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UN- weiß um das seligste, noch verborgene Wunder des Trankes, der in späteren Jahren die Adern der Menschen durchrinnt und die Feuer zurückgibt, die er aus Himmel und Felsgrund gesogen. Das ist, als höbe ich aus dem Dämmergrund der Vergangen­heit meine Jugend zwischen den Weingärten und nähme sie mit in die noch kommende Zeit. Ist nicht das Keltern wie ein Gottesdienst in der Heiligkeit der Natur, und empfanden das nicht die Menschen mit der Darstellung Christi in der Kelter als Sinn­bild, als sie sein Blut dem Blut der Trauben ver­glichen? Wenn ich wieder aus dem Katheder stehe, geht das Bild des Weinbergs wie sinnfällig mit in meine Arbeit: die Bänke wandeln sich zum harten Gelände, meine Studenten sind die Rebstöcke, die ich betreue mit Fleiß und Andacht, und ich verfolge ihr Wachsen und Reifen, und ich bin beglückt, wenn die Trauben jungen Geistes sich gärend allmählich klären zu den wie es in der Wemsprache heißt feinblumigen und würzigfrüchtigen Edelkreszenzen, die in der Zukunft des Menschen Herz und Geist mit feurigen Räuschen erfüllen".

Er lächelte etwas verlegen, trank aus und erhob sich rasch.Ich muß noch stromaufwärts wandern, wo ich in einem kleinen Winzerhaus Quartier habe. Ich bin da mitten unter Rebstöcken und Bottichen, und ich schlafe sozusagen im Würzdust der Traube. Richt wahr, ich bin ein Sonderling? Aber wenn Sie länger am Rhein sind ... Diese Romantik stirbt nicht. Denn um die Rebß herum ist es wie um das Herz des Menschen: ein ewiger Traum: wenn aber die Träume vorüber sind, ist der Weinstock leer und tot." Wir trennten uns und haben uns nie wieder­gesehen. Ich strebte noch am selben Abend neuen Lebenszielen zu.

Der Weinbau

in der Aationalwittschast.

ZdR. Obwohl der Wem nicht zu den unentbchr- lichen Lebensgütern zu zählen ist, auch nur einen verhältnismäßig kleinen Teil der landwirt­schaftlichen Erzeugung ausmacht, spielt er doch eine bedeutende Rolle innerhalb der deutschen Volkswirt­schaft. Der deutsche Weinbau erstreckt sich über eine Fläche von ungefähr 80 000 Hektar, wobei er sich fast nur auf Südwest- und Westdeutschland be­schränkt. Darüber hinaus haben diese Gegenden als Grenzland eine besondere politische Be­deutung. Eine wirtschaftliche Stärkung ihrer Be- rnohner liegt daher im gesamtdeutschen Interesse, Da sie Stärkung der Grenzmark bedeutet.

Der Weinbau ist neben dem Gartenbau die gründlichste, arbeitsintensivste und am weitesten verdichtete Anbauform, die es gibt. Er braucht

große Aufwendungen an Arbeit und Geld, liefert dafür aber auch ein hochwertiges Erzeugnis. Der Weinbau gibt auf der gleichen Fläche ge­genüber dem Ackerbau der dreifachen Men- s ch e n z a h l eine Existenz. In der Landwirtschaft sind je nach Lage und Boden fünf, acht oder noch mehr Hektar notwendig, um einer Familie Arbeit und Brot zu geben, während schon ein Besitz von weniger als ein Hektar Weinberg demselben Zweck genügt. Im Weinbau gibt es daher sehr viele selbständige Familienbetriebe, der Klein, und Mittelbesitz herrscht also vor. Weiter wirkt sich das in der Bevölkerungsdichte aus, die im Westen verhältnismäßig hoch liegt und Gefah­ren wie im Osten nicht kennt Volkswirtschaftlich von Bedeutung ist aber besonders die Tatsache, daß über die Hälfte der deutschen Weinbergsböden für eine andere landwirtschaftliche Nutzung völ­lig unbrauchbar ist. Der Weinbau macht also Bodenfläche ertragreich, die sonst vollkommen wert­los wäre. Eine Befürchtung, daß der Weinbau den Anbau von Getreide und lebenswichtigen Nah­

rungsmitteln schmälert, ist also grundlos. Die An­lage von Weinbergen ist in dieser Hinsicht gesetzlich geregelt, d. h. auf Böden, die für andere landwirt­schaftliche Zwecke geeignet sind und keine güte­reichen Weine erwarten lassen, ist die Anlage von Weinbergen untersagt. Der Weinbau beeinträchtigt unsere Nahrungsfreiheit also in keiner Weife.

Der Weinbau als hochgezüchtete Anbauform ist natürlich auch ein Großabnehmer für un­sere Wirtschaft. Allein die chemischen Werke stellen für über fünf Millionen Mark jährlich an Schädlingsbekämpfungs- und Düngemitteln her. Dazu kommt noch der Bedarf an Faßholz und Fässern, an Glas, Flaschen, Kellereigerät, Keltern, Maschinen, Weinbergsgerät usw. Wenn darüber hinaus Hunderttausende von Volksgenossen, die mit der Weinerzeugung, der Verarbeitung und dem Vertrieb beschäftigt sind, Arbeit und Brot durch den Weinbau erhalten, so ist des Weines hohe volks­wirtschaftliche Bedeutung damit wohl eindeutig un­terstrichen. Heep.

Die Visitenkarte des Weins.

Wein will nicht nur getrunken Wein will mit all seinen Schönheiten genossen sein. Jeder Tropfen Wein umschließt eine Fülle an Duft und Geschmack. Tropfen für Tropfen genießt der Ken­ner den Wein. Auge, Nase und Zunge prüfen, was die Traube zu diesem Tropfen aus Sonne und Boden in sich ausgenommen hat. Sonne und Boden gestalten den Charakter des Weines. Die Rebe braucht viel Sonne, ohne Sonne gibt es keinen Wein und das Waller der Flüsse und der Schiefer des Bodens in Den Weinbergen helfen der Sonne. Den entscheidenden Geschmack aber er­hält der Wein von dem Boden, in dem der Reb­stock wurzelt. Schiefer, Sandstein und Kreide bilden den besten Untergrund.

Boden und Sonnenlage lassen den Kenner auf den ersten Blick die Qualität des Weines erkennen. Er weiß dieLag e" einzuschätzen. Die Lage gibt dem Wein seinen Namen und über 12 000 Lage- namen gibt es insgesamt in Deutschland. Nun kann aber kein Fachmann alle diese Lagen behal­ten, noch weniger der Laie. Eine beschränkte Zahl der bekanntesten und berühmtesten Lagenamen je­doch sollte nicht nur dem Weinkenner, sondern auch jedem der gelegentlich einmal zur Flasche greift, gegenwärtig sein.

Innerhalb der Lage ist der Jahrgang ent­scheidend. Der Wein gedeiht in den einzelnen Jah­ren völlig verschieden. Licht, Sonne, Wärme und

Feuchtigkeit in glücklicher Mischung schaffen die besten Voraussetzungen für einen guten Jahrgang. Doch dieseguten" Jahrgänge sind selten. Der Kenner merkt sich daher Diegroßen" Weinjahre und findet sich daher in der Fülle der Weine, die uns jede Weinkarte bietet, zurecht. Lage und Jahr­gang bilden so die Visitenkarte des Weines.

Genießen wir nun den Wien, so müssen wir alle diese Vorbedingungen für Wachstum und Reife der Trauben kennen, um die Güte des Weines abwä­gen zu können. Farbe, Geruch und Geschmack sind bestimmend. Der Kenner hebt das Glas gegen das Licht und prüft feinen Inhalt, die Klarheit und den Farbton. Der Duft des Weines wird von den zahlreichen Duftstoffen, die er enthält, bestimmt. Um dieseBlum e" zur vollen Entfaltung zu bringen, muß der Wein den richtigenWärme- grab haben, der bei Weißwein rund 10 Grad Cel­sius und bei Rotwein etwa 15 Grad Celsius be­trägt. Dann kommt auch die Zunge zu ihrem Recht. Die Tropfen werden eingesogen. Der Kenner bewegt sie zwischen Lippe und Zunge, wo Blume und Gehalt des Weines voll zur Wirkung kommen. Nur so genossen bringt der Wein uns vollen Ge­nuß. Wer den Wein so zu genießen versteht, wird immer ein Freund des Weines bleiben. Immer größer wird die Zahl derer, die den Wein als Ka­meraden froher Stunden oder auch als Sorgen­brecher ernster Tage schätzen lernen, und dasFest

der deutschen Traube und' des Weines" wird !n allen Teilen des Reiches die wieder vereinen, die einen guten Tropfen zu schätzen wissen.

Rundsuukprogramm

Sonntag, 17. Oktober.

6 Uhr: Frühkonzert. 8.10: Gymnastik. 8.30: Deut­sche Scholle. 8.45: Orgelmusik. 9: Christliche Morgen­feier. 9.45: Zwiespalt der Seele. 10: Chorgesang. 11: Ansprache des Reichsjugendführers Baldur von Schirach anläßlich der Einweihung von 50 neuen Jugendherbergen sowie zahlreicher Grundsteinlegun­gen und Richtfeste von Jugendherbergen. 11.45: Jugend marschiert Sieg Heil!" Lieder der HI. 12: Musik am Mittag. 14: Für unsere KinderKa­sperle fährt Schlafwagen". Ein lustiges Spiel. 14.30: Kaskaden der Freude! 15.30: Deutsche Scholle. 16: Nachmittagskonzert. 17: Hörbericht vom Weinfest der Westmark in Bernkaftel-Cues. 18: Die Brixiade. Ein heiteres Wein- und Moselmärchen. 19: Nach­richten. 19.10: ... und inzwischen ein kleines Tänz­chen. 19.40: Sportspiegel des Sonntags. 20 (aus der Stadthalle in Mainz): Mein Sohn, wenn du zum Weine gehst ...! Eine frohe Fahrt auf Deutschlands Weinstraßen. 22: Nachrichten (auch aus dem Sende­bezirk). 22.15: Sportbericht. 22.30: Musik zur Unter­haltung. 24 bis 1: Nachtmusik.

TUontag, 18. Oktober.

6 Uhr: Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Früh- konzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Musik am Morgen. 10: Schulfunk. 10.30: Hausfrau, hör zu! 11.40: Deutsche Scholle. 12: Schloßkonzert. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Schloßkonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Mal dies mal das! 15: Volk und Wirtschaft. 15.15: Für unsere Kinder. 16: Nachmittagskonzert. 18: Zeitgeschehen im Funk. 19: Nachrichten. 19.15: Stuttgart spielt auf. 21.15: Orchesterkonzert. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 22.30: Nachtmusik und Tanz. 24 bis 1: Nachtkonzert.

Dienstag, 19. Oktober.

6 Uhr: Morgenlied. Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Musik am Morgen. 10: Schulfunk. 10.30: Hausfrau, hör zu! 10.45: Sportfunk für die Ju­gend. 11.40: Deutsche Scholle. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Tanz unterm Erntekranz. 15: Volk und Wirtschaft. 15.15: Die Frau in der Karikatur. Ein Funkmonolog. 16: Nach­mittagskonzert. 18: Zeitgeschehen im Funk. 19: Nach- richten. 19.10: Abendkonzert. 21.15: Kammermusik. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 22.30: Unterhaltung und Tanz. 24 bis 1: Nachtmusik.

Aufruf

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Gießen, Babnhofstr. 51. Ruf 4069

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%-Liter-Flasche . .Mk. 0.95 Ahrblut9

' %-Ltr.-FL ..Mk. 1.20

k. zuzüglich

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Ecke Frankfurter Straße/Klinikstraße, Fernsprecher 3337

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zum

Fest der deutschen Traube und des Weines 1937

Edeka Mitglied

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Am 16. u. 17. Oktober wird im ganzen Zfteidj das Fest der deutschen Traube und des Weines 1937" als Ehrentag des deutschen Winzers durchgeführt. Wie in den letzten Jahren, so hat unsere Stadt auch diesmal wieder die Patenschaft von den rhein­hessischen Weinorten

Gau-Odernheim und Oppenheim

übernommen. Oie zum Vertrieb und Ausschank von Patenwein zugelassenen Gaststätten und Ge­schäfte sind durch eine besondere Urkunde erkennt­lich. - Zeder Hilst mit, eine erfolgreiche Wein­werbung durchzuführen. Darum:

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Samstag und Sonntag

Winzerfest

Patenwein - Ausschank I

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HOTEL SCHÜTZ

SAMSTAG, den 16. Oktober, 20 Uhr, anläßlich des Festes der deutschen Traube

Rheinischer Abend mit Tanz

(im Saale)

Tischbeetellungen unter Nr. 3141 u. 3142 erbeten

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Hessischer Hof

Patenwein-Ausschankl Bekannt gute Küche Gepflegte Weine und Biere 6771 D

Gastwirtschaft GSVMNNtÄ Kaiserallee 141, an derVolksballe Patenwem-Ausschank

Wo trinkt man den guten Patenwein?

Im Schützenhaus

_______Inhaber: H. Beck 6781D

Wein bringt Freude!

Zum Adler/MarktDlatz 20

Samstag und Sonntag

KONZERT

Anfang 20 Uhr

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SONNTAG, den 17. Oktober 1937

'Winzerfest Zum kühlen Grund 6736d Inhaber Adolf Schepers

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Wo tiintt man den guten Patenroein? im Restaurant 6785D Giadi Mainz"

Samstag und Sonntag

(Siitmttttttö! / Sumovr

Seltersweg 19 em d

Gepflegte Weine An erkannt gute Küche

' Nimm 6780d

ungs*-

Kurlranbensalt

-a. Die öemötliche Gaststätte

U,!%fieingOl<I patenwein

Weinhandlung und Likörfabrik Carl Küchel Nacht Gießen