unserer Gruppe wurden vom Gauomt „Kraft durch Freude" (Gau Hessen-Nassau) betrieben. Die Volks- tumsgruppen werden am Freitag, 18. Juni, in Dijon, am Samstag, 19. Juni, in Aix - les - Sains und am Montag, 21. Juni, in C h am» bery erwartet. Die Rückfahrt erfolgt dann über Lausanne, Basel und Freiburg zurück nach Gießen.
Großer Betriebsausflug der Gefolgschaft Bänninger.
Die Betriebsführung der Gefolgschaft der Firma Fittingsfabrik Bänninger bereitete gemeinsam mit der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" am vergangenen Sonntag ihren Betriebsangehörigen und deren Familien einen erlebnisreichen Tag. Die gesamte Gefolgschaft nahm mit insgesamt 1250 Personen (Frauen und Kinder eingerechnet) teil. Der Ausflug, der in zwei Sonderzügen nach Braun- fels (Bahnhof Braunfels-Lahn und Braunfels-Oberndorf) fühxte, war auf das Sorgfältigste vorbereitet worden. Bei schönstem Wetter machte man sich von den Bahnhöfen aus auf den Weg und rückte in drei Marschsäulen dem Ausflugsziel zu. Der Spielmannszug der Werkschar und Musikbegleitung sorgten für den nötigen Rhythmus. Das Ziel war das Forfthaus Tiergarten. Ein idyllischer Waldwinkel am Forsthaus nahm die vielen Teilnehmer des Festes unter langgestreckten Zelten an Tischen und Bänken auf. Selbstverständlich war für genügend Erfrischungen gesorgt und nachdem zahlreiche Gutscheinhefte verteilt waren, fand man sich zu einem einfachen Frühstück. Die Sängerschar des Betriebes zeigte unter der Leitung von Lehrer Dietrich in ihrem Bemühen, gut zu unterhalten, was sie in langen Wochen einstudiert hatte. Der Sängerchor wartete mit dem Sängergruß und zwei schönen Liedern auf, die so recht in den Tag und in die Umgebung paßten. Eine weitere Bereicherung bot das Musikkorps des J.-R. 116 unter der Leitung von Musikmeister Wohlfahrt. Inzwischen hatte sich die Turnriege des Betriebes umgezogen und war- tete bann unter der Leitung ihres Vorturners Bet- tin-Wiefeck an den verschiedensten Geräten mit beachtlichem Können auf. Kreissportamtswart F e l d h u s organisierte bann außerdem für alle, die daran teilnehmen wollten, einen fröhlichen Sportbetrieb, der sich mit Unterbrechungen bis in den Nachmittag hinzog. Mit dem Medizinball, beim Sackspringen, beim Wettlauf mit Kochlöffeln und Holzeiern wurde mancher schöne Preis umfämpft. Um die Mittagsstunde rückte dann die Gulaschkanone an, die einen kraftvollen Eintopf barg, der liebevoll von Soldatenhänden zubereitet war und mit großem Appetit verspeist wurde. Neugestärkt wandte man sich dann den verschiedensten Unternehmungen zu, die für diesen Tag noch vorgesehen waren. Nicht weniger denn 650 Besucher nahmen an der Schloßbesichtigung teil. Der herrliche Tiergarten lockte zu einem Rundgang, bei dem man nach den Rehen sehen wollte, die sich allerdings vor dem lebhaften Betrieb in ihrem angestammten Revier etwas zurückgezogen hatten. Ein Schießstand am Felsenkeller wurde stckrk in Anspruch genommen. Nach einer Kaffsepause begann der Tanz, zu dem die Regimentsmusik fleißig auff riefte. Die Tanz- behiftigung gestalteten sich unter den Bäumen besonders schön. Die Werkschar sorgte überall für die nötige Ordnung und erwies sich als unentbehrlich und nicht aus der Betriebsgemeinschaft hinweg, zudenken. Allzu rasch vergingen bei so vielerlei Unterhaltung die Stunden des Tages und schließlich mußte man, wenn auch ungern, zum Ausbruch rüsten. Der game Tag wird allen Teilnehmern lange in schöner (Erinnerung bleiben.
** Verkehrsunsalk. In der Frankfurter Straße unweit dem Hause der NSKK."Standarte ereignete sich gestern ein Verkehrsunfall, der eine größere Verkehrsstockung zur Folge hatte. Ein Personenwagen, der aus der Richtung Klein-Linden kam, sah sich plötzlich einem Omnibus gegenüber, der stadtauswärts fuhr. Die Straße war durch parkende Wagen geschmälert. Der Führer des Omnibusses versuchte nach rechts auszuweichen, fuhr aber dabei ein Mädchen an, das auf den Bürgersteig stürzte, glücklicherweise aber nur leichte Verletzungen erlitt. Trotz der Bemühungen des Om- nishuslenkers fuhren beibe Wagen mit lautem Krach zusammen und wurden dabei mehr oder weniger beschädigt. Es dauerte geraume Zeit, bis beide Wagen, die eine heftige Verkehrsstörung bildeten, aus der Fahrbahn gebracht werden konnten.
** <5 ä n g e r f a t) r t der „Heiterkeit" nach Frankfurt a. M. Die Mitwirkung des Gesangvereins „Heiterkeit" in der „Stunde des Chorgesangs" im Frankfurter Sender wurde zu einer Besichtigung Frankfurts ausgenützt. Schon bei der Abfahrt am frühen Morgen versetzten die
Sanger durch ihre Liebervorträge im Bahnhofsvorraum die Reisenden in Erstaunen. Mit einem frohen Lied in der Vorhalle des Hauptbahnhofes wurde der Einzug in Frankfurt eröffnet und die vielen Sonntagsausflügler hatten ihre Freude dabei. Im Sendehaus begann nach einer kurzen Probe unter der Stabführung von Musiklehrer Wilhelm Schöttler die Sendung, die durch ihre abwechslungsreichen Darbietungen die Rundfunk- Hörer erfreute und dem auf hoher Stufe stehenden Männergesang in Gießen viele neue Freunde geworben haben dürfte. Den Sängern war anschließend Gelegenheit zu einer Besichtigung des Sendehauses geboten. Trotz der Schwüle des Sonntags fand auch die Besichtigung der Sehenswürdigkeiten der alten freien Reichsstadt reges Interesse. Vom „Eisernen Steg" aus fuhren die Sänger über den Main zur Gerbermühle, auf der sich rasch ein leb- Haftes und gemütliches Treiben entfaltete, bei dem der Gesang froher Weisen nicht fehlte. Zu schnell verging die Zeit und am späten Abend mußte die Heimfahrt angetreten werden.
50 Zähre Mmiergesangvereili „Harmonie" in Klein-Linden.
oo Klein-Linden, 12. Juni. Arn körn- wenden Samstag und Sonntag, 19. und 20. Juni, feiert der Männergesangverein „Harmonie" im Garten des Gasthauses „Zur Burg" sein 50jähriges Bestehen. Der Verein spielt in der Dorfgemeinschaft unserer Gemeinde eine beachtliche Rolle, so daß sein Jubiläumsfest zu einem V o l k s f e ft, an dem sich neben andern Vereinen unseres Dorfes namentlich auch die dem Reichsbund für Leibesübungen angegliederten Vereine aktiv beteiligen/werden, ausgestaltet werden kann. Der Samstagabend bringt den üblichen Feftkommers und der Sonntag das Volksfest, zu dem auch die benachbarten Brudervereine kommen werden.
Der Männergefangoerein „Harmonie" Klein-Linden wurde am 7. Mai 1887 gegründet. Seine Gründungsstärke betrug fünfzehn Mann. Der erste Dereinsvorsitzende, Sangesbruder Wilhelm Lenz I. führte den Verein bis zum 10. Stiftungsfest im Jahre 1897. An diesem Tage erhielt der Verein seine Fahne, die ihm von den Frauen und Jungfrauen des Vereins gestiftet war- den war.
Den Dirigentenftab führte durch die ersten zwanzig Jahre hindurch Ferdinand N e n n ft i e I (Gießen). Am 4. April 1907 wurde Nennstiel für seine Verdienste um den Verein zum Ehrendirigenten ernannt und die Stabführung an Lehrer Möller von hier übertragen. 17 Jahre lang hat Lehrer Möller die gesangliche Leitung des Vereins in Händen gehabt und wie sein Vorgänger die Pflege des Männergesangs, besonders des edlen deutschen Volksliedes, als seine vornehmste Aufgabe betrachtet. Auch Lehrer Möller wurde zum Ebrendiri- gent des Vereins ernannt. Im Jahre 1912 wurde das 25jährige Bestehen des Vereins durch ein harmonisch verlaufenes Sängerfest gefeiert. — Im Weltkrieg hat die „Harmonie" sechs aktive Sänger verloren, deren Namen auf einer Ehrentafel im Dereinslokal, der „Burg", verewigt sind.
Gleich nach dem Weltkrieg nahm der Verein seine
Tätigkeit wieder auf, zuerst noch unter der Leitung von Lehrer Möller, dem im Jahre 1924 Ludwig Burger von hier als Dirigent folgte.
Das vierzigjährige Bestehen des Vereins wurde im Jahre 1927 in Form eines großen Sängerfeftes gefeiert. Als Dirigent waren noch tätig Lehrer Hugo Lotz (Kröffelbach) und Lehrer Fritz Knoche (Klein-Rechtenbach). Unter beiden Dirigenten steigerten sich die gesanglichen Leistungen des Vereins ganz besonders, und die „Harmonie" trat alljährlich mit einem Konzert an die Öffentlichkeit.
Im Jahre 1933 schloß sich die „Harmonie" mit einem weiteren örtlichen Bruderverein zur „Sängeroereinigung Klein-Linden" zusammen. Unter dem bewährten Chvrmeister Georg Harnisch (Watzenborn-Steinberg) erweckte dieser Zusammenschluß beste Hoffnungen, die aber leider sehr bald wieder schwanden. Die erhoffte innere Verschmelzung kam nicht zustande. Im Mai 1936 wurde die alte „Harmonie" wieder ins Leben gerufen, so daß sie nunmehr auf ihr 50jähriges Bestehen zurückblicken kann.
Die Harmonie" ist heute eine Vereinigung von 50 aktiven Sängern und zählt eine ganze Reihe junger Sänger zu ihren Mitgliedern. Neben der Pflege der Geselligkeit ist es die Aufgabe des Vereins, dem deutschen Männergesang und der Pflege des deutschen Volksliedes im besonderen seine ganze Kraft und Liebe zu widmen. Letzteren Zielen nahe zu kommen, ist der derzeitige Chorleiter, Lehrer S p o r y (Groß-Rechtenbach) besonders bemüht. Die alljährlich stattfindenden Wertungssingen wurden und werden von der „Harmonie" stets gern besucht und unterstützt.
Seit 1. April 1929 gehört der Verein dem Hessischen bzw. Deutschen Sängerbund an. Der gegenwärtige erste Vereinsführer, Kaufmann Fritz Jung VIII., steht seit 1922 an der Spitze des Vereins und wurde im Jahre 1936 für 25jährige Mitgliedschaft im Vorstand mit der silbernen Ehrennadel ausgezeichnet.
Aus der engeren Heimat.
Krreuaervreise
für deutsche Speise-Frühkartoffeln.
Die Hauptvereinigung der deutschen Kartoffelwirtschaft bat in der Anordnung Nr. 1 vom 7. Juni 1937 mit Zustimmung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft, des Reichskommissars für die Preisbildung die Erzeugerfestpreise für deutsche Speise-Frühkartoffeln festgesetzt. Es gelten folgende Festpreise:
Anlieferungstag: 10. bis 20. Juni für weiße, rote, blaue Sorten mindestens 6,20 RM., jedoch nicht mehr als 6,70 RM., für runde gelbe Sorten mindestens 6,60, jedoch nicht mehr als 7,10, für lange, gelbe Sorten mindestens 7,00, jedoch nicht mehr als 7,50 RM.
Diese Preise gelten je 50 kg netto ausschließlich Verpackung. Die Anordnung tritt mit Wirkung vom 10. Juni 1937 in Kraft. ___________
Naisherrensihung in Grünberg.
4- Grünberg, 14. Juni. Für das zu errichtende Hitler-Jugendheim ist die Platzfrage noch nicht geklärt. Beabsichtigt war, es bei der Unteren Ziegelhütte zu errichten. Don der Gebietsführung, die durch ihren Beauftragten für das Bauwesen eine Ortsbesichtigung vornehmen ließ, wird nun vorgeschlagen, das Heim oberhalb des Sportplatzes an der Gießener Straße mit der Front zu diesem Platze zu errichten. Dadurch stehe neben dem Heim gleich der nötige Aufmarschplatz zur Verfügung.
Die Ratsherren, denen dieser neue Plan jüngst zur Besprechung vorlag, äußerten hiergegen Bedenken. Der Sportplatz nebst angrenzendem Wiesengelände dient als Platz für den Gallusmarkt, während die Viehmärkte einige 100 Meter weiter auf der Lehmkante abgehalten werden. Schon jahre-
lang plant man nun, die am Sportplatz angrenzenden, höher gelegenen Grabstücke abzutragen und als Platz für den Viehmartzt herzurichten. Dadurch würden dann am Gallusmarkt Vieh-, Krämermarkt und Juxplatz räumlich beieinander abgehalten werden können, was dem Markt zum Vorteil gereichen würde.
Aus diesem Grunde konnte man sich nicht mit dem vorgeschlagenen Platz einverstanden erklären. Als mögliche Lösung wurde noch vorgeschlagen, das Heim auf dem Hinteren Teil der Grab- ftücke, dicht an der Butzbach-Licher-Eisenbahn, zu errichten. Die endgültige Entscheidung über die Platzfrage wurde noch ausgesetzt. — Weiter wurde noch über das Nichtbelegen des Jungvolk-Zeltlagers am Spitzen Stein verhandelt. Hierfür hat die Stadt im vorigen Jahre größere Ausgaben gemacht, indem sie ein 1600 Quadratmeter großes Grundstück für 1200 Mark käuflich erwarb. Da in diesem Jahre
infolge der vorgesehenen Fahrten nur em Teil der Lager bezogen werden, wurde auch das hiesige Lager, das an Regentagen unter Nässe litt und einen mangelhaften Zufahrtsweg hat, offen gelassen. Die Ratsherren sind nun damit einverstanden, daß die beanstandeten Mängel beseitigt werden, sofern die Gebietsführung die Zusicherung geben kann, daß das Lager zukünftig wieder benutzt werden soll.
He»matbotanische Woche in Bad-Nauheim.
Bad-Nauheim, 15. Juni. (LPD.) Die vom Gau Hessen-Nassau des NS.-Lehrerbundes veranstaltete heimatbotanische Woche begann mit einem einführenden Vortrag des Universitätsprofessors Dr. Klute (Gießen), der die wissenschaftliche Grundlage gab für die Arbeit der Woche, besonders für die geplanten botanischen Studienfahrten. An Hand von Karten und Plänen behandelte der Redner die geographischen Grundlagen für die Pflan- zenverbreitung in Taunus, Wetterau und Vogelsberg. Anschließend sprach Lehrer Klein (Mainz) über „Pflanzengeographie von Vogelsberg, Wet- terau und Taunus".
Die eigentliche (Eröffnung der Arbeitswoche fand im großen Saal des Kerckhoff-Jnstituts statt. Professor Dr. <5 pilger (Darmstadt), der Leiter der Woche, begrüßte die Teilnehmer und stellte für die Arbeiten als Leitspruch ein Wort Hans Schemms, des großen Heimat- und Naturfreundes, voraus: „Man kann das große Vaterland nicht lieben, wenn man die kleine Heimat nicht im Herzen trägt." Dann begann die Reihe der Vorträge, die mit Exkursionen in die Umgegend abwechseln.
Exkursion nach Gießen.
"Am Freitag dieser Woche begibt sich der Lehrgang nach Gießen, woselbst vormittags int Forstbotanischen Institut der Universität Pros. Dr. Merker über „Das Gleichgewicht der lebendigen Kräfte im heimischen Walde" und Prof. Dr. Funk über „Die Laubbäume des heimischen Waldes"
RUHL Seltersweg Nr. 67 I
adiO Telephon Nr. 3170 I
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sprechen werden, nachdem Prof. Dr. Zentgraf hier in Bad-Nauheim bereits einen bedeutsamen Vortrag über „Die Aufgabe des heimischen Waldes im Vierjahresplan" gehalten hat. Im Anschluß an die Vorträge im Forstbotanischen Institut findet unter Führung von Prof. Dr. Küster eine Besichtigung des Botanischen Gartens statt. Nachmittags wird dann von Gießen aus eine Exkursion an die floristisch und pflanzengeographisch so bemerkenswerten Stellen des Hange! st eins und des Lollarer Kopfes unternommen.
60 Jahre Kriegerkameradschast Staufenberg.
cxd Staufenberg, 14. Juni. Am gestrigen Sonntag feierte die hiesige Kriegerkameradschaft das Fest ihres 60jährigen Bestehens. Ein stattlicher Feftzug bewegte sich aus diesem Anlaß durch die mit Fahnen und Tannengrün geschmückten Straßen. Auf dem Festplatz hieß Kameradschaftsführer Fey die auswärtigen Gaftvereine herzlich willkommen. In würdiger Weife gedachte man dann der Gefallenene des Weltkrieges. Der stellvertretende Kreisführer laubert (Lollar) hielt sodann eine Ansprache, in der er auf die Bedeutung des Tages für die feftgeberrbe Kameradschaft hinwies. Im weiteren Verlauf der Feier konnten fünf Kameraden, und zwar Heinrich Becker, Heinrich Moos, Daniel Hermann, Heinrich Stephan und Ludwig Zecher für 40jährige Mitgliedschaft geehrt werden. Der Gesangverein Staufenberg trug durch einige Lieder zur Verschönerung bei, die mit einem dreifachen „Sieg-Heil!" auf den Führer mit dem Deutschland- und dem Horst- Wessel-Lied geschlossen wurde.
Hauptversammlung der Niddaer Bank.
$ Nidda, 14. Juni. Arn letzten Samstagabend fand unter starker Beteiligung ihrer Mitglieder die Hauptversammlung der N i d d a e r Bank AG. im Gasthaus „Zur Krone" statt. Die im vorigen Geschäftsjahr erzielten Erfolge sind durch die eingetretene Entwicklung übertroffen. Der allgemein zu beobachtende Aufschwung der deutschen Wirtschaft hat auch für unsere engere Heimat seine günstigen Auswirkungen gezeigt. Der Gesamtumsatz be-
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JRotnan von Walther Moepffer
Copyright 1936 by August Scherl G. m. b. H., Berlin
22 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Der Saal begann sich allmählich zu füllen. Es roch nach altem Bier und welken Birkenbäumchen, und der Boden lag noch voll dürrer Tannennadeln. Scherzworte flogen hin und her und dann und wann ein derber Witz. Ein paar tranken Bier, die meisten aber saßen trocken da und vertrieben sich die Zeit mit Geradeausschauen und Schnupfen. Manche hatten Sonntagsgewänder an, manche waren von der Arbeit weg erschienen.
„Es wird voll", stellte Fogg erfreut fest. Er und der Bürgermeister saßen hinter einem Tisch mitten auf dem Podium, wo sonst die Musik amtierte. Fogg hatte feuchte Hände und war ein wenig aufgeregt.
„Ja", erwiderte der Gsodmair einsilbig und suchte seine Brille. „Meinst, wir können anfangen?"
„Warten wir noch ein bissel."
Später schwang der Bürgermeister die Glocke und eröffnete die Versammlung. Dann erteilte er Fogg das Wort zu seinem Referat. Dieser überflog prüfend die dunkelbrodelnde und sich langsam zurecht- schiebende Masse, schielte auf seinen Spickzettel und Hub an. Er begann mit der wirtschaftlichen Lage des Dorfes, mit Noterei und Krankheit, was ihm viele „Bravo!" und „Sehr richtig!" eintrug. Dann leitete er über zu seinem Fund und den ersten Vorarbeiten. Er redete von einem unerhörten Glücks
werden könne: denn nur versandfertiger Graphit mache sich bezahlt. Er hielt dann noch einen erläuternden Vortrag über Zerkleinerungsmaschinen, Ausschwemmverfahren und die Güte ces hiesigen Graphits, gemessen an der Erzeugung anderer Orte. Er schloß:
„Mein Grundstück stelle ich zur Verfügung. Aber wir müssen jetzt an Kapitalbeschaffung denken. Das beste wäre eine Genossenschaft nach dem Grundsatz: (Einer für alle, alle für einen. Geteiltes Risiko und geteilter Nutzen. Jeder gibt soundso viel her und hat dann soundso viel Recht und Anwartschaft. Ich sehe keinen anderen Weg, wenn der Gewinn in Schellenberg bleiben und nicht irgendeiner fremden Unternehmerschaft zufließen soll. Ich und der Ingenieur aus München und vier von euch haben das bereits gründlich durchbesprochen. Ich bin bereit, als erster achttausend Mark einzulegen und beanspruche keinerlei Bevorrechtigung."
Fogg setzte sich. Er hatte sich warmgeredet und schwitzte. Der Gsodmair schwang die Glocke.
„Ich danke Herrn Doktor Fogg und will einiges dazu sagen. Ich weiß, daß manche unter euch beim besten Willen nichts zeichnen können. Aber von den anderen hoffe ich, daß jeder sein möglichstes tun wird. Wir wollen doch daran denken, daß wir das Geld nicht zum Vergnügen hergeben, sondern zum Arbeit- und Brotschaffen. Wir werden die nötige Summe vielleicht nicht ganz zusammenbringen, aber ein HaufeVi Namen und kleine Zeichnungen ist auch schon etwas wert. Die Behörde sieht dann unseren guten Willen und unser Interesse an diesem Plan. Und bann, es soll sich jeder vor Augen halten, daß er es ja nicht umsonst tut. Er steckt sein Geld in eine Sache, die sich gut verzinst. Allo, Manner, seids gescheit? Meldet sich jemand zur Aussprache?"
fall und von Sünde, diesen nicht auszunützen. Dann gab er einen kurzen Ueberblick über die Graphitgruben in anderen Gegenden. Heber ihre Ergiebigkeit, über die Abbaumethoden, über altmodische Förderweisen und über neuzeitliche Maschinen und Anlagen. Man merkte, daß er aut vorbereitet war. Dann sprach er von der Kuhleiten selbst. Das Graphitlager dort sei nach fachmännischem Urteil ergiebig, liege nahe an der Oberfläche, und zwei 25-Meter-Schächte würden vorerst genügen. Allerdings müsse an die Grube ein Ausbereitungswerk angeschlossen werden, damit das Erz gleich gereinigt
Ja. Der Schellori will das Wort. Sein verstoppel- tes, faltiges Gesicht beherbergt zwei schlaue, zwinkernde Augen. Er füttert erst noch seine Nase, bann legt er los:
„Du sagst .Zeichnens Gsodmair. Wieviel denn?" „Jessas, das hott' ich schier vergessen! Also es werden später Anteilscheine ausgegeben. Gestaffelt zu 50, 100 und 1000 Mark. Ich für meine Person nehme einen zu 1000."
„Respekt! Mußt viel Geld daliegen haben, Bürgermeister!" rief der Schellori und hieb sich aufs Knie.
„Was heißt daliegen? Im Kasten oder im Strumpf hab ich's natürlich nicht. Oder auf dem Sparbüchl wie du. Ich muß es halt aufnehmen. Und so werden es die meisten von euch machen müssen."
„Also Schulden machen. Noch mehr Schulden auf jeden Kopf. Ein sauberes Rezept ist das!" kicherte der Schellori.
Gsodmair überhörte diese Ungehörigkeit und erklärte: „Mich kommt es auch nicht leicht an, das dürft ihr mir glauben. Geldaufnehmen tut keiner gern, und ein Tausender ist ein Tausender. Aber wißt ihr etwa einen besseren Rat? Soll sich der Doktor um einen fremden Geldgeber umschauen, der bloß den Gewinn einschiebt und seine Arbeiter schlecht zahlt? Bedenkt doch, wir haben dann den ganzen Betrieb in der Hand, und niemand kann uns dreinreden. Wir können dann die Löhne machen und die Zinsen nach Gerechtigkeit festfetzen, und jeder kommt zu seinem Sach'."
Diese Rede verfehlte ihren Eindruck nicht. Das leuchtete ein und schob das gehässige Gebelfer des alten Äraneroitter in den Hintergrund. Wenn nur ein einziges nicht wäre — das Geld! Die Schellenberger sind halt wie die Menschen überall. Gutartig und hilfsbereit, solange es fein. Geld kostet. Aber wenn das Zahlen angeht, ziehen sie die Fühler ein und gebärden sich wie eine Schnecke. Und dann gleich so einen Haufen Geld! Bu! Das muß man überlegen, das muß man hinum und herum drehen, und die Frau daheim hat doch schließlich auch ein Wärt! mitzureden.
„Und Risiko ist natürlich gar feines dabei", frähte der Schellori angriffslustig. „Wenn ihr jetzt da hinuntergrabt und immer weiter hinunter, und es kommt nichts mehr, fein Graphit und so'n Zeug — was bann?"
„Mach dir feine Sorge, Schellori! Das hat der Ingenieur doch schon längst festgestellt. Mit seinem Apparat. Wir waren selber dabei", versetzte der Gsodmair spöttisch.
„Auf so Apparäter gib ich gar nix. Hast es etwa schwarz auf weiß, Bürgermeister?"
„Mit dir ist fein Fertigwerden. Du bist ein Rindvieh, soweit bu warm bist, Schellori! Halt enblich mal beinen Schnabel und laß die anberen reben!
l Also, will noch jemanb bas Wort?"
(Es meldete sich niemand mehr. Der Kranewitter hatte ihre Bedenfen bereits ausgesprochen. Risiko, Schulden und das Lamento daheim von den Weibern blieben übrig, wenn man es richtig bedachte. Ja, der alte Schellori war ein Heller... Die Schellenberger schoben das Für und Wider hin und her in ihren schweren Köpfen wie auf einem Schachbrett. Alsdann lassen wir's halt sein: ist ja so etwas im Gange, dachten sie und nahmen ein Schnüpferl.
„Niemand? Gut. Dann lasse ich jetzt die Einzeichnungslisten herumgehen, und jeder soll den Betrag hinschreiben, für den er gut ist und den er meint."
(Eine plötzliche Unruhe ging durch den Saal, ein Aufstehen und Stuhlrücken und Gescharre. Flucht. Erst drückten sich die Jungen hinaus, die nur aus Neugier gekommen waren und längs der Wand lungerten. Dann die gestandenen Männer, Bauern, Gütler, Tagwerfer, Heimarbeiter. Immer leerer wurde der Saal, und wer den Doftor Fogg genau ansah, formte feststellen, daß er blaß wurde. Es war ein teils verlegener, teils ganz unverblümter Aufbruch, eine Absage ganz einfach.
„So hab' ich mir's vorgestellt. Genau so und nicht anders", brummte der Gsodmair an den blassen Doftor Fogg hin. „Aber du hast ja nicht hören wollen, Josef!"
Was zurückblieb, waren ganze zwölf Mann. Den Fenzl, den Ameiser und den Wirt eingerechnet. Als der letzte seinen Namen hingemalt hatte, sammelte der Bürgermeister die Listen ein.
„Wieviel, Stefan?" fragte Fogg.
„2200 Mark ohne das beinige."
„Meine Herren, damit kann man keine Genossenschaft aufrichten, wie ich sie brauche. Aber ich danke Ihnen für Ihren guten Willen!" murmelte Fogg, und die Niederlage brannte wie Pfeffer in seinem Blut.
Der Fenzl stieß wilde Beschimpfungen aus gegen die Schellenberger und schrie: „Ich mit meinen fünfzig Mark! hab' ja auch nicht recht gewußt, wo hernehmen. Aber es mär' schon gegangen. Schämen sollen sie sich, die verbohrten Stößl!"
„Du, Josef", flüsterte der Ameiser Fogg ins Ohr, „weißt, ich hab' ein Sparbüchl, von dem meine Afra nichts spannt, es sind 128 Mark drauf. Wenn ich das abheb', tät das langen, meinst?"
Fortsetzung folgt


