Ausgabe 
15.4.1937
 
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Nr. 87 Erstes Blatt

187. Jahrgang

Donnerstag, 15. April |937

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Von unserem v. H.-Berichterstatier.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Budapest, April 1937.

Nach dem Abschluß der in Ungarn reichlich aus­gedehnten Osterseiertage hat das innenpolitische Leben jetzt wieder in vollem Umfange eingesetzt. Das Parlament begann seine Arbeit mit der Ent­gegennahme des Staatshaushaltes, der von dem Finanzminister F a b i n y i dem Reichstag in einer mehrstündigen Rede erläutert wurde. Der neue Innenminister Josef S z e l l wurde offiziell ernannt. Neben der üblichen parlamentarischen Tätigkeit der Regierung haben jetzt die Einzelbe­sprechungen mit den Parteiführern wieder begon­nen. Ministerpräsident D a r a n y i empfing den Führer der Kleinlandwirtepartei Tibor Eck­hardt mehrfach zu längeren Unterredungen, in gleicher Weise auch die Führer der Vereinigten Christlichen Partei sowie den früheren Minister­präsidenten Graf Stefan Bethlen. Im Mittelpunkt dieser Unterredungen standen die ver­fassungsändernden Gesetzentwürfe, die die Regie­rung in der nächsten Zeit dem Parlament vorzu­legen beabsichtigt, sowie als neuer großer Ver­handlungspunkt die von der gesamten Opposition heute stürmisch von d.er Regierung geforderte B e - kämpfung der sogenannten rechtsradika­len Bewegung.

Der Wortführer in diesem Kampf gegen die Elemente, die heute in der tiefgehenden inneren Auseinandersetzung Ungarns auf der nationalrechten Seite stehen, ist in erster Linie Tibor Eckhardt, der Mann, der selbst in den Anfängen seines poli­tischen Lebens sich als leidenschaftlicher Nationalist ausgesprochen rechtsgerichteter Denkungsweise und leidenschaftlicher Antisemit bekannt hatte. Die eigen­artigen Wandlungen, die dieser unruhige und un­stete Mann durchgemacht hat, . treiben ihn jetzt immer deutlicher auf die linke Seite. Die Gegner haben der rechtsradikalen Bewegung den Namen Unsichtbare Front" beigelegt. Mit besorg­ten Gesichtern warnen heute die Führer der Klein­landwirtepartei, die Führer der legitimistischen Ver­einigten Christlichen Partei, die Führer des libe­ralen jüdischen Kapitalismus und schließlich der ganze konservativ-reaktionäre Kreis um den Grafen Bethlen herum immer wieder die Regierung vor dieserGefahr", die angeblich die innere Sicherheit und Ruhe der Nation aufs schwerste zu gefährden droht.

Was sich t a t s ä ch l i ch heute im Innern der unga­rischen Nation vollzieht, ist für den ausländischen Beobachter nur an gewissen Symptomen erkennbar. Es ist kein Zweifel mehr, daß die großen Massen des ungarischen Volkes, vor allem die Landbevölke­rung und die der Provinzstädte, in Bewegung geraten sind und den Fahnen der sogenannten rechtsradikalen Bewegung zuströmen. Aus allen Teilen des Landes wird berichtet, daß die Versamm­lungen rechtsradikaler Abgeordneter überlaufen wer­den, daß überall die Propagandatätigkeit der natio­nalsozialistischen Pfeilkreuzler-Bewegung freudige Aufnahme und l ebhafteste Unterstützung findet, und daß überall im Lande die Erkenntnis der Notwendigkeit eines grundlegenden Wandels im Wachsen begriffen ist. DieUnsichtbare Front" ist heute noch eine Erscheinung des politischen Lebens, die heute nach außen hin weder allgemein bekannte sichtbare Führer, noch ein einheitliches weltanschau­liches und politisches Programm, weder eine geschlos­sene Organisation, noch eine eigene Presse hat. Aber dennoch ist diese Bewegung heute überall im Lande spürbar und beginnt die leitenden Kreise Ungarns lebhaft zu beunruhigen.

Die Regierung Daranyi hat sich dieser Bewegung gegenüber bisher auf den reinpolizeilichen" Stand­punkt gestellt. Sie vertritt die Auffassung, daß die rechtsradikale Bewegung und ihre Propaganda im Lande nicht gehindert werden soll, allerdings unter der einen Voraussetzung, daß die öffentliche Ruhe unb Ordnung überall aufrechterhalten wird. Zwangs­läufig wird damit diese Bewegung in die Bahnen des legalen Kampfes, der Auseinandersetzung mit den gegebenen gesetzlichen Mitteln parlamentarischer Wahlen, ösfentlicher Massenversammlungen und einer eignen Presse gedrängt.

Die Opposition ist entschlossen, jetzt den Kampf gegen dieUnsichtbare Front" mit allen Mitteln aufzunehmen. Die Vereinigte Christliche Partei hat soeben den formellen Beschluß ge­faßt, die Wiederher st ellung der Habs- S burger Monarchie als den Hauptpunkt ihrer politischen Tätigkeit zu erklären. Die Kleinland­wirtepartei, von Tibor Eckhardt geführt, sieht ! in der nationalen Bewegung naturgemäß die chwerste Gefährdung ihres eigenen Bestandes und entwickelt sich immer deutlicher zu einer links- liberalen Partei. So zeichnet sich auf der ande­ren Seite allmählich eine eigenartige Koalition von Gruppen ab, die an sich wenig Gemeinsames haben. Es ist selbstverständlich, daß der heute noch weit­verbreitete Liberalismus jüdischer Prägung und mit lhm und hinter ihm das jüdische Großkapital, die lost ausschließlich in jüdischen Händen befindliche Industrie, die Banken, der Handel und die Presse diese Koalition der Kräfte mit allen Mitteln fördern und stützen. Aber hinter diesen Erscheinungen steht deute der tiefgehende Umbruch der Generationen. Oie junge Generation, soweit sie nicht jüdisch ver­bucht ist, drängt heute zu einem Rechtsradikalis- nus hin, der in feiner programmatischen Fassung clle Anzeichen eines national-revolutionären Um­schwunges auf allen Gebieten des nationalen, so­zialen und wirtschaftlichen Lebens trägt.

In welcher Form und in welchem Tempo sich He weitere innere Auseinandersetzung zwischen die-

40Lahre deutsche Schule in Athen.

Athen, 15. April. (DNB.) In der festlich ge­schmückten Turnhalle der deutschen Schule in Athen wurde am Mittwoch in Gegenwart des Kronprin­zen Paul, der Prinzessinnen Irene und Kathe­rine, des deutschen Erziehungsministers Rust, des griechischen Kultusministers Georgacopo- l o s, des Ministers Kotzias, des Oberhofmar­schalls Merkati und vieler angesehener Persön­lichkeiten der griechischen Hauptstadt die Feier des 40jährigen Bestehens der Anstalt begangen. Landes- kreisleiter Dr. W r e d e hielt die Festansprache, wo­bei er besonders herzlich den Kronprinzen als Ver­treter des Königs und den Gründer der Schule, den 83jährigen Gelehrten Professor Doerfeld be­grüßte.

Reichserziehungsminister Rust

hielt eine Ansprache, in der er feststellte, daß das Leben ein unablässiger Kamp'f sowohl für den Einzelnen wie auch für die Völker sei. Ein Staat brauche Charaktere, Menschen von Ent­schlußkraft, Staatsbürger, die nicht nur zur Unter­ordnung erzogen, sondern auch bereit seien. Darum pflege die neue deutsche Schule wieder die Lei­besübungen, die zu Zähigkeit, Mut und Ka­meradschaft führten. Deshalb auch werde leben­dige Geschichte gelehrt. Nicht Vermischung, sqpdern Austausch, nicht Vergewaltigung, sondern gegenseitige Achtung heiße die Parole des neuen Deutschland. Wenn er heute der deutschen

Schule in Athen Jubiläumsgrüße überbringe, stehe er nicht auf einem Kampfplatz, sondern auf einem Fruchtacker. Wie ein alter Kulturboden erscheine ihm die griechisch-deutsche Kulturverbundenheit. Darum hätten deutsche Männer während des Frei­heitskampfes auf griechischer Seite gestanden und darum hätten deutsche und griechische Forscher ge­meinsam um Sinn und Wesen Alt-Hellas gerungen. Die Geschichte der Schule beweise das Vertrauen der Eltern, ihre Blüte beweise die Leistungsfähigkeit. Der Minister schloß seine Rede mit einem Hoch auf den König von Griechenland.

Der griechische Kultusminister wies auf die Bedeutung der deutschen Schule für den Fortschritt der Erziehung in Griechenland hin. Nach ihm dankte Professor Doerfeld tiefbewegt und erklärte, dieser Tag sei ein großer Ehrentag für ihn, er freue sich, daß er ihn noch erleben durfte. Oberstudiendirektor Professor Romain dankte ab­schließend für die zahlreichen Glückwünsche und ver­las ein Telegramm des Gauleiters Bohle. Schüler­aufführungen und ein Gartenfest beschlossen die Ju­biläumsfeier. Dem griechischen Kultusminister und Reichsminister Rust wurde die Ehrenmitgliedschaft des Deutschen Schulvereins von Athen angetragen, sowie das goldene Abzeichen der deutschen Schule überreicht Aus Anlaß des Jubiläums legte eine Ab­ordnung der Schülerschaft an den Gräbern König Konstantins und der Königin Sophie, einer preußischen Prinzessin, in Tatoi Kränze nieder.

Freier Warenaustausch auch Deutschlands Ideal.

Reichsbankpräsident Or. Schacht vor der Brüsseler presse.

Brüssel, 14. April. (DNB.) Ministerpräsident van Zeeland empfing am Mittwochabend den Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht zu einer län­geren Aussprache. Vorher hatte der Ministerpräsi­dent den Außenminister S p a a k und den Wirt­schaftsminister van Jsacker empfangen. Der deutsche Gesandte und Baronin Richthofen gaben zu Ehren des Reichsbankpräsidenten e i n Diner, an dem Außenminister Spaak, Kolonial­minister Rubbens, Wirtschaftsminister van Jsacker, Finanzminister de Man, der Gouverneur der Na­tionalbank Frank, der ehemalige Präsident des belgischen Senats Staatsminister Graf Lippens, der Landesgruppenleiter der NSDAP. Reichsb.ahn- rat Schulze und die Mitglieder der Gesandtschaft mit ihren Damen teilnahmen. Im Anschluß daran fand in den Räumen der deutschen Gesandtschaft ein großer Empfang statt, zu dem bekannte Persönlichkeiten des Hofes, der Gesellschaft, der Finanz, der Wirtschaft und der Presse sowie Ver- treter der deutschen Kolonie eingeladen waren.

Reichsbankpräsident Dr. Schacht machte der Presse einige Mitteilungen über seinen Brüsseler Besuch. Er betonte, daß die Besprechungen keiner­lei sensationellen Charakter gehabt hätten. Dr. Schacht sprach mit dankbarer Genug­tuung van der Audienz bei König Leo­pold. Er zollte dem wirtschaftlichen Aufbauwerk Belgiens unter der Führung des Ministerpräsiden­ten van Zeeland hohe Anerkennung. Seine Besprechungen hätten sich auf rein wirtschaftliche Dinge beschränkt. Es seien keine politischen Fragen angeschnitten worden. Dr. Schacht gab der Meinung Ausdruck, daß eine Reorganisation der Wirtschaftsbeziehungen zwischen den ein­zelnen Ländern nur dann möglich und von dauern­dem Wert sei, wenn eine allgemeine poli­tische Bereinigung vorausgehe. Dies fei heute^ durchaus möglich, da niemand einen Krieg wolle. Nur über die Mittel müsse man sich noch verständigen. Dr. Schacht erwiderte auf eine an ihn gestellte Frage, daß die militärische Auf­rüstung Deutschlands eine politische Verständigung geradezu erst ermöglicht habe. Solange Deutschland ohnmächttg gewesen fei, habe man es nicht geachtet. Die Politik völliger Unab­

hängigkeit und Selbständigkeit, zu der sich Belgien entschlossen habe, sei ein wichtiges Ver­dienst für die Friedenssicherung in Europa. Zur Währungspolitik des neuen Deutschlands erklärte er, daß d i e Mark absolut stabil sei. Deutsch­land versage sich nicht den Bemühungen um die Schaffung einer festen internationalen Währung. Die Autarkie sei keineswegs ein Ideal. Der Jdeal- zustand Mein möglichst freier gegenseitiger Warenaustausch. Deutschland betrachte mit großem Interesse und großer Sympathie die In­itiative, die der Ministerpräsident van Zeeland auf Ersuchen Englands und Frankreichs ergriffen habe, um die Möglichkeiten eines Abbaues der Handelsschranken zu untersuchen.

Belgiens Politik der Unabhängigkeit.

Paris, 14. April. (DNB.) Der belgische Außen­minister Spaak erklärte dem Volksfront-Boule­vardblattCe Soir", Belgien wolle im Zusammen­hang mit der Frage der kollekttven Sicherheit keinerlei Verpflichtungen übernehmen, die über die Satzungen des Völkerbun­des hinausgingen. Belgien fei oft genug der Kampfplatz Europas gewesen. Es habe daher nur das Ziel, seine Unabhängigkeit zu vertei­digen, um für jeden etwaigen Eindringling aus eigener Kraft militärisch verschlossen zu bleiben. Diese Politik der Unabhängigkeit stelle in keiner Wese eine antifranzösische Politik dar. Belgien er­warte nur, daß man in Frankreich einsehe, warum Belgien nicht die Politik einesgroßen" Landes treiben könne.

Vandervelde verwies darauf, daß alle Belgier den Krieg Haffen und alles, was sie irgendwie in einen Krieg hineinziehen könne, verurteilen. Der Gedanke, sich für Frankreich oder irgend­ein anderes Land auf Grund eines Abkom­mens, und fei dies auch der Locarno-Verttag, schlagen zu müssen, mache die Belgier ge­radezu wild. Dieser allgemeinen geistigen Einstellung Belgiens habe die Regierung Rechnung getragen und verfolge die Politik, die wobl Garantien von England und Frankreich annehme, aber eine Gegenseitigkeit Belgiens abschlage.

sen Kräftegruppen vollziehen wird, ist heute kaum zu übersehen. Ohne Zweifel sucht die Regierung, die aus national empfindenden Männern zusammenge­setzt ist, das Gleichgewicht im Lande aufrecht­zuerhalten und die national-revolutionären Kräfte der jungen Generation in eine gemäßigt evolutio­näre Entwicklung hinüber zu leiten. Diesem vielge­prüften Lande ist jedenfalls die so unbedingt not­wendige innere Gesundung und Stärkung, der un­erläßliche soziale Neuaufbau und Sicherung des na­tionalen Bestandes im Rahmen einer neuen euro­päischen Entwicklung dringend zu wünschen.

Die ungarische Hochschulpoiiiik.

Budapest, 14. April. (DNB.) Der van dem Vorsitzenden der Kleinlandwirtepartei Tibor Eckhardt geführte Propagandafeldzug gegen die von ihm behauptete nationale Radikalisierung in Ungarn wurde auch in die Aussprache über den Haushalt des Außenministers hineingetragen. Der frühere Ministerpräsident Graf Bethlen for­derte Zurückweisung aller Einmischungsversuche. Er warf dem Unterrichtsminister Hvman vor, bei der Ernennung von Hochschulprofessoren Welt­anschauliche und politische Gesichtspunkte berück­sichtigt zu haben. Seines Wissens gebe es in Un­garn keinen Arierparagraphen. Die aktive Teil­nahme der Hochschuljugend am politischen Leben halte er füraußerordentlich bedenklich". Minister Vornan wies die Angriffe sehr entschieden zurück.

Selbstverständlich müsse jede Regierung und jeder Lehrkörper auf gewisse weltanschauliche Gesichts­punkte Rücksicht nehmen. Ein Professor, der im Gegensatz ju der national-ungarischen Weltanschau­ung stehe, könne nicht ernannt werden. Der Vor­sitzende der antibolschewistischenBlaukreuz"-Bewe- gung, der Abgeordnete Osillery erinnerte- den Grafen Bethlen daran, daß dieser während feiner Regierungszeit aus rein politischen Gründen f ü r einen jüdischen Professor einen b e - sonderen Lehrstuhl an der Budapester Uni­versität geschaffen habe. Die damalige Regierung Bethlen habe damit in die Ernennung von Pro­fessoren ihre eigenen politischen Gesichtspunkte hin- eingetragen.

Scharfe deutsche Verwahrung beim Vatikan

Berlin. 14. April. (DNB.) Der Deutsche Bolschafler beim Vatikan hat im Auftrage der Reichsregierung in einer dem kardinal- staatsfekretär übermittelten Note gegen die Ausführungen der päpstlichen Enzy - klika vom 14. März schärfste Verwahrung ein­gelegt.

MendorffZZZchre Soldat.

Arn 15. April begeht General Ludendorff sein 55jähriges Militärjubiläum. Das ist Anlaß ge­nug für Volk und Wehrmacht, der ruhmvollen Ta­ten des großen Feldherrn zu gedenken, der mit ehernen Lettern feinen Namen in die Tafel der Weltgeschichte eingetragen hat. Im Alter von zwölf Jahren jft der Gutsbesitzerssohn aus der Provinz Pofen, dessen Wunsch es war, Offizier zu werden, in die Kadettenanstalt Plön eingetreten. Am 15. April 1882, vor nun 55 Jahren, erhielt Luden­dorff das Offizierspatent. Er war zunächst Leut­nant bei der Marine-Infanterie, später Hauptmann im Generalstab. Im Generalstab hat der junge Offi­zier vor allem die Fragen der Landesverteidigung bearbeitet. Dazwischen traten Jahre des Garnison- dienstes, so daß er niemals die Fühlung mit der Truppe verlor. Er selbst schreibt darüber in den Kriegserinnerungen":Siebenmal habe ich in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts als jun­ger Offizier Rekruten gehabt, und zwar bei dem Infanterie-Regiment 57 in dem alten Wesel und bei der Marine-Infanterie in Wilhelmshaven und Kiel. Später tat ich einige Wochen Dienst im Leib- grenadier-Negiment Nr. 8 in Frankfurt a. d. Oder und war 1898 bis 1900 Kompanie-Chef im Jnfant.- Regiment Nr. 61 in Thorn, für mich eine unver­geßliche Zeit." Im Jahre 1912 war Ludendorff nach Düsseldorf als Kommandeur des Füfilier-Regts. 39 versetzt worden.

Zum Feldherrn wird man nicht ernannt, son­dern geboren und vorausbestimmt." Dieses Wort des großen Lehrmeisters einer deutschen Führer­generation, des Grafen Schliessen, galt der inneren Veranlagung, dem Genie. Er selbst erfuhr an sich die tragische Seite der anderen Voraus­setzung, daß nämlich zum Feldherrn auch die historische Chance der praktischen Wirkungs­möglichkeit gehört, die ihm selber das Schicksal ver­sagte. Er mußte sich darauf beschränken, nur Weg­bereiter zu fein. Ludendorff ist glücklicher gewesen. In vollster^ Manneskraft, auf der Höhe seiner Leistungsfähigkeit traf ihn der Ausbruch des Welt­krieges. Er war zu dieser Zeit kein Namenloser mehr. Seine Laufbahn, die ihn im Großen General­stab in die Stellung des Chefs der Auf­marsch-Abteilung geführt hatte, prädesti­nierte ihn für eine Kriegsverwendung mit weit­reichenden Wirkungsmöglichkeiten. Er war auch die Seele der Bestrebungen, die deutsche Wehrmacht für den kommenden Entscheidungskampf, dessen Nahen sich in den letzten Friedensjahren am poli­tischen Horizont Europas deutlich abzeichnete, in die nötige Stärke und Form zu bringen. Von dem, was erreicht wurde, gebührt ihm ein entscheidender Anteil des historischen Verdienstes. Seine darüber hinausgehenden Forderungen und die zähe Energie, mit der er ihre Notwendigkeit verfocht, wurde der Anlaß zur Unterbrechung seiner Generalstabslauf­bahn. Dennoch ist die Vorbereitung des Aufmar­sches, wie er bei der Mobilmachung 1914 nach zwei Fronten erfolgte, noch das Ergebnis feiner Vor­arbeit. Seine Versetzung in den Frontdienst war die Ursache, daß er in den ersten Augusttagen 1914 nicht auf der Stelle stand, wohin er seinen aner­kannten Fähigkeiten nach gehörte.

Aber die geborene Führerpersönlichkeit setzt sich durch. In den Kämpfen um Lüttich leuchtet der Name Ludendorff zum erstenmal auf. Hier, im Ringen um den Besitz der Festung, die den Weg nach Westen versperrte, bewies er sich im unmittel­baren Kampf der Waffen als die Führernatur, die unbeirrt mit dem letzten Einsatz van Blut und Leben ihr Ziel durchsetzt. Aber der Name Luden- dorff war auch dort unvergessen, wo man seine große operative Befähigung kannte. Bald trat die Stunde ein, in der es nicht weiter zu verantworten war, eine solche Kraft an anderer Stelle brach­liegen zu lassen. Die schwierige Lage im Osten gab den Anlaß zu seiner Ernennung zum Chef des Generalstabes der in Ostpreußen selbständig operie­renden 8. Armee. Wenige Tage nach seiner Be­rufung ging mit Tannenberg sein und Hindenburgs Name in die Unsterblichkeit ein.

Tannenberg ist eine, wenn auch bedeutende Epi­sode in der Schlachtenfolge, die den Weltkrieg ein­leitete. Die Entscheidung des Krieges lag nach den Absichten der Obersten Heeresleitung im Westen. Mit der Marneschlacht scheiterte dieser Versuch, den Krieg mit der raschen Niederwerfung der West- qegner zu beenden. Es ist müßig, eine nachträaliche Betrachtung anzustellen, welchen Ausgang der West­feldzug genommen hätte, wenn Ludendorff in der OHL. an maßgebender Stelle tätig gewesen wäre. Eins steht jedenfalls fest: Eine van ihm geleitete Operationsabteilung hätte trotz der großen befehls- technischen Schwierigkeiten die Zügel der Führung nicht so aus der Hand gleiten lassen, wie es im Marnefeldzug tatsächlich zum Schaden der Sache geschah.

Man kann die Titanenleistung Ludendorffs erst dann voll würdigen, wenn man die Anstrengung in ihrem ganzen Ausmaß begreift, die er auf­wandte, um sich bas Instrument der Entscheidung erst zu schmieden. Das große Hindenburg-Pro­gramm der Industrie spannte die Wirtschaft ein. Mit ihm erschloß Ludendorff als der große Organi­sator, der vorher bereits in Oberost ähnliches durch­geführt hatte, jetzt die Kraftquellen des Volkes und Landes für den Existenzkampf, als den er den Krieg ansah. Seine Eingriffe in die Gebiete, die der po­litischen Leitung unterstanden, kamen aus dem Be­streben, die Versäumnisse der zuständigen Stellen im Interesse der Landesverteidigung auszugleichen.

Im März 1918 trat das deutsche Heer nun­mehr das Werk des Organisators Ludendorffs zum entscheidenden Waffengang an. Wenn Deutsch­land noch gerettet werden sollte, bevor der neue Gegner, die Vereinigten Staaten von Nordamerika,