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Nr. 268 Erstes Blatt

181. Jahrgang

Dienstag, 16. November W3Z

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Oer Besuch von Lord Halifax.

London, 15. Noo. (DNB.) Wie verlautet, wird | Lord Halifax schon Dienstag um 14 Uhr Lon- ] don verlassen, um sich nach Berlin zu begeben. Times" schreibt, man erwarte, daß er mindestens! vier Tage in Deutschland bleiben wird. Wie im Unterhaus von Sir John Simon betont worden sei, handele es sich um eine völlig private und inoffizielle Reise. Jede Idee eines Zusammentreffens zwischen dem Führer und Lord Halifax, wobei jeder eine ausgearbeitete Liste von Fragen oder Vorschlägen für einen deutsch-englischen Handel vorbringen wurde, sei der britischen Regie­rung fremd. Das Zusammentreffen solle der

Der Lordpräsident des Geheimen Staatsrates Lord Halifax. (Scherl-Bilderdienst-M.)

informale Anfang einer untersuchen­den Aufgabe fein, und zwar darüber, wo und wie man britische und deutsche Bestrebungen in Einklang bringen könnte.

Daily Telegraph^ berichtet, Lord Halifax habe in seiner Unterredung mit Chamberlain und Eden den Auftrag erhalten, in Berlin offen und freund­lich die verschiedenen Fragen der deutsch-englischen Beziehungen zu prüfen. Ministerpräsident Chamber­lain habe sehr auf Halifax gedrängt, damit dieser die Berliner Einladung annahm. Man werde die Gelegenheit benutzen, um die laufenden Pro­bleme zu untersuchen und um festzustellen, ob es Aussichten auf eine bessere Verständigung geben könne. Ganz gleich aber, ob man zu diesem Ergebnisse komme ober nicht, durch eine private und freundschaftliche Beratung aller Schwierigkeiten könne nichts verschlechtert werden. Man werde wissen, woran man fei. Die öffentliche Meinung in England werde das Zusammentreffen zwischen Halifax und Hitler begrüßen. Man müsse aber klar verstehen, daß von einem Handel nicht bie Rebe sein könne, einen, solchen Auftrag habe Halifax nicht. Es sei nicht nur un­wahr, sondern auch böser Wille, wenn man be­haupte, daß irgendeine Partei mit einem Plan zu der Beratung komme. Immerhin sei es möglich, daß aus dem Berliner Gedankenaustausch Nütz­liches entstehen werde. Lord Halifax besitze das Vertrauen seines Landes, und es sei für ihn am besten, wenn man sich jeglicher Ratschläge enthalte.

*

Die Ankündigung eines Besuches der Jagdaus­stellung durch Lord Halifax hat die links und halblinks gerichteten Blätter in London und an­derwärts mobil gemacht. Oder vielmehr: sie sind anscheinend von einer Stelle, die bie Interessen der Sowjetbiplomatie vertritt, mobilisiert worben. Un­ter anberem hatte bas Lonboner Blatt, berE v e - ning Standard»" phantasievoll und höchst lüg­nerisch die Pläne für die Berliner Reise des Lord Halifax ausbaldowert und geschwindelt, er werde von Deutschland einen zehnjährigen Kolonialfrieden erreichen, d. h. Deutschland werde für diese Zeit auf die Erörterung ber Kolonialfrage verzichten unb bafür freie Hanb in Mitteleuropa erlangen. Das ist bie beliebte Art, Giftpfeile aus bem Hinterhalt zu schießen, bie Lage von vornher­ein berart zu belasten, baß selbst bie größte Offen­heit auf beutscher unb auf englischer Seite von An­fang an als ein Spiel bargestellt wird, bas in Krei­sen bie die Sowjetbiplomatie so genau kennen, als ein Spiel mit gezinkten Karten aufgefaßt wird. Gegenüber dieser infamen Hetze hat die deutsche Oefsentlichkeit mit aller Deutlichkeit erklärt, daß m einer solchen Atmosphäre der Besuch des Lord Hali­fax nicht erfolgen kann, sondern von vornherein auf eine Reinigung ber verpesteten Luft Wert ge­legt werben muß. .

Diese Reinigung ist erfolgt. Es ist bemerkenswert unb spricht eine deutliche Sprache, wenn bas maß­gebend englische Blatt, bieTimes", und ebenso ein anberes Regierungsblatt, berDaily Tele­graph" weit von berartigen Giftmischereien ab­rücken unb für den Besuch des Lord Halifax bie einfache unb wahrheitsgemäße Darstellung geben, Lorb Halifax besuche bie Berliner Jagbausstellung, er sei kein offizieller Unterhänbler Englanbs und habe lediglich die Aufgabe, den Boden abzutasten, um festzustellen, ob über die verschiedenen zwischen Deutschland und England schwebenden Fragen eine Verständigungsmoglichkeit gegeben sei. Das ist also alles. Wenn man im Privatleben sich als Kauf­mann an eine Firma wendet, bie auf manchen Ge­bieten anbers organisiert ist, um ein vielleicht mög­liches Zusammengehen beiber Firmen zu versuchen, dann pflegt man zunächst durch Mittelsmänner zu

erforschen, wie weit die Berührungspunkte sich glei­chen und welche gegensätzlichen Punkte zu über­winden sind.

In der Diplomatie ist es nicht anders. Selbstver­ständlich ist dabei, daß keine Seite nun der an­deren in gewissermaßen ultimativer Form ein festes Programm vorlegt, das anzunehmen oder abzu­lehnen fei. Der englische Premierminister hat, ebenso wie Sir John Simon, die Reise des Lord Halifax nach Berlin begrüßt und die überwiegende Mehrheit der Engländer sieht in diesem Besuch einen ersten Hoffnungsschimmer gegenüber der ver­worrenen und dunklen Lage, in der sich Europa heute durch die Wühltärigkeit ber Komintern, burch die Entwicklung ber spanischen Angelegenheit unb

durch die Bestrebungen, Verfassungsgrundsätze an­derer Länder auf bie Außenpolitik zu übertragen, befinbet. Es hanbelt sich jetzt nicht barum, ob bie Außenpolitik Englanbs bisher falsch ober richtig ge­wesen ist. Das mögen bie Englänber selbst entschei- ben. Es hanbelt sich vielmehr barum, burch inoffi­zielle Fühlungnahme zu versuchen, ob nicht e i n besserer Zustanb geschaffen werben kann. Das ist also bie Aufgabe bes Lorb Halifax, unb unsere Regierung ist in Uebereinftimmung mit ber Mei­nung bes beutschen Volkes, bas in Frieden und Freundschaft mit England leben will, bereit, anzu- hören, wie sich die Engländer eine Verständigung denken. Das ist die Sage und die Giftottern ändern nichts daran. 0.8.

Der englische Gast.

Die Laufbahn bes Lord Halifax ist deshalb für den Kontinental-Europäer interessant, weil sich in ihr die Eigenarten des englischen Adelsrechtes spie­geln. Der englische Adel vererbt sich nur nach dem Rechte der Erstgeburt, unb er wirb erst übertragen, wenn ber bisherige Träger bes Abelsnamens stirbt. So würbe Lorb Halifax erstLorb Halifax", als fein hochbetagter Vater 1934 starb. Seinen Einzug in bas Unterhaus hielt er, ber 1881 geboren ist, mit 29 Jahren, also 1910, und zwar unter dem bürgerlichen Namen Wood. Er nahm bann am Kriege als Kommanbeur eines Dragonerregiments teil und durchlief später die in England übliche par­lamentarische Laufbahn, in deren Verlaufe er es zum Unterrichts-, später zum Lanbwirtschaftsmini- fter brachte. lu^5 wurde er vom König zum Vize­könig von Indien ernannt und erhielt wegen seiner bisherigen Verdienste den Titel eines Lord Irvin. Der Erbe des Lordtitels von Halifax be­gann also feine Laufbahn unter einem bürgerlichen Namen, erwarb dann auf Grund persönlicher Ver­dienste ein eigenes Adelsprädikat und führt erst seit dem Tode feines Vaters bas erbliche Abelspräbikat ber Familie. Diese für uns Kontinental-Europäer etwas frembe Konstruktion bes Abelsrechtes hat einen gewaltigen Vorteil. Der erste Sohn einer englischen Adelsfamilie unb alle nachgeborenen Söhne können unter ihrem bürgerlichen Namen nicht nur in ber Politik, im Heer, in ber Flotte ober in bem vielverzweigten Zivil- ober Kolonial­dienst, sondern vom allem auch im Handel und in der Industrie Bewährungsproben ablegen, auch er­hebliche Reichtümer ansammeln, ohne daß ein alt­überkommener und mit einem gewissen Nimbus belasteter Adelsname der Unbekümmertheit ihrer Aktivität oder auch ihrer jugendlichen Drauf­gängerei eine Schranke setzt. Von dem verjüngen­den Einfluß eines solchen Adelsrechtes auf die Elastizität und Aufnahmefähigkeit einer vielfach noch bodenständigen Aristokratie fei in diesen knap­pen Zusammenhängen nicht gesprochen. Wir er­wähnen noch, daß Lord Halifax nach einer kurzen Tätigkeit als Kriegsminister im Jahre 1935 Lord- siegelbewahrer wurde, in welcher Eigenschaft er nach den sehr komplizierten Bestimmungen der politischen Rangordnung Englands eigentlich der erste Staats­

beamte ist. Nach unserem Sprachgebrauche würden wir in ihm einen herausgehobenen Staatsminister ohne ein besonderes Amtsbereich sehen; praktisch ist wichtig, daß er der ständige Vertreter bes Außen­ministers ist, falls dieser irgendwie in ber Aus­übung seines Amtes behindert ist. B. R.

DerEvening Standard".

DerEvening Standard" hat eben durch Gift­mischerei Unheil zu stiften versucht. Wie der Name andeutet, handelt es sich um ein Abendblatt, das fortlaufend je nach dem Eintreffen neuer Nach­richten verschiedene Auflagen innerhalb eines Nachmittags bis in die späten Abendstunden er­scheinen läßt. Das Blatt gehört der Beaver- b r o o k - G r u p p e an. Die englischen Zeitungen sind durchweg rein kapitalistische Unternehmungen, die sich im Besitz großer Finanzkonzerne befinden. So ist auch ber Schöpfer ber Beaverbrook-Gruppe nicht etwa von ber Schriftstellerei ober bem Jour­nalismus ausgegangen; er kommt vielmehr aus ber kanabifchen Holzinbustrie und bie von ihm beherrschten Zeitungen finb Großabneh­mer kanadischen Holzpapieres. In Kanada hat Beaverbrook sich die industriellen Sporen verdient. Neben der Holz- und Papierindustrie beteiligte er sich an Eisenwerken und an den kanadischen Zementwerken. Weitere Zusammenhänge werden schon durch den bloßen Namen des stellvertretenden Vorsitzenden dieses Zeitungs- und Jndustrietrusts klargemacht. Er heißt R. D. B 1 u m e n f e I ö. Das Hauptorgan ist derDaily Expreß", dessen früherer Berliner Vertreter wegen zu naher Be- sichtigung deutscher Einrichtungen Unannehmlich­keiten hatte. Hauptprinzip dieser Zeitungstrusts ist ein Hinauftreiben der Auflage mit allen Mitteln zum Zweck höheren Papierverbrauchs und besserer Beschäftigung der Holzindustrie. Daneben pflegen sich diese Gazetten noch eine sentimentale Tarnung zuzulegen. Der Beaverbrook-Konzern hat es mit Derhuman side, dermenschlichen Seite". Diese brave Menschlichkeit ist jetzt als politische Gift­mischerei und geschäftliche Profitsucht mit Hilfe der nackten Sensation enthüllt worden. B. R.

Die Ausgaben des Mnsiters im neuen Deutschland

Die Festtagung der ZReicfafammer der bildenden Künste im frankfurter Römer.

NSG. Die Reihe der großen Tagungen, die im Lause der Gaukulturwoche stattfinden, wurde mit der gefttagung der Reichskammer der bildenden Künste, Landesleitung Hessen- Nassau, fortgesetzt. Die Festtagung im Frankfurter Römer eröffnete der Landesleiter Hessen-Nassau ber RdbK. Prof. Dr. Lieser. In seiner Rede ging ber stellvertretenbe Geschäftsführer bes Präsibenten ber RdbK. Dr. ©aber zunächst auf den Sinn und Zweck der Gaukulturausstellung ein, die klares und gutes Zeugnis über das Kunstschaffen im Gau ab­legte. Er zeigte bann die Aufgaben, die die bilden­den Künstler im neuen Deutschland zu erfüllen haben. Höchste Pflicht der Künstler fei es, sich in den Dienst der Erneuerung unseres Volkes zu stellen. Die vollkommene Beherrschung der national­sozialistischen Idee sei Grundlage allen Schaffens. In den Werken müßten die Lebensäußerun­gen des Nationalsozialismus deutlich zum Ausdruck kommen. Ihre Arbeit müßten sie auf zwei Grundpfeiler stellen. Sie feien Blut und Boden. Der Künstler dürfe nicht nur in feinem Atelier schaffen, er müsse sich vielmehr mitten unter bas Leben unseres Volkes mischen, bamit er feinen Pulsschlag spüre. Die Werke würben bann auch Ausbruck bes Wesens bes Volkes werben. Dr. ©aber zeigte, wie ber Künstler in seinen Werken unb in seiner Haltung allen an ihn gestellten An- forberungen gerecht werbe. Maßstab seines Schaf­fens müßte fein, bie Verbinbung mit ben Volksgenossen unb die Verbindung mit Deutschland überhaupt. Er befaßte sich weiter mit den Tätigkeitsgebieten ber Fachgruppen. Die Archi­tekten seien verpflichtet, für bie Sauberkeit unb Schönheit bes Lanbschaftsbilbes besorgt zu sein. Ihre Bauten müßten Ausbruck unb Kraft ber Jbee unseres Führers unb bamit unserer Weltanschauung sein. Diese Aufgaben verlangten mehr benn je den Einsatz der ganzen Persönlichkeit. Eine besondere Verpflichtung habe den Architekten der Vierjahresplan auferlegt. Sie müßten in erster Linie den Qualitätsgedanken hochhalten unb viel Aufklärungsarbeit leisten. Die Maler unb Plastiker

seien bazu berufen, bas Werk bes Architekten zu unterstreichen unb zu heben. Zur Erfüllung ihrer Aufgaben müßten sie alle Kräfte einsetzen, bamit in späteren Jahrhunberten die nach uns kommenden Generationen staunend vor den Werken unserer Zeit ständen, so wie wir heute die Werke des Mittelalters bewunderten.

Zum Schluß erklärte Dr. ©aber, daß die Reichskammer der bildenden Künste umfangreiche Arbeit für die Wiedergeburt wahrer deutscher Kunst geleistet habe. Die Erfolge seien auch bereits auf allen Gebieten zu sehen. An die Künstler richtete er den Appell, mit besten Kräften an der Erneue­rung bes Volkes mitzuhelfen. Dies fei bie schönste Aufgabe, bie sie im Reich bes größten aller Bau­meister, Adolf Hitler, zu erfüllen hätten.

Die Tagung der Architetten.

NSG. Im Rahmen ber Gaukulturwoche fanben in Frankfurt bie Fachgruppentagung ber Kunstoerleger unb -hänbler unb bie ber Architekten statt. Während die Kunstverleger und -Händler im internen Kreise sich über ihre Berufsfragen ausge­sprochen hatten, tagten bie Architekten unse­res Gaues in einer größeren Zusammenkunft. Der Landesleiter ber Reichskammer ber bildenden Künste, Professor Dr. Lieser, sprach dem Gauleiter ben Dank aus für bas Verstänbnis unb bas Vertrauen, bas er burch bie Schaffung immer neuer Wett­bewerbe ben bilbenben Künsten entgegenbringe. Dann befaßte sich ber stellvertretenbe Geschäfts­führer ber Reichskammer ber bilbenben Künste, Dr. ©aber (Berlin) mit ben verschobenen Berufs­fragen ber Architekten. Architekt fei ber, ber sich be­rufsmäßig an ber Baugestaltung im Sinne bes Dritten Reiches betätige. Somit könne fein Unter­schieb mehr gemacht werben zwischen bem eigent­lichen Bauunternehmer unb bem Angestellten. Jeber müsse bie Möglichkeit haben, sich künstlerisch zu entfalten. Dieser m eit gefaßte Begriff bes Architekten basiere allein auf bem Gedanken ber Gemeinschaft unb ber schöpferischen Leistung.

Es gelte, im Gegensatz zu früher, an bie Stelle einer beengten Stanbesgemeinschaft eine Berufskamerad- schäft zu setzen. Jeber, ber als Architekt berufen sei, an ber beutschen Baukultur zu schaffen, habe bie tiefe Verantwortung, für bie Erhaltung ber Schön­heit bes Stabt- unb Lanbschaftsbilbes zu arbeiten. Zum Abschluß feiner Ausführungen betonte Dr. ©aber, baß ber Beruf bes Architekten burch bie neue A r ch i t e k t e n o r b n u n g zu einem öffentlichen Amte unb bamit roieber zu einem sicht­baren Dienst im Kulturleben unseres Volkes gewor­ben sei. An bem Erstehen ber Baubenkmäler im Dritten Reich verkörpere sich ber Schaffenswille und bie künstlerische Jbee beutscher Architekten.

Am Scheidewege.

Von Otto Corbach.

Der frühere amerikanische Staatssekretär Colonel Henry S 11 m \ o n enthüllte kürzlich, baß er im Jahre 1932 ben britischen und den französischen Botschafter in Washington ins Vertrauen gezogen habe, bevor er die alsStimson-Doktrin" bekannte gleichlautende Note an China unb Japan abgeschickt habe. Er habe babei bie Erwartung ausgesprochen, daß England und Frankreich ähnliche Schritte tun würden, um die Wirksamkeit der Note zu verstär­ken.Im Sinne dieser Erwartung", versichert Herr Stimson,wurden wir durch das, was tatsächlich geschah, enttäuscht." Es kam nämlich nur dazu, daß England und Frankreich den Völkerbund ver­anlaßten, eine Kommission nach Mon­ds ch u k u o zu schicken, die dann auf Grund ihrer Feststellungen" Japan für denAngreifer" er­klärte, was natürlich auf Japan keinen Eindruck machte und England und Frankreich nicht bewog, einen Finger zugunsten Chinas zu rühren.

Die Gründe, die vor allem England veran­laßten, Washington zu einer tatsächlichen Ein­mischung, wie sie Stimson im Sinne lag, nicht die Hand zu reichen, liegen auf der Hand. Zwar hat England in Nordchina durch die japanische Macht­ausweitung viel zu verlieren, aber seine lebens­wichtigen Interessen liegen in Südchina, der Südsee und am Indischen Ozean. Solange Japan diese schont, kann es sich mit dem japanischen Vor­gehen auf dem asiatischen Festlande um so leichter abfinden, als es ihm hilft,. Rußland in achtungs­voller Entfernung von der Nordwestgrenze Indiens zu halten. Die amerikanische Begünstigung einer Wiederherstellung chinesischer Gebietshoheit im Rah­men des zusammengebrochenen alten Kaiserreiches kann es schon deswegen nicht mitmachen, weil es selbst ehemaliges chinesisches Gebiet mittel- ober un­mittelbar beherrscht. Erst recht hat Frankreich allen Grund, um den Preis der Sicherheit seiner kolonialen Interessen in Südostasien Japan freien Spielraum zu gewähren; nicht umsonst hat es ge­rade deswegen jahrelang das Bedürfnis empfunden, durch eine betont japanfreundliche Haltung wider den Stachel britischer und überhaupt angelsächsischer Bevormundung, im besonderen in Abrüstungs­fragen, zu löten.

Seit 1932 haben sich nun die politischen Verhält­nisse im Fernen Osten zuungunsten der europäischen Kolonialmächte verschoben. Unter dem Präsidenten Roosevelt haben die Vereinigten Staaten zwar ge­waltig aufgerüstet, aber dennoch eine vorläufig a b - wartende Haltung gegenüber dem japani« scheu Vorgehen eingenommen. Durch die Preisgabe ber unmittelbaren Herrschaft über die Philippinen und andere ausweichenbe Schritte gab Washington sogar zu verstehen, baß es sich lieber aus bem Fernen Osten ganz zurückziehen würbe, als sich vor­zeitig in kontinental-asiatische kriegerische Ereignisse verwickeln zu lassen.

Nachdem nun Japan zum Entscheidungskampf um die politische Führung in Ostasien ausholte und dabei vor einer Ausdehnung des Kriegsschau­platzes auf Südchina nicht zurückschreckte, sahen sich England und Frankreich um die Früchte ihrer Bemühungen, mit Japan zu einem modus vi­vendi zu kommen, betrogen. Nach einer ziemlich schüchternen Fühlungnahme Englands mit Wa­shington wegen eines gemeinsamen Vorgehens kam von dort die enttäuschende Erklärung, daß man eingetrenntes und unabhängiges" Verfahren vorziehe. In einem Havas-Bericht aus Washington vom 17. Juli hieß es bereits, in halbamtlichen amerikanischen Kreisen herrsche die Auffassung, daß Staatssekretär Hüll dem Beispiel seines Vorgängers Stimson nicht folgen werde. Die Lektion, die man im Streit von 1931 erhielt, habe Amerika überzeugt, daß nichts bei einem leb­haften Protest unb ber Schaffung einer Spannung in ben Beziehungen zwischen ben Vereinigten Staa­ten unb China ober Japan zu gewinnen sei." Am 16. Juli hatte Staatssekretär Hüll eine Erklärung über die amerikanische Politik gegenüber Unruhe­herden in verschiedenen Teilen der Welt veröffent­lichen lassen, die nur allgemeine Anempfehlungen fürnationale und internationale Selbstbefchrän- fung" enthielt:Wir befürworten, daß sich alle Nationen ber Anwenbung von Gewalt in der Ver­folgung ihrer Politik enthalten, ebenso der Einmi­schung in bie inneren Angelegenheiten anberer Na­tionen. Wir befürworten bie Regelung von Pro­blemen internationaler Beziehungen auf bem Wege frieblicher Verhanblung und Verständigung. Wir befürworten die aufrichtige Einhaltung internatio­naler Abkommen" usw.

Seitdem rühren sich jedoch hüben wie drüben einflußreiche Kreise, für die bieZivilisation" gleich- bebeutenb ist mit ben gemeinsamen Belangen ber angelsächsischen V ö l k e r s a m i l i e" ober berenglisch sprechenden Völker". Gleichzeitig fühlt man sich im Washingtoner Staatsdepartement leb­haft beunruhigt, weil sich in England in maßgeben-