Fricktal darf er dafür jedermann bespritzen, in Rangendingen steht der „Pfingstdreck" sogar im Brunnen und begießt die Umstehenden ausgiebig mit Wasser, im Schleital besprengen die Begleiter des , „Pfingstbutz" die Begegnenden mit nassen Reisigbündeln, was Gesundheit und Gedeihen bringen soll, während sie andernorts selbst aus den Häusern mit Wasser begossen werden. In einigen südbayrischen Orten wird am Pfingstmontag Der „Wasservogel" ausgelost, in Reisig oder Binsen gehüllt, in einem Bauernhof versteckt oder von zwei Wächtern streng bewacht. Die anderen Burschen sprengen dünn hoch zu Roß heran und schleppen den armen Wasserooael nach einem Scheinkampf zum Dorfteich oder =bad) und werfen ihn hinein. In Hollertau wird er zum Bach geführt, wo ihm zwei Mädchen die Larve abnehmen und ihn waschen. Dann legt er die Arme um ihre Nacken und gemeinsam tauchen die Drei dreimal unter.
Neben der Wasserbesprengung sind bei den Umzügen auch die segenspendenden Schläge mit der „Lebensrute" üblich, die von den Zugteilnehmern sowohl ausgeteilt, wie empfangen merken. An manchen Orten wird der Träger des Frühlingssegens feierlich hingerichtet — in Wurmlingen haut der Henker dem „Pfingstbutz" den (falschen) Kopf ab, in Niederbayern wird der im Wasser stehende „Pfingstle" geköpft, ebenso der „König" in Böhmen — wobei möglicherweise die Absicht vorliegt, die ihm innewohnende Kraft frei und allen zugänglich zu machen.
Wie die Burschen, veranstalten auch die Mädchen Umzüge — allein oder mit den Knaben gemeinsam —, ihre Führerin ist die „Maibraut". Im Münsterland ziehen die Mädchen dem Zuge voran, in ihrer Mitte die „Pingstebruut", mit Kranz und Schleier geschmückt, hinterher die Knaben mit Fahnen und Knallerbsen. (Auch im Zug der Burschen schreitet manchmal eine „Maibraut", die aber dann von einem Knaben dargestellt wird.) Im Elsaß wird ein weiß gekleidetes Mädchen von zwei anderen durch's Dorf geführt, im Emsland geht das „Pingft- blöümken", ein fünf» bis siebenjähriges Mädelchen, von Haus zu Haus, das Gesicht völlig verhüllt. In Friesland wählen die Mädchen die Schönste aus ihrer Mitte zur „Pfingstbraut", schmücken sie reich mit Blumen, Kränzen und einer Krone und tragen sie durchs Dorf. Vor jedem Haus wird angehalten, die Mädchen schließen einen Kreis um die Königin und singen Volkslieder, wofür sie allerlei Gaben erhalten.
In manchen Gegenden wird statt den Einzelpersonen des „Maikönigs" und der „Maikönigin" ein „Braut-" oder „Königs-Paar" gewählt, das dem Zug voranschreitet und besonderer Ehren teilhaftig wird. In Prosigk (Anhalt) wird die Braut von einem Burschen, der Bräutigam von einem Mädchen dargestellt, die beide eine Larve tragen Bei der „Pfingstlhochzeit" im bayrischen Vorland gehen drei Burschen an der Spitze des Zuges; der mittelste, in Laubzweigen Vermummte, ist der „Pfingstl" oder „Hochzeiter"; es folgen drei Mädchen, von denen die in der Mitte schreitende mit Blumen und Bändern geschmückt, die „Pfingstlbraut" oder „Hochzeiterin" darstellt.
Früher wurden an Stelle der lebenden Menschen vielfach Puppen mitgeführt, so waren „Hansl und Gredl" beim Umzug in Neuhaus bei München solche Puppen, ebenso, wie der „Wasservogel" in Holzhausen in Schwaben. Aber nicht nur Puppen nehmen den Platz der in Blumen und Laub gehüllten Menschen ein, an ihre Stelle tritt nicht selten die Pflanze selbst: so ist in der Saargegend der „Pfingstquak" entweder ein mit Ginster geschmückter Mann, oder aber eine junge Birke, in der Altmark der „Pfingstkääm" bald ein in Laub und Blumen gehüllter Knabe, bald eine lange, mit Blumen und Zweigen verhüllte Stange, auch gibt mon dem Laub geb ilde wohl einmal menschliche Gestatt.
Stets spielen junges Grün und bunte, lachende Blumen eine beherrschende Rolle, weisen hin auf die Fruchtbarkeit der neu erwachten Erde, auf den Reichtum und die Pracht des Frühlings, der das Pfingstfest mit seinen holdesten Gaben so herrlich überschüttet. E. B.
Dornoilzen.
Tageskalender für Samstag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Manja Valewska, das Schicksal einer Jugendliebe". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Mann, von dem man spricht". — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brand: 16 bis 18 Uhr Ausstellung der Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen von Lotte Droese.
Tageskalender für Pfingstsonntag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Manja Valewska, das Schicksal einer Jugendliebe". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Mann, von dem man spricht".
Tageskalender für Pfingstmontag.
Stadttheater: 20 bis 22.15 Uhr: „Der Etappenhase". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Krach und Glück um Künnernann". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Mann, von dem man spricht".
Spielplan des Stadttheaters Gießen vom 17. bis 23. Mai.
Am Pfingst-Montag, 17 Mai, findet eine Wiederholung des großen Erfolges „Der Etappenhase", Lustspiel aus der Kriegszeit, von Karl Bunje, statt. Spielleitung: Heinrich Hub. Die Vorstellung findet außer Miete statt. Anfang 20 Uhr, Ende 22.15 Uhr.
Dienstag, 18. Mai, Anfang 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr, zum letzten Male „Stille Gäste", Komödie von Richard Dillinger. Spielleitung: Wolfgang Kühne. Dienstag-Miete. 31. Vorstellung.
Mittwoch, 19. Mai. Anfang 19.30 Uhr, Ende 21.45 Uhr, „Der Etappenhase", Lustspiel von Bunje. Spielleitung: Heinrich Hub. Mittwoch-Miete. 32. Vorstellung.
Samstag, 22. Mai. Anfang 20 Uhr, Ende 22.15 Uhr, Theaterring der NSV.-Kulturqemeinde. Zum letzten Male. Abschiedsvorstellung für Paul Nieren und Heinz Rosenthal in „Der Etappen- Hase", Lustspiel von Bunje. Spielleitung: Heinrich Hub. Freier Kartenverkauf.
Sonntag, 23. Mai, Anfang 11.30 Uhr, Ende 12.30 Uhr. Letzte Morgenfeier. „Der Bürgergeneral", Lustspiel von Goethe. Spielleitung: Der Intendant. Für Platzmieter ist der Eintritt frei. — Anfang 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr, „Die Kleider meiner Frau", Lustspiel von Frank. Spielleitung: Der Intendant. Außer Miete.
AGKOB., Kameradschaft Rieften.
Arn 31. Juli und 1. August findet in Berlin das Frontsoldaten- und Kriegsopfer-Reichstreffen statt Die Reichsdienststelle beabsichtigt, nach der Großkundgebung einen Teilausschnitt der Olympischen Spiele zu zeigen. Fahrpreis für Sonderzug Frankfurt a. M. — Berlin und zurück beträgt 10,80 Mk Mitglieder, die sich an der Fahrt beteiligen wollen, bitten wir, sich bis spätestens 28. Mai auf unserer Geschäftsstelle, Bahnhofstraße 38, zu melden.
Hundertjahrfeier der Gießener Realanstalten.
Von der vierklassigen Provinzialrealschule zur sechsklassigen Großherzoglichen Realschule mit Vorschule.
Von Studienrat Dr.Wilhelm Heymann
solms, nachdem wir noch unseren aufrichtigen Dank für die freundliche Aufnahme und ausgezeichnete Verpflegung an die gastlichen Burginsassen ab» aestattet hatten. Erlebnisreiche Stunden auf Hohensolms haben das Band der Kameradschaft fester um Studenten und Dozenten geschmiedet. Singend und neu gestärkt ging es zurück zur Hochschule.
85 Jahre alt.
Mit drei Klassen und etwa 100 Schülern war die neue Schule ins Leben getreten. Der Unterrichtsplan nahm vor allem Rücksicht auf die Erfordernisse von Gewerbe und Handel. Sie ist bis in die 60er Jahre eine Anstalt geblieben, die mehr auf gute berufliche Ausbildung als auf allgemeine Bildung hinzielte. Schon im zweiten Schuljahr wurde die vierte Klasse aufgesetzt, und das ist die Form der Schule geblieben bis 1867.
Bald hatte sie das Gymnasium an Schülerzahl überflügelt, wenn sie auch von den damaligen Drei Provinzial-Realschulen in Hessen die kleinste war. Die Schüler unserer Schule stammten aus allen Ständen der Bevölkerung, vor allem aber waren es die Söhne von in Handel, Industrie und Gewerbe tätigen Vätern.
Doch bald setzte ein dauernder Rückgang in der Schülerzahl ein, so daß sogar das Weiterbestehen der Schule ernstlich gefährdet war. Eine noch stärker die Erfordernisse der gewerblichen und kaufmännischen Berufe betonende kleine Reform brachte nur vorübergehend Abhilfe. Die Gründe zu dieser unerwünschten Entwicklung waren einmal die ungünstige wirtschaftliche Lage Deutschlands von 1847 an, dann aber das unzureichende Schulgebäude, das Fehlen von Berechtigungen und zuletzt Anfeindungen gegen die neue Schulreform.
Die Besserung der wirtschaftlichen Lage zeitigte von 1852 an auch wieder steigende Schülerzahlen. So entschloß sich denn die Stadtbehörde, in der allmählich die Feindschaft gegen die neue Schulart aufgehört hatte, zur Errichtung eines neuen Schulgebäudes in der Südanlage, die heutige Stadt- kassenoerwaltung.
Der Einzug in die neue, von Stadtbaumeister Holzapfel errichtete und für damals vorzüglich aus- gestattete Schule fand in feierlichster Weise am 23. Oktober 1856 unter Teilnahme der staatlichen, kirchlichen und städtischen Behörden statt.
Für besonders mustergültig galt das an die Schule nach Angabe Dr. Ettlings, eines Schülers und Assistenten des Professors Liebig, angebaute Chemische Laboratorium. Von den ersten Lehrern war 1844 Dr. Müller als Professor der Physik an die Universität Freiburg berufen worden. Für ihn war Kandidat Theodor Tasche von Darmstadt der Schule zugewiesen worden, den Unterricht in Botanik erteilte nun Professor Dr. H. Hoffmann, der spätere Geheime Hofrat an der Universität. Am 20. Juni 1855 war der Direktor Prof. Dr. Braubach, der gleichzeitig a. o. Professor der Pädagogik an der Landesuniversität war, in den Ruhestand getreten. Zu seinem Nachfolger wurde der als Germanist bekannte seitherige zweite Lehrer Dr. Weigand ernannt. Als Nachfolger des 1856 verstorbenen Dr. Ettting wurde Dr. Otto Buchner, bedeutend in der Erforschung der Geschichte Gießens, berufen.
Der Lehrplan und der Aufbau der Schule blieb trotz all dieser personellen Aenderungen derselbe. Unverkennbar war aber mit den neuen Männern, zu denen 1857 noch Dr. Otto Bindewald kam, ein neuer frischer Geist in die Schule eingekehrt. In ganz besonderem Maße hob sich der chemische Unterricht, so daß den Schülern, die die Schule mit gutem Erfolg durchlaufen hatten, sogar ein beschränkter Zutritt zum chemischen Studium gestattet wurde. Im Jahre 1862 starb der seit Gründung an der Anstatt tätige, verdiente Dr. Hanstem und wurde durch Dr. Lips ersetzt.
Von der großen Mehrzahl aller dieser an der Realschule tätigen Lehrer läßt sich sagen, daß sie ausgeprägte Persönlichkeiten waren, von denen kaum einer etwa ein Schablonenmensch oder bloßer Stundenhalter gewesen ist. So verlief das Leben der Schule von dan an in ruhigen, durch erfolgreiches Arbeiten gekennzeichneten Bahnen bis zum Jahre 1866, das infolge der politischen Ereignisse
auch große schulische Neuerungen bringen sollte, vor allem den Ausbau unserer Schule zu einer sechs- klassigen Großherzoglichen Realschule.
Den äußeren Anlaß zu diesem Ausbau gab die nach dem Kriege abgeschlossene Militärkonoentton zwischen Preußen und Hessen, durch die die preußische Militärorganisation, vor allem die allgemeine Wehrpflicht, in Hessen eingeführt wurde. Jetzt setzte natürlich in den bisher von der Wehrpflicht verschonten Kreisen das Bestreben ein, die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst zu erwerben. Diese Berechtigung durften nach den preußischen Bestimmungen außer den Vollanstalten nur sechs- klassige Realschulen erteilen. Durch beträchtliche finanzielle Opfer der Stadt infolge des Aufbaues von zwei neuen Klassen war es möglich, daß am 27. 10. 1868 der Realschule die Berechtigung zuerkannt wurde, den Schülern, die erfolgreich die oberste (1.) Klasse durchlaufen hatten, die wissenschaftliche Befähigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst zuzuerkennen. Gleichzeitig war diesen Sckülern der Eintritt in eine ganze Anzahl von Leoensberufen, die sogenannten mittleren Laufbahnen, ermöglicht.
Von jetzt ab kann eigentlich erst die Existenzgrundlage unserer Realschule als gesichert betrachtet werden. Nun gab sie ihren Schülern auch ein gewisses Maß allgemeiner Bildung ohne Rücksicht auf den späteren Berus. Jetzt war auch zu erwarten, daß die Schüler bis zum Schluß in der Schule aushietten, statt nach der Konfirmation auszutreten. Ein jahrelang von der Leitung der Schule und der Lehrerschaft erstrebtes Ziel war erreicht. Allerdings mußte die Zahl der Lehrkräfte vermehrt werden: Es kamen an die Schule Dr. Landmann, Christian Albach, Jann und L. Seipp. Als Lehrer für das Turnen wurde Christian Rübsamen der Anstatt zugewiesen. Im Winter 1870/71 endlich wurde auch die Vorschule mit drei Klassen voll aus- gebaut.
Von den Ereignissen des ruhmreichen Krieges 1870/71 wurde die Schule, verglichen mit den tief» greifenden Einwirkungen des Weltkriegs, nur wenig erührt. Die 16jährigen Schüler der ersten Klasse kamen als Kriegsfreiwillige nicht in Betracht, von den Lehrern befand sich nur einer als Mitglied des Sanitätskorps auf dem Kriegsschauplatz. Die Turnhalle diente als Reservelazarett, so daß der Turnunterricht eingeschränkt bzw. eingestellt werden mußte.
Schon am 1. Juli 1868 war nach Berufung Weigands an die Universität Dr. Stein zum Direktor ernannt und Kantor Schwabe durch Kantor Steiner ersetzt worden.
Seit der Einrichtung der sechsklassigen Realschule mit ihren zahlreichen Berechtigungen war eine feste Grundlage geschaffen. Von 1868 bis 1874 stieg die Schülerzahl von 119 auf 456. Das Gebäude am Neuwegertor genügte bald nicht mehr, es mußte wieder ein Neubau ins Auge gefaßt werden. Bereitwillig ging die Stadtbehörde auf den Plan ein, die Regierung gab ihre Genehmigung, und im Oktober 1876 konnte die neue Schule in der Ludwig- straße, ein Werk der Stadtbaumeisters Stief, das heutige Realgymnasium, bezogen werden. Nun war Raum geschaffen für eine günstige Weiterentwicklung. Als Lehrer kamen neu hinzu Dr. Theisen, Spahmer, Dietz und Kahl.
Am 1. April 1877 trat der Direktor Dr. Stein, gewissermaßen der zweite Gründer der Schule, in den Ruhestand. Er durste, wie der spätere Direktor Nodnagel sagt, „mit dem Bewußtsein von ihr scheiden, daß sein Name mit ihrer Geschichte unauflöslich verknüpft sei, wenn ihn auch die Erfüllung seines Lieblingswunsches, der Ausbau seiner Schule zur Realschule erster Ordnung (Realgymnasium), nicht mehr im Amte finden sollte" Das war erst seinem Nachfolger Wilhelm Soldan beschieden.
Erneute Beschädigung eines Münzfernsprechers.
Täler auf frischer Tal gefaßt.
Die Kriminalpolizei bei der Polizeidirektion Gießen teilt uns mit:
Durch zerstörungssüchtige Elemente wurden immer und immer wieder die auf den Straßen und Plätzen der Stadt ausgestellten, der Allgemeinheit dienenden Münzfernsprecher in der schwersten Weise beschädigt und unbrauchbar gemacht. Der Deutschen Reichspost ist hierdurch schon erheblicher Schaden entstanden (Sachschaden und Ausfälle an Fernsprechgebühren). In früheren Polizeiberichten wurde bereits darauf hingewiesen und die Volksgenossen zur Mitfahndung ersucht. Alle lieber» wachungen waren seither erfolglos, da die Beschädigungen immer an einem anderen Apparat und zu den verschiedensten Zeiten vorkamen. Endlich ist es drei jungen Leuten in der Nacht zum 1. Mai gelungen, einen jungen Mann dabei zu überraschen, als er an dem Münzfernsprecher auf dem Lindenplatz den Hörer mit aller Gewalt von dem Apparat losriß. Um fein Vorhaben ausführen zu können, mußte er, da die Panzerschnur erheblichen Widerstand bot, seinen Fuß gegen die Zellenwand stemmen. Nachdem er von den Leuten gestellt worden war, versuchte er auszurücken. Er konnte aber alsbald eingeholt und der Polizei übergeben werden. Es handelt sich um den ledigen Dietrich Krauß, geboren am 9. November 1910 zu Stuttgart, wohnhaft in Gießen, Glaubrechtstraße 5. Don seiner Verhaftung wurde Abstand genommen, da er für die früheren Fälle nicht in Frage kommt. Er ist erst seit kurzer Zeit hier wohnhaft. Krauß wird eine empfindliche Strafe zu erwarten haben.
Lebrausftug in den Aerowefsswarü
Am Sonntagvormittag unternahm der Ortsring Gießen des Landschaftsbundes Volkstum und Heimat einen pflanzenkundlichen und Vogelstimmen- Lehrausflug in den Bergwerkswald, zu dem sich 60 Naturfreunde eingefunden hatten. Universitäts- Garteninspektor i. R. fR ebn eit führte in die verschwiegensten Winkel des Bergwerkswaldes, wo die Frühlingsplatterbse jetzt ihre rotblauen Blüten ent» faltet hat und der Türkenbund noch zahlreich sprießt. Die einsamen Tümpel voller Rohrkolben, umstanden von maifrischen Birken, boten prächtige landschaftliche Bilder. Dabei wurden die Zusam- menhänge zwischen geologischer Beschaffenheit des Badens und der Flora erläutert.
Dankbare Hörer fand auch Lehrer Häuser für bie Bestimmung der Voqelstimmen. Da tönte das Gezwitscher der Grasmücke in das Lied des Baumpiepers, der den Teilnehmern wiederholt seinen
Balzflug vormachte. Der Buchfink schmetterte fein Lied „vom Siebengebirg", und der Kuckuck ließ sich nicht nur hören, sondern zeigte sich auch in allernächster Nähe.
Theologie-Studenten sammeln neue Kraft zum Dienft.
Maiensonne und Maienpracht in Gottes freier Natur haben die Gießener Theologische Fachschaft vereint mit der Fakultät, unter Leitung des Fachschaftsleiters Lind, dieser Tage aus der Enge von Universität, Seminar und Stadt hinausgelockt.
Das „Bieberlieschen" brachte die wanderlustigen Theologen nach Bieber. Mit frohem Sang zogen Studenten und Dozenten durch das maienfrische Grün in Wald und Flur hinauf zur Jugendburg Hohensolms, von deren Geschichte und manch wertvollem kulturellen Besitz Professor Cordier ausführliche Kunde gab. Droben beim Flaggenappell gedachten sie in stiller Trauer des Luftschiffunglückes und seiner Opfer.
Das Problem der Willensfreiheit stand im Mittelpunkt der allgemeinen geistigen Beschäftigung im Rahmen, der Lagergemeinschaft. Als Gast der medizinischen Fakultät ergriff zuerst Professor Boe - n i n g das Wort zur besonderen Fragestellung: „Psychiatrisches und Psychotheraveutisches zum Freiheitsproblem". Mit Spanung folgten alle den Ausführungen, die durch viele Beispiele aus langjähriger Praxis belebt wurden.
Am nächsten Vormittag ergriff nach der Morgenandacht Professor Pfähler das Wort zum Thema: „Das Freiheitsproblem in der Erbcharakterkunde" Anschließend setzte eine lebhafte Aussprache wie beim ersten Referat ein und klärte manche sich im Laufe des Vortrags ergebende Frage.
Nach der Mittagsfreizeit, die das Band der Kameradschaft festtgte, brachte^ das Schlußreferat des Dekans der theol. Fakultät, Professor Haenchen: ..Willensfreiheit und Verantwortung vor Gott" die Abrunduna der bisherigen Ausführungen. Die Vielfalt des Freiheitsproblemes würde lebendig entfaltet und an der Heiligen Schrift und der reformatorischen Auslegung und Beurteilung dieses Problems überprüft An das Thema' schloß wieder eine Aussprache.
Nach der Arbeit folgte das Spiel „Der Nachtwächter" von Theodor Körner in aktueller Neubearbeitung eines Kameraden, das alle zum Lachen reifte. Eine Fülle köstlichen Humors sprudelte während des Kameradschaftsabends bei frohem Sang aus Studenten und Professoren. Am Sonntagmorgen vereinten sie sich mit der evgl. Kirchengemeinde Hohensolms zu gemeinsamem Gottesdienst, den ein Mitglied der Fakultät hielt. Nur allzu schnell schlug die Abschiedsstunde von Hohen
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Am heutigen Samstag, 15. Mai, begeht der stühere Schneidermeister Wilhelm S t u m p f, Am Nahrungsberg 37 wohnhaft, in körperlicher und geistiger Frische seinen 8 5. Geburtstag. Der alte Herr nimmt noch regen Anteil an allen Geschehnissen unserer Zeit. Das Bild zeigt den Jubilar im Garten.
Gießener Wochenmarktpreise.
* G i e ß e n , 15. Mai. Aus dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, Yi kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche.
RUHL Seltersweg Nr. 67
adlO Telephon Nr. 3170
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Klasse S 11, Klasse A 10^, Klasse B 10, Klasse C 9%, Klasse D 9, ungezeichnete 8, Enteneier 10 bis 11, Wirsing, Yi kg 15, neuer 25, Weißkraut 12 bis 15, Rotkraut 18 bis 20, gelbe Rüben, alte, 25 bis 30, neue, das Bündel 20 bis 60, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 15 bis 20, Römischkohl 12 bis 15, Spargel, 1 Sorte 55, 2. Sorte 50, Suppenspargel 25 bis 30, Unterkohlrabi 10 bis 12, Erbsen 30 bis 35, Tomaten 50 bis 60, Zwiebeln 14 bis 15, Meerrettich 60, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Rhabarber 10 bis 15, Kartoffeln, alte, Y kg 5 Pf., 5 kg 46 Pf., 50 kg 3,80 bis 3,95 Mark, neue, % kg 18 bis 20 Pf., Aepfel 45, Zwetfchenhonig 45 Pf., Hähne 1 bis 1,10 Mark, Suppenhühner 90 Pf. bis 1 Mark, Tauben, das Stück 50 bis 60 Pf., Blumenkohl 60 bis 70, Salat 15 bis 25, Salatgurken 50 Pf. bis 1 Mark, Oberkohlrabi 18 bis 20, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 30, Rettich, neue, 10 bis 25, Radieschen, das Bündel 10 bis 15 Pf.
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* * Fritz Walter an das Westfälische Landestheater verpflichtet. Aus dem Stadttheaterbüro wird uns mitgeteilt: Fritz Walter, Mitglied des Stadttheaters Gießen in der Spielzeit 1936/37, wurde für die Spielzeit 1937/38 an das Westfälische Landestheater in Bochum als Oberspielleiter des Schauspiels verpflichtet.
* * Maienblasen am heutigen Samstagabend ab 19 Uhr auf dem Turme derIohannes- kirche mit folgenden Darbietungen: 1 Choral „Wie groß ist des Allmächtgen Güte", I. A. Frey- linghaufen, Halle, 1704; 2 „Die Nacht", von Franz Abt; 3. „Das Mailüfterl", Volksweise, von Kreipl. Das Maienblasen am kommenden Mittwoch findet auf dem Turme der Stadtkirche statt.
** Hundertjahrfeier der Gießener Realan st alten. Die ehemaligen Schüler des Realgymnasiums und der Oberrealschule werden aufgefordert, ihre Anschriften den Schulleitungen einzusenden und dabei auch die Anschriften befreundeter Mitschüler anzugeben.
Große (Strafkammer Gießen.
Der schon vorbestrafte Adolf Eller aus Bergheim hatte sich geftern wegen Notzuchtversuchs vor der Großen Strafkammer zu verantworten. Der Angeklagte konnte der Tat einwandfrei überführt werden. Die Große Strafkammer verurteilte ihn wegen Notzuchtversuchs zu einer Gefängnisstrafe von 1 Jahr und 1 Monat und zu den Kosten des Verfahrens. Außerdem wurde der Angeklagte sofort in Haft genommen.
Amtsgericht Gießen.
Der A. Sch. aus Heuchelheim hatte einen Strafbefehl über 50 Mark, evtl 10 Tage Gefängnis, erhalten. weil er am 2. 6. 1936 feinen Kraftfahrer mit der Führung eines von ihm neu angeschafften Lastkraftwagens beauftragte, ohne daß dieser im Besitze des erforderlichen Führerscheins gewesen war. Gegen diesen Strafbefehl hatte der Angeklagte Ein- pruch eingelegt Die Einspruchsverhandlung ergab, daß der Angeklagte doch nicht so fahrlässig gehandelt hatte, wie man erst annehmen kannte Er hatte ich eingehend telephonisch bei dem Kreisamt Gießen erkundigt, daß infolge Mißverständnisses sich auf einen verkehrten Standpunkt gestellt und geglaubt, daß der Führerschein der Klasse IIL auch noch zur Führung eines Lastkraftwagens ausreichen würde. Das Gericht ermäßigte demzufolge die Strafe auf 20 Mark evtl. 4 Tage Gefängnis. Außerdem legte es dem Angeklagten die Kosten des Verfahrens auf.
Zwei junge Leute aus Bettenhausen hatten einen Strafbefehl über je 40 Mark, evtl. 8 Tage Haft, erhalten. weil sie am 9. 2. 1937 anläßlich einer Svinn- ftube beim Scherbenwerfen groben Unfug verübten, indem sie dem Landwirt, bei dem die Spinnftube abgehalten wurde, die Gartentüre und die Holz- schupventtire aushängten bzw. eindrückten. Wenn das Gericht auch die Sitte für angebracht hält, so sind die Angeklagten im vorliegenden Falle doch zu weit gegangen und mußten deshalb wegen groben Unfugs bestraft werden. Das Gericht ernannte auf Geldstrafen von 6 bzw. 3 Mark.


