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Ur.63 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Dienstag, 16. März 1937

Aus Der Provinzialhauptstadt.

Wenn die Amsel wieder singt...

Wenn die Amsel früh morgens von den höchsten Spitzen der Bäume ihr Jubellied in den jungen Morgen hinaussingt, beginnen sich die schöpferischen Kräfte in der Natur zu regen.Es lenzt" sagen die Menschen, und ein Frühlingsahnen geht durch ihre Herzen und läßt die Gesichter froher erscheinen. Vorbei ist bald des Winters Graus und Tücke. Ver­sucht er sich auch ab und zu nod) einmal als den strengen Herrn aufzuspielen, so ist seine Macht unter den siegreichen Strahlen der Sonne doch bald gebrochen.

Stolz heben die Schneeglöckchen ihre weißen Köpfchen empor und auch der Krokus schiebt seine Blätter und Blüten durch den mütterlichen Boden. Bäume und Sträucher bemühen sich um die Wette, ihre Frühlingskleider anzulegen. Die harten, trock­nen Knospen und Spitzen werden weicher, runder und saftiger und warten gierig auf die wärmenden Strahlen'der Sonne, um sich ganz in ihrer grünen Pracht zu zeigen. Jeder Tag bringt neue Wunder. Auf die grauen Stämme der Bäume malt die Sonne warme Farbentöne. Aufleuchten läßt sie das Alte und das Neue, das Lebendige und das Tote, das junge Grün und das alte Laub, das dürre Gras und die welken Reiser.

Im Walde lockt des Grünspechts Jubelruf, des Finken Schlag, der Meisen helles Läuten, und ver­steckt im Laube öffnet das Windbuschröschen seine zarten rosa Kelche. Im Unterholz entfaltet der Seidelbast prahlerisch seine duftenden Blüten. Die Waldameisen sind aus ihrer Todesstarre erwacht, in ihren Bauen beginnt es sich zu regen. Unter den wärmenden Strahlen der Sonne hebt ein lustiges Kribbeln und Krabbeln an, eine emsige Geschäftig­keit vom frühen Morgen bis zum späten Abend. Lange bevor führte die Tanz- oder Wintermücke in der Luft ihre wunderlichen Tänze auf, um bald aber, ehe das andere summende, brummende Volk erwacht, wieder in das welke Laub zurückzufallen und zu sterben.

Noch ist es Vorfrühling, und in dieser Zeit freuen wir uns am meisten über jedes grüne Blättchen, über die ersten Kätzchen der Weiden und Hasel­sträucher und mit frohen Augen durchwandern wir die erwachenden Wälder. Ein Frühlingsweben geht durch die Natur, still und tief wie ein Atemzug der Ewigkeit. M.

Bornotizen.

Tageskalender für Dienstag.

Großkundgebung der HI. 20.30 Uhr in der Volks­halle: es spricht Reichsstatthalter Gauleiter Spren­ger. Gießener Konzertoerein: 20 bis 22 Uhr: 3. Orchesterkonzert, Solistin Lubka Kolessa, im Stadt­theater. Gloria-Palast, Seltersweg:Liebe geht seltsame Wege". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Der Bettelstudent".

Stadtthealer Gießen.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns mitgeteilt: Heu.te abend findet im Städttheater das dritte Or­chesterkonzert statt. Es bringt drei bedeutende, aber leichtverständliche und vorwiegend heitere Werke. Schuberts Ouvertüre zurZauberharfe" (Rosa­munde): Beethovens Zweite Symphonie in D-dur; die allgemein beliebte Künstlerin Lubka Kolessa spielt das Klavierkonzert von Rodert Schumann. Die Ausführung des Konzerts liegt in den Händen des Städtischen Orchesters, die Leitung hat Prof. T e m e s v a r y. Das Konzert findet als 23. Vor­stellung der Dienstag-Miete und gleichzeitig als 8. Konzert des Gießener Konzertvereins statt. An­fang 20 Uhr, Ende 22 Uhr.

NSDAP., Gießen-Nord.

Veit.: Kundgebung der Hitler-Jugend in der Volkshalle.

Sämtliche Politischen Leiter und Mitarbeiter tre­ten heute Dienstag um 19.15 Uhr vor der Geschäfts­stelle, Marburger Straße 20, an.

Rach 97 Tagen.

Von Heinrich Hauser.

Nach 97 Tagen Seefahrt auf dem Segel­schiffPamir" ging unser Mitarbeiter Hein­rich Hauser in Port Lincoln in Australien an Land. Hier schildert er seine ersten Er­lebnisse im fünften Erdteil.

Ich kann es gar nicht so schnell verarbeiten, was gestern und heute geschehen ist, und ich habe kaum Zeit zu schreiben.

Gestern früh waren wir vor Anker gegangen. Es folgten schreckliche Stunden des Wartens. Als der Hafenmeister und der Arzt bis Mittag nicht an Bord waren, beschloß ich, das Warten aufzugeben. Ich schlief.

Um halb vier weckte mich der Steward. Sie kom­men! Sie waren schon da. Aus einem automo­bilartigen Motorboot kletterten zwei Männer, hager, beide, mit gelber Haut und scharfen energischen Zügen, Arzt und Hafenmeister.

Erste Frage: Ist Krieg in Europa? Wir er­fahren von der gefährlichen Lage in Spanien und von der Abdankung des Königs von England. Die Geschichte klingt so unwahrscheinlich, daß ich zwei­mal fragen muß. Wir sind dann bald im tiefsten Gespräch über Literatur, Australien und den Rest der Welt. Alle meine Befürchtungen schwinden. Die Menschen sind reizend, der Arzt hochgebildet. Der Hafenmeister hat leider keine Zähne im Unterkiefer, darum verstehe ich ihn schwer. Er hat den typischen Dialekt, den man in AmerikaSouthern Drawl" nennt.

Ich fragte, ob ich mit ihnen an Land fahren könne.Natürlich" man hatte nichts einzuwen­den. Mit einem inneren Jubel packte ich, und ver­gaß in der Hast, Strümpfe anzuziehen. Und doch war ich traurig, als ich von Bord ging. Es war wie eine Treulosigkeit. Sind wir denn immer zur Treulosigkeit verurteilt unser ganzes Leben lang? Man winkte mir lange nach, und ich hielt mich fest an dem verdammten Motorboot, das rollte wie ein Faß.

Die Bootsbesatzung bestand aus zwei Männern, die tatsächlich aussahen, wie man Wild-West in amerikanischen Filmen darstellt. Staunend sah ich sie an, diese ganz fremden Wesen, und glaubte nicht die geringste Beziehung zu ihnen zu haben. Aber der eine hatte eine deutsche Mutter gehabt. Er sprach noch ein paar Worte deutsch. Der andere war als Kriegsgefangener in Deutschland gewesen. Er sprach auch' deutsch einige auch heute noch gang­bare Flüche. Ja, es ist eine kleine Welt, und man

Ortsgruppe Gießen-Ost.

Heute spricht in der Kundgebung der Hitler- Jugend Reichsstalthalter und Gauleiter Spren­ger in der Volkshalle. Beginn 20.30 Uhr. Wir ver­pflichten sämtliche Parteigenossen und -genossinnen zur Teilnahme an der Kundgebung.

Amt für Berufserziehung der OAF.

Sämtliche Lehrgänge der DAF. fallen am heuti­gen Dienstag wegen der Großkundgebung mit Gau­leiter Sprenger in der Dolkshalle aus.

Eiersammlung für das WSW.

Jedes große deutsche Fest, wie Weihnachten. Ostern und Pfingsten, zeichnet sich durch Gebräuche aus, die in unferm Volke so fest verwurzelt sind und ohne die das Fest eben kein Fest ist. So wie ein deutsches Weihnachtsfest unvorstellbar wäre ohne den deutschen Weihnachtsbaum, oder das Pfingstfest unvorstellbar ohne das Maiengrün, so gibt es auch kein deutsches Ostern ohne Ostereier.

Unter unseren deutschen Volksgenossen gibt es noch sehr viele, die nicht in der Lage sind, vor allen Dingen, wenn es sich um kinderreiche Familien han­delt, den Ihren diese notwendige Voraussetzung für ein freudiges Osterfest zu beschaffen. Hier springt wiederum die Gemeinschaft ein, und derjenige, der hier abgeben kann, opfert für die Bedürftigen.

So führt das WHW. des deutschen Volkes auch in diesem Jahr in der Vorosterzeit, und zwar innerhalb unseres Kreisgebieles Wetterau in der Zeit vom 15. bis 19. d. 211., wieder eine Eiersammlung durch, für die sich die 21$.- Irauenschafl und der BD2N. aktiv einsehen werden.

Wir wissen, daß die Jahreszeit den Eiervorrat noch recht knapp hält, aber wir wissen auch, daß keinem wahren deutschen Menschen, ob Mann, Frau oder Kind, zu Ostern sein Osterei schmecken wird, wenn er nicht weiß, daß auch er sein Teil ab­gegeben hat an die, die in Not sind.

Gebt darum den sammelnden Frauen und Mädchen Eier für das WHW!

Die Kreisführung Wetterau des WHW.

Keine marschierenden Truppen und Kolonnen durchfahren.

Der Standortälteste der Garnison Gießen teilt uns mit:

Es ist in letzter Zeit wiederholt vorgekommen, daß Zivil-Fahrzeuge auf den Straßen der Stadt versucht haben, marschierende Truppen und Kolon­nen zu durchfahren. In zwei Fällen hat sich der Standortälteste veranlaßt gesehen, Strafanträge zu stellen.

Es wird deshalb an dieser Stelle erneut be­kanntgegeben, daß jedes Durchfahren von mili­tärischen Kolonnen strengstens verboten ist; aus­

ist auf irgendeine Weise beinahe Überall auf ihr zu Hause.

Vor uns lag jetzt eine Bucht, ein langes Bollwerk ragte in sie hinein, im Halbkreis um die Bucht dehnte sich die Stadt, sehr locker gebaut, meist rote Dächer, ganz im Grünen, oder vielmehr: im Grauen, denn australische Bäume wirken aus der Ferne grau. Am Fuß des Bollwerks das kleine Bürohaus des Hafenmeisters ein großes Lagerhaus aus Wellblech ein Schienenstrang eine Asphalt­straße. Und das Auto des Doktors stand auf dieser Straße. Oh, es war herrlich, wieder in ein Auto zu steigen. Für mein Leben gern hätte ich es hupen hören, aber Hupen scheint in Port Lincoln nicht Sitte; so lange ich dort war, hörte ich keinen Hupenton.

Das Hotel war neu, vom Bungalowtyp, mit gro­ßen, umlaufenden Balkons. Es war erstaunlich gut groß und erstaunlich gut eingerichtet für eine Stadt von 5000 Einwohnern. Aber eine solche Klein­stadt bedeutet hier mehr, als sie in Deutschland be­deuten würde; sie ist in ganz anderer Weise Zen­trum.

Das Haus war ganz auf das Tropenklima ein­gerichtet, Ventilationsklappen in den Wänden, über der Tür.

Und es gab fließendes heißes und kaltes Was­ser. Bisher hatte ich wie ein Automat gehandelt ein Hotel war schließlich ein Hotel, überall in de? Welt. Aber bei dem fließenden Wasser hörte der Automat auf zu funktionieren. Ich füllte ein Segel­schiffsquantum ins Waschbecken und drehte ängstlich den Hahn zu: Um Himmelswillen nicht zuviel verbrauchen! Und plötzlich lachte ich: es war zu verrückt. Es war nicht mehr nötig, mit Wasser zu sparen.

Ich ging zur Post. Ich hatte erfahren, es sei abends ein Beamter in der Telephonzentrale. Das Postamt war der Mittelpunkt der Stadt, ganz wie sich das gehört. Es gab da eine Hauptstraße am Strand entlang. Sie war nur an einer Seite be­baut. Alle Läden hatten Arkaden über dem Bürger­steig. Die Bauart der Häuser war fast durchweg leicht, dünne Wände aus Zement, Asbestplatten, Wellblechdächer, aber das ist völlig ausreichend in diesem warmen Klima. Häuser in unserem Sinn waren nur die Banken es gab vier in der einen Straße und öffentliche Gebäude, wie Stadthalle und Post.

Sehr beruhigt war ich, daß die Menschen auf der Straße ganz gewöhnliche Sakkos trugen keines­wegs Tropenanzüge. Die Jugend trug Flanellhosen und gestreifte Klubjacken. Irgendwoher klang Radio­musik. Etwas Neues? Ich lauschte: Nein, es war nur eine tausendste Variante brünstiger Jazzmusik.

genommen hiervon sind lediglich Fahrzeuge der Feuerwehr und Polizei. Die Truppenteile sind an­gewiesen worden, mit allen Mitteln die Unsitte des unberechtigten Durchfahrens zu verhindern und in UeberfretungsfäUen die betreffenden Fahrzeugfüh­rer, Radfahrer und Fußgänger zur Anzeige zu bringen.

Oie neuen Geräte

der Gießener Feuerwehr.

In Ergänzung des Berichtes über die neuen Feuerlöschgeräte der Gießener Städtischen Feuer­wehr können wir nach einer aufschlußreichen Rück­sprache mit Brandinspektor Lenz noch einige Ein­zelheiten über die Ausrüstung und über die Neue­rungen sowohl der Motorleiter, wie auch der Mo­torspritze mitteilen.

Die Motorleiter hat, so hörten wir, nicht nur eine Kippsicherung, sondern auch eine A n - stoß-Sicherung, die automatisch in Funktion tritt, sobald die Leiter beim Ausziehen Ober bei einer Bewegung auf Widerstand stößt. Ferner ist

die Motorleiter noch mit einer sogenannten Ter- rainregulierung ausgestattet, das heißt, es sind Vorrichtungen vorhanden, die ein lotrechtes Ausziehen der Leiter auch dann gestatten, wenn der Wagen selbst auf unebenem oder geneig­tem Gelände steht. Die Leiter selbst ist ganz aus Stahl gefertigt und lediglich die Sprossen sind mit Holz belegt. Die Leiter kann übrigens auch in aus­gezogenem Zustande an Mauern angelehnt werden. Sie läßt sich außerdem während dem Ausziehen um 360 Grad drehen.

Don der Motorspritze ist nachzutragen, daß der Mannschaftsraum nicht nur gegen alle äußeren Witterungseinflüsse abgeschlossen, sondern sogar auch heizbar ist. Der Wagen, der die Motorspritze trägt, ist unter anderem auch mit einer Anzahl neu­zeitlicher Geräte für Stark st romunfälle ausgerüstet. Ferner sind Hilfsmittel vorhanden, die eine provisorische Wiederherstellung von gestörten Starkstromleitungen gestatten. Der Wagen enthält einen ausgezeichnet ausgerüsteten Sanitäts­kasten und einen Kasten für Aerztebe- st e ck e, der dem Arzt eine Fülle von Hilfsmitteln schon für ein Eingreifen am Unfallort zur Ver­fügung stellt.

Bei dem der Motorpumpe kombiniert angeschlos- enen Schaumaerät handelt es sich um ein leistungs- ähiges Luftschaumgerät. Die Leistung der Motor- pritze selbst beläuft sich je Minute auf 3000 Liter bei 80 Meter Förderhöhe. Die Ausrüstung der Mo­torspritze mit Leitern ist universell. Auf dem Wagen sind sowohl drei Hakenleitern, eine 15 Meter lange Schiebeleiter, eine Stockleiter und eine Einsteckleiter befestigt und rasch greifbar.

Man sieht also, daß mit diesen Neuanschaffungen der Gießener Städtischen Feuerwehr die modernsten Hilfsmittel an die Hand gegeben worden sind, die die einschlägige Industrie zu bieten hat.

Eine feminin klingende Männerstimme sang von Liebe und Mondschein. Wie immer. Die Welt war unverändert.

Junge Mädchen in Abendkleidern gingen zum Tanz mit dem beschwingten Schritt und dem Glanz in den Augen, den die Jugend hat, wenn sie sich sehr auf etwas freut. Nach 97 Tagen sah ich wieder Frauen. Es war ein sonderbares Tanzstundenge­fühl; ich errötete beinahe, als ich die erste sah sie war so rund. Unpassend rund wie ich fand, aber als sich Vergleichsmöglichkeiten ergaben, fand ich: es handelt sich um ein ganz normales Exemplar.

Dann bummlte ich durch die abendliche Stadt. Den Hügel hinauf lockerte sie sich mehr und mehr, aus Asphaltstraßen wurden breite Sandwege. Well­blech-Wassertanks, unter den Dachrinnen aufgestellt, waren typisch und erinnerten an die Wasserarmut des Landes. Ueberall wo grüner Rasen war, be­fand sich auch ein Sprengapparat; beides gehörte zusammen. Die Vereinigung verschiedenster Berufe in einer Hand fiel auf: ein Sattler reparierte Mo­toren, ein Cafe war auch ein Unternehmen für chemische Reinigung, eine Tankstelle nebenher eine Agentur für Land und Vieh. Ja, es war immer­hin ein Kolonialland, es gab noch Reste von dem einst vorherrschenden Typ desAllroundman.

Einsames, spätes Dinner im Hotel. Es standen Blumen auf dem Tisch, das war mir wie ein Wun­der. Aber die englische Küche scheint in den Kolo­nien die gleiche zu sein wie daheim, die Küche, die eine unfaßbare Gabe besitzt, aus den besten Nah­rungsmitteln und Zutaten einen total faden Ge­schmack herauszuholen.

Und dann zu Bett. Zum erstenmal feit 97 Tagen konnte ich die Arme um mich ausbreiten, ohne an Kojenbretter zu stoßen. Ich war so erregt, daß ich unbedingt eine beruhigende Zeitung vor dem Schla­fen lesen mußte. Ich hatte keine Zeitung. Ich nahm das Zeitungspapier, mit dem die Schränke aus­gelegt waren. Es war nur zwei Monate alt, für mich immer noch neu.

Es regnete am Morgen, es regnete den ganzen Tag. Das sei höchst ungewöhnlich, sagten die Ein­geborenen. Aber dies ganze Jahr sei ungewöhnlich. Das ungewöhnliche Wetter ist leider mein Geschick. Vor Jahren ging ich, auf der Flucht vor dem Win­ter, nach Marroko. Es schneite dort.Nein, was für ein Glück Sie haben!" sagten die Leute dort, Sie erleben diese seltene Phänomen; seit 20 Jah­ren schneit es bei uns zum ersten Male!" Ich emp­fand es nicht als besonderes Glück. Ich war ja ge­rade vor dem Winter ausgeriffen.

Groß-Kundgebung der HZ. mit Gauleiter Sprenger.

Am heutigen Dienstag, 16. INärz, um 20.30 Uhr, spricht in der Votkshalle zu Gießen der Gauleiter und Reichsstatthatter Sprenger in einer Großkundgebung der Hitter-Zngend. Er spricht zur Elternschaft. Daher: Partei - und Volks­genossen erscheint alle! Die Hitler-Zugend erwartet alle heute abend 20.30 Uhr in der Votkshalle!

Der Eintritt ist frei! Die Volkshalle ist geheizt!

Die Bann- und Znngbannsührung 116.

Vorzugsrenten vom 1. April 1937 ab.

DNB. Am 1. April 1937 beginnen für Vorzugs- rentengläubiger die Auswirkungen des Gesetzes zur Aenderung und Ergänzung von Vorschriften auf dem Gebiete des Finanzwesens vom 23. März 1934.

Nach dem 31. März 1937 kann grundsätzlich ein Antrag auf Vorzugsrente nicht mehr gestellt werden. Es find jedoch Ausnahmen zugelassen. Auch nach dem 31. März 1937 sind antragsberechtigt:

1. der überlebende Ehegatte des Urerwerbers, wenn der verstorbene Urerwerber die einfache Vor­zugsrente bis zu seinem Tode bezogen hat,

2. die Eltern und Kinder des Urerwerbers, wenn sie wegen geistiger oder körperlicher Gebrechen dauernd erwerbsunfähig find. Für das Antrags- recht der Eltern und Kinder ist es nicht erforderlich, daß der Urerwerber überhaupt Vorzugsrente bis zu feinem Tode bezogen hat.

3. Urerwerber ist derjenige, dem im Umtausch gegen Markanleihen Reichsauslosungsrechte auf Grund des Anleiheablösungsgesetzes zuerkannt wor­den sind.

4. Der ursprüngliche Bezieher erhöhter Dorzugs­rente, dessen Rente aus einem der im § 21 Absatz 1 Ziffer I bis III des Anleiheablösungsgesetzes bezeich­neten Gründe erloschen ist.

Bereits bewilligte Vorzugsrenten bleiben weiter, ohne daß der Gläubiger einen neuen Antrag zu stellen hätte. Allerdings nehmen vom 1. April 1937 ab bei der einfachen Vorzugsrente die Auslosungs­rechte, die der Vorzugsrente zugrunde liegen, an der Auslosung teil. Wird ein Äuslosungsrecht in einer der bis 1955 vorzunehmenden Auslosungen gezogen, so hat der Gläubiger das Wahlrecht, ob er den Einlösungsbetrag oder statt der bisher be­zogenen einfachen Vorzugsrente die erhöhte Dor­zugsrente beziehen will. Einfache Vorzugsrente kann er nach Ziehung des Auslosungsrechts für diese nicht weiter erhalten.

Nähere Auskünfte erteilen die Bezirksfürsorge- stellen.

Oie Ehrennadel für die Frauen von Gießen-Güd.

Die Frauenschaft Gießen-Süd versammelte sich zu einer besonderen Feierstunde im schon geschmückten Saal des Studentenheims. Nach einer ehrenden An­sprache des Ortsgruppenleiters Pg. Holländer wurde den ersten Mitgliedern der Frauenschaft Gie- ßen-Süd als Zeichen des Dankes für treue Mit­arbeit in der Zeit des Kampfes das vom Führer gestiftete Ehrenabzeichen überreicht. Die erste Lei­terin der damaligen Sektton Gießen-Süd schilderte dann die Arbeit der Frauen und ließ alle schönen, aber auch schweren, gemeinsam verlebten Stunden noch einmal wach werden. 54 Mitglieder erhielten die Ehrennadel. Durch gut vorgetragene Gesänge von Frau W e y l und Pg. Dietrich wurde der Abend ausgeschmückt. F. K.

Frauenarbeit im Volksbund für das Deutschtum im Ausland.

Die Frauengruppe des VDA. fand sich im Stu­dentenheim zusammen. Frau E n g a u begrüßte die Besucher und gab das Wort der Amtsträgerin für Frauenarbeit im Landesverband Hessen, die aus Darmstadt gekommen war, um über die sehr um­fangreiche Frauenarbeit für das Volkstum im Ausland zu sprechen.

Fräulein Bloch übermittelte zunächst der schei­denden Leiterin Frau Eger den Dank der Landes­leitung für ihre pflichttreue Arbeit, die sie seit fünf Jahren in der hiesigen Gruppe geleistet hatte. Die

putzen Sie ein Klavier mit 5and?

Das würde seinem Glanz wohl nicht bekommen. Genau so isfs mil Ihren Zähnen. Für sie ist das Feinste gerade gut genug. Probieren Sie mal Nivea-Zahnpasta. Die erhält Ihre * Zähne u. schont den Zahnschmelz.

In Australien war das Jahr ungewöhnlich, weil der Winter (unser letzter Sommer) sehr trocken war. Man befürchtete das Schlimmste für die Saa­ten, aber im Frühling und im Sommer, während der Wachstumszeit, da es sonst trocken ist, fiel ge­nügend Regen. Die Ernte ist ausgezeichnet, ein Re­kord und dabei steigen täglich die Getreidepreise.

Ich lernte eine ganze Menge Menschen kennen, im Hotel, in den Läden, bei den Behörden. Es war kein einziger darunter, der nicht nett und höflich gewesen wäre. Die Tatsache, daß ich Deutscher war, machte sie nur freundlicher.

Ich hatte nicht die geringsten Zoll- und Paß­schwierigkeiten. Der Zollinspektor und Hasenmei- ster gab mir sogar einen Empfehlungsbrief an die Behörden von Port Adelaide mit. Es scheint ein Land zu sein, wo man sich gegenseitig hilft ein Kolonialland. Die Besitzerin meines Hotels beispiels­weise bat mich, ihr eine elektrische Birne in eine Deckenlampe einzuschrauben. Natürlich tat ich das mit Vergnügen. Hinterher dachte ich: Wie sonder­bar eine solche Bitte hat man mir in einem deutschen Hotels niemals gestellt. Ja, warum denn eigentlich nicht?

Abends ging ich mit meinen Siebensachen an Bord des Schiffes, das mich über Nacht nach Port Adelaide bringt. Es war eine schone Sache, einen Motor unter den Füßen zu haben und gegen den Wind fahren zu können. Aber wo in diesem Ge­wimmel von Stewards, Stewardessen und (leider Gottes seekranken) Passagieren wo war die Würde, die tiefe Tragik der letzten Segelschiffe?

Kampf zwischen Flugzeug und Adler.

Ein merkwürdiger Zweikampf zwischen einem Flugzeug und einem großen Adler wird aus Addis Abeba berichtet. Das Flugzeug war im Begriff, von einem Besichtigungsflug im Inneren des Lan­des nach der abessinischen Hauptstadt zurückzukeh- ren, mit einer Besatzung von zwei Fliegern und mehreren Soldaten, als es plötzlich von einem rie­sigen Adler angegriffen wurde. Ein Maschinenge­wehr wurde nad) dem Vogel abgeschossen, jedock) ohne ihn zu verletzen. Der 'Adler "schlug nach dem Flugzeug, beschädigte die Maschine und verwund bete den einen der beiden Flieger mit seinem star­ken Schnabel an der Stirn. Die Besatzung mußt« sich mit allen Kräften zur Wehr setzen, und end­lich stürzte der Adler dod) getroffen nieder. Aber auch das Flugzeug mußte in der Nähe der Stadt niedergehen. Der Adler, der von einem Eingeborenen gefunden wurde, hatte eine bedeutende Flügel- fpannweite.