Sladlkhealer Gießen.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Um vielen Wünschen unserer Besucher zu entsprechen, haben mir die Erfolgsoperette der letzten Spielzeit „Die Dorothee" von Hermecke und Vet- terling wieder in den Spielplan ausgenommen. Die Erstaufführung der Wiederaufnahme findet heute abend statt. Musikalische Leitung Kapellmeister Joachim Popelka; Spielleitung Karl Ludwig ß i nt) t; Tänze und choreographische Leitung Irmgard Zenner: Bühnenbild Karl Löffler. Die in eigener Werkstatt hergestellten Kostüme sind angefertigt nach Entwürfen von Sophie Buchner, ousgeführt von Willi Endrich. Diese Vorstellung findet für „Kraft-durch-Freude" - Miete, Gruppe I (2. Vorstellung) statt. Freier Kartenverkauf zu Tagespreisen! Anfang 20 Uhr, Ende gegen 23 Uhr.
Spielplan des Sladlthealers Gießen vom 17. bis 24. Oktober.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Am Sonntag, 17. Oktober, findet die zweite Mor- genveranstaltung der Spielzeit statt, die die „Winterreise", einen Liederzyklus von Franz Schubert (1797—1828), bringt. Dieser Liederzyklus ist im heutigen Konzertsaal nur sehr selten in geschlossener Folge zu hören. Daher werden es die Kunstfreunde Gießens sicher begrüßen, daß das Theater die „Winterreise" in dieser MorgenVeranstaltung bringt. Den Liederzyklus singt Gustav Bley (Bariton), den der Kapellmeister Joachim P o p e l k a am Flügel begleitet. Platzmieter zahlen auf allen Plätzen 0,25 RM. Die Morgenveranstaltung beginnt um 11.30 Uhr, Ende 12.45 Uhr. — Am Abend findet eine Wiederholung des großen Erfolges „Das kleine Hofkonzert", Operette aus der Welt Carl Spitzwegs von Verhoeven-Jmpekoven-Nick, statt. Musikalische Leitung Kapellmeister Joach. P o p e l k a , Spielleitung Karl-Ludwig Lindt. Es wirken mit: das Operetten- und Schauspielpersonal des Stadttheaters. Das Bühnenbild schuf Karl Löffler. Die Vorstellung findet außer Miete statt. Beginn 19 Uhr, Ende 22 Uhr.
Montag, 18. Oktober, Anfang 19.30 Uhr, Ende 21.45 Uhr, Theaterring der Hitler-Jugend, 1. Vorstellung „Uta von Naumburg", Schauspiel von Dhü- nen, Spielleitung Dr. Erich Schumacher. Geschlossene Vorstellung, kein freier Kartenverkauf.
Dienstag, 19. Oktober, Anfang 20 Uhr, Ende 23 Uhr, „Das kleine Hofkonzert", Operette von Ver- Hoeven-Jmpekoven-Nick. Musikalische Leitung Joachim P o p e l k a, Spielleitung Karl Ludwig Lindt. Dienstag-Miete 4. Vorstellung.
Mittwoch, 20. Oktober, Anfang 19.30 Uhr, Ende 22 Uhr. Zum letztenmal „Im Rebeloch rumorts", Lustspiel von Domhof. Spielleitung Dr. Erich Schumacher. Mittwoch-Miete 4. Vorstellung.
Freitag, 22. Oktober, Anfang 20 Uhr, Ende 23 Uhr, „Das kleine Hofkonzert", Operette von Verhoeven- Jmpekoven-Nick. Musikal. Leitung Joachim P o - pelka, Spielleitung Karl Ludwig Lindt. Freitag-Miete 5. Vorstellung.
Samstag, 23. Oktober, Anfang 20.15 Uhr, Ende 23.10 Uhr, 1. Sondervorstellung für NSG. Kraft durch Freude, Wetzlar, „Die Dorothee", Operette von Hennecke und Vetterling. Musikalische Leitung Joachim P o p e l k a, Spielleitung Karl-Ludwig Lindt. Geschlossene Vorstellung — kein freier Kartenverkauf.
Sonntag, 24. Oktober, Anfang 19 Uhr, Ende 21.30 Uhr, neu einstudiert „Drei alte Schachteln", Operette von Walter Kollo. Musikalische Leitung: Joachim P o p e l k a, Spielleitg. Karl-Ludwig Lindt. Außer Miete.
Colin Roß in Gießen.
Auf Einladung des Goethe-Bundes und des Kaufm. Vereins spricht am kommenden Montagabend der bekannte Weltreisende Colin Roß an Hand zahlreicher interessanter Lichtbilder über das Thema: „Asien — Amerika — Europa. (Weltpolitische Hintergründe und Ausblicke 1937/38.) So wird mit einem ganz besonderen Vortrogserlebnis der Gießener Vortragswinter eröffnet werden.
AGA. Ortsgruppe Gießen-Nord.
Am Montag, 18., und Dienstag, 19. d. M., wird im Bereiche der Ortsgruppe Gießen-Nord für den Monat Oktober 1937 die Pfundsammlung durchgeführt. Es wird darauf hingewiesen, daß für die Dauer des Winterhalbjahres nicht nur bei den Mitgliedern des Lebensmittelopferringes, sondern auch bei allen anderen Volksgenossen die Pfundsammlung durchgeführt wird. Als Spenden sind vorwiegend erwünscht: Mehl, Hülsenfrüchte, Graupen, Nudeln, Makkaroni, Zucker, Grieß, Wurstwaren, Konserven. Selbstverständlich werden auch olle anderen Pfundspenden entgegengenvmmen.
Regelmäßige Beflaggungstage.
Regelmäßige allgemeine Beflaggungstage sind nach der neuen Verordnung der Reichsregierung:
1. der Reichsgründungstag (18. Januar),
2. der Tag der nationalen Erhebung (30. Jan,), 3. der Heldengedenktag (5. Sonntag vor Ostern), 4. der Geburtstag des Führers und Reichskanzlers (20. April),
5. der Nationale Feiertag des deutschen Volkes (1. Mai),
6. der Erntedanktag (1. Sonntag nach Michaelis).
Das Abholen von Altmaterial.
Vor einigen Tagen haben wir unter der lieber» schrift „Hausfrauen, verbrennt kein Papier!" eine Mahnung an die Hausfrauen veröffentlicht, in der die Wichtigkeit des Sammelns und der Verwertung von Altpapier dargelegt wurde. Daraufhin erhielten wir eine Zuschrift aus unserem Leserkreise, in der von dem Einsender mitgeteilt wurde, daß er seit Mai bis heute alles Altpapier gewissenhaft gesammelt und es auch wiederholt dem Altmaterialhändler angeboten hat, es aber bisher nicht loswerden konnte, weil der Altmaterialhändler und auch sonst niemand es abholte. Der Einsender fragt mit Recht: Was nun, was tun?
Wir haben diese Beschwerde dem Kreiswirtschaftsberater bei der Kreisleitung Wetterau zur Kenntnis gebracht und von diesem die Mitteilung erhalten, daß jeder Altmaterialhändler verpflichtet ist, die in seinem zugeteilten Bezirk anfallenden Mengen von Altmaterial abzunehmen, damit sie der Wiederverwendung zugeführt werden können. Im vorliegenden Falle war also der Altmaterial- Händler verpflichtet, das Altpapier mitzuneh- men.
Diesen Sachverhalt mögen sich unsere Hausfrauen für künftige Fälle merken und dabei noch beachten, daß sie die Möglichkeit haben, Beschwerden bei dem Kreiswirtschaftsberater bei der Kreisleitung Wetterau in Gießen, Lonystrgße, vorzubringen, falls der für ihren Bezirk zuständige Händler von Altmaterial die Abholung verweigert, oder sie über ein gebührendes Zeitmaß hinaus ver-
Helft dem
interhilfswerk?
Aufruf!
Der Sammettag der Deutschen Arbeitsfront ist ein Ehrentag für den deutschen Arbeiter. An diesem Tage zollt er seinen Dank dem Führer, der ihn nach Iahren der Rot und des Elends zurückgeführt hat in die Gemeinschaft des Volkes.
Schaffende Menschen aus Fabriken und Kontoren sammeln gemeinsam mit den Wallern und Warten der Deutschen Arbeitsfront, um notleidenden Kameradne über die schweren Monate des bevorstehenden Winters hinwegzuhelfen. Als Gauobmann wende ich mich heule deshalb an alle Volksgenossen mil der Ville, durch ihre Spende dem Sammellag der Deutschen Arbeitsfront, der gleichzeitig die Aktion für das Winterhilfswerk des deutschen Volkes 1937/38 einleitet, zu einem vollen Erfolg zu verhelfen.
Das Winterhitfswerk des deutschen Volkes ist der Ausdruck nationalsozialistischen Wollens. Unser Opfer ist unser Dank an den Führer!
Vecker.
Gauobmann der Deutschen Arbeitsfront.
Schaffende sammeln — Schaffende geben.
Aus der Werkstatt, aus der Maschinenhalle, aus dem Büro, von jeglicher Arbeitsstätte in Deutschland eilen die schaffenden deutschen Menschen am Samstag und Sonntag herbei, um ihre Einsatzbereitschaft für das Aufbauwerk unseres Führers durch die Tat unter Beweis zu stellen. Die einen sammeln, alle geben freudig ihr Opfer. Wer möchte sich da ausschließen aus der Gemeinschaft, die Tag für Tag das Beste, was sie zu geben hat, die volle Arbeitskraft der schaffenden Männer uhb Frauen einsetzt, uni das Werk des Neuaufbaues Deutschlands zu vollenden. An jeden ergeht daher der Ruf: „Gib schnell, gib reichlich und gib freudig!"
WHW.-Spenden von Lohn und Gehalt.
Die Spenden der Lohn- und Gehaltsempfänger für das Winterhilfswerk belaufen sich auch in diesem Jahre wieder auf 10 v. H. der Lohnsteuer. Diese Spenden von Lohn und Gehalt werden, wie bei den bisherigen Winterhilfswerken, schon geschehen, von der Betriebsführung gegen Aushändigung der Monats-Türplakette einbehalten und an
die örtliche WHW.-Dienststelle abgeführt. Wer weniger als 2,50 Mark Lohnsteuer zahlt oder überhaupt lohnsteuerfrei ist, opfert jeden Monat 25 Pf. für das Winterhilfswerk und erhält dafür gleichfalls die Monats-Türplakette.
Nach dem Lohnsteuergesetz vom 1. Januar 1935 sind lohnsteuerfrei:
Ledige bei einem Wochenlohn bis 18,49 Mark oder bei einem Monatsgehalt bis 80,49 Mark;
Verheiratete ohne Kinder bei einem Wochenlohn bis 24,49 Mark bzw. einem Monatsgehalt bis 104,99 Mark;
Blaß, schwächlich, müde!
Kinder werden durch die.Wintermonate immer etwas mitgenommen. Sie sehen müde und abgespannt aus, essen wenig und gedeihen nicht recht. Geben Sie Ihrem Kinde jetzt das blutbildende B i o f e r r i n, welches in allen Apotheken erhältlich ist. Bioferrin ist ein gutes Kräftigungsmittel, wohlschmeckend und appetitanregend, dabei unschädlich für Magen und Darm.
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Verheiratete mit einem Kind bei einem Wochenlohn bis 30,49 Mark bzw. einem Gehalt bis 130,99 Mark:
Verheiratete mit zwei Kindern bei einem Wochenlohn bis 36,49 Mark bzw. einem Gehalt bis 156,99 Mark:
Verheiratete mit drei Kindern bei einem Wochenlohn bis 45,49 Mark bzw. einem Gehalt bis 195,99 Mark;
Verheiratete mit vier Kindern bei einem Wochenlohn bis 60,49 Mark bzw. einem Gehalt bis 260,99 Mark:
Verheiratete mit fünf Kindern bei einem Wochenlohn bis 81,49 Mark bzw. einem Gehalt bis 351,99 Mark;
ufw. in gleicher Staffelung bis zu zehn Kindern.
SA.-Konzert für das WHW.
Anläßlich der ersten Straßensammlung für das Winterhilfswerk findet am heutigen Samstag von 16.30 bis 17.30 Uhr ein Platzkonzert des Musikzugs der SA.-Standarte 116 unter Leitung von Musikzugführer Herrmann auf dem Kreuzplatz statt.
zögert. Selbstverständlich müssen derartige Beschwerden den Namen und die genaue Wohnungsangabe des Beschwerdeführers enthalten, damit der Kreiswirtschaftsberater den Dingen in der richtigen Weife nachgehen kann.
Unser neuer Vornan.
Nachdem wir den Roman „Und Du bist doch das Glück" von Bernhard L o n z e r in der gestrigen Nummer unseres Blattes beendet haben, beginnen wir in der heutigen Ausgabe des Gießener Anzeigers mit dem Abdruck eines neuen großen Romanwerkes, von dessen Veröffentlichung wir uns einen ganz außergewöhnlichen Erfolg in allen Kreisen unserer Leserschaft in Stadt und Land versprechen. Der Autor, Hans-Joachim Freiherr von Reitze n st e i n , ist bisher in unseren Spulten noch nicht zu Worte gekommen; sein Name ist durch seine früher erschienenen Romane „Oberwachtmeister Schwenke" und „Die Werft zum grauen Hecht" in ganz Deutschland schnell bekannt geworden; beide Romane wurden später verfilmt, beide Filme sind auch in Gießen gelaufen und haben allgemeine Aufmerksamkeit und großen Anklang gesunden. Der neue Roman — noch nicht verfilmt —, mit dessen Abdruck wir heute beginnen, heißt
„Blondine seht sich durch"
und ist so frisch und lebendig, so spannend und humorvoll geschrieben wie die genannten und schnell berühmt gewordenen beiden Vorgänger. Diesmal handelt es sich um fünf kleine Fräuleins, unter ihnen ganz besonders um das junge Fräulein Blondine Hertel, ihren Weg ins Leben und ihre große Liebe. Mit der Liebesgeschichte ist, höchst spannend, ein Kriminalfall verknüpft, und auch der Film spielt eine Rolle in dieser Geschichte, die jeder, ob Mann oder Frau, auf dem Lande oder in der Stadt, mit wirklichem Vergnügen und großem Genuß lesen wird. Wir möchten alle unsere Leser mit besonderem Nachdruck auf diesen prächtigen Roman aufmerksam machen.
Gießener Dochenmorktpreiie.
* Gießen, 16. Oft. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier, deutsche, Klasse A 11%, Klasse B 11, Klasse C 10%, Wirsing, % kg 9 bis 12 Pf., 50 kg 7 bis 9 Mark, Weißkraut, % kg 6 Pf., 50 kg 4 bis 5 Mark, Rotkraut, % kg 9 bis 12 Pf., 50 kg 7 bis 9 Mark, gelbe Rüben, % kg 8 bis 9 Pf., Karotten 8 bis 12, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 20 bis 25, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün 15 bis 25, Unterkohlrabi 6 bis 8, Erbsen 25 bis 35, Grünkohl 15, Rosenkohl 15 bis 25, Feldsalat, Vio 10, Tomaten, % kg 12 bis 17, Meerrettich 30 bis 70, Zwiebeln 6 bis 7, Schwarzwurzeln 25 bis 40, Kürbis 5 bis 6, Pilze 40 bis 45, Kartoffeln, % kg 4 Pf., 5 kg 40 Pf., 50 kg 1. Sorte 3,45 Mark, 2. Sorte 3,25, 3. Sorte 3 Mark, Aepfel, % kg 10 bis 18 Pf., Ausleseobst 18 bis 25, 50 kg 10 bis 25 Mark, Birnen, % kg 5 bis 20 Pf., Nüsse 30 bis 40 Pf., Hähne 1 bis 1,10 Mark, Suppenhühner 80 bis 90 Pf., Gänse 90 Pf. bis 1 Mark, Enten 1 bis 1,10 Mark, Tauben, das Stück 50 bis 60 Pf., Blumenkohl 10 bis 40, Salat 9 bis 12, Endivien 9 bis 12 Oberkohlrabi 5 bis 8, Lauch 5 bis 8, Sellerie 10 bis'30, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bündel 8 bis 10 Pf.
*
** Dienstjubiläum. Am heutigen 16. Oktober beging der Verwaltungsinspektor Wilhelm Rumpf vom Versorgungsamt Gießen fein 25jähriges Dienstjubiläum. Aus Anlaß dieses Tages wurden dem Jubilar in würdiger Weife von dem Amtsleiter die besten Glückwünsche und zugleich der besondere Dank für feine dem Reich geleisteten treuen Dienste ausgesprochen.
** Preußisch - Süddeutsche Staatslotterie. Die Ziehung der 1. Klasse der neuen Lotterie (50./276.) findet am 20. und 21. Oktober statt 1
** Geschäftsjubiläum. Am gestrigen Freitag konnte die Likörfabrik und Weingroßyandlung Wilh. Wallenfels Sohn, Inhaber August Balzer, Gießen, Braugasse 6, auf ihr UOjähri- ges Bestehen zurückblicken. Die Firma führte ihren Ursprung auf die am 15. Novencker 1826 im Hause Marktplatz 17 zu Gießen gegründete Kolonialwarengroßhandlung Christian Wallenfels zurück. Diese Firma wurde im Jahre nach der Gründung durch eine Likörfabrik und Destillation in der Küh- gaffe (fttzt Wettergasse) erweitert und somit das Stammhaus der Firma Wilh. Wallenfels Sohn. Bis zum 1. November 1863 stand der Gründer an der Spitze des Unternehmens, und übergab dann die Likörfabrik an seinen Sohn Wilhelm, der das Geschäft weiter durch Weinhandel ausdehnte, und da die alten Räume zu klein geworden waren, es in das Anwesen der früheren Brauerei Magnus, Brau- gaffe 6, ehemals v. Oeynhausenfche Brauerei, verlegte, wo es sich heute noch befindet. Am 1. Juli 1892 übernahm der Sohn Eugen Wallenfels das väterliche Geschäft und vergrößerte es durch Unrund Neubau von Lager und Weinkeller im Jahre 1895. Am 15. Oktober 1907 ging das Geschäft durch Kauf auf Bürgermeister Leun in Großen-Linden über, der die Führung des Unternehmens in die Hände feines Schwiegersohnes, August Balzer und seines Sohnes Heinrich Leun legte, wobei aber der Name der Firma „Wilh Wallenfels Sohn" beibehalten wurde. Dem kräftig aufstrebenden Geschäft gelang es, feinen Kundenkreis bedeutend zu erweitern. Nach dem Ableben Heinrich Leuns übernahm August Balzer am 1. April 1919 die Firma als alleiniger Inhaber. Das glückliche Wachstum des Unternehmens machte bald eine Vergrößerung der Geschäftsräume notwendig, fo daß im Jahre 1920 zwei neue Weinkeller gebaut wurden. Am gestrigen 15. Oktober find 30 Jahre verflossen, seitdem der jetzige Inhaber August Balzer an der Spitze des Unternehmens steht. Der Inhaber blickt gleichzeitig auf eine 40jährige erfolgreiche kaufmännische Tätigkeit zurück. Ihm zur Seite stehen altbewährte tüchtige Kräfte. Zwischen Betriebsführer und Gefolgschaft herrscht das beste Einvernehmen. Der Umfang des Geschäfts hat sich bedeutend erweitert.
** Eine Besichtigung der Gießener Jugendherberge Hardtterrasse mit allen ihren Räumen ist am morgigen Sonntag allen Volksgenossen kostenlos gestattet. Die Mitglieder des Ortsverbandes und Gäste treffen sich am Sonntag um 11 Uhr in der Jugendherberge zu einer kleinen Feier mit einer Übertragung der Einweihung von 58 Jugendherbergen durch den Reichsjugendführer.
** Schweinemarkt findet am kommenden Mittwoch in der Viehversteigerungshalle „Rhein- Main" am Güterbahnhof statt.
Große (Strafkammer Gießen.
In der gestrigen Fortsetzung der Verhandlung gegen den Karl Schröder aus Leihgestern wegen Steuerhinterziehung überraschte der Angeklagte plötzlich mit einem Geständnis, sich der vorsätzlichen Steuerhinterziehung schuldig gemacht zu haben. Er schränkte dieses aber in demselben Augenblick dermaßen ein, daß sich sogar sein Verteidiger veranlaßt fühlte, ihn aufzufordern, endlich einmal zu beichten. Im übrigen behauptete der Angeklagte nach wie vor, sein früherer Buchhalter habe das komplizierte System der verschleierten Konten ausgeklügelt, wozu er als Nichtfachmann gar nicht in der Lage gewesen sei. Die Manipulationen hätten auch mit dem Abgang dieses Angestellten im Jahre 1930 aufgehört. Tatsächlich wurde festgestellt, daß die Beträge, die über diese Geheimkonten liefen, seit 1930 in ganz erheblichem Maße zurückgegangen sind.
Auf Grund mehrerer Sachverständigengutachten wurde die Höhe der hinterzogenen Beträge auf rund 20 000 bis 25 000 Mark festgestellt, wobei allerdings noch ein Betrag abzusetzen ist, da das Finanzamt den Betrag, den er im Jahre vorher hinterzogen hatte und der somit in seinem Vermögen verblieb, im nächstfolgenden Jahre immer wieder mit
veranlagte, obwohl diese Summe als Steuerschuld aus dem vorhergehenden Jahre nicht in Ansatz gebracht werden durfte.
Der Vertreter der Anklagebehörde bezeichnete den Angeklagten in allen Punkten der Anklage als überführt und beantragte eine Gefängnisstrafe von einem Jahr und eine Geldstrafe von 50 000 Mark.
Der Verteidiger wies in längeren Ausführungen auf die allgemeinen Wirtschaftsverhältnisfe vor dem Jahre 1930 hin und betonte insbesondere, daß ein derartig raffiniertes System sich nicht von heute auf morgen abschaffen lasse. Die Beträge, die nach 1930 über die Geheimkonten gelaufen seien, bezeichnete der Verteidiger als Abwicklungs- und Ligui- dationsgefchäfte, die sich als zwangsläufige Folge der alten Verschleierungen darstellten. Er beantragte, dem Angeklagten als Kriegsteilnehmer, der es bis zum Kompaniefeldwebel gebracht habe, und als bisher unbescholtenem Menschen weitgehendst mildernde Umstände zuzubilligen, wobei er das Gericht insbesondere bat, von einer Freiheitsstrafe abzusehen und die Geldstrafe auf den Satz der hinterzogenen Beträge zu beschränken.
Das Urteil lautete auf drei Monate G e - f ä n g n i s und 2 0 0 0 0 Mark Geldstrafe.
Aus der engeren Heimat.
SattuSmarkt in Grünberg.
+ Grünberg, 15. Okt. Auch der zweite Markttag brächte zahlreichen Besuch, wenngleich auch nicht in der Höhe des ersten Tages. Schon eine starke Beteiligung wies der an diesem Tage stattfindende traditionelle Frühschoppen im Wirtszelt auf, wobei die Kapelle Horst aufspielte. Bei froher Feststimmung wurde der neue Bürgermeister Krämer durch den Vorsitzenden der Marktkommission, Schreinermeister G e h r i n g e r, in die Vereinigung der „Wurzelbürger" aufgenommen; das sind einheimische und auswärtige echte Grünberger, die mit dem Gallusmarkt „verwurzelt" sind.
Am Nachmittag fand die Preisverteilung im Wettbewerb der Schüler um den besten Vierzeiler zum Lob des Grünberger Gallusmarktes statt. 121 Einsendungen aus Grün- berg und 26 Orten der näheren und weiteren Umgebung lagen vor. Zahlreich hatten sich die Kinder und auch andere eingestellt, um nach einer Ansprache von Berufsschullehrer K r ö h l e, als Ortsringleiter des Landschaftsbundes Volkstum und Heimat, der vom Vorsitzenden der Marktkommission vorgenommenen Siegerverkündigung beizuwohnen. Das Preisgericht, bestehend aus Beigeordneter Albach, Schreinermeister Gehringer, Berufsschullehrer Kräh le, Schriftleiter Robert, Propaganda- roart Schmidt und Lehrer Wenzel, hatte folgende Preise bestimmt: 1. Preis (6 Mark) Heinrich Dietz (Weitershain) 10 Jahre; 2. Preis (5 Mark) Otto Schmaus (Wetterfeld) 13 Jahre; 3.Preis (4 Mark) Botho Weisel (Grünberg) 10 Jahre; 4. Preis (3 Mark) Mariechen Neunobel (Stangenrod) 12 Jahre; drei fünfte Preise von je 2 Mark: Margot Hofmann (Grünberg) 13 Jahre, Willi Karpe (Grünberg) 10 Jahre und Hermann N e e b (Grünberg) 12 Jahre; sechs Preise je 1 Mark: Otto Schmidt (Weickartshain) 13 Jahre, Ernst Becker (Grünberg) 11 Jahre, Ottilie Theiß (Nieder- Ohmen) 11 Jahre, Luise Seipp (Reiskirchen) 12 Jahre — Geburtstag an diesem Tage —, Elfriede Rühl (Weickartshain) 11 Jahre und Lieselotte Rinker (Ettingshausen) 12 Jahre. Außerdem kamen noch zur Verteilung zehn Trostpreise im Werte von je 50 Pfennig, sowie zehn Fahrten auf der Schiffsschaukel und 25 Doppelfahrten auf dem Karussell. —
Das Leben und Treiben auf dem Markt hielt noch den ganzen Tag bis in die Nacht an. Der Wettergott, der diesmal dem Markt hold war, ließ erst am Abend des zweiten Tages leisen Regen niedergshen. Abschließend kann gesagt werden, daß der Gallusmarkt des Jahres 1937 — der 457. —, sowohl hinsichtlich der Besucherzahl, als auch des geschäftlichen Ergebnisses ein recht guter war.
Zum Schlüsse noch die vier ersten Preisträger des Schülerwettbewerbes und ihre Einsendungen: 1. Preis: Heinrich Dietz (Weitershain), 10 Jahre.
Of'm Gallmärt es goar fchi Drum gieh mer all se fame hi Mit Gäul en Säu en Rinner en aach met ise Kinner.
2. Preis: Otto Schmaus (Wetterfeld), 13 Jahre. Es gibt nicht Schönres auf der Welt als Gallusmarkt und recht viel Geld.
Die ganze Welt könnt's nichts verstehn würn jemand nicht zum Gallmarkt gehn.
3. Preis: Botho Weisel (Grünberg), 10 Jahre. Der Gallmarkt is des schönst Fest off de Welt den hol de Deufel, dem er net gefällt.
Parol is: „Es wird off de Gallmarkt gegange, Wer net hingeht, der wird offgehange".
3. Preis: Mariechen Neunobel (Stangenrod), 12 Jahre.
Dem Konerad, dem gefallt's naut mit), drim will' e off de Gallmährt gieh, do werd mr wirrer lewenslostig eam hem zou eas mr naut nich dorschtig.
Landkreis Gießen.
gfs. Wiefeck, 15. Okt. Der Reichsmütter- d i e n ft begann hier mit einem Lehrgang in Gesundheitslehre und häuslicher Krankenpflege, den Schwester Elisabeth Müller leitet. Es nehmen 30 junge Frauen und Mädchen daran teil.
K Steinbach, 15. Okt. Am Mittwoch feierten die Eheleute Konrad Schmitt, Maurer, und Katharina, geb. Kröll, das Fest der silbernen Hochzeit.
Kreis Wetzlar.
(D Krombach, 15. Okt. Auf ein gesegnetes Alter von 9 0 Jahren konnte am Donnerstag der älteste Einwohner unserer Gemeinde, Johann Georg Weber zurückblicken. Der Jubilar ist der letzte noch hier lebende Veteran vom Kriege 1870/71, in welchem er die Kämpfe bei Weißenburg und Wörth mitmachte. Die Feldarbeit geht dem rüsttgen Greis noch tüchtig von der Hand. Gern erzählt er aus feinen Jugendjahren, in denen er als Fuhrmann mit feinem Gespann Kalk und Eisensteine aus dem Biebertal nach der Wilhelmshütte bei Biedenkopf beförderte.
Zusammenstoß zwischen postomnibus und Lastauto. LPD. Wetzlar, 15. Okt. Auf der regennassen Straße, in einer schwierigen Kurve, kam Freitag früh der Anhänger eines Reichsbahn- La st zuges aus Duisburg ins Schleudern und prallte dabei gegen einen mit Arbeitern besetzten Postomnibus. Der Anprall war so heftig, daß von den Insassen des vollbesetzten Omnibusses fünf Männer verletzt wurden; darunter erlitt einer eine Gehirnerschütterung. Der Postomnibus wurde schwer beschädigt.


