Samstag, 14. August i<)57
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Mberhessen)
Nr. 188 Drittes Blatt
Richtfest auf dem Flugplatz Gießen.
Die Arbeitskameraden der Stirn und der Faust halten bei der Rtchtfestfeier Rückschau auf ihr gemeinsames Werk.
Dort draußen am Rande der Stadt, auf „Stolzen Morgen", wo fprift tagaus und tagein das hohe, melodienreiche Lied der^Arbeit erklingt, wo fleißige deutsche Arbeiter der Stirn und der Faust ihre Kräfte einem Werk im Dienst unserer Volksgemeinschaft widmen, dort herrschte am gestrigen Freitagnachmittag für einige Stunden auch einmal ernst-besinnliche, dann frohgestimmte Feiertagsruhe. Es wurde R i ch t f e st gefeiert, altem deutschem Handwerksbrauch gemäß, wenn das Werk im Rohbau errichtet ist Mit ganzem Herzen waren die Volksgenossen vom Bau und die Gäste aus Stadt und Land bei der schönen Feier. Die Verbundenheit dieses Werkes mit den breitesten Kreisen unserer Volksgemeinschaft kam in der Anwesenheit von Gästen aus allen Berufsschichten der Stadt und des Landvolkes zum Ausdruck, bei letzteren auch reizende Trachtengruppen unter Führung unseres oberhessischen Heimatdichters Gg. Heß (Leihgestern).
Mit den Werkleuten vom Bau und ihrer Leitung versammelten sich viele Gäste von der Partei und ihren Gliederungen, der Wehrmacht, der Behörden, von Stadt und Land am frühen Nachmittag auf dem mit dem Hoheitszeichen, den Fahnen, frischem Grün und Blumen schön geschmückten Festplatze. Arbeitskameraden vom Bau, kleine Abordnungen der Formationen und die bunten Trachtengruppen bildeten an der Stirnseite des Festplatzes einen reizvollen Aufmarsch, der dem Gesamtbild eine besonders fesselnde Note gab. Vor diesem
Aufmarsch vereinigten sich die Gäste und die Männer vom Bau zur Feiergemeinschaft.
Der Musikzug der SA.-Standarte 116 unter Musikzugführer Herrmann leitete die Feier mit guter Musik ein. Dann sprach der Vorstand der Bauleitung, Bauleiter Eich holz, der zunächst allen Arbeitskameraden am gemeinsamen Werk den Dank und Gruß der Bauherrin und der Bauleitung überbrachte, anschließend die Ehrengäste willkommen hieß, dabei als Vertreter des Luftkreiskommandos IV Münster, Oberbaurat Gallert, sowie vom Luftgaukommando XI Generalmajor Willich, ferner den Vertreter des Herrn Reichsstatthalters, und dann die schöne Sitte des Richtfestes pries, dessen Feier den am Bau beteiligten Arbeitern der Stirn und der Faust ein äußeres Zeichen des Dankes und der Anerkennung für geleistete gute Werkarbeit ist. Er betonte dabei die unlösbare Verbundenheit der Arbeit im Büro und des handarbeitenden Schaffens, von denen keines ohne das andere sein kann, die beide gemeinsam hier ein gutes Werk geleistet haben. Jeder Arbeitskamerad an diesem Bauunternehmen kann stolz sein auf die bisher geleistete Arbeit, denn durch beste Arbeitsdisziplin und volle Hingabe an die Arbeitsaufgabe konnte das Werk bisher gedeihen. Jeder kann das befriedigende Bewußtsein hegen, voll und ganz seine Pflicht getan zu haben.
Nun wurde auf Geheiß des Bauleiters in feierlicher Weise die Richtkrone hochgezogen. Freudige Rufe, kernige Richtsprüche von Handwerksmännern, Blumengrüße der kleinen Trachtenmädchen
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Oben links: Generalmajor W i l l i ch im Gespräch mit dem Zimmerpolier, der den 9b St= spruch vorgetragen hatte. — Oben Mitte: Dem Bauleiter Eichholz wurde von oen Dachdeckern ein prächtiges, bändergeschmücktes Herz aus Schiefer verehrt, auf dem ein schöner Spruch zu lesen ist. — Oben rechts: Zahlreiche Mädchen und Burschen in hessischen Trachten verschönten das Richtfest; hier sieht man ein Schwälmer Paar beim Tanz. — Unten links: Bauleiter Eichholz bei seiner Richtfestansprache. — Unten rechts: Ausschnitt aus der „Reihe der Stände", die unsere Volksgemeinschaft symbolisierte. — (Aufnahmen |6|: Neuner, Gießener Anzeiger.)
KLS.L M
Blick über den Platz, auf dem die Richtsestfeier stattfand.
hinüber zur langsam emporkommenden Richtkrone und der Gruß der großen Feiergememschaft gaben diesem Teil der Stunde eine besondere Weihe. Dann sprach der Arbeiterdichter Becker einen packenden Prolog, in dem in poetischer Sprache all das zum Ausdruck kam, was bei diesem Ereignis die Herzen aller Teilnehmer der Stunde bewegte.
Den Abschluß der Feierstunde bildete eine kurze Ansprache von Generalmajor W i l l i ch, der zu den Männern vom Bau, von der Leitung bis zum letzten Gefolgsmann, herzliche Dankes- und Grußworte sprach, ihren Stolz auf die bisherigen Arbeitsleistungen als durchaus berechtigt anerkannte und dann die Gedanken der Volksgenossen auf den hohen Sinn dieser Gemeinschaftsarbeit, sowie auf die verpflichtende stete Tatbereitschaft aller deutschen Menschen im Dienste für Führer, Volk und Vaterland hinlenkte. Freudig klangen hierauf Gruß und Treugelöbnis für den Führer und sein Werk über den Platz.
Während die Richtkrone hochgezogen, Führer, Volk und Vaterland der Gruß der Festteilnehmer dargebracht und ein Umzug über den Bauplatz oor- genommen wurde, kreisten Flugzeuge dicht über dem Platze und gaben dadurch dem feierlichen Augenblick noch eine höhere Weihe. Zugleich bedeutete diese eindrucksvolle Geste der Flieger für die Arbeiter vom Bau eine besondere Ehrung ihres Schaffens. Hauptmann Fischer zeigte gleichzeitig hoch in der Luft geradezu atemberaubende Kunstflüge, die allen Zuschauern die Herzen höher schlagen ließen vor Begeisterung und Dankbarkeit für diese Schauflüge.
Die kameradschaftliche Geselligkeit der Richtfestteilnehmer wurde nach dem Einmarsch der Schwälmer Bauernkapelle mit den Trachtengruppen in das Festzelt eingeleitet durch eine kleine Spiel- folge „Huldigung an die Heimat", zusammengestellt von unserem Heimatdichter Georg Heß- Leihgestern. Georg Heß selbst eröffnete die Darbietungen mit dem Vorspruch, dem das gemeinsam gesungene Lied „Im schönsten Wiesengrunde" folgte. Die weiteren verbindenden Texte zwischen den Darbietungen der Trachtenträger sprach ebenfalls
Georg Heß, der dabei die starken volksoerbindenden Kräfte in unseren heimatlichen Bräuchen, in Lied und Volkstanz, kurz in alledem, das die deutschen Menschen in der Gebundenheit von Blut und Boden vereinigt, zum Ausdruck brachte. Die feine Darbietung, die einen neuen schönen Erfolg Georg Heß' bedeutet, fand den starken Beifall der Zuschauer.
Nunmehr begann der Richtschmaus, bei dem die Teilnehmer mit Speise und Trank und mit Rauchwaren reich bewirtet wurden. Der Musikzug der SA.-Standarte 116 bot dazu gute Musik, im weiteren Verlaufe dieses Feierabschnittes erfreute auch die Schwälmer Bauernkapelle mit ihren Darbietungen. Dazu boten die Kindertrachtengruppe Erksdorf und die übrigen Trachtenträger viel gute Unterhaltung durch ihre reizvollen Volkstänze und Gesänge, die von der Schwälmer Bauernkapelle oder mit Ziehharmonika und Klampfe stimmungsvoll begleitet wurden Im Handumdrehen war allenthalben eine frohgemute Stimmung an der Tagesordnung, die die Festteilnehmer noch manche Stunden in bester Kameradschaft und Harmonie beisammenhielt.
Diese schöne Richtfestfeier wird allen Teilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben
Aus der Stadt Gießen.
Der Kreis des Lebens.
Jeden Tag kann man sie in der Anlage sehen. Sie geht schon etwas gebückt und ihr Gesicht ist voller Falten, aber wenn sie sich zu dem Kinde niederbeugt, das an ihrer Seite trippelt oder aus dem Wägelchen zu ihr aufschaut, so macht sie den Eindruck einer sehr gütigen und zugleich unendlich glücklichen Frau. Das Kind ist etwa drei Jahre alt, und es besteht kein Zweifel, daß es sich um ihr Enkelkind handelt. Doch bei aller Mühe, die das Kind verursacht, ist die Großmutter von einer sich immer gleichbleibenden Herzlichkeit und sorgenden Liebe.
Die Zwei bevorzugen eine bestimmte Bank, und dort verbringen sie gewöhnlich die Nachmittagsstunden. Das heißt, auf der Bank sitzt eigentlich nur die Großmutter, während das Kind geschäftig seinem Spiel nachgeht. Das Spiel ist sehr wechselreich. Einmal dienen die kleinen Steinchen auf dem Erdboden dazu, dann sind es die Grasbüschel am Wegrand, und zwischendurch muß immer wieder mal der leichte Kinderwagen herhalten. Denn der Wagen läßt sich prachtvoll hin- und herschieben, was den Eifer des Kleinen so anspornt, daß die beruhigende Hand der Großmutter gewöhnlich bald Einhalt gebieten muß.
Manchmal hat der Kleine auch Einfälle, die mit überraschender Plötzlichkeit kommen und ebenso rasch zur Ausführung gelangen. Dann will er mit seiner „Omi" Verstecken spielen, läuft zum nächsten Baum, oder er kriecht unter dieselbe Bank, auf der die Großmutter sitzt. Oder er bekommt die Lust zum mimischen Ausdruck, geht auf den Zehenspitzen vor der Bank auf und ab und schneidet fortwährend Gesichter dazu, über die sich die Großmutter verwundern oder freuen soll. Die Großmutter erweist sich bei alledem als vortreffliche Spielgenossin, sie lacht mit dem Kleinen, wenn er seinen Spaß hat, sie tut ganz erstaunt, wenn der Augenblick es erheischt, und wirkt in ihrer feinen Art recht fürsorglich auf ihn ein. Es ist eine vortreffliche und dabei halb unbewußte Pädagogik, die sich dem Beschauer hier in natürlichster Weise zeigt.
Möglich, daß der Kleine keine Mutter mehr hat und deshalb von der Großmutter betreut werden muß. Vielleicht ist aber auch die Mutter berufstätig, so daß es ihr an der Zeit mangelt. Auf jeden Fall aber gedeiht der Kleine prächtig unter der Obhut
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^>on Heinz Steavweit
Auf dem Schleppkahn „Johaina Sebus" saß Hein Vondekaer und spielte den Grielächer; so nennt man am Rhein die Pfiffigen und Verschmitzten, deren Gesicht zumeist ein einziges Vergnügen ist. Hein Vondelaers Garderobe bestand aus einer blauen Hose, die Brust war nackicht und die Zehen spreizten sich in Gottes freier Natur. „Em Wetter zum Eierlegen", meinte der Schiffer und spuckte den Priem ins Wasser, so freigebig, als wollte er Fische füttern.
Verstehet den llebermut dieses jungen Mannes: Jahrelang hat er bei Ruhrort faulenzen müssen, arbeitslos und verbittert, denn die Kähne zerrten tausendfältig mit leerem Bauch an der Ankerkette, im Hinterland waren die Hochöfen kalt und die Förderkörbe hingen rostig im Gestänge. Heute war wieder Leben im Strom, war auch wieder Strom im Leben, Herrgott sapperlot, könnte man die reife Sonne vom Himmel pflücken und ins Wasser tunken, das würd' zischen!
Hein Vondelaers Kahn schäumte an Koblenz vorüber, wo die Mosel in den Rhein knecht und der felsige Ehrenbreitstein wie ein Veteran von Anno 70 seine Renten lebt. Vom Raddampfer, der die „Johanna Sebus" und noch fünf andere Kähne an dicken Trossen zog, kam ein Glockensignal; vielleicht war ein Floß in Sicht, vielleicht löffelte ein Paddelboot zu hart in den Kurs, jedenfalls scheuchte das Glocken die Seele des Schiffers auf. So plötzlich, daß Hein Dondelaer ms Rutschen kam und kopfüber von den Bohlen kippte, deren Teergeruch so behaglich gewesen war. Nun strampelte der Träumer in den Wellen, stromab treibend und mit winkendem Geschrei: Mann über Bord!
Die Schiffer der nächsten Kähne hatten ihr Gelächter: Dieser warf ein Seil, jener hielt eine Stange hin, doch der übernächste fischte erst den Kameraden an Bord, stieß aber zugleich einen Ruf des Verwunderns aus: „Hem Dondelaer? Kerl, du bist es —?"
Der Gerettete schnaubte wie ein Seehund, sein Haar floß bis zur Nase, aus jedem Hosenbein rann ein Sprudel: ..Jupp Dierks? Mensch bei dir bin ich gelandet? Ausgerechnet —?"
Sie legten sich nebeneinander, die Sonne war der beste Bademantel, man briet wie Hähnchen in der Pfanne. Und dann kam dieses Gespräch zustande:
„Weißt du noch. Hein —?"
„In Ruhrort, Jupp? Vor fünf Jahren —?" „Da wollte ich mit dem Messer auf dich los —" „Hatten wir vorher getrunken —?" „Woher denn! Eifersüchtig waren wir! Und arbeitslos. Aber nun soll alles gut sein —!"
Das Erinnern machte die Kameraden stumm Wie frei war man heute! Als hätte einer allen Staub vom Herzen geblasen. Als wäre die Sonne frisch in Brand gesteckt worden. Denn am Ufer quollen die Trauben, am Ufer winkten auch die Mädchen!
„Wie hat sie doch geheißen, Jupp Dierks —?" „Eva!"
„Ach, — darum ..."
Und wieder schwiegen die Nebenbuhler, in der Brust klopfte es, im Schädel wanderte noch einmal der wilde Spuk vorüber. Dann fuhr Hein Vonde- laer wieder hoch: „Ist sie nicht jiad) Oberwesel gezogen? In Dienst und lohnende Stellung —?"
Der andre schmunzelte breit: „Ja. Ist fie. 3n Oberwesel werden wir anfern. Ich weiß es. Wir wollen zum großen Schifferfest!"
„Ich geh zur Eva, Jupp Dierks!"
„Hüte dich! Nur ich geh zur Eva, Hem Vonde- laer —!" .
Damit standen beide auf den Seinen, augenrollend wie Ringkämpfer. Aber das Wetter war zu schön zum Krakeel. Also sagte Hem Dondelaer. „Gut. Wollen wir knobeln —?" ..
„Wer knobeln will, will auch betrugen —I „Dann sag was andres, Jupp Dierks.
„Ich fordere dich! Zum Duell! Zum Schiffer
stechen!"
„Zünftig und mit Gunst —?
„Wer siegt, holt sich die Eva —!
Der Handel wurde einig. Hem und Jupp quetschten sich die Hände, lachten dabei, und als sie tags darauf vor Oberwesel die Anker warfen schien das Läuten von Kahn zu Kahn wie ein festliches Orgelspiel- Am Ufer jubelten die Menschen des Sonm tags' aus den Weinbergen scholl em Boller nach dem andern. Fahnen und Wimpel ohne Zahl verklärten so viel trudelnde Buntheit Da hatten die Jungen eine Rutschbahn ins Maser gebaut, da ruderte ein Wikingerschiff drachenkopflg und mit Runen, Schilden und Speeren, — hier rollten Fässer voll Wein, dort fangen sieben maskierte Jungfern das Lied einer ulten Sage.
„Jupp, bifte im Schick?" fragte Hem, der schon ^^afte^ TOurrr un^^ucf?" spottete Jupp, dessen Bizeps hart war wie eine Kokosnuß Pflaumen- bläu schwelgte das Firmament über dem Rhein
gau, siebenmal paukte und trompete Musik, bald vom Rummelplatz und bald von der hergepilgerten Flottillen, hier schaufelte sich ein Teutone im Einbaum voran, dort ruhte ein germanisches Blockhaus auf sicher gleitendem Boot...
Diel Witz, viel Lärm, und nicht einer zog ein müdes Gesicht, zumal das Turnier der stechenden Schiffer bald feinen Anfang nahm. —
Wie dieses Schifferftechen oonftatten geht? Zwei Burschen sind in jedem Nachen; der eine sitzt rudernd hinten am Heck, der andre steht vorn aus dem Bug, stolz wie ein Ritter, denn feine Lanze ist lang und sein Brustpolster gleicht einem Harnisch. Also fahren sich die Boote entgegen, die Schiffer strecken die Lanze aus, an deren Spitze ein lederner Knauf ist, denn das Stechen darf nur ein friedliches Stoßen fein.
Was sag ich? Da gondelten sie schon aufeinander los, hier Jupp Dierks, drüben Hein Dondelaer, jeder mit Speer und Polster, jeder vorn auf dem Bug feines Nachens. Und sie hielten sich im Auge, scharf und lauernd, um die Eva ging's, um den schönen Preis--
Das Volk überschrie sich am Ufer, die Kinder schloffen Wetten ab, die alten Wasserbären drückten die Daumen.
„Los, Jupp —!"
„Los, Hein —!"
Da prallten sie aufeinander. Da stieß der erste. Da stach der zweite. Die Nachen zuckten, die Ruderer schufteten am Heck, drüben wie hier, hier wie drüben, jeder biß sich auf die Zähne, beide wollten den Sieg, grimmig und verbissen ...
O Spiel des Himmels, o Scherz der allmächtigen Vorsehung: Hein Dondelaer wankte und fiel in die Flut
Hurra —!
Jupp Dierks wurde weich und stürzte ebenfalls ins Wasser.
Hurra —!
Da bleibt keine Kehle stumm am Ufer zu Oberwesel. Da flatterte ein Gelächter auf, ein Händeklatschen und ein festliches Trompeten: Beide Gegner im Rhein?
Kein Sieger und kein Opfer? Solchen Spaß hatte noch niemand erlebt im sonnigen Revier der Trauben —!
Jupp Dierks und Hein Dondelaer schwammen ans Ufer, sie machten gute Miene zum nassen Spiel, und das Volk breitete köstlicher Laune die Arme aus.
Aber: Auch die Eva stand da! Frisch wie Obst und schön wie der Wein dieser Berge. Unsere jungen Schiffer drückten ihre Hand, links der eine, rechts der andre: Welchen Sinn hatte das Geheimnis ihres komischen Kampfes —?
„Kommt zu mir nach Haus!" rief die strahlende Eva. „Kommt und stärkt euch beim Wein. Dieses Wiedersehen! Hab viel an euch gedacht, denn gut geht's mir, viel besser als vor fünf Jahren in Ruhrort. Ich habe einen braven Küfer geheiratet und mein Kind kann schon Mutter und Vater sagen...!"
Unterirdische Autostraßen.
3n dem neuen Geschäftshausviertel Rockeseller Centre der Siebenmillionenstadt Aeuyork sind kürzlich zehn gewaltige Wolkenkratzer sertiggestellt worden, deren größter siebzig Stockwerke umfaßt, und der elfte geht seiner Vollendung entgegen, wahrend weitere Bauten in kurzem zum Himmel ansteigen werden. Alle diese Steinkolosse sind Büro- Häuser, in den zehn, die bereits in Betrieb sind, werden über 100000 Menschen beschäftigt. Bei einer derartigen Zusammenballung von Menschenmasien auf eng begrenztem Raum ergeben sich ungeheure Berkehrsschwierigkeiten, wenn zu Anfang und Ende der Bürozeiten Tausende von Angestellten auf die Straßen strömen. Abhilfe konnte hier nur dadurch geschaffen werden, daß man unterirdische Straßen herstellt. So ist man gegenwärtig, wie in der Leipziger . Fllustrirten Zeitung" berichtet wird, damit beschäftigt, unter den Wolkenkranern breite Schächte vorzutreiben. Die Gesteinsrnaflen wurden dabei herausgesprengt. So entsteht ein unterirdisches Straßennetz, durch das der durchgehende Autoverkehr von der Oberfläche abgeleitet werden soll. Ein Teil der Anlage ist bereits fertig. Die Untergrund-Autostraße ist 450 Meter lang, zehn Meter tief unter den Wolkenkratzern und so breit, daß vier Autos nebeneinander fahren können. Seitlich sind Bersandräume mit den Laderampen der in den Hochhäusern ansässigen Firmen untergebracht, so daß der oberirdische Straßenverkehr von Frachtautos und Lieferwagen befreit werden kann. Das unterirdische Straßennetz soll größeren Umfang erhalten, um in diesem Stadtteil weitere Hochhaus- bauten möglich zu machen. Der Straßenverkehr vor» Aeuyork wird sich also in naher Zukunft zu einem beträchtlichen Teil unter Tag, in modernen Kala- bomben, abspielen. C. K.


