Ausgabe 
14.4.1937
 
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Präsidenten Gelegenheit zu einer längeren Aus­sprache gab. Daran schloß sich ein Frühstück, an dem zahlreiche Persönlichkeiten des politischen und wirtschaftlichen Lebens teilnahmen.

Der Hochverratsprozeß Roffaml. Der Sachverständige hält den Angeklagten für eineverstiegene Persönlichkeit", aber voll verantwortlich.

Berlin, 13. April. (DNB.) Im Hochverrats­prozeß gegen die katholischen Priester vor dem Volksgerichtshof erstattete ein medizinischer Sach­verständiger, der Rossaint seit dem vergangenen Jahre laufend beobachtet hat, sein Gutachten. Schon unter seinen Vorfahren sind geistig und seelisch un­normale Erscheinungen festzustellen. Die Schwester wird von den Aerzten als einehysterische Psycho­pathin" bezeichnet. Bei Rossaint liege eine angebo­rene reizbare Nervenschwäche vor, die sich körper­lich in Müdigkeit und Schlaflosigkeit und geistig in herabgesetztem Konzentrationsvermögen und Wil­lensschwäche äußere. Er stehe zu keinem Menschen in herzlicher Verbundenheit, Humor und Freude seien ihm völlig unbekannte Begriffe: er sei eine verstiegene Persönlichkeit". Eine verminderte gei­stige Zurechnungsfähigkeit im Sinne von § 51 Ab­satz 1 oder 2 des StGB, liege nicht vor, so daß der Angeklagte als strafrechtlich voll verantwortlich anzusehen sei.

R o s s a i n t verlas dann darauf eine schriftlich festgelegte Erklärung. Er habe nicht beabsi^rigt, die hochverräterischen Bestrebungen der Kommu­nisten zu unterstützen und mit ihnen eine Einheits­front aufzurichten. Er nimmt dann seine alte, durch nichts bewiesene These der Missionstätigkeit unter den Kommunisten auf, indem er wörtlich sagt:Ich habe vielmehr ein Stück meiner Lebensarbeit darin gesehen, den Kommunismus in der von mir für richtig gehaltenen Form zu bekämpfen." Er müsse allerdings zugeben, daß er aus persönlicher Schwäche und, weil er damals den Nationalsozia­lismus abgelehnt, sich zu falschen Handlungen habe treiben lassen, die er bedauere!

Meine politische Nachrichten.

In der Presse "ist vor einigen Tagen die Mittei­lung verbreitet worden, daß die Prinzessin Mafalda von Hessen, die Gemahlin des Oberpräsidenten Prinz Philipp von Hessen, in Ber­lin von einem Sohn entbunden worden sei. Diese Nachricht beruht, wie das Deutsche Nachrichtenbüro mitteilt, auf einem Irrtum.

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Reichsminister Rust sprach zu den in Athen an­sässigen deutschen Volksgenossen über Deutschlands Werden und Aufstieg. Der Minister gedachte des bevorstehenden Geburtstages des Führers und dessen unermüdlicher Arbeit um das Wohl Deutsch­lands.

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Am Mittwoch bringen sämtliche Reichs­sender in derStunde der jungen Nation" Kohle und Erz Stahl und Eisen". Es spricht Geheimrat Kirdorf, der am 8. April seinen 90. Geburtstag feierte und vom Führer persönlich geehrt wurde.

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Im Danzig-polnischen Abkommen vom 5. Januar 1937 über die Ausnutzung des Danziger Hafens ist vorgesehen, daß der Senat in Bespre­chungen mit den polnischen Wirtschaftskreisen, die am Hafenverkehr und Hafenumschlag beteiligt sind, prüfen wird, ob und welche Erleichterungen und Vorteile den genannten Kreisen geschaffen werden können. Demgemäß haben am 13. April polnische Wirtschaftskreise' unter Führung von Generaldirek­tor Wachowiak entsprechende Vorschläge zur Erör­terung gestellt. Der Senat hat mit diesen Bespre­chungen Senatsrat Hoffmann beauftragt.

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Eine Anzahl von englischen Abgeordneten und Straßenbausachverständigen hat eine Einladung an­genommen, das moderne deutsche Straßen­bauwesen zu studieren. Lord Wolimer und Lord Allen of Hurtwood waren kürzlich zu einem per­sönlichen Besuch Dr. Todts nach Berlin gekommen und hatten auch verschiedene Reichsautobahnen be­sichtigt und befahren. Da in englischen Wirtschafts­kreisen das Interesse für die deutsche Motorisierung außerordentlich ist und man sich von der Art, wie Deutschland diese Fragen gemeistert hat, auch für den englischen Verkehr und Straßenbau wertvolle Anregungen verspricht, ist die Einladung zustande gekommen.

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In Gegenwart des Ersten Lords der Admiralität lief in Birkenhead an der Liverpooler Bucht der neue Flugzeugträger der britischen FlotteArt Rayal" vom Stapel. Dar Schiff ist rund 260 Meter lang und hat eine Wasserverdrän­gung von 22 000 Tonnen. Es kann 7 0 Flug­zeuge aufnehmen.

Das holländische Verteidigungsministerium hat vier Unterseeboote in Auftrag gege- b en. Die neuen U-Boote werden eine Wasserver­drängung von 950 Tonnen über Wasser und 1200 Tonnen unter Wasser haben. Jedes Boot hat zwei Motore mit je 2500 PS und soll eine Schnelligkeit von 19,5 Seemeilen je Stunde entwickeln.

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Der erste Massenflug amerikanischer Marineflugzeuge von Kalifornien n a ch H a w a i ist erfolgreich beendet worden. Zwölf Maschinen mit 78 Mann Besatzung an Bord trafen, von San Diego kommend, in Honolulu ein. Die 2553 Meilen (4723 Kilometer) lange Strecke wurde in 21 Stunden 25 Minuten zurückgelegt.

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Der italienische Ministerrat beschloß die Schaf­fung einesGrenzwachkorps". lieber die Aufgaben dieses Korps werden noch keine näheren Angaben gemacht.

Kunst und Wissenschaft.

GroßerErfolg der deutschen Amazonas- Iary-Expedition.

Die deutsche Amazonas-Jary-Expe- d i t i o n hat einen großen Erfolg errungen. Schulz-Kampfhenkel ist aus dem For­schungsgebiet des oberen Jary zurückgekehrt und hat den Amazonas-Strom wieder erreicht. Damit ist die erste Süd-Nord-Durchquerung Brasilianisch-Guyanas auf dem Jary- Strom, vom Amazonas bis zur Grenze von Cayenne, gelungen. In 53tägiger Kanureise durch menschenleeres Urwald-Flußgebiet erreichten die Forscher die Jagdgründe der Oayama-Jndianer.

Haven Siegenaue Bahnzeit"?

Oie Zeitdienst-Uevermittlung der, Re chsbahn

Um Bruchteile von Sekunden.

In einem kleinen Zimmer der Reichsbahndirek- tion Berlin, zweifenstrig und nur mit dem not­wendigsten Mobilar versehen, befindet sich das Wunderwerk, das sämtliche Uhren auf deutschen Bahnhöfen die so wichtige genaue Zeit über­mittelt. Rechts und links stehen große Schalttafeln, die fast bis zur Decke reichen, mit einer Unzahl von Hebeln. Uhrticken tönt in die Stille. Bedächtig schwingen die Pendel dreier großer Uhren in ganz gleichem Takt hin und her.

Schnell die Gelegenheit wahrgenommen. Hier kann man seine Uhr um die berühmte Minute re­gulieren, die das Zuspätkommen verursacht. Alle drei Uhren, eine Hauptuhr und zwei elektrische Uh­ren, stimmen auf Bruchteile einer S e - k u n d e überein. Von hier aus erhalten täglich sämtliche Uhren im Bereich des Reichsbahnnetzes diegenaue Bahnzeit".

Bereitwillig gibt der Leiter der Zeitdienstüber­mittlung Auskunft über das Wunderwerk:Schon fünf Minuten vor acht Uhr morgens ruht auf sämtlichen Leitungen der Reichsbahn der gesamte Telegrammverkehr; denn pünktlich zur Sekunde, zwei Minuten vor acht Uhr, betätigt die große MEZ.-Uhr" sie zeigt die genaue mitteleuropäi­sche Zeit den ersten Kontakt zum Rufzeichen­geber, an den die Fern- und Bezirksleitungen im ganzen Reich angeschlossen sind. Selbstverständlich schalten sich die Morseapparate ein und nehmen das MEZ.-Zeichen des Gebeapparates auf. Länger als eine Minute lang ergeht in Morsezeichen der Ruf MEZ. .., MEZ. .., MEZ. .., bis dann genau 50 Sekunden vor acht Uhr ein zweiter Kontakt in Tätigkeit tritt, der den Gebeapparat ausschaltet.

Auf den Morseapparaten im ganzen Reich er­scheint bas eigentliche Zeitzeichen als langer Strich. Auf die Sekunde, wenn die MEZ.-Uhr 8 Uhr ist, wird der Strich unterbrochen, und diese Unterbre­chung ist für jede angeschlossene Stelle der Deut­schen Reichsbahn das Zeichen, daß es in diesem Augenblick ganz genau 8 Uhr, 0 Minuten, 0 Se­kunden ist. Sechs Sekunden nach 8 Uhr erscheint noch einmal ein mehrmaliges MEZ. als Schluß­zeichen. Dann ist die tägliche Zeitdienstübermitt­lung beendet. Sämtlichen Bahnhöfen ist eine ein­heitliche Zeitangabe übermittelt worden, die Bahn- Hofsuhren können nach ihr eingestellt werden, und so ist die Gewähr gegeben, daß sämtliche U h - ren a u f deutschen Bahnhöfen die glei­che Zeit anzeigen."

Bis in die entferntesten Winkel unseres Vater­landes wird so die genaue Bahnzeit allmor­gendlich übermittelt, lediglich München hat eine selbständige Zeitdienstanlage für Bayern und Würt­temberg, während Karlsruhe um 8 Uhr die genaue MEZ.-Zeit erhält und sie um 8.30 Uhr durch ganz Baden weitergibt.

In diesem Raum befindet sich auch die Haupt­uhrenzentrale für den Reichsbahndirektions­bezirk Berlin", fährt der Leiter der Zeitdienstüber­

mittlung fort.Eine elektrische Uhr und eine Re- serveuhr mit mechanischem Werk schicken in Ab­ständen von einer halben Minute Stromimpulse zu den einzelnen Uhrenzentralen auf den wichtigsten Bahnhöfen in der Nähe, Schlesischer Bahnhof, Friedrichstraße usw. Doch nicht nur die Zeiger der Reichsbahnuhren im Bezirk Berlin roeroen durch die Stromimpulse aus der Hauptuhrenzentrale fort- bewegt. Auch die in der Berliner Einheitszeitgesell­schaft zusammengeschlossenen Unternehmen, in der Hauptsache die Berliner Verkehrsgesellschaft, erhal­ten täglich von hier die genaue Zeit."

Auf die Sekunde kommt es hier an. Und da die drei Uhren der Hauptuhrenzentrale sie besitzen ein mechanisches Gehwerk von größter Gang­genauigkeit durch die Belastung'der Gehwerke, durch Kontakte und durch äußere Einflüsse kleine Abweichungen aufweisen können, hat man noch ein Wunderwerk, das unter allen Umständen zuverlässig ist, eine astronomische P r ä z i s i o n s p en­de l u h r von höchster Genauigkeit. Im tiefen Kel­ler, in einem Raum, der keinen Erschütterungen ausgesetzt ist und stets die gleiche Temperatur von 25 Grad und gleichen Feuchtigkeitsgehalt der Luft aufweist, steht die astronomische Uhr, die für den Gang aller Uhren maßgebend ist. In Zwischen­räumen von etwa 40 Sekunden zieht sie sich selbst elektrisch auf. Durch eine Pendelsteuerung ist sie mit den drei Uhren in der Zeitdienstangabe verbunden und sorgt durch einen Elektromagneten dafür, daß die drei Pendel mit dem ihrigen gleichen Takt halten.

Die Zeit der astronomischen Uhr wird mit der der Neubabelsberger. Sternwarte und dem Nauener Zeitzeichen verglichen. Ein Registrierapparat zeigt durch Lochung' auf einem Papierstreifen die einzelnen Zeiten nebeneinander an, auch die der astronomischen Uhr, der MEZ.-Uhr und der Betriebshauptuhr. So kann man durch Vergleichen der Lochungen die genaue Zeit bis auf kleinste Bruchteile einer Sekunde ermitteln. Schon bei Abweichungen von einer Zehntelsekunde wird die astronomische Uhr durch Auflegen dünner Sil­berplättchen auf das Pendel reguliert.

Das Zimmer der Zeitdienstangabe bleibt den ganzen Tag verschlossen. Die Einrichtungen von größter Genauigkeit machen die Hand des Men­schen überflüssig. Nur frühmorgens, wenn man auf allen deutschen Bahnhöfen die genaue Bahnzeit erwartet, ist ein Mechaniker anwesend. Er soll im Falle einer Störung das Zeitzeichen durch einen Handmorseapparat übermitteln. Aber der Hand­morseapparat ist noch nie in Tätigkeit gewesen. Pünktlich und ohne jede Störung haben bisher noch stets-die Uhren auf den Bahnhöfen die genaue Bahnzeit erhalten. Und das ist unumgänglich not­wendig, da schon jetzt bei den immer hoher wer­denden Geschwindigkeiten der Züge in den dienst­lichen Fahrplänen nach Bruchteilen von Minuten gerechnet wird. Adolf N e s s.

Mächtige Stromschnellen waren dabei zu überwin­den, was nur durch die außergewöhnliche Trocken­zeit des vergangenen Jahres und das dadurch be­wirkte starke Sinken des Wasserstandes im Dezem­ber möglich war. Oberhalb des Nebenflusses Cu- ruapi trafen sie mit Oayama-Jndianern zusammen, die sie zu Begleitern gewannen. Mit 35 Oayama- Jndianern drangen sie zum Flusse Ku vor, in des­sen Quellgebieten man auf Pfahlbaudörfer der Oayapi-Jndianer stieß. Von diesem primitiven Stamm der zur Tuwi-Sprachgruppe gehörenden Indianer wurden umfassende Sammlungen ange­legt. Begehrteste Tauschwaren waren Salz, Glas­perlen, Angelhaken, Messer. Die Quellen des Oaya- pock wurden an der Grenze Französisch-Guyanas passiert. Beim Aufbruch zur Rückreise erkrankte Schulz-Kampfhenkel schwer an Dysenterie und Fie­ber. Indianer geleiteten die Bvotsslvtte durch die Stromschnellen stromab. Nach dreiwöchiger schwe­rer Talfahrt war der Amazonas erreicht. Alle Sammlungen, die Filme und Photos, die ersten aus dieser Gegend, die Karten und Tagebuchauf­zeichnungen sind wohlerhalten. Der Gesundheits­zustand Schulz-Kampfhenkels hat sich gebessert, der gleichfalls erkrankte Gert Kahle ist bereits wie­derhergestellt. Die Forscher sind zur Zeit mit der Vorbereitung ihrer bevorstehenden Heimreise be­schäftigt.

Die Breslauer Tagung der Rönlgen-Aerzte.

Die wissenschaftliche Sitzung der Tagung der Deutschen Röntgen-Gesellschaft wurde von Schmidt-Rohrbach mit einem Vortrag über die Erkennung der Lungentuberkulose und die Be­deutung der röntgenologischen Untersuchung für Er­kennung und Behandlung dieser Krankheit einge­leitet. Großes Interesse wrckie ein von Böhme- Rostock vorgeführter Fikn, der die in der Erschlaf­fungszelt des Herzens erfolgende Auffüllung des­selben und die Blutbewegungen in den Zentral­venen demonstrierte. lieber Untersuchungen über die Schluckvorgänge und die Schluckwege berichte­ten von P a l u g y,a y - Wien und Dahm-Köln. Albrecht-Frankfurt a. M. gab einen umfassen­den Ueberblick über die gesamte Untersuchungstech­nik. Der erste Verhandlungstag zeigte, aus "welch hoher Stufe die Röntgendiagnostik heute steht und daß sie sich'in wenigen Jahrzehnten zu einer selb­ständigen Wissenschaft entwickelt hat.

Der Adlerschild des Deutschen Reiches für den Altmeister der deutschen Meteorologie. Der Führer und Reichskanzler hat dem seit vielen Jahren in Graz lebenden berühmten Meteo­rologen Geheimen Admiralitätsrat Prof. Dr. Wla-' bi mir Köppen den Adlerschild des Deutschen Rei-' ches verliehen. Schild und Urkunde wurden dem Gelehrten, der im 91. Lebensjahr steht, im Grazer deutschen Konsulat feierlich überreicht. Konsul Drubba würdigte in einer Ansprache die über­ragenden Verdienste des Altmeisters der deutschen Meteorologie und händigte Prof. Köppen mit den besten Glückwünschen des Führers, des Reichs- und Preußischen Ministers des Innern, des Botschafters von Pap en, sowie im eigenen Namen die Ur­kunde aus. Köppen dankte herzlich für diese seltene Ehrung. Prof. Köppen, der Reichsdeutscher ist, ist 1846 in Petersburg geboren. Die 1883 erfolgte Gründung der Deutschen Meteorologischen Gesell­schaft ist sein Verdienst. Auf faft allen Gebieten ent­faltete er die größten wissenschaftlichen Leistungen. Mehr als 44 Jahre hat er der deutschen Seewarte in Hamburg in hervorragendem Maße gedient. Seit 1924 lebt Prof. Köppen in Graz. Noch heute ist der Gelehrte wissenschaftlich tätig. Zur Zeit gibt er mit einer Reihe von in- und ausländischen Forschern das große Handbuch der Klimatographie in fünf Bänden heraus.

Aus aller Wett.

Wettwirtschaststag in Frankfurt a. M.

In Frankfurt wird die Deutsche Weltwirt­schaftliche Vereinigung vom 6. bis 14. Mai 1937 ihren 14. Deutschen Weltwirtschaftstag durchführen. Mit der Wahl der Stadt Frankfurt wird die Bedeutung gerade des Rhein-Main-Ge- bietes für die Weltwirtschaft deutlich zum Ausdruck gebracht. Diese Frage wird auch in einem Referat des Präsidenten der Industrie- und Handelskammer Prof. Dr. Lüer behandelt werden, nachdem vorher der Generaldirektor des Alsthom-Konzerns, A. D e- toeuf (Paris) und eine führende deutsche Persön­lichkeit über die Lage und Aussichten der Weltwirt­schaft im allgemeinen gesprochen haben werden. Eröffnet wird die Arbeitstagung durch den Präsi­denten der Gesellschaft, Gouverneur i. R. Dr. Schnee. Im Rahmen der Sondertagungen in der Aula der Frankfurter Universität wird das Thema: Weltluftverkehr, unter Leitung von Staatssekretär Koenigs, von dem Direktor der Deutschen Zeppelin-Reederei Kapitän Dipl.-Jng. Lehmann, dem Ministerialrat Thomas vom Reichspost­ministerium und Prof. Dr.-Jng. Pirath (Stutt­gart) behandelt werden. Im Anschluß daran refe­rieren Prof. Dr. Prion (Berlin), der Mitinhaber von I. Henry Schroeder, Frank C. Tiarks (Lon­don), und Generaldirektor der Societe Generale, Paris, Ardant, über den internationalen Kapi- taloerkehr. In einer öffentlichen Kundgebung im Saalbau werden sich Gouverneur i. N. Dr. Schnee, Generaldirektor A. Defoeuf und Professor Dr. Carl Liier mit dem Thema:Warum Weltwirtschaft?" auseinandersetzen. EinHessischer Abend" als kame­radschaftliches Zusammensein vereint die Teilnehmer im Frankfurter Palmengarten. Studienfahrten in die nähere und weitere Umgebung, Werksbesichti­gungen führender Industrie- und Wirtschaftsbe­triebe, weitere Referate und r4n Wartburgabend in Eisenach beenden den 14. Weltwirtschaftstag.

Exemplarische Strafe für einen Verleumder.

Eine exemplarische Strafe verhängte die Große Strafkammer Wiesbaden über einen 69jährigen Mann wegen wissentlich falscher Anschul­digung zweier Wiesbadener Aerzte. Der Ange­klagte war 1929 auf der Straße zu Fall gekommen und hatte sich einen doppelten Kniescheibenbruch zu­gezogen. Er kam in das Städtische Krankenhaus, wo der leitende Arzt eine Operation vornahm. Der An­geklagte will heute noch an Lähmungserscheinungen leiden, die er auf falsche ärztliche Behandlung zurück­führt. Er stellte wiederholt Schadenersatzansprüche gegen die Stadt Wiesbaden, drang damit jedoch nicht durch. Obwohl dem Angeklagten die Haltlosigkeit seiner Vorwürfe klargemacht waren, stellte er erneut gegen die beiden Aerzte Strafanträge. Wie die Ver­handlung ergab, kam es dem Angeklagten lediglich darauf an, aus feinem Unfall Kapital zu schlagen. Der medizinische Sachverständige bezeichnete den An­geklagten als Psychopathen, aber strafrechtlich für voll verantwortlich. Mit Rücksicht auf die Schwere der falschen Anschuldigungen verurteilte die Straf­kammer den Angeklagten zu sechs Monaten Gefängnis.

Riesiger Brand wütet in einem Eichsseld-Dors.

In einem Gehöft in Kreuzeber (Eichsfeld) brach ein Brand aus, der sich, durch starken Wind be­günstigt, mit riesiger Geschwindigkeit über das halbe Dorf ausdehnte. 27 Gebäude, darunter drei Wohn­häuser, sind ein geäschert worden. 23 Familien haben Hab und Gut verloren. Große Vorräte an Futtermitteln, viele landwirtschaftliche Maschinen, Schweine, Schafe und Hühner kamen in den Flam­men um. Zufällig kam auf einer Uebungsfahrt eine

Wehrmachtsabteilung aus Mülhausen durch das Dorf, die sofort eingriff. Auch SA., SS., NSKK., TN. aus allen umliegenden Ortschaften nahmen mit den Wehren die Rettungsarbeiten auf, so daß das Großvieh in Sicherheit gebracht werden konnte. Gauleiter Reichsstatthalter Sauckel traf an der Unglücksstätte ein. Die NSV. stellte vorläufig 25 000 Mark für die betroffenen Familien zur Verfügung. Die Brandursache ist noch nicht festgestellt. 120 Mann vom Reichsarbeitsdienst begannen mit den Aufräumungsarbeiten.

Graf Zeppeli«" nach Südamerika unterwegs.

Das LuftschissGraf Zeppelin" ist am Dienstag um 20,47 Uhr bei günstigem Wetter unter Führung des Kapitäns W i t1 e m a n n von Fried­richshafen aus zu feiner ersten diesjährigen Süd­amerikafahrt gestartet. An Bord befinden sich 21 Fahrgäste, darunter Professor K e m p f f, der be­kannte Pianist aus Potsdam. Die jüngsten Reisen­den sind das dreijährige Töchterchen und der 13jäh- rige Sohn des brasilianischen Handelsattaches in Berlin.Graf Zeppelin" erreichte am Mittwoch­morgen um 6.30 Uhr die französische West­küste bei der Mündung der Gironde.

Unfall auf einem englischen Schießplatz.

Auf dem englischen Schießplatz von Bisley er­eignete sich ein eigenartiger Zwischenfall. Als eine Kompanie schottischer Gardisten in der Nähe des Schießplatzes vorbeimarschierte, erhielt sie plötzlich

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Maschinengewehrfeuer. Ein Gardist wurde getötet. Die übrigen Soldaten konnten sich nur dadurch retten, daß sie sich zu Boden warfen. Die Militärbehörden haben eine Untersuchung einge­leitet.

Französisches Dorf von einem Erdrutsch bedroht.

Bei dem kleinen Ort Chomettes in der Nähe von Bonneville (Departement Haute-Savoie) ist eine Fläche von etwa zehn Hektar ins Rutschen gekom­men. Die Bevölkerung mußte zum Teil mit ihrem Hab und Gut aus ihren vom Erdrutsch be­drohten Häusern ausziehen.

Jude wegen Rassenschändung und Verbrechens gegen das keimende Leben verurteilt.

Am 1. März war der Jude Walter Baer, der sich in Düsseldorf als .^Frauenarzt" betätigte, wegen R as s e n s ch ä n d u n g zu zwei Jahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust verurteilt worden. Bei diesem Verfahren hatte die Untersuchung ergeben, daß sich der Jude seit mehreren Jahren in einer Reihe von Fällen des Verbrechens gegen das keimende Leben im Sinne des § 218 StGB. (Ab­treibung) schuldig gemacht hatte. Er hatte sich des­halb vor dem Düsseldorfer Schwurgericht ZU ver­antworten. In der Verhandlung, die unter Aus­schluß der Oeffentlichkeit stattfand, konnten dem Angeklagten sieben Abtr^ibungsfälle nachgewiesen werden. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Ge­samtstrafe von drei Jahren Gefängnis. Diese Strafe wurde in eine Zuchthausstrafe von zwei Jahren umgewandelt. Diese Strafe und die am 1. März wegen Rassenschande verhängte Strafe wurden zu einer Gesamtzuchthausstrafe von drei Jahren und drei Monaten zusammengezogen.

Terrorakte einer Sekte in Brikischkolumbien.

Die Polizeibehörden in Nelson sahen sich ge­zwungen, umfangreiche Schutz- und Vorbeugungs­maßnahmen gegen das Treiben derSöhne der Freiheit" zu ergreifen, einer Sekte, die sich feit einigen Tagen in Britisch-Kolumbien durch Terror­akte hervortut. Nachdem diese Sekte in den letzten Tagen fünf Schulen und vier öffentliche Gebäude durch Brandbomben eingeäschert hat, drohte sie jetzt, die Brücken der kanadischen Pazifik­bahn zu sprengen. Diese Terrorakte sind angeblich Protestmaßnahmen der Sekte gegen die kanadischen Erziehungsmethoden. DieSöhne der Freiheit" sind die bekannte Sekte derDuchoborzen" (Geistes­kämpfer"), die sich 1740 in Rußland gebildet hat und gegen Ende des 19. Jahrhunderts nach Kanada ausgewandert ist.

Zwei Reger gelyncht.

In Grenada (Mississippi) holte eine aufgeregte Volksmenge zwei Neger, die des Mordes an einem weißen Geschäftsmann angeklagt waren, aus dem Gefängnis heraus und lynchte sie in der Nähe der Mordstelle. Die Neger wurden an einen Holzpflock gebunden und verbrannt.

Eine geheimePrivatpost" in Warschau aufgedeckt.

In Warschau wurde eine geheimePrivatpost" entdeckt, die ein Kaufmann auf Grund von Ver­trägen mit fünf größeren Banken der Hauptstadt betrieb. Die Banken übergaben dem illegalen Po st Unternehmer täglich mehrere tausend Briese, vorwiegend Benachrichtigungen über die Fälligkeit von Wechseln. Bei Beförderung durch die Poft kostet eine solche Benachrichtigung einschließ­lich des Rückscheines 30 Groschen das Stück, wäh­rend die jetzt aufgedecktePrivatpost" nur acht Groschen für jeden Brief verlangte. Bei der Durch­suchung der Wohnung des privatenPosthalters" wurden mehrere tausend Briefsendungen vorgefun­den. Abgesehen von dem Strafverfahren wird die Postverwaltung voraussichtlich eine Entschädi - gungsflage anhängig machen, da sie einen außerordentlich hohen Schaden erlitten hat.

Die Opfer eines Familiendramas in Rordböhmen.

Ein furchtbares F a rn i l i e n d r a m a , das vier Menschen das Leben kostete, spielte sich in Neukrei- bitz bei Warnsdorf (Nordböhmen» ab. Dort fand man in seiner Wohnung den 36jährigen Heinrich Kinder mann, seine 34 Jahre alte Ehefrau Emma sowie seine im Alter von 6 und 13 Jahren stehenden Söhne mit durchschnittenen Kehlen auf. Während Kindermann im Krankenhaus seinen Ver­letzungen erlag, waren die Frau uitb die Kinder