatz von starken Böcken, also gesunde und gut entwickelte Tiere, ferner einen gewissen Teil von Abschußböcken zum Abschuß frei. Bisher hat sich im Jagdgau Oberhessen durchweg die im Interesse der Wildbestandspflege erfreuliche Tatsache ergeben, daß die Jägerschaft bei den starken, gesunden Böcken unterhalb der Grenze des zum Abschuß freigegebenen Wildes geblieben ist, also den guten Bestand geschont hat, während die freigegebene Grenze für Abschußböcke, also schwaches und krankes Wild, bis zu einem gewissen Grade überschritten wurde. Durch diese weidgerechte Ausübung der Jagd ist bisher im Jagdgau Oberhessen gute Aufbauarbeit an unserem heimischen Wildbestand geleistet worden.
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Die Ausstellung zeigt die Jagdtrophäen des Gaues Oberhessen aus dem Jagdjahr 1936/37. (Jedes Jagdjahr läuft vom 1. April bis 31. März.i Es werden insgesamt über 2500 Rehgehörne gezeigt, die sich auf die einzelnen Jagdkreise wie folgt verteilen: Alsfeld 640, Gießen 507, Lauterbach 452, Schotten 356, Büdingen 339, Friedberg 272 Stück. Ferner sind die Geweihe von 36 Rothirschen, die Trophäen von 12 Damschauflern und die Waffen von 19 Keilern zu sehen. Die Rothirsche sind in den Jagdkreisen Lauterbach, Schotten und Friedberg anzutreffen; die übrigen oberhessischen Jagdkreise enthalten kein Rotwild; am stärksten vertreten ist der Taunushirsch, und zwar im Kreise Friedberg.
Altfränkisch.
Von Wilhelm von Scholz.
!,Altfränkisch" — dies Wort hat längst den all- ipneinen Sinn von „Altertümlich", von „guter aller Zeit", von charaktervoller, vielleicht ein wenig |jtor er und verknöcherter Erhabenheit des Ehemals । iig?-nonimen. Wer denkt, wenn er „altfränkisch" sagt, i lief an Franken? Kaum jemand! Und in den drei layriierbaren großen Städten des Frankenlandes, in Nürnberg, Bamberg, Würzburg denkt man trotz ihre: herrlichen alten Kunstschätze nie an das Wort; |ie haben so viel neues Leben der Zeit, sie sind trotz tier zahllosen Wahrzeichen großer Kulturzeiten in ühnen nirgendwo altfränkisch. —
Und nun muß ich dem oft beigezogenen Sprich- imr
„Reben, Meßgeläute, Wein, Hamberg — das ist Franken" rsbc-sprechen. Denn als ich zum erstenmal im Wa- c:er — gar nicht, um Franken anzusehen sondern c:ui siner Reise vom Bodensee nach Berlin — so hiistchr durch fränkisches Land, ab und zu den Mo- toi -angsam laufen ließ und vom Steuer hinaus- Miite, da kam mir plötzlich das Wort „altfrän- fnfej zu Sinn und ließ mich nicht mehr los. Da ich Franken noch ganz anders als in feinen Bietibimten Kunstmittelpunkten!
Brr haben hier im alemannischen Land gewiß n:it:e altertümliche Städtchen — Meersburg, Mark- idloii, Ravensburg, Stein am Rhein, um nur ein jTjeur aus der Nähe des Bodensees zu nennen — mir naben nicht minder im Gebiet der alten Hansa, in liübecf, Stralsund, Wismar, Danzig und wo fc nt immer! wie im Rheinland viele wohlerhaltene Äeulmäler des Einst, in denen das Leben der Vor- mihzage noch zu erfühlen ist; in denen es noch mtidr erlosch, noch fortklingt. Aber doch kommt es eimtrn nicht so unmittelbar nahe, wie wenn man dftch Franken fährt. Vielleicht entsteht der Ein- bhif in Franken am stärksten gerade durch das HÄMzrchfahren, durch das sich Aneinanderreihen v:or Städtchen an Städtchen, Schloß an Schloß, Wckiir an Kloster.
(b mag, wenn man in Rothenburg oder in Din- kckl;u hl oder in Nördlingen Quartier nimmt, nicht fnf |.hr viel anders fein, als wenn man in Ueber- lifniar ober in einem Moselstädtchen ober in Eise- nitid ich nieberläßt. Fährt man aber burchs fianb iiniird), übernachtet nicht, sonbern schaut nur um, foi> t)i~b einem in Franken ganz anbers altertümlich
zumute als irgenbroo sonst in ben Gebieten, die ich kenne.
Es häufen sich die Bilder: Mauern, Tore, Zinnen, tiefe Gräben mit Brücken; zur Kirche ansteigende Gassen; ein verwunschenes parkumgebenes Bischofsschloß, in dem jetzt ein Seminar oder eine landwirtschaftliche Schule oder ein Gestüt untergebracht ist — durch das Gitter huscht der Blick des Vorübergleitenden kurz in die verwachsenen verwilderten Alleen hinein, oder er sieht zu einer vasengekrönten sich lang hinziehenden Brüstung mit zurückweichenden Wipfeln dahinter empor — ein Kloster auf einem bewaldeten Höhenrücken, und schon wieder zur Einheit zusammengeschlossen über Feldern, Aeckern, Flüßchen und aus dem Land herankommenden Straßen ein Städtchen, vom Kirchturm beherrscht und um ihn wie um eine Achse gegliedert.
Man weiß die Gebäude schon, an denen der Wagen gleich vorüberfahren wird: neben der Stadtkirche das malerische, meist erkergeschmückte Rathaus vor allem, eine paar hohe ureingesessene Bürgerhäuser um den Markt, oft mit Riegelfachschmuck in den oberen Stockwerken und mit mächtigen Giebel- unb Walmbächern; man sieht den Brunnen mit seinem Landsknecht in übermaltem Sandstein, seinem Heiligen — und schon ist wieder Tor da und Brücke, an der ein Kapellchen steht oder ein Johann von! Nepomuk als alter guter Brückenfreund aufgestellt! ist. Und gleich surrt das Gefährt von neuem durch lieblich bergige ober auch einmal rauhe Landschaft bem nächsten Stäbtchen zu.
Die Fahrt, von ber ich biese Einbrücke mitnahm, führte hinter Ulm erst noch ein Stück burch bas bayrische Schwaben. Aber das Landbild nahm schon vor der Erreichung der Bezirksgrenze von Mittelfranken, etwa bei Dillingen und mehr noch bei Donauwörth den altfränkischen Charakter an, der dann in Weißenburg sich bis zu einer an Rothenburg und Dinkelsbühl erinnernden Stadt verdichtet, um gleich hinter Weißenburg an einem köstlichen barocken Bstchofsschloß voruberzuführen.
Ilm Nürnberg herum verliert sich bann freilich schon der altfränkische Charakter. Das neue Nürnberg ist doch auch ein Mittelpunkt großer Industrie, die den Ring um die Reichsstadt, die Stadt Dürers und Hans Sachsens breit in Anspruch nimmt
Weiter bann wird das nördliche Franken für unser Gefühl zum Lande Jean Pauls, ber Bayreuth freilich mit Wagners Uebermacht teilen muß. Aber südlich Nürnbergs, ba war auf meiner Fahrt alles „altfränkisch" unb bamit unenblich eindrucksvoll.
Seltsamkeiten ans Tibet.
Von unserem G. £. L.-Berichterstatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)
New Delhi, Ende März 1937.
Seit einigen Monaten weilt eine britische politische Mission unter Führung von Mr. B. I. Gould, dem früheren britischen Legationsrat und Geschäftsträger in Kabul, in Tibet. Von Zeit zu Zeit werden Tagebuchaufzeichnungen dieser Mission in der indischen Presse veröffentlicht, die ein interessantes Bild von diesem verschlossenen Lande und seinen Anschauungen geben. In einer ber letzten Tagebuchaufzeichnungen ber Mission, bie vom 28. November 1936 batiert ist, wird eine seltsame Prozession geschilbert, in ber ein Götterbild herumgeführt wurde, das eine Inkarnation der Königin VictoriavonEngland darstellen sollte. Ob dies eine tibetische Aufmerksamkeit der britischen Mission gegenüber gewesen ist, ober ob man in Tibet tatsächlich die alte Queen so sehr verehrt hat, daß man sie in der Inkarnation einer Göttin feierte, ist indessen noch ungeklärt. Der Bericht lautete im Auszüge wie folgt:
„Heute fand in der Stadt (Lhasa) eine große Prozession statt. Ein riesiges Bild der Göttin Palden Lharno wurde aus dem Tempel genommen und durch die Straßen getragen. Von dieser Göttin nimmt man an, daß sie die Inkarnation der Königin Victoria ist. Lamas, von denen viele in grotesker Weife maskiert waren, bahnten sich den Weg durch die dichten Menschenmengen auf den Straßen. Als die Göttin sichtbar wurde, stieß man in lange Trompeten, schlug die Trommel und errichtete eine große Strohpyramide, xie angezündet wurde, während die Lamas tanzten und fangen. Diese Göttin hatte sich, als die Welt noch jung war, angeschickt, alle Geschöpfe zu vernichten, aber gerade noch zur rechten Zeit fand man einen Gatten für sie. Und es gelang ihm offenbar, ihren Zorn zu beschwichtigen. An dem Tage, wo man ihr Bild aus dem Tempel herausnimmt, um es um die Stadt Lhasa in Prozession herumzutragen, wird auch das Bild ihres Gatten, das in einem Kloster auf der anderen Seite des Kyi Chu aufbewahrt wird, herausgenommen, und man gestattet den beiden, sich einmal im Jahre aus der Entfernung einiger Meilen zu betrachten."
Die Tagebucheintragung vom 4. Dezember 1936 bringt eine reizende Schilderung von der Wirkung der ersten Filmvorführung vor den primitiven Tibetern, die nie zuvor einen Film gesehen
hatten. „Zum Abendessen kam der Papshi Kung mit seiner Frau und seiner zahlreichen Familie. Dieses Abendessen, bei denen wir vor- und nachher Filmvorführungen veranstalten, sind nunmehr das Charakteristikum unseres Lebens hier. Die Gesellschaft des heutigen Abends war typisch. Sie bestand aus dem Herzog (Duke), einem mageren, kurzsichtigen, aber sehr scharmanten alten Aristokraten, in einer langen, gelben Seidenrobe, seiner scheuen, ziemlich aufgeblühten Gattin, die das Haar aufgesteckt über einer mit Korallen besetzten dreieckigen Krone trug, mit ungeheuren Türkisohrringen, einer Amulettdose und einer braun und rot gestreiften Schürze angetan war, die sie über einem mit Drachen gestickten chinesischen Seidengewand trug, ferner waren verschiedene erwachsene Söhne und Töchter anwesend und vier kleine Kinder. Eine der Töchter war die Favoritin des Regenten. Nach den Drinks — wir sinden, daß die Tibeter Cinzano weniger gern als Limonade trinken — gingen wir hinunter zu unserer ersten Aufführung. Hier wurde es sofort augenscheinlich, daß etwas Ungewöhnliches vor sich ging. Es verlautete, daß Norbhu drei ober vier Mönchen vom Potala erzählt habe, daß heute hier eine Kinovorstellung stattfände, und daß sie hinkommen könnten. Es waren aber dreißig Mönche, die noch durch eine beträchtliche Anzahl von Soldaten aus den benachbarten Norbhu-Lingka-Baracken verstärkt wurden, eMieiien rind in den Vorführraum eingebrup^rfi. Unb roährentr mehrere Mönche es sich bereits auf ben Stühlen bequem gemacht hatten, tytr für unsere Gäste reserviert waren, versperrte ber Rest sämtliche Zugänge. Nachbem man die Mönche bewogen hatte, auf bem Boben Platz ZU nehmen, bamit unsere Gäste, bte sehr zahlreich waren, ihre Plätze einnehmen konnten, begannen wir mit ber Vorführung. Da bie meisten im Leben uoch keinen Film gesehen haben bürsten, zeigten wir ihnen zuerst etwas, was ihnen bekannt sein mußte, nämlich einen Film vom Potala, bem berühmten Palaste bes Dalai Lama unb ben Bazar von Lhasa. Danach folgte Rin-Tin-Tin in „D e r Schrei um Mittemach t". Dieser Film ist in Lhasa ein burchschlagenber Erfolg gewesen, benn er ist einfach, rührenb unb behandelt ein Thema, das ihnen vertraut ist, unb springt nicht von einem Thema zum anderen über, wie dies häufig bei modernen Filmen der Fall ist. Am Ende der fünften Spule lehnten sich bie Frauen roeinenb anein- anber unb beschworen Rin-Tin-Tin, boch ben Schurken in bie Nase zu beißen. Um bas seelische Gleichgewicht roieber herzustellen, führten wir einen Groteskfilm vor unb gingen banach zum Abend- effen, während die ungeladenen Mönche und Soldaten hinausgeworfen wurden."


