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Reinig

Seltersweg 30.

Nr.U Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Donnerstag, H.Zanuar 1957

Revolution im türkischen Standesamt.

Herr Ali und Krau Leyla bekommen neue Namen.

Äon unserem H. H. A.-Berichielstatter

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

Das türkische Innenministerium ist mit der Nachprüfung beschäftigt, ob auch alle Türken in der gesetzlich oorgeschriebenen Frist sich einen Familiennamen zugelegt und seine Eintragung im Standesamtsregister oorge- nommen haben. Unser Berichterstatter wür­digt hier die Bedeutung der Familiennamen­gebung für die moderne Türkei.

I st a n b u l, im Januar.

Schon seit fast zwei Jahren haben sich die west­europäischen Zeitungsleser an eine Reihe von Na­mensänderungen bekannter türkischer Persönlich­keiten gewöhnen müssen, die immer wieder in den Spalten der Blätter auftauchen. So hatte sich der weltbekannte Gründer der neuen Türkei Mustafa Kemal Pascha plötzlich in Kemal Atatürk verwandelt, und mancher flüchtige Leser hat sich vielleicht im Drange der Geschäfte keine Rechen­schaft darüber abgelegt, daß der türkische Außen­minister Rüschdü Aras, dessen geschickter Ver­handlungsführung es in Montreux gelungen ist, die Wehrhoheit der Türkei an den Dardanellen wie­der herzustellen, kein neu aufgekommener Stern am Himmel der internationalen Politik ist, sondern daß sich hinter diesem neuen Namen der alte Tefik Rüschdü Bej verbirgt, in dessen Händen seit langen Jahren die außenpolitische Führung der neuen Türkei liegt. Es ist nun nicht etwa so daß aus irgendwelchen Gründen einige hervorragende türkische Persönlichkeiten sich zur Annahme neuer Namen entschlossen, sondern im" September vorigen Jahres ist eine durch Gesetz gestellte Frist abgelau­fen, innerhalb derer jeder Türke gehalten war, sich einen Familiennamen zu wählen. Da die Führung von Familiennamen, wie wir sie in Europa allenthalben als selbstverständlich kennen, bislang in der Türkei kaum üblich war, so haben nunmehr die sechzehn Millionen türkischen Menschen in Kleinasien und dem zur Türkei gehörigen Bal- kanzipfel neue Namen bei den Standesämtern ein­tragen lassen müssen.

Das bisherige Fehlen türkischer Familiennamen war em Ueberbleibsel aus der alten Zeit, an der die türkischen Stämme die ja einst in den zentral­asiatischen Steppen zu Hause waren, noch als No­maden in Zelten oder nur vorübergehend in Städ­ten wohnten, die sie auf ihren großen Wanderungen nach Westen eroberten, auf denen sie bis Wien oor- stießen, bevor sie schließlich in Kleinasien, dem heu­tigen Heimatland, seßhaft wurden, wo auch jetzt das Nomadentum noch nicht ganz ausgestorben ist. Die Gemeinschaft der verschiedenen Stämme und Sip­pen. die in ihrer Gesamtheit das Volk ausmachten, war meist so klein, daß der Lagerführer die ver­schiedenen Mehmeds, Alis oder Hassans schon aus- emanderhalten konnte. Da sich nun damals keine Notwendigkeit ergab, Familiennamen einzuführen und auch die großen Sultane neben der Verfol­gung ihrer Welteroberungspläne keine Zeit für sol­che Nebensächlichkeiten wie genau geführte Stan­desamtsregister fanden, und zudem Geschlechterbe- Zeichnungen auch bei den anderen zu großen Tei­len nomadisch lebenden islamischen Völkern unbe­kannt waren, so blieb es auch späterhin bei der alten Geflogenheit, nur mit dem Rufnamen auszu­kommen Kam man zur Glanzzeit des Osmanischen Imperiums ohne Familiennamen aus, so ließ sich eine solche Neuerung erst recht nicht einführen als dieses auf religiösen Grundlagen gebaute und des­halb streng konservativ an seinen mittelalterlichen Einrichtungen festhaltende Staatsgebilde auf die absteigende Linie geriet. Auch als das Reich lang­sam abbröckelte, war es noch unermeßlich groß in seiner Ausdehnung vom Balkan bis an den Jndi-

schen Ozean, vom Kaukasus bis Nordafrika. Es war aber ein Koloß auf tönernen Füßen der nur deshalb nicht zusammenbrach, weil die geschickte Di­plomatie der Sultane es meisterhaft verstand, die Eifersucht der Großmächte gegeneinander auszu- spielen, die sich über die Verteilung des Erbes des ,.kranken Mannes am Bosporus" nicht zu einigen vermochten. Völlig unzulänglich war auch die Ver­waltung des Riesenreiches, das nicht etwa durch das Gefühl nationaler Zusammengehörigkeit, son­dern nur durch das Band der gemeinsamen Religion locker zusammengehalten wurde, das Türken und Araber, Kurden und Albanier gleicherweise um­schlang. die sonst, vom Arme der Zentralregierung weit entfernt, ein mehr oder weniger unabhängiges Leben in ihren Bergdörfern und Nomadenzelten führten. Es ist leicht begreiflich, daß dieser osmani­sche Staat ernstere Sorgen hatte, als fein buntes Völkergemisch mit der Einführung von Familien­namen zu beglücken, welche Neuerung folgerichtig durchzuführen, selbst wenn er es gewollt hätte, ihm weder die Machtmittel noch die erforderliche tech­nische Derwaltungsorganisation zur Verfügung standen

Nach der Gründung der Türkischen Republik war auch m dieser Hinsicht die Lage von Grund auf ge­wandelt. Die neue Türkei wurde ein st r a f f o r g a- nisierter National st aat nach west- l ich em Muster. Alle überlebten aus dem Mit­telalter überkommenen Einrichtungen sanken nach­einander ms Grab, und Kleinasien das eigentliche Stammland der Türken wurde systematisch durch­zivilisiert, bis es sich verwaltungstechnisch und in den Formen des öffentlichen Lebens heute nicht mehr wesentlich und in absehbarer Zeit gar nicht mehr von anderen modernen südosteuropäischen Ländern unterscheidet. Pun, als im zeitgemäßen Staat eine Europa angeglichene Volkswirtschaft ent­stand, als die Regierung durch genaue Volkszählun­gen daran ging, ihre Bevölkerung nach Zahl und Art kennenzulernen, ein schlagkräftigesHeer ausgestellt und seine Ersatzfrage genau studiert, als schließlich durch die Eingliederung der F r au in den sozialen Organismus das ganze ge­sellschaftliche Leben auf neue Grundlagen gestellt wurde, zeigte sich erst, welche Verwirrung aus dem Fehlen der Familiennamen notwendigerweise ent­stehen mußte. Da noch dazu die Auswahl der ge­bräuchlichen türkischen Vornamen wesentlich kleiner ist als im Westen, so kam es daß in einer Klein­stadt nicht wie bei uns nur dreißig verschiedene Meyers zu unterscheiden waren, sondern beispiels­weise tausend Alis, achthundert Mehmeds, fünfhun­dert Ismails, dreihundert Fuads und zweihundert Kudris. Welche Schwierigkeiten sich hieraus bei der steuerlichen Erfassung, der militärischen Musterung u. dgl. ergeben mußten ist leicht zu ermessen Man­cher die Türkei bereisende Ausländer lächelte ein wenig überheblich über das rückständige Land, wenn er bei der polizeilichen Meldung dem türkischen Brauch entsprechend etwa als Herr Hand und feine Ehefrau als Madam Lina eingetragen wurde. Pein­lich werden konnte es für den unerfahrenen Reifen­den, wenn chm auf einer Einladung die drei Herren Ali, Fuad und Suad vorgestellt wurden ohne die Erklärung, daß es drei Brüder seien. Oder gar, wenn er zu Herrn Ekrem eine bissige Bemerkung über die zu dick aufgetragene Schminke von Frau Leyla machte und dabei erfuhr, daß es sich um die Gattin des Herrn Ekrem handele. Auch im Ge­schäftsleben konnten unangenehme Verwirrungen nichl ausbleiben.

Mit derselben Energie, die bet der Durchführung aller Reformen die Regierung auszeichnete, wurde auch birfe Frage gelöst. Innerhalb einer bestimmten Frist mußte sich jede türkische Familie für einen

Geschlechtsnamen entscheiden, den sie in alle Zukunft tragen wird Von der gesetzlichen Bestimmung wurden fast alle Einwohner betroffen, denn nur wmige hervorragende Familien, die durch weitreichende wirtschaftliche Beziehungen oder durch die internationale Arbeit in der Politik seit Generationen in enge Verbindung mit Europa kamen und westliche Gepflogenheiten annahmen, entsprachen bere'ts der neuen Verordnung Wie bei der Durchführung aller einschneidenden kulturellen Neuerungen ist auch in diesem Falle die Regierung mit der Annahme der neuen Sitte vorangegangen. Das war um die Jahreswende 19-^4 35, als Außen­minister Tefik Rüschdü die Ratssitzung des Völkerbundes mit dem neuen Namen Aras über­raschte und Wirtschaftsminister D s ch e l a l der Schöpfer des industriellen türkischen Fünfjahres­plans, sich der Welt der Wirtschaft als Bayar vorstellte Gleichzeitig ergab sich Gelegenheit, durch Verleihung von symbolischen Namen den künftigen

Träger auszuzeichnen. So hatte der Staatspräsident den Ministerpräsidenten Ismet durch Handschrei­ben mit dem Ortsnamen Jnönü beliehen, da die von Ismet befehligte Schlacht von Jnönü den ersten ruhmreichen Abschitt der nationalen türkischen Re­volution bezeichne Die Große National-Dersamm- lung ehrte hinwiederum den Befreiungshelden upd Führer des Volkes Gasi Mustafa Kemal mit dem Namen Kemal Atatürk, soviel wie Kemal, Vater der Türken.

Die nationale Türkei ist bestrebt, ihre Sprache von den artfremden arabischen und persischen Be­standteilen, mit denen sie zur Hälfte durchsetzt war, zu reinigen und durch Rückgriff auf längst ver­gessene urtürkische Worte, die wieder zum Leben erweckt werden sollen, zu ersetzen und zu erweitern. Es war im Zuge dieser Bestrebungen selbstverständ­lich, daß die neu einzutragenden Familiennamen aus rein türkischen Wortbildern zusammengesetzt werden mußten. So wurde vielfach auf die Namen

Oer Schäfer ist da!

Erlebnis in Klein-Linden.

Seit einigen Jahren findet sich regelmäßig im späten Herbst der allseits bekannte und beliebte Schäfer mit seiner Wanderschafherde in Klein- Linden bei Gießen ein. Mitte November ver­läßt er mit feiner Herde, die aus eigenen Tieren und solchen ( seiner Heimatbauern besteht, sein Heimatdorf um zu wandern. Der Weg geht mit mehreren Dausen bis an einen Ort. wo der Schäfer

genügend Weide für seine Schafe findet und wo er meistens bei den Bewohnern bekannt ist. Als treue Helfer begleiten ihn die gut abgerichteten Schäfer­hunde. Pferch und Schäferhütte die Wohnstätte von Herde und Hüter werden von einem Fuhr­mann nachgefahren. Von den Kleinsten des Dorfes wird der Schäfer mit feinen Tieren besonders herz­lich begrüßt und ständig umlagert.

Diejenigen Bauern, die ihre Wiesen und Aecker von der Schafherde düngen lassen wollen, melden sich beim Schäfer. Er baut dann den Pferch auf diese Grundstücke und rückt ihn irr entsprechenden Zeitabschnitten immer weiter. Dadurch werden die Felder nacheinander von der Herde, die nachts im Pferch verbleibt, gründlich gedüngt. Als Entgelt für feine Leistung erhält der Schäfer Verpflegung für sich und die Hunde. Es find immer sehr schöne Stunden, die man abends nach dem Nachtessen mit dem Hirten in der warmen Stube verbringen kann, denn dieserNaturmensch" weiß ost schöne Erleb­nisse zu schildern. Nach demSchwätzchen" begibt er sich wieder zu seinen Tieren, sieht noch einmal nach dem Rechten und kriecht in seineVilla".

Bis der Wanderschäfer im Frühjahr weiterzieht, hat sich die Herde beträchtlich vermehrt, denn wäh­rend der Wanderzeil kommen viele Lämmer zur Welt, die sich sofort munter unter die Herde mischen. Seltsam ist, daß diese Tierchen von denen an einem Tage bis zu 15 Stück zur Welt gekommen | sind immer wieder ihre rechte Mutter finden. K»

Oben links: Mut­terschaf und Lamm, das Idyll in jeder Herde.

NebenstH ? Der Schäfer ist seinen Tieren immer der treuesteFreund Die Tiere sind ihm ge­genüber ohne jegliche Scheu.

(Ausnahmen |2J: Klein, Klein - Linden»

M

Wachser-

Wir hatten in Gefangenschaft einen

Und Suermann erhöhte. Nicht engherzig oder nur

haben.

Es ist em friedlicher stiller Morgen. Finchen steht in Hemdsärmeln am kleinen Ofen und handhabt

geanlen klein" krummbeinig unö bösartigen An- seine tägliche Fettratwn a°n 50 Gramm nach eige- aesichts, der bald nach ieinem ersten Austreten nur nem Ermessen zu erhöhen .....

kunstvoll die Pfanne, in der ein überlebensgroßes Stück Santalfäfejeiner Verwandlung inSeezunge" entgegenbrotzelt. Auf dem Bett liegt der Pour-le- mejite-5lieger und lieft Wahllos, was er so er­wischt hat in der Lagerbücherei. Nur juridische Ab­handlungen legt er verächtlich bei Seite Am Fen­ster fängt der bayerische Baron Fliegen , laut­los, ganz 'N die Jagd vertieft Wenn das Dutzend voll ist, bekommt jede einen roten Klecks auf den

Platz, postiert die leeren Flaschen zu seinen Füßen und entschlummert unter den leite im Meerwind

Zack persönlich Eigentlich hieß er Conte de Lou- vancourt und war ein 'echter französischer Graf.

Lichtspielhaus.

Der Hund von Sas erville "

Man muß sich wundem, daß Conan Doyles berühmter Roman nicht früher verfilmt wurde: er eignet sich gut dafür. Baronin Carla von S t a ck e l b e r g schrieb das Drehbuch. Es wurde eine unheimliche und aufregende Geschichte daraus, etwas abrupt stellenweise in der Bildfolge, wie öfters in solchen Detektivgeschichten, und es scheint uns beispielsweise die Rolle des Dr. Mortimer nicht völlig geklärt. Aber sonst gibt es hier alles, was man in diesem Zusammenhang erwarten darf: den heulenden Gespensterhund im Moor, geheimnisvolle Lichtsignale bei Nacht, den entflohenen Sträfling und den harmlosen Schmetterlingssammler, den toten Schloßherrn im Garten, ein unerwartetes Testament, Drohbriefe mit geflehten Buchstaben, verdächtige Telephongespräche und Revolverschüsse ums Haus herum. Das ist noch lange nicht alles, aber wir werden uns hüten, den ganzen Roman zu erzählen. Der Regisseur Carl Carnac hat den Fall mit all den Ingredienzien ausgestaltet, die geeignet sind, dem Zuschauer sowohl Gänsehäute zu verursachen, als auch ihn beizeiten auf die falsche Fährte zu locken. Bruno G ü 11 n e r ist ein Sherlock

ja in diesem verfluchten Lande nicht

Finchen schüttelte besorgt den Kopf Da klopfte es grob an die Tür.Herein!" schreit er, auch wieder lauter, als es gerade notwendig ist. Der freche kleine Sergeant steckt fein verbotenes Gesicht durch den SpaltAu Promenade - zum Spa­ziergang!" Na, das läßt sich hören. Finchen schiebt die Pfanne mit Schwung unter das Bett Man kann auch nachher essen

Eine Stunde fit bald vorüber, aber sie bietet Raum für mancherlei Dinge. Hier geschah folgen­des Als Finchen zurückkam und mit nachtwand­lerischer Sicherheit seinen Schatz aus dem Versteck hervorzieht ist der Käse weg. Leer und blank- aeleckt grinst ihn das Pfännchen anSo eine Gemeinheit! Den hat der Sergeant gefressen! Na warte " Und Finchen greift zu Feder und Pa­pier Schöne weiße Aktenbogen Papier Clemen- ceau - die zur einseitigen Korrespondenz mit d->m Herrn Kriegsminister dienten. Einedemande" setzt er auf, eine klein/ Anfrage. Keine Beschwerde, sonst wird er ja noch einmal eingesperrt. So und so, der Käse sei dagewesen und jetzt sei er weg und er bäte, die Voruntersuchung zu eröffnen

Einige Tage vergehen - nichts rührt sich. Fin­chen schreibt noch einmal. Seine Kohlhaas-Natur

,/L)er Götze."

Von Woldemar Tröbst

dantund besseres Essens Eh bien, soll er haben, wenn er es bezahlen kann. Sergeant, schrei­ben Sie der Leutnant Suermann ist autorisiert,

rauschenden Akazien

lieber ein Kleines kommt die Ronde. Der Capi- taine vom Dienst, mit Dolmetscher. Posten und Laternenträger anzusehen wie die alten Schar­wächter auf Rembrandtschen Bildern Sie rütteln den einsamen Schläfer wach Hallo hallo, Monsieur Suermann! Was machen Sie denn hier?" Der reibt sich die Augen, gähnt und blickt M'ßver- gnügt wie ein neugeborenes Kind in das Licht der ßnterne.Ich ich warte auf die Straßenbahn. Will heim!" Zugegeben, die Antwort war etwas ungewäbnlich Trotzdem hätte der Franzose nicht lach-n sollen, denn nun wurde Finchen böse und er= zäh'te den erstaunt Aufborchenden. welcher minder­wertigen Rasse sie änzuaehören das Pech hätten, und wie unfein es fei, harmlose Passanten nachts zu belästigen Kurzum was man eben so sagt, wenn die Weinflaschen leer am Boden stehen Den Fran­zosen behagte d'es nur mäßig und sie beschlossen, Finchen noch in gleicher Nacht in das Cachot zu bringen Für sechzig Tage, wie es üblich war.

Eigentlich durften sie das ja nicht tun, denn Suermann war krank Von der letzten Grippe- epioemie her, die zahlreiche Todesopfer im Lager gefordert hatte, war auch bei ihm ein Knacks zu­rückgeblieben, der frische Luft und gutes Essen zur

aber kam es so.

Finchen Suermann war zum- Stammestag Der Westfalen eingeladen. Mit dem Glockenschlag acht verließ er seine Baracke, ausgerüstet wie man in Kriegsgefangenschaft gemäß alten Ueberlieferungen zu Festen geht. Mit dem klapprigen Stuhl unter dem Arm rechts und links je eine Weinflasche in den Rocktaschen und - nicht zu vergessen - die unvermeidliche Blechschachtel mit dem Megos, den Zigarettenstummeln. Die Feier muß wohl sehr lustig gewesen sein, vielleicht auch ob ihrer Ausdehnung recht anstrengend, jedenfalls wird Finchen auf dem . . h-

mitternächtlichen Heimweg - und es handelte sich Bauch. Die nächste Serie wird blau Merkwurdiger- ba immerhin um Wegstrecken von gut fünfzig Me- weise läßt er sie immer wieder sausen Zum hin­ter - von unabwendbarer Müdigkeit übermannt dium des wenig erforschten Fliegenzuges. Es sei Sorgfältig setzt er seinen Stuhl ab. - .Das ist sehr interessant, meint er, wenn er dann m der Nach- aber mal praktisch", denkt er so bei sich, nimmt barzelle ein Roter gesichtet wurde In Rossitten mache Platz, postiert die leeren Flaschen zu seinen Füßen man das mit Störchen - hoppla, aber die gäbe es

Heilung erforderteFrische Luft? Na, das ist ' fordert ihr Recht. Und dann erscheint Capita ine so ein ärztliches Vorurteil!" entschied der Komman-' ' " ""

Merkwürdigerweise aber blond und blauäugig wie ein waschechter Nordfriese Im ganzen ein ange­nehmer Mann der nur eine Leidenschaft hatte deutsch zu sprechen Zackig wie ein preußischer Gre­nadier kommt er herein, baut sich auf und stößt etwas verlegen die Worte hervor:Monsieur Suer­mann, man weiß, wer den Gäse hat genommen, man hat ihm laufen sehen ..." Fröhliches Ge­lächter unterbricht den Franzosen.Nanu, mein Käse hat Füße gekriegt . .?" Zack verwickelt sich in seinen Konstruktionen.Mais non, Sie ver­stehen nicht Es war der Götze, man hat ihm laufen sehen." In schallender Heiterkeit geht alles andere unter.Der Gatze! Das ist ja großartig!" Rot- übergoffen steht der Capitaine da. Tadelnd sieht er Finchen an, der sich vor Fröhlichkeit nicht zu helfen weiß Einen derartigen Erfolg feiner Sprachübung hat er nicht erwartet.Aber Sie müffen doch verstehen, lanimal comme ca miau, miau'" Langsam beruhigen sich die drei,Jawohl, wir verstehen alles, mon Capitaine. Und mehr als das!

: Machen Sie nur so weiter'"

Und von diesem Tage an legte der Serge int seinen bürgerlichen Namen ab und schlüpfte wie bei der Seelenwanderung in das Fell derGatze". Unser Freund aber ist er nie geworden.

noch Der Gatze" hieß. Damit hatte es, wie mit , ,. _

allen unseren Spitznamen, seine besondere Bewandt- auf sich bedacht. Butter, Käse, Oelsardmen was nis Irgendwann einmal sprangen sie auf aus dem es so gab und im Arrest verboten war. Seme Dunkel der Anonymität, fußen wie die Faust auf beiden Zellengenossen sollten auch mal schone Tage bem Auge und brandmarkten ihre Träger. Hier haben.

Holmes, wie er im Buche steht, und wie man ihn sich nach der Lektüre vorstellt: schlank und sym­pathisch, mit einem durchdringenden Blick und einer messerscharfen Logik bewaffnet. Die schauspielerisch ergiebigste und interessanteste Leistung sieht man von Erich Ponto; gut auch Kayß 1 er, Ode- mar, Rasp, Voß: die Gießener wird es freuen, in einer kurzen Szene des historischen Vor­spiels Hanna W c^a g zu begegnen. Alles in allem: eine spannende und nervenstärkende Unterhaltung. (Bavaria.)

*

Im Beiprogramm: ein sehenswerter Kulturfilm aus dem alten Kulturlande Aegypten und die neue Fox-Tonwoche. Hans Thyriot

Zeitschriften.

Die Frage, ob der Krebs erblich ist, erscheint für den Menschen noch nicht endgültig beantwortet. Aus bereits vorhandenen Stammbaumuntersuchun- gen sowie größeren statistischen Erhebungen geht hervor, daß in Familien, in denen Elternteile oder Geschwister an Krebs erkranken, eine wesentlich höhere Krebshäufigkeit erwartet werden kann als in der Durchschnittsbevölkerung. Allerdings weifen andere Beobachtungen auch darauf hin, daß die Geschwülste (Tumoren) des Menschen in ihrer Ent­wicklung, Art und Organisation nur zum Teil von Erbanlagen abhängig zu sein brauchen, daß aber zur Krebsentstehung selbst noch andere Einflüsse von großer Bedeutung sind. Was weiter über die Entstehung der verschiedenen Krebsgeschwülste heute bereits bekannt ist, berichtet Prof. Dr. Haa- gen vom Preuß. InstitutRobert Koch", Berlin, im Januarheft der volkstümlichen Monatsschrift Der Naturforscher" (Hugo Bermühler Ver­lag, Berlin-Lichkerfelde-d-l.) Ferner berichtet das Heft u. a. über den gegenwärtigen Stand unserer Kenntnisse der hohen Atmosphäre, von der Heimat der nordischen Rasse, über die Biologie des Uhus, über die Fortpflanzungsbiologie und den Winter­schlaf des Hamsters und über das Zustandekommen und die Wirkung der hochfrequenten und elaffifchen Schwingungen und des Ultraschalls. Aus dem Ge­biet des Naturschutzes führt Forftaffesfor von Bo- nin-Ponitz in die Aufgaben der nach dem Reichs- 'agdgefetz oorgeschriebenen Wildfütterungen ein. Diplom-Ingenieur Pachtner zeigt, welchen Umfang Die Benzingewinnung aus deutschen Rohstoffen an­genommen hat und welche Verfahren dabei einge- schlagen werden. Kleine Beiträge aus allen Ge­bieten, neue Forschungsergebnisse, Anregungen zur Naturbeobachtung, und zwar diesmal unserer Win­tergäste aus der Vogelwelt, ferner die Bücherschau und die Preisfrage beschließen das wertvolle und anregende Heft.