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Donnerstag, H.^anuar 1937
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Nr.«Drittes Blatt
wohl
Landkreis Gießen im Dunkeln
Der Verlaus in Gießen
den
Die Besprechung der ilebung
drgen Hauswarte und Blockwarte des Reichsluftschutzbundes werden sich dieser kleinen Abwegigkeit denn auch sofort gründlich zugewandt haben. Die Straßen waren im übrigen vollkommen finster, da die Volksgenossen die Fenster ihrer Wohnungen sehr gut durch Rolläden oder technische Behelfsmittel verdunkelt hatten. An den besonders gefährdeten Brennpunkten des Verkehrs standen kleine farbige Richtungslampen, ferner versahen hier Beamte der
Im Anschluß an die Kontrollfahrten in der Stadt und im Kreise Gießen vereinigten sich die Teilnehmer im Saale des U C. zu einer Besprechung des Uebungsverlaufs und zum Austausch ihrer Beobachtungen und Erfahrungen. Dabei wurde von den zahlreichen Rednern, die sich über den Abend äußerten, übereinstimmend zum Ausdruck gebracht, daß die Uebungsleitung und mit ihr die Behörden und die gesamte Bevölkerung
das Ergebnis dieser ersten großen Verdunke
lungsübung in Sfabf und kreis Gießen mit
voller Befriedigung verzeichnen können.
Sowohl in der Stadt Gießen, als auch in den kleinen Städten und in den Dörfern des Kreises waren alle Volksgenossen von Anfang bis Ende mit verantwortungsbewußter und freudiger Mitarbeit am Werk. Die öffentlichen Dienststellen (Polizei, Gendarmerie, Bürgermeistereien) haben sich in allen Orten vorbildlich für das Gelingen der Uebung eingesetzt, ebenso die Mitarbeiter des Reichsluftschutzbundes und die vielen weiteren freiwilligen Helfer, wie
verstärkt. Als Mainzlar passiert wurde, drang aus keinem der Häuser mehr auch nur ein schmaler Lichtstrahl, und die Anlagen und Schornsteine der Didierwerke standen silhouettenhaft vor dem nur wenig helleren Himmel. Wer die Lichtfülle kennt, in der sich sonst das Werk zu nächtlicher Stunde darbietet, kann den vollen Erfolg ermessen, der hier erreicht wurde.
Die Wagenkolonne passierte dann die Orte Treis a. d. Lda., Allendors a. d. Lda. und Londorf, und überall sah man meist nur SA.-Männer an den Straßen stehen, die mit verdunkelten Lampen die Straßen und Kreuzungen markierten. In der Landschaft selbst hoben sich die Formen immer nur irr Umrissen vom Himmel ab. Lediglich von der aus preußischem Gebiet liegenden Burg Nordeck blinkte ein erleuchtetes Fenster weithin in die Nacht. Auf den Straßen war es sehr still. Nur wenige Wagen und Radfahrer begegneten der neun Wagen starken Kolonne aus Gießen.
Durch Kesselbach, vorbei an Odenhausen, durch Geilshausen und durch Beltershain führte die Fahrt weiter nach Grünberg. Auf dem Marktplatz wurde gehalten, die abgeblendeten Scheinwerfer wurden ganz ausgeschaltet, so daß sich den Gästen der schöne Marktplatz in völliger Dunkelheit uno damit in geradezu mittelalterlicher Romantik darbot. Bürgermeister Wagner erläuterte nach kurzer Besichtigung der Verdunkelungsmaßnahmen, die im Rathaus getroffen worden waren, den Ablauf der Uebung, wie er für Grünberg vorgesehen und durchgeführt worden war.
Von Grünberg aus wurde die Rückfahrt angetreten. Die Kraftwagen mußten sehr vorsichtig geführt werden, da jetzt nur mit Standlicht gefahren werden durfte. Gegen 20 Uhr traf man in Gießen ein und alle Teilnehmer der Fahrt hatten den Eindruck, daß die Verdunkelung des Landkreises in einem Ausmaß gelungen war, wie man es kaum I erwarten durfte.
eingeschränkten Beleuchtung,
d.h. die Straßenbeleuchtung war einer auf
Polizei und die Männer der SA. und des NSKK. in sorgfältiger Weise den Sicherheitsdienst. Der Straßenverkehr der Bevölkerung war nur gering, noch viel geringer, ja zeitweise ganz tot war der Fährverkehr mit Kraftwagen. Nur die Straßenbahnwagen im Schutze ihrer Verdunkelung hielten den öffentlichen Fährverkehr aufrecht. Bei Betriebsbesichtigungen im Zustande der völligen Verdunkelung konnte man sowohl in dem industriellen Betrieb im Südviertel, wo die Fahrtteilnehmer den Anfang der Uebung erlebten, als auch später in der Heil- und Pflegeanstalt und im Stadttheater die erfreuliche Feststellung machen, daß die Verdunke- lungsmaßnahmen bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung des vollen Betriebs sorgfältig und sehr wirksam getroffen waren. Die Verdunkelung wurde um 20.30 Uhr durch erneute Sirenensignale beendet. Von da ab nahm der Verkehr in den Straßen wieder seinen normalen Verlauf.
zwar sowohl in der Bahnhofshalle, wie auch in den Wartesälen und auf den Bahnsteigen; ferner bei der Reichspost, in den Kliniken und in industriellen und Verkehrsbetrieben bemerken. Wenn man bedenkt, welche besonderen Schwierigkeiten namentlich im Dienst der Reichsbahn zu überwinden waren, um das gestrige vorbildliche Ergebnis der Verdunkelungsarbeit zu erzielen und doch alle Erfordernisse und Sicherheitsbedingungen des Bahnverkehrs uneingeschränkt aufrechtzuerhalten, so verdient namentlich die Leistung der Leitung und der Mitarbeiter des Bahnhofs besondere Anerkennung. In gleicher Weise ist die Helfertätigkeit in den Kliniken zu bewerten, die man im Hinblick auf die vielfältigen Schwierigkeiten des Klinikbetriebs als mustergültig bezeichnen muß. In den Straßen offenbarte sich allenthalben die tatfrohe Mitarbeit der Volksgenossen in schöner Weise. So konnte man denn mit dem Ergebnis der Uebung im Stadium der eingeschränkten Beleuchtung vollkommen zufrieden sein.
Nunmehr richtete sich die Hauptaufmerksamkeit und die Spannung aller Teilnehmer der Kontrollfahrt auf den Beginn der
völligen Verdunkelung.
Pünktlich um 19.30 Uhr ertönte von 12 Sirenen aus allen Teilen des Stadtgebiets das schrille Alarmzeichen. Es war ein aufregendes Erlebnis, als die Fahrtteilnehmer in der Dunkelheit von dem hochgelegenen Fabrikdache eines industriellen Betriebs im Süden der Stadt aus den Sirenenalarm hörten und fast in der gleichen Minute das ganze Weichbild der Stadt schlagartig in völlige Finsternis versinken sahen. Innerhalb dieser einen Minute konnte man von der Stadt Gießen sagen: alles so finster wie in einem zugebundenen Sack! Nur von ferne sah man die Lichter aus den benachbarten preußischen Orten herüberblinken, die an der Uebung nicht beteiligt waren. Von der Stadt Gießen selbst aber war nichts mehr zu sehen, sofern sich der Blick über die gewissermaßen in Grundstücksnähe gelegenen Häuser hinauswandte.
Besonders befriedigend war das schlagartige Erlöschen der gesamten öffentlichen Beleuchtung, ein Ergebnis, das der Disziplin und der guten Schulung der beteiligten technischen Stellen ein gutes Zeugnis ausstellt.
Nach der Beobachtung des Anfangs dieses Uebungsabfchnitts begann die zweite Kontrollfahrt durch die Stadt. Auch auf dieser Fahrt gewann man nur die besten Eindrücke von der ausgezeichneten Mitarbeit aller Volksgenossen. Es gab natürlich einige, zum Glück aber nur sehr vereinzelte und ge-
3m Halbdunkel und in völliger Finsternis.
Gutes Ergebnis der Verdunkelungsübung in Stadt und Kreis Gießen.
Die Vertreter der zuständigen Behörden, der Partei und ihrer Gliederungen, des Reichsluftschutzbundes, zahlreicher weiterer öffentlicher Dienststellen und andere Mitarbeiter versammelten sich am Mittwochnachmittag gegen 17 Uhr zunächst im Sitzungssaals des Kreisamtes zu einer kurzen Vorbesprechung, bei der Kreisdirektor Dr. Lotz und Regierungsrat Grein die Teilnehmer der Kontrollfahrt für den Kreis Gießen mit den maßgebenden Grundzügen der Uebung bekanntmachten, anschließend der mit der Luftschutzsührung in Gießen beauftragte Polizeihauptmann Keller von der Polizeidirektion Gießen die gleichen kurzen Erläuterungen für den Stadtbereich gab. Dann begann in zahlreichen Kraftwagen die Kontrollrundfahrt durch einen Teil des Kreises Gießen bzw. durch die Stadt.
Im gesamten Uebungsgebiet herrschte zunächst vom Einbruch der Dunkelheit ab der Zustand der
ringfügige Beanstandungen, deren Ursache mehr auf einer gewissen Unvorsichtigkeit beruhte, als etwa auf Mangel an Verständnis; die zustän-
Uebungszweck abgestellten Einschränkung unterworfen, ebenso war die Beleuchtung der Schaufenster dem gleichen Zwecke angepaßt worden. Bei der Rundfahrt in Gießen wurde eine Reihe von wichtigen Betrieben bzw. von Verkehrsstätten im Privatbesitz besucht, gleichzeitig auch aufmerksam das Straßenbild und die Reihe der Schaufenster im Geschäftsviertel in Augenschein genommen. Dabei konnte man durchweg die sehr erfreuliche Wahrnehmung machen, daß
der Gedanke des Luftschutzes und seine zwingende Notwendigkeit allenthalben bei den Volksgenossen vollstes Verständnis gefunden hat und die Bevölkerung in diesem Gedanken mit guter Ausrichtung auf das Ziel in straffer Disziplin geschlossen marschiert.
Daß wir in Gießen dieses sehr erfreuliche Ergebnis nach der nur verhältnismäßig kurzen Schu- lungs- und Erziehungsarbeit bereits verzeichnen können, ist das besondere Verdienst der zuständigen Stellen der Gießener Polizeidirektion und der in allen Teilen mit voller Hingabe geleisteten Arbeit der Männer und Frauen des Reichsluftschutzbundes; es ist aber auch zu einem großen Teile der tatkräftigen und verständnisvollen Förderung durch die Leiter der Behörden bzw. der öffentlichen Versor- gungs- und Verkehrsbetriebe zu verdanken, die in praktischer Weise auch schwere Aufgaben gut zu lösen verstanden haben. Nur einige Beispiele: Mustergültige Verdunkelungsarbeit konnte man bei den Kontrollbesuchen in dem Gebäude der Polizeidirektion, im Elektrizitätswerk, im Bahnhof, und
Mit Genugtuung kann man heute rückschauend besonders die Tatsache hervorheben, daß allenthalben in Stadt und Land die Volksgenossen mit anerkennenswertem und vorbildlichem Eifer bei der Sache waren und wiederum die Organe der im Luftschutz führenden Behörden und Organisationen, insbesondere die Polizei, die Gendarmerie, der Reichsluftschutzbund, die Bürgermeister, die Feuerwehren usw., in vollem Maße ihre schwere Pflicht erfüllten und dafür anstrengende Arbeit opferfreudig aus sich nahmen. Mit Anerkennung sei auch hervorgehoben, daß neben diesen nächstberufenen Kräften der Luftschutzführung als freiwillige und tatfreudige Mitarbeiter die Männer unserer SA. und des NSKK. sich wiederum in mustergültiger und dankenswerter Weise in den Dienst der guten Sache gestellt haben, ferner auch die Reichsbahn mit ihren Beamten und Arbeitern, in gleicher Weise die Reichspost wertvolle Hilfe zu dem vollen Gelingen der großen Uebung beisteuerten. Unsere Gießener Straßenbahner seien gleichfalls mit besonderer Anerkennung für ihre guten Leistungen bei dem schwierigen Fährverkehr während der Uebung erwähnt.
So wie die Stadt, so lag in den gestrigen Abendstunden auch der Landkreis Gießen in völliger Dunkelheit. Die ländliche Bevölkerung hat die Bedeutung und die Wichtigkeit der Verdunkelungsmaßnahmen in vollem Umfange erfaßt.
Eindrucksvoll gestaltete sich die Fahrt durch die nächtliche Landschaft, die in fast urweltl'iche Stille zurückgefallen zu sein schien, als sich die Vertreter der Provinzialdirektion, der Kreisbehörde, Vertreter der Behörden der anliegenden Kreise Marburg, Friedberg und Wetzlar, ferner Herren der Post, der Reichsbahn, des Reichsluftschutzbundes, der Gendarmerie, des Ueberlandwerkes Oberhessen usw. unterwegs begaben, um auf einer Rundfahrt durch den nördlichen Kreis Gießen festzustellen, in welchem Ausmaß die Verdunkelung in den Landgemeinden durchgeführt wurde.
Die Fahrt führte zunächst und bei der fortschreitenden Dämmerung über die Marburger Straße, vorbei an Wieseck (nur zwei Fenster leuchteten von dort herüber, da einige Einwohner die Uebung vielleicht noch nicht als begonnen erachteten) nach Lollar, wo nur noch an wenigen Häusern an die Verdunkelungsübung zu erinnern war.
Die Wagenkolonne strebte dann dem Staufenberg zu und hielt dicht unterhalb der Burg. lieber Stock und Stein, über Treppen und vielfach gewundene Wege stiegen die nächtlichen Besucher zur Burg hinauf, um von der Höhe aus einen Blicr über das Land zu werfen. In schier undurchdringlichem Dunkel lagen die Täler und Berge des Kreisgebietes, während von den preußischen Nachbargemeinden Odenhausen und Salzböden — in wirksamem Gegensatz — viele Lichter herüberblitzten. Auch das große Buderussche Werk lag in tiefem Dunkel. Schon dieser erste Ueberblick vom Gemäuer der alten Burg aus, ließ erkennen, daß die Verdunkelungsaktion im Kreisgebiet als wohlgelungen betrachtet werden konnte.
Dieser Eindruck wurde auf der weiteren Fahrt
Der erste Abschnitt der Luftschutzausbildung der Bevölkerung der Stadt und des Kreises Gießen ist am gestrigen Mittwochabend zu einem gewissen Abschluß gebracht worden. Und um es vorwea zu sagen: das Ergebnis lohnt die vielfältig und von zahlreichen Mitarbeitern unermüdlich aufgewandte Mühe durchaus! Die bezirksweisen Verdunkelungübungen im Verlaufe der letzten Monate in Gießen und die gleichen Uebun- gen in den Orten des Kreises haben die Schulung aller Volksgenossen im Luftschutz erfreulicherweise so weit vorangebracht, daß am gestrigen Mittwochabend zum erstenmal ein größerer Bezirk in straffer Zusammenfassung bei gleichzeitiger Durchführung Der Aufgaben für die Luftschutzübung eingesetzt werden konnte. Der Zweck dieser größeren Bezirksübung bestand darin, einerseits die Schlagfertigkeit der Bevölkerung einer ganzen Reihe von Städten und Dör- frn gegenüber den Aufgaben des Luftschutzes zu erproben, zum andern aber aus den Ergebnissen des Uebungsverlaufes immer wieder zu lernen und neue Gesichtspunkte für ben weiteren Ausbau dieses Selbstschutzes der Volksgenossen gegenüber der Fliegergefahr zu gewinnen.
SA., NSKK., Feuerwehr, Reichsbahn und Reichs- poft. Die Disziplin auf den Landstraßen und innerhalb der Orte wurde sowohl beim Fährverkehr der Kraftfahrer und Radfahrer, wie auch im Fußgängerverkehr gut gewahrt. Die Geschäftsleute haben sich mit der Beleuchtung ihrer Schaufenster gut in den Rahmen der Hebung eingefügt, zum Teil haben sie während des Zustandes der eingeschränkten Beleuchtung sogar mehr getan, als an sich notwendig war. Die Straßenbahn in Gießen bekam gleichfalls eine gute Note, ebenso die zahlreichen öffentlichen Betriebe, die man besichtigt hatte. Mit besonderer Genugtuung wurde ferner heroorgehoben, daß die
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dienstbeflissen, und jede Bewegung ihrer schwarzen mageren Hand spricht stumm von der uralten Tragödie des Weiblichen. Zorn und Trauer in den schönen klugen Augen, schaut der Gatte zu; aber keiner begehrt auf gegen den Herrn.
Die Aeffin kehrt, vorsichtig mit dem Kleinen voltigierend, auf ihren gewohnten Platz zurück, und sofort ist neben ihr, zärtlich, sanft und sehr ergeben, ihr Schatten; eine zweite Aeffin. Man sieht, daß sie vor nicht langer Zeit gesäugt hat; aber wo ist das Kind? Vielleicht ist es tot, vielleicht hat man es ihr genommen, genug sie ist allein. Und nun hat sie alle unerfüllten Wünsche, alle vereinsamte Liebe ihres Mutterherzens an das fremde Kind gehängt. Sie dient der glücklichen Schwester wie eine Magd, sie umgibt sie ununterbrochen, sie befreit sie von lästigen kleinen Bewohnern ihres Pelzes, sie hält ihr Störungen ab. Kommt der Gatte, so räumt sie ihm den Platz vor der Aeffin und setzt sich demütig hinter sie, stets zu ihren Diensten bereit; aber ihre Augen hängen an dem Kleinen und der Preis für ihre ergebene Freundschaft ist, unbehelligt und so oft sie* will, über das kahle Köpfchen, über die unbeholfenen Glieder des Babys zu streicheln.
Sie allein darf es. Und die beiden Aeffinnen tauschen merkwürdig ernste und sanfte Blicke, wenn das Kleine ein Händchen aus dem Fell der Mutter löst und spielerisch zurückgeworfen, in das vor Verlangen zitternde Fell der Freundin greift: eine glückliche und eine traurige Mutter sehen sich an. Zuweilen macht die Fremde einen kurzen und heftigen Vorstoß: sie reißt das Kleine an sich, sie drückt das nun ängstlich Schreiende an ihre Brust; dann holt die Mutter es wieder. Aber sie, die sonst mit blanken Zähnen gegen alle Annäherungen ringsum sich wendet, holt es nun sanft und ohne Vorwurf in ihre Arme zurück, und sie duldet, daß eine Hand der Schwester auf dem kahlen Köpfchen
Meisterwerke olttigyptiscker Bildhauerkunst.
Im Britischen Museum sind als eine Leihgabe längere Zeit 14 Stücke aus der Sammlung
ruhen bleibt.
Es ist schwer, feinen Blick zu lösen von dieser schwarzen, erschütternd menschenähnlichen Hand: eine Welt von Verlangen, Einsamkeit und zielloser Mutterliebe offenbart sich Darinnen. Und " hervorbrennende Wahrheit der alten indischen den ertönt, dieselbe für Menschen und Tier
Gulbenkian von altägyptischen Bildhauerarbeiten ausgestellt, die sich über eine Zeit von 2000 Jahren, aus dem Mittleren Reiche bis zu den Ptolemäerzeiten erstrecken und einen außerordentlich starken Eindruck von der Höhe Der Porträtkunst in Dieser Zeit vermitteln. Das hervorragendste Werk ist der Kopf eines Mannes aus schwarzem Obsidianglas, das Dem Künstler wegen feiner Härte Die größten Schwierigkeiten bereitet haben muß. Der Kopf gilt als eines Der schönsten Beispiele altägyptischer Porträtkunst. Man nimmt allgemein an, Daß er Amenemhat III. von Der elften Dynastie, etwa aus dem Jahre 2050 v. Ehr. Darstellt. Er ist nur zehn Zentimeter hoch, aber die Darstellung ist von größter Feinheit, und der nachdenkliche, düstere Blick Des Pharao ist mit tiefster künstlerischer Einfühlung zum Ausdruck gebracht. Von höchster Kunst zeugt auch ein anderer Männerkopf, wahrscheinlich ein nubischer Beamter aus Dem Mittleren Reich, Der in Dem damals seltenen Dunklen Granit gearbeitet ist. Ferner erregt Die Aufmerksamkeit eine vorzüglich erhaltene Mumienmaske aus uergoIDetem Silber, die aus späterer Zeit stammt, die schreitende Bronzestgur einer Frau aus Der gleichen Periode und ein Männerkopf aus grünem Schiefer. Sehr schön ist auch eine ausgestreckt liegende Bronzekatze mit zwei Jungen, Die an ihrer Seite spielen.
Der anhänaliche Vogel.
Die Launen oDer auch Die Liebe eines Singvogels haben in Belgrad einen heftigen Streit zwischen einem Ladeninhaber und seinen Kunden entfesselt. Jedesmal, wenn der Ladenbesitzer eine seiner indischen Nachtigallen verkauft hatte, kam der Käufer nach einigen Tagen wieder und klagte, daß sein Vogel nicht zum Singen zu bringen sei. Sobald aber der verklagte Vogel seinen alten Herrn erblickte fing er sogleich an, zu fingen. Der Vogel wollte augenscheinlich nur für seinen alten Herrn singen. Die Kunden verlangten nun ihr Geld zurück und darüber ist es mit Recht zum Streit gekommen.
C. K.
ohne Geschrei und Gezänk, aber beiseite geschoben wird er. Solche große Männerpfoten sind zu nichts gut in einer Säuglingsstube.
Aeffinnen werden besonders scharf in Distanz ge-. ' . .. •• r,,.-v <
halten; mal ein bißchen bewundern Das Kleine, ja, * laufen läßt, arbeitet sie demütig ängstlich und
Aber nun, Da sie wirksam ihr Kind und ihre Mutterwürde verteiDigt hat, folgt sie ihm, dem Herrn, mit einer seltsam ergreifenden Geste der Demut, hockt sich, immer Das Kleine fest im Arm, neben ihn und sucht ihm emsig unD ergeben sein Fell ab. Mehr kann ich dir jetzt nicht tun, Herr, aber diese meine geringen Liebesdienste sollst Du haben« Und während bas Kindchen schmatzend und gierig angeklammert trinkt und er paschahaft, Die Beine von sich gestreckt, geschlossenen Auges sich I faulen läßt, arbeitet sie demütig ängstlich und
Affen unter sich.
Von Sofie v. Uhde.
Es ist doch noch recht klein, Das Affenkind; mit einem nackten Greisengesichtchen, mit unbeschreiblich großen Ohren und Den mageren, faltigen HänDen eines sehr alten Mannes, hängt es an Der Brust Der Mutter. Aber mag es auch noch so klein, noch so kinDlich-töricht sein, es bildet Doch Den wichtigen Mittelpunkt Der Interessen in dieser Affenkolonie, das steht außer Zweifel.
Nicht eine Sekunde des Tages gibt Die Mutter es aus Den Armen; ernst sitzt sie-Da, ganz Pflicht, S Liebe. In ihren klugen, ein wenig traurigen jn ist Die schöne Ruhe Der großen Erfüllung. Sie hält Den ganzen Sinn ihres Daseins in Den Armen, was will sie noch mehr? Zuweilen vielleicht, wenn ihre Blicke über Das rührend häßliche Köpfchen an ihrer Brust hinweg in Die besonnten Wipfel von ihren Gittern streifen, huscht über ihre Tierseele eine Erinnerung und ein Wunsch. Aber auch für Sehnsucht hat sie jetzt keine rechte Zeit, und ihre Augen kehren zurück zu dem unbeholfenen, hilflosen Wesen, das mit ängstlichen, kahlen Händchen in ihrem Fell klammert; grenzenlos vertrauensvoll klammert es da.
Sie hat zu tun, die Mutter; nach allen Seiten muß sie das begehrte Kind verteidigen. Denn jeder dieser zahlreichen Affen, groß und klein, versucht auf seine Weise, sich mit dem Familienzuwachs zu befassen. Die Männchen kommen von Zeit zu Zeit, setzen sich vor Mutter und Kind nieder, schauen eine Weile mit etwas überlegenem Wohlwollen zu, greifen dann plötzlich mit Derber, schon leicht gelangweilter Angriffslust mitten in das schreiende Affenkind, bekommen von der Mutter tüchtig eins auf die Finger, und trollen sich wieder. Der recht- mäßige Herr Gemahl — man sieht an ihrem und seinem Mienenspiel sofort, daß er es ist — kehrt regelmäßig wieder, sitzt lange und voll Ruhe vor ihr, kurz ist hier zuhause. Er wird auch sanfter beiseite geschoben, wenn er nach dem Kleinen faßt,
auch ein bißchen mit ihm schwätzen, warum nicht, aber nur nicht anfassen. Und gerade das will jede.
Besonders schlimm ist Die Jugend. Da sind 3roei Halbwüchsige, rechte kleine Lauseaffen; Die haben keinen anberen Gebauten, als sich an bas Baby heranzupürschen und ihm einen Schabernak zu spielen. Die unglückliche Mutter bekommt vor Gift und Galle ganz grüne Augen, wenn sie die beiden nur sieht, und zeigt Zähne, die recht achtunggebietend sind. Aber da werden die zwei zahm wie die Lämmlein; scheinheilig rollen sie sich neben der Aeffin auf dem Rücken herum und spielen mit ihren eigen Füßen, so recht harmlos und ein wenig schläfrige Lebensgenieher. Aber die listigen Aeuglein ruhen nicht und bei der ersten passenden Gelegenheit — ruck! — haben sie das Kind recht unsanft am Ohr gezogen und sind auf und davon.
Das Baby schreit wie am Spieße, die Mutter schimpft gellend, die Männchen stürzen herbei die Aeffinnen kommen zeternd, es ist kein schlechter Aufruf! Aber unten im Sand, an Nußschalen kauend, friedlich harmlos und ein wenig unbegabt dreinschauend, sitzen die beiden und wissen doch nichts.
Doch Die größte Unruhe in Der Kinderstube erregt einer Der männlichen Affen. Ein großer, brutaler Kerl. Er scheint der Herr Des Ganzen zu sein. Besitzer asier Frauen. Gegenstand peinlicher Achtung Der Männer und böser „Wauwau" Der Kinder. Wenn er seine Stimme ertönen läßt, verbreitet sich sofort eine leichte Panik. Auch er kommt zuweilen, Das Baby besichtigen, nicht ohne sich Dabei gegen Die Mutter frech zu benehmen. Dann macht sie. Das brüllende Kind im Arm, einen roütenben Satz auf Die Seite und fängt so furchtbar zu zetern an, daß Der Angreifer von Diesem Doppelgeschrei gern wieder geht.


