‘Mäntel
S?n'L|nd.
rAuswah|
n Verfügung siet- ngeoote unter $ ■ner Anzeiger.
Mit
100DI
rten)'Fernruf 2480 liiehoie;
W SSL.
“Michele-
DL
SrS SS DuranOstern.- sofort.-AU;- lvon 8-12.30 Uhr. ostenlos. toD
Tuche
WWW
mhafter Kaufmar teiligung In-llitrie-Untem: iblmn-el.Lchriftlit er 0200 an öen ®» r.
ge Klein»"* !um .r^S
Naturfrert irer
.eben. Kleine Krea'.i: ch und Halm von K. 0 ilurautnahmen aus le ler en Tierwelt miltrili- iterschriften, NuntBL-- hrlichemText Milde n Prof. Dr. P.Detfsc, Sa.gO.geb.M'i1 . Die LebensgetneiKr i Waldes in Bilden -: lufnahmen aus dm eben des heimatW •tiefdrucktafeln.mtlwf hlußreichemEinfww
t Mutter Grun.Sfedt
sSäSSä lurch jede Bachhand^ »rmühler Verlii in.Llchterfelde
te Sonntag J
11.30-1^
I Wiederhol^ 'der Uraul J
30 ße Bm
l von< M Le»- Io J für platz^
SderH n tret ö $!0>l
| 19.00-^°
: Außer 5 '°° ।
’ 0A°o°"1
Preiitil -
Jispie'J^CoU’P^:
W .>) JaD
llr.13 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Samstag. Ib.Zanuar 193Z
Mder„SchleswigHoistem"ausSchuWffsreife
Von Karl Inedrich Birnbaum, Kapiiänleuinant
, dianopolis" und „Chester", die mit dem wieder-
Niederlage: Jean Weisel, Gießen, Sonnenslraße 6, Tel. 3888
Begegnung der „Schleswig-Holstein" mit dem Luftschiff „Graf Zeppelin". (Aufnahme: Birnbaum.)
^ge^aiarr^ -^ujwv^)üjerk£lt
Zahlreiche Angehörige der deutschen Kolonie sind zur Begrüßung erschienen, u. a. auch eine reizende
jiciujDyiui o y a n n o r i g von lk a j । u u = i ’JJCorjejprua) an oen ,,v) r a f Zeppelin , ver , Siegen dort landete, unter seiner Statthalterschaft1 uns, bereits von Bathurst zurückkehrend, am 23. No- „die goldene Zeit" Pernambucos. Noch heute kün- vember früh im Morgengrauen mit Kurs Rio pas- den holländische Grachten, von schattigen Bäumen sierte „Auf Wiedersehen in Pernambuco!" wird
ihre schone Umgebung kennenlernen, umfaßt das ungeheure Gebiet von 128 OOO Quadratkilometer, geschichtlich bedeutend durch die Tatsache, daß er am frühesten besiedelt wurde. Von 1624 bis 1654 unter
renden Schiffes aus kurzem Schlaf. Einen dicken Postsack führt er mit, dessen Briefe schon vier Tage später bei unseren Lieben freudige Ueberraschung auslösen werden.
27. 11. Auf meiner Wache am nächsten Tag ist viel Betrieb. Der Gouverneur machte seinen Gegenbesuch und erhält, internationalem Brauch gemäß, die vorgeschriebenen Ehrenbezeigungen durch Marschschlagen und Stellen einer Ehrenwache. Salut wird hier nicht geschossen, da wir im Jnnenhafen liegen. Auch beim Einlaufen schossen wir keinen Salut für das Gastland, da Pernambuco keine Salutstation zur Erwiderung besitzt. Die 21 Schuß, die in der Frühe des Einlauftages weit draußen vor der Einfahrt aus unseren Rohren krachten, galten den zwei schmucken amerikanischen Kreuzern „Jn-
schaftszweig dar. In der Hafenstadt Recife pulst das Leben des Staates, nur drei kurze Eisenbahnlinien verbinden sie mit dem üandesinnern. Um so größer ist die verkehrstechnische Bedeutung der Stadt durch die Erschließung des Südatlantik für den Transozean-Luftverkehr, den die Lufthansa und die französische Air France mit ihren schnellen Postflugzeugen, und die Zeppelin-Gesellschaft im Sommer mit ihren Schiffen regelmäßig unterhält. Auf dem amerikanischen Festland hält die Pan - American Airways mit ihrem unerschöpflichen Kapitalrückhalt das Schwergewicht des Verkehrs. Ihr gegenüber hat
der vorübergehenden Herrschaft der Niederländer erlebte das Land, als um 1637 der deutschblütige Reichsgraf Johann Moritz von Nassau-
umsäumt, hohe schmale Häuser mit den typischen Ziegeldächern und das alte Fort Cinco pontas von einstiger Größe und germanischem Aufbauwillen. Im nächsten Jahr soll ein großes Fest das Gedächtnis des unvergessenen fremdstämmigen Nationalhelden verherrlichen.
Wirtschaftlich ist der Staat in erster Linie als Hauptausfuhrland für Zucker neben Baumwolle, Kaffee, Kakao und Tabak von Bedeutung. Auch die Viehzucht im Innern stellt einen wichtigen Wirt-
VL
Brasilianisches.
Park, Mitte Dezember 1936.
Recife, Hauptstadt des Staates Pernambuco, der wiederum zu der nördlichen Gruppe der Vereinigten Staaten von Brasilien (Estados Unidos do Brazil) gehört. Als ums Jahr 1500 die brasilianische Küste von dem Portugiesen Pedro Alvaro Cabral entdeckt wurde, gründete man auch hier bereits eine der ältesten Siedlungen: Olinda. Heute S'tz einer ehrwürdigen Kathedrale, deren Bischof es vor einigen Jahren vorgezogen hat, nach dem modernen Boa Vista, dem Villenviertel der Hauptstadt, überzusiedeln. Malerisch liegt Olinda im Norden der Stadt auf einen steil zum Meere abfallenden Hügel gelehnt und erleichert mit markanten Punkten dem Seemann die Ansteuerung des Hafens Zu seinen Füßen breitet sich der zweitgrößte Badestrand der Stadt, breit und schimmernd zieht er sich kilometerweit hin bis zur Mündung des Rio Doze. Viele Leute aus der Stadt verbringen hier die heißesten Wochen des Jahres, die wir jetzt erleben, oder in Boa Viagem, dem südlich der Stadt gelegenen Badeort. Endlos dehnt sich entlang der Autostraße herrlichster Sandstrand, im Rücken flankiert von den Sommerwohungen und Villen der Wohlhabenden, von Klubgebäuden und hohen Palmenhainen.
Die Stadt selbst, in ihrem Zentrum eine moderne Großstadt mit breiten Straßen, hohen Häusern und viel Verkehr, Regierungs- und Justizpalast dehnt sich weit ins flache Land. Ein großes Geschäftsund Bankenoiertel Antonio Vaz, das alte Recife, unmittelbar am Hafen, und das durch prachtvolle Gärten und prunkvolle Villen ausgezeichnete Boa Vista; alle Stadteile durch viele breite Brücken über die verschiedenen Arme des Capibaribe verbunden. Die Einwohnerzahl ist stark im Wachsen begriffen. Heute etwa 400 000 Menschen, die wiederum ein Zehntel der Gesamtbevölkerung des Staates darstellt, die sich aus bunten Rassebestandteilen zusammensetzt.
Die Ureinwohner, Indianer, hat der portugiesische Eroberer seit der Entdeckerzeit rücksichtslos fast völlig ausgerottet oder aufgesogen. Es gibt im Innern noch einige rein erhaltene Stämme, doch hört der Brasilianer dies nicht gern. So leben im Amazonas-Gebiet, das wir wenig später kennen lernen sollen, noch an die 100 OOO Indianer. Neger wurden als Sklaven ins Land gebracht. Im Laufe der Zeit entstanden so die verschiedenen noch heute erkennbaren Rassenkreuzungen: Die Mestizen (Weiß und Indianer), Mulatten (Weiß und Neger) und zahlenmäßig am geringsten die Zam- b o 5 (Neger und Indianerin), (bezeichnend die Tatsache, daß der stolze männliche Indianer sich nie mit einer Negerin zusammengetan hat.) Die herrschende Schicht der Kreolen — im Lande geborene Angehörige der weißen Rasse (besonders Spanier, Portugiesen und Franzosen) besitzt einen ausgeprägten Rassestolz und hat einen bestimmten Typ des „Brasilianers" entwickelt, der heute im Wesentlichen die Intelligenz des Staates darstellt.
Der Staat Pernambuco, von dem wir bis auf wenige Glückliche, die ein Drei-Tage-Ausflug weitere ins Innere bringt, nur die Hauptstadt und
durch Morsespruch: „I appreciate you greatly your salute Roosevelt."
Nach dem Gouverneur erscheinen noch weitere Persönlichkeiten, unter anderem auch der Polizeichef der Stadt, den ich nach seinem Besuch beim Kommandanten auf dessen Wunsch durch das Schiff führe. Mit meinen bescheidenen spanischen Sprachkenntnissen, mit denen man auch in den portugiesisch sprechenden Ländern sich einigermaßen verständlich machen kann, und einigen eingestreuten englischen Brocken komme ich gut durch. Zum Dank dafür erscheint am nächsten Tag sein Bruder, der mich in seinem Wagen 30 Kilometer ins Innere zur „Villa m i 1 i t a r“, einer militärischen Mustersiedlung bringt, wo wir von einem Offizier in liebenswürdiger Weise geführt werden. Ich erfahre bei dieser Gelegenheit, daß es mit der großzügig angelegten Anlage, die aus großen luftigen Kasernen und Verwaltungsgebäuden, sportlichen Anlagen und Schwimmbädern für Offiziere und Mannschaften, einem eigenen Kino, Leseräumen, Kantine usw. und gepflegten kleinen Häusern für die verheirateten Offiziere und Unteroffiziere besteht, eine besondere Bewandnis hatte. Sie war von dem Vorgänger des heutigen Distriktkommandeurs, einem ehrgeizigen General, der stark kommunistischen Tendenzen zuneigte, unter großem Kostenaufwand erst wenige Jahre zuvor errichtet worden. Isoliert gelegen, durch eine eigens angelegte vorzügliche
Deutschlands hier draußen gestiegen seit unsere ; qeroiih(ten Präsidenten Roosevelt an Bord auf Lustsch'sse mit bewundernswerter Pünktlichkeit ben iber F»hrt nach Rio in rascher Fahrt auf 75 Kilo- verantwortungsvollen regelmäßigen Transozean- Meter Entfernung passierten. Der Präsident dankt- dienst versehen. Die bequeme, schnelle Ueberfahrt als , — y
Passagier erfreut sich zunehmender Beliebtheit.
die deutsche Condor-Verkehrsgesellschaft mit ihren I ältere Dame, Frau Gr.-, deren deutsche Gastlichkeit dreimotorigen Junker^maschinen (Typ Ju 52) einen wir wenige Tage später in ihrem ideal schönen Heim schweren Stand, den sie jedoch durch den Ruf der genießen durften. Sie läßt es sich nie nehmen, bei unbedingten Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit mit der Landung persönlich zur Begrüßung zu erschel- Erfolg verteidigt. In Park sollen wir wenig später nen. Nach einem wundervollen „Geeisten Whisky Gelegenheit bekommen, einen interessanten Rund- mit dem Kommandanten und einem Rundgang flug in der vorzüglichen Verkehrsmaschine über das durch das Schiff führt uns der Wagen durch die ungeheure Urwaldgebiet bes Amazonas und die1 von Palmen umsäumten Lagunen und die Ginge* Stadt zu genießen. borenenftabt zurück an Bord.
ar>. . «... „ .. .... . j Der Abend vereinigt die Besatzung des Luftschiffes
Wie em F>im rollen die unvergeßlichen Ereig- mjt ( x-il unserer Freiwache und der Deutschen msse der zehn Tage in Pernambuco ab. Unser letzter | So(onie bei ben Klängen unserer Bordkapelle im | Morsespruch an _ben ..G r a s Z e p p e l i n ,^der c u t s ch e n K l u b. Sn aller Herrgottsfrühe weckt
uns das donnernde Motorengeräusch des heimkeh-
nun Wahrheit. Es ist mir vergönnt, mit dem 1. Offizier, einigen Offizieren und einer Abordnung der Besatzung am Tage nach dem Einlaufen früh um sechs Uhr das packende Erlebnis der fahrplanmäßigen Landung des Luftschiffes draußen auf dem Rollfeld zu erwarten. Begeisternd für uns Seeleute die selbstverständliche Sicherheit des Manövers, mit dem der Kommandant, Kapitän v. Schiller, ein Seeoffizir aus dem großen Kriege, sein Schiff an den Ankermast bringt. Ihm und seiner braven Besatzung dürfen wir als Erste die Hand schütteln, nachdem sie uns so oft über dem Ozean aus luftiger Höhe zugewinkt, und schmetternd spielt unsere Kapelle in der angenehmen Kühle des Morgens den Begrüßungsmarsch. Ungeheuer ist das Prestige
vji
Wenn sich Bizets „Carmen
Daß der mit dramatischer Intensität geladene Carmen-Stoff seine Schaffenskräfte bis zum letzten frei machte, entsprach der geistigen Einstellung Bizets. Nach gelegentlichen philosophischen Studien bekennt er sich als „Verächter der Systeme". „Prüfe die bekannten Tatsachen, erkläre die wissenschaftlichen Forschungen und ignoriere völlig das, was sich nicht als exakt bewährt hat." Diesem Tatsachen-
Gießener Giadttheater
Georges Bizet: „Carmen".
„Was mir aber mehr genügt als die Meinung aller dieser Herren, ist die unumstößliche Gewißheit, jetzt meinen Weg gefunden zu haben. Ich weih, was ich zu tun habe." Gleichzeitig erwähnt er hierbei, daß
hat und noch nichts von ihrer Unmittelbarfeit ein- gcbüfjt hat, so dankt sie das dem Wesen der Titel- geftait und dem unvergleichlichen musikalischen Milieu. Das Urbild der „Carmen" hatte Prosper Merimee in seiner, namentlich in Westeuropa viel gelesenen Novelle „Carmen" vorgezeichnet. Hier erscheint Carmen ganz als Zigeunerin, als Inbegriff aller Verschlagenheit und Verworfenheit ihres Stam-
Gegenstück des „Don Juan" gelten kann.
Friedrich Nietzsche bewundert in „Carmen" die „in die Natur zurückversetzte Liebe", die sich „als Fatum, als Fatalität, zynisch, unschuldig, grausam und eben darin als Natur" gibt. Ihrer Macht über die Männer sich wohlbewußt, wird Carmen zum Weibsteufel, zum Dämon im Weibe, dem sich keiner entziehen kann, der einmal in ihre Nähe gerät. Das Bewußtsein dieser Kraft läßt in ihren Augen die Männer als ein willfähriges Werkzeug erscheinen. Innerlich bleibt sie zunächst völlig unberührt bei diesem koketten Spiel; nur dem unabänderlichen Fatum fühlt sie sich unterworfen. Der dramatische Kern des Operntextes läßt sie zur tragischen Gestalt werden: die ehrliche Zuneigung, die ihr Don Joss entgegenbringt, läßt sie innerlich in menschlichen Werten wachsen; und erst kurz vor ihrem Untergang bricht ein echtes, warmes Liebesgefühl durch, allerdings einem Partner gegenüber, der, an Jofä gemessen, diesem an Charakterwerten nicht gleichkommt.
Denn Jose ist nur durch eine Verkettung von Umständen auf die abschüssige Bahn gebracht worden, noch in letzter Stunde findet er zur Mutter zurück. Den Glauben an Carmen, um mit ihr ein neues Leben in bürgerlicher Rechtschaffenheit zu beginnen, behält er bis zuletzt; erst als Carmen ihm den Ring, den er ihr als Pfand seiner Liebe einst gegeben hatte, entgegenschleudert, da verliert er die Beherrschung und vernichtet seine „angebetete" Carmen.
Wenn die Textdichter die Gestalt der Micaela der Overnhcmdlung neu einfügten, so gaben sie damit einmal den wirksamen Kontrast zu Carmen selbst, bann aber verliehen sie den in Jose verbliebenen Kräften zum Guten den Halt; denn Micaela als Botin der Mutter läßt bei Josä immer wieder die Erinnerung an die Mutter wach werden. Da Josä anfänglich dieses schlichte Landkind ehrlich liebte, tritt der tragische Konflikt um so schärfer hervor.
Bis zur „Carmen" hin hatte das Schaffen Bizets nicht die erhoffte Würdigung gefunden; immer suchte er noch den „Treffer", wie er einmal als n'n^r Mensch scherzhaft aus Italien an feinen Vater schreibt. Nach der Uraufführung seiner Oper „Dja- mileh" (22. Mai 1872) berichtet er einem Freund von den leidenschaftlichen Aeußerungen der Presse.
W-nn sich Biz-ts „Carmen" nun sechs Jahr- Meichac und Halevy ihm einen Text für eine dreizehnte die Stellung auf allen vp-rnbühnen gehalten Es^Carm-n"°°^^ “ " $
Re1iis7ms°fandl7^em'^eLL''zu?vper'"!!e! Menschen war es gegeben, in Schlagfertigkeit, Treff- wesentliche Milderung, immerhin aber bleibt eine &in U^nmUteldar'ke^^daq
Anstalt bestehen, die im Ausmaß des Weiblichen als J einzufangen.
Im Gegensatz zum deutschen musikdramatischen Stil, der die Handlung symphonisch refleftiert im Orchester durchleben läßt, trifft er im gegebenen Augenblick mit sicherem Griff das gegebene Ausdrucksmittel in der dramatisch gespannten melodischen Linie, in dem zuckenden, temperamentdurch- glühten Rhythmus, in neuartigen harmonischen Wendungen, die nie der Natürlichkeit entbehren, in einer farbkräftigen charakteristischen Instrumentierung, immer in enger Bindung an das nationale Lokalkolorit. Dabei steht er durchaus noch in der hergebrachten Opernform mit ihrer Nummernabfolge; ja, auch der gesprochene Dialog hat bei ihm noch Platz. (Erst nach Bizets Tode fügte fein Studienfreund Ernest Giraud die heute gebräuchlichen Rezitative, allerdings in stilvoller Angleichung, nachträglich hinzu.) Und trotzdem gewinnt er eine überraschende Feinheit der Charakterisierung, die jeder Szene ihr Teil gibt und deutlich die innere Entwicklung der einzelnen Personen kennzeichnet. Es ist interessant zu verfolgen, wie die Carmen in ihren einzelnen Solostellen immer eine ganz bestimmt formulierte Gesinnung äußert. Kokettierend in der Habanera (die übrigens auf Veranlassung her ersten Carmen-Darstellerin Celestine Galli- Marie in Paris unter Anlehnung an ein spanisches Vorbild von Bizet eingefügt wurde), ironisch, frech bei der Vernehmung durch Zuniga, den Offizier; lockend in der Seguidilla; ungezügelt, schrankenlos in dem Zigeunerlied in der Schenke; nervenaufpeitschend der Kastagnettentanz; weiblich echte Töne in dem Duett mit Escamillo; rein menschlich aber zeigt sie sich in der schicksalvollen Kartenszene. Diese Vielseitigkeit der Einzelzüge gibt dem Gesamtbild der Carmen eine zwingende Abrundung. Ebenso aber erschließt die Musik das Innere des Jose, der mit der Zuspitzung der dramatischen Lage immer mehr entschlossenere, männlichere Töne findet. Esca- millos Lied bildet in der rhythmischen Kraft den Helden des Tages ab; Micaelas Szenen sind von naiver Innigkeit erfüllt.
Ebenso stark wie bei den Einzelpersonen wirk: sich die darstellende musikalische Sicherheit Bizets in den Ensemblesätzen aus wie in dem Schmugglerquintett mit seiner Verschlagenheit und Gerissen- beit. Die Volksszenen bannt er in realer Nähe; die flanierenden Müßiggänger, das Aufziehen der
Wache, der kanonisch gefügte Rauchchor der Ziga- rettenarbeiterinnen, die fchwüle Sphäre bei Lillas Pastia, der Schmugglerchor mit seiner klanglichen Bildhaftigkeit und dann der große Auszug vor dem Stierkampf in der Arena; alles Momente, die die Fähigkeit Bizets zu fchlaglichtartiger Naturnähe zeigen.
Bizet hatte feine ganze Hoffnung auf die Uraufführung feiner Oper (3. März 1875) gesetzt; aber der gebührende Erfolg blieb aus; eine niederschmetternde Tatsache für das ernste Bemühen des Schaffenden. Da konnte sein Körper nicht mehr der heimtückischen Krankheit abwehrende Kraft entgegenstellen, und schon drei Monate später (3. Juni 1875) war er nicht mehr unter den Lebenden. Erst als das Ausland der Oper die ihr zukommende Stellung gesichert hatte, besann sich sein Vaterland wieder auf seinen unsterblichen Sohn.
♦
Die verschiedenen Zeitalter haben die Inszenierung der Oper „Carmen" in oft sehr gegensätzlicher Weise durchgeführt. Als beispielsweise die Oper nach langer Unterbrechung 1883 wieder in Paris erschien und nun Anklang fand, da hatte man die Zigeunersphäre in das Salonhafte verlegt. Ganz abgesehen von der Entgleisung, die wir hier in Gießen vor einigen Jahren von einer auswärtigen Bühne zu sehen bekamen, die nicht eine einzige Spur von den buntschillernden Lokalfarben bestehen ließ. Das Milieu, das M6rim6e vorgezeichnet hat, ist grundsätzlich der Ausgangspunkt für die Bühnenwirksamkeit der Oper. Die gegebenen Kontraste zwischen zigeunerhaften Andalusiern und den Navarresen Jose und Micaela prägen sich sowohl im Charakterlichen ab wie auch im äußeren Gewand. Dem folgte auch die vom Intendanten Schultze-Griesheim in Szene gesetzte hiesige Ausführung. Bühnenbild und 2lusftattung (Karl Löffler), Gewänder (Buchner und E n d r i ch) und darstellende Gebärden gaben die urtümliche Grundlage, auf der die Musik zu ihrer vollen Farbigkeit und Eindrucksstärke erblühen konnte. Kapellmeister Paul Walter weckte mit starkem nachschaffendem Impuls das in der Partitur gebannte Leben und traf mit Sicherheit und scharfer Pointierung ihren inneren Kern. Carmens Schick- salsmotiv begleitete so wie ein drohender Dämon den Gang der Handlung. Die Kräfte des Orchesters folgten mit letzter Bereitwilligkeit und fetzten sich mit bestem Können und Wollen und glücklichem Gelingen ein. Ganz besonders stimmungsvoll war das Zwischenspiel vor dem dritten Akt mit den solistisch geführten Holzbläsern und der Harfe. Die Chöre (Ernst Bräuer) erklangen gut abgetönt auf dem Boden eines gesunden Realismus, von ganz besonderer Note der keifende Anklagechor.
Die Titelpartie ist eine der schwierigsten überhaupt; denn Gesang und Darstellung müssen der äußerst mannigfaltigen Charakterisierung Rechnung tragen. Darum wird man häutig eine Carmen finden, di-> das Uebergewicht nach der einen oder anderen Seite hin verlegt. Um fn freudiger wird man deshalb der überlegenen Leistung von Hildegard Jachnow zustimmen können. Sie beherrscht ihr prachtvoll durchgebildetes, trefflich postiertes
Organ, das üppig strömend den Raum voluminös füllt und jeder wohlüberlegten Einzelschattierung fähig ist. Hohn, Ironie, Zynismus bis zum wilden Trotz konnten fo ursprünglich das Bewußtsein persönlicher Ueberlegenheit spiegeln; kokett, berechnend, wie eine schleichende Katze, raffiniert und zuletzt doch das Weib, das voll innerer Glut zur Verführerin wird. Und dann in dem Kartenlied durch- jchauert von dem Schicksalserahnen; sonst aber stets Beherrscherin der (Situation.
Demgegenüber Ernst-August Waltz als Don Jos6, voll weichem Empfinden in dem Duett mit Micaela; zunächst ganz gegen seinen Willen der verlockenden braunen Hexe folgend, und dann den schweren Kampf zwischen Pflicht und Liebe durchringend. In der „Blumenarie" sich als leidenschafterfüllter Sänger erweisend, steigerte er im dramatischen Fortschreiten die stimmlichen Evolutionen zu durchschlagenden Akzenten, nicht immer ganz frei in den Uebergängen feines hell timbrierten Organs. Die Schlußszene wußte er so eindringlich darzustellen, daß ihm der menschliche Anteil der Hörer an seinem Schicksal sicher mar.
Es war gewinnend, wie im ersten Akt Maria Perry als Micaela mit natürlichem Takt die Werbungen des Morales zurückwies. In ihrer fürsorglichen Hingabe zu Jose zeigte sie sich mit Schlichtheit und Herzlichkeit der Darstellung, die sich mit dem stimmlichen Können verband. Die große Arie in der Schmugglerschlucht war durchwärmt von Hoffen und Gläubigkeit.
Dem Escamillo verlieh Gustav Bley Züge vornehmer Ritterlichkeit und Grandezza, frei von dem Großtuertum, von dem sich diese Bühnenfigur oft nicht ganz fernhält. Das Torerolied spiegelte mit stimmlichem Glanz und musikalischer Akzentuierung heldischen Willen ab; das kurze Duett im Schlußakt war voll von lyrischem Nachgeben.
Dem Zuniga gab Alfons F o r st n e r Offizierswürde, und bei dem verunglückten Abenteuer im zweiten Akt wußte er sich mit feinem Takt aus der peinlichen Situation zu ziehen. Den Sergeanten Morales war Max Schneider-Oe st eine vortreffliche Verkörperung in Straffheit und Galanterie.
Das Schmugglerquintett im zweiten Akt, an dem Paulus Kuen als Remendado, Wilhelm Greif als Dancairo, Friedel Forna11az als Fras- quita, Ilse Laskus als Mercedes gewichtigen Anteil trugen, war mit sorgfältiger Beachtung der Einzelzüge durchgestaltet; die beiden Zigeunerinnen gewannen durch stimmliche Frische und schmen Klang im Kartenterzett als Künderinnen von Glück und Liebe.
Der Beginn des zweiten Aktes (in der Schenke bei Lillas Pastia) war tänzerisch gelöst (Irmgard Zenner); in lebhaften Schwünge der Temperamentsentladung; die Einlagen zu Beginn des vierten Aktes waren malerisch durchgestaltet und banden sich aufs innigste mit dem rhythmischen Impuls der Musik und füaten sich so in das bunte Bild des > Einzuges in hie Arena
Solche" Eindrücken gegenüber wa- xer Bei'all her Zuhörer überaus spontan und herzlich, die Hervorrufe zahlreich.
Dr. Hermann Hering.


