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Nr. 13? Erster Blatt

187. Jahrgang

Mittwoch, W. Juni 1937

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Der Reichsaußenminister fährt nach London.

Auf britische Einladung Meinungsaustausch über den Westpakt und die Lage in Spanien.

Dämmerung.

Am 16. Juni 1917 konstituierte sich in Leningrad er Erste Allrussische Rätekongreß. Zwanzig Jahre chwingt nun der Bolschewismus über Rußland »ine Geißel. Hekatomben von Leichen, Ströme von 3lut, leibliche und seelische Knechtschaft eines Hun- iertmillionenvolkes, Wirtschaftskatastrophe und Hun- ersnot kennzeichnen seinen Weg zur Macht und »inen Kampf um die Selbstbehauptung. Der Bür- erfrieg zwischen Rot und Weiß und die Abwehr- ämpfe gegen die von den westlichen Demokratien Denn auch nur mit halber Kraft unterstützten nterventtonsversuche waren kaum beendet, Adel nd Bürgertum des zaristischen Rußlands, als der l'onterreDolution und der Verbindung mit dem lusland verdächtig, waren kaum mit Hilfe der Haurigen Henkersmethoden der Tscheka und ihrer -lachsolgerin, der GPU., vernichtet, als der Bolsche- lismus begann, seine eigenen Kinder zu ver­klingen. Nicht nur, daß der Argwohn, von alb fsischen reaktionären Kreisen und vom Auslande r würde die Errichtung eines bolschewistischen Zirtschaftssystems sabotiert, die ausländischenSpe- flliften" und die dem russischen Bürgertum ent- nmmenden Ingenieure, Gelehrten und Facharbeiter jf Schritt und Tritt verfolgte und sie der Tscheka -utal ans Messer lieferte, sobald die auf allen Gebieten der Wirtschaft sich häufenden Mißerfolge □r der Öffentlichkeit mit konterrevolutionärer (Sabotage entschuldigt werden mußten, nein, auch t-e Richtungskämpfe innerhalb der Partei, der Elreit um die Zweckmäßigkeit und^das Tempo der ndustrialisierung, um den rechten Weg der bob !)ewistischen Agrarpolitik, um die außenpolittsche !: nie der Sowjetunion und hinter diesen prinzi- Ftllen Auseinandersetzungen die nackten Kämpfe im die Macht in Partei und Staat haben in diesen pangig Jahren bolschewistischer Herrschaft niemals oifgehört und schließlich zu einer geradezu beb fsiellos satanischen Bespitzelung untereinander ge­führt, je enger der Klüngel meist jüdisch-äsiatischer Parteibonzen wurde, der sich die Diktatur über das russische Volk anmaßte und von dieser mit allen materiellen Mitteln unterbauten machtpolitischen kastion aus den Angrift der bolschewistischen Welt- mvolution auf die anderen Völker einleitete.

Je mehr es in der letzten Hälfte dieser zwei Jahrzehnte dem Kaukasier Stalin, vor dem der tr'te Prophet des Bolschewismus Lenin in seinem I ftament die Partei vergebens gewarnt hat, ge­lingen ist, sich vom simplen Generalsekretär der Partei zum allmächtigen Herrscher zu erheben, b'fen Stirnrunzeln Tod und Verderben für jeden a. ch noch so Hochgestellten bedeutet, der auch nur bim leisesten Argwohn erregt hat, anderer Meinung zi sein als der Gewalttge des Kreml, je mehr legt fr) eine düstere Wolke des Entsetzens und des (bauens über das weite russische Land, dessen von Cchicksalsschlägen geprüfte Völker erzittern vor dem L utrausch eines sadistischen Despoten, der in seinem pathologischen Argwohn auch nicht vor der Aus- irtung der Männer haltmacht, denen er vor den äigen des Auslandes die Rote Armee, das Dieb »wunderte Machtinstrument des revolutionären Zi'lschewismus, um dessen Stärke und Zuverlässig- ei willen sich die Bundesgenossenschaft mit der ^wjetunion für Paris und Prag zu lohnen schien, cmoertraut hatte. Das Blutbad vom 12. Juni, dem mt dem Sowjetmarschall Tuchatschewski sieben 0 nerale der Roten Armee in führenden Stellun- cen zum Opfer fielen, ist am Ende dieser zwei öchrzehnte einer Kette grausiger Verbrechen ein Sifciläumsfanal, des bolschewisttschen Regimes . M rdig.

lähmendes Entsetzen scheint nun diese letzte Blut- li' des Moskauer Despoten auch in den Kreisen |e= Auslandes bewirkt zu haben, die in ideo- MÄscher Sinnesverwirrung oder aus blindem po­litischem Opportunismus bis heute geglaubt haben, Ü( Augen vor dem wahren Charakter des Bolsche­wismus als einer weltrevolutionären, kultur- und fii densfeindlichen Macht schließen zu können. Was |id soeben in Sowjetrußland abspielt, sollte es ricQi dazu angetan sein, die Staatsmänner, Parla- mmtarier und Journalisten der westlichen Demo- bckien eines Besseren zu belehren, die bisher trotz 1 n Warnungen mit eiserner Stirn an der Fik- :on festhielten, daß die Sowjetunion ein Staat i wie jeder andere auch, auf dessen Mitwirkung ei einer Neuordnung Europas nicht verzichtet urben könne? Wird denen, die sich wie Eden und Heal nicht scheuten, aus einem gefährlichen poli- icien Opportunismus heraus in Moskau sich mit >r Gewaltigen des Kreml an einen Tisch zu set- r. die wie die französischen und tschechischen Ge- innlstäbe dem jetzt als Spion und Hochverräter i Den Kellern der Lubljanka schimpflich hingerich- Ittn Sowjetmarschall Tuchatschewski noch vor we- csn Monaten als Führer der verbündeten Roten r-nee die geheimsten Befestigungsanlagen gezeigt, u marschpläne und Rüstungen mit ihm erörtert iljen, wird ihnen allen nicht endlich die Frage vor e Seele treten, welchen Wert ein Bündnis mit n r Macht haben soll, die vom Fieber schwerer unsrer Krisen geschüttelt, wenn man die den ro- ,n Generalen vorgeworfenen Beschuldigungen als a'ir unterstellt, nicht einmal imstande war, die raiee und die zu ihrer Führung berufenen Män- i in Treue zum Regime zu halten?

lind nicht eine Spur besser stände es um die Sladnisfähigkeit einer Macht, an deren Spitze ein i njinniger Despot mit Männern, die gestern c sein höchstes Vertrauen hatten und im Aus- als vertrauenswürdige Exponenten des Re- 125 auftreten durften, umspringt wie mit Pup­s' die ihm im Wege liegen. In Paris und Prag i» man sich nach dem Aderlaß des 12. Juni über n Kampfwert der Roten Armee keiner Täuschung ueben können. Es ist ja nicht bei den acht von

Berlin, 15. 3uni. (DNB.) Der Reichsminister des Auswärtigen Freiherr von Reurath wird sich auf offizielle Einladung der britischen Regierung am 23. dieses Monats nach London begeben. Irgendwelche Verhand- lungen find dabei nicht in Aussicht genommen, doch ist zu erwarten, daß der Besuch zu einem Mei­nungsaustausch über beide Länder gemein­sam interessierende Fragen Gelegenheit geben wird, insbesondere auch über d i e spanische Frage.

*

Zu dem Besuch des Reichsaußenministers von Neurath wurden in London folgende Mitteilun­gen gemacht: Die Besprechungen werden sich haupt­sächlich auf zwei Angelegenheiten von besonderer Bedeutung für Europa erstrecken: Auf die Möglich­keit zur Vereinbarung eines neuen West- pattes, der an die Stelle des Locarnovertrages treten soll, und auf die Lage in Spanien, Der Besuch Neuraths, heißt es weiter, werde in London besonders willkommen geheißen, da Eden bisher nur wenig Gelegenheit hatte, den deutschen Außenminister zu treffen. Eden treffe die Außenminister anderer europäischer Länder häufig auf den Sitzungen des Völkerbundes in Genf und unterbreche in der Regel feine Reifen dorthin i n Paris, um mit feinem französischen Kollegen Be­sprechungen zu führen. Während der Krönung habe er reichlich Möglichkeiten gehabt, seine Ansichten mit denen ausländischer Staatsmänner auszutau­schen. Da Deutschland jedoch nicht Mitglied des Völkerbundes fei, hätten sich die Wege Neuraths und Edens nur feiten gekreuzt.

Es wird ferner hervorgehoben, daß der Besuch Neuraths keineswegs besondere Verhandlungen zwi­schen Deuftchland und England bedeute. Eden dürfte feststellen, daß ein neuer Westpakt als Vorspiel für eine allgemeine Beruhigung in Europa angestrebt werden solle. Obwohl kein neuer Schritt unmittelbar zu erwarten fei, bestehe die Möglichkeit, daß Großbritannien wieder d i e Führung übernehmen werde. Großbritannien habe auf seine Note vom 19. November, die seine Ansichten über die Methode enthielt, um Fortschritte für ein Fünf-Mächte-Abkommen zu er­zielen, Antworten von Deuftchland, Belgien, Frankreich und Italien erhalten. Es sei wahrschein­lich, daß Großbritannien die Absicht habe, aus die­sen Antworten die übereinstimmenden Punkte zusammenzutragen, um so die Verhandlungen flüssiger zu gestalten. Freiherr von Neurath werde in der Lage sein, die Ansicht seiner Regierung über die Möglichkeit eines neuen Westpaktes mitzuteilen.

lieber die spanische Flottenüberwa­chung sei nun ein Uebereinkommen erzielt worden, Deutschland und Italien würden in Kürze ihre Mitarbeit im Nichteinmischungsausschuß wieder auf- nehmen Dann würden die Möglichkeiten zur Ver­besserung des Kontrollsystems und die Zurückziehung der ausländischen Kriegsteilnehmer erörtert werden. Diese Verhandlungen konnten jedoch nur vom Nichtein­mischungsausschuß selbst geführt werden. Großbri­tannien habe die französische Regierung von dem Besuch Neuraths informiert und sie über die beabsichtigten Besprechungen unterrichtet. Man fügt hinzu, daß Herr von Neurath früher deutscher Botschafter in Rom und Lon­don gewesen sei und erst kürzlich Budapest, Sofia und Belgrad besucht habe, so daß er in der Lage sei, auch osteuropäische Fragen zu erörtern.

Die Londoner presse begrüßt Neuraths Besuch.

London, 16. Juni. (DNB. Funkspruch.) Die Zeitungen drücken ihre Genugtuung aus, daß die

den Henkern der GPU. erschossenen Generalen geblie­ben und wird auch nicht bei den bisherigen Hin­richtungen bleiben. Wenn Stalin sich von gewissen Kreisen der Roten Armee in seiner Allmacht be­droht fühlte und vor einem Schlag nicht zurück­schreckte, der das Prestige der Armee und seines ganzen Regimes auch in den ihm freundlich gesinn­ten Teilen des Auslandes aufs schwerste beein­trächtigen mußte, so wird er auch in Zukunft vor keinem Mittel zurückschrecken, von dem er sich Er­haltung seiner Macht versprechen darf, ohne Rück­sicht darauf, was das Ausland dazu sagt.

Für das nationalsozialistische Deutschland, das seinem Führer täglich dafür dankbar ist, das er es durch sein entschlossenes Zupacken vor der bol­schewistischen Pest bewahrte, hat das Traumbild nie bestanden, das sich westliche Demokraten von dem bolschewistischen Regime und seinenErfol­gen" in Rußland immer noch machten, weil sie auf die Sowjetunion als Gegengewicht gegen die auto­ritären Staaten nicht verzichten wollten. Wird man in Paris und London die Kraft aufbringen, mit dieser sich als ttügerisch und gefährlich erwiesenen These zu brechen und sich von einer inneren Bindung freimachen, die keine aufrichtige europäische Zusammenarbeit erlaubt? Das eben in London getroffene Uebereinkommen der vier Mächte England, Frankreich, Deutschland und Ita­lien über den Schutz ihrer Kontrollorgane in Spa­nien könnte ein erfreuliches Anzeichen für das

englische Regierung jetzt die Möglichkeit findet, mit dem deutschen Außenminister in einen direk - ten Meinungsaustausch zu treten, nachdem Eden in Genf häufig die Gelegenheit hatte, mit anderen Außenministern schwebende Fragen zu erörtern.Time s" schreibt, man wünsche eindeu­tig, daß das englftch-deutsche Treffen im Rahmen der natürlichen und normalen Fühlungnahme ge­wertet werden solle, die den Außenminister in den Stand setzen, von Zeit zu Zeit freie und freund­schaftliche Erörterungen mit den Außenministern anderer Länder zu haben. Eine persönliche Aus­sprache über die spanische Frage zwischen englischen und deutschen Ministern halte man für sehr wert­voll, da die Sache der Nichteinmischung schon viel von ähnlichen unmittelbaren Fühlungnahmen zwi­schen Eden und seinem französischen Kollegen ge­wonnen hätte. Niemand, der an der Schaffung neuer und besserer Beziehungen zwischen England

wachsende Verständnis der inneren Voraussetzun­gen für ein Zusammenwirken der europäischen Ord­nungsmächte sein. Das blutige Fanal, das von Moskau herüberscheint, sollte solche Erkenntnis er­leichtern. Dr. F. W. L.

An der Schwelle zum wahrenSowjeiparadies". Immer neue Verhaftungen.

Warschau, 15. Juni. (DNB.) Die Polnische TelegraphemAgentur meldet aus Moskau, daß noch folgende Personen verhaftet worden sind: General Lewandowski, der Kommandant des Kaukasischen Militärbezirks; General G o r b ät­sch o f f, der stellvertretende Kommandant des Mos­kauer Militärbezirks; General Haecker, der Chef der Ausländsabteilung im Kriegskommissariat; Krestinski, der ehemalige Sowjetbotschafter in Berlin und stellvertretender Außenkommissar; K a - rachan, der frühere Justizminister und ehemalige Botschafter in China und der Türkei; Mironow, der stellvertretende Leiter der Presseabteilung im Außenkommissariat; Eljawa, der Stellvertreter des Kommissars der Leichtindustrie; weiter der stell­vertretende Generalsekretär des Völkerbundes und Sowjetgesandte in Madrid, der Chef der Westab-

und Deutschland interessiert sei, könne im Augen­blick mehr verlangen, als was im (Kommunique ge­sagt sei. Es sei nichts zu gewinnen, wenn man sich jetzt schon auf eine Betrachtung des Zieles und Inhaltes dieser Gespräche einlasse. An Gesprächs­stoff fehle es nicht, darunter befinde sich sowohl für den Gastgeber als auch den Gast manches Uner­quickliche.

Daily Mail" schreibt, der Besuch des deutschen Außenministers werde die Gelegenheit zu einer freien Erörterung der englisch-deutschen Beziehun­gen bieten, die, wie nicht nur einige Kabinetts­mitglieder, sondern auch ein großer Teil der Ab­geordneten glaubten, ohne Verzug aufeine fefte Grundlage ge ft eilt werden sollten. Der Reichsaußenminister werde in London Chamberlain und Eden sehen. Wenn es die Zeit erlaube, werde Neurath möglicherweise einer der ersten Gäste des neuen Premierministers in Chequers sein.

teilung des Außenkommissariats, der Chef der fern­östlichen Abteilung im Außenkommissariat und der langjährige Botschafter in Tokio, der unlängst zum Botschafter in Paris ernannt worden war.

Die propagandistische Auswertung des Moskauer Bluturteils, die sich bisher nur in zahllosen E r - gebenheitstelegrammen an Stalin äußerte, hat heute plötzlich andere Wege eingetra­gen. Wie die amtliche TASS berichtet, sind Eisen­bahnerorganisationen an die Regierung mit derBitte" herangetreten, daßzur Stär­kung der Schlagkraft der Roten Ar­mee eine neue V e r t e i d i g u n g s a n l e i h e ausgegeben" werde. Für diePlötzlichkeit" dieser Bitte ist es bezeichnend, daß nicht nur die erwähn­ten Eisenbahner, sondern auch Arbeiter einer An­zahl Werke, Kollektivbauern und andere Organi­sationen mit staunenswerter Gleichartigkeit auf die­senoriginellen" Gedanken gekommen sind. Es ist der Gipfelpunkt der Heuchelei, wenn die Sowjet­propaganda ihre bestellte Arbeit mit dem Satz: Das Volk bittet um eine Rüstungs- anleihe" zu begründen sucht. Die Vergangenheit hat genügend Beispiele dafür geliefert, wie derartige Bitten des Volkes" Zustandekommen. Um den kata­strophalen Eindruck der Vorgänge in der Roten Ar­mee im Auslande abzuschwächen, muß das Volk nun darumbitten", feine Haut für eine weitere Ausrüstung zu Markte tragen zu dürfen. Diese Me­thode kennzeichnet das System zur Genüge.

Das Ergebnis der britischen Reichskonferenz.

Oer Schlußbericht stellt gemeinsame Grundlinien für die Außenpolitik und die Verteidigung fest.

London, 15. Juni. (DNB.) Die britische Reichs­konferenz wurde am Dienstag nach einer Dauer von vier Wochen mit einer feierlichen Sitzung im St. James-Palast abgeschlossen. In seiner Schluß­rede rühmte der englische Ministerpräsident, Neville Chamberlain, den Geist der Kameradschaft und des offenen Vertrauens. Im gegenwärtigen Zu­stand der Welt werde man eine Katastrophe herauf- beschwören, wenn man eine einseitige Abrüstung durchführte. Die britische Regierung sei entschlossen, ihre Verteidigung so leistungsfähig zu gestalten, daß sie ihre Sicherheit aufrechterhalten und ihre internationalen Verpflichtungen erfüllen könne. Ab­schließend wies Chamberlain darauf hin, daß die Revision der Handelsabmachungen von Ottawa nicht auf der Konferenz erörtert worden sei. Alle Konferenzmitglieder wüßten um die wichtige Rolle, die der wirtschaftliche Ausgleich in der internatto­nalen Befriedung spiele. Ihre Erklärung zeige, daß ein selbstsüchtiger wirtschaftlicher Nationalismus keinen Bestandteil ihrer Weltanschauung bilde. Der kanadische Ministerpräsident King unterstrich, daß jede Regierung sich ihre Rechte Vor­behalten habe. Jedes Dominion habe eine be­sondere geographische Lage, verschiedene Nachbarn, andere internationale Probleme und eine andere wirtschaftliche Struktur, seine eigenen Rassenfragen und Verfassungsprobleme. Die Konferenz habe diese Unterschiede voll anerkannt. Der australische Ministerpräsident Lyons sagte, die Reichskonfe­renz habe gezeigt, daß die Prophezeiung über ein bevorstehendes Auseinanderbrechen des britischen Weltreiches unbegründet sei. In den Fra­gen der Außenpolitik und Verteidigung habe es keine grundlegenden Meinungsver­schiedenheiten gegeben. Der südafrikanische Ministerpräsident General H e r tz o g betonte, daß das britische Weltreich in der Erfüllung seiner Auf­gaben keine Parteilichkeit zeigen dürfe, und als Wächter des internationalen Weltfriedens keine Günstlinge unter den Nationen besitzen dürfe.

Wie im Schlußbericht mitgeteilt wird, hat die Konferenz zwei Erklärungen über die Außen- po liti k und über die Verteidigung des bri- ttschen Weltreiches abgefaßt. Es wird darauf hin­gewiesen, daß keine Verpflichtungen for­muliert worden seien, daß aber die Vertreter in dem Wunsch, ihre Politik enftprechend den Zielen und Idealen des Völkerbundes zu führen,

einftimmig erklärt hätten, daß ihre jeweiligen Rü­stungen niemals für Zwecke des Angriffes oder für Zwecke benutzt werden, die nicht mit der Völker­bundssatzung in Einklang stehen. Es besteht der Wunsch, den Einfluß des Völkerbundes durch die Erweiterung seines M i t g l i e d s k r e i- f e s zu verstärken. Die britischen Staaten sind der Ansicht, daß dieses Ziel durch die Abtrennung der Völkerbundssatzung von den Friedens­verträgen leichter erreicht werden würde.

Schließlich wird gesagt, daß die Mitglieder der Konferenz fest mit den Grundsätzen der Demo­kratie und der parlamentarischen Re­gierungsform verbunden seien, daß aber nach ihrer Ansicht Verschiedenheiten der politischen Welt­anschauung kein Hindernis freundschaft­licher Beziehungen zwischen Regierungen und Ländern sein sollten, und daß nichts schäd­licher für eine internationale Befriedung wäre als die wirkliche oder anscheinende Aufteilung der Welt in gegensätzliche Gruppen.

Die Konferenzmitglieder hätten mit tiefer Be­sorgnis festgestellt, daß sich die internationale Spannung feit der letzten Reichskonferenz im Jahre 1930 merkbar verstärkt und daß eine große und schnelle Vermehrung der Rüstun- gen aller Hauptmächte stattgefunden habe. Gleichzeitig halten sie es aber für bedeutungsvoll, Verhandlungen über hie Begrenzung der Rüstungen zu eröffnen, wenn eine Aussicht auf Erfolg vorhanden sei. Sie hätten mit Bedauern festgestellt, daß trotz der Rüstungsbegrenzung, im Londoner Flottenvertrag und im deutsch-englischen Flottenpakt, die internationalen Beziehungen z u r- 3 e i t nicht g ü n ft t g für eine weitere Abrüstung seien. Sie begrüßten jedoch die Bemühungen, die Flottenbegrenzung auf andere Län­der auszudehnen. Schließlich habe Ueber- einftimmig darüber geherrscht; daß die Sicherheit der Staaten durch den Austausch von Auskünften über den Zustand ihrer Streitkräfte, durch die ge­meinsame Planung der Hafenverteidigungen und durch Zusammenarbeit bei der Verteidigung der Verbindungslinien erhöht werden könne. Gleichzei­tig sei aber anerkannt worden, daß die Natur und das Ausmaß der Verteidigungspolitik der einzelnen Dominien einzig und allein der Verantwortung der jeweiligen Parlamente überlassen bleibe.