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Filmveranstaltung, die feierliche Uebergabe der Mu­sikinstrumente an die Marine-Hitler-Jugend und das Bezirkstreffen der Marinekameradschaften in Gie­ßen, währenddem einigen Kameraden der Vereini­gung Schießpreise übermittelt werden konnten. Die Gruppe Runge errang den zweiten Preis im Gauwettbewerb: für die besten Einzelschießleistungen erhielten die Kameraden Frey und R. K 0 ch den dritten bzw. vierten Preis. Erinnert wurde auch noch an den erfreulichen Besuch der Wanderstreife des KreuzersLeipzig". In weiteren Ausführungen berichtete der Schriftführer noch über die Voraus­setzungen für die Erhaltung und Pflege des Hauses der Kameradschaft.

Im vergangenen Jahre konnte den Kameraden Wilhelm Müller, Heinrich Walther und Emil Koch für 40jährige Treue und dem Kameraden Wilhelm A l b o h n für 25jährige Zugehörigkeit das Vundesehrenzeichen überreicht werden. Im Laufe des Abends konnte dem Kameraden Phil. Bauer das Bundesehrenzeichen für 40jährige Mitgliedschaft übergeben werden. Ferner wurde des Kameraden S ch m a h l gedacht, der das goldene Marinejubi­läum feiern kann.

Kamerad Seibert erstattete dann den Kassen­bericht, der gute Kassenoerhältnisse und eine ordent­liche Führung der Rechnung erkennen ließ. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt. Kameradschafts­führer Lich berief sodann den Vorstand in folgen­der Ordnung: Stellvertretender Kameradschaftsfüh- rer Wilhelm Schmidt, 1. Kassenführer Johann Seibert, 2. Kassenführer Wilhelm Krämer, Schriftführer Heinrich Runge; Beirat: Dr. H. Mettenheimer, Karl Gräfingholt, Karl Heß; Rechnungs-Ausschuß: K. H e rb ert, Ernst Borger und Kam. M e h l e r.

Gießener Wochenmarktpreise.

* Gießen, 16. Febr. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: D. f. Molkereibutter, % kg 1,57 Mk., f. Molkereibutter, 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,42 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse B 12, Klasse C 11%, Klasse D 10%, Wirsing, % kg 10 bis 15, Weiß­kraut 8 bis 10, Rotkraut 10 bis 12, gelbe Rüben 8 bis 12, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 30, Unter­kohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 12 bis 15, Rosenkohl 25 bis 30, Feldsalat, 50 g 10 bis 12 Pf., % kg 80 Pf. bis 1 Mk., Tomaten 60 Pf., Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 35, Kartoffeln, % kg 5 Pf., 5 kg 44 Pf., 50 kg 3,50 bis 3,70 Mk., Aepfel, % kg 15 bis 45 Pf., Birnen 15 bis 25, Blumenkohl, das Stück 30 bis 60, En­divien 10 bis 25, Lauch 5 bis 8, Sellerie 10 bis 30, Rettich 5 bis 15 Pf.

*

** Silberne Hochzeit. Der Werkmeister Heinrich Runge und Frau Hedwig, geb. Dapper, Steinstraße 50 wohnhaft, begehen am morgigen 17. Februar, das Fest der silbernen Hochzeit.

** D i e Stadttheater-Miete, 6. Abschnitt, betrifft eine Zahlungsaufforderung der Stadtver­waltung in unserem heutigen Anzeigenteil. Inter­essenten seien auf die Bekanntmachung besonders hingewiesen.

** Lieferungsvergebung. Die Verwal­tung der Kliniken schreibt in einer Bekanntmachung in unserem heutigen Blatte die Lieferung von Lebensmitteln usw. zur Vergebung aus. Interessierte Geschäftsleute mögen die Bekanntmachung beachten.

** Straßensperrung. Wegen Vornahme von Kanalbauarbeiten wird die StraßeA m R a h - rungsberg" zwischen Licher Straße und Berg­straße von Mittwoch, 17. Februar, bis einschließlich 24. Februar, für jeglichen Fährverkehr gesperrt. Die aufgestellten Sperr- und Umleitungsschilder sind zu beachten.

** Freie Lehrer st elle. Erledigt ist eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Friedberg. Eine geeignete Mietwoh­nung wird zu erlangn sein. Bewerber müssen seit mindestens acht Jahren die Prüfung abgelegt und eine Anwärterdienstzeit von mindestens fünf Jahren zurückgelegt haben.

Oie Arbeit des Gparerbundes

Oer Reichsverbandsführer bei der Ortsgruppe Gießen.

Am Samstagnachmittag hielt die Gießener Ortsgruppe des Sparerbundes ihre außerordentliche Mitgliederversammlung ab, die vom stellvertretenden Ortsgruppenleiter Postassi­stent a. D. Franz Rorth eröffnet wurde. An­schließend sprach Gerichtsassessor Dr. Danner über drei wichtige Neuregelungen für die Sparer und Rentner, die mit der zugleich erfolgten Ueber- führung von Reichsbahn und Reichsbank in den Besitz des Reiches ein neuer Beweis für die für­sorgliche und weitschauende Führung des Dritten Reiches sind. Der Redner ging auf die bisherigen Verhältnisse bei der Reichsbahn ein, deren Ueber- schüsse bisher den Gläubigerstaaten zuflossen und nun wieder dem Volke gehören, und schilderte dann die Arbeit bei der Reichsbank, die bisher Prjvat- unternehmen war. Durch die Förderung des wirt­schaftlichen Lebens und die damit stetig zunehmende Steigerung des Nutzens durch Zinsen usw. sei wei­terhin eine Aussicht auf bessere Einnahmen des Sparers und Rentners gegeben. Nun habe die Reichsregierung auch durch die Neuregelung der Vorzugsrente gezeigt, wie sehr sie bestrebt sei, die durch die Inflation entstandenen Schäden auszu­gleichen.

Stellvertr. Ortsgruppenleiter North erinnerte an die großen Opfer, die die Sparer durch den Verlust der vielfach in einem arbeitsreichen Leben aufgesparten Vermögenswerte brachten und stellte sie in ihrer Opferbereitschaft zum WHW. der Ju­gend als Vorbild vor. Weiterhin erstattete er den Kassenbericht, der geordnete Verhältnisse auswies. Damit verband Herr North den Dank für die rege Tätigkeit des Ortsgruppenleiters Lorenz, der sich aufopfernd der Sparer und Rentner an­genommen hat.

Der inzwischen mit dem Reichsverbandsführer ein­getroffene Ortsgruppenleiter Lorenz erstattete den Geschäftsbericht für das erfolgreich abgelaufene Jahr. Trotz der großen Zahl der verstorbenen Mit­glieder, der in ehrender Weise gedacht wurde, konnte die Ortsgruppe einen Mitgliederzuwachs erzielen.

gen bemerkenswert, durch die die Ortsgruppe be­müht war, den Mitgliedern Abwechslung zu bieten. Mit Worten des Dankes und der Anerkennung an die Vorstandsmitglieder erteilte der Ortsgruppen­leiter dem Rechner Entlastung und übergab dann die Führung der Ortsgruppe in die Hände des Reichsbundesführers, den Herr Lorenz gleichzeitig herzlich willkommen hieß.

Der Reichsoerbandsführer Freiherr Wolff von Todenwarth (Berlin) schilderte die Entwick­lung der aus vielen Einzelverbänden entstandenen Sparerbewegung. Mit der strafferen Führung haben auch Ziele und Aufgaben der Bewegung eine we­sentliche Aenderueng erfahren. Aus der früheren Absicht der Wiedererlangung der durch die Inflation verloren gegangenen Vermögenswerte sind nun dem Bund ganz andere Aufgaben entstanden, die durch den Vierjahresplan eine große Förderung erfahren haben. Die Maßnahmen der national­sozialistischen Regierung haben dem Sparer nicht nur neuen Mut gebracht, sondern auch durch die Wirtschaftsbelebung neue Möglichkeiten für einen größeren Nutzen geschaffen. Die wieder zu Ehren gekommene Vertragstreue wird ausgleichend und mildernd bei der Wiedergutmachung der Jnfla- tionsschäden wirken.

An Hand zahlreicher Beispiele zeigte nun der Reichsbundesfuhrer den erfolgreichen Einsatz des Sparerbundes und kennzeichnete zugleich die neuen Ziele, die in der Erhaltung des noch geretteten Vermögensanteils, Beratung und Anhaltung säu­miger Schuldnergesellschaften zur Pflichterfüllung bestehen.

Reichsoerbandsführer Freiherr v. Todenwarth würdigte die Verdienste des Ortsgruppenleiters Lorenz und bestätigte ihn erneut in seinem Amte. Der Ortsgruppenleiter dankte dem Redner für seine Ausführungen und für das ihm bewiesene Ver­trauen. Er bestätigte seinerseits die bisherigen Vorstandsmitglieder in ihren Aemtern und berief die Mitglieder S t e h l i n g und Dr. Danner

Außer aufklärenden Vorträgen waren im letzten I für ihre Verdienste um die Gießener Ortsgruppe Jahr eine Reihe allgemein bildender Deranftaltun-1 in die Führerschaft.

Gondergericht in Gießen.

Wieder einmal hatten sich verschiedene sogenannte Ernste Bibelforscher" vor dem Sondergericht, das gegen alle Angeklagten unter Ausschluß der Öffent­lichkeit verhandelte, zu verantworten. Im ersten Falle hatte der 44 Jahre alte Wilhelm Haßler aus Gießen die Frage eines Arbeitskameraden, ob er für diesen etwas zu lesen habe, bejaht und ihm verbotene Schriften mitgebracht. Das Gericht be­legte den Angeklagten mit 6 Monaten Ge­fängnis. Sechs Wochen Untersuchungshaft wur­den angerechnet.

Während es sich bei dem Angeklagten Haßler um einen unbelehrbaren Menschen handelt, der exem­plarisch bestraft werden mußte, handelte es sich bei den Angeklagten Christ (Butzbach), Mandler (Nieder-Weisel) und Frau Reu hl (Griedel) um Menschen, die das wahre Gesicht der sog.Ernsten Bibelforscher" nicht gekannt haben. Diese Angeklag­ten hatten es versäumt, Schriften, die man ihnen zustecken wollte, sofort der Polizei abzuliefern. Das Gericht sprach die Angeklagten von Strafe und Kosten frei.

Der Georg Lutz aus Butzbach will ebenfalls eines Tages verboteneAufklärungsschriften"in seinem Briefkasten gefunden haben. Er bewahrte sie in seiner Wohnung auf. Das Gericht verurteilte diesen fanatischen Anhänger derErnsten Bibel­forscher zu einer Gefängnis st rafe von zehn Monaten.

Wegen Beleidigung der Reichsregierung und an­derer Personen in stark angetrunkenem Zustande

wurde der G. D. aus Lollar wegen Volltrunken-^ heit an Stelle einer an sich verwirkten Gefängnis­strafe von zwei Wochen zu 60 Mark Geld- st r a s e verurteilt.

Schwerer Rodelunfall im Taunus.

Line Tale und zwei Schwerverletzte.

Lpd. Königstein, 15. Febr. Am Sonntag- nachmittag kam ein mit vier Personen einem Mädchen und drei jungen Männern besetzter Bobschli11en in sausender Fahrt die Straße vom Roten Kreuz herunter. An der letzten Kurve vor dem sogenannten Eseleck stand ein Auto. Der Lenker des Schlittens muß die Kurve nicht richtig bekommen haben und sauste mit voller Wucht gegen den Wagen, der durch den Anprall umge­worfen wurde. Während der auf dem letzten Platz des Bob sitzende Bremser anscheinend mit einem Nervenschock davongekommen ist, mußten die drei anderen mit schweren Verletzungen ins Königstei­ner Krankenhaus gebracht werden. Dort ist das Mädchen, Erna Wenzel aus Frankfurt, das einen Schädelbruch und innere Verletzungen erlit­ten hatte, heute vormittag gestorben. In Lebensgefahr schwebt noch der Lenker des Schlit­tens, Christian Wille aus Frankfurt-Griesheim, der schwere innere Verletzungen, eine Gehirnerschüt­terung und einen Armbruch erlitten hat. Einen Schädelbruch und eine Gehirnerschütterung erlitt auch der auf dem dritten Platz mitgefahrene Willi Fischer aus Frankfurt^Griesheim: feine Ver­letzungen sind aber nicht lebensgefährlich.

Warnung vor einem Betrüger.

LPD. Mainz, 15. Febr. Die Mainzer Polizei­direktion warnt vor einem Betrüger, der feinen. Trick vermutlich auch an anderen Plätzen versuchen, wird. Der Betreffende erscheint in Lebens, mittelgeschäften als angeblicher Beauftrag, ter eines Hilfswerks. Die bestellten Waren läßt er sich auf ein zu diesem Zweck gemietetes Zimmer bringen und schickt dann den Ueberbringer mit einem neuen Auftrag ins Geschäft zurück. Erscheint der Bote mit der nachbestellten Ware, so ist der Vogel bereits ausgeflogen und der Verkäufer hat das Nachsehen.

Kircke und Schule.

Landkreis Gießen.

)( Lich, 15. Februar. Der evangelische Kirchenvorstand nahm in seiner letzten Sitzung die Rechnung des E v g l. M a r i e n st i f t s und der E v g I. Kirche für 1935 und den Voran­schlag derselben Körperschaften für 1937 durch. Die Rechnung schloß im ersten Teil mit einem Rest von 1536 Mark, im zweiten Teil in Einnahmen und Ausgaben mit 4353 Mark ab. Der neue Voran­schlag weist in Einnahme und Ausgabe im ersten Teil (Kirchengemeinde) 12 275,12 Mark aus. Der Fehlbetrag von 7053 Mark muß durch örtliche Kir. chensteuern gedeckt werden. Diese werden in der­selben Höhe wie in den vergangenen Jahren er­hoben, nachdem sie bereits vor einigen Jahren um 2 v. H. gesenkt waren. Auf die Reichseinkommen, steuer erfolgt ein Ausschlag von 5 v. H., für 100 Mark Steuerwert des unbebauten Grundbesitzes werden je 3,5 Pf. und für 100 Mark Gewerbekapi- tal je 7 Pf. erhoben. An größeren Ausgaben isk neben den laufenden Ausgaben für Steuern unb sonstige Abgaben eine größere Summe für die (Er­neuerung eines Teiles des sehr schadhaften Kirchen­daches vorgesehen. Der zweite Teil (Pfarrbesol. bungsfonbs) schließt in Einnahme und Ausgabe mit 4254,86 Mark ab. Der Kirchenerneuerungsfonds betrug am 1. Januar d. I. 4024,60 Mark.

Üunbfunfprogramm

Mittwoch, 17. Februar.

6 Uhr: Choral. Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause, 7.00: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Werkskonzert. 10: Schulfunk. 11: Hausfrau, hör zu! 11.30: Nur Frankfurt: Gaunach. richten. 11.40: Landfunk. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten, anschließend auch aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Beliebte Kapellen und Solisten (IV), Will Glahs Hedwig Jungkurth (Sopran). 15: Volk und Wirtschaft. 15.15: I. Die Freiheits- schlacht von Arzfeld. Der Aufstand der Eifelbauern von 1798. II. O Moselland. Eine Hörfolge. 16: Un­terhaltungskonzert. 17: Von Freiburg: Klavier- musik. 17.30: Sportvortrag der Woche: Training, das Geheimnis des Erfolges. 17.50: Ein unbekann­ter Arbeiterdichter: Emil Heymer. 18: Unser firn gendes, klingendes Frankfurt. 19.45: Der Zeitfunk bringt den Tagesspiegel. 20: Nachrichten. 20.15: Stunde der jungen Nation. 20.45: Regiment sein Straßen zieht. Musik von deutscher Wehrhaftigkeit in vier Jahrhunderten. 22: Nachrichten, anschließend auch aus dem Sendebezirk; Sportbericht. 22.20: Chamonix London. Funkberichte von dem Korn- binationsfprunglauf der Skiweltmeisterschaften in Chamonix und den Eishockey-Weltmeisterschaften in London. 22.35: Unterhaltungs- und Tanzmusik. 24 bis 2: Nachtkonzert.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinden.

Mittwoch, den 17. Februar.

Gießen. Stabtkirche. 20 Uhr: Abendandacht. - Zohanneskirche. 18: Passionsandacht; Pfr. Ausfeld.

Donnerstag, den 18. Februar.

Gießen. Zohannessaal. 20 Uhr: Bibelstunde; Pfr. Ausfeld.

Das Mädchen mit dem Silberhaar.

JRoman von Anny von panhnys.

5. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Aber sie suchte das Geld vergebens an der Stelle, wo es Großmutter bisher aufbewahrt und die sie ihr gezeigt, sie suchte auch im ganzen Schreibtisch nach, ohne eine Spur des Geldes zu entdecken.

Nähkathrin beteiligte sich am Suchen, doch nir- fiends fand sich auch nur ein einziger Hunderrnark- chein. Franziska Karsten war schon ganz wirr, und schließlich entschied sie:Es hat keinen Zweck, jetzt weiter zu suchen, das werde ich später tun, ich muß ins Büro und melden, daß ich in den nächsten Ta­gen nicht kommen kann. Ich habe Geld auf der Fa­briksparkasse, ich will es abheben und vorläufig für das Begräbnis verwenden."

Sie zog ihren schwarzen Krimmermantel an und setzte den schwarzen Hut auf, den ihr Nähkathrin schon zurechtgemacht. Uebermübet, verweint kam sie im Büro an.

Prokurist Wüst schnurrte sie an:Zwei Stun­den Verspätung, solche Bummelei wollen wir hier aber doch nicht einführen. Unsere Angestellten haben die Pflicht, pünktlich zu sein.

Er kam niemals pünktlich, erschien immer als Vorletzter. Der letzte war der Chef selbst.

Franziska erwiderte mit zitternder Stimme: Meine Großmutter ist gestern spät abends gestor­ben, ich wollte bitten, mich ein paar Tage bis nach dem Begräbnis zu beurlauben, und dann möchte ich sehr bitten, mir zu gestatten, meine mir gut­geschriebenen Ersparnisse heute abheben zu dürfen."

In der Eingangstür zeigte sich eben der Chef der Radiowerke, Direktor Berthold Radix, von seiner Mutter und seinen Freunden Bertel genannt.

Die beiden drehten der Tür den Rücken und hatten den Eintritt des Chefs überhört.

Der Prokurist, der einmal dreist zu Franziska gewesen und ihr die Abfuhr nie verziehen hatte, antwortete sehr kühl:Spargeld muß eine Woche vorher gekündigt werden, Fräulein Karsten, diese Bestimmung müßten Sie ja kennen. Ich wüßte nicht, weshalb zu Ihren Gunsten eine Ausnahme gemacht werden sollte."

Franziskas Augen füllten Tränen, als sie zurück­gab:Ich sagte doch schon, meine Großmutter ist gestorben. Sie hat etwas Geld gehabt, aber ich kann es nicht finden, und ich brauche doch Geld für das Begräbnis und alles, was damit zusammenhängt. Da kann ich doch nicht acht Tage warten. In solchem

Fall darf die Sparkasse wohl einmal eine Aus­nahme machen. Ich bitte Sie recht sehr darum."

Das verkniffene Gesicht des ungefähr fünfzigjähri­gen Prokuristen verzog sich spöttisch.

Na, wo das Geld Ihrer Großmutter hingekom­men ist, Fräulein Karsten, dürften Sie wahrschein­lich am besten wissen. Für Ihr Gehalt haben Sie sich das elegante Kleid, mit dem Sie gestern auf dem Maskenball im Einhorn geprotzt haben, sicher nicht kaufen können. Auch der Kopfschmuck hat be­stimmt allerlei gekostet. Sogenannter Maskentrödel war weder das eine noch das andere."

Die Sachen stammen noch von meiner Mutter", erwiderte sie,aber darüber wollen wir doch jetzt nicht reden. Ich muß wieder nach Hause. Bitte, Herr Wüst, geben Sie mir ein paar Worte an die Sparkasse mit, um mein Geld abzuheben."

Berthold Radix verharrte noch immer lautlos an der Tür Die Unterhaltung zwischen seinem Pro­kuristen und der Karsten interessierte ihn sehr. Das Mädel war ihm schon oft aufgefallen, seit er vor einem Jahre hier der Chef geworden, aber der Prokurist hatte einmal geäußert:Ich bin über­zeugt, ob man als Vorgesetzter, als Freund oder so­gar als Verehrer zu ihr kommt, sie ist eine unan­genehme Person. In der Arbeit sehr zuverlässig, aber sonst ein kaltes schnippisches Ding, um das man am klügsten einen weiten Bogen beschreibt."

Eben sagte Prokurist Wüst:Ich bebaure, Ihret­wegen keine Ausnahme machen zu können, Fräu­lein Karsten, man wird Ihnen sicher die Unkosten für das Begräbnis eine Woche stunden. Oder bor­gen Sie sich doch das Geld von dem Kavalier im braunen Domino, mit dem Sie im Einhorn tanz­ten, Sekt tranken und später so neckisch verschwan­den. Ich habe Sie erst für die Komtesse Mönchsgut gehalten, der Haarfarbe wegen, aber schließlich sagte ich mir, so wie Sie sich gestern abend be­nommen haben, benimmt sich keine Dame."

(Einen Augenblick senkte Franziska Karsten tief den Kopf, einen Augenblick empfand sie den Vor­wurf fast als berechtigt, aber schon im nächsten Mo­ment war sie sich darüber einig, sie hatte nichts ge­tan, dessen sie sich zu schämen brauchte. Das kleine Erlebnis, das sie bis ins Herz empfand, ging nie­mand etwas an.

Sie warf den Kopf zurück, erwiderte scharf:Ich verbitte mir derartige Bemerkungen, Herr Wüst. Ich habe nichts Unrechtes getan, nichts, was ich nicht vor meinem Gewissen verantworten könnte, Sie dürfen etwas an mir aussetzen, wenn ich hier schlecht arbeite, aber in mein Privatleben dürfen Sie sich nicht einmischen. Es war gestern der erste Ball, der erste Maskenball meines Lebens, es wa­ren die ersten lustigen St"nden, die ich kennenge­lernt, und wenn ich ein Unrecht beging dadurch, daß ich auch einmal tanzen und lachen wollte, so bin ich böse genug herausgerissen worden durch meiner Großmutter jähen Tod."

Der Prokurist sagte eisig:Ich gebe Ihnen drei Tage Urlaub, und das Geld können Sie heute kün­digen, in einer Woche steht es dann zu Ihrer Ver­fügung. Jetzt aber halten Sie mich nicht länger auf. Ihre Maskenballabenteuer interessieren mich nicht."

Franziska war empört, und die Empörung blitzte ihr aus den Augen, als sie auffuhr:Sie sollten sich schämen, wie Sie mich behandeln, Sie Leute­schinder. Denn dafür sind Sie bekannt, und schä­men sollten Sie sich auch, weil Sie mir das Geld zurückhalten. Pfui Teufel, aus was für einer Masse sind Sie eigentlich geformt, und was tragen Sie an Stelle eines Herzens mit sich herum?"

Sie zitterte am ganzen Leibe, und der Prokurist war fahlgrau geworden, als der Zorn der sonst so ruhigen Franziska Karsten auf ihn nieöerpraffelte wie große, grobe Hagelkörner.

(Er machte eine unwillkürliche. Bewegung zur Seite, und dabei sah er Berthold Radix an der Tür stehen. Ob er wohl schon lange dastand und zuhörte? Das war sein erster Gedanke.

Er grüßte durch eine Verneigung, und nun wandte sich auch Franziska um. Sie machte ein paar Schritte auf Berthold Radix zu, blieb dann stehen, bat:Wenn Sie gehört haben, um was es ging, Herr Direktor, dann, bitte erlauben Sie, daß ich mein Sparkaffenguthaben noch heute erhalte. Ich muß doch meine arme Großmutter anständig unter die Erde bringen."

Kommen Sie mit in mein Büro", gab Berthold Radix zurück. Sie folgte stumm.

Verstimmt knetete Prokurist Wüst an seinem spitzen Kinn herum. Er wäre vorhin am liebsten auf die Dreiste losgefahren. Den Ton, wie sie, hatte sich noch kein Untergebener gegen ihn erlaubt. Gut, daß er den Chef noch rechtzeitig gesehen, die blonde Furie wäre imstande gewesen, ihm noch ganz an­dere Dinge ins Gesicht zu schreien. Schließlich hätte sie auch davon angefangen, daß er ihr einmal nahegelegt, er wäre einer kleinen Liebschaft mit ihr nicht abgeneigt.

Um das nicht herauszufordern, mußte er den Aerger von eben wohl ungestraft einfterfen. Wenns aber so weit käme, daß sie redete, würde er sie Lügnerin nennen, das dumme Mädel, das so zim­perlich tat und auf einem öffentlichen Ball mit einem anscheinend fremden Herrn Sekt trank und sich dann mit ihm irgendwohin seitwärts in die Büsche schlug.

Er murmelte etwas vor sich hin, was nicht ge­rade wie ein Segenswunsch für Franziska klang, und setzte sich sehr verstimmt an seine Arbeit.

Gar zu gern hätte er gewußt, was der Chef mit dem aufsässigen Mädel reden würde.

4.

Berthold Radix war neunundzwanzig Jahre alt und war, wie man Leute seiner Art zu nennen pflegt, ein fideles Huhn.

(Er war groß, ein wenig breit, und hatte ein regelmäßiges, aber etwas grob geschnittenes Ge- stuft, blaue helle Augen und dunkelblondes Haar. Auf feine Kleidung gab er viel. Dor einem Jahr war fern Vater gestorben, der mit Fleiß und Tüch­tigkeit die Glühlampenfabrik Radix auf Radio um- gestellt hatte. Die vorzüglichen Apparate, die stän­dig verbessert wurden, erlangten bald internatio- nalen Ruf. Den Sohn schickte Werner Radix nach London und Paris, auch drüben in Neuyork war er gewesen, hatte sich überall umgeschaut und die Filialen in Paris, London und Madrid eingerichtet. Als sein Vater starb, war er gerade in Paris. Ein eleganter Herr war der nunmehrige Chef der Radio- Radix draußen geworden, aber Franziska fand, wenn er etwas weniger neu aussähe, wäre das nur zu feinem Vorteil.

Berthold Radix öffnete vor Franziska die Tür seines Prwatbüros, das dem des Prokuristen schräg gegenüber lag. Nachdem Franziska eingetreten, legte er Hut und Mantel ab und setzte sich an seinen Schreibtisch.

(Er begann sehr ernst:Ich darf Ihnen, wenn ich Ihre Erregung auch begreife, Fräulein Karsten, doch den Vorwurf nicht ersparen, daß Sie sich Herrn Wust gegenüber stark im Ton vergriffen haben. Herr Wüst ist Ihr Vorgesetzter, unb ich fordere von Ihnen, genau wie von einem anderen Angestellten, Höflichkeit im Umgang mit den Vorgesetzten. Ich rate Ihnen, Herr Wüst um Verzeihung zu bitten, dann werde ich dafür sorgen, daß Ihnen das von Ihnen gewünschte Geld sofort ausgezahlt wird."

Er hatte eigenttich das Gefühl, er verlangte zu viel von Franziska Karsten, fein Gerechtigkeitssinn neigte nach der Seite des Mädchens, aber es ging doch nicht, daß er feinem Prokuristen unrecht gab.

Franziska überkam ein seltsames Gefühl, für das sie nicht die richtigen Wort hätte finden können. Wut war es nicht, aber vielleicht Verzweiflung, weil man sie hier unnütz zurückhielt, nur um sie zu kränken und zu demütigen.

Sie antwortete mit mühsam behaupteter Ruhe: Dann muß ich auf das Geld verzichten, so furcht­bar das auch für mich ist, denn ich kann doch die­sen abscheulichen Menschen nicht um Verzeihung bitten. Er dürfte mich also beleidigen, wie es ihm gefällt, und weil ich mich natürlicherweise gewehrt, sollte ich ihn um Verzeihung bitten? Nein, Herr Direktor, das tue ich nicht! Meinen Stolz habe üf) auch. Zwar verdiene ich durch die Radiowerke mein Brot, doch mochte ich deshalb nicht zur kleinen Angstkreatur werden vor dem großmächtigen Herrn Prokuristen."

Still!" fuhr Berthold Radix auf.

Sie sah ihn groß an, und ihm war es, als läge etwas Zwingendes in dem Blick der wunder­schönen grauen Augen, deren Lider noch vom Wei­nen gerötet waren.

(Fortsetzung folgtI)