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Wir wollen eine angesehene und intereffanie presse"

Der Leiter des K d. P über die Zeitung im Dienste des nationalsozialistischen Staates.

Dessau, 15. März. (DNB.) Im Rahmen der Gaukulturwoche Magdeburg-Anhalt fand eine Tagung der Reichspressekammer statt. Die Schriftleiter und Verleger des Gaues hat­ten sich in großer Zahl eingefunden. Der Stabs- lciter des Reichsleiters für die Presse der NSDAP., Pg. R i e n h a r d t (Berlin), umriß die Aufgaben der deutschen Schriftleiter in der kommenden Zeit. Dann sprach der Leiter des Reichsoerbandes der deutschen Presse, Hauptmann a. D. Weiß, über die Tagesfragen der deutschen Presse. Er führte u. a. aus:

Wenn es gelang, im Verlauf von wenigen Jah­ren das Gesicht der deutschen Presse von Grund auf zu ändern, wenn es möglich war, die politische Linie aus den Zeitungen zu verbannen, wenn es fertiggebracht wurde, den übermächtigen jüdischen Einfluß in den Schriftleitungen ebenso wie in den Verlagshäusern restlos und radikal zu brechen, dann muß das in der Tat ein hervorragender Be­weis für den gesunden Kern der deutschen Presse sein. Und darum befinden sich jene in einem grund­legenden Irrtum, die heute noch derPressefrei­heit" nachtrauern, weil mit ihr die deutsche Presse angeblich auch ihr geistiges Niveau verloren habe. Auch der Geist geht mit stärkeren Bataillonen. Und Geist ist immer da, wo politische oder kulturelle Macht erzeugt wird. Mit Recht hat Reichsminister Dr. Goebbels wiederholt darauf hingewiesen, daß kein seiner Verantwortung bewußter deutscher Schriftleiter darüber unglücklich geworden ist, daß er nunmehr seine Anweisungen unmittelbar vom Staat erhält und nicht mehr, wie früher, von einem mehr oder weniger jüdischen Aufsichtsrat. Die Pressepolitik des nationalsozialistischen Staates ist daher lediglich eine Fortsetzung der national­sozialistischen Staatspolitik auf dem Gebiet der Publizistik.

Bei aller politischen Konzentration, die die Presse des nationalsozialistischen Reiches stark gemacht hat, darf man nicht vergessen, daß das geistige

Niveau der deutschen Zeitung bestimmt wird durch die journalistische Initiative. Sie ist das Wertvollste, was heute in der deutschen Presse erhalten werden muß. Es darf nicht dazu kommen, daß man sich in den Redaktionen daran gewöhnt, kritiklos und instinktlos nach den Direk­tiven zu arbeiten, die den Schriftleitern von irgend­einer der vielen Pressestellen und Presseämter täg­lich auf den Schreibtisch gelegt werden. Man darf es hier wieder einmal aussprechen: Wir haben zu viele Pressechefs im Deutschen Reich. Ich fürchte, daß der Nutzen dieses Zustandes für die Presse und vor allem für das Lesepublikum im um­gekehrten Verhältnis zu dem Material- und Perso­naleinsatz steht, der dafür aufgewendet wird. Die Zeit, die in den Redaktionen lediglich damit ver­bracht werden muß, um alle offiziellen und in­offiziellen Wünsche zu befriedigen oder mit einander in Einklang zu bringen, wäre nicht selten einer besseren Sache würdig. Die Zeit ist nun einmal in einer Schriftleitung kostbar. Die Züge warten nicht darauf, bis ein vorsichtiger Referent die Rede seines Herren und Meisters nach sechsmaliger Umarbeitung endlich für druckfertig hält.

Noch etwas soll in diesem Zusammenhang kurz gestreift werden: das ist die Empfindlichkeit und Humorlosigkeit aller jener, die sich heute für irgend etwas verantwortlich fühlen. Vielleicht soll man die Dinge nicht tragisch nehmen. Aber sie werden bedenklich in dem Augenblick, in dem sie mit der Drohung verbunden werden kön­nen, daß man nötigenfalls die Machtmittel von Partei und Staat in Anspruch nehmen werde. Hier geht es nicht mehr um die Presse selbst, sondern um das Ansehen von Partei und Staat. Alle üieienigen, die es angeht, sollen eines nicht vergessen: Der nationalsozialistische Staat hat seiner Presse eine dankbare Aufgabe übertragen, deren Erfüllung mindestens ebenso wich­tig ist, wie die Existenz der Menschen, die in ihren Organisationen mit der berufsmäßigen Verfolgung der Presse beauftragt sind.

Kunstkritik und Kunstbetrachtung.

Ich möchte mich nun kurz mit einer Frage be­schäftigen, die augenblicklich im Mittelpunkt des journalistischen Interesses steht, nämlich mit der Frage der Kunstbetrachtung Man verfällt leicht in den Fehler, anzunehmen, daß Presse und Kunst sich in zwei feindlichen Lagern gegenüber­stehen. Daß gewissermaßen die kunstfeindliche Presse sich der Kritik bedient, um die Kunst zu ruinieren. Wer das sagt, verkennt Wesen und Ge­schichte der Presse. Wir dürfen auch heute noch nicht in den Fehler verfallen, den wir in der libe- ralistischen Zeit aufs schärfste bekämpft haben, als man damals den Begriff von derKunst an sich" proklamierte. Auch die Kunst führt kein Eigenleben, das lediglich mit dem Hinweis auf feinen künstlerischen Charakter unantastbar wäre. Wir wissen im Gegenteil, daß es eine Zeit gegeben hat, in der mit dem Schlagwort Kunst Dem gefähr­lichen Kulturbolschewismus im Theater, im Film, in der Musik, in der bildenden Kunst usw. Tür und Tor geöffnet wurden. In der Kunst selbst waren anderseits erfreulicherweise auch wieder Kräfte am Werk, die sich der kulturellen Zersetzung des deut­schen Volkes charaktervoll entgegenstemmten. Und genau so war es auch in der Presse und in der Pressekritik. Als wir nämlich noch keine ein­heitlich geleitete Presse hatten, da stand gerade die jüdische Kritik der Berliner Asphaltpresse durchaus nicht etwa gegen die damalige Kunst bzw. gegen das, was sich damals auf den Berliner Bühnen als angebliche Kunst breit machte. Diese Asphalt­kunst war nämlich genau so jüdisch wie die Kritiker in der sog. deutschen Presse. Die Jeßner, Kortner, Bergner, Pallenberg, Feuchtwanger auf der einen Seite und die Alfred Kerr, Schirokkauer usw. auf der anderen Seite taten sich gegenseitig bestimmt nicht weh.

Aber es gab noch eine andere Kritik in der deutschen Presse. Sie stand unter den natio­nalsozialistische Vorzeichen, ohne sich erfreu­licherweise ausschließlich auf die nationalsozla- lisiische Presse zu beschränken. Aber diese anti­jüdische und antibolschewistische Kunstkritik stand

ihrerseits gegen die jüdische Kritik der übrigen Presse in keinem geringeren Gegensatz wie gegenüber dem jüdischen Kunstbolschewismus auf der Bühne selbst. Die Grenze, an der sich Geister scheiden, ist also niemals zwischen der Presse auf der einen Seite und der Kunst auf der anderen verlaufen, sondern der entscheidende Bruch geht mitten durch die Presse

und durch die Kun st hindurch.

Demgemäß ist auch heute die Kunstkritik primär keine kunstästhetische Angelegenheit, sondern eine politische und weltanschauliche Auf­gabe. Die Kritiker und Kunstbetrachter sollen sich immer bewußt sein, daß das, was auf der Bühne vor sich geht, Politik im weitestem Sinne des Wortes ist. Niemals ist auf deutschen Büh­nen zielbewußteres Propagandatheater gemacht worden, als unter der Regieführung von Reinhardt bis zu Piscator. Was sich diese Diktatoren des deutschen Theaters leisteten, war in seinem politi­schen Effekt gefährlicher als sämtliche Reichstags­reden von Scheidemann bis Torgler zusammen­genommen. Die wichtigste Aufgabe des Kunstkriti­kers mußte also immer darin bestehen, die gewal­tige Gefahr, die der Zukunft der Nation von der Bühne herab drohte, in jedem Augenblick erkennen zu können.

Der Schriftleiter, der sich mit den Fragen der Kunst publizistisch beschäftigt, muß heute vor allem ein politischer Mensch sein. Das ist auch der Sinn der Umwandlung von der Kunstkritik zur Kunsibetrachtung. Der Kunst­schriftleiter des nationalsozialistischen Staates soll an seine Aufgabe mit jenem geistigen Rüst­zeug herantreken, zu dem ihm die Verantwor­tung vor dem nationalsozialistischen Kultur­willen verpflichtet. Die Kunstbetrachtung unter­scheidet sich von der früheren Kunstkritik um Gotleswillen nicht dadurch, daß nunmehr kritiklos alles und jedes, was heute über die Bühne oder die Leinwand geht, als gut und

vorbildlich, oder gar als unübertrefflich geschildert wird. Dieser Fehler kann nicht schleu­nigst genug abgesiellt werden. Der Maßstab von gut und schlecht muß überwunden werden. And an seine Stelle muß das Verständ- nis für die Idee eines Kunstwer­kes treten. An dieser Idee sollen sich die Gei­ster scheiden. Ist es nationalsozialistisches Ideen­gut, das wir in dem Kunstwerk und in seiner Darstellung erkennen, dann sind wir dafür. Ist das Gegenteil der Fall, dann haben wir nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, da­gegen zu fein. Kurz gesagt: Kunslbetrach- tung ist: mehr Tatsächliches zur Sache, und weniger Schulmeisterei!

Im Mittelpunkt der nationalsozialistischen Presse­reform steht die geistige Persönlichkeit. Das heißt, nicht zeitungsfremde Menschen, sondern der Z e i t u n g s f a ch m a n n hat den Füh­rungsanspruch. Ob dieser schöpferische Zei­tungsfachmann in der Schriftleitung oder in der Verlagszeitung sitzt, ist nicht wichtig. Wichtig ist, daß er ein in weitestem Sinne journalistisch begabter und befähigter Mensch ist. Wir wollen eine angesehene und interessante deut­sche Presse im Dienst des nationalsozialistischen Staates, und mit dieser Presse ein zuverlässi­ges und schlagkräftiges Instrument in der Hand des Führers.

Nationalsozialistische Baugesinnung.

Münster i. Wests., 15. März. (DNB.) Zur Feier der lieb ergäbe des neuen Gauhauses der NSDAP. Westfalen-Nord war der Stellver­treter des Führers in Münster eingetrojfen. In der Ehrenhalle übergab Rudolf Heß das Haus feiner Bestimmung, ein organisatorischer Rückhalt zu sein für die neue große Idee, die das Volk er­fülle, als Symbol des Volkes zu dienen und als Haus des Volkes dazuftehen in bestem Sinne. Reichsorganisationsleiter Dr. Ley erklärte, der Glaube einer Zeit äußert sich in den Bauwerken dieser Zeit. So bauen wir unsere Gau- und Kreis­häuser, unsere-Ordensburgen und Schulungsheime. Der Nationalsozialismus ehrt und achtet, was die Zeit vor ihm baute, wenn es schön und architekto­nisch gut ist; aber er lehnt es ab, in d i e alten Gebäude hineinzugehen; denn die Partei baut s i ch ihre Häuser selbst, weil sie ihrem eigenen Glauben auch in eige­nen Bauwerken Ausdruck geben will. Der Führer selbst gestaltet die Hauptstadt der Be­wegung völlig neu; in Nürnberg entsteht das größte Bauwerk aller Zeiten. Und dieses herrliche Beispiel des Führers wird von allen Parteistellen nachge­ahmt. Die Bauwerke unserer Zeit werden einmal künden, daß die Männer dieser Zeit einen unbän­digen und fanatischen Glauben in sich trugen, den sie so mit Stein in die Ewigkeit meißelten.

Der Tag der Wehrsreiheit.

Die Wehrmacht feiert.Göring spricht über alle Sender.

Berlin, 15. März. (DNB.) Der Reichskrieas- minifter und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, Ge­neralfeldmarschall von Blomberg, hat ange­ordnet, daß die Wehrmacht die Wiederkehr des Tages der Wehrfreiheit am 16. März würdig begeht. Außer der feierlichen Flaggenhiffuna und der Beflaggung der Dienftgebäude der Wehrmacht finden am Vormit­tag bei den Truppenteilen Appelle statt, bei denen die Kommandeure der Bedeutung des Tages gedenken. Der Nachmittag ist dienstfrei.

Im Reichsluftfahrtministerium wird der Ober­befehlshaber der Luftwaffe, Generaloberst G ö - ring, um 11 Uhr vormittags im Ehrenhof eine Ansprache halten, die auf alle deutschen Sender übertragen wird. Bei dieser Gelegen­heit werden die Fahnen der in Berlin und Um­gebung stationierten Teile der Luftwaffe in die Fahnenhalle des Reichsluftfahrtmini,leriurns Über­geführt. Anschließend an die Feierstunde findet ein Vorbeimarsch vor dem Ministerpräsidenten Generaloberst Göring in der Wilhelmstraße statt. I

Kanorienkönig unter Kontrolle

Es ist eine alte Streitfrage, ob eine private oder eine st a a t l i ch e Rüstungsindustrie den kriegswirtschaftlichen Bedürfnissen der Nation besser zu dienen vermag. Die Anhänger einer ftaatseigenen oder staatlich kontrollierten Wasfen- und Munitionsherstellung pflegen darauf hinzuwei- fen, daß eine solche Regelung nicht nur sparsamer, sondern auch im militärpolitischen Sinne vorteilhaf­ter sei. Die Befürworter der freien Kriegswirtschaft dagegen begründen ihre Ansicht damit, daß der private- Rustungsbetrieb immer leistungsfähiger bleiben werde als ein Unternehmen, das der Büro­kratie, und fei es der des Kriegsministeriums, un­tersteht. Als das nationalsozialistische Deutsch­land vor die Beantwortung dieser Streitfrage ge­stellt wurde, entschied es sich für die Beibehal­tung der privaten Rüstungsfabriken. Und zwar mit gutem Grund. Denn in einem Staat, in dem die Dividende nicht mehr als höchstes Menschenglück empfunden wird, in dem vielmehr die Wirtschaft nur als eine Funktion des politischen Willens der Nation gilt, in dem der Eigennutz dem Gemeinnutz aus freien Stücken untergeordnet wird, in einem solchen Staat besteht keine Notwendigkeit für die sogenannte Nationalisierung der Kriegs­industrie, die neuerdings in anderen Ländern zu einem politischen Schlagwort geworden ist.

Wenn nun aus Frankreich die Meldung ein­trifft, daß gemäß einem amtlichen Dekret diejeni­gen Fabriken der Schneiderwerke in Creuzot nationalisiert werden, die Kriegsmaterial Herstellen, so muß man sich daran erinnern, daß die inneren Verhältnisse in unserem westlichen Nachbarland ganz anders liegen als bei uns. Das liberalisti- sche Wirtschaftssystem, das bislang in der hochkapi­talistischen Dritten Republik maßgebend war, er­laubte es dem Kanonenkönig Schneider-Creuzot, alljährlich eine Dividende von 20 v. H. auszuschüt­ten. Dieser ungeheure Gewinn ging natürlich auf Kosten der französischen und vieler ausländischer Steuerzahler, und man kann es verstehen, daß die französischen Marxisten, als sie noch in der Oppo­sition standen, diesen Mißstand weidlich für ihre parteipolitische Agitation ausnutzten. Als dann die Volksfront zur Macht kam, blieb ihr nichts anderes übrig, als ihr Versprechen gegenüber den Massen einzulösen. Bildete doch die Nationalisierung der Kriegsindustrie einen der wichtigsten Punkte des Volksfrontprogramms.

Den regierenden Marxisten kam dabei der Um­stand zu Hilfe, daß es dem Kriegsminister D a l a- d i e r gelang, auch den französischen General- st a b für das geplante Enteignungsgesetz zu ge­winnen. Bei der parlamentarischen Behandlung Des Gesetzentwurfes wurde denn auch immer wieder der militärische und politische Vorteil einer staatlichen Rüstungsindustrie unterstrichen. Man betonte, nur auf diesem Wege könne Frankreich seine Landes­verteidigung verstärken und die französische Indu­strie für den Kriegsfall oorbereiten. Das Rüstungs- gefetz ist also weniger ein Produkt der französischen Sozialreform Blums, als welches es den Massen gegenüber hingestellt wird, sondern vielmehr das Ergebnis der nationalen Sicherheitspolitik.

Die Verstaatlichung soll allmählich erfolgen, sie umfaßt auch nur solche Rüstungsbetriebe, die aus­schließlich für die staatliche Kriegsrüstung arbeiten. Die Ablösung solcher Unternehmen aus Der Ge­samtheit der Industrie ist natürlich sehr schwer, auch bei Schneider-Creuzot, der ja nicht nur Waffen und Munition herstellt, sondern auch andere schwer­industrielle Betriebe besitzt. Die Grenze ist hier jedenfalls sehr schwer zu finden, und man wird abwarten müssen, ob die neuen Maßnahmen nun wirklich eine Entthronung Des Kanonenkönigs be­deuten oder ob Schneider-Creuzot nicht neue Wege findet, um feinem Geschäft noch größere Gewinn­möglichkeiten zu verschaffen als bisher. Man braucht nur an Die zahlreichen Tochtergesellschaften zu den­ken, die Schneider-Creuzot im Ausland unterhält und die natürlich den gesetzlichen Bestimmungen nicht unterliegen.

Denn wenn Schneider auch bisher fast alles lieferte, was zur französischen Bewaffnung gehört, so ist er doch längst über die Grenzen seiner Hei­mat hinausgewachsen. Seine Firma ist ein welt­umspannendes Unternehmen, das mit den bedeu­tendsten englischen und amerikanischen Waffen­fabriken handfeste Interessengemeinschaften unter­hält, das außerdem große Teile der tschechischen, südslawischen und rumänischen Rüstungsindustrie beherrscht. Ungeheure Summen hat dieser Kauf- mann des Todes an den Kriegsängsten verdient, von denen Die Völker heimgesucht werden. Eine Reihe der größten Pariser Tageszeitungen, die von der Firma ausgehalten werden, haben nur den

Neues Leben.

Von Heinrich Nuppel.

Es hat mir noch keiner von der Kanzel herab oder aus Dem Leben heraus eine so erschütternde Predigt gehalten wie mein Bauernvetter Johannes, als er vor der Zeit stamm und starr auf dem Schrägen lag.Denn du bist Erde", sprach es aus dem eingesunkenen, grauen Gesicht, das einem ab-- geernteten Acker glich, darauf der Schnitter nur die Dürren Stoppeln zurückgelaffen hat. Unhörbar und doch eindringlich:Auch du bist Erde..." Und das fiel mir auf die Seele.

Es hat mir aber auch noch niemand eine so herz­andringende und lebenbejahende Ansprache gehalten wie nach etlicher Zeit des Johannes mündige Tochter Gertraude, die. das Gespann leitet und den Pflug führt wie ein Mann. Denn das liegt ihr von un­zähligen Ahnen her im Blut. Die Pferde den Hafer schroten hören, die Kühe ihre Häupter malmend in die Krippe neigen und das Jungvieh gedeihen sehen, Geflügel betreuen, Fruchtbäume stützen, das Grab­scheit handhaben und Blumen auf den Beeten und vor Den Fenstern pflegen Das ist ihr Leben. Doch dabei vergißt sie auch Der Toten nicht. Die Gräber Der frühverstorbenen Eltern zeugen von kindlichem Sinn und liebenDer HanD. UnD ein ganzes Jahr lang geht Die Tochter um Den Vater ernst unD ge= Dankenvoll in Dunkler Tracht, unD keine FieDel kann sie zu Tanz und Lustbarkeit verlocken.

Doch als Das Trauerjahr um ist, rufen Die Mäd­chen aus Den Nachbargärten ober vom Brunnen herüber, ob sie nun nicht wieDer zu ihnen kommen wolle. Ja, Das will sie. UnD nun Sonntag für Sonntag mit Den Kameradinnen an Die Linden vors Dorf gehen, eine stolze Kette hochgewachsener Mädchen, und sie, groß und blond, eine Der schönsten Darin: Das ist ihre Freude, Die ihr an sechs saueren Werktagen leise Durchs Herz läutet. Nach all Der Mühsal Der Woche, Den Sorgen um Die jüngeren Geschwister, um Haus unD Stall, Aussaat und Ernte einen solchen Tag wissen, sich frei fühlen wie Der Vogel im Gezweig, singen wie Die Lerche über Saaten, scherzen und lachen mit den Jugeno-

gefpielen was könnte schöner fein! Und Dabei ganz heimlich, ganz tief verborgen Träume hegen, Träume von einem, Der hinter Den hohen WälDern wohnt und Sonntags zuweilen herüberkommt und sie scheu und fragend von weitem ansieht. Daß sie zittert sie weiß nicht warum unD umherspäht, ob's keine gemerkt hat Das ist Doch Das Aller- schönste, weil mans ganz allein für sich hat! UnD sie blüht auf. Die junge Gertraude, blüht und fühlt ein beglürfenDes Leben in sich, eine unendliche Welt in ihrem Herzen. Sie neigt sich zur blühenden Erde, die neues, buntes Leben aus ihren Tiefen treibt, weiß sich mit ihrem inneren Drängen der Erde verwandt, Der braunen Scholle, Die nach Der Winterruhe ihre Kräfte Den Körnern und Keimen geben unD sie nach einem großen, urewigen Natur­gesetz ins Licht hinaufheben muß, Die mit ihren Säften Die Wurzeln Der Bäume tränken muß. Daß ihre Kronen grünen und blühen und fruchten.

Und nun steht sie im Brautkranz Da, Die große, starke Jungbäuerin, steht wie ein Baum in Der Blüte, Der wartet auf Sonne, Bienengesumm unD fächelnden Wind wartet, daß sein Sehnen er­füllt werde. So steht sie und lauscht Den Worten des Pfarrers in der Dorfkirche, schaut mit glück­erfüllten Augen auf das alte Altarbild, Darauf einer namenloses Weh erleidet, dieweil seine Freunde .schlafen und sich nicht wachrütteln lassen. Und sie lächelt, unsichtbar, nur mit den Augen; so voll des Glückes ist ihre Seele. Sie vernimmt ein mann­haftes Ja und läßt ihm das ihre freudig und wie einen zärtlichen Widerhall nachklingen. Und nun gibt sie dem Manne, Der straff unD braungebrannt an ihrer Seite steht, Die Rechte. Er umschließt die Hand, Die so hart unD fest vom Werken unD Doch fo behutsam ist. Daß sie Das unzeitig geworfene Lamm ins Leben zu locken vermag, umschließt sie mit heiligem Gelöbnis.

UnD Dann schreiten sie hinaus in Die Sonne, Zehen über Den Kirchhof, Darauf Gertraude ihre Ahnen gebettet weiß, und an blühenden Gärten und fprofferrben Aeckern vorbei dem Hofe zu. Und es ift mir, der ich im Hochzeitszug gehe, als hört' ich die lebentrachtige Scholle Dem bedächtig schreitenden Menschenpaar entgegenraunen:Auch du bist Erde'

Nicht nur, Die Da schon schlafen... Nicht nur, Die Da schon an Der Schwelle Des Lebens stehen, wo Der Weg hinaus und hinab ins Dunkel geht... Nicht nur Die Gebrechlichen und Lebensmüden... Nein, auch Du bist Erde! Aber Denkt in dieser Stunde nicht des erlöschenden und fliehenden Lebens! Denkt Des blühenden, zeugenden Lebens, dessen Abbild ihr seid! Euer Schreiten ist wie das Wogen der Halme im Winde; euer Verschränktsein Arm in Arm ist ein unzerreißbares Glied in der Kette des Lebens..." Tröstlich ist, was euch Die Scholle entgegenraunt, Die auf Die Kraft eurer Hände wartet: auf Den narbenDen Pflug, Die riefelnden Körner, die striegelnde Egge, Die rauschende Sense... Ja, Erde seid ihr, aber Frühlingserde, nicht Moder- erDe, und Ernte sollt ihr bringen, wie sie die ge­segnete Frühlingserde verheißt! Erde auch.ihr! Erde, die der Herrgott in seiner Hand hält wie alle Erde, sei sie nun zum Leben gefügt im Baum, in der Blume, im Grashalm oder im Menschen.

©er Hund auf der Jährte.

Aus der Tatsache, daß Polizeihunde, wenn sie etwa durch Vorhalten eines Kleidungsstückes auf die Fährte einer bestimmten Person gesetzt wurden, diese Person oft auch wirklich aufspürten und rich­tig verbellten, hat man lange Zeit geschlossen, daß sich der Polizeihund auf den Geruch eines bestimm­ten Menschen einstellen ließe. Sehr eingehende wissenschaftliche Untersuchungen Der Heereshunde- sch.ule in Kummersdorf bei Berlin, Der Diensthunde- abteilung Der Berliner Kriminalpolizei unD anderen Stellen, von Denen Dr. F. Fritsche in Der Leip­zigerJllustrirten Zeitung" berichtet, haben nun jeDoch Die Leistungen Des Hundes beim Fährten­suchen genauer geklärt und zum Teil zu ganz neuen Anschauungen geführt. Die Versuche bewiesen näm­lich, daß die Hunde bei Der früheren Dressurweife keineswegs unbedingt einem anfangs aufgenomme­nen Geruch nachgingen. Vielmehr wichen sie auf der Fährtensuche häufig plötzlich von der verfolgten Geruchsspur ab, um aus einem dem Menschen meist gar nicht erkennbaren Grund eine andere.

vielleicht querlaufende aufzunehmen. Am Ende dieser falschen Spur verbellten sie natürlich dann auch falsche Personen.

Dieses Abirren von der Spur erklärt sich, wie Dr. Fritsche weiter ausführt, daraus, daß der Hund gar nicht Dem Geruch Des Menschen, fonDern Dem Geruch Der Fährte folgt. Jede Fährte hat nämlich einen eigenen Geruch, Den Der Hund aufnimmt und Der sich aus zahlreichen Einzelgerüchen zusammen­setzt. Geht ein Mensch zum Beispiel über Asphalt, so bleiben natürlich kleine Asphaltstäubchen an fei­nen Schuhsohlen hängen unD mit ihnen Der Asphalt­geruch. Wenn dann Der Fuß auf Sandboden kommt, streift er etwas von Dem Asphaltstaub ab, nimmt aber zugleich feine Sandpartikelchen auf, Die er meitertragt. Auf einer Wiese zerquetscht er Gras­halme, und ihr Saft bleibt an Der Sohle kleben. ErDe, Schuhputzmittel, Unrat, Pflanzen usw. bilden so mit ihren Gerüchen die Fährte, weil der Schuh bei jedem Schritt etwas von ihnen ablädt und etwas mit fortnimmt.

Oft verlaufen aber zahlreiche Fährten über den gleichen Boden. Dennoch findet der Hund die rich­tige heraus. Diese Spürleistung grenzt allerdings ans Wunderbare. Man hat die Hunde heute so abgerichtet, daß sie mit absoluter Sicherheit auch bei schwierigster Situation die richtige Spur nicht verlieren denn unterscheiden sie nach dem Alter. Der Duft dieser kleinen Erd-, Asphalt- oder Gras- partikelchen verflüchtigt sich selbstverständlich nach und nach. Eine altere Fährte wird daher nicht so intensiv riechen wie eine, Die eben erst begangen rouroe. Das kann aber Die feine Hundenase unter» scheiden. Der Hund roirD fo sorgfältig dressiert, daß er an Der Stärke Des Geruchs schon Zeitunterschiede von wenigen Minuten ablesen kann. Allerdings kann man immer nur einzelne besonders begabte Xiere fo au5ge3eid)net abrichten, daß sie tatsächlich

li Zechen". Im übrigen verläßt man sich nidjt bloß daraus, daß der Hund wirklich die Fährte L .E"de flndet, sondern Der Hundeführer be« obacbtet Das suchenDe Tier ganz genau, und schon £-U^r-lfinr? Bewegungen kann er oft wertvolle Schluffe für Die Ermittlung eines Verbrechers ober Das Auffinden eines Opfers ziehen.