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ür.in Drittes Blatt
Samstag. >5. Mai 1937
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Die Alistadifanierung in Gießen.
Eine doppelte Aufgabe und ihre Lösung: Wohnungs- und Verkehrssanierung.
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Die Altstadtsanierung zwischen der Schloßgasse, dem Kirchenplatz und der Marktlaubenstraße ist in erster Linie eine städtebauliche Aufgabe. Es konnte nicht das Ziel sein, die beiden jetzt vorhandenen Plätze, denKir- chenplatz und den Lindendenplatz. zu einem einzigen zu vereinigen, weil es zu keiner einheitlichen Gestaltung dieses Großplatzes gekommen wäre. Es mußte vielmehr an» gestrebt werden, den Lindenplatz als den Platz vor dem alten Walltor der ersten Stadtbefestigung und als Gegenstück zum Kreuzplatz zu erhalten.Andererseits mußte aus verkehrstechnischen Gründen der Engpaß am Einhorn unbedingt fallen. Die Schloßgasse war in der bereits durch frühere Bebauungspläne feft- ?elegten Breite durchzu- ühren. Im Interesse des einwandfreien Durchgangsverkehrs mußte
gleichzeitig eine möglichst gerade Durchführung der Walltorftraße vom Marktplatz ab angestrebt werden, damit auf größere Entfernung der Verkehr übersehen werden kann, was jetzt durch die Win- keligkeit der Straßenführung vollkommen ausgeschlossen ist. Aus diesem
Grunde wurde der jetzt 5,50 Meter breite Engpaß am Einhorn aus 15 Meter erweitert, und damit war die Grenze für die neue Bauflucht gegenüber der Stadtkirche gegeben.
Die bisherige Dreiecksform des Lindenplatzes, die zwar durch die Führung der alten Stadtmauer eine gewisse Berechtigung hatte, die aber aus städtebaulichen und verkehrstechnischen Gründen ungünstig ist, soll künftig fortfällen. Die Gesamtform des Platzes soll viereckig werden. Dadurch ergibt sich eine bessere Verkehrsabwicklung auf dem Lindenplatz selbst, b. h. es besteht die Möglichkeit, in dem neu entstehenden Winkel durch den Fortfall des früheren Heichelheimschen Hauses, das sich im Besitz der Stadt befindet, einen Parkplatz anzulegen. Die Zurücksetzung der neuen Bauflucht am Kirchenplatz soll weiter ermöglichen, vor der Stadtkirche die Der- kehrsverhältnisse wesentlich zu verbessern und eine einwandfreie Uebergangsmöglichkeit der Fußgänger über diesen Platz gewährleisten. Vielleicht wird es auch möglich sein, bei dieser Gelegenheit den Kirchenplatz selbst um etwa 40 bis 50 Zentimeter zu senken, um den jetzt dort vorhandenen Rücken zu beseitigen.
Es wird also mit der Durchführung dieses Projekts nicht nur eine Sanierung der Wohnungs- verhältnisse, sondern auch eine solche der Derkehrsverhältnisse in diesem Stadtgebiet erreicht, und zwar an einer Stelle, die bisher mit eine der gefährlichsten im ganzen inneren Stadtgebiet ist. Durch diese Doppelaufgabe und ihre Lösung hebt sich dieses Projekt von den bisher bekanntgewordenen Plänen ganz wesentlich ab Aus
diesem Grunde ist die Durchführung dieses Projektes besonders zu begrüßen, denn die Lösung dieser beiden Aufgaben ist im Laufe der letzten Jahre für unsere Stadt immer dringender geworden.
Das auf dem hier abgedruckten Lageplan schraffierte Gebiet stellt die künftige Form des Kirchenplatzes und des Lindenplatzes dar. Sie schließt an die bereits bestehende Front des Marktlaubengebäudes an, geht über den Kircheckplatz und die Schloßgasse entlang bis an das Hochstättersche Haus. Das mit einer schwarzen Linie eingefaßte, mit A (Abbruch) bezeichnete Gebiet ist das Abbruchsgelände, dessen schwarz umrissene Linie den jetzigen Zustand der Bebauung darstellt. Für die ausfallenden Wohnungen in den niederzulegenden Häusern wird an der Schloßgasse und anderweitig Wohnungsersatz geschaffen werden. Das große Gebäude gegenüber der Stadtkirche wird in seiner äußerlichen Gestaltung so durchgeführt, daß es sich in das bestehende Stadtbild in einwandfreier Weise einfügt.
Die Klebmarke
Mensch, Emil! Rur noch drei Stück, und ich Habs geschafft, dann ist das Ding voll!
Was denn, Kurt? Die Altmaterialkiste?
Ach Quatsch! Um die dreht es sich jetzt nicht, ich meine die KdF.-Sparkarte für unser Sommerlager.
Sparkarte? Sommerlager? Das weiß ich ja gar nicht.
Na, du tust ja gerade, als wenn du Neupimpf wärst, der vom Tuten und Blasen keine Ahnung
hat. Durch die Sparkarte kann ich doch dieses Jahr wieder mit ins Zeltlager, oder glaubst du vielleicht, mein alter Herr könnte mir so glatterdings die sechs Mark auf den Tisch legen?
Nee, meiner auch nicht. Aber wie machst du denn das?
Ganz einfach! Ich spare mir immer 50 Pfennig zusammen, wie, das ist jedermanns eigene Sache — Ginstersammlung, Altmaterial, altes Papier — ab und zu machen sich auch kleine Besorgungen bezahlt. Na ja, als Pfimpf weiß man ja auch genug Mittel und Wege, und für die 50 Pfennig hole ich mir bei der Sparkasse immer eine Marke und die klebe ich dann in die Reisesparkarte hinein. Ja, siehst du, und jetzt brauche ich nur noch drei Stück, und das Zeltlager ist wieder gesichert.
Mensch, ich könnte mich ohrfeigen? Daß ich da nicht früher dran gedacht habe! Kurt? Geht in Ordnung! Morgen fange auch ich an zu sparen.
Klar, Emil! Und im Zeltlager sehen wir uns wieder!
Hitler-Zugend Bann 116 Gießen
Pressestelle.
Dien st befehl: Die Gefolgschaftsführer und Führer der Sondereinheiten veranlassen, daß bis spätestens Samstag, 22. Mai, ein Bericht über die Pfingstfahrt in doppelter Ausfertigung, möglichst mit Bildern, an die Pressestelle des Bannes gelangt.
Aus der Stadt Gießen,
„pfingstlümmel' und „Maibraui".
Gar mannigfaltig sind die Bräuche, mit denen die lieblichen Pfingsten sich schmücken. Greisen wir heute einen von ihnen heraus, der zweifellos schon sehr alt ist und wohl seinen Ursprung herleitet aus dem Bestreben, den Mai und seinen Segen dem Dorfe zuzuführen, ja vielleicht die Verkörperung des Frühlings selbst fein will.
Heute ist bei diesen Pfingstumzügen die Hauptsache das Einsammeln von Gaben, jedoch unter Beibehaltung der alten Bräuche. Oft durch ein Wettrennen wird die Hauptperson des Zuges bestimmt, ebenso wie die Reihenfolge der Begleiter. Der siegreiche Bursche führt je nach den Gegenden verschiedene Namen wie: Pfingstlümmel, Pfingstbutz, Pfingstkääm, Pfingstpflitteri, Pfingstquak, Pfingst- dreck, Maikönig, Laubmännchen, Wasservogel, Fischermeier, Schnak, Fustenmeier und andere mehr. Er wird fast immer ganz in Blumen, Laub und anderes Grün gehüllt und dann als „Maikönig" umhergeführt, zu Fuß oder zu Pferd.
Im Budweiser Kreis wird er in einem Schlitten zum Dorfplatz gefahren, in Fischbeck setzt man den „Pfingstbötel" gar auf einen Schubkarren: im Wagen thronen der schlesische „Rauchfieß", der „Pfingstdreck" in Wasenweiler, der „Pfingstlümmel" in der Gegend von Ansbach, in Pfaffenheim werden dem Wagen des „Pfingstpflitteri" zwei Esel vorgespannt, in der Gegend von Wittstock kommt er auf einem Esel angeritten, bei Merseburg fahren alle „Pfingstbuckschen^ auf bekränzten Lastwagen durch die Gassen. Die Begleiter des „Maikönigs" tragen Peitschen, Kuhglocken und Klingeln, mit denen sie einen Höllenlärm vollsühren, im Braunschweigischen klopfen sie mit großen Eisenstücken auf die mitgeführten Sensen. Im Schwarzwald wird der „Pfingstlümmel" selbst vorn und hinten mit Kuhglocken behängt, der „Schnak" in Laufenselden trägt eine Schelle am rechten Bein, in Thüringen läutet ein Glöckchen an der Krone des „Maikönigs"; im Kreis Gebweiler ist das Gewand des „Pfingstpflitteri" über und über mit Schneckenhäusern bedeckt und der „wilde Mann^ in Marling bei Meran trägt Ketten aus rasselnden Schneckenschalen.
Möglicherweise deutet auf die geheimnisvoll zauberhafte Herkunft des „Pfingstlümmels" die oft geübte Sitte des Verbergens und Suchens hin. So wird z. B. in thüringischen Dörfern der „Maikönig" mit einem Laubgestell umgeben und dann im Busch versteckt. Hier wird er gesucht und im Triumph durchs Dors geführt, zum Amtmann, zum Pfarrer usw., die nun raten müssen, wer unter der Hülle steckt. Raten sie falsch, so müssen sie zur Strafe Bier und dergleichen spenden. Im Hannöverschen darf der in sieben Laubröcke gekleidete „Fischermeier" beim Umzug kein Wort sprechen und muß völlig unerkannt bleiben, ebenso im Boldecker und Knesebecker Land.
In anderen Gegenden wird der „Pfingstlümmel" von seinen Begleitern überall oorgestellt, häufig mit einem Spruch, der sich nicht selten zu einer Art von dramatischem Wechselgespräch entwickelt, wobei dann die verschiedenen Sprüche auf die einzelnen Teilnehmer, die verschiedene Rollen verkörpern, verteilt werden.
Noch eine andere Sitte wird bei diesen Umzügen vielfach geübt, die vielleicht als alter Regenoder Fruchtbarkeitszauber aufzufassen ist: der bedauernswerte „Pfingstlümmel" wird zum Schluß in einen Teich, Fluß oder Brunnen getaucht — im unreine Uaiift'x
yfingstlied in der He de.
Vr»n Bruno Tleliffen-Haken.
Sieben Birken, Sieben Föhren, Machandel sieben an der Zahl: Siebenmal — Ach, siebenmal Hat er mit mir, Hat er mit mir So sehr getanzt ...!
Westenwinde Täten wehen. Und die Fluren standen kahl: Siebenmal — Ach, siebenmal Hat er mich doch, Hat er mich doch So sehr geküßt ...!
Sieben Jahre Die vergehen, Gehen hin als wie der Wind: Ach, die Winde, Wie sie wehen: Sieben Jahr, Ach, siebenmal Ach, wie geschwind ...!
Deronügliches Fest.
Kon Otto Gnielin
Ein vergnügliches Pfingstfest konnte im Jahre 19?2 wider alles Erwarten ein armer Student feiern, der einige Tage zuvor mit dem Personenzug von Köln nach Hagen fuhr. Damals war, wie man weiß, das linksrheinische Deutschland samt einigen rechtsrheinischen Brückenköpfen von feindlichem Militär besetzt, und es war die Zeit, wo die deutsche Mark schon keinen Hosenknopf mehr wert war und keiner von heute auf morgen Voraussagen konnte, ob er sich für einen Millionenschein noch einen Apfel und ein Ei werde erstehen können. Daß unter solchen Umständen ein armer Schlucker wie genannter Student es war — denn sein Vater mar nichts weiter als ein mittlerer Beamter und es waren nod/ eine Schwester und ein Bruder da —, nicht auf Rosen gebettet war, und von der alten Burschenherrlichkeit'vergangener Zeiten wenig zu fühlen bekam, kann man sich denken. Da er nun wußte, daß das Studium aus des Vaters Taschen
nicht mehr lange werde weitergehen können, tat er, was auch andere taten, er suchte für die Herbstferien nach einer Arbeitsstelle in einer Fabrik. Es gab sich, daß ein Hagener Werk ihn einstellen wollte, vorausgesetzt, daß er kräftig genug fei, und dies war ihm gerade recht, denn nur wenige Minuten Bahnfahrt weiter war er zu Hause. Er meldete also, daß er sich kurz vor Pfingsten wunschgemäß dort oorfteUen werde, um endgültig alles abzumachen und schrieb nach Hause, daß er über Pfingsten kommen werde.
Freitag vor Pfingsten setzte er sich auf die Bahn wohlgemut und zuversichtlich, wie eben nur ein frischer junger Bursche sein kann, und einer der noch keine goldenen Tage gesehen hat, und ylso noch unentwegt darauf hoffen kann. Schließlich hatte er Grund, guter Stimmung zu fein, denn erstens würde er sich in der Fabrik gut einführen, zweitens würde er für ein paar Tage kein französisches Militär sehen, drittens würde er die Eltern und Geschwister wiedersehen, viertens würde er bei Muttern gut zu essen kriegen, fünftens war er gesund, und sechstens war obendrein schönes Wetter, und die grüne und blühende Landschaft in der Sonne, die vor den Fenstern des Zuges vorbeiflog, hätte allein schon genügt, das Leben gut und heiter zu machen
Nun gab es aber zu jener Zeit in Deutschland außer den armen Schluckern wie unter Studiosus und seine Angehörigen auch noch solche, denen das ganze tolle Blendwerk der Markentwertung und die hohen Zahlen in den Kopf gestiegen waren und die der Meinung waren, es fei jetzt endlich der Augenblick gekommen, wo sie den Schlaraffentraum ihres Lebens verwirklichen und ohne Arbeit reich werden könnten. Man brauchte nämlich nur ein wenig Schlauheit und Gewissenlosigkeit, so war es nicht' schwer, im besetzten Gebiet durch allerlei Schleichwege an Franken und Dollar zu kommen. Hatte man sich davon ein Päckchen errafft, so setzte man sich in einen Zug und fuhr ins unbesetzte Gebiet, wo man einige Tage fnäter schon das Dov- pelte ober Dreifache an beutscher Mark bekam, von bem, was man barür bezahlt batte. Fuhr man mit biefem Betrag wieder ins Besatzungsgebiet, so konnte man, weil hier bie Entwertung nicht Schritt hielt, bas Spiel wieberholen und es schien, als könne man so durch unaufhörliches Hin- und Her- fahren ein reicher Mann werden Es war nur eine Schwierigkeit dabei: Dann und wann kam ein französischer Beamter an der Grenze der besetzten Zone in den Zug, und gelegentlich wurde ein verdächtiger Reisender herausgeholt, sein Betrag, wenn er einen hatte, ihm abgenommen und er selber eingelocht oder ausgewiesen, denn so wollte die Be
satzungsbehörde den Schein erwecken, als sorge sie für Ordnung.
Der Zufall wollte es aber, daß im Gedränge des Zuges neben dem genannten armen Studiosus ein solcher Ehrenmann stand, der in seiner inneren Rocktasche ein Mäppchen gespickt voll mit Dollarscheinen, Pfunden und Franken hatte. Als sie nun an der Grenzstation anhielten und wirklich französische Beamte den Zug betraten, voraus ein kleiner, untersetzter Herr in praller Uniform mit einem scharfen Blick, den er, wie wenn er schon wisse, wen er suche, über bie Reisenben hinspazieren ließ, ba bekam es der Ehemann mit der Angst. Er schob unauffällig seine Hand in die Tasche, holte sein Mäppchen heraus und ließ es auf die Erde fallen, ehe noch der Franzose ihnen nahegekommen war. Unglücklicherweise hatte aber ein anderer Reisender dies gesehen, hob es auf und gab es dem Eigentümer zurück mit der Bemerkung, er habe es verloren. Der behielt es in der Hand und da ihm der Schrecken schon an der Kehle würgte, steckte er es, als der Franzose sich näherte, seinem Nebenmann, dem Studiosus, in die seitliche äußere Rocktasche, ohne daß dieser es merkte; denn sie standen wie die Zündhölzer nebeneinander. Der Student ahnte nicht, in welcher Gefahr er sich befand, als er dem Franzmann seinen Personalausweis vorzeigte. Seine Aufmerksamkeit wurde gleich auf den Mann nebenan gelenkt, dessen Papiere der Beamte mit grimmiger Genauigkeit prüfte, um schließlich, nachdem er mit seinem Begleiter einige französische Worte gewechselt hatte, ihn aufzufordern, mit herauszukommen zur Untersuchung. Er war auch noch nicht zurück, als der Zug sich wieder in Bewegung setzte: der Studiosus hatte bald die ganze Sache vergessen und war guter Dinge, daß er nun wieder im freien deutschen Land war. Er ahnte auch nicht, welchen Reichtum er bei sich trug, begab sich in Hagen zum Büro des Werks, wurde, wiewohl man meinte, besonders kräftig sehe er ja nun nicht gerade aus, mit einem wohlwollenden Kopfschütteln für 1. August angenommen und spazierte vor sich hinmeifenb durch die Stadt, um für seine fDhit^r möglich noch irgend etwas zu erstehen. Er hatte sich nämlich feine Barschaft bis auf den Pfennig eingeteilt und hielt es für feine Pflicht, zu den Unkosten feines Pfingftbefuches etwas beizutragen. Wie er nun in die Hosentasche griff, um sich seiner ärmlichen Reichtümer zu versichern, bemerkte er, daß etwas in seiner Rocktasche steckte, und er zog das Mäppchen heraus. Staunend öffnete er es und hatte kaum einen Blick und einen Griff hineingetan und sich der Wirklichkeit dieser Schätze versichert, als er es auch schon wieder zuschlug und eiligst wegsteckte. Das Blut stieg ihm zu Kopf, und
er grübelte darüber, wie es in seine Tasche käme und wer der Eigentümer fei. Während er den Weg aus der Stadt hinaus und den Berg hinauf einschlug, kam er auch auf den richtigen Gedanken. Durchs junge Grün und die strahlende Sommerwelt wandernd, erwog er, ob und wie er dem Eigentümer, von dem er weder Name noch Wohnort wußte, fein Geld wieder zustellen könne, aber er konnte sich seine Freude darüber -nicht verhehlen, daß diese Rückgabe unmöglich war. Schließlich auf einer Bank in der Sonne sitzend, merkte er, daß er schon in Gedanken überschlagen hatte, was sich mit diesen Scheinen alles würde anfangen lassen. Er holte das Mäppchen hervor und, während die Vögel um ihn zwitscherten, zählte er die fremdländischen Papiere und staunte über den Schatz, der bei seinen eignen bescheidenen Ansprüchen gut und gern ein Semester Studium bestreiten konnte. Da er nun den Eigentümer doch nicht mehr finden konnte und da auch am Fundbüro mit den Scheinen niemand geholfen sein würde, so sagte er sich, daß es nun einmal ein Geschenk des Schicksals sei und daß alles in Ordnung sei, wenn er nur selber jetzt nutzbringend und sinngemäß mit den Reichtümern verfahre. Nachdem er sich so im reinen war, machte er sich auf den Weg zur Stadt zurück, wechselte auf einer Bank einen Dollarschein und kaufte ein: Schwarze Kirschen und rote Erdbeeren, Wurst und Butter, ein Paar Strümpfe für die Schwester, einen Schlips für den Bruder, Zigarren für den Vater und Blumen für die Mutter und hatte immer noch Geld übrig, nur keinen Platz mehr im Koffer. Vor dem Bahnbof stand ein Kriegsblinder mit einem Hund; dem steckte er noch einen Dollarschein in die Büchse und dann fuhr er nach Hause. — Man kann sich leicht denken, daß es da ein fröhliches Pfingstfest gab, denn es kommt nicht oft vor, daß das Schicksal das bekanntlich blind ist, bei feinen Streichen der ausgleichenden Gerechtigkeit unter den Arm greift.
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— Das Maiheft der Zeitschrift „Mutter und Kind" (Verlag Elwin Staude, Berlin W 30) bietet der jungen Mutter, der Säuglingspflegerin, der Kindergärtnerin usw. wieder viel Interessantes und Lehrreiches. Unter anderem gibt Dr Irma Hist - Schnierer eine ausgezeichnete Darstellung über die wichtigsten Regungen des Menschen vom 1 bis zum 12 Monat. Reizende Bilder veranschaulichen diesen Text. Auch die übrigen Beiträge wie „Mutters Gedukdprobe", „Das Pferdchen", „Mutter spielt mit uns", „Erstes Lächeln", enthalten manche Anregung.


