Einzelbild herunterladen

!lr.M Erstez Blatt

6r)d)etro ttigltd), außei Sonntags and feiertags Setlagen; Die □Uu|triert« Vietzenei Familien blättei Heimat im Bild Die Scholle

aionat$=Bc3ugsprets;

Dill 4 Beilagen NNT 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen pon einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt

zernfprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach­richten Anzeiger (Heften

Postscheckkonto:

^ranffurt am Main 11686

187. Jahrgang

Samstag, 15. Mai 1957

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Oruifi und Verlag: Srühl'sche UniveriilSks-Such- und Sleindruckerel «.Lange In Stehen. Schristlettung und GeschSstsftelle: Schulftrahe 7

Annahme von Anzeige» für die Miltagsnummer bis8'/.UHr des Vormittags

Grnndpretfe für 1 mm höhe

für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Npf., für Text­anzeigen von 70mm Breite 50 Npf..Platzvorschrift nach vorh Dereinbg.25°/ mehr.

ErmSfttgte Grundpreise:

Stellen;, Vereins-, gemein­nützige Anzeigen sowie ein- spaltige Gelegenheitsanzei­gen 5 Npf, Familienanzei- gen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B

pfingsiseuer.

Von Maria Schneider.

Als Johannes seiner Gemeinde Buße und Reini­gung bot, rief er prophetisch aus:Ich taufe euch mit Wasser ... der aber nach mir kommt, ist star­ker denn ich ... Der wird euch taufen mit dem Heiligen Geist und mit Feuer!"

In diesem Wort des Täufers enthüllt sich der tiefste Sinn des Pfingstfestes und ferner ewig ver- jmgenden Kraft... Denn wo immer sich der Mensch fltöpferischen Ergießungen hingibt, da empfängt er die feurige Taufe. Das Pfingstfest beschließt die Kette der hohen christlichen Feiertage. Darüber hinaus kann es keine Steigerung geben. Wenn im Symbol der Weihnacht der Herabstieg des Lichtes in den Leib eines Kindes geschaut wird, vor dem Weise und Wirten andachtsvoll knien fromme Menschen, denen das Göttliche von außen her er­scheint so entzündet sich im Wunder der Pfing- strn in den Seelen der Reifergewordenen selbst die Flamme, welche der Geist ist.

Diese Feuer hat gebrannt ohne Beginnen und wrd noch immer brennen ohne Ende", sagt die Äonne Mechthild von Magdeburg tmFließenden Lcht der Gottheit". Sie spricht hierdurch ein Wissen über die Bedeutung des Feuers aus, das schon Jihrtausende vor dem Erscheinen des Christentums ßrunbelement fast aller höher entwickelten Religio­nen war. Denn wohin wir auch den Blick lenken im unendlich erweiterten Forschungsgebiet der Mysterienweisheiten und Götterkulte überall trifft er auf das heilige Feuer, die lebenzeugende Kraft, die bald aus der'Hand eines Gottes als Blitz geschleudert wird, bald als Funke von der Ewigen fylamme hermederfällt, um von Priestern auf- gerangen und in nieerlöschenden Lampen ober auf immer brennenben Altären gehütet zu werben

Feuer ist bas Urphänomen fast aller kultischen Handlungen. Erkennen, wie bie Menschen bas Feuer ersehen aufsteigenb vom furchtsamen Erahnen einer schöpferischen unb zerstörerischen Kraft dis zum Begreifen, baß bas materiell brennenbe Feuer nur ein irdisches Abbilb bes geistigen Feuers ist icrin besteht bas eigentliche Problem, welches jeher Rlligionssorschung zugrunbe liegt'

Die älteste Kunde von dem Sakrament des Lichts tommt aus dem Iran. Der Ur-Zarathustra, der um 6(00 v. Ehr. gelebt hat, ist der geheimnisvolle @rünber der Sonnenreligion der Parsen, die dann Mischen dem zweiten und ersten Jahrtausend in der Heiligen Schrift des sogenannten zweiten Zara- thlstra, im: Zend-Avesta einen Niederschlag fand, den tiefschürfende Gelehrsamkeit unserer Epoche und intuitives Ahnen zu entziffern und zu deuten ver- Wchten! In dieser urarischen Religion des Zara­thustra ist der Begriff des Feuers schon zu einer Hhe gesteigert, die das Geheimnis der Pfingst- botfchaft an'die Jünger Jesu vorauszuahnen scheint.

Durch des Feuers Wirken nahen wir dir zuerst, Dir, Meister der Weisheit, Herr des Lebens, Dir durch deinen heiligen Geist, der tm Feuer waltet! Es ist überwältigend, hier ganz wie in der Apostelgeschichte denheiligen Geist" im Symbol der Flamme als Mittler zwischen Gott und Mensch zu finden!

Und weiter wandert das Feuermysterium. Wir treffen es bei den Rischis im ältesten Indien und in Aegypten beim Kult des Osiris. Es leuchtet aus dem brennenden Busch, in welchem der Herr zu Moses spricht. Es lodert auf den Altären der Inka, deren sprachebildendes Ursymbol es ist. Es ist die Kraft die von oben kommt als materielles Feuer im Blitz und als geistiges Feuer im Wort. Es ist gleicherweise die Opferflamme, die der Gott­heit entzündet wird und seelisch gesteigert! dts Gebet, das im Herzen des Menschen glüht. Bei den Griechen ist es Heraklit, der am tiefinnigsten das Feuer deutete, indem er lehrte, daß alles, was ist, aus ihm entstand. Die übrigen drei Elemente: das Feste, das Müssige und das Aetherische sind nur Verwandlungen des feurigen Urelements.

Als das Christentum 500 Jahre später die antike Kultur ablöst und seine neuen Gedanken ausbreitet, wächst auch hier aus dem Mysterium des Feuers ein hohes Fest: die Ausgießung des Heiligen Gei­stes, der sich in Flammen auf die Häupter der Gläubigen niederläßt. Aber nun kommt eine neue Bedeutung hinzu! Aus Flammen werden Zungen' Der Geist redet. Man schaut ihn nicht allein, man hört ihn auch! Man vernimmt mit Schrecken denn alles Nichtgekannte schreckt zunächst daß diese Feuerzungen eine Sprache reden, die alle Lauschenden verstehen, mögen sie nun Griechen oder Hebräer, Kappadozier ober Römer fein. Denn bie= fes christliche Feuer, bas berHeilige Geist" ober berTröster" genannt wirb, hat Gewalt, zu allen Menschen zu reben unb von allen Völkern ver­stauben zu werben

Das Pfingstfest es heißt auf griechisch: Pente- fofte und bedeutet die fünfzig Tage, die nach dem Osterfest vergangen sind wurde 305 auf dem» Konzil zu Elvira in Spanien zu einem ersten Feier­tag erhoben, ja, es bedeutet eigentlich die Begrün­dung ber christlichen Kirche. Außerhalb biefer pflegten besonders bie Gllostiker den Gedanken des Lichtreiches", und ganz verinnerlicht taucht er auf in Meister Eckeharts Schriften im dreizehnten Jahrhundert und bei feinen Nachfolgern bis zu Ja­kob Böhme im sechzehnten und bei Angelus S i l e s i u s im siebzehnten Jahrhundert. Wie tief, wie ganz nach innen gerichtet ist die Vorstellung des Feuers bei Meister Ecke hart, wenn er sagt: In dieser Geburt ergießt sich Gott dermaßen mit Licht in die Seele, daß es herausdrängt und über­fließt in die Kräfte und sogar in den äußeren Menschen"

So hat nur noch ein deutscher Dichter den Licht­erguß empfunden ich denke an Friedrich von Hardenberg, ber sich Novalis nannte. Man könnte meinen, baß ber Dichter, welcher bieHym­nen an bie Nacht" schrieb unb sich bewußt dem Tagesgestirn abwandte, den Schoß des ewigen Dunkels inbrünstig suchend, nicht als Verehrer des Feuergeistes zu nennen sei. Aber taucht er nicht nur hinab in die Gründe des Lichtlosen, um wieder hinaufzusteigen in die Region der Sonne? Voll­zieht sich nicht die Doppelbewegung Abstieg und Ausstieg des göttlichen Funkens in Novalis' eigener Seele? ja, ist er nicht selbst diese Bewe­gung geworden?

Getrost, das Leben schreitet Zum ew'gen Leben hin. Von innerer Glut geweitet Verklärt sich unser Sinn.

Die Sternwelt wird zerstießen

Wie goldner Lebenswein, Wir werden sie genießen Und lichte Sterne sein.

Hingebend zart ist die Jünglingsgottesliebe des No­valis. Aber dröhnend mit Posaunenton fordert der große Mystiker unserer Epoche das Bekenntnis zum Feuersakrament, das ist: Das Bekenntnis zum Geist! Stefan George hat oft die Flamme besungen. Er kennt ihren Segen. Er kennt auch ihre Gefahr. Er weiß um ihre erwärmende Güte und um ihre verzehrende Glut. Er fürchtet sie nicht. Er beugt sich ihrer Forderung. ImSiebenten Ring" heißt es in dem GedichtFlammen":

Was oft und weither euch als Hauch betroffen, Schwoll von den gleichen unb geheimen Stoffen, Durch bie ihr brennt - ber Herr ber Fackeln fpricht's - Unb so ihr euch verzehrt, seib ihr voll Lichts!

Schmücket das Fest mit Maien!

Schmücket bas Fest mit Maien, Laßt uns Blumen streun, zündet Opfer an!"

So ruft uns das Fest zu. das uns diesmal erst richtig den Frühling gebracht hat, ber so lange auf sich hat warten lassen. Aber nun ist endlich Pfing­sten, dasliebliche Fest" gekommen. Der Lenz hat seine Siegespforten aufgetan und mit der Pfingst- jonne leuchtenden Strahlen wandern seine lachenden Boten über die Erde, überall, wohin sie kommen, ausbreitend ein schimmernd Gewand von Licht und Leben, Leuchten und Sonnenglanz. Helle Freude und Freundlichkeit begleitet sie. Ueberall leuchtets in allen Farben und Blüten, duftets in allen Wohl­gerüchen von Veilchen und Maiglöckchen, Flieder und Akazienblüte. Und die kleinen Sänger fingen und jubilieren in allen Stimmen und Tonarten, aus allen Büschen und Hecken schattts und tönte wie eine einzige große Sinfonie der Freude und des Lebens. Ein Meer von Licht und Leben und Liebe hat Gott über feine Erde wieder ausgefchüttet.

Ungebändigt, kreuz und quer über alle Pfade her, schießen blütenschwere Zweige, daß ihm jedes Haupt sich neige. Lenz, wer kann dir widerstehn?"

Warum kann ihm niemand widerstehn? Weil er auch in uns f e I b ft seinen Einzug halten will! Weil er auch den Menschenkindern die Seele füllen will mit neuem Lebensmut und neuer Lebensfreude und Lebenskraft, so daß des grauen Alltags Leid versinkt unter der Jneinanderstut von Natur und Seele. Die Freude feiert ihr hohes Fest. Und das ist gewiß schon etwas Herrliches und Wunderbares, was uns diese Festtage bieten: *bie Freude! Denn Freude ist ein Lebensbedürfnis, eine Lebenskraft, ein Lebenswert für uns. Jeder Mensch hat ein Ver­

langen und auch ein Anrecht auf Freude. Sie ist gleich unentbehrlich für die körperliche wie für die geistige Gesundheit und das innerste, seelische Leben. Ohne Freude kann kein Mensch leben, auch der beste und frömmste nicht. Und Pfingsten ist das freudigste Fest, das Fest der Lebensfreude. Wenn das Menschenherz hundert Tore hätte wie jenes sagenhafte Theben, so müßte man sie jetzt alle auf­tun und die Freude hereinlassen.

Aber über aller Schöheit und Freude der Natur wollen wir doch nicht vergessen, daß gerade dieses Hochfest der Natur sich im Pfingstfest noch einen anderen tieferen Sinn gegeben hat, und daß hinter all jener Freude, wie sie der Frühling bringt, noch eine andere, höhere Freude steht, die Freude an den heiligen Gottesgeist! Mitten hinein in die Freu­denhymnen von Natur und Menschenherz strömt diese andere, größere Freude. Dieserfreudige Geist", wie ihn einst jene ersten Jünger empfingen und von ihm erfüllt wurden mit neuer, unerschöpf­licher Kraft zum Leben und zum Schaffen. Und wie auch wir ihn brauchen, damit unsere von manchem schweren Schicksal niedergebeugten Seelen wieder frei und freudig werden für das Walten und Wir­ken des schöpferischen Gottesgeistes. Auch in unserer Seele tiefem Wundergarten will es lenzen und blühen durch den Pfingstgeist neuen Lebens.

Und überall, wo Menschen sich hinaussehnen über den bloßen Naturgeist und Naturfrühling zu einem Frühling des Geistes und innerer Neuwerdung, da wird ihnen auch die Lenzespracht da draußen zum Verkünder einer höheren Geistesmacht und Schöpferkraft. Da legt sich ihnen die Bitte auf die Lippen um den heiligen Schöpfergeist Gottes. Komm, Heiliger Geist, erfüll' mit deiner Gnaden Gut deiner Gläubigen Herz, Mut und Sinn." Das ist erst die wahre und volle Psingstfreude, die auch durch Trauer und Schmerz hindurch die innere Freude weckt. Dieser wahre Pfingstgeist hat schon oft genug arme und niedergeschlagene Menschen zu

M

B

M

L W

- ' 4

Unser Bild (Aufnahme: Hans Retzlaff, Berlin- ^arlottenburg) zeigt einen Pfingstumzug, wie ihn iie Kinder in den Dörfern der Schwalm am Briten Pfingstnachmittag zu veranstalten pflegen. Hin Knabe ist von Kopf bis zu den Fußen in grünes Laub eingebunden und wird von den anderen als

i n g ft m ä n n d) e n" durchs Dorf geführt. Die

Mädchen haben aus Seidenbändern einenP fingst- bügel" gefertigt, zu dem auf einem Weidengestell ein rotes Halstuch gespannt und mit seidenen Bän­dern gesteckt wird. Die Spitze frönt ein Blumen­strauß. Die Kinder ziehen singend von Haus zu Haus und sammeln in mitgebrachten Körben Eier und Kuchen, die sie nach beendigtem Umzug verzehren.

Sie tragen blendend weiße Strümpfe, Schürzen und Miederarmei, rote Seidenkappen und goldblitzende Strumpfbänder. Aus uralten Wurzeln erwachsen, stellt diese Frühlingsfeier mit dem gemeinsamen Mahl der Kinder noch heute ein schönes Stück dörf­licher Jugendgemeinschaft dar.

neuer Freude erhoben und zerbrochenen Herzen wieder Trost und Mut geschenkt. Was ist selbst all das Blühen und Leuchten und Freuen da draußen gegen eine solche herrliche, unbegreiflich große Got­teskraft, den Heiligen Geist! Das ist der schönste und herrlichste Lebensfrühling, wenn ein Menschen­herz wieder erwacht zur Freude des Lebens und des Geistes! Oder gar ein ganzes Volk!

So kommt er auch heute noch über die Menschen und Völker, wenn die Zeit erfüllet ist So ist er über unser Volk gekommen mit seiner nep- schaffenden Geistesgewalt und hat neues Leben ge­bracht.Ein neuer Geist hat das deutsche Volk er­füllt, hat es erweckt zu neuem Leben und ihm die Kraft geschenkt zu Werken der Arbeit und zu Leistungen auf allen Gebieten einer neuen Volks­gestaltung, die bewunderungswürdig sind." So hat unser Führer mit Dank gegen Gott sagen können!

Und es ist wahr: Sin neuer Geist ist über unser Volk gekommen im Vergleich zu dem Geist, der es lange Zeit hindurch beherrscht und geknechtet hatte. Und wir können es nicht anders verstehen und erklären als ein Kommen, ein Hereinbrechen des Gottesgeistes über unseren Menschenqeist, wie ihn kaum ein anderes Volk der Welt so stark und mächtig erlebt hat. Und nicht bloß der einzelne, sondern das ganze Volk, indem es den Heiligen Geist der Ordnung und der Zucht und bes Gehor­sams, den Geist des Friedens, der Liebe und der Einigkeit aufgenommen hat Ein Volk, von dem es auch'heißt, wie in der Pfingstgeschichte:Sie waren alle einmütig beieinander".

So sollen und wollen wir denn auch dies Fest des Geistes wirklich geistig verstehen und begehen. Nicht bloß als Naturfest ober Feier bes Menschen­geistes, sondern als das, was es ist und sein will: Fe st des Heiligen Gei st es, aus dem auch unser Geist lebt und strebt. Und das ist dieses Festes größter und herrlichster Freudensegen, wenn es so auch zu jedem unter uns kommen und sein Herz froh und fröhlich machen kann.

Ja, darauf fommts an, daß wir unsere Herzen und Seelen füllen lassen mit den Himmelskräften, die uns kein irdischer Geist zu geben vermag. Nehmet hin den Heiligen Geist so heißt die innere Bot­schaft dieser Pfingsten. Mitten in allem Ungeist und Jrrgeist, der noch in der Welt ist und sie immer wieder durcheinander bringt unb allen guten Geist stört unb hemmt. Unb bas sollte uns ein Grund zur Freube sein, daß so etwas überhaupt da ist, ein heiliger, guter, ewiger, göttlicher Geist, der unfern Geist stark und freudig machen will. Und unsere ernste Pfingstbitte, daß er uns neu erfüllen unb bei uns bleiben möge, weil wir alle ohne ihn nicht leben- können. Dann wirb unsere Seele auch dastehen im heiligen Maienschmuck des Geistes. M.