zuhören.
Aus -er Provinzialhauptstadt
Deutsches Volksbildungswerk (NSG. „Kraft durch
Deutsches VolksvMungswerr „suuuvuiu). bis 20 Vf Tafeläpfel
- Lichtsvielhaus. Bahnhofstraße: „Der Hund 25, Lauch 5 bis 8, Sellerie 10 bis 30, Rettich 5 bis
* Gießen, 14. Jan. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: D. f. Molkereibutter, X kg 1,57 Mk., f. Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,42 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 14, Klasse A 13, Klasse B 12, Klasse C IPX, ungezeichnete 10, Wirsing, X kg 8 bis 10, Weißkraut 6 bis 10, Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 20 bis 25, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 12 bis 15, Rosenkohl 28 bis 30, Feldsalat 80 bis 90, Tomaten 60, Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 20 bis 30, Kartoffeln, X kg 5 Pf., 5 kg 42 Pf., 50 kg 3,35 bis
Ein weit gereister Mann schrieb kürzlich über die Stadt Bremen, daß in ihr „Männlein und Weiblein und selbst die ältesten Tanten" sich einer kaum zu überbietenden Verkehrsdisziplin befleißigen. Auch der eingefleischteste Gießener Lokalpatriot wird ein Gleiches von seiner Stadt und deren Umgebung nicht behaupten wollen. Wer, wie der Schreiber dieser Zeilen, die undankbare Aufgabe hat, als Derkehrsrichter hier den Erzieher spielen zu müssen, der vermag ein Lied davon zu singen, was sich auch in unserer fortgeschrittenen Jetztzeit noch viele unserer Zeitgenossen auf diesem Gebiet zu leisten vermögen.
„Verkehrsteilnehmer" sind sie alle, ob Fußgänger, Radler, Pferdelenker oder Benzinmänner, d. h. Kraftfahrer. Die K r a f t f a h r e r sind — mag dies auch manchem Widerspruch begegnen, aber es ist so! — nicht die Schlimmsten. Sicherlich gibt es rücksichtslose Vertreter auch dieses Standes mehr als genug: Kurvenschneider, rücksichtslose Auspuffratte- rer, Schnellfahrer, hier besonders Lastkraftwagen, die im Vollgefühl ihrer überragenden Kraft rücksichtslos auch durch die engsten Straßen unsere.r Stadt rasen, Fahrer, die bei aller Anerkennung der notwendigen Einschränkung des Hupens erst im letzten Augenblick ihr Signal geben, die ohne ein Zeichen zu geben um die Ecken sausen, dem Fußgänger fast über die Füße fahren und den nebenherfahrenden ahnungslosen Radler auf das Schwerste gefährden. Sie alle sind noch immer an der Tagesordnung und müssen gefaßt werden, wo man sie nur fassen kann. Entziehung des Führer- scheins, wenn auch nur vorübergehend, ist hier das gefürchtetste, aber auch probateste Mittel. Und doch, zur Ehre der Mehrheit der Kraftfahrer sei .es gesagt: gerade unter ihnen herrscht doch noch die beste Disziplin; denn, wer mit seinen so und sovielen PS durch das irdische Dasein sausen darf oder muß, der legt doch verständigerweise selbst gar keinen Wert darauf, mit seinem lieben Nächsten, und sei es auch „nur" ein Fußgänger, zusammenzurennen, ein Unterfangen, bei dem doch auch der gewiegteste Fahrer nicht vorher weiß, wie es für ihn selbst an Leib und
15 Pf.
** Ein Siebzigjähriger. Am Samstag, 16.Januar kann der Landwirt Ehristoph Wagner, Krofdorfer Straße 37, seinen 70. Geburtstag feiern. , Ä
** Dre nächste Facharbeiter- bzw. Gesellenprüfung betrifft eine Bekanntmachung der Industrie- und Handelskammer Gießen in un-
verwöhnte und blasierte Frauenlieblir.g war da zum erstenmal einer wirklichen Liebe und einem wirklichen Menschen begegnet. Er hatte sich offenbar gehütet, dieses noch halb kindhafte Mädchen, dessen instinktive Menschenkenntnis er spürte, allzuviel mit seiner eigensten Lebenssphäre in Berührung zu bringen. Sie machte sich nicht viel aus dem mondänen Betrieb, und wenn sie zuweilen doch Leute aus seinem unabsehbaren Bekanntenkreis flüchtig kennenlernte, dann fand sie die Frauen fast immer etwas allzu elegant und die Männer, so grundverschiedenen Kreisen sie zu entstammen schienen, doch allesamt von dem gleichen, ihr irgendwie unangenehmen Typus. Alle hatten sie etwas von brutalen Erfolgsmenschen an sich, ganz gleich, ob es nun Bankiers waren oder Politiker, hohe Staatsfunktionäre oder pensionierte Generale, die jetzt als Dekoration irgendeines Aufsichtsrates wirkten. Dabei hatte Ostrowski streng darauf gehalten, sie ja nur mit durchaus gesellschaftlich einwandfreien Leuten zusammenzubringen, weniger vielleicht in der Absicht, mit seinen fabelhaften Verbindungen vor ihr zu glänzen — dazu war er zu klug —, nein, viel eher wohl in dem Bestreben, ein gewisses Gegengewicht zu schaffen gegen die immerhin etwas zweideutige Art von Berühmtheit, die sich, besonders in einem bestimmten Teil der Presse, mit seinem Namen verband. Er hatte sich vermutlich — zum erstenmal in seinem Leben vielleicht — ein wenig geschämt vor einem Menschen, an dessen Urteil ihm mehr als an dem der ganzen übrigen Welt gelegen war. Vielleicht hatte er sogar ernsthaft versucht sich aus all den unübersichtlichen und dunklen Geschäften, in die er verwickelt war, langsam und vorsichtig herauozuziehen, und vielleicht war thm dann gerade das zum Verhängnis geworden. Dazu kommt noch, daß solche Leute schließlich abhängig sind von ihren Kreaturen, genau wie bei den amerikanischen Verbrecherfürsten, die sich niemals vom Geschäft zurückziehen und zur Ruhe setzen können, weil ihre Leute das nicht dulden. Hier schien dieser Monno eine ähnliche Rolle gespielt zu haben, dieser verdächtige Mensch, von dem Evelyn gleich einen so schrecklichen Eindruck gehabt, hatte, als ihr Ostrowski ihn als seinen Privatsekretär vorstellte.
„Er war mir schrecklich unheimlich", erzählte sie mit leisem Erschauern, „nicht weil er häßlich war, das allein hätte mich nicht so abgestoßen. Aber seine
Lus". —' Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Hund von Daskerville". — Oberhessischer Kunstverem, Turmhaus am Brand, 17 bis 18 Uhr, Ausstellung der Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen von Pro-
Augen hatten etwas so kalt Drohendes, beinahe Grausames. Er war bestimmt viel älter als sein „Patron", wie er Ostrowski immer mit einem leicht höhnischen Unterton nannte. Er sah auch gar nicht aus wie ein Sekretär, sondern eher wie ein marokkanischer Seeräuber in Zivil. Er hatte eine Art, Serge vertraulich beim Arm zu nehmen — als ob er einen Gefangenen abführen wollte. Und Serge — Ostrowski meine ich — ließ sich diese plumpen Vertraulichkeiten ruhig gefallen. ,Du kannst mir glauben', sagte er immer, wenn ich ihn warnen wollte, ,Monno ist mein bester Freund, wir gehören zusammen. Ich kann mich unbedingt auf ihn verlassen, es ist tausendmal erprobt!' Was sollte ich dagegen sagen? Selbst als Monno anfing, mir Augen zu machen und aufdringlich seine Bewunderung für mich zu betonen, habe ich noch geschwiegen. Aber einmal — Ostrowski war noch spät am Abend ganz unvermutet zu einer Konferenz nach Bordeaux abberufen worden — benutzte dieser seltsame Privatsekretär die Gelegenheit, daß Serge mich allein mit ihm im Auto heimfahren ließ. Er machte mir eine Art von Liebeserklärung, die wie eine Drohung klang. Ich empfand nur die Beleidigung und wies ihn heftig zurecht. Ich würde mich bei meinem Verlobten über ihn beklagen, sagte ich ihm. Er antwortete darauf nur mit einem spöttischen Schnauben, im übrigen blieb er stumm. Aber als er mir vor meinem Hause mit kalter Höflichkeit aus dem Wagen half, sah ich im Licht einer Straßenlaterne sein Gesicht zu einer Grimasse von Hohn und Wut verzerrt. In jähem Erschrecken wurde ml’ klar, daß ich Serge alles sagen und ihn dringen) vor diesem Menschen warnen muhte. Und ich habe es auch getan, sowie Serge wieder zurück war.
Serge wurde blaß vor Zorn und stürzte ans Telephon, um Monno herbeizurufen. Später hörte ich dann aus feinem Arbeitszimmer die heftig streitenden Stimmen der beiden, anfangs sehr laut, dann leiser, aber immer heftiger. Sie sprachen irgendeine Sprache oder einen Dialekt, den ich nicht verstand, ich konnte nicht einmal am Klang heraus« finden, was es war. Anfangs hatte ich nur^Sergs reden hören, aber dann wurde er immer häufige? von dem anderen unterbrochen, der schließlich fast allein zu sprechen schien, ohne sich um Serges kurze (Finrofirfe viel zu kümmern.
(Fortsetzung folgt!)
ferem heutigen Anzeigenteil. Auf die Anzeige sek besonders hingewiesen. , ±
** Gefährliches Glatteis. Heute morgen ging über unserer Stadt und der Umgebung ein feiner Regen nieder, der bei der Berührung mit der kalten Erde sofort Glatteisbildung hervorrief. Die Volksgenossen, die sich gegen 8 Uhr aus. den Weg zur Arbeit begaben, mußten sehr vorsichtig gehen. Auch di- Fahrzeuge hatten schwierigen Ver- kehr. Dor vielen Häusern wurde, entsprechend der gesetzlichen Pflicht, sofort Asche oder Sand gestreut. Große Strafkammer Gießen.
Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde gegen die 47jährige Katharina Appel aus Gießen wegen Kuppelei und Vornahme unzüchtiger Handlungen an einem Knaben verhandelt.
Das Gericht erkannte wegen Kuppelei auf eint Zuchthausstrafe von einem Jahr, während im anderen Falle eine einwandfreie Schuld nicht nachgewiesen werden konnte und insoweit Freispruch erfolgte. Der Angeklagten wurden mildernde Umstände versagt,, da die verkuppelte Per« son ihre eigene Tochter ist.
erhält die Fahrtkosten zwischen Wohnort und Em- stellungsort bei Einstellung und Entlassung ersetzt. Auch kann er einen fünftägigen Heimaturlaub im zweiten Halbjahr mit Vergütung der Fahrtkosten erhalten.
Die Einstellungen erfolgen zum 1. April und 1. Oktober. Die Bewerbungen werden von allen Dienststellen des Reichsarbeitsdienstes — auch auf schriftlichem Wege — bis zum 15. Februar angenommen. Bei frühzeitiger Meldung können diese für den Ort der Einstellung berücksichtigt werden. Nähere Auskunft geben alle Dienststellen des Reichsarbeitsdienstes, sowie das von der Reichsleitung des Reichsarbeitsdienstes herausgegebene Merkblatt.
Gießener Wochenmarktpreise.
heil Hitler!
tfannfüf)tung 116.
Dornotizen.
Tageskalender für Donnerstag.
An alle Del Sgenoffen
-es Kreües Gießen.
Der Relchsjugendführer Baldur v. Schirach leitet am Freitag von 19.40 bis 20 Uhr die heim- befchaffungsaktion der Hitler-Jugend mit einer Ansprache an die deutsche Ellern- schast ein. . ,
Die von allen deutschen Sendern übertragenen Ausführungen des Reichsjugendführers sind derart wichtig, daß wir nicht nur die Eltern, sondern alle Volksgenossen bitten möchten, sich diese Rede an-
GießenStadtmdLand-einMüelsiildenDeMr?
Zum „Tag der deutschen Polizei.
Von Amisgelichtsdirettor Or. Mickel, Gießen.
Hebung ohne Unfall verlaufen ist, die Alarmeinrichtungen sich bewährt haben und auch die Verkehrsregelung trotz der schwierigen Verhältnisse zufriedenstellend gewesen ist.
Neben diesen guten Ergebnissen des Uebungs- Verlaufes wurde aber auch auf einige Wünsche und Erfordernisse hingewiesen, die noch zu erfüllen sind und die für die weitere Arbeit nächstes Ziel fein Müssen.
Insbesondere wurde bei aller Anerkennung der freudigen Mitarbeit der Bevölkerung hervorge- hoben, daß es nach wie vor dringend notwendig ist, auf dem Gebiete der Schulung und £uff- schuherziehung aller Volksgenossen tatkräftig fortzufahren, damit sich alle Volksgenossen auch weiterhin restlos und opferfreudig in den Rahmen der Luftschuhübung einfügen.
fessor Otto Dill.
Goelhebund und kaufmännischer Verein.
Der Goethe-Bund und Kaufmännischer Verein Gießen teilen uns mit: Das Vortragsprogramm der zweiten Winterhälfte wird am kommenden Montag mit einem Lichtbildervortrag „Deutschland", (Vorn deutschen Land, dem deutschen Menschen und dem deutschen Wesen) eingeleitet, zu dem Pros. Walter, Austauschprofessor in Schweden, gewonnen worden ist. Was sich hier vor den Augen des Dor- tragsbefuchers in Bildern gestalten wird, ist nicht nur deutsches Land, ist vielmehr deutsches Leben, deutsches Schicksal. Professor Walter steht von feinen früheren prachtvollen Lichtbildervorträgen her noch in bester Erinnerung. (Näheres siehe heutige Anzeige.)
S aarabstimmungsfeier.
Am kommenden Samstag, 16. Januar, 20.15 Uhr, findet im Katholischen Dereinshaus eine Saarabstimmungsfeier statt, zu der alle Saardeutschen und Pfälzer in Gießen und Umgebung eingeladen sind. Auf die heutige Anzeige fei hingewiesen.
Deutsche Arbeitsfront.
Arbeitsschule der Deutschen Arbeitsfront.
Die Deutsche Arbeitsfront, Kreisleitung Wetterau, Abteilung für Berufserziehung und Betriebsführung gibt im heutigen Anzeigenteil die Termine neuer Lehrgänge in Kurzschrift, Maschinenschreiben, Buchführung, Textilwarenkunde usw. bekannt. Interessenten seien auf die Anzeige besonders aufmerksam gemacht.
71SLB., Kreis Gießen.
Mädchenerziehung, technische Fächer.
Samstag, 16. Januar, 15 Uhr, in der Mädchenberufsschule in Gießen: 1, Einfluß der Vitaminnahrung (Schultheis, Großen-Linden); 2. Der Handarbeitsunterricht im 8. Schuljahr (Schneider, Gro- ßen-Bufeck).
Längerdienende Freiwillige im Aeichsarbeitsdienst.
DNB. Die Reichsleitung des Reichsarbeitsdienstes teilt mit: Jeder deutsche Volksgenosse zwischen dem vollendeten 17. (in Ausnahmefällen 16.) und dem vollendeten 25. Lebensjahr kann sich zum freiwilligen Dienst von mindestens einem Jahr im Reichsarbeitsdienst verpflichten. Volksgenossen, die ihrer Arbeitsdienstpflicht bereits genügt haben, können als längerdienende Freiwillige erneut für ein halbes Jahr oder mehr eintreten.
Dem länger dienenden Freiwilligen werden die Freiwilligenschnüre verliehen; Beförderung zum Vor- mann oder Vormann und auherplanm. Truppführer ist für ihn vorgesehen. Der längerdienende Freiwillige
aus.
Auch allerlei Nistkästen gibt es zu bewundern, die täuschend naturecht den Baumstammhöhlen gleichen, nur noch ein kleines Schutzdach über dem Flugloch haben. Bei den Kästen für die Rotschwänzchen muß man schon von einem Flugspalt sprechen, der an einen breitgezogenen Mund mit hängender Unterlippe erinnert.
Wenn es schon ein beglückendes Gefühl ist, von feinem Hofgeflügel beim Futterstreuen umschart zu werden, wieviel mehr muß es beglücken, die Vögel des Himmels füttern zu können!
Futterampeln und Nistkästen sehen dich an, gehe nicht vorüber! _________________P- B.
Schaufenster für Dogelfreunde.
Im Hintergründe ist eine große Tafel unserer deutschen Singvögel aufgehängt. Eine charakten- stische Stellung jedes Vogels und das tn natur- , wahrer Buntheit leuchtende Gefieder lassen einem . sofort den Namen des Sängers einfallen. Ja, mehr noch: sie zaubern seinen Lebensbezirk vor uns hin, versetzen uns in ein Stück Garten oder Wald, Feld । oder Heide, Busch oder Schilf, ans Bachufer oder auf eine Wiese, wo wir den Lockruf oder das Lied eben dieses Sängers lieblich schallend zu hören glauben.
Aber nur wenige von dieser großen, im Bilde lebendiggewordenen Schar bleiben uns auch im Winter treu, und wieder nur ein Teil von diesen Wenigen kommt in unsere Hausgärten, in die Nahe unserer Wohnungen bis zu Terrasse und Balkon. Es sind kaum mehr als ein paar Meisen, Buch- sinken, Ammern und Rotkehlchen. Freilich kommen noch dazu die Haussperlinge und die Hausamseln, wie man mit gutem Recht diese immer vertrauter mit uns gewordenen Schwarzdrosseln nennen könnte. Ihnen ist im Vordergründe des Schaufensters reiz- voll und reich an leckeren Sämereien der Tisch ge- deckt:
Da stehen in dunklen Schalen Samen von Bohnen- und Weizenkorngröße bis zur winzigen Form kleiner Schrotkügelchen. Die dunklen Farbentone sind vorherrschend. Wenn auch Weiß und Gelb vertreten ist, so erscheint doch die Mehrzahl der Sämereien von der Sonne gebräunt und geröstet. Manchmal sind zwei oder mehrere Samenarten als Streufutter gemischt, was ein buntes Farbenge- fprenkel ergibt. Aus ihm können sich die hungrigen Schnäbel, je nach Geschmack und Vorliebe, das Beste für sich herauspicken. Dabei wird, wie die Erfahrung lehrt, allerdings manches zerstreut und übersehen, und im Frühjahr grünt, wenn der Futterplatz eine Gartenecke ist, ein rätselhaftes Kunterbunt von Hälmchen und Blättchen auf.
Für die turnerisch veranlagten Meisen, die gern an wippenden Zweigen kopfunter hängen, zeigen die Seiten des Schaufensters Futterampeln in allen möglichen Formen, die — gleichsam als schaukelnde Recke — den kleinen Artisten sicher eine frohe Überraschung sein werden. Träger der Ampeln sind lan- gere oder kürzere Holzarme, die man an einer Balkonmauer oder am Fenster befestigen kann. Sehr praktisch erscheinen die geschlossenen Formen, die etwa einer großen Birne oder einem Straußenei ähneln und mit Schlupflöchern versehen sind. Manche haben zum Schutze des Futters vorspringende Dächer und Böden und sehen wie winzige Karusselle
sehr besorgt, mich ja nicht irgendwie zu kompromit- : tieren. Dabei m-ar er immer mit einer zarten, un- < aufdringlichen Fürsorge um mich bemüht. Ich dachte : eigentlich, er wäre mein guter Freund, beinahe so : etwas wie ein älterer Bruder. Als er mich dann eines Tages fragte, ob ich feine Frau werden wollte, war ich zuerst fast erschrocken, aber dann habe ich ja gesagt — unter der einen Bedingung, daß ich auch als seine Ftau nicht auf meine künstlerische Laufbahn zu verzichten brauchte. Und damit war er sehr einverstanden, er wollte mir sogar eine großartige Tournee ermöglichen, sowie Potuloff, von dem er auch viel hielt, es erlauben würde. Du mußt verstehen Frank, ich habe damals bei alledem nur an meine künstlerische Zukunft gedacht, nicht etwa an die „gute Partie", und dann — überhaupt ..."
Evelyn stockte, und eine heftige Röte überflutete ihr Gesicht, als sie dann leiser fortfuhr:
„Ich wußte damals ja überhaupt nicht, wie das ist, wenn man einen Mann wirklich liebt, ich dachte, es genügt, wenn man ihn nur gern hat."
Frank Alland hätte sie bei diesem Geständnis am liebsten an sich gerissen, aber er wollte sie jetzt nicht unterbrechen, und so drückte er nur stumm einen langen, innigen Kuß auf ihre Hand, die er schon längst wieder im Gehen ergriffen und nicht mehr aus der seinen gelassen hatte. Einen Augenblick schien es, als ob sie sich ganz seiner Liebkosung überlassen wollte. Dann aber zog sie mit sanfter Entschiedenheit ihre Hand zurück und ging mit einem kleinen Abstand auf dem schmalen Weg neben ihm her.
Er spürte, mit welcher Anstrengung sie sich zwang, diese Beichte fortzusetzen, Die sie nun einmal freiwillig begonnen hatte. Wie gut er sie verstand, sie und ihre noch kaum vergangene Vergangenheit und — ja, auch diesen Mann, der sie wirklich geliebt haben mußte mit allem Bestem, was in ihm war. Alland verstand ihn vielleicht noch besser, als Evelyn selber es konnte. Was sie da so einfach und naiv an Tatsachen berichtete, war aufschlußreich ge-
• nug für einen Mann von größerer Welterfahrung, : für einen Arzt besonders, der gewohnt ist, den , laienhaften Berichten seiner Patienten eine tiefere . Deutung zu geben.
1 Ja, dieser waghalsige Freibeuter auf den stürmi- ) scheu Meeren der internationalen Finanz, dieser
Als Vertreter der Landesregierung begrüßte Ober- regierungsrat Dr. Pabst, Darmstadt, das gute Ergebnis der Hebung mit Worten der Genugtuung und des herzlichen Dankes an alle Mithelfer an dem aemeinfamen Werk zum Besten der Volksgesamtheit. Er gab für die Weiterarbeit noch einige bedeutsame Anregungen und stellte dabei auch Parallelen zu anderen Uebungen in größeren Städten an. Insbesondere sprach er für die gute Vorbereitung der hebung in Der Stadt bzw. im Kreise Gießen den zuständigen Dienststellenleitern, Polizeihauptmann Keller, Polizeioberinspektor Hoffmann und Polizeikommissar Zimmer bzw. Regierungsrat Grein vom Kreisamt, sowie dem Reichsluftschutzbund Dank und Anerkennung aus. Die Besprechung sand ihren Abschluß mit dem freudigen Gruß und Treuegelöbnis an den Führer, das zugleich das Be- fenntnis zu weiterer hingebungsvoller Mitarbeit am Werke des Führers und an den Aufgaben des Luft- i fchutzes in sich schloß.
Leben und auch am Geldbeutel ausgehen mag. Wohl liebt auch der sonstige Verkehrsteilnehmer sein Leben und sein Geld nicht minder. Aber noch allzugern verläßt gerade er sich darauf, daß zunächst einmal der Kraftfahrer durch strengste Befolgung der Verkehrsvorschriften auch für sein. Des anderen, leibliches Wohl sorgt. Noch besser würde zweifellos Der Ruf Der Kraftfahrer, vor allem Der Motorradfahrer, wenn recht bald Der Prüfungszwang auch für Die bisher nicht führerscheinpflichtigen Klein- motorräber unter 200 ccm eingeführt mürbe, Maschinen, Die zum größten Teil schon längst nicht mehr diesen bescheidenen Namen verdienen.
Weit größer im Verhältnis ist innerhalb und außerhalb unserer Stadt die Zahl der Verkehrssünder unter Den Führern von Pferdefuhrwerken. Hier ist die fast grundsätzliche Mißachtung Der für jeden Verkehrsteilnehmer bestehenden Pflicht hervorzuheben, ein Abbiegen von Der bisherigen Fahrtrichtung rechtzeitig vorher anzuzeigen, damit Der andere Perkehrsteilnehmer Gelegenheit hat, sich auf dieses Abweichen ebenso rechtzeitig einzurichten. Fälle dieser Art werden leider noch viel zu wenig zur Anzeige gebracht. Nicht minder gefährlich sind, besonders außerhalb der beleuchteten Ortschaften, Die Pferdelenker, die — es ist kaum zu glauben —l, noch in der Zeit des heutigen Schnellverkehrs sich nicht scheuen, unter schärfster Gefährdung ihrer Mitmenschen in der Dunkelheit ohne Laterne selbst auf Hauptverkehrsstraßen herumzufahren, oder die, die gleichfalls besonders in Der Nacht, sich nicht dazu bequemen können, Die rechte Straßenseite einzuhalten. Mit aller Schärfe muß gerade gegen Derartige rücksichtslose Schädlinge eingeschritten werden.
Harmloser, wenn auch nichts weniger als harmlos, ist Demgegenüber Die Hauptmasse Der Verkehrsteilnehmer: der Fußgänger. Allerdings gilt nach dem Vorspruch Der neuen Reichsstraßenverkehrsordnung mit Recht Der Satz, daß Die Förderung Des Kraftfahrzeugs das von dem Führer auch mit dieser neuen Verkehrsregelung in erster Linie verfolgte Ziel ist. Aber solange es noch
Das fremde GeW.;
Roman von Caren.
16. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Nie werde ich es vergessen. Sogar Potuloff selbst hat mir gratuliert und die Hand gedrückt, und das will etwas sagen, weißt du! Seit -bem Tod Der Tante war es Das erstemal, Daß ich wieder etwas । Glück und Heiterkeit empfand, vielleicht auch ein bißchen eitle Befriedigung, weil alle möglichen bekannten Leute sich mir vorstellen ließen, mir Komplimente machten, mir Blumen schenkten. Du mußt denken, es war das erstemal, daß ich so etwas erlebte. Ich war ein wenig wie im Rausch, obgleich ich den ganzen Abend nur eine Flasche Wasser getrunken hatte. Ja — und siehst Du, an jenem Abend habe ich Serge kennengelernt — Serge Ostrowski, meine ich. Ich kannte sein Bild natürlich aus den Zeitungen, von Serge Ostrowski war immer die Rede bei allen möglichen Gründungen von Banken und Aktiengesellschaften und natürlich auch bei den sogenannten gesellschaftlichen Ereignissen, bei Rennen und Kostümfesten und all dem, was man so elegante Welt nennt, und wovon ich selber nk die geringste Ahnung hatte. Er hätte mich vielleicht gar nicht besonders interessiert, aber weil er mich russisch ansprach und gar nicht so hochmütig und blasiert aussah wie in den illustrierten Zeitungen, auch gar nicht so alt, sondern eigentlich viel zu jung für einen richtigen großen Finanzmann — gerade deshalb habe ich mich länger mit ihm unterhalten und ihm sogar erlaubt, mich mit seinem Auto heimzufahren. Er hat mir den ganzen Abend von der Pawlowna erzählt und von Nijinski, die er beide gut gekannt hat. Er verstand wirklich etwas von meiner Kunst, und das hat ihn mir gleich sympathisch gemacht. Er behandelte mich von Anfang an wie eine richtige Künstlerin, mit einer Art von freundlichem Respekt, ohne eine Spur von fader Courmacherei. Ich war natürlich anfangs auf der Hut, denn so wenig ich Zeitung las, — ich wußte natürlich, daß er, schön, reich, elegant, wie er war, als unwiderstehlicher „Homme ä femmes“ galt. Aber ich brauchte mich nicht ein einzigesmal gegen ihn zu wehren. Er war immer gleich taktvoll und


