Kost der deutschen Traube und des Weines.
Wein-Seligkeit.
Von Paul Eipper.
Am 16. und 17. Oktober wird allenthalben das Fest der deutschen Traube und des Weins begangen.
Weil ich mittlerweile das „Schwa benalter" erreicht habe, also nach Brief und Siegel „gescheit" geworden bin, will ich als Gruß an den süffigen Neckarwein die Geschichte meiner ersten Begegnung mit dem gefährlichen Gott Bacchus erzählen.
Die Abschlußprüfung fürs „Einjährige" war bestanden; 26 stolze Obersekundaner beschlossen, von Stuttgart aus eine Fahrt nach Heilbronn zu unternehmen. das Käthchenhaus anzusehen und den Götzenturm, in dem zu Pfingsten 1519 (so wetterfest hat uns der Geschichtsprofessor die Jahreszahl eingebläut, daß ich sie heute noch weiß!) Götz von Verlichingen gefangen saß.
Wir waren mit dem ersten Zug abgefahren und hatten um 11 Uhr morgens schon „ganz Heilbron" durchstöbert; was nun? „Nach Weinsberg, zur Weibertreu!", sagte der Klassenerste. Bei leuchtender Herbstsonne sind wir Klassenkameraden hügelauf- und abgewandert, vom Neckar nach Sulm; wir haben uns begeistert die Geschichte von der „Weibertreu" vordeklamiert und neuen Wein dazu getrunken.
In der jugendlichen Begeisterung ging es recht wahllos zu; ich weiß noch, daß mir der Schwartenmagen sehr gut geschmeckt hat, und daß ich hinterher die ersten zwei Zigarren meines Lebens rauchte. Vielleicht lag's daran; vielleicht hat auch die Rede unseres Rädelsführers schuld, in deren Verlauf immer wieder ein neues Hoch ausgebracht wurde auf die Weibertreu.
Man erspare mir Einzelheiten über das Martyrium des Rückmarsches, nur einmal in meinem späteren Leben bin ich wieder so seekrank gewesen; aber wir Sekundaner erreichten schließlich doch Heilbronn, und dort war es uns allen sehr viel besser und leichter.
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25 Jahre später war ich beim Landrat von Maulbronn zu Gast. Wir hatten den ganzen Vormittag im Kloster zugebracht, in diesem wundervollen und besterhaltenen mittelalterlichen Kloster Deutschlands, und saßen nun beglückt in der mit heimatkundlichen Stichen angefüllten Landratsstube, schweigend, weil das Geschaute uns mit allen Sinnen bezwang. „Lieber Landsmann, bleibet Sie a Weile allein", sagte plötzlich der Hausherr, Dieser Vormittag muß richtig ausschwingen!"
Nach zehn Minuten erschien er wieder, mit einer Weinflasche. „Elfinger 1911" stand darauf. Man muß im Schwabenland geboren sein, um diese Anschrift voll würdigen zu können. Der Elsinger ist wohl der König der württembergischen Weine, und der Jahrgang 1911 ...! Wir wollen auch jetzt schweigen, so wie ich damals geschwiegen habe, den Kristallkelch vor mir und die Seligkeit in mir. Recht lange kann man an einer Flasche Wein trinken, wenn man kleine Schlucke nimmt und jeden Tropfen einzeln schmeckt. (Wir sagen: richtig kaut!).
Damals erfuhr ich auch die Herkunft des Namens „Elfinger". Diesen Wein haben die mittelalterlichen Aebte von Maulbronn auf dem sonnigsten Hang ihres Geländes angepflanzt, und er soll zu allen Zeiten so aut gewesen sein, daß jeder Mönch sich „11 Finger danach geleckt hätte, wenn er nicht bloß zehn an beiden Händen besessen haben würde.
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und deshalb heißt eine althergebrachte Vorsichtsmaßregel: „Gehe zur Zeit des jungen Weins nie ohne eine brennende Kerze in den Keller!" Falls sich nämlich soviel Kohlensäure angesammelt haben sollte, daß sie schon bis zur Hüfte des Menschen reicht, so würde die in der Hand getragene Kerze erlöschen und den Menschen auf das geruchlose Gas aufmerksam machen, ihn warnen
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Doch wir wollen von fröhlichen Dingen reden; ich könnte noch das harmonisch-schöne Geläut erwähnen, das die durch Stadt und Land ziehenden Weinfuhrwerke auszeichnet; aber damit niemand
Fast beleidigt antwortete der Wirt: „Sogar ganz echte! Uns gehört nämlich ein Stück vom Kirch- Weinberg. Aber wir schenken den Wein nur glasweise aus, und er ist nicht billig."
Im Lauf der Unterhaltung vermehrte ich mein Wissen sehr, erfuhr, was „echte Liebfrauenmilch" ist, und daß man auf die Nebenbezeichnung „Kirchenstück" achten müsse. Nach und nach bestellte ich dreimal „hausgemachte Leberwurst" und jedesmal einen Schoppen Liebfrauenmilch dazu. Denn „wirklich schmecken tut der Wein erst nach dem zweiten Schoppen", belehrte mich der Großvater, und obwohl ich für gewöhnlich am Vormittag keinen Alko-
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Haben Sie nicht auch Lust? ... (Aufnahme: Elisabeth Hase, Frankfurt a.M.)
Das Keltern und die Weinlese bedeuten hn Schwabenland wahre Volksfeste. In meinen Kindheitserinnerungen spielt der .Wengertschütz" eine große Rolle, jener Aufsichtsbeamte, der mit einer vorsintflutlichen Pistole im Weinberg Wache hielt, damit die Lausbuben keine reifen Trauben stehlen, -- der aber auch auf die Vögel aufpassen mußte, denen die süßhaftigen Beeren mindestens ebenso gut schmeckten wie uns. Zu diesem Zweck hatte der Wengertschütz eine riesengroße Holz-Rätsche bei sich, mit der er alle fünf Minuten ohrenbetäubenden Krach machte.
Die Weinwirtschaften hängen Reisigbesen über ihre Tür zum Zeichen, daß es nun den ersten „Neuen" gibt; Musik spielt auf, es wird überall gesungen und getanzt. Im Ofen backt schon der Zwiebelkuchen, ohne den kein echter Schwabe den frisch gekelterten Wein genießen will.
Der neue Wein gärt; dadurch wird bekanntlich Kohlensäure frei. Weil dieses giftige Gas schwerer ist als die Luft, setzt es sich unten am Fußboden ab,
glaube, daß ich nur meinen schwäbischen Wein liebe und schätze, sei zum Schluß eine heitere Begegnung minder edlen „Liebfrauenmilch" des Rheintals ge-
Jch hatte in Worms einen Vortrag gehalten und ging am andern Morgen durch jene herrliche, für die deutsche Geschichte so bedeutungsvolle Stadt. Dabei entdeckte ich auch die gotische Liebfrauenkirche oben am Hang über dem Rhein und ringsherum Weinberge. Es war ein besonders kalter Tag (man konnte mit Pferd und Wagen über den zugefrorenen Rhein fahren), und ich schaute schließlich nach einem wärmenden Gasthof aus. Dort unten steht ein kleines Wirtshaus! Die Stube ist leer, nur der alte Wirt sitzt dicht beim Ofen. „Gibt es hier etwas zu elfen? — „Hausgemachte Leberwurst!" — „Und zu trinken? Vielleicht Liebfrauenmilch?" fragte ich weiter.
hol trinke, rnuß ich gestehen, daß der Traubensaft tatsächlich mit jedem Schluck besser schmeckte. „Er macht gar nicht müde; ganz leicht ist dieser herrliche Wein, nur Duft und Würze. Er steigt einem nicht ein bißchen zu Kopf", sagte ich nach anderthalb Stunden, versprach dem Wirt, nächstes Jahr wiederzukommen, bezahlte und trat befriedigt hinaus. Das heißt, ich kam zwei Schritte; dann verweigerten meine Füße jeden Dienst. Der Kopf war klar, das Herz beseligt, aber von der Hüfte abwärts bestand mein. Körper aus starrem Zement. Ich konnte nichts Besseres tun, als mich an die Wirtshauswand lehnen und herzhaft über mich lachen.
Doch dadurch wich die „Schlagseite" nicht; es half nur das Telephon und eine Taxe. Trotz alledem bin ich rechtzeitig von Worms weitergefahren zur nächsten Stadt, habe dort am gleichen Abend einen besonders beschwingten, fröhlichen Vortrag gehalten.
Weinherbst am Rhein.
Don O. H. Garnehki.
Vor mehreren Jahrzehnten kam ich aus dem Worben über den schlesischen Osten an den Rhein; *es war ein silbergrauer Oktoberabend, voll von dämmerigen Geheimnissen, die Luft durchtränkt vom feuchten und herben Dunst des welkenden Laubes und den ersten kühlen Herbstnebeln, in denen ein leiser Brandgeruch haftete, vielleicht von irgendwelchen schwelenden Kartoffelfeuern in den schmalen Ackerrainen am Fuß der Hänge. Es war in Rüdesheim, und ich sah zum erstenmal den Rhein; mein Begleiter, ein weißbärtiger Hallenser Professor, der mir auf langer Fahrt in munterer Rede von Städten und Bauwerken, von Gebirgszügen und Flüssen, von der kunterbunten Staatengeschichte Mitteldeutschlands erzählt hatte, sagte kein Wort, sondern hob nur den Arm und strich mit einer fast zärtlichen Gebärde über das Bild der ruhenden Landschaft hin: über den grauschimmernden Strom, die in den Dunst schon halb eingesunkenen Berge, den düster aufragenden, vom Nebel noch nicht bezwungenen Mäuseturm und über die Bucht zwischen den gegenüberliegenden Höhen, in der die stille Mündung der Nahe zu ahnen war. In irgendeiner der Lauben, nicht fern dem Strom, umfangen und eingedacht von einem uralt verknorpelten Re'bstamm, tranken wir zum Abschied eine Flasche vom edelsten Jahrgang, Kapsel und Pfropfen verfilzt, aber der Wein wie von leuchtendem Gold. Und es war ganz so, wie ich am Meer und Heide den Rhein erträumt hatte: bie Stimmung voll echter, tiefer Romantik, nicht die der bespöttelten romantischen Bilderbogen, nicht die des trunkenen Rundgesangs, sondern die einer schweigenden Andacht, die schönsten Wein- lobverse vom Muskateller im hölzernen Röcklein bis zu Dehmels schwerer Symbolik verzückten Rausches fielen uns ein und wurden doch nicht gesprochen, und es baute in Wahrheit drüben der weiße Mond in den Nebel die Brücke, über die der Kaiser Karl bei Ingelheim zu nächtiger Stunde schreitet, die Reben zu segnen.
Mein Begleiter sagte im Tonfall leisen Dozierens: „Im Herbst, zur Traubenreife, gehe ich nach alter Gewohnheit auf die Wanderung, bald moselaufwärts, wo ich etwa um die Stätten von Bern- kastel, Uerzig und Piesport genaue Kenntnis habe, oder durch den Rheingau, wo es soviel Namen von altehrwürdigem Klang gibt und den warmen Schieferböden die Kronen der Weine bei Geisenheim, Rüdesheim, Schloß Johannisberg, Nierstein, Rauen- thal und der Steinbergwein bei Kloster Eberbach entwachsen, oder an die Nahe, von wo uns der Scharlachberger, der Kauzenberger, Kreuznacher und Schloß Böckelheimer beglücken, auch hinüber zur Saar und Ruwer, immer aber durch die Pfalz, denn ich pilgere dann längs des Hardtgebirges hin, wo das Rebgelände sich wie ein breites Band auf Buntsandsteinboden bis zur elsässischen. Grenze hinzieht, an den Lagen von Forst und Deidesheim vorüber, die es ebenfalls zu Weltruf gebracht haben, und dann ins Elsaß. Denn ich bin eines elsässischen Weinbauers Sohn".
Er hielt einen Augenblick inne, und die gehörten Namen läuteten in mein Gedächtnis wie stille, schöne Glocken vom Berge. Er fuhr dann fort: „Daher weiß ich auch, daß der Rebstock im Wingert unter den Menschen steht wie mit einer lebendigen Seele, die gepflegt und gehütet und geschützt werden muß alltag in Sorge, daß nicht Frost und Krankheiten über ihn fallen, daß er einen guten Nährboden hat, daß er kundig gezogen und geschnitten und gebunden wird, bis dann die ün- cheinbare grüne Blüte ihren feinen Resedendust verströmt. Und es muß die Sonne scheinen zur rechten Zeit und Regen fließen zur rechten Zeit, und die Sorge wächst mit der wachsenden Traube, dazu die Hoffnung und das freudig bangende Besitzerglück. Ja, wenn dann das Herbsten kömmt und die Karren auf den steinigen Wegen mit den Maisch, bottichen in die Weinberge knarren, wenn der wär- zige Traubenduft durch die Dörfer geistert und alles wie von einem heimlichen Rausch erfüllt ist, ist die hohe und begnadete Zeit der Winzer in guten Jahren, wo die Mühsal — Abbild des ewig sich wandelnden Lebens — sich löst in den Zauber fröhlicher Ernte.
Ich wandere durch die gilbenden Weinberge und sehe dem Schneiden der Trauben zu, vernehme alte Volkslieder in das ächzende Geräusch der Handpressen, äuge in die Höfe und Keller, erspüre alte Wirtshausschilder, trinke den süßen Traubenmost
PATEN WEINE
der Stadt Gießen
Gau-Odernheimer und Oppenheimer
sowie
Qualitätsweine aller Weinbaugebiete
liefern die Weingroßhandlungen
Hch. Elges, Seltersweg 66
Herrn. Gebauer, Walltorstraße 53
Ehr. Znderthal, Seltersweg 55
6790 D
Zum Fest der deutschen Traube und des Weines
Patenweine der Stadt Gießen
1936er Gau-Odernheimer Lieberg.. Ltr.-Flasche 1.05o.GL
Weifeweine:
1935er Freilaubersheim.Johannisberg, Ltr.-Flasche 0.95 o.GL
1935er Rüdesheimer Rosengarten... Ltr.-Flasche 0.95 o.GL
Rotweine: 1935er Ingelheimer Rotwein.......
Ltr.-Flasche 0.95 o.GL
Traubensaft.....................Ltr.-Flasche 1.00 o.GL
MtflnffletMffenfM Wen e. (S. m. ö. ö.
3 Prozent Rückvergütung __6773 A |
Weingroßhandlung und Likörfabrik
1827
1937
110 Jahre
Wilh.:
allenfels Sohn
Inhaber: Balzer
Gießen / Braugasse 6 / Fernsprecher 3625
Das Haus der guten Weine und
Schnäpse
finktl
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Lieferant der Patenweine
6789 D


