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Oer Reichsbauernführer gibt die Parole für die nächste Erzeugungsschlacht.

Goslar, 12. Dez. (DNB.) Die Reichsbauern- ftadt Goslar stand am Sonntag wieder im Zeichen einer bedeutungsvollen Kundgebung des Reichsnährstandes. Der Reichsbauern­führer D a r r £ hatte das Landvolk aus Nieder­sachsen nach Goslar gerufen, um vor ihm und über alle deutschen Sender seine Befehle für den neuen Offensivabschnitt der Erzeugungsschlacht auszugeben.

Auch heute will ich, so erklärte der Reichsbauern- führer wie in anderen Jahren, zunächst von dem sprechen, was die Gesamtheit der deutschen Landwirtschaft im letzten Jahre g e l e i st ej hat. Das ist notwendig. Denn mag der einzelne in seinem Betriebe den Erfolg seiner Leistung als gering ansehen, mag vielleicht in manchem land­wirtschaftlichen Betrieb infolge besonderer Umstände der Erfolg überhaupt ausgeblieben sein, so darf ich doch feststellen, daß die Summe der Einzelleistun­gen in den drei Millionen landwirtschaftlichen Be­trieben einzig dasteht. Der Erfolg ist um so höher zu bewerten, als einmal die Witterungsver- h ä l t n i s s e in der Zeit der Bestellung und des Wachstums nicht günstig gewesen sind. Schon, allein die Neubestellung der ausgewinterten Brotgetreide- fläche von mehr als 7 v. H. der Wintergetreide­fläche erforderte Mehrarbeit in unerhörtem Aus­maße. Darüber hinaus zwang gerade dieser Aus­fall von Wintergetreide zu scharfen Maßnahmen für die Sicherung der Brotversorgung. Sehr viel tiefergreifend aber ist der allgemeine Mangel an Landarbeitern und weiblichen Hilfs­kräften auf dem Bauernhöfe. Das hat gerade den mittleren und kleineren landwirtschaftlichen Be­trieb oft härter betroffen als den größeren, da der ledige Landarbeiter stärker der Gefahr der Ab­wanderung unterliegt als die seßhafte Landarbeiter­familie. Trotz dieser Schwierigkeiten ist die Ge­treideernte auf geringerer Fläche nicht kleiner als im vorigen Jahre. Unserer vorjährigen Parole, mehr Hackfrüchte anzubauen, ist das deutsche Landvolk willig gefolgt. Neben der Erweiterung der Anbaufläche ist es gelungen, den Flächenertrag in einem über Erwarten großen Ausmaß zu er­höhen. 55,3 Millionen Tonnen Kartoffeln und 14 Millionen Tonnen Zuckerrüben, d. h. bei Kartoffeln etwa 30 und bei Rüben fast 40 v. H. mehr als im Durchschnitt der letzten sechs Jahre, beweisen die ungeheuren Anstrengungen der Land-, wirtschaft in der Erzeugungsschlacht. Die diesjährige Hackfruchterntd ist die größte, die bisher in Deutschland je erzeugt worden ist. Trotz stark abnehmender Zufuhren von ausländischen Kraft­futtermitteln ist es gelungen, die Milcherzeu­gung seit Beginn der Erzeugungsschlacht bis heute um mehr als eine Milliarde Liter auf rund 25 Milliarden Liter jährlich zu steigern, da das Land­volk die Futtergrundlage mehr und mehr in den eigenen' Betrieb verlegt.

Die vor drei Jahren gestellte Aufgabe:Mehr erzeugen und das Erzeugte sparsamer ver­wenden" bleibt auch weiterhin Richtschnur für die kommende Arbeit. Für das neue Jahr der Er­zeugungsschlacht sehe ich meine Aufgabe darin, aus der großen Zahl der notwendigen Maßnahmen einen Teil und zwar den entscheidenden Teil a l s Stoßaufgab e .herauszustellen.

haltet den Boden gesund!

1. Jede Leistung in der Landwirtschaft, sei es auf dem Gebiete des Pflanzenbaues oder der Tierhal­tung, hängt entscheidend von dem Z u st a n d und der Behandlung des Bodens ab. Wir müllen in Zukunft unseren Boden viel sorg­fältiger bearbeiten und pflegen, ihn stän­dig mit den notwendigen Mengen gut verrotteten S t a l l m i st e s versorgen und auch die G r ü n -: düngung noch viel stärker zur Erhaltung der alten Bodenkraft heranziehen. Zur Förderung der Bodengesundung trägt in entscheidendem Maße eine geregelte Kalkversorgung bei; denn der Kalk ist nicht nur ein Nährstoff, sondern dient in gleich starkem Maße der Bodengesundheit. Dann können wir auch mit Sicherheit und größerem Er­folg wesentlich höhere Handelsdüngermen­gen aufwenden. Um dabei Fehler zu vermeiden, muß jeder Bauer und Landwirt mit Hilfe der Bo­denuntersuchung auf den Kalkgehalt und den Ge­halt an Nährstoffen seinen Boden besser als bisher kennen lernen.

Steigert die Erträge im Hackfruchtbau.

2. Durch regelmäßigegroßeKartoffel- ernten roerben erst die Voraussetzungen für einen gleichmäßigen, zur Deckung des Fleisch- und Fett­bedarfs ausreichenden S ch w e i n e b e st a ck d ge­schaffen. Dabei wird auch vermieden, daß große Kartoffelernten zu Absatzschwierigkeiten in den Herbstmonaten führen. Es muß also noch mehr als bisher den stärkereichen Futterkar­toffelsorten der Vorzug gegeben werden. Eine richtige Sortenwahl, ein regelmäßiger Pflanzaut- wechsel und eine starke Düngung sind die sichersten Garanten für hohe und sichere Kartoffelerträge.

Bei der Zuckerrübe erwarte ich eine aber­malige Erweiterung der Anbaufläche. Die Praxis hat erwiesen, daß die Zuckerrüben sowohl roh als auch gedämpft, sowie in Form von Schnitzeln ein hochwertiges, wirtschaftseigenes Futtermittel für fast alle Tierarten darstellt. Sie sollte daher m allen Betrieben, die über geeignete Bö­den und Klimalagen verfügen, unter Zurückdrän- gung der Runkelrübe angebaut werden.

Ernte durch Zwischenfruchtbau in zwei Jahren dreimal.

3- Den wichtigsten Hebel zur Stärkung der wirt- schaftselgenen Futterarundlage stellt bei unserem beengten Raum der Zwischenfruchtbau dar. Durch den Anbau von eiweißreichen Zwischen­fruchtpflanzen und ihre verlustlose Aufbewahrung m Gärfutterbehältern ist es möglich, Kraft? futter, das wir in Form von Oelkuchen nicht mehr in großen Mengen aus dem Auslande ein­fuhren können, zu ersetzen und unsere Viehhal­tung damit unabhängiger vom auslän­dischen Futter zu machen. Der Gärfutter­behälter ermöglicht den verstärkten Zwischen­fruchtbau. Die Süßlupine ist das Eiweißfutter des leichten Bodens.

Im Grünland liegen die größten Reserven!

4. Einen sehr bedeutsamen Anteil an der Stär- kung der wirtschaftseigenen Futtergrundlage hat das Grünland, d. h. die Wiesen und Weiden zu leisten. Durch bessere Düngung und Pflege und eme zweckmäßigere Bewirtschaftung müßen die hier vorhandenen Rserven der Ertragssteigerung schnell­stens für unsere Tierernährung nutzbar gemacht «erden. Dabei kommt den Trockengerüsten

und Gärfutterbehältern zur Vermeidung von Nährstoffverlusten eine entscheidende Bedeutung zu. Wenig ertragreiches, geringwertiges Grünland, das trotz bester Bewirtschaftung keine hohen Er­träge verspricht, muß in Ackerland verwan­delt werden und gleichzeitig die verbleibenden Flä­chen wesentlich besser als bisher bewirtschaftet wer­den. Stärkere Unterteilung der Weiden läßt für sich allein noch keine höheren Erträge erwarten. Zur Erzielung von Mehrerträgen muß eine sorgsame Pflege der Weide und eine ausreichende Dün­gung hinzukommen,

halte! leistungsfähiges Vieh und füttert es richtig!

5. Die Verbesserung der wirtschaftseigenen Futter­grundlage hat jedoch nur dann einen Sinn, wenn wir über eine genügende Zahl von leistungs­fähigen Tieren in gesunden Ställen verfügen, die auch in der Lage sind, wirtschafts­eigenes Futter in hohe Milch- oder Fett- lei st u n ge n umzusetzen. Dabei muß der Tier- züchter sein Augenmerk auf die Fähiakeit der Tiere richten, große Mengen wirtschaftseigenen Futters in gute Durchschnittsleistun­gen umzuwandeln. Diese Aufgabe des Züchters enthebt aber den Tierhalter nicht der Notwendig­keit, mit dem vorhandenen Futter, insbesondere mit dem Eiweiß, sparsam und nichtig umzugehen.

Nachdem durch die reichliche Kartoffel- und Rübenernte die wirtschaftseigene Futtergrundlage für die Schweinemast eine beachtliche Verstär­kung erfahren hat, besteht jetzt kein Grund mehr, die Schweinehaltung zu vermindern, es ist sogar notwendig, die Schweinenachzucht sofort zu ver­mehren, um einen für die Volksernährung aus­reichenden Schweinebestand zu sichern.

Ohne verstärkten Maschineneinsatz keine Leistungssteigerung.

6. Ich weiß, daß die Frage der Landarbei­ter für euch das wichtigste, für die Führung der Volkswirtschaft das schwierigste Kapitel darstellt. Staat, Partei und Reichsnährstand werden in ge­meinsamer Arbeit nichts unterlassen, die letzten Möglichkeiten auszuschöpfen, um die notwendigen Arbeitskräfte zur Verfügung zu stellen. Die Land­wirtschaft muß ihrerseits durch verstärkte Ma­schinenanwendung die fehlende menschliche

Arbeitskraft ersetzen. Auch im kleineren Be­trieb ist es notwendig, daß die Maschine stärkeren Eingang findet. Außerdem müssen die vorhandenen Maschinen richtig und ausgiebig eingesetzt werden; vor allen Dingen müssen auf dem Wege des ge­meinsamen Maschinenkaufs größere Maschinen in mehreren Betrieben gemeinsam verwendet wer­den. Die gemeinsam benutzte Maschine spart Roh­stoffe und deyi einzelnen Geld. Der Schlepper hilft, den Arbeitermangel überwinden. Vielfachgeräte er­leichtern den Hackfruchtbau. Kartoffeldämpfkolonnen vermindern die Verluste und ermöglichen die Som­mermast von Schweinen.

Ohne Landarbeiter hungert das Volk.

Jede Maschine kann immer nur helfen, die Arbeit zu erleichtern und die Leistung des einzel­nen zu erhöhen. Der denkende Mensch wird da­durch nie entbehrlich gemacht. Für die Landarbeit ist eine ausgesprochen vielseitige Arbeit, die gelernt fein muß. Ich freue mich deshalb, daß die Reichsjugendführung es übernommen hat, die Jugend gerade über diese Seite der Landarbeit aufzuklären. Dadurch wird verhindert werden, daß sich die Jugend beim Eintritt in das Berufsleben unter Verkennung des Charakters der Landarbeit und aus kurzsichtigen materiellen Erwägungen von dieser abwendet. Es ist auch nickt wahr, wenn man immer wieder hört, daß die Aufstiegsmög- l i ch k e i t e n des Arbeiters in der Stadt bessere wären als die des Landarbeiters. Es gibt ein fal­sches Bild, wenn man nur den Barlohn von Industriearbeiter und Landarbeiter miteinander vergleicht. Entscheidend ist der Gesamtlebsns- erfolg eines Menschen. Ich sehe nach wie vor in dem Landarbeiterwohnungsbau eine vordringliche Aufgabe. Entscheidend ist der Wille des Landvolkes, auch unter den schwierigsten Um­ständen die Aufgaben der Erzeugungs­schlacht zu erfüllen. Das deutsche Landvolk hat durch feine Leistungen in den letzten Jahren dem Führer geholfen, Deutschland wieder zu einer Welt­macht zu machen. Das Errungene muß gesichert und aus gebaut werden. Bauer, Landarbeiter und Landwirt, das ganze Volk muß erkennen: Ohne Landarbeiter hungert das Volk?"

Erziehung zur Leistung!

Gauleiter Sprenger eröffnet den Reichsberufswettkampf aller schaffenden Deutschey im Gau Hessen-Nassau.

Lpd^ Frankfurt a. M., 11. Dez. Seit der Machtübernahme stellt die Jugend chr berufliches Können im Reichsberufswettkampf unter Beweis. Der glänzende Erfolg dieses Leistungswettstreites war die Veranlassung, den Reichsberusswettkampf nun auf alle Gesellen, Facharbeiter und Meister, auszudehnen. So wurde aus dem Ringen der Ju­gend um die beste Le-istung derReichsberufs- wettkampf aller schaffenden Deut- s ch e n", der f ü r den Gau Hessen-Nassau am Samstagvormittag im Rahmen einer großen Kundgebung in einer Arbeitshalle der Vereinigten Deutschen Metallwerke, Heddernheimer Kupferwerke in Frankfurt a. M.-Heddernheim, durch den Gau­leiter eröffnet wurde. Zu der Feier waren zahl­reiche Vertreter der Partei und ihrer Gliederungen, des Staates, der Wehrmacht, des Arbeitsdienstes, der Wirtschaft und der Stadt Frankfurt erschienen.

Nachdem der Gauleiter die Front der im Hofe des Werkes angetr^tenen Formationen abgeschrit­ten hatte, begab er sich in die Halle des Preßwer­kes, die mit den Bildern der führenden Persönlich­keiten des neuen Deutschland, Hakenkreuzfahnen und Tannengrün geschmückt war.

Nach Begrüßungsworten des Gaubeauftragten für den Reichsberufswettkampf aller schaffenden Deutschen, Gauberufswalter Stein, und des stell­vertretenden Gebietsführers der HI., Hauptbann­führer Lindenburger, nahm zunächst

der Gabobmann der Deutschen Arbeitsfront, Willy Becker,

das Wort zu einem Rechenschaftsbericht über den Reichsberufswettkampf in den vergangenen Jah­ren. Im Jahre 1934 hätten sich im ganzen Reiche 500 000 Jugendliche beteiligt, im Gau 18 000. Im Jahre 1935 fei diese Zahl auf 750 000 bzw. 34 000 gestiegen. Am Gauwettkampf beteiligten sich 512 Personen, die 16 Reichswettkämpfer stellten, von denen einer Reichssieger wurde. Die entsprechenden Zahlen für 1936 waren: 1036 000 Reichsteilnehmer,

52 000 Gauteilnehmer, 666 Gauwettkämpfer, 32 Reichswettkämpfer, 9 Reichssieger und für 1937 1 800 000, bzw. 70 000, bzw. 755, bzw. 133 bzw. 10 Reichssieger. Jetzt solle nicht nur die Jugend an diesen Kämpfen teilnehmen, sondern alle schaf­fenden Deutschen, wodurch die Gewähr gegeben werde, den Leistungswillen des deutschen Volkes noch mehr zu betonen. Diese Kundgebung möge das Signal sein, daß in unferm Gau alle Schaffen­den den großen Gedanken begreifen würden, der darin zum Ausdruck komme.

Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger betonte, daß nach dem Zusammenbruch von 1918, nachdem dem deutschen Volke alles geraubt worden war, der Führer als einziger und zuerst erkannt habe, was dem deutschen Volke geblieben war, nämlich der deutsche Arbeiter. Auf diesen deutschen Arbeiter mußte sich zunächst das ganze Volk stützen, um wieder aufwärts schreiten zu kön­nen. Durch die uns auferlegten Bedingungen und den Verlust zahlreicher Rohstoffe waren wir vom Weltmarkt abgeschnitten und konnten nur auf dem Wege über die Qualitätsarbeit unsere passive Handelsbilanz wieder aktiv gestalten. Der Reichsberusswettkampf wurde geschaffen mit dem Ziele, den Nachwuchs an Qualitätsarbeitern heranzubilden, damit die Zukunft des deutschen Vol­kes gewährleistet wurde. Die Erfolge haben ge­zeigt, daß das der richttge Weg gewesen ist, um uns wieder aufwärts und vorwärts zu bringen. Wir werden der Welt zeigen, was der deutsche Ar­beiter zu leisten vermag. Hier ist jeder gleich, nur d i e Leistung entscheidet. Darum bleibt die Parole für den Reichsberufswettkampf: Arbeit, Ar­beit und wieder Arbeit. Mit dieser Parole eröffne ich den Reicksberufswettkampf im Gau Hessen- Nassau." Das Sieg-Heil auf den Führer und die Lieder der Natton beschlossen die eindrucksvolle Kundgebung.

Japans Ziele in China.

Eine Unterredung mit dem Grafen Jshii in London.

London, 12. Dez. (DNB.) Der japanische Sonderbotschafter Graf I s ch i i, der sich in Lon­don aufhält, erklärte einem Vertreter derSunday Times", daß Japan keine territorialen Ziele in China verfolge und daß es die Rechte und Interessen der ausländischen Mächte in China respektieren werde, solange diese Mächte sich neutral verhielten. Nach dem Fall von Nanking würden die japanischen Armeen Tschiangkaischek nicht weiterin das Innere Chinas ver­folgen. Japan werde aber Nanking besetzt halten, bis eine Regelung mit Tschiangkaischek erreicht sei. Die lokalen chinesischen Verwaltungs­behörden würden weiter im Amt belassen werden, soweit sie bereit seien, mit Japan z u - lumm enzuar beiten. Sollte sich aber Tschiang- rai|d)ef weigern, zu einem Abkommen mit ^apan zu gelangen, so müßte die militärische Be- setzung anbauern, und es müßten auch l6erhoben werden, um die Armee zu unterstützen. Frankreich habe man informiert, daß menn ber Waffenverkehr durch Franzö - 1 | 0) - vj n ö ° $1 n a weitergehe, Japan gezwungen französischen Eisenbahnen von Hanoy über die indochinesische Grenze nach Vünnan und ostwärts nach Nanning zu bombardieren. Tschiangkaischek unterhalte enge Beziehungen £LS£.lßtruB.Ianb- Dieses könne aber prak- Ä ^lnax "2 Luftkrieg unterstützen. Ohne Waffen und ohne Geld müsse aber die Zeit kam- men, wo Tschiangkaischek den Kampf werde auf- geben muffen. ' 1

Amerikanisches Kanonenboot aus dem Nanqtse gesunken.

London, 13. Dez. (DNB. Funkspruch.) Nach einer Reuter-Meldung aus Washington ist das amerikanische FlußkanonenbootPa­nay" gesunken. Das aus dem Jahre 1927 stam­mende Kanonenboot hatte eine Wasserverdrängung von 450 Tonnen, war mit zwei dreizölligen Flak­geschützen und 10 Maschinengewehren armiert und hotte eine Besatzung von 65 Mann an Bord. Es soll angeblich von japanischen Bomben getroffen worden sein, als es sich zwischen Nanking und Wuhu befand. Auch ein Del­ta n k e r, der sich in der Nähe aufhielt, soll ge« fünfen fein.

Das amerikanische Marineministerium bestä­tigt die Meldung. DiePanay" verließ Nanking am Samstagnachmittag mit Amerikanern und Flüchtlingen anderer Nationalitäten an Bord, um aus dem Bereich des Artilleriefeuers herauszukom­men. Außer 65 Mann Besatzung befanden sich etwa 50 Zivilpersonen an Bord, darunter die beiden Gesandtschaftsräte Atcheson und Hall von der amerikanischen Botschaft in Nanking. Von den weiteren Personen wurden 5 4 gerettet, darunter viele verwundet. Atcheson und Hall be- finden sich unter den Geretteten, ebenso der Kapi­tän des Kanonenbootes, Hughes, der verwun­det wurde. Das britische KanonenbootBee" und

das amerikanische KanonenbootO a h u" ekkten art die Unglücksstelle.

Heftiger Kampf um Aanking.

Schanghai, 11. Dez. (DNB.) Nach Meldun­gen aus Nanking befindet sich innerhalb der stark verschanzten Stadt nur noch die zur Verteidigung kommandierte Besatzung. Das Gros der chinesischen Truppen ist nach Westen abtransportiert worden; kleinere Verbände haben sich nach Norden auf das jenseitige Ufergebiet des Jangtse zurückgezogen. Ein chinesischer Gegenangriff auf die am Freitag durch das Kuanhua-Tor im Südosten Nan­kings eingedrungenen Japaner soll zurückgeschlagen worden sein. Die Chinesen, die auch Tränengas verwandt hätten, sollen schwere Verluste erlitten haben. Bis in die späten Abendstunden währte der Kampf um Nanking. Besonders schwer und blutig mar das Ringen um das SÜdtor und in, der Nähe des P u y u a t a i - H ü g e l s. Auf der Südseite der Stadt, wo ein heftiger Artilleriekampf im Gange ist, wüten Brände, deren Feuerschein weithin den nächtlichen Himmel rötet. Die Japaner haben ihre Angriffe auch gegen da s Öfttor und das Taipingtor mit Unterstützung aller Waffen vorgetragen. In den umliegenden Straßen sind erbitterte Kämpfe um die einzelnen Gebäude­blocks entbrannt.

Japanisch-englischer Zwischenfall.

London, 12. Dez. (DNB.) Die englische Admi­ralität teilt mit, daß die britischen Flußkanonenboote Lady B i r d" undB e e" am Sonntagmorgen in der Nähe von Wuhu von japanischer Feld­artillerie beschossen worden seien. Durch das Feuer seien ein englischer Matrose getötet sowie ein Offizier und mehrere Mitglieder der Besatzung leicht verletzt worden. Weiter teilt die britische Ad­miralität mit, daß auf dem Pangtse, unweit Nan­king, ein britisches Handelsschiff von ja­panischen Flugzeugen angegriffen worden sei. Die in der Nähe liegenden britischen KriegsschiffeSca- rab" undCricket" hätten auf die japanischen Flug­zeuge das Feuer eröffnet.

Eine autonome Regierung in der Schansi-Provinz.

Peiping, 12. Dez. (DNB.) In der Schansi- provinz, der westlichsten, an die Mongolei angrenzen­den Provinz der fünf nordchinesischen Provinzen, wurde eine vorläufige autonome Regierung gebildet. In Taiyuanfu sand nach der Vereidigung der Regierungsmitglieder in Anwesenheit von 50 chine­sischen Vertretern aus allen Bezirken der Provinz Schansi sowie der japanischen Militärbehörden ein großer Demonstrationsumzug für b i e Japaner und für die neugegründete autonome Regierung statt. I

Graf Mushakoji verläßt Berlin.

Der bisherige Botschafter Japans in Berlin, Graf Mushakoji, reiste nach Genua ab, um von dort nach seiner Heimat zurückzukehren. Die letzte Stunde des Botschafters und seiner Gattin in der Reichshauptstadt gestaltete sich zu einer herz­lichen Verttauenskundgebung. Kurz vor der Ab­fahrt überbrachte Staatsminister Dr. Meißner die Abschiedsgrühe des Führers und Reichskanzlers.

Moskaus

Demokratische Wahlaktion".

Moskau, 12. Dez. (DNB.) Am Sonntag wur­den in der Sowjetunion die lange vorbereiteten W a h l e n" durchgeführt, an denen sich 90 Mil­lionen Menschen beteiligen sollen. Die meist in Schulen oder öffentlichen Gebäuden untergebrachten Wahllokale waren von 6 bis 24 Uhr geöffnet. Die Straßen Moskaus paren mit roten Fahnen sowie mit den üblichen Transparenten und Porträts der Parteigewaltigen dekoriert. Auf besonderen Pla­katen waren auch die Namen und Abbildungen der in den einzelnen Wahlkreisen aufgestellten Kandi­daten angeschlagen. Die Wähler begaben sich teils organisier t", d. h. in Gruppen' unter Füh­rung besonderer Agitatoren, teils einzeln zu den Wahllokalen. Dort wurden ihnen die mit den Na­men des jeweiligen Kandidaten versehenen Stimmzettel ausgehändigt, die dann nur noch von den Wählern in Umschläge gesteckt und in die Urnen geworfen werden mußten. Es wird mit einer nahezu vollständigen Beteiligung der Wahlberechtigten gerechnet, da bei den umfas­senden Kontrollmaßnahmen kaum jemand wagen kann, denWahlen" fernzubleiben. Die erstenWahlergebnisse" sind am Montag zu erwar­ten; die vollständigen Ziffern jedoch erst in einigen Tagen. Die Moskauer Blätter bemühen sich natür­lich, die Wahlaktion in der Sowjetunion auch im Sinne der weltrevolutionären Agitation auszu­werten.

DieVerf olgungen gehen weiter

Anch der Kommissar des Pariser Sowjet­pavillons unter den Opfern Stalins.

Moskau, 12. Dez. (DNB.) Nach einer forojcb amtlichen Mitteilung ist zum Vorsitzenden des B u nd e s k o mi t e e s für das Hochschul­wesen beim Volkskommissarenrat der Sowjet­union ein gewisser Kostanow ernannt worden. Diesen Posten hatte bisher der Bruder des kürz­lich verhafteten Präsidenten der Staatsplankvmmis- sion, Iwan Meshlauk. inne. Iwan Meshlauk hatte außerdem bis zuletzt das Amt des Kom­missars für den So w j etpav i l l on auf der Pariser Meltaus st ellung bekleidet. Iwan Meshlauk, der vor wenigen Tagen von Pa­ris nach Moskau zurückgekehrt ist, soll hier ver­haftet worden sein.

Der Berichterstatter desObserver" in Helsinki meldet, daß die drei früheren Sow- jetgefanbten in Helsinki, Riga und K o w n o , Asmus, Brodowski und Podolsky, hin- g e r i ch t e t worden seien wegenAntisowjet-Be­tätigung" und Verwicklung in den Jagoda-Fall. In Kiely seien 18 Personen wegen angeblicher separatistischer Betätigung erschossen worden. In Taganrog wurden in einem Prozeß gegen Eisenbahnangestellte zwei Todesurteile ge­fällt, während elf weitere Angeklagte zu je zehn Jahren Zuchthaus verurteilt wurden. Im Ge­biet Nischni Nowgorod wurden vier Bau- e r n wegen angeblicher Sabotage der Kolchoswirt- schast hingerichtet. Im Nordkaukasus verur­teilte ein Sondergericht weitere tscherkessische Bau­ern wegenSabotage und antibolschewistischer Umtriebe" zum Tode. Im Gebiet Nowosibirsk sprach das Militärtribunal fünf Todesur- teile gegen Arbeiter und nAgestellte eines Berg­werkes im Kusnetzker Distrikt aus, die der Schäd- Imgsarbcit und Spionage bezichtigt waren.