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Nr. 291 Erstes Matt

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

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Max Gchmeling im Kampf gegen Thomas in der 8. Runde k. o.-Gieger.

Jüdische Boykotthetze wirkungslos. Oer Neuyorker Madison Gquare Garden ausverkaust. Herzliche Ovationen für Gchmeling.

N e u y o r k, 14. Dezember. (DNB. Funkspruch.) In dem ausverkauften Neuyorker Madison Square Garden bestritt der deutsche Boxmeister aller Klassen Max S ch m e l i n g in der Nacht zum Dienstag den ersten Vorbereitungskampf zur Weltmeisterschafts­begegnung mit dem U8A.-Neger Joe Louis. Sein Gegner war der Amerikaner Harry Thomas aus Chikago, der in diesem über 15 Runden angesetzten Kampf eine entscheidende Niederlage hinnehmen mußte.

In der 8. Runde war Thomas kampfunfähig und daraufhin brach der amerikanische Ring­richter D o n o v a n den Kampf ab und erklärte

Schmeling zum k. o.-Sieger.

Das ausverkaufte Haus würdigte die Leistung der beiden Kämpfer in sportlich einwandfreier und objektiver Werse. Schmeling wurde, als sein Sieg feststand, mit stürmischem Beifall bedacht. Der Deutsche wird in den nächsten Tagen wieder in die Heimat zurückkehren, um nach den Feiertagen so­fort das Training gegen' den Südafrikaner Ben F o o r d aufzunehmen, der am 30. Januar in der Hanseaten-Halle in Hamburg stattfinden wird. Nach dem Eindruck der Leistungen im Neuyorker Kampf darf man auch diesem Hamburger Kampf mit Ver­trauen und Zuversicht entgegensetzen.

20000 Zuschauer im Garden.

Dor dem Schmeling-Kampf hatte die von ihrer früheren Hetze gegen den Deutschen noch bestens bekannte Gruppe um Samuel Untermeyer versucht, das Auftreten Schmelings in Neuyork zu boykot­tieren. Aber die sportlich eingestellten Amerikaner erteilten Untermeyer eine böse Abfuhr und ström­ten in Scharen nach der bekannten Kampfstätte im Madison Square Garden, der nach langer Zeit zum erstenmal wieder mit 20 000 Besuchern ausverkaust war.

Daß die Neuyorker Presse trotz allem Max Schme­lings Kampf nicht recht zu würdigen wußte, geht am besten daraus hervor, daß die Blätter sich dar­über wunderten, daß der Deutsche ausgerechnet auf dem heißen Neuyorker Boden seinen ersten Dorbe­reitungskampf bestreiten wolle. Und man konnte nicht verstehen, daß ausgerechnet Schmeling als kühler Rechner in eine derartige Falle gegangen sei, die ihm nach amerikanischer Ansicht zum Ver­hängnis hätte werden können. Abergläubige unter Schmelings Freunden warnten ihn davor, seinen 13. Kampf auf amerikanischem Boden ausgerechnet am 13. gegen einen so starken und unverbrauchten Gegner auszutragen.

Herzliche Begrüßung für Schmeling.

Mit dem letzten Kampf, den der Neger T r a m - m e l gegen den amerikanischen Schwergewichtler Lorenzo Pack nach Punkten gewann, wurde zu­nächst James Braddock und Joe Louis im Ring vorgestellt. Wie wenig die Sympathien der wirklich sportlich denkenden Amerikaner diesen bei­den Boxern gehören, bewiesen die langanhaltenden Buuuuhhh-Rufe, das typische Zeichen des Mißfal­lens in USA. Dann rief Donovan, der ameri­kanische Ringrichter, die beiden Gegner des Box­kampfes Max Schmeling und Harry Thomas zu der Mitte. Wie groß die Zahl der Freunde und Verehrer des Deutschen unter den amerikanischen Boxsportfreunden ist, bewies der Beifall, den unser Meister erhielt. Unter den Zuschauern befand sich übrigens auch der deutsche Botschafter in Washing­ton, D i e ck h o f f.

Don Bunde zu Bunde.

Ohne nennenswerte körperliche Vorteile nahm Schmeling den Kampf auf. Während Thomas mit 177,5 Pfund knapp 200 Gramm schwerer war, konnte Schmeling in der Reichweite ein kleines Plus buchen. Ganz wie der deutsche Meister vor­ausgesagt hatte, gestaltet sich der Kampf. Die erste Runde stand leicht im Zeichen des jungen Ameri­kaners, der seine Chance darin sah, Schmeling nie­derzuschlagen, bevor er richtig warm geworden war. Thomas bevorzugte stark seine wuchtige Linke, die in Haken und Schwingern kam. Auf Halb- distance stürmte er auf Schmeling los und ver­suchte ihn mit blitzschnellen Serien an Kopf und Körper zu überfallen. Schmeling muhte in der ersten Runde manche Linke seines starken und untersetzten Gegners einstecken, nahm aber dann den ungenau geschlagenen Haken des Amerikaners durch kurzes Zurückschwingen des Körpers, ge­schmeidige Hüftbewegungen oder schnelle Seiten­schritte die Wirkung. So beherzt Thomas auch kämpfte, so wenig hatte man den Eindruck, Schme­ling fei durch ihn ernstlich gefährdet. Der Deutsche bewies sich erneut als Meister der Taktik.

In der 6. Runde hatte der junge Amerikaner durch seinen Angriff meist einen durchaus offenen Kampf geliefert. Die große Wendung trat aber in der 6. Runde ein, als Schmeling mehr und mehr von seiner schweren Rechten Gebrauch machte, mit der er seinen Gegner systematisch zu zertrümmern begann. Mit einem Haken und kurzen rechten Kopfhaken ging der Deutsche zu Beginn der 7. Runde auf seinen Gegner los, um ihn dann an den Seilen oder in den Ringecken festzunageln.

Nur der Gong rettete Thomas vor der unerhör­ten Wucht, mit der Schmeling ankämpfte. Um so erstaunlicher war es, als der Amerikaner zu Be­ginn der 8. Runde noch einmal versuchte, mit schnellen linken Haken und rechten Schwingern die Kampfführung an sich zu reißen. Schmeling ließ es dazu nicht mehr kommen! Kalt und verbissen schlug er mit linken Haken und seiner schweren Rechten auf den schon stark gezeichneten Amerika­ner ein, schlug ihn zweimal kurz hintereinander zu Boden, ohne ihn aber mit einem Kernstoß besei­tigen zu können. Mit letzter Energie stellt sich Thomas immer wieder zum Kampf, mußte aber­mals dreimal hintereinander auf die Bretter und stellt sich völlig erschöpft und fast ohne Deckung er­neut zum Kampf. Ringrichter Donovan sah ein, daß eine Fortsetzung des einseitigen Kampfes den Amerikaner körperlich schwer schädigen würde und brach die Begegnung zugunsten des Deutschem ab, der damit in der 8. Runde K.-o.-Sieger wurde.

Zusammenbruch

der jüdischen Boykotthetze.

Die Sensation in Neuyork ist heute weniger der allgemein erwartete Sieg Max Schmelings über Thomas als die Tatsache, daß der von langer Hand vorbereitete jüdische Boykott überhaupt keine Wirkung ausübt. Dabei waren vor dem Bürohaus der Boxkampfoeranstalter, des Klubs des 20. Jahrhunderts, bereits feit einem Monat B o y - kottposten mit Antinaziplakaten auf- und abmarschiert, und vor dem Madison Square Garden waren drei Reihen von jüdischen Boykotteuren mit Haßplakaten aufgestellt, die die Besucher der Veranstaltung abzudrängen ver­suchten, so daß ein großes Polizeiaufgebot nötig war, um die Eingänge der Halle freizuhalten. Wei­ter war von den Synagogen seit Wochen die Pa­roleGeht nicht zum Schmeling-Kampf!" ausge­geben worden. Dennoch füllten 20 000 Neuyorker, die grö'ßte Menge seit zwei Jahren, die Halle. Max Schmeling wurde bei seinem Er­scheinen von einem langanhaltenden Beifallssturm begrüßt. Selbst dieNew Port Times" muß zu­geben, daß dieser Begeisterungssturm eine der größten Ovationen gewesen ist, die je einem Boxer zuteil wurde. Diese' Ehrungen für Schme­ling beweisen, daß das Sportpublikum der Ver­einigten Staaten nicht vergessen hat, was Schme­ling für den Boxsport in Amerika getan hat, daß es ihn als sauberen, anständigen und fairen Boxer sehr geschätzt und sich wie bei den olympischen Spielen dagegen sträubt, die Politik mit Sport zu vermischen.'

Oie Schweiz sorgt für ihre Neutralität.

Bern, 13. Dez. (DNB.) Trotz des Austritts Italiens aus der Genfer Institution hofft man an­scheinend in bestimmten Kreisen der Schweiz noch immer, die Institution reformieren zu können. An­dererseits verschließt man sich nicht der Bedeutung der Tatsache, daß nun von den Nachbarlän­dern der Schweiz, mit denen sie durch sprachliche und kulturelle Bande verbunden ist, .zwei be­deutende Länder dem Bunde nicht mehr angehören. Das gibt, wie es heißt, Veranlassung, die Neutralitätsfrage noch schärfer als bisher in den Vordergrund zu stellen. Seit der Verhängung von Sanktionen über Italien und ihre Folgen für die kleineren Staaten hat sich in der Schweiz die Bewegung verstärkt, von dem ominiösen Artikel 16 des Völkerbundspaktes ent­bunden zu werden, lieber die Rückkehr zur abso­luten Neutralität war sogar eine Volksabstim­mungs-Initiative im Gange.

Der Bundesrat hatte sich am Freitag auch mit dieser Angelegenheit befaßt und ist angesichts der gegenwärtigen außenpolitischen Situation zu der Auffassung gekommen, daß eine eidgenössische Neu­tralitätskampagne und Neutralitätsabstlm- mung die Stellung der Schweiz in Genf und in­ternational nur erschweren wurde. Bei dem Austritt Italiens müsse die außenpolitische Stellung der Schweiz doppelt vorsichtig verfolgt werden. Der Bundesrat habe aber bereits im Dezember vergan­genen Jahres die Genfer Institution von der Priorität des N e u t r a l i t ä t s g r u n d s a t- z e s bei allen internationalen Maßnahmen verstän­digt: das Land könne also nicht zu Sanktionen veranlaßt werden, wenn seine Neutralität dadurch in Gefahr gerate. Der Nationalrat hat durch einen Neutralitätsbeschluß im Frühjahr diese Stellung der Regierung noch bekräftigt. Ein Durchmarsch- recht für Armeen, die auf Grund eines Volker- bundsbeschlusses marschieren, habe die Schweiz von jeher abgelehnt. Im übrigen wird noch dar­auf hingewiesen, daß die Schweiz zu denjenigen Staaten gehört, die die italienische Souveränität über Aethiopien anerkannt habe.

Eine Sitzung des Bundesrats am Montag galt der Erörterung der Lage über den Austritt Italiens aus der Genfer Einrichtung. Bundespräsident

Motta, der Leiter des politischen Departements, betonte, daß die Entwicklung der Dinge die Schweiz zwinge, vollständig zum Grundsatz der unbedingten Neutralität zurückzukehren. Genf solle im gegebenen Augenblick hiervon Mittei­lung gemacht werden. Der ausführliche Bericht, den Bundespräsident Motta dem Bundesrat über diese Angelegenheit erstatten wird, ist für Anfang Ja­nuar zu erwarten. Das Sekretariat des Komitees, das eine Volksbefragung über die Frage der schweizerischen Neutralität einleiten will, demen­tiert die Meldung, wonach der Beschluß gefaßt wor­den sei, die in Aussicht genommene Aktion ein- zustellen. Die neueste Entwicklung der interna­tionalen Lage verlange vielmehr immer drin­gender eine Aenderung der bisherigen Auslegung des Neutralitätsbegriffes und die Einhaltung der althergebrachten unbedingten Neutralität der Schweiz.

Rom, 13. Dez. (DNB.) Die Erklärung der Reichsregierung zum Austritt Italiens aus der Genfer Einrichtung und die Kommentare der deut­schen Presse stehen im Mittelpunkt der Betrachtun­gen der römischen Presse. Das halbamtlicheG i o r- n a l e d ' I t a l i a" schreibt, die deutsche Mitteilung stelle Einige Punkte der deutschen Außenpolitik gegenüber dem Genfer System so klar, daß alle Zweideutigkeiten und Manöver zu­nichte wurden. Deutschland spreche demVölker­bund" sein unüberwindliches Mißtrauen aus. Es erkläre im voraus alle etwaigen Reform­oer suche für nutzlos und bestätige damit nochmals, daß Deutschland nicht die Absicht habe, auch nur in eine Erörterung über seine Rückkehr nach Genf einzutreten. Die Scheidung zwischen den Freunden von Genf und seinen Gegnern sei also klar und deutlich. Man könne trotzdem aber nicht von zwei entgegengesetzten Blockbildungen sprechen, wie das bereits wieder von Paris oer-

DieNeue Züricher Zeitung" schreibt, die Erfahrungen mit dem Artirel 16 und die Genfer Verhandlungen über die Reform des Völkerbunds­paktes hätten der Schweiz im Verlaufe von zwei Jahren immer deutlicher die Ueberzeugung von der Priorität des Neutralitätsgrundsatzes aufgedrängt.

Wenn nun der bisher provisorische Rücktritt Italiens aus dem Völkerbund zu einem defini­tiven Austritt umgewandelt worden ist, so betreffe das Aufhören der Mitgliedschaft und die Beein­trächtigung der Universalität neuerdings einen Nachbarstaat. Die Schweiz werde, wenn der Austritt Italiens nach der zweijährigen Frist end­gültig geworden ist, an zwei Mitgliedsstaaten und an zwei Nichtmitgliedsstaaten grenzen. In dieser Situation sei es doppelt wichtig, daß k e i n S ch a t - ten eines Zweifels auf diesen Neu­tralitätswillen fällt.

sucht werde. Deutschland, Italien und Japan wür­den Genf und alle Demokratien bis in alle Ewig­keit in Frieden lassen, solange sie im Ver­ein mit dem Kommunismus nicht allzu provokato­risch und drohend auftreten. Niemand denke, weder in Rom noch in Berlin, an die Bildung einer neuen internationalen Gesellschaft. Der innere Ausbau des antikommunistischen Dreiecks könnte zwar leicht zu dieser irrigen Auffassung Anlaß geben, in Wirklichkeit aber wollten die drei Mächte ihre Verständigung nur durch Klarheit und mit Mitteln festigen, die zu einem wirklichen und dauerhaften Frieden führen.

Vergebens versuche die französische Presse Gleichgültigkeit" an den Tag zu legen, fast als ob dieolympische Ruhe" der französischen Außen­politik auch nicht im geringsten dadurch erschüttert werde, obwohl sie sich seit mehr als 15 Jahren auf die innerhalb des Genfer Lügeninstituts entwickelten Manöver konzentriert hatte. Recht bemerkenswert

Italien begrüßt die deutsche Erklärung.

EineneuepolitikdientdenwahrenInteressen und dem wahren Frieden derVölker.

seien dagegen die Kommentare einiger englischer Zeitungen, die schon von der fortgeschrittenen Liquidation der Genfer Entente sprechen oder, wie dieTimes", das Genfer Institut bereits einen Trümmerhaufen nennen. Tatsache sei, daß schon mindestens 400 Millionen Menschen aus Europa, Amerika und Asien außerhalb der Genfer Entente stehen, ohne China überhaupt mitzuzählen, das sich bereits anschicke, die realistischen Richtlinien Japans zu befolgen. Bei diesem starken Ausfall werde die Genfer Institution immer mehr zu einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Auch ihre Reform werde an diesem Zustand nichts ändern können. Deutschland und Italien, so schließt das Blatt, haben den Weg für eine Politik gezeigt, die den konkreten Interessen der einzelnen Länder vielmehr entspreche und der Gerechtig­keit und damit dem Frieden in viel stär­kerem Maße diene, als die nackte Jnteressenpolitik von Genf.

Die deutsche Tragödie.

Gedanken zu einem Wallenstein-Buch.

Die Leseziffern der deutschen Volksbüchereien reden eine eindringliche Sprache. Sie tun kund, daß es neben der Gegenwartspolitik und dem Kriegs­erlebnis vor allem die deutsche Ge schicht - ist, die als Gegenstand literarischer Arbeit immer wieder von der lesehungrigen Bevölkerung verlangt wird. Romane, Novellen, Erzählungen, wissenschaft­liche Studien, die in die Tiefe der deutschen Ver­gangenheit einbringen, werden geradezu verschlun­gen. Das deutsche Volk hungert nach geschichtlicher Deutung und Erklärung, ohne daß ein Sättigungs­punkt abzusehen wäre. Diese Erscheinung aber datiert nicht etwa seit 1933, sondern war, wie die statistischen Erhebungen beweisen, bereits mehrere Jahre vorher bemerkbar. Sie spiegelt also das all­mähliche politische Erwachen deutlich wider und verdichtet sich dann freilich unter dem Schutze der neuen Staatsidee zu einem überwältigenden Aus« druck völkischer Sehnsucht.

Ein Blick in die Verlagsprvspekte und Schau­fenster bestätigt die Ueberzeugung, daß es sich bei dem allgemeinen Verlangen nach historischer Nah­rung nicht um eine Reklamewirkung, sondern um ein echtes Bedürfnis handelt, ein Bedürfnis, das die Autoren gleichermaßen beseelt wie die Leser. Wenn wir heute in den Buchläden die Geschichts­romane stapelweise liegen sehen, dann stehen wir nicht vor dem Produkt einer Konjunktur denn nur einer oberflächlichen Betrachtung könnte hinter den Marktschreiern im Vordergrund die ernsthafte Dichtung verborgen bleiben, sondern vor dem Durchbruch urgewaltiger Kräfte und Erkenntnisse. Der Sturmwind der nationalsozialistischen Revolu­tion hat nur die letzten Barrieren der jüdischen Geschäftsdiktatur hinweggefegt. Nun flutet, vom Eise dialektischer Verstandeskälte und liberalistischer Spottsucht befreit, der Strom des Geistes befruch­tend über die weiten Gefilde der deutschen Geschichte und umspült immer von neuem jene großen Schick­salsfragen, die seit altersher bis zum heutigen Tage der freien völkischen Entwicklung hemmend im Wegs standen.

Das Verhältnis der römischen Kirche zur deut­schen Reichsidee ist ein solches zentrales Problem und wird heute mehr und mehr als ein solches be­handelt. Wie ein mächtiger Magnet alle Eisenspäne in die gleiche Richtung zwingt, so werden dis Künstler des Wortes heute von der deutsch-römi­schen Auseinandersetzung mit unwiderstehlicher Ge­walt angezogen. Es ist, als ob die endliche Erfül­lung der Reichssehnsucht den Menschen die Augen neu geöffnet hätte für jene tragischen Gestalten, die einst in ihrem dunklen Drange für des Reiches Frei­heit stritten und starben. So ist nun die Beziehung zum Reichsgedanken geradezu das Gruydmotiv aller geschichtlichen Untersuchungen und Erzählun­gen geworden. Historische Persönlichkeiten werden nicht mehr allein danach gewürdigt, ob sie Helden oder Träumer, Narren oder Genies waren, son­dern man durchforscht ihr Leben vor allem nach über-individuellen Triebkräften des Handelns und Denken, man sucht das Tragische in ihnen als eine deutsche Tragödie zu erkennen.

In der Reihe der Männer-, die sich um solche Deutungen bemühen, taucht ein neuer Name auf: Gerhard Bohlmann. Sein RomanWal­lenstein ringt um das Reich" erschien jetzt im Paul Neff-Verlag, Berlin. (Preis in Leinen ge­bunden 5,50 Mark.) Es ist unseres Wissens das erstemal, daß der Verfasser vonDer verges­sene Kaiser" undDie Silberne Jung­frau", der in diesen Büchern über Diokletian und die Jungfrau von Orleans bereits seine ungewöhn­lich starke Erzählkunst offenbarte, seinen Stoff aus der deutschen Geschichte holt. Daß ihn seine Ent­deckungsfahrt gerade zu W a l l e n st e i n führte, die­ser umstrittensten Figur des Dreißigjährigen Krie- ges, ist nicht nur bezeichnend für den Charakter des Dichters, sondern auch für die oben erwähnte Tendenz, selbst noch in den fragwürdigsten Gestal­ten das innere Gesetz des Reiches wiederzufinden. Wie sich nun Bohlmann dieser selbstgestellten Auf­gabe unterzieht, das ist überraschend und beroutx- dernswert zugleich.

Das Buch behandelt die Jahre zwischen dem Regensburger Fürstentag 1629 und der Ermordung des Friedländers 1634, jene wichtige Zeitspanne also, in der es sich entscheidet, ob das Reich an Habsburg und Rom gekettet bleiben oder ein Ge­bilde aus eigenem Recht und Glauben werden soll. Wir wissen, daß die Stunde ungenützt vorüber gin» aber wir wissen nicht, die Frage nach der Schum oder Unschuld Albrechts von Wallenstein mit wissen­schaftlicher Exaktheit zu beantworten. Der Streit, ob