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Nr. 188 Zweites Blatt

GießenerAnzelger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Samstag, 14-August 1957

Wandern und OReifen Bäder und Sommerfrischen.

Ostpreußen, wie es nicht alle kennen.

Von Walter Sperling.

Jenseits der Weichsel liegt ein Stück unserer deut­schen Erde so schön, daß es schwer fällt zu schildern so voller Merkwürdigkeiten, baß Zeit und Raum nicht ausreichen, sie aufzuzählen. Das ist Ostpreußen! Land der dunklen Wälder, stillen Seen und Inseln, an deren Ufern das Rohr sein uraltes Lied rauscht. Stolz recken zahlreiche Ordens­burgen und Schlösser ihre altersgrauen Türme himmelwärts. Verträumte Städtchen an denen die Zeit vorübergegangen scheint spiegeln ihre kleinen Giebel in Masurens Wassern, auf denen die Fischer ihre Netze nach wohlschmeckenden Ma­ränen, nach den für die Kunstperlenindustrie wich­tigen Ukleis und den in riesigen Schwärmen auf­tretenden Stinten auslegen.

Um ihre Boote schaukeln sich Taucher und Wild­enten in Scharen, die ihren Anteil haben an dem Reichtum der Tiefe, und aus dem Schilf heraus dringen fremde Laute einer seltenen Vogelwelt. Reiher streichen über einsame Buchten, in denen noch heute der Wildschwan in voller Freiheit lebt.

Hier liegt das masurische Venedig: die Stadt N i k o l a i k e n. In ihrer Nähe dehnt sich Preu­ßens größter See, der 119 Quadratkilometer große S p i r d i n g und einer der größten Wälder Deutsch­lands. Wahrzeichen und Wappenbild ist der sagen­hafte Stinthengst, den in alter Zeit die Fischer glaubten, gefangen zu haben. Man fürchtete damals das Eingehen der Stinte, wenn man ihn töten würde, und da beschloß der weise Rat der Stadt, den Stinthengst an die Kette zu legen. Er ist heute noch an der Brücke zu sehen, geschmückt mit einem blumenbekränzten Krönchen. Meist liegt er unter Wasser. Sein Auftauchen wird von den Fischern mit großer Freude begrüßt, soll es doch reichen Stintsegen versprechen.

Treuburg, Treuburg, schönes Städtchen Treuburg, Treuburg, schöne Stadt Das die allerschönsten Mädchen

Und den allergrößten Marktplatz hat!" singt man in Masuren. Man wird den Vers besser verstehen, wenn man erfährt, daß dieses kleine Städtchen früher Marggrabowa genannt den größten Marktplatz Deutschlands besitzt. Er ist über 25 Morgen groß ...

Im Herzen Südostpreußens liegt L ö tz e n und In nächster Nähe die Festung B o y e n , die im Kriege zweimal vergeblich durch die Russen bela­gert wurde. Im Ordensschloß ist ein einzigartiges Museum untergebracht, in dem alle Dinge aufbe- »vahrt werden, die mit dem großen Weltgeschehen eon 1914 Verbindung hatten. Waffen und andere Beutestücke aus der Masurenschlacht, Photos aus der Russenzeit, Urkunden, Fahnen und andere An­denken lassen dem Beschauer noch einmal die Zeit lebendig werden, als dieses Land in schwerer Be­drängnis war.

Im südlichen Masuren in der Nähe von Rudzanny liegt das seltsame Eckertsdorf. Klobige Blockhäuser, ein Kirchlein mit 'Zwiebel­kuppel und wahrhaftig, es sind Russen, die uns ;Öort begegnen. Typen russischer Kleinbauern sieht man, die noch abends um ihren dampfenden Sa- movar sitzen, oder den kleinen Friedhof betreuen, auf dem die dreiarmigen Kreuze fremdartiges Volkstum verkünden. Und doch find diese vor etwa hundert Jahren eingewanderten russischen Sektierer Philipponen genannt Deutsche geworden im besten Sinne des Wortes. Das beweist schon die Tatsache, daß bei der großen Volksabstimmung am 16. Juni 1920 in Eckertsdorf alle Stimmen für Ost­preußen abgegeben wurden.

Ganz anders als Südostpreußen, aber nicht min­der schön und eigenartig ist der Norden und Osten der Provinz. Da ist vor allem das Oberland mit seinen idyllischen Kanälen und Seen, die sich zwischen Osterode und Elbing hinziehen. Hier wer­den die Schiffe Über die Berge gefahren, auf Schie­nenwagen. So werden Höhenunterschiede bezwun­gen, für die keine Schleusen ausgereicht hätten. Die sogenannten Rollberge sind eine einzigartige Sehenswürdigkeit Ostpreußens Unweit Tlbing grüßen die Türme der Marienburg im Abendsonnenschein. Die große gotische Burganlage mit ihren zahlreichen Höfen, Remtern und Kreuz­hängen haben die Zeit von 1270 überdauert. Stolz wie ehedem stehen die alten Mauern, hinter 'denen sich kostbare Schätze deutscher Geschichte häu- fen. Marienburg ist auch die einzigste Stadt, in der sich die Laubengänge rund um den Markt un­verändert erhalten haben.

Haff und Frische Nehrung entlang ziehen wir mit den schweren Ziegellommen ostwärts. Das 5 a m I a n b richtet sich vor uns auf, in dessen Erde das gelbe deutsche Gold der Bernstein seit -rauer Vorzeit gewonnen wird Hinter der Steil­küste breitet sich das Kurische Hass, auf dem die Keitelkähne der Fischer vor dem Wind segeln. Eigenartig sind die großen, mit reichem Schnitzwerk »ersehenen Rahmenwimvel. Rossitten, die Vo­gelwarte und bekannte Segelfliegerstation, liegt hier auf dem schmalen Nehrungsband, wo die Wander­dünen in geheimnisvoller Bewegung und wo der Triebsand heimtückisch auf seine Opfer wartet, um fie zu verschlingen.

Auf der anderen Seite lebt im Erlenbruch der Elch. Still, wie ein Bote der Urzeit steht er im Mohr und spiegelt seinen massigen Körper im dunk- l?n Sumpswasser. Weiter hinten horstet der seltene Ichwarze Storch und der Uhu. Allerlei Getier be­herbergt die Zehlau: so selten, daß man es nur ebnen kann, wenn es nächtlich aus der Finsternis tu ft oder der Nachtmahr mit lautlosem Flügel­schlag durch die Zweige gleitet Wer kennt den Schacktarp, der im Frühjahr die Menschen von oller Welt abschließ, auf Wochen und Monate, nenn Weg und Steg weder zu Fuß noch mit dem Kahn benutzt werden können? Wer kennt die Tücken des großen Moosbruches, wo die Pferde Holzschuhe tragen müssen, damit sie nicht einsinken in dem weichen Grund? Wer weiß, daß im hohen Ost­preußen noch die Meiler der Köhler rauchen? Wer ober kennt die Menschen hier, die im steten Kampf der Erde abringen, was sie brauchen für ihres Le­bens Notdurst? Hart und verschlossen ist der Schlag befer Menschen, genau wie ber Boben, auf den bas Schicksal sie verpflanzte.

Vergessen wir nicht Ostpreußens Stolz: Trä­

te h n e n, die Stätte der weltberühmten Warm­blut-Pferdezucht, die Ostpreußens Ruf als klassi­sches Land ber Pferdezucht gefestigt hat. Denken wir an die Wunder der Romintener und I o - hannisburger Heide Verweilen wir am Reichsehrenmal, das sich auf Ostpreußens blutgetränkter Erde erhebt Und dann Königs­berg, die schöne Krönungsstadt. Als Messezentrum des Ostens ist diese Stadt heute wichtiger Faktor des Wirtschaftslebens geworden. Unschätzbare Werte deutscher Staatsentwicklung und des Geisteslebens haben hier ihren Hort, wo ein Immanuel Kant

einst gelebt und gewirkt hat. Erwähnen wir Til­sit, den deutschen Pfeiler an der Memel, Allen- st e i n, die aufblühende Stadt in der Landesmitte, die stolzen Burgen Marienwerder, Rastenburg, Heilsberg u. v. a., bann ist noch lange, lange nicht alles erschöpft, was dieses einzigartige Land an Schönheit, Merkwürdigem und Eigenartigem aber auch an ernst stimmenden Bildern zu ver­mitteln vermag. Das ist Ostpreußen, die Insel fern des großen Mutterlandes, deren Zauber jeden ge­fangen nimmt, der ihre Erde einmal betritt.

Das schöne Oberbayern.

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Ober-Grainau bei Garmisch. (Ausnahme: E. Hase, Frankfurt a.M.)

Sandersahrien.

Lich Laubach Schollen.

Von Lich, dem freundlichen Städtchen mit vieler­lei Sehenswürdigkeiten, wie Fürstliches Schloß, die interessante Marien-Stiftskirche, den alten Festungs­wall mit Bastion usw., wandern wir auf guter Land­straße über Nieder-Bessingen, hierauf an Ober-Bes- fingen vorbei nach Münster. Vorher stoßen wir auf die von Gießen nach dem Vogelsberg führende gelbe Strichmarkierung, die uns über Wetterfelb nach Laubach bringt. Beim Treffpunkt ber gelben Striche bietet sich ein hübscher Blick auf ben Hohen Vogels­berg und das hochliegende Grünberg. Nach einer Erholungspause und Besichtigung des alten Städt­chens mit Gräflichem Schloß und Park benutzen wir blaue Ringe, die uns zunächst auf der Staatsstraße, später durch prächtigen Hochwald nach dem anmutig im Horlofftal gelegenen Jägerhaus (gute Einkehr) bringen. Gleich hinter dem Forsthaus liegt derKir­chenstumpf", die Trümmer eines kleinen Gottes­hauses. Weiße Ringe führen uns jetzt auf landschaft­lich reizvollen Wegen über das Falltorhaus, auch

Kiliansherberge genannt, nach unserem Endziel Schotten. Wanderzeit 5 Stunden.

Gießen hangelslein hoher Berg Großen-Buseck.

Wir beginnen unsere Wanderung am Justiz- gebäube und folgen ber blauen Dreiecksmarkierung über die Wiesen, am Rande des Philosophenwaldes her durch einen Teil von Wieseck bis zur Ludwigs­burg. Hier biegt das Zeichen in den bewaldeten Hangelstein ein. Wir überschreiten den Berg, kommen an ben schon früher erwähnten Punkten vorüber zum Daubringer Paß mit hübscher Aussicht. Da, wo bie Zeichen an einem Jagbhaus vorbeikommen, verlassen wir die Dreiecke, gehen an bem Anwesen vorüber abwärts, gelangen an einen ibyllisch gelegenen Walbweiher unb jenseits besselben auf einen Fuß­pfad, der uns allmählich wieder in die Höhe, unb zwar auf bie rote Punktmarkierung führt. Diese bringt uns über ben Hohe Berg mit schönen Aus­blicken nach unserem Enbziel Großen-Buseck. Weg­dauer 4 Stunden.

Geruhsame Rordseeinseln.

Von Ernst-Wilhelm Salhwedel.

Der Binnenländer kennt die friesischen Inseln von Borkum bis Sylt. Tausende besuchen sie in je­dem Jahr. Ein wahrer Fremdenstrom ergießt sich auch vom Frühjahr bis zum Herbst nach Helgoland. Die beiden kleinen Inseln Sch ar hörn und N e u w e r k aber, bie sich zwischen ben Elbe- unb Weserfeuerschiffen ins Meer hinausschieben, kennen nur wenige, obwohl viele sie liegen sahen; denn die Schiffahrtsstraße nach Helgolanb führt ganz nahe vorüber. Scharhörn ist ein Sanbriff, das nur überflutet wird, wenn ber Norbwest in den schwe­ren Herbst- unb Frühjahrsstürmen bie 2nsel be- rennt. Eine hölzerne Rettungsbake, weithin sicht­bar, kann Schiffbrüchigen auf Tage Unterschlupf gewähren. Die kleine Stube, zu ber man aus Sprossen emporklimmt, birgt wollene Decken, Schiffszwieback unb Trinkwasser sowie eine plagge, mit deren Hilfe man sich dem in der Fahrrinne ankernden Elbefeuerschiff 2 bemerkbar ma­chen kann. Das flache Wasser vor der Insel ist besät mit Wracks aus allen Jahrhunderten. Der Lotsendampfer, der hier vor einigen fahren ge­rammt wurde unb versank, schaut immer noch mit ber Mastsvitze aus ben Fluten Den Stranb ent­lang ist alles zu finben, was bte See zu spenden bat: Kisten, Bretter, Bambusstangen, Bananenstau­ben, Konservenbüchsen, Seebunbsleichen, Quallen, Tang und anderes mehr. Ein Arbeitsbtenstkom- manbo bat in jüngster Zeit einen schmalen Jnsel- ftreifen künstllch erhöht unb durch Anpflanzen von Strandhafer oefeftigt.

Im Gegensatz zu dem Sanbriff Scharhörn ist Neuwerk ein freunbliches grünes Eilanb Seit bem frühen Mittelalter zu Hamburg gehörig, biente es als Stützpunkt im Kampf gegen bte See­räuber. Von ben Befestigungen steht heute nur noch der mächtige viereckige Turm.von dessen ^inne nachts bas Leuchtteuer erstrahlt. Außer ber Wohnung des Wärters bergen die bicken Mauern nach prächtig eingerichtete Zimmer bie hambur- aifchen Staatsbeamten zu vorübergehendem Aufent- halt bienten. Ein Deich umschließt als starker Ring die innere Insel. In seinem Schutze hegen bie tauberen Häuser ber sechzig Bewohner. Auf dem Vorland gegen das Meer bin weidet vom April bis in den November bas Vieh Pferde, Kühe und Schafe. Unzählige Möwen ruhen zwischen den

grasenden Tieren, wenn die Flut gegen das Vor­land spült. Kreischend schwärmen sie ins Watt hin­aus, sobald die Flut sich verläuft.

Gäste finden sich auf Neuwerk wohlausgenvm- men. Freilich müssen sie sich begnügen mit der Ge­sellschaft von Wasser, Himmel, Weideland und den stillen Menschen und Tieren.Betrieb" gibt es auch in dem einzigen Gasthaus nicht. Bei Hochwasser, das täglich zu einer anderen Stunde eintritt, nimmt man sein Bad, bei Niedrigwasser läuft man ins Watt hinaus, dessen hartwelliger ober schlickiger Grunb ben nackten Fußsohlen so wohltut. Wenn man Glück hat, so überrascht man vielleicht See- hunbe beim Svnnenbab, zwanzig unb mehr an einem Platz. Kopfüber tauchen sie ins aufrauschenbe Wasser zurück, wenn ber Mensch sich allzunahe heranwagt. Nur wenige Seemeilen entfernt, dampft unablässig Schiff um Schiff elbe- ober meermärts. Mit bem Glase erkennt ber Kunbige Heimat unb Ziel. Abenbs umgeht man noch einmal auf bem Deich die Insel. Einer Stunde bedarf es hierzu bei gemächlichem Schritt. Und dann kommt bie Nacht mit Leuchtfeuern in allen Richtungen und mit einer märchenhaften Stille.

Keinen Wald hat die Insel, nur niedere Bäume unb Buschwerk. Der rauhe Herbst- unb Frühjahrs­atem bes Meeres läßt nichts hochkommen. In ber Nähe bes Leuchtturms fällt ein umbuschter Platz auf. Wer auf weißem Steg ben Priel überschreitet unb burch bie kleine Pforte tritt, steht vor Gräbern, bie keine Namen tragen. Unbekannte ruhen hier, bie bas Meer in Sturmnächten an ben Strand warf. Schlichte Holzkreuze, kein Grab ohne Blu­men. Der Stein in ber Mitte trägt schöne Verse, die Gustav Falke diesen Namenlosen zum Gedächt­nis schrieb. Manche Leute kommen auf hohen Watt- roagen vom Festlande herüber, um von der Platt­form des Leuchtturms einen Rundblick zu tun. Im Hochsommer steuert auch ein Cuxhavener Motor­kutterNige Oge" einmal täglich die Insel an. Sein Kapitän, ein in ber ganzen Gegenb bekann­tes Original, ist bereits in mehrere Romane ein­gegangen. Schwimmen kann er nicht, aber auf See­fahrt versteht er sich, unbDvntjes" erzählen, das ist feine besondere Kunst Eine Segelfahrt mit ihm nach Helgoland gehört zu den genußreichsten Abenteuern.

Wasserpfade im Rheinland.

Von Or. Konrad Pfennig.

Kleiner Wegweiser für Paddler, Kanuten und solche, die es werden wollen.

Wenn an schönen Tagen auch Hunderte von Faltbooten auf dem Rhein zu sehen sind, dann darf man daraus doch nicht schließen, daß alle Wasserpfade im Rheinland schon entdeckt seien. Ne­ben der Strecke desromantischen Rhein" unb ber sich breit behnenden Wasserstraße bes Nieberrheins kommen zu einem Fluß bie Pabbler von weither gefahren, zur lieblichen Mosel. Sie ist für ben Wasserwanberer vielleicht ber leichteste Fluß, an dem er sich nach Herzenslustaalen" kann, auf dem keine schweren Radkastendampfer in aus feiner be­schaulichen Ruhe wecken. Eile gibt es auf diesem Fluß nicht. Er ist wie die Landschaft: gemütlich, um nicht zu sagen behäbig, genießerisch.

Andere Wasserwanderer lieben mehr ben schnell- fließenben Rhein. Es macht ihnen Vergnügen, in bie hohen Wellen ber Rabbampfer zu fahren. Aber bitte: man bleibe boch in gemessener Entfer­nung von ihnen, wenn man Wellen reiten will. Unb im übrigen muß man etwas baoon verstehen, damit man bie Wellen richtig schneiben kann, und es nicht einenUmschmiß" gibt. Diese Gefahr, ber nur Leichtsinnige ausgesetzt sind, kann den Was­serfahrer nicht daran hindern, immer wieder den romantischen Rhein als eine der schönsten Fluß­wanderstrecken zu befahren. Von Bingerbrück an­gesichts des Niederwalddenkmals bis hinunter zur holländischen Grenze sind etwas mehr als 300 Kilometer zurückzulegen. Man lasse sich viel Zeit, mindestens eine Woche, um auch die tausend wechselnden Eindrücke verarbeiten zu können. Vor allem wird der rechte Wasserwanderer auch einmal einen Tag auf einer ber schonen Rheininseln zu­bringen, wo er mitten im Strom zwischen Weiben und unter alten Bäumen sein Zelt aufschlagen kann. Auf einem ber Werte empfinbet er beson­ders lebhaft und eindringlich bie Reize des Waffer- wanderns. Und felbstverstänblich steigt er auch ein­mal auf die Berge, zu den Burgen, sieht von den hohen Zinnen auf den Fluß hinab, wandert einmal ein Stück der prächtigen Rheinhöhenwege. In der Ebene ist der Fluß bann später durchaus nicht lang­weilig. Der rege Schiffsverkehr sorgt immer wie­der für Abwechslung. Die Kilometertafeln am Ufer zeigen bem Fahrer ständig seine Leistungen an. Aufpassen muß ber Wasserwanderer bann im In­dustriegebiet, wenn er in seinem leichten Fahrzeug durch den Duisburger Hafen fährt, wo Hunderte von Schleppkähnen liegen. Doch scho» von Orsoy ab säumen wieder herrliche Wiesen' und Weideland das Ufer. Wesel, Tanten, Rees und Em­merich grüßen den Wanderer auf dieser Rh ein fahrt. Eingeweihte fahren noch über Emmerich hinaus auf ber deutschen Stromseite, auf bem Griethauser Altrhein weiter und schließlich durch ben Spoykanal nach Kleve, ber Stabt des Schwa­nenritters.

Aber der Rhein ist nicht der einzige Wasser- wanderweg, den bie Kanuten im Westen befahren. Saar unb Mosel mit einem Abstecher zur leb­haften Sauer stellen einen Fahrtenplan für sich bar. Unmöglich ist es, alle Kostbarkeiten unb Sdpn* beiten, bie hier am Wege liegen, aufzuzählen. Al­lenthalben sinb Zeltplätze zu finben. Kanuheime finb in großer Zahl entstauben. Führerwerke wür­ben geschaffen unb zuverlässige Wasserkarten ge­zeichnet. Nur Wenige wissen es außerhalb ber Grenzmark, baß bie Ruhr ein lanbschaftlich höchst reizvoller Fluß ist. Im Süben ber größten Stabt bes Ruhrgebietes, Essen, liegt ber große umwal- bete Baldeneysee. An Werben unb Kettwig vorbei geht es ruhrabwärts nach Mülheim (Rühr) und schließlich in den Duisburger Hafen.

Die vielen Schleusen in ber Lahn können den Paddler nicht hindern, den schonen Fluß immer wieder zu befahren. Auch die weniger zahlreichen Wehre der Sieg stören nicht. Flüsse und Bäche im Rheinland, die nicht stets in ihrer ganzen Aus­dehnung befahren werden können, gibt es in gro­ßer Zahl. Von eigenartiger stiller Schönheit ist auch das W i e d t a l. Die Ahr ist leider nur in den seltenen Fällen, wenn sie Hochwasser führt, zu pad­deln. Nicht vergessen seien zwei Nebenflüsse ber Sieg, die Agger unb bie noch kleinere Sülz. Einen befonberen Stimmungsgehalt besitzt das Land rechts und links der Erft, das vvgelreiche Bruch- lanb. Zwei Flüßchen, die ihre Wasser ber Maas zuführen, erfreuen sich aroßer Beliebtheit bei den rheinischen Pabdlem. Die Rur, die im Hoben Venn entspringt, ist von Monschau bis Einruhr unb Heimbach bei Hochwasser ein schwieriger Wilb- sluß, von Düren unb Jülich bis zur Grenze ein Wasser, bas feinen lebhaften Charakter beibebab ten bat. Fast stromlos ist baaegen bie Schwalm, bie sich burch ein Bruchland roinbet, viele ver­träumte Seen bildet unb fo recht ein Wanberpiad tum Träumen unb gemächlichen Bummeln ist. So ist bie Wasserwanberkarte bes Rheinlanbes viel ab- wechslunasreicher als meist angenommen wird. Die kleinen Flüsse unb Bäche ermöglichen Runbiahrten, welche bie lanbscbaftliche Mannigfaltiakeit, bie bem Rheinlanb fein Gepräge aibt, zum Erlebnis wer­ben lassen. Es wandert sich gut im großen vielge­staltigen rheinischen Wasserparadies.

Nervöse im Seebad!

Eine noch weit verbreitete Meinung ist, daß ne^ oöfe Menschen nicht an die See aebören, weil sich dort ihre Nervosität, ihre Schlaflosigkeit noch steigern usw. Curschmann zeigt in ber ,.D e u t- schen Mebizinifchen Wochenschrif t", baß bis zu einer gewissen Grenze bas Ge­genteil richtig ist. Wie ber abaegrbeitetepflaster- mübe" Gesunde cm der See feine Erholung findet, so auch ber Nervöse, ber Neurastheniker, welche Beschwerben er auch immer habe. Die Reize des Seeklimas unb bes Seebabes stärker an ber Norb- fee, milber an ber Ostsee, bewirken auch bei ihm eine Steigerung ber körperlichen Leistungen, ein rimebmendes seelisches Behaaen unb bamit eine Besserung des ganzen Zustandes. Das gilt insbe­sondere auch für bie nervösen Beschwerben, bie sich' im Ueberganasalter bei Frau unb Mann ein­stellen, selbst wenn hier eine beainnenbe Arterien­verkalkung ober ein leicht erhöhter Blutbruck im Hinterarunbe steht Nicht zu unterschätzen ist bei dem Aufenthalt an der See, daß bie Gemeinschaft mit gefunben, fröhlich sich tummelnben Menschen ben