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Dabei beschränkt sich Deutschland in staatsmänni­scher Einsicht lediglich auf den Ausbau der wirt- schaftspolitischen und kulturellen Beziehungen, ohne damit machtpolitische Zielsetzungen zu verbinden, wie dies in früheren Zeiten England und besonders Frankreich stets zu tun pflegten. Auch hier liegt ein sehr wichtiges Moment für die freundliche Beur­teilung, die Deutschland und seine Politik allenthal- halben im Südosten finden. Man weiß in Belgrad, genau so wie in Budapest und m Athen, in Sofia und in Ankara sehr gut, daß Deutschland weder Prestigepolitik noch imperialistische Politik im Süd- ostraum treibt oder treiben will. Andererseits haben die Südoststaaten in den letzten Jahrzehnten gerade in dieser Hinsicht traurige Erfahrungen gemacht, indem beispielsweise Frankreich seine Finanz­hilfen, die es den einzelnen Ländern zu deren eigenem Schaden aufdrängte, später dazu zu be­nutzen suchte, um die Schuldnerstaaten politisch zu erpressen. Und auch England scheute sich ja nicht, seinen Interessen die der schwächeren und weniger widerstandsfähigen Südoststaaten zu opfern, wie nicht zuletzt das Beispiel Griechenlands zeigt, das man vor zwanzig Jahren mit brutaler Gewalt auf die Seite der Entente in den Krieg zwang. Solche Dinge vergessen sich schwer. Ebensowenig ver-

Deutschland und der Oonauraum. Von unserem (ac)-Berichterstatter.

Nachdruck verboten!

B u d a p e st, im Juni 1937.

Oie Finanzvollmacht für Blum.

Auch die Kommunisten stimmen für das Volksfront-Kabinett.

Z-ZSWLM L-LZWSWff der Phant"asiep°litik der Prager Machthaber, di- sich auch in Prag zur Erkenntnis nehmen müssen.

Oie Fahne der Alten Garde.

Weihestunde in den Berliner pharus-Sälen. - Auftakt zur Ostpreußenfahrt.

P a r i s, 16. Juni. (DNB. Funkspruch.) Die fran­zösische Kammer nahm nach einer zum Teil stür­misch verlaufenen Nachtsitzung, in der der Mimster- präsident L6on Blum und der Finanzmimster Vincent A u r i o l das Wort zur Verteidigung der Finanzpolitik des Kabinetts ergriffen, mit 346 gegen 247 Stimmen die Gesetzesvorlage an, die die Regierung e r m ä ch t i g t, bis zum 31. Juli 1937 durch Gesetzeserlasse, die im Minister­rat beschlossen werden, die für die Wiedergesundung der öffentlichen Finanzen und den Schutz des Spa- rcrtums, der Währung und des öffentlichen Kredites notwendigen Maßnahmen zu ergreifen. Die Erlasse müssen der Karner und dem Senat in­nerhalb von drei Monaten zur Ratifizierung unter­breitet werden. Die Maßnahmen der Regierung sollen den Zweck haben, den Franken auf der in dem Abwertungsgesetz vom 1. Oktober 1936 bestimmten Parität zu halten und eine Devisenkontrolle auszu­schließen.

Im Verlaus der Sitzung griff der ehemalige Ministerpräsident Fl and in, der seinerzeit über die Forderung der Ausnahmevollmachten gestürzt ist, den Finanzminister mit Nachdruck an, man könne eine Währung in einer Zeit der Panik nicht stabilisieren, ganz abgesehen davon, daß dazu das Einverständnis Englands und der Vereinigten Staaten als Mitunterzeichner des Dreier-Abkom­mens erforderlich sei. Flcmdin warf die Frage auf, warum die Regierung Ausnahmevollmachten ver­

hüt, wir sind dennoch die Alten ge­blieben. Das ist ja das Wunderbare an unserer Bewegung, daß sie eine Welt verändert hat, selbst aber unverändert geblieben ist! Das hat ihr auch im Grunde genommen die Kraft z u m Siege gegeben, und wenn es uns gelungen ist, das ganze Volk für den Führer und seine Bewegung zu gewinnen, so deshalb, weil wir eine revolu- tionäre, eine sozialistische und eine Ar­beiterbewegung gewesen und geblieben sind."

Oer Stellvertreter des Führers überbrachte sodann unter stürmischem Jubel den alten Kämpfern die Grüße des Führers und nahm die feierliche Weihe der Fahne vor, die er der Alten Garde stiftete. Während sich alles von den Plätzen erhebt und die Fahne der Alten Garde ihrer Hülle entkleidet wird, berührt der Stellvertre­ter des Führers sie mit dem Tuche der Horst-Wes- sel-Standarte. Die prächtige Fahne, deren Haken­kreuz in Goldbuchstaben die UmschriftNational­sozialistische Deutsche Arbeiterpartei" und einen brei­ten goldenen Ring trägt, ist mit goldenen Fransen eingefaßt und trägt auf der Fahnenspitze ein golde­nes Hoheitszeichen. In einem Sturm des Jubels übergibt Rudolf Heß die Fahne dem Reichsorgani­sationsleiter Dr. Ley, der zunächst dem Stellver­treter des Führers dankte, daß er diese Fahne her Alten Garde gegeben und ihr damit auch ein snm- bolisches Zeichen verliehen habe. Schon zum fünften Male wanderten dieAlten" nun gemeinsam hin- aus. Es könne immer nur eine kleine Zahl sein, die art diesen Gemeinschaftsfahrten teilnehme. Viel, viel mehr hätten ein Anrecht dazu, aber das sei rein technisch nicht durchführbar. Dr. Ley sprach die Hoffnung aus, daß dieses Beispiel der Reichsleitung die Gaue anrege, ihrerseits einmal im Jahr die alten Kämpfer ihres Gaue s zu einer

lange, wo sie über eine Mehrheit verfüge, die bisher alle ihre vorgelegten Gesetze angenom­men habe. Die Kammer habe noch nie einer Re- qierung Vollmachten in Steuerfraaen erteilt. Das sei gegen die Verfassung. Denn diejenigen, die solche Vollmachten in der Nacht gewähren woll- ten, wüßten nicht, welche Folgen das am nächsten Tage bereits haben könne.

Ministerpräsident Blum erwiderte daraufhin, daß es sich bei den von der Regierung vorgesehenen Finanzmaßnahmen nicht um eine Erhöhung der Steuern auf Verbrauchsgüter han­dele, die Vollmachten, um die die Regierung er- suche, seien lediglich zumSchutze der Demo­kratie und der arbeitenden Klasse be­stimmt. Der Generalsekretär der kommunisti­schen Gruppe, Duclos, gab den Beschluß seiner Partei bekannt, für die Regierung zu stim­men, ließ aber keinen Zweifel darüber bestehen, daß dieser Beschluß nuraus Solidarität mit der Volksfront" erfolgt sei. Im übrigen tritt» fierte er, abgesehen von den Maßnahmen zur Be­kämpfung der Spekulation, scharf die Absichten der Regierung, besonders die Erhöhung der Po st- und Eisenbahntarife. Er verlas nochmals die Entschließung des Zentralkomitees her kommunistischen Partei, in der u. a. die Bereit­schaft der Kommuni st en zum Eintritt in eine Regierung der Volksfront be­tont wird.

Als die Absicht des Reichsaußenministers Frei- ; Herr von Neurath bekannt wurde, zu kurzen > Besprechungen die Hauptstädte Jugoslawiens, Butt , gariens und Ungarns zu besuchen, zeigte das Echo, das dieser Plan. in der Presse der betreffenden : Südoststaaten sand, daß die Reise in der Tat auch den Intentionen und Wünschen der einzelnen Sud- ost-Länder entsprach. Andererseits fehlte es natür­lich auch nicht an Quertreibereien und an mannigfachen Versuchen, die Besuche mit angeb» liehen politischen Machtplänen Deutschlands in Zu­sammenhang zu bringen. Besonders in P r a g zeigte sich das Bestreben, durch böswillige Entstellungen und Verdrehungen den Anschein zu erwecken, als bedeute die Reise des Reichsaußenministers eine Gefahr für die friedliche Entwicklung im südosteuro­päischen Raum. Ganz besonders hetzerisch gebärdeten sich dieEuropäischen Stimmen", jene von Prag und Paris mit Hilfe sowjetrussischen Geldes aus­gehaltene Zeitschrift, deren Hauptziel die Verleum­dung Deutschlands und die Hetze gegen die deutsche Wirtschaftspolitik im Süd­osten zu sein scheint. Die Tatsache, daß gerade von Prag aus die wildesten Verleumdungen aus Anlaß der Reise des Reichsauhenministers zu hö­ren waren, gerade diese Tatsache zeigt das Wesen der Gegensätze auf, die sich wieder einmal mit be­merkenswerter Schärfe im Südostraum geltend machen. Auf der einen Seite nüchterne Realpolitik, wirklichkeitsnahe praktische Wirtschaftspolitik und auf der anderen Seite nichts als Phrasen und uto­pische Phantasien, die nicht um ihrer selbst wil­len verfolgt werden, sondern nur, um hinter ihnen dunkle politische Zwecke verbergen zu können.

In Prag schwört man ja noch immer auf den so- genannten Hodza-Plan, auf jenen Plan des tschechoslowakischen Ministerpräsidenten, der angeb- lich eine segensreiche Neuordnung im Donauraum bringen soll. Als erste Etappe auf dem Wege zur Verwirklichung dieses Phantasieprojektes ist ein enger Zusammenschluß Oesterreichs und der Tschechoslowakei gedacht. In diesem Sinne äußerte sich erst kürzlich einer der vielen Prager Offiziösen, Herr Hubert R i p k a in einem urdemokratischen Prager Blättchen. Die tschechisch- österreichische Zusammenarbeit, die ja auch gewisse Kreise in Wien anstreben, soll dann durch A n - schluß Ungarns erweitert werden. Wenn nun Herr Ripka weiter feststellt:Es ist überflüssig, irgendwo damit zu rechnen, die Tschechoslowakei werde ihre Verbindungen mit den Staaten der Kleinen Entente dadurch lockern, daß sie in irgend eine tschechoslowakisch-österreichisch-ungarische Kombination eintrete", so zeigen gerade diese Worte, daß die weitere Etappe jener Prager Pläne auf die Mitarbeit Südslawiens und Rumä- niens mit dem Kernstück Prag-Wien-Budapest hinauslaufen. Damit aber erschöpft sich das Prager Interesse, und die an sich für die mitteleuropäische Wirtschaft ganz besonders wichtigen Staaten Bul­garien, Griechenland und Türkei bleiben gewissermaßen an der Peripherie jenes Donau­blocks. Abgesehen von diesem grundlegenden Fehler der Prager Konstruktion ist jener vielgenannte Hodza- Plan eben doch nur ein wirtschaftlich getarnter Versuch, politische Einflüsse im Donau» rauch und im gesamten Südosten zur Geltung zu bringen, die sich bei der gegenwärtigen natürlichen Entwicklung der Verhältnisse zwischen den Sudostt ftaaten und Mitteleuropa, insbesondere Deutschland, nicht auswirken können. Gerade aber weil eben diese Bestrebungen nicht auf natürlichen Voraussetzungen beruhen und nicht den Interessen aller Beteiligten wirklich entsprechen, darum müssen sie Phantasie­gebilde bleiben, deren Verwirklichung von vorn­herein als aussichtslos zu gelten hat. Statt nun aber diese Tatsachen zu erkennen, versucht man in Prag weiter, die deutsche Wirtschaftspolitik im Süd­ostraum zu durchkreuzen und zu stören.

Gerade im Hinblick darauf gewinnt nun der

Besuch des Reichsaußenministers in den Sudost- ftaaten besondere Bedeutung. Zeigt er doch, datz 1 Deutschland fest entschlossen ist, an feiner Real­politik im Südostraum festzuhalten, an seiner Po­litik, die, wie sich unschwer feststellen läßt, m jeher Beziehung bewährt hat, und die vor allem den Donauländern selber gerade das gab, was sie brauchten, nämlich den Absatz ihrer wirt­schaftlichen Erzeugnis e, die sonst schwer Käufer gefunden hätten. Das ist ja gerade die Stärke der deutschen Wirtschaftspolitik im Sudosten, daß sie den natürlichen Gegebenheiten und den tatsächlichen Bedürfnissen entspricht und nicht eine Zwangsjacke bedeutet. Wie könnte sich wohl der Warenaustausch in einem Dreieck PragWien- Budapest vollziehen, wo doch schon heute die Mei­nungsverschiedenheiten auf handelspolitischem Ge­biete zwischen diesen Staaten kaum mehr verhüllt werden können? Wo sollte Ungarn seinen Maw verkaufen und seine Überproduktion an Fett und Schweineschmalz los werden, wenn nicht in Deutsch­land? Ginge es nach den phantasievollen Planen der Prager Machthaber, dann könnte Ungarn sehen, wo es seine Ausfuhrprodukte los wird. Die deutsche Wirtschaftspolitik dagegen, so wie sie vom national­sozialistischen Deutschland im gesamten Südostraum betrieben wurde, sichert den einzelnen Sudoststaaten in weitgehendem Maße den Absatz ihrer tandwirt- ichaftlichen Erzeugnisse und gibt ihnen somit die Möglichkeit, ihre Nationalwirtschaft auf eine solide Grundlage zu stellen.

Wenn man beispielsweise bedenkt, daß 23 v.H. der ungarischen Ausfuhr, 47,6 v.H. des bulgarischen, 36 v.H. des griechischen und gar 51 v. H. des tür­kischen Exportes allein nach Deutschland gehen, so wird auf den ersten Blick ersichtlich, welche ungeheure Bedeutung die deutsche Wirtschaftspolitik für die Südoststaaten selber hat. Es versteht sich, daß auch die Einfuhr dieser Länder in der Haupt­sache auf Deutschland ausgerichtet ist, wie denn auch Ungarn 25,8 v. H. seiner Einfuhrgüter aus Deutschland bezieht, Südslawien 26,7 v. H., Rumä­nien 37 v. H., die Türkei 45 v H. und Bulgarien gar 61 o. H. Der Anteil der tschechoslowaki­schen Ausfuhr nach Deutschland zeigt dagegen einen wesentlich geringeren Prozentsatz, und er zeigt auch, verglichen mit früheren Jahren einen beträcht­lichen Rückgang. So gingen noch im Jahre 1934 21,4 v. H. der tschechischen Ausfuhr nach Deutschland, im Jahre 1936 aber nur 14,4 v. H., also fast genau ein Drittel weniger. Hier sieht man deutlich, wie schädlich für die Tschechoslowakei ihre intransigente Politik dem neuen Deutschland gegenüber ist und wie sich die Prager Machthaber selber den Ausweg aus den wirtschaftlichen Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen haben, versperren. In Südslawien dagegen und in Griechenland, in Bulgarien und in Ungarn, überall wird man einen erfreulichen wirtschaftlichen Aufschwung feststellen können, der ; in erster Linie auf die gesunde handelspolitische Entwicklung und vor allem auf die Konsolidierung : und Sicherstellung der alljährlich anfallenden Aus­fuhrgüter zurückzuführen ist.

Berlin, 15. Ium. (DNB.) Im feierlichen Rahmen übergab am Dienstagabend der Stell­vertreter des Führers den 500 dienftälte- steN politischen Leitern der NSDAP, aus allen Teilen des Reiches nach einer mitreißenden An­sprache des Gauleiters der Reichshauptstadt Dr. Goebbels vor dem Antritt ihrer traditionellen Fahrt der Alten Garde", die diesmal nach Danzig und Ostpreußen führt, die Fahne der Alten Garde. Mit den ältesten Kämpfern Adolf Hitlers aus dem ganzen Deutschland wähnten auch tausend Berliner Ehrenzeichenträger an der historischen Stätte aus der Berliner Kampfzeit, den Pharus- Sälen, der festlichen Stunde bei.

Gauleiter Reichsminister Or. Goebbels begann seine Ansprache mit der Erinnerung an die hist oris ch e Saa ls ch l a ch t, die an dieser Stätte in den ersten Monaten des beginnen­den Kampfes um Berlin ausgetraaen wurde.Nicht immer", so erklärte er, unter lebhaftester Zustim­mung,sind mir in diesem Saal die Beifallskund­gebungen so spontan entgegengebraust. Damals hörten wir hier Rufe, die von erbittertster Feind­schaft gegen unsere Bewegung zeugten. Wenn Sie dann noch hinzunehmen, daß wir uns hier mit­ten in dem einst ganz roten Arbeiter­viertel befinden und daß dieser Saal die tradi- ttonelle Versammlungsstätte der Führung der Kom­munistischen Partei war, so können Sie sich unge­fähr vorstellen, wie uns an jenem grauen Februar­abend des Jahres 1927 zumute war. Ich weiß, daß jeder von Ihnen ähnliche Erinnerungen hat. Sie alle werden mit großer Freude, manchmal auch mit tiefer Wehmut an diese schönen Kampfjahre zurück­denken, waren es doch Jahre, in denen jeder be­weisen mußte, daß er ein Kerl war.

Aber wenn sich auch das ganze Reich gewandelt

Dora

Abschied vom Musketier

Von Oberstleutnant a. O. Benary.

Die Muskete ist anfangs eine recht schwere, un­handliche Waffe mit ihrer Stützgabel, ihrem Lunten- schloß, ihrem Kissen für die rechte Schulter des Schützen, bis geschickte Waffenschmiede im 17. Jahr­hundert das Radschloß erfinden und ihren Lauf erleichtern, so daß die Gabelstütze wegfällt und selbst Reiter die Dragoner mit ihr ausge­stattet werden können.

Als Preußens Heer unter dem Großen Kurfür­sten, unter B a r f u s und Sparr, die ersten

mann gehörig eins auf den Pelz, wenn er sich ins Niemandsland vorwagt.

Die Hölle ist losgelassen. Tagelang trommeln Kanonen, Haubitzen und Mörser. Drahtverhau und Schulterwehren, Graben und Unterstände sinken in Trümmer. Eisen- und Stahlsplitter surren durch die Luft, Rauch- und Gasfchwaden kriechen über das Feld Aufrecht und siegessicher folgen Franzo­sen und Engländer der Feuerwalze. Wie könnte ein Lebewesen nach solchem Taumel der Vernich­tung ihnen noch Widerstand leisten! Der preußische Musketier kann es. Er wischt den Dreck aus den

Mann, der dem Feind in das Weiße des Auges sieht, der mit treffsicherem Schuß, mit dem Wurse der Handgranate, mit der blanken Waffe ihm der Garaus macht, der neuzeitliche Infanterist, der sel' ber Meister der Technik ist, der die Waffen unb Geräte, die seine Zeit ihm in die Hand drückt, das Maschinengewehr und die Handgranate, das I"'

Blinklampe und das Funkgerät und wie sie sons noch heißen mögen, zu gebrauchen weiß, der mit den Schwesterwaffen auf der Erde und in der Lust

zusammenzuarbeiten versteht.

Wenn wir die Schützen der jungen Wehrmacht durch die Stadt marschieren sehen, wenn wir sir begleiten auf ihren Gefechtsübungen in Feld,, und Wald, wenn mir an ihrer straffen Haltung, an ihrem Kampfgefchick unsere Freude haben, dann nehmen wir, wenn auch wehmütig, so doch getrosten Abschied vom Musketier. Wir wissen: sein Geist lebt! Denn der Schütze wird einstehen für Deutsch' land wie einst der Musketter für Preußen.

ein lustiges, kurzes Lachen tief aus der Kehle her- auf, ein Verspotten ihrer selbst.

Dann stand ich am Fenster und fang mit, nicht taut, daß man es hören konnte, aber inwendig, als wäre ich sie selbst.

Du, Abendrot," sagten wir beide,Abendrot, wir glühen wie du: wir sind beide dasselbe wie du."

Und indem wir das sagten, die Amsel und ich, lachten mir über uns selbst und meinten es doch bitter ernst. Und dann flogen mir ab. Die Amsel zurück ins Dunkel der Büsche mit lautem Schelten; ich in mein Reich der Träume.

Sommersonne brütet über Belgien und Nord­frankreich, heiß rinnt der Schmeiß, schwer legt der Staub sich auf Augen und Lungen, zu Boden fast zieht Gewehr und Tornister. Aber er marschiert Kilometer um Kilometer Tag und Nacht. Ein Ziel winkt:Paris!" Der Vater war da Anno 71, der Ahn 1814 und 15. Da wird es der Sohn, der Enkel, der brandenburgische Musketter, auch schaffen.

Feuergarben fauchen aus den Fenstern und Dach­luken von Frameries. Die Tommys wissen als alte Kolonialkämpfer sich zu decken und zu treffen. Sie sind gewohnt, festzuhalten, was ihnen anvertraut ist. Aber dem Ansturm preußischer Musketiere sind sie nicht gewachsen. Ihr Deich bricht, als die feld­grauen Sturmwellen immer wieder von neuem her­anbranden, gleich, ob Dutzende, ob Hunderte dahin­sinken.

Der preußische Musketter ist nicht mehr. Ein Erlaß des Reichskriegsministers hat es uns kürzlich gesagt. Der Schütze ist an seine Stelle getreten, der Soldat einer neuen Zeit, einer Zeit, in der die Technik das große Wort führt, einer Zeit, in dec gar mancher dem Infanteristen die Daseinsberech­tigung überhaupt absprechen will. Aber der In­fanterist ist ewig. Die neuzeitlichen Waffen, die großkalibrigen Geschütze, die Kampfwagen, die Flugzeuge wissey wohl zu zerstören, zu erobern, aber sie vermögen nicht den letzten, entscheidenden Widerstand des Feindes zu brechen, nicht zu be­haupten. Das vermag nur der Infanterist, der

Lorbeeren erntet, da fechten in seinen Kompanien die Musketiere mit ihren Feuerwaffen noch Seite an Seite mit den Pikenieren, die nur mit einer Hellebarde bewaffnet sind. Unter dem Soldaten­könig haben sie sie ganz verdrängt, aber schon treten die Grenadiere und Füsiliere mit ihnen in Wettbewerb, ja stechen sie bisweilen als die statt­licheren, vornehmeren, als die flinkeren, leicht­lebigeren aus. Der Musketier läßt es sich nicht ver­drießen. Er wird im Laufe der Jahrhunderte zum deutschen Infanteristen schlechthin, zumMuschko", zumMuschkoten", der ohne Litzen und Tressen, im abgeschabten 5. oder gar 6. Rock, still seine Pflicht tut, unscheinbar, ja krummbeinig oft, aber zäh und ausdauernd, kein Kirchenlicht, kein Führer­anwärter vielleicht, aber pfiffig und allezeit guter Dinge, den Kopf voller Mädels, den Mund voller Lieder und zu jeder Stunde, wenn es der Haupt­mann befiehlt, zum Sterben bereit.

Das Lied her Amsel. <

Von Cecile tauber. i

Das Haus meiner Kindheit stand angelehnt an 1 einer Hügelhalde. Die Gärten tarnen von oben ) herab und wurden von ihm durch zwei schwebende Brücken wie mit Fingerspitzen festgehalten. Im , Garten standen alte Bäume; in den Bäumen niste- ten viele Vögel.

Wenn ich vor Tag erwachte, sangen schon alle Vögel und über allen Vögeln mit Engelsstimmen die Amseln.

Aus den Vorhangfalten am Fenster tropfte glas­klares Morgenlicht; in der Bettecke blieb es noch lange düster. Ich tauschte. Draußen bauten die Vö­gel mit ihrem Gesang aus tauschweren Bäumen und reinem Licht die Welt wieder auf; die wunderbare, seltsame Welt, darin jetzt Menschen mit frischen Gedanken, mit traumbefrachteten Stirnen und er­wartungsschweren Herzen herumgingen, die ein steigender, roter Sonnenball aus Dunkelheit neu er­schuf. Die geheimnisreiche Welt der Möglichkeiten, in der meine Mutter herumhantierte, in der er­wachsene Menschen schon handelten.

Nichts hat jemals verführerischere Gewalt auf mich ausgeübt, als Vogelgesang in der Morgen­frühe nichts beruhigt besser nach durchwachter Nacht und flößt größeren Mut ein nichts ver­mag mehr die Seele auf Armen der Sehnsucht em­porzuheben, den Glauben an bas Wunderbare, das Schöne, .das Zuerstrebende in Zuversicht und Ge­wißheit ' umzuwandeln, als der jubelstarke, licht- trunkene, nestwarme Gesang der Vogel in der Morgenfrühe.

Und heute noch, wenn ich mich einer Bedrückung entwinden soll, kann ich nichts Besseres tun, als jenen immer wiederkehrenden Traum zu Hilfe rufen, darin ich das Haus meiner Kindheit sehe, angelehnt an einer Berghalde, die ganz bedeckt ist mit zarten niedrigen Blütenbäumchen. Jeder Baum ist eine Orgel von Vogelstimmen. Auf jedem ein­zelnen sitzen sie zu Hunderten und aber Hunderten: Amseln, Drosseln, Finken und Meisen. Und alle fingen halblaut ober leise flüfternb wie im Traum, mit munberbar süßen einschmeichelnben Stimmen, bie mir bas Herz zum Zittern bringen.

Vor bem Fenster, an dem meine Mutter ihr Ar- beitstischchen stehn hatte, wuchs eine alte Tanne in den Himmel hinein. Auf ihrer Spitze fang Abend für Abend eine Amsel ihr letztes Lied. Die Brust Ins Abendrot gedrückt, den gelben Schnabel wie in Verzückung aufgesperrt, warf sie perlende Sätze in das verglühende Licht. Und jedem Satz folgte

Augen, schiebt seinen Flintenlauf, sein Maschinen­gewehr über den Trichterrand und läßt sie spre« chen, baß bie allzu sorglosen Angreifer reihenweise fallen unb die Uebriggebliebenen das Wiederkom« men vergessen.

Noch einmal schmettern die Hörner das alte, da» herrliche Sturmsignal. Noch einmal wirbeln die Trommeln:Kartoffelsupp! Kartoffelsupp ...!" Der preußische Musketier stürmt in das Frühjahr 1918 hinein über die Somme, über den Chemin des Dames bis vor bie Tore von Amiens, bis an bie Marne. Aber bann ist auch feine Kraft erschöpft, muß er zu Spaten unb Hacke greifen.

Das Ende naht, bas bittere Ende. Der preußische Musketier, von Hunger geplagt, von ber Grippe geschüttelt, kämpft mit zusammengebissenen Zähnen gegen bie Uebermacht ber ganzen Welt. Er läßt bie Waffen erst sinken, als im Frühdämmern der 11. November die Kanonen schweigen.

Der Graf von Turin jagt im Tale der Baltea. Sein Falke stößt pfeilschnell auf das Feld­huhn herab, er schlägt es, er kehrt aus die Hand seines Herrn zurück. Der Gast aus Frankreich wendet sich höflich zum Grafen:Wie ruft man hierzulande solch edlen Vogel?" Der Graf streicht bem Falken über die feingesprenkelte Brust:Mos- chetto, weil bie Tupfen seines Gefiebers ber

musca, ber Stechmücke gleichen".

Der Graf unb sein Gast sitzen beim Abendtrunk am Kamin. Der Graf hat bie neue Feuerbüchse, bie ber Gast von ber Seine her mitbrachte, quer über bem Schoß unb betrachtet mit Wohlgefallen Lauf unb Schloß:Unb wie taufen wir sie, mein Freund?" Der Franzose sinnt nach:Moschetto, nach Eurem zierlichen Jagdfalken. Sie trifft so sicher wie er sein Opfer."

Der Name gefällt dem französischen Fußvolk, das mit der Büchse ausgerüftet wird. Nannte er doch seit alters her seine Waffen gern nach Vögeln, den 36-PfünderAdler", den 3-PfünderSperber" uff. Das italienische Moschetto schleift sich zum französischen mousquet ab, und ihre Träger sind stolz darauf, mousquetaires zu heißen. Die neue Waffe tritt ihren Siegeszug durch Europa an. Sie wird in Deutschland zur Muskete, ihr Träger zum Musketier.

Der Traum ist ausgeträumt. Paris versank in unerreichbaren Fernen. An der Aisne liegt nun feit Wochen schon in Regen und Herbstkälte der Mus- ______ov. ____ ,,-------,

fetier, schippt unb zieht Draht, steht in ber Sappe" ^santerie- unb Panzerabwehrgeschütz, aber auch bis und späht in die dunkle Nacht, pfeffert dem Franz- "" ~ u ~ '