llrJ37 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Mittwoch, lb.Zuni (957
Aus der Stadt Gießen.
Freuden am Oorfbach.
Wir freuen uns, daß nun auch zahlreiche ganz kleine Dörfer besondere Schwimmbäder eingerichtet haben. Da kann sich die Jugend in freier Lust, in Sonne und Wind, stählen und körperlich tüchtig und stark werden. Es gibt nichts Segensreicheres als ein solches Schwimmbad. Daß dies auch von den einsichtsvollen Gemeinden erkannt wurde, kann nur begrüßt werden, und jeder Freund der Jugend freut sich, wenn er wieder von der Eröffnung eines neuen Schwimmbades in der Zeitung lieft. Wir wollen hoffen, daß die Zeit nicht allzufern ist, in der es eine Selbstverständlichkeit bedeutet, daß alle Dörfer ein Schwimmbad besitzen. —
Aber daneben vergessen wir auch nicht den Dorfbach, das Paradies der Jugend auf dem Lande. Er ist doch eigentlich der Mittelpunkt in diesen heißen Sommertagen. Da können auch die Kleinsten barfuß in dem kühlen Wasser herumpantschen und sich schöne Steine suchen. Im nassen Sande werden Burgen und allerhand Anlagen gebaut. Weiter unten, wo die alten Weidenbäume stehen, fängt die Schönheit erst recht an. Wie oft haben die Buben auf den alten Weidenstümpfen gesessen und mit dem Messer die glatten Zweige abgeschnitten!
Nun bauen sie dort ein Wehr, um das Wasser zu stauen, damit sie baden können. Aus Reisig und Heu, Sand und Lehm wird eine Schutzmauer errichtet. Was macht es aus, daß die Sonne unbarmherzig vom blauen Himmel herunterscheint, daß den Kleinen der Schweiß nur so über das erhitzte Gesicht läuft? Unverdrossen und unbekümmert wird geschafft, bis der Damm hält. Und dann die Kleider aus und hinein in den Stausee!
Das ist ein reizendes Sommerbild, das wir immer wieder am Dorfbach beobachten können. Da können wir schon einmal etliche Minuten verweilen und dem munteren Treiben zusehen.
Einige der Knirpse stehen weiter unten und fangen „Fische", Krebse und versuchen gar, die fünfen Forellen zu greifen. Aber in den seltensten Fällen erhaschen sie ein Tierlein. Das macht ja auch nichts. Die Hauptsache ist das Herumplantschen in dem kühlen Bach.
Am Ufer blühen Sumpfdotterblumen, Schwertlilien und Pfefferminz. Ein würziger Blumenduft erfüllt die heiße Luft. Von den Wiesen kommt der köstliche Geruch des frischen Heues, Wagen rasseln vorbei, Zurufe ertönen ... Die Kleinen lassen sich nicht stören.
Ueberall summen die Insekten, dort hüpft ein Frosch mit lautern Plumps ins Wasser. Auf den Steinen in der Flut steht eine Bachstelze und wippt unaufhörlich mit ihrem Schwänzchen.
So bietet der Dorfbach zu jeder Tages- und Jahreszeit Unterhaltung und Abwechslung. Hier herrscht immer Leben, hier kann immer etwas Neues unternommen werden. Ja, es find herrliche Stunden, die unsere Dorfjugend am Bache verlebt.
Dornoiizen
Tageskalender für Mittwoch.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Es flüstert die Liebe". — Oberhesfifcher Kunstverein: Skagerrak- Ausstellung, 17 bis 19 Uhr, Gesellschaftshaus, Son- nenftraße. — Deutsches Rotes Kreuz: 15.30 Uhr Mitgliederversammlung und Vortrag im Hörsaal der Universitäts-Frauenklinik.
NSDAP. Ortsgruppe Gießen-Süd.
Hilfskasse.
Alle Angehörigen der SA., SS., Marine-SA., Reiter-SA. und des NSKK., die im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Süd wohnen und mit ihrem Beitrag zur Hilfskasse für die Monate Juli, August und September 1937 noch im Rückstand sind, können diesen noch entrichten am
Mittwoch, 16. Juni, Donnerstag, 17. Juni, und Freitag, 18. Juni,
jeweils in der Zeit von 20 bis 21.30 Uhr auf
der Geschäftsstelle der Ortsgruppe, Frankfurter Straße 29 H.
Wer bis dahin seiner Verpflichtung nicht nachgekommen ist, wird bei der Hilfskasse in München abgemeldet und hat sich daraus entstehende Folgen selbst zuzuschreiben.
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Sonnlag, 20. Juni, 20.30 Uhr, Großer Heiterer Abend in der Volkshalle mit „Nazi-Eisele" und seiner Truppe. — Preise 40, 60, 80 Pf. und 1 Mark. Sammelbestellungen der Betriebswarte bis Donnerstag, 17. Juni. — Kartenvorverkauf: Musikhaus Challier, Schokoladenhaus Huntemann, Oberhessische Tageszeitung, Kreisdienststelle.
Sonntag, 20. Juni, 16 Uhr: Großes Sommerfest in Kloster Arnsburg. Eintritt 40 Pf.
Satnsfag/Sonnfag, 26.Z27. Juni: Wochenendfahrt nach Düsseldorf zur großen Reichsausstellung „Schaffendes Volk". Abfahrt: Samstag, 14 Uhr, Rückkunft: Sonntag, 24 Uhr, Teilnehmerpreis: enthaltend Fahrt, Uebernachtung, Frühstück, eine Abend- und eine Tageskarte 9,20 Mark.
Mittwoch, 30. Juni, gegen 16 Uhr: Billiger Sonderzug nach Marburg zu dem Freilicht-Festspiel „Scharnhorst". Preis für Fahrt und guten Mittelplatz 1,70 Mark. Karten zu den Fahrten durch die Betriebswarte und die Kreisdienststelle, Schanzenstraße 18. 4137D
Hitler-Lugend Dann 116 Gießen
Betr.: G e f o l g s ch a f t s a p p e l l e. Am Mittwoch, 16. Juni, wird in Großen-LiUden die Gefolgschaft 15/116 durch den Bannführer besichtigt. Antreten 20.30 Uhr Wirtschaft Schaum. — Am Donnerstag, 17. Juni 1937, 20.30 Uhr, tritt die gesamte Gefolgschaft 16/116 am HJ.-Heim in Lich zum Appell an.
Betr.: Fahrtenführerschulung am 20. Juni. Zur Fahrtensührerschlung am 20. Juni 1937 (Sonntag) 8.30 Uhr, haben alle für die Hessen- Nassau-Fahrt gemeldeten Fahrtengruppenführer sowie Stellvertreter und Abteilungsführer an der Banndienftstelle anzutreten.
Betr.: S o z i a l1 a g u n g am 27. Juni 1937. Am 27. Juni ist auf dem Gleiberg eine Sozialtagung, zu der sich sämtliche Sozialwarte der HI. und DJ. und Sozialwartinnen des BDM. zu beteiligen haben. Näherer Befehl erfolgt noch.
Betr.: Stärkemeldung für den Monat Juni. Sämtliche Gefolgschaften und Sondereinheiten haben die Stärkemeldung für Juni bereits am 20. 6. 37 auf der Banndienststelle abzuliefern.
Betr.: Zeltlagerlehrgang vom 20.6. bis 26.6. Für die Zeitlagerteilnehmer sind sofort auf der Banndienftstelle die Di-Röhrchen in Empfang Zu nehmen.
ZM Untergau 116, Gießen.
Die von mir angesetzten Besichtigungen durch die IM.-Führerin des Obergaues in den Standorten Bettenhausen, Muschenheim, Cberstadt, Ober-Hörgern, Langsdorf, Villingen, Nieder-Bessingen, Ober- Bessingen und Münster am Mittwoch und Donnerstag fallen aus.
Die Führerin des JM.-Untergaues 116. gez.: Liefet Gödel, JM.-Scharführerin.
Jeder Junge im Zeltlager der HI.
NSG. In diesen Wochen gilt die Parole für die Jugend: „Sport und Lager", und wir möchten den kennen, der sich nicht schon im Kreise feiner Kameraden inmitten der weißen Zelte an den schönsten Plätzen des Gaues Hessen-Nassau sähe. Und wir möchten auch den Volksgenossen kennen, der seinem Jungen den begreiflichen Wunsch, ja die selbstverständliche Forderung verwehrte, für eine Woche oder zwei die Schulbank und die Werkbank, den Platz hinterm Pflug und am Schreibtisch zu tauschen mit der erlebnisvollen Lagerkameradschaft der Hitler-Jugend.
Wer ist musikalisch?
Von Dr. Erwin Kroll.
Die beste und bündigste Antwort auf diese Frage hat uns Robert Schumann in feinen „Musikalischen Haus- und Lebensregeln" gegeben: „Musikalisch bist du, wenn du die Musik nicht allein in den Fingern, sondern auch in Kopf und Herz hast." Danach käme es also daraus an, die Eigenschaften eines Liebhabers der Musik, eines Kenners, eines Virtuosen und womöglich noch eines Komponisten in sich zu vereinigen. Genies solcher Art sind bekanntlich sehr dünn gefeit. Im allgemeinen bleibt es bei einer Auswahl dieser Eigenschaften, die ganz persönlich bedingt ist. Denn die drei Hauptkennzeichen der Musikalität, Tonbewußtsein, Tongedächtnis und Tonphantasie finden sich durchaus nicht immer in gleicher Stärke bei demselben Menschen.
Unter Tonbewußtsein versteht man die Fähigkeit, die Töne ihrer Höhe nach genau zu bestimmen. Hier sagt wieder Schumann: „Liebes Kind, die Hauptsache, ein scharfes Ohr, schnelle Auffassungskraft, kommt, wie in allen Dingen, von oben. Ader es läßt sich die Anlage bilden und erhöhen." Neuere wissenschaftliche Forschungen machen es sogar wahrscheinlich, daß von der Erblichkeit dieser Anlage — trotz scheinbarer Gegenbeweise durch Musikerfamilien wie die Bachs und Mozarts — nur insofern gesprochen werden darf, als zwar ein Keim vorhanden sein muß, alles weitere aber Umwelt und Erziehung (diese so früh wie möglich einsetzend) wachsen lassen. Es ist schon vorgekommen, daß sich eine beachtliche Musikalität fast aus dem Nichts entwickelt hat, und so verdient der Vorschlag eines Forschers ernste Beachtung, die Menschen nicht mehr in Musikalische und Unmusikalische, sondern in Musikalische und musikalisch Gehemmte ober Vernachlässigte einzuteilen. Lassen wir wieder Schumann das Wort: „Was heißt denn nun musikalisch fein? Du bist es nicht, wenn du, die Augen ängstlich auf die Noten gerichtet, dein Stück mühsam zu Ende spielst. Du bist es nicht, wenn du (es wendet dir jemand etwa zwei Seiten auf einmal um) stecken bleibst und nicht fortkannst. Du bis es aber, wenn du bei einem neuen Stück das, was kommt, ungefähr ahnst, bei einem dir bekannten auswendig weißt ... du wirst es nicht dadurch, daß du dich einsiedlerisch tagelang absperrst und mechanisch Studien treibst, sondern dadurch, daß du dich in lebendigem, vielseitig-musikalischem Verkehr erhältst, namentlich dadurch, daß du viel mit dem Orchester verkehrst."
Mit dem guten Ohre ist es eine eigene Sache. Manche Menschen erfreuen sich des sogenannten „absoluten Tonbewußtseins", d. h. der Fähigkeit, Töne und Tonarten sofort zu erkennen und nach ihrer Höhe im Tonsystem genau zu bestimmen. Auch diese Fähigkeit, die übrigens in mannigfachen Graden und Abwandlungen auftritt, ist, was oft bestritten wird, bis zu einem gewissen Grade erlernbar, und sie gibt keineswegs den Ausschlag für die Musikalität. Wagner, der doch gewiß ein guter Musiker war, hat sie nicht besessen. Wichtiger ist das sogenannte relative Tonbewußtsein, d. h. das Vermögen, die Tonbeziehungen, insbesondere die Intervalle unter sich, abgesehen von der absoluten Tonhöhe, zu erkennen. Denn wo dieses fehlt, ist eine klare Einsicht in Wesen und Wirkungen der Musik unmöglich.
Diese Einsicht beruht weiterhin auf dem Tongedächtnis. Auch hier gibt es mancherlei Spielarten. Bald herrscht der Sinn für das Wiedererkennen rhythmischer Verhältnisse, bald für die Melodie oder (seltener) auch für die Harmonie vor, bald ist im wesentlichen nur ein sogenannter „Jmitationsreflex", d. H., die Gabe, Gespieltes mechanisch in den Fingern zu behalten, vorhanden. Es gibt Musiker, die mehrere Instrumente beherrschen und ausgezeichnet vom Blatte spielen, die aber doch nicht imstande Jinb, ein Volkslied selbständig mit einfachen Harmonien zu versehen. Es gibt Sänger, die sich ihre Partie mühselig einpauken müssen, und schließlich auf dem Bühne doch noch ganz gute Figur machen.
Mozart und Liszt haben gelegentlich Proben eines Tongedächtnisfes gegeben, das ans Wunderbare grenzt. Insbesondere hat man an Liszt die Fähigkeit gerühmt, ein einmal gehörtes oder auch nur in Noten geschautes Tonstück, und sei es eine schwierige Partitur, frei aus dem Gedächtnis am Klavier wiederzugeben. Erklärlich sind solche Höchstleistungen nur als Ergebnis eines blitzschnellen Zusammenwirkens von höchstgeschärftem Auge und Ohr und von schöpferisch ergänzender Tonphantasie. Sie werden stets Ausnahmen bleiben, aber bis zu einem gewissen und garnicht geringen Grade ist auch hier durch planmäßige Schulung etwas zu erreichen.
Was endlich die Tonphantasie angeht, jenes Vermögen, das Gehörte innerlich anschaulich zu machen, sinnvoll zu verknüpfen und zu vertiefen, verstehend zu fühlen und fühlend zu verstehen, es ein- zuordnen in die große Welt der Seele, so spielt sie nicht nur beim Schaffen und Nachschaffen, sondern auch beim bloßen Hören eine entscheidende Rolle. Denn wer Musik hört, ohne dabei innerlich tätig zu sein, wer sie nur als Nervenkitzel und flüchtigen
Zehn Gebietszeltlager erwarten in diesem Jahr in der Zeit vom 20. Juni bis 28. August 1937 20 000 Jungen. Im Vergleich zu dem Vorjahr sind sie gewaltig vergrößert und verbessert worden. Gauleiter Sprenger wird, wie im vergangenen Jahr, die feierliche Eröffnung vom Zeltlager der HI. bei Urberach im Kreise Dieburg vornehmen und das Zeichen zum Hissen aller Lagerfahnen geben.
Paul Buchwaid
In diesen Tagen verstarb im 61. Lebensjahre der in unserer Stadt und auch darüber hinaus gutbekannte Komponist, Musiklehrer und Kapellmeister Paul B u ch w a l d. Der Verstorbene hatte sich durch eine Anzahl Kompositionen, durch die Vertonung von Volksliedern, durch Märsche usw., einen geachteten Namen zu machen gewußt. Von ihm stammten u. a. einige Kompositionen im Geiste des Dritten Reiches, die auch in der hiesigen SA. Eingang gefunden hatten und des öfteren gesungen wurden. Darüber hinaus wurde ihm die Ehre zuteil, durch den Rundfunk vor einen größeren Kreis van Zuhörern zu treten. Paul Buchwald betätigte sich außerdem mit gutem Erfolg als Musik- und Harmonielehrer. Bei mancher öffentlichen Veranstaltung wirkte er mit und sicherte sich dabei den Dank feiner Zuhörer. Sein bescheidenes Wesen hat ihm in unserer Stadt manchen Freund verschafft.
Detriebsappeil
beim Telegraphenbauamt.
Arn Samstag veranstaltete — wie man uns berichtet — das Telegraphenbauamt in Anwesenheit des Reichspostdirektionspräsidenten E r ck im Katholischen Vereinshaus einen Betriebsappell für die Baubezirke Oberhessen. Eröffnet wurde der Appell nach dem Fahneneinmarsch durch den Betriebs- sührer des Telegraphenbauamtes, Postrat Behling, welcher darauf hinwies, daß durch die Bereitstellung von Mitteln von Seiten des Reichs- finanzministers es ermöglicht wurde, die Gefolgschaftsmitglieder heute und auch in Zukunft in gewissen Zeitabständen zusamme>rzurufen.
Postrat Behling gab bekannt, daß die Reichspost allen diesen Gefolgschaftsmitgliedern, welche besonders erholungsbedürftig sind, einen zusätzlichen Erholungs-Urlaub gewähren werde. Die Einrichtung solle ebenfalls, soweit als möglich, auf erholungsbedürftige Ehefrauen ausgedehnt werden. Ferner werde jedem Angehörigen des Tlegraphenbauamtes bei 25jähriger Betriebszugehörigkeit mit der Auszahlung der Treuprämie und Ueberreichung des Buches des Führers „Mein Kampf" die Unkündbarkeit ausgesprochen. Der Betriebszellenobmann
Lohnes- Darmstadt ermahnte zum Schluß jedes einzelne Gefolgschaftsmitglied, tatkräftig am Gelingen des Vierjahresplanes mitzuhelfen. Mit einem dreifachen „Sieg-Heil!" auf den Führer und mit dem Fahnenausmarsch wurde der offizielle Teil beendet. Anschließend fand ein Kameradschaftsabend statt, bei dem die Bautruppe Oberhessen noch einige frohe Stunden verlebten.
Oberhessischer Jeuerwehrtag in Büdingen.
500 Teilnehmer aus dem kreis Gießen.
Arn kommenden Sonntag findet in Büdingen der Feuerwehrtag für die Kreise Alsfeld, Büdingen, Friedberg, Gießen, Lauterbach und Schotten statt. Bereits am Vortage werden die geschäftlichen und organisatorischen Fragen durchgesprochen, die nach der Auflösung der Provinzen besondere Bedeutung haben. Ast ihnen nehmen die Vertreter der Ortsfeuerwehren unter der Führung des Kreisfeuerwehrinspektors und Kreisfeuerwehr-Verbandsführers für den Kreis Gießen Bouffier teil. Am Sonntag fahren dann aus dem Kreise etwa 500 Mann zu der Hauptveranstaltung, in deren Mittelpunkt Schauübungen der Büdinger und der benachbarten Wehren stehen, die mit einem großen Vorbeimarsch abschließen. Ein Volksfest beendet die Büdinger Tagung.
Und nun nach Frankreich ...
Hessische Trachlengruppen auf weiter Reise.
Nachdem die hessische Trachtengruppe am vergangenen Montag von Hamburg zurückgekehrt war, nachdem die Teilnehmer an jenen schönen Tagen an der Wasserkante einige Tage der Ruhe pflegen konnten, unternimmt nun eine Gruppe von zehn Paaren und zwei Musikern unter der Leitung von Georg Heß eine Fahrt nach Frankreich. An dieser Fahrt nehmen vier Paare aus dem Hüttenberg (aus Leihgestern), vier Paare aus dem Schützer Land, sowie je ein Paar aus dem Hinterland und dem Odenwald teil. Die beiden Musiker sind aus Watzenborn-Steinberg.
Die Gruppe sammelt sich diesmal in Frankfurt und fährt im v-Zug nach Freiburg im Breisgau. Von dort aus wird die Fahrt im Omnibus nach Frankreich fortgesetzt. In Freiburg werden noch zwei andere Gruppen zu unseren Hessen stoßen. Diese drei Volkstumsgruppen gehen auf Veranlassung des Internationalen Zentralbüros „Arbeit und Freude", deren Leiter Dr. Ley ist, als Volkstums - Austauschgruppen nach Frankreich. Die Vorbereitungen für diese Fahrt
ArbeitsmMage im Mai im Bezirk des LandesarbeilsamA Hessen.
Lpd. Frankfurt a. M., 14. Juni. Die
P r e s s e st e l l e des Landesarbeitsamts Hessen teilt mit: Die stetige Besserung der Arbeitslage in den mehr konjunkturabhängigen Berufen, sowie der anhaltende gültige Arbeitseinsatz in den Saisonaußenberufen bewirken eine weitere Abnahme der Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vormonat um 10 376 (16,2 v. H.) auf 53 661 Arbeitslose. Damit erreichte die Zahl der Arbeitslosen den seither günstigsten Stand; sie liegt um fast 40 000 niedriger als im gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Von den verbliebenen 53661 Arbeitslosen waren 44 335 (82,6 v. H.) Männer und 9326 (17,4 v. H.) Frauen. Nach der Einsatzfähigkeit gliedern sich die Arbeitslosen in 27 659 (51,6 v. H.) im Beruf voll einsatzfähig, 17135 (31,9 v. H.) sonst voll einsatzfähig und 8867 (16,5 v. H.) nicht voll einsatzfähig.
Während in den Vormonaten die Frühjahrsbelebung naturgemäß besonders in den Saisonaußenberufen lag, verstärkte sich nunmehr die günstige Entwicklung bei den vorwiegend konjunkturabhängigen Berufen. Der Rückgang der Arbeitslosen ver
teilt sich daher mit 5928 auf die Konjunkturgruppen und mit 4448 auf die Saisonaußenberufe.
Mit Ausnahme der Berufsgruppe Theater, Musik, deren geringe Zunahme saisonmäßig bedingt ist, ist die Zahl der Arbeitslosen in allen Berufsgruppen zurückgegangen. Am stärksten war die Abnahme bei der Gruppe der ungelernten Arbeiter mit 3137 Arbeitslosen. In größerem Abstande folgen das Baugewerbe (—1938), das Holz- und Schnitzstoffgewerbe (—797), die Gruppe Eisen- und Metallerzeugung und -Verarbeitung (—760) und das Verkehrsgewerbe (—683). Bei den Angestelltenberufen (—650) zeigten die Einwirkungen der Arbeitsämter auf Grund der fünften Anordnung des Vierjahresplans bereits gute Ergebnisse.
Die Unterstützten der Reichsanstalt verringerten sich im Laufe des Berichtsmonats um 7044 auf 29 892 Hauptunterstützungsempfänger. Anerkannte Wohlfahrtserwerbslose wurden Ende Mai von den Arbeitsämtern 10 745 gezählt, das find 1063 weniger als am Ende des Vormonats. Bei Notstandsarbeiten waren 5693 Volksgenossen beschäftigt, das find 468 weniger als im Monat April.
Sinnenrausch hinnimmt, der bleibt an ihrer Schale und bringt nicht in den Kern. Er rechnet zu jenen „Fledermäusen des Gefühls", die am Gehalte der Musik ebenso vorbeiflattern, wie jene Neunmalklugen, die glauben, sie hätten der musikalischen Weisheit letzten Schluß, wenn sie ein wenig von der Form, vom Tonsatz wissen und eine Variation von einer Fuge oder einen übermäßigen Dreiklang von einem Septimenakkord unterscheiden können.
Wer ist musikalisch? W^nn wir an die eingangs erwähnte Antwort Schumanns denken, gibt das Herz den Ausschlag. Kopf und Finger sind wichtig, und man soll den Nutzen eigenen, tätigen Musizierens nicht unterschätzen. Aber es hat immer Menschen gegeben, die in ihrer Herzenseinfalt den Offenbarungen der Tonkunst näher gekommen sind als musikalisch noch so Gebildete. Wohl solchen Sonntagskindern! Ihr Ahnen führt oft geradeswegs zum Ziele, wo andere Sterbliche Umwege machen müssen. Aber ob Weg oder Umweg, ob Sonntag oder Alltag: es ist ein Prüfstein für jeden, der den Anspruch darauf erhebt, musikalisch zu sein, daß er sich immer wieder strebend bemühe. Dasselbe meint Schumann, wenn er seine „Musikalischen Hausund Lebensregeln" mit den Worten beschließt: „Es ist des Lernens kein Ende."
Die Badehose.
Leuten, die zu Zornausbrüchen neigen, sind schon viel Ratschläge gegeben worden, wie sie im entscheidenden Augenblick die Wut zurückhalten könnten. Die Ratschläge sind oft gut. Aber die Wut ist meist schneller. Indessen hat sich das einfache Mittel doch bewährt, erst bis zehn zu zählen, ehe man sich die Explosion gestattet.
Herr Berthe! genoß am warmen Sonntag die Dampferfahrt. Er kannte sein Temperament und hatte sich deshalb vorgenommen, sich durch nichts ärgern zu lassen. Er hatte es auch geschafft, trotz der Unvernunft der drängelnden Leute. Doch ausgerechnet jetzt, wo er hätte in Ruhe übers Wasser bücken können, begann die Anfechtung. Denn es war so eng auf der Bank, daß es ihn schrecklich nervös machte, wenn die Nachbarn immerzu in Bewegung waren.
Er selbst hatte schon zur Platzersparnis sein Badezeug unter die Dampferbank gelegt. Das Fräulein neben ihm aber quetschte das ihre zwischen sie beide, und Herr Berthe! fühlte sich bedrängt. Als die Nachbarin auch noch die — übrigens ganz liederlich zusammengelegte! — Zeitung darüber tat, mußte er zum ersten Male seinen Aerger aus
zählen. Das Hausmittel half. Bei fünf lächelte er und schwieg also als Sieger.
Nach zehn Minuten stieß er mit einem plötzlichen Ruck gegen die ungebührliche Bedrängnis vor. Das Fräulein sah ihn so unverschämt fragend an, daß er sich knapp rettete: 1, 2, 3... Diesmal dauerte es schon bis 8. Ader der stumme Kampf ging weiter. Herr Berthe! spürte ganz genau, daß seine Nachbarin und Gegnerin sich über das herausfordernde Badepaket auf der Bank völlig klar war. Er beschloß deshalb, sie keineswegs erst darauf aufmerksam zu machen, sondern nun in fünf Minuten kalt und ruhig zu handeln. Nicht als Opfer seines Temperaments, sondern vorbildlich beherrscht. Er blickte, fern wie das Schicksal selber, geradeaus, auch noch, als er — besonders langsam — bis zehn zählte. Da sich bis dahin neben ihm nichts geändert hatte, ergriff er nun, beinahe höflich, das störende Badetuch mitsamt der Zeitung und warf es übers Geländer: ins Wasser. — Wenn so ungewöhnliche Handlungen gänzlich ruhig geschehen, lähmen sie zuerst. Wie zumeist, war es auch hier ein Unbeteiligter, der sich zuerst entrüstete. Dann fand das Fräulein die Sprache wieder (ober hatte auch erst bis zehn gezählt?) und sagte liebenswürdig:
„Wenn Sie schon Ihr Badetuch ersäufen wollen, dann können Sie wenigstens meine Zeitung schonen."
Herr Berthe! sah unter die Bank. Da lag nackt nur noch die Badehose. Ein Freundlicher hatte... Ein Freundlicher? Was ging es die Leute an, ob sein Badetuch im Dreck lag?! Herr Berthe! vergaß, bis zehn zu zählen, und überschüttete die Mitwelt mit ungerechten Anwürfen.
vNikolas Knobel.
dod)fd)ulnacbrid)kn.
Anfang April war bekanntgegeben worden, daß durch Erlaß des Herrn Reichs- und Preußischen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung das Prüfungsamt für Diplomvolkswirte an einigen Universitäten, darunter auch in Marburg, aufgehoben werde. Der Minister hat nun- mehr angeordnet, daß die bis zum 1. April 1937 vorhandenen Prüfungsämter für Diplom-Volkswirte wieder einzurichten find. Damit ist auch Marburg wieder allen Universitäten gleichge- stellt. Der Herr Minister hat zum Vorsitzenden des Prüfungsamtes für Volkswirte an der Universität Marburg den Kurator der Universität, Dberpräfi- benten z. D. Geh. Oberregierungsrat Dr. Dr. von Hülsen bestellt.


