Oer Reichsbauernführer gibt die Parole für die nächste Erzeugungsschlacht.
Goslar, 12. Dez. (DNB.) Die Reichsbauern- ftadt Goslar stand am Sonntag wieder im Zeichen einer bedeutungsvollen Kundgebung des Reichsnährstandes. Der Reichsbauernführer D a r r £ hatte das Landvolk aus Niedersachsen nach Goslar gerufen, um vor ihm und über alle deutschen Sender seine Befehle für den neuen Offensivabschnitt der Erzeugungsschlacht auszugeben.
Auch heute will ich, so erklärte der Reichsbauern- führer — wie in anderen Jahren —, zunächst von dem sprechen, was die Gesamtheit der deutschen Landwirtschaft im letzten Jahre g e l e i st ej hat. Das ist notwendig. Denn mag der einzelne in seinem Betriebe den Erfolg seiner Leistung als gering ansehen, mag vielleicht in manchem landwirtschaftlichen Betrieb infolge besonderer Umstände der Erfolg überhaupt ausgeblieben sein, so darf ich doch feststellen, daß die Summe der Einzelleistungen in den drei Millionen landwirtschaftlichen Betrieben einzig dasteht. Der Erfolg ist um so höher zu bewerten, als einmal die Witterungsver- h ä l t n i s s e in der Zeit der Bestellung und des Wachstums nicht günstig gewesen sind. Schon, allein die Neubestellung der ausgewinterten Brotgetreide- fläche von mehr als 7 v. H. der Wintergetreidefläche erforderte Mehrarbeit in unerhörtem Ausmaße. Darüber hinaus zwang gerade dieser Ausfall von Wintergetreide zu scharfen Maßnahmen für die Sicherung der Brotversorgung. Sehr viel tiefergreifend aber ist der allgemeine Mangel an Landarbeitern und weiblichen Hilfskräften auf dem Bauernhöfe. Das hat gerade den mittleren und kleineren landwirtschaftlichen Betrieb oft härter betroffen als den größeren, da der ledige Landarbeiter stärker der Gefahr der Abwanderung unterliegt als die seßhafte Landarbeiterfamilie. Trotz dieser Schwierigkeiten ist die Getreideernte auf geringerer Fläche nicht kleiner als im vorigen Jahre. Unserer vorjährigen Parole, mehr Hackfrüchte anzubauen, ist das deutsche Landvolk willig gefolgt. Neben der Erweiterung der Anbaufläche ist es gelungen, den Flächenertrag in einem über Erwarten großen Ausmaß zu erhöhen. 55,3 Millionen Tonnen Kartoffeln und 14 Millionen Tonnen Zuckerrüben, d. h. bei Kartoffeln etwa 30 und bei Rüben fast 40 v. H. mehr als im Durchschnitt der letzten sechs Jahre, beweisen die ungeheuren Anstrengungen der Land-, wirtschaft in der Erzeugungsschlacht. Die diesjährige Hackfruchterntd ist die größte, die bisher in Deutschland je erzeugt worden ist. Trotz stark abnehmender Zufuhren von ausländischen Kraftfuttermitteln ist es gelungen, die Milcherzeugung seit Beginn der Erzeugungsschlacht bis heute um mehr als eine Milliarde Liter auf rund 25 Milliarden Liter jährlich zu steigern, da das Landvolk die Futtergrundlage mehr und mehr in den eigenen' Betrieb verlegt.
Die vor drei Jahren gestellte Aufgabe: „Mehr erzeugen und das Erzeugte sparsamer verwenden" bleibt auch weiterhin Richtschnur für die kommende Arbeit. Für das neue Jahr der Erzeugungsschlacht sehe ich meine Aufgabe darin, aus der großen Zahl der notwendigen Maßnahmen einen Teil — und zwar den entscheidenden Teil — a l s Stoßaufgab e .herauszustellen.
haltet den Boden gesund!
1. Jede Leistung in der Landwirtschaft, sei es auf dem Gebiete des Pflanzenbaues oder der Tierhaltung, hängt entscheidend von dem Z u st a n d und der Behandlung des Bodens ab. Wir müllen in Zukunft unseren Boden viel sorgfältiger bearbeiten und pflegen, ihn ständig mit den notwendigen Mengen gut verrotteten S t a l l m i st e s versorgen und auch die G r ü n -: düngung noch viel stärker zur Erhaltung der alten Bodenkraft heranziehen. Zur Förderung der Bodengesundung trägt in entscheidendem Maße eine geregelte Kalkversorgung bei; denn der Kalk ist nicht nur ein Nährstoff, sondern dient in gleich starkem Maße der Bodengesundheit. Dann können wir auch mit Sicherheit und größerem Erfolg wesentlich höhere Handelsdüngermengen aufwenden. Um dabei Fehler zu vermeiden, muß jeder Bauer und Landwirt mit Hilfe der Bodenuntersuchung auf den Kalkgehalt und den Gehalt an Nährstoffen seinen Boden besser als bisher kennen lernen.
Steigert die Erträge im Hackfruchtbau.
2. Durch regelmäßigegroßeKartoffel- ernten roerben erst die Voraussetzungen für einen gleichmäßigen, zur Deckung des Fleisch- und Fettbedarfs ausreichenden S ch w e i n e b e st a ck d geschaffen. Dabei wird auch vermieden, daß große Kartoffelernten zu Absatzschwierigkeiten in den Herbstmonaten führen. Es muß also noch mehr als bisher den stärkereichen Futterkartoffelsorten der Vorzug gegeben werden. Eine richtige Sortenwahl, ein regelmäßiger Pflanzaut- wechsel und eine starke Düngung sind die sichersten Garanten für hohe und sichere Kartoffelerträge.
Bei der Zuckerrübe erwarte ich eine abermalige Erweiterung der Anbaufläche. Die Praxis hat erwiesen, daß die Zuckerrüben sowohl roh als auch gedämpft, sowie in Form von Schnitzeln ein hochwertiges, wirtschaftseigenes Futtermittel für fast alle Tierarten darstellt. Sie sollte daher m allen Betrieben, die über geeignete Böden und Klimalagen verfügen, unter Zurückdrän- gung der Runkelrübe angebaut werden.
Ernte durch Zwischenfruchtbau in zwei Jahren dreimal.
3- Den wichtigsten Hebel zur Stärkung der wirt- schaftselgenen Futterarundlage stellt bei unserem beengten Raum der Zwischenfruchtbau dar. Durch den Anbau von eiweißreichen Zwischenfruchtpflanzen und ihre verlustlose Aufbewahrung m Gärfutterbehältern ist es möglich, Kraft? futter, das wir in Form von Oelkuchen nicht mehr in großen Mengen aus dem Auslande einfuhren können, zu ersetzen und unsere Viehhaltung damit unabhängiger vom ausländischen Futter zu machen. Der Gärfutterbehälter ermöglicht den verstärkten Zwischenfruchtbau. Die Süßlupine ist das Eiweißfutter des leichten Bodens.
Im Grünland liegen die größten Reserven!
4. Einen sehr bedeutsamen Anteil an der Stär- kung der wirtschaftseigenen Futtergrundlage hat das Grünland, d. h. die Wiesen und Weiden zu leisten. Durch bessere Düngung und Pflege und eme zweckmäßigere Bewirtschaftung müßen die hier vorhandenen Rserven der Ertragssteigerung schnellstens für unsere Tierernährung nutzbar gemacht «erden. Dabei kommt den Trockengerüsten
und Gärfutterbehältern zur Vermeidung von Nährstoffverlusten eine entscheidende Bedeutung zu. Wenig ertragreiches, geringwertiges Grünland, das trotz bester Bewirtschaftung keine hohen Erträge verspricht, muß in Ackerland verwandelt werden und gleichzeitig die verbleibenden Flächen wesentlich besser als bisher bewirtschaftet werden. Stärkere Unterteilung der Weiden läßt für sich allein noch keine höheren Erträge erwarten. Zur Erzielung von Mehrerträgen muß eine sorgsame Pflege der Weide und eine ausreichende Düngung hinzukommen,
halte! leistungsfähiges Vieh und füttert es richtig!
5. Die Verbesserung der wirtschaftseigenen Futtergrundlage hat jedoch nur dann einen Sinn, wenn wir über eine genügende Zahl von leistungsfähigen Tieren in gesunden Ställen verfügen, die auch in der Lage sind, wirtschaftseigenes Futter in hohe Milch- oder Fett- lei st u n ge n umzusetzen. Dabei muß der Tier- züchter sein Augenmerk auf die Fähiakeit der Tiere richten, große Mengen wirtschaftseigenen Futters in gute Durchschnittsleistungen umzuwandeln. Diese Aufgabe des Züchters enthebt aber den Tierhalter nicht der Notwendigkeit, mit dem vorhandenen Futter, insbesondere mit dem Eiweiß, sparsam und nichtig umzugehen.
Nachdem durch die reichliche Kartoffel- und Rübenernte die wirtschaftseigene Futtergrundlage für die Schweinemast eine beachtliche Verstärkung erfahren hat, besteht jetzt kein Grund mehr, die Schweinehaltung zu vermindern, es ist sogar notwendig, die Schweinenachzucht sofort zu vermehren, um einen für die Volksernährung ausreichenden Schweinebestand zu sichern.
Ohne verstärkten Maschineneinsatz keine Leistungssteigerung.
6. Ich weiß, daß die Frage der Landarbeiter für euch das wichtigste, für die Führung der Volkswirtschaft das schwierigste Kapitel darstellt. Staat, Partei und Reichsnährstand werden in gemeinsamer Arbeit nichts unterlassen, die letzten Möglichkeiten auszuschöpfen, um die notwendigen Arbeitskräfte zur Verfügung zu stellen. Die Landwirtschaft muß ihrerseits durch verstärkte Maschinenanwendung die fehlende menschliche
Arbeitskraft ersetzen. Auch im kleineren Betrieb ist es notwendig, daß die Maschine stärkeren Eingang findet. Außerdem müssen die vorhandenen Maschinen richtig und ausgiebig eingesetzt werden; vor allen Dingen müssen auf dem Wege des gemeinsamen Maschinenkaufs größere Maschinen in mehreren Betrieben gemeinsam verwendet werden. Die gemeinsam benutzte Maschine spart Rohstoffe und deyi einzelnen Geld. Der Schlepper hilft, den Arbeitermangel überwinden. Vielfachgeräte erleichtern den Hackfruchtbau. Kartoffeldämpfkolonnen vermindern die Verluste und ermöglichen die Sommermast von Schweinen.
Ohne Landarbeiter hungert das Volk.
Jede Maschine kann immer nur helfen, die Arbeit zu erleichtern und die Leistung des einzelnen zu erhöhen. Der denkende Mensch wird dadurch nie entbehrlich gemacht. Für die Landarbeit ist eine ausgesprochen vielseitige Arbeit, die gelernt fein muß. Ich freue mich deshalb, daß die Reichsjugendführung es übernommen hat, die Jugend gerade über diese Seite der Landarbeit aufzuklären. Dadurch wird verhindert werden, daß sich die Jugend beim Eintritt in das Berufsleben unter Verkennung des Charakters der Landarbeit und aus kurzsichtigen materiellen Erwägungen von dieser abwendet. Es ist auch nickt wahr, wenn man immer wieder hört, daß die Aufstiegsmög- l i ch k e i t e n des Arbeiters in der Stadt bessere wären als die des Landarbeiters. Es gibt ein falsches Bild, wenn man nur den Barlohn von Industriearbeiter und Landarbeiter miteinander vergleicht. Entscheidend ist der Gesamtlebsns- erfolg eines Menschen. Ich sehe nach wie vor in dem Landarbeiterwohnungsbau eine vordringliche Aufgabe. Entscheidend ist der Wille des Landvolkes, auch unter den schwierigsten Umständen die Aufgaben der Erzeugungsschlacht zu erfüllen. Das deutsche Landvolk hat durch feine Leistungen in den letzten Jahren dem Führer geholfen, Deutschland wieder zu einer Weltmacht zu machen. Das Errungene muß gesichert und aus gebaut werden. Bauer, Landarbeiter und Landwirt, das ganze Volk muß erkennen: „Ohne Landarbeiter hungert das Volk?"
Erziehung zur Leistung!
Gauleiter Sprenger eröffnet den Reichsberufswettkampf aller schaffenden Deutschey im Gau Hessen-Nassau.
Lpd^ Frankfurt a. M., 11. Dez. Seit der Machtübernahme stellt die Jugend chr berufliches Können im Reichsberufswettkampf unter Beweis. Der glänzende Erfolg dieses Leistungswettstreites war die Veranlassung, den Reichsberusswettkampf nun auf alle Gesellen, Facharbeiter und Meister, auszudehnen. So wurde aus dem Ringen der Jugend um die beste Le-istung der „Reichsberufs- wettkampf aller schaffenden Deut- s ch e n", der f ü r den Gau Hessen-Nassau am Samstagvormittag im Rahmen einer großen Kundgebung in einer Arbeitshalle der Vereinigten Deutschen Metallwerke, Heddernheimer Kupferwerke in Frankfurt a. M.-Heddernheim, durch den Gauleiter eröffnet wurde. Zu der Feier waren zahlreiche Vertreter der Partei und ihrer Gliederungen, des Staates, der Wehrmacht, des Arbeitsdienstes, der Wirtschaft und der Stadt Frankfurt erschienen.
Nachdem der Gauleiter die Front der im Hofe des Werkes angetr^tenen Formationen abgeschritten hatte, begab er sich in die Halle des Preßwerkes, die mit den Bildern der führenden Persönlichkeiten des neuen Deutschland, Hakenkreuzfahnen und Tannengrün geschmückt war.
Nach Begrüßungsworten des Gaubeauftragten für den Reichsberufswettkampf aller schaffenden Deutschen, Gauberufswalter Stein, und des stellvertretenden Gebietsführers der HI., Hauptbannführer Lindenburger, nahm zunächst
der Gabobmann der Deutschen Arbeitsfront, Willy Becker,
das Wort zu einem Rechenschaftsbericht über den Reichsberufswettkampf in den vergangenen Jahren. Im Jahre 1934 hätten sich im ganzen Reiche 500 000 Jugendliche beteiligt, im Gau 18 000. Im Jahre 1935 fei diese Zahl auf 750 000 bzw. 34 000 gestiegen. Am Gauwettkampf beteiligten sich 512 Personen, die 16 Reichswettkämpfer stellten, von denen einer Reichssieger wurde. Die entsprechenden Zahlen für 1936 waren: 1036 000 Reichsteilnehmer,
52 000 Gauteilnehmer, 666 Gauwettkämpfer, 32 Reichswettkämpfer, 9 Reichssieger und für 1937 1 800 000, bzw. 70 000, bzw. 755, bzw. 133 bzw. 10 Reichssieger. Jetzt solle nicht nur die Jugend an diesen Kämpfen teilnehmen, sondern alle schaffenden Deutschen, wodurch die Gewähr gegeben werde, den Leistungswillen des deutschen Volkes noch mehr zu betonen. Diese Kundgebung möge das Signal sein, daß in unferm Gau alle Schaffenden den großen Gedanken begreifen würden, der darin zum Ausdruck komme.
Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger betonte, daß nach dem Zusammenbruch von 1918, nachdem dem deutschen Volke alles geraubt worden war, der Führer als einziger und zuerst erkannt habe, was dem deutschen Volke geblieben war, nämlich der deutsche Arbeiter. Auf diesen deutschen Arbeiter mußte sich zunächst das ganze Volk stützen, um wieder aufwärts schreiten zu können. Durch die uns auferlegten Bedingungen und den Verlust zahlreicher Rohstoffe waren wir vom Weltmarkt abgeschnitten und konnten nur auf dem Wege über die Qualitätsarbeit unsere passive Handelsbilanz wieder aktiv gestalten. Der Reichsberusswettkampf wurde geschaffen mit dem Ziele, den Nachwuchs an Qualitätsarbeitern heranzubilden, damit die Zukunft des deutschen Volkes gewährleistet wurde. Die Erfolge haben gezeigt, daß das der richttge Weg gewesen ist, um uns wieder aufwärts und vorwärts zu bringen. Wir werden der Welt zeigen, was der deutsche Arbeiter zu leisten vermag. Hier ist jeder gleich, nur d i e Leistung entscheidet. Darum bleibt die Parole für den Reichsberufswettkampf: Arbeit, Arbeit und wieder Arbeit. Mit dieser Parole eröffne ich den Reicksberufswettkampf im Gau Hessen- Nassau." — Das Sieg-Heil auf den Führer und die Lieder der Natton beschlossen die eindrucksvolle Kundgebung.
Japans Ziele in China.
Eine Unterredung mit dem Grafen Jshii in London.
London, 12. Dez. (DNB.) Der japanische Sonderbotschafter Graf I s ch i i, der sich in London aufhält, erklärte einem Vertreter der „Sunday Times", daß Japan keine territorialen Ziele in China verfolge und daß es die Rechte und Interessen der ausländischen Mächte in China respektieren werde, solange diese Mächte sich neutral verhielten. Nach dem Fall von Nanking würden die japanischen Armeen Tschiangkaischek nicht weiterin das Innere Chinas verfolgen. Japan werde aber Nanking besetzt halten, bis eine Regelung mit Tschiangkaischek erreicht sei. Die lokalen chinesischen Verwaltungsbehörden würden weiter im Amt belassen werden, soweit sie bereit seien, mit Japan z u - lumm enzuar beiten. Sollte sich aber Tschiang- rai|d)ef weigern, zu einem Abkommen mit ^apan zu gelangen, so müßte die militärische Be- setzung anbauern, und es müßten auch l6erhoben werden, um die Armee zu unterstützen. Frankreich habe man informiert, daß menn ber Waffenverkehr durch Franzö - 1 | 0) - vj n ö ° $1 n a weitergehe, Japan gezwungen französischen Eisenbahnen von Hanoy über die indochinesische Grenze nach Vünnan und ostwärts nach Nanning zu bombardieren. Tschiangkaischek unterhalte enge Beziehungen £LS£.“lßtruB.Ianb- Dieses könne aber prak- Ä ^lnax "2 Luftkrieg unterstützen. Ohne Waffen und ohne Geld müsse aber die Zeit kam- men, wo Tschiangkaischek den Kampf werde auf- geben muffen. ' 1
Amerikanisches Kanonenboot aus dem Nanqtse gesunken.
London, 13. Dez. (DNB. Funkspruch.) Nach einer Reuter-Meldung aus Washington ist das amerikanische Flußkanonenboot „Panay" gesunken. Das aus dem Jahre 1927 stammende Kanonenboot hatte eine Wasserverdrängung von 450 Tonnen, war mit zwei dreizölligen Flakgeschützen und 10 Maschinengewehren armiert und hotte eine Besatzung von 65 Mann an Bord. Es soll angeblich von japanischen Bomben getroffen worden sein, als es sich zwischen Nanking und Wuhu befand. Auch ein Delta n k e r, der sich in der Nähe aufhielt, soll ge« fünfen fein.
Das amerikanische Marineministerium bestätigt die Meldung. Die „Panay" verließ Nanking am Samstagnachmittag mit Amerikanern und Flüchtlingen anderer Nationalitäten an Bord, um aus dem Bereich des Artilleriefeuers herauszukommen. Außer 65 Mann Besatzung befanden sich etwa 50 Zivilpersonen an Bord, darunter die beiden Gesandtschaftsräte Atcheson und Hall von der amerikanischen Botschaft in Nanking. Von den weiteren Personen wurden 5 4 gerettet, darunter viele verwundet. Atcheson und Hall be- finden sich unter den Geretteten, ebenso der Kapitän des Kanonenbootes, Hughes, der verwundet wurde. Das britische Kanonenboot „Bee" und
das amerikanische Kanonenboot „O a h u" ekkten art die Unglücksstelle.
Heftiger Kampf um Aanking.
Schanghai, 11. Dez. (DNB.) Nach Meldungen aus Nanking befindet sich innerhalb der stark verschanzten Stadt nur noch die zur Verteidigung kommandierte Besatzung. Das Gros der chinesischen Truppen ist nach Westen abtransportiert worden; kleinere Verbände haben sich nach Norden auf das jenseitige Ufergebiet des Jangtse zurückgezogen. Ein chinesischer Gegenangriff auf die am Freitag durch das Kuanhua-Tor im Südosten Nankings eingedrungenen Japaner soll zurückgeschlagen worden sein. Die Chinesen, die auch Tränengas verwandt hätten, sollen schwere Verluste erlitten haben. Bis in die späten Abendstunden währte der Kampf um Nanking. Besonders schwer und blutig mar das Ringen um das SÜdtor und in, der Nähe des P u y u a t a i - H ü g e l s. Auf der Südseite der Stadt, wo ein heftiger Artilleriekampf im Gange ist, wüten Brände, deren Feuerschein weithin den nächtlichen Himmel rötet. Die Japaner haben ihre Angriffe auch gegen da s Öfttor und das Taipingtor mit Unterstützung aller Waffen vorgetragen. In den umliegenden Straßen sind erbitterte Kämpfe um die einzelnen Gebäudeblocks entbrannt.
Japanisch-englischer Zwischenfall.
London, 12. Dez. (DNB.) Die englische Admiralität teilt mit, daß die britischen Flußkanonenboote „Lady B i r d" und „B e e" am Sonntagmorgen in der Nähe von Wuhu von japanischer Feldartillerie beschossen worden seien. Durch das Feuer seien ein englischer Matrose getötet sowie ein Offizier und mehrere Mitglieder der Besatzung leicht verletzt worden. Weiter teilt die britische Admiralität mit, daß auf dem Pangtse, unweit Nanking, ein britisches Handelsschiff von japanischen Flugzeugen angegriffen worden sei. Die in der Nähe liegenden britischen Kriegsschiffe „Sca- rab" und „Cricket" hätten auf die japanischen Flugzeuge das Feuer eröffnet.
Eine autonome Regierung in der Schansi-Provinz.
Peiping, 12. Dez. (DNB.) In der Schansi- provinz, der westlichsten, an die Mongolei angrenzenden Provinz der fünf nordchinesischen Provinzen, wurde eine vorläufige autonome Regierung gebildet. In Taiyuanfu sand nach der Vereidigung der Regierungsmitglieder in Anwesenheit von 50 chinesischen Vertretern aus allen Bezirken der Provinz Schansi sowie der japanischen Militärbehörden ein großer Demonstrationsumzug für b i e Japaner und für die neugegründete autonome Regierung statt. I
Graf Mushakoji verläßt Berlin.
Der bisherige Botschafter Japans in Berlin, Graf Mushakoji, reiste nach Genua ab, um von dort nach seiner Heimat zurückzukehren. Die letzte Stunde des Botschafters und seiner Gattin in der Reichshauptstadt gestaltete sich zu einer herzlichen Verttauenskundgebung. Kurz vor der Abfahrt überbrachte Staatsminister Dr. Meißner die Abschiedsgrühe des Führers und Reichskanzlers.
Moskaus
„Demokratische Wahlaktion".
Moskau, 12. Dez. (DNB.) Am Sonntag wurden in der Sowjetunion die lange vorbereiteten „W a h l e n" durchgeführt, an denen sich 90 Millionen Menschen beteiligen sollen. Die meist in Schulen oder öffentlichen Gebäuden untergebrachten Wahllokale waren von 6 bis 24 Uhr geöffnet. Die Straßen Moskaus paren mit roten Fahnen sowie mit den üblichen Transparenten und Porträts der Parteigewaltigen dekoriert. Auf besonderen Plakaten waren auch die Namen und Abbildungen der in den einzelnen Wahlkreisen aufgestellten Kandidaten angeschlagen. Die Wähler begaben sich teils „organisier t", d. h. in Gruppen' unter Führung besonderer Agitatoren, teils einzeln zu den Wahllokalen. Dort wurden ihnen die mit den Namen des jeweiligen Kandidaten versehenen Stimmzettel ausgehändigt, die dann nur noch von den Wählern in Umschläge gesteckt und in die Urnen geworfen werden mußten. Es wird mit einer nahezu vollständigen Beteiligung der Wahlberechtigten gerechnet, da bei den umfassenden Kontrollmaßnahmen kaum jemand wagen kann, den „Wahlen" fernzubleiben. Die ersten „Wahlergebnisse" sind am Montag zu erwarten; die vollständigen Ziffern jedoch erst in einigen Tagen. Die Moskauer Blätter bemühen sich natürlich, die Wahlaktion in der Sowjetunion auch im Sinne der weltrevolutionären Agitation auszuwerten.
DieVerf olgungen gehen weiter
Anch der Kommissar des Pariser Sowjetpavillons unter den Opfern Stalins.
Moskau, 12. Dez. (DNB.) Nach einer forojcb amtlichen Mitteilung ist zum Vorsitzenden des B u nd e s k o mi t e e s für das Hochschulwesen beim Volkskommissarenrat der Sowjetunion ein gewisser Kostanow ernannt worden. Diesen Posten hatte bisher der Bruder des kürzlich verhafteten Präsidenten der Staatsplankvmmis- sion, Iwan Meshlauk. inne. Iwan Meshlauk hatte außerdem bis zuletzt das Amt des Kommissars für den So w j etpav i l l on auf der Pariser Meltaus st ellung bekleidet. Iwan Meshlauk, der vor wenigen Tagen von Paris nach Moskau zurückgekehrt ist, soll hier verhaftet worden sein.
Der Berichterstatter des „Observer" in Helsinki meldet, daß die drei früheren Sow- jetgefanbten in Helsinki, Riga und K o w n o , Asmus, Brodowski und Podolsky, hin- g e r i ch t e t worden seien wegen „Antisowjet-Betätigung" und Verwicklung in den Jagoda-Fall. In Kiely seien 18 Personen wegen angeblicher separatistischer Betätigung erschossen worden. In Taganrog wurden in einem Prozeß gegen Eisenbahnangestellte zwei Todesurteile gefällt, während elf weitere Angeklagte zu je zehn Jahren Zuchthaus verurteilt wurden. — Im Gebiet Nischni Nowgorod wurden vier Bau- e r n wegen angeblicher Sabotage der Kolchoswirt- schast hingerichtet. Im Nordkaukasus verurteilte ein Sondergericht weitere tscherkessische Bauern wegen „Sabotage und antibolschewistischer Umtriebe" zum Tode. Im Gebiet Nowosibirsk sprach das Militärtribunal fünf Todesur- teile gegen Arbeiter und nAgestellte eines Bergwerkes im Kusnetzker Distrikt aus, die der Schäd- Imgsarbcit und Spionage bezichtigt waren.


