Aus -er Gta-t Gießen.
Allerdings...
Ich saß auf einer Bank im Hindenburg-Wall und ließ mich von der Novembersonne bestrahlen; es war ein herrlicher Tag.
Neben mir saß ein wohlbeleibter Herr. Wir kamen ins Gespräch. „So herrliche Tage im November haben wir doch lange nicht mehr gehabt!" stellte ich fest, denn alle Gespräche mit fremden Leuten beginnen ja mit meteorologischen Feststellungen; der Herr gab keine bestimmte Antwort. Er brummte etwas vor sich hin. Ich versuchte es noch einmal.
„Ich kann mich erinnern", sagte ich, „daß es manchmal schon Anfang Oktober schrecklich kalt war."
„Das wär' auch vjel besser, wenn es jetzt so wäre", sagte der Herr. Ich gab ihm anstandshalber recht.
„Sie meinen sicherlich wegen der Gesundheit; das Uebergangswetter ist ja nicht gerade angenehm. Am besten wäre es ja, wenns den ganzen Winter so schön warm und sonnig wäre!" — Entrüstet sah der Herr mich an.
„Jetzt machen Sie aber einen Punkt", sagte er, ,/Stein und Bein müßte es zusammenfrieren, jawohl!"
„Aha", sagte ich, „der Herr ist wohl Sportsmann!"
„Unsinn, Sportsmann, mit meiner Figur!", meinte er, „ich sage Ihnen nur, es müßte so kalt sein daß die Lahn Grundeis hätte; das wäre doch was!"
„Ach so", meinte ich, „Sie denken an arme Leute wegen Schneeschaufeln und so ..."
Jetzt wurde er wütend und brüllte mich an. „Arme Leute? — Und wer denkt an mich? — Wenn ich zu meinen Kunden komme, lachen die mich glatt aus!"
„Warum — was sind Sie denn von Beruf?" „Was ich bin? — Kohlenhändler bin ich, verstehen Sie!" Ich verstand ihn ...
*
Gestern sah ich ihn wieder. Es war in der Nacht ein wenig Reif gefallen, es war kälter geworden, und die Leute trugen ihre dicken Mäntel. Er ging durch die Bahnhofstraße, mit zufriedenem Gesicht und in fliegender Eile von Haus zu Haus. Er sah mich nicht, er hatte auch gar keine Zeit dazu, denn er mußte jetzt seine Kunden besuchen ... E. H.
Dornotizen.
Tageskalender für Samstag.
.Stadttheater: 20 bis 22.30 Uhr „Drei alte Schachteln". — Gloria-Palast (Seltersweg): „Der Mustergatte". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Das große Abenteuer". — Gießener Konzertverein: 20 Uhr, Universitäts-Aula, „Liederabend Gertrude Pitzinger. — Stadtkirche: 20.15 Uhr, Gemeindeabend des Evangelischen Bundes. — Deutsche Jägerschaft: 19.30 Uhr, Hubertusfeier, Hotel Hindenburg. — NSD.-Marinebund: 20.15 Uhr Monatsversamm- iung.
Tageskalender für Sonntag.
Stadttheater: 20 Uhr, „Polnisches Ballett". — Gloria-Palast (Seltersweg): „Der Mustergatte". — Lichtsvielhaus (Bahnhofstraße): „Das große Abenteuer . — Stadtkirche: 20.15 Uhr, Gemeindeabend des Evang. Bundes. — Evang. Stadtmission, Loe- berstraße 14: Jahresfest, 15 und 20 Uhr: Gottesdienst!. Darbietungen der Jugend. — Mtv.: Familienausflug, 16 Uhr, „Karlsruhe". — L.-B. Volkstum und Heimat, 9 Uhr: Erdgeschichtliche Wanderung. — Städte-Schwimm-Wettkampf: 15 Uhr, im Städtischem Volksbad. — Deutscher Biologenoerband, Gießener Hochschulgesellschaft, Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde: 18 Uhr- Studentenhaus, Leihaesterner Weg, Vortrag „Deutschland fängt wieder Wale".
Sladlhealer Gießen.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute abend zum letztenmal der große Erfolg „Drei alte Schachteln", Operette von Walter Kollo. Musikalische Leitung Heinz Markwardt, Spielleitung Karl-Ludwig Lindt. Einstudierung der Tänze Irmgard Zenner. Die Vorstellung findet gleichzeitig als „KdF. '-Miete Gruppe II (3. Vorstellung) statt. Anfang 20, Ende 22.30 Uhr. 1
Landschaftsbund Volkstum und Heimat.
Arn morgigen Sonntagvormittag unternimmt der Ortsring Gießen des LVH. eine erdgeschichtliche Wanderung durch den Bergwerkswald zur Gailschen Tongrube. Die Leitung hat Univ.-Prof. Dr. K l ü p- f e l. Jeder Volksgenosse kann teilnehmen.
Hanns Iohst liest in Gießen.
Staatsrat Hanns Jo Hst, Präsident der Reichsschrifttumskammer, wird, wie man uns schreibt, am kommenden Montag, 15. November (nicht, wie ursprünglich vorgesehen, am 26. November) auf Einladung des Goethe-Bundes und Kaufmännischen Vereins Gießen aus eigenen Werken lesen.
„Deutschland fängt wieder Wale."
Deutschland hat in den letzten Jahren 150 000 bis 200 000 Tonnen Walöl eingeführt und Devisen bezahlen müssen. Bereits 1935 hat in Gießen in einem von der Gießener Hochschulgesellschaft veranstalteten Vortrag Kapitän Kirche iß die Forderung erhoben, daß Deutschland seine Wale selbst fangen muß, um sich auf eigene Füße zu stellen. Im Rahmen des Vierjahresplans ist es rasch gelungen, diese Forderung in die Wirklichkeit umzusetzen: die erste deutsche Walfangexpedition, ein Mutterschiff mit sechs Fangdampfern, hat sich im sinter 1936/37 fünf Monate in der Antarktis auf- gehalten und ist mit reicher Beute heimgekehrt. Die Ortsgruppe Gießen des Deutschen Biologenverbandes «hat in Gemeinschaft mit der Gießener Hochschulgesellschaft und der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde Dr. Nikolaus Peters, der als Zoologe die erste Walfangexpedition begleitete, vmr ,,e*nen Vortrag: „Deutschland fängt wieder Wale , gewonnen, der am morgigen Sonntag im Saale des Studentenheims, Leihgesterner Weg, stattfinden wird. Dr. Peters ist Leiter der im Auftrage des Reichs- und preußischen Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft neu gegründeten „Reichsstelle für Walforschung, Hamburg"; er wird Lichtbilder nach Aufnahmen von der ersten deutschen Walfangexpedition zeigen. Der Eintritt zu diesem Vortrag ist frei. Alle Volksgenossen werden darauf hingewiesen.
Zahresfesl der Evangelischen Stabtmiffion.
Am morgigen Sonntag, 14. November, veranstaltet die Evangelische Stadtmission (Löberstraße 14) ihr Jahresfest. Festredner sind Prediger Schmidt (Wetzlar) und Godemann (Wetter).
Das Gericht er-
Nationalsozialistische Berufserziehung
1. Tagung her Lehrlingswarte der Abteilung Berufserziehung der DAF.
geführt werden. Lieber als Gewand des Menschen in seinem Alltagskampf zerschlissen werden, als in dunklen Kisten und Truhen dem Verderb anheimfallen. Wenn du uns daher jetzt nicht brauchst, gib uns dem W H W.!"
Gießener IDodjenmarffpreife.
* Gießen, 13. Nov. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10 Pf., Eier, frische, deutsche, Klasse B 12, Klasse C 11%, Kühlhauseier, Klasse A 12)4, Klasse B 11%, ausländisch?, Klasse A 12%, Klasse B 12, Wirsing, % kg 8 bis 12 Pf., 50 kg 7 bis 8 Mark, Weißkraut, % kg 5 bis 6 Pf., 50 kg 4'bis 5 Mark, Rotkraut, % kg 7 bis 12 Pf., 50 kg 7 bis 9 Mark, gelbe Rüben, % kg 8 bis 9 Pf., Karotten 8 bis 12, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15 bis 20, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15, Rosenkohl 20 bis 30, Feldsalat, Vio 10, Tomaten, % kg 15 bis 20, Zwiebeln 7 bis 8, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 40, Kürbis 5 bis 6, Kartoffeln, % kg 4 Pf., 5 kg 40 Pf., 50 kg 1. Sorte 3,45 Mark, 2. Sorte 3,25, 3. Sorte 3 Mark, Aepfel, % kg 10 bis 18 Pf., 50 kg 10 bis 18 Mark, Birney, % kg 8 bis 15 Pf., Nüsse 40 bis 50 Pf., Hähne 1 bis 1,10 Mark, Suppenhühner 80 bis 90 Pf., Gänse 90 Pf. bis 1,05 Mark, Enten 1 bis 1,10 Mark, Tauben, das Stück 50 bis 60 Pf., Blumenkohl }0 bis 50, Endivien 8 bis 12, Lauch 5 bis 8, Sellerie 10 bis 30, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bündel 8 bis 10 Pf.
*
** Beförderungen beim Finanzamt Gießen. Anläßlich des 9. November wurden heim Finanzamt Gießen befördert: Steuerinspektor Wil-
Das \ \
Schönfiegfsre^epf
In ein großes und verantwortungsreiches Aufgabengebiet der nationalsozialistischen Berufserziehung wurden durch einen umfassenden Vortrag die kaufmännischen und gewerblichen Lehrlingswarte der Kreise W e t t e r a u und Alsfeld-Lauterbach eingeführt. Auf einer ersten Tagung der Abteilung für Berufserziehung und Betri e b s f ü h r u n g der DAF. für diese Kreise, die von Kreiswalter Beckmann (Gießen) mit dem Hinweis auf die nun monatlich folgenden Zusammenkünfte, eröffnet worden war, > sprach Hans Eilers von der Gauwaltung Hessen-Nassau (Referat Berufslehre) über die „Nationalsozialistische Berufserziehung". In der Einleitung zu seinen etwa zweistündigen Ausführungen zeigte er, wie das gesamte deutsche Leben im Zeichen des zweiten Vierjahresplanes stehe, der eine Leistungssteigerung auf allen Gebieten erfordere. In der Erkenntnis, daß diese Leistungssteigerung bereits bei. der menschlichen Arbeitskraft einsetzen müsse, sei man den Fragen der beruflichen Tätigkeit der Volksgenossen nachgegangen. Es gelte hier eine große Lücke, die durch die lange Arbeitslosigkeit entstanden sei, den Mangel an gelernten Arbeitern zu schließen bzw. zu beheben. Für die Zukunft des deutschen Volkes sei es aber von entscheidender Bedeutung, daß jeder Volksgenosse den Arbeitsplatz erhalte, für den er nach Maßgabe seiner körperlichen, geistigen und seelischen Veranlagung geeignet sei. Es sei eine planvolle Berufslenkung und -Leitung eingeführt, die eine der Grundlagen der Leistungssteigerungen der schaffenden Volksgenossen bilde. Zu dieser Arbeit seien in erster Linie die Betriebe selbst aufgefordert, die ja die beste Kenntnis von den Verhältnissen haben müssen.
In sehr anschaulicher Art erläuterte der Vortragende, daß die schönste „Kraft-durch-Freude"-1
Große Strafkammer Gießen.
Der August Sohl aus Treysa, der schon erheblich einschlägig vorbestraft ist, hatte vorn Schöffengericht'wegen schweren Diebstahls im Rückfall, sowie Diebstahls oder Hehlerei eine Zuchthausstrafe von 2 Jahren und 2)rei Monaten erhalten. Auf eine Berufung hin wurde die Sache gestern vor )er Großen Strafkammer erneut verhandelt.
Der Angeklagte hatte im Sommer d. I. eine Tanzmusik in Gleimenhain besucht und näck>- tigte in der darauffolgenden Nacht in einer Scheune. Am anderen Morgen stellte ein Einwohner aus Jem benachbarten Wahlen fest, daß sein Hühner- tall erbrochen war und ihm zehn Hühner fehlten. Der Verdacht richtete sich sofort gegen den Änge- klagten, der, wie in der ersten Instanz, auch gestern die Tat auf das entschiedenste bestritt. Er wurde jedoch dadurch überführt, daß eine Zeugin ihn im Morgengrauen bemerkte, als er, mit einem Schlosseranzug über seinem Sonntagsanzug bekleidet, einen schweren Sack schleppte. Außerdem beobachtete ihn der Flurschütz, als er sich in der Gegend des Friedhofes herumtrieb. Der Angeklagte suchte sich zunächst hinter einer Hecke zu verstecken, wurde jedoch von dem Flurschütz gestellt. Auf die Frage, was er suche, erklärte er, er habe in einem Dorf in der Nachbarschaft ein paar Hühner gekauft. Davon seien ihm einige eingegangen, die er vergraben wolle. Dem Feldschütz kam' die Sache nicht, geheuer vor, und er wollte seine Personalien fest- stellen. Darauf gab ihm der Angeklagte einen falschen Namen an. Auch der Flurschütz erkannte den Angeklagten einwandfrei wieder.
Der Staatsanwalt bezeichnete es in feinen Ausführungen als ein starkes Stück, daß der Angeklagte überhaupt Berufung einlege und beantragte außer
Veranstaltung oder Ausflugsfahrt bei jenen Volksgenossen nicht die letzte Befriedigung auslösen könne, die am nächsten Tage wieder mit ihrer Beschäftigung unzufrieden seien. -
Um Schwierigkeiten von vornherein zu vermeiden, habe die DAF. die E i n f a ch st s ch u l u n g eingeführt, für die die Abteilung für Berufserziehung den Reichsauftrag erhalten hatte. Die bisherige Vorarbeit im Gau Hessen-Nassau habe bereits gute Erfolge aufzuweisen. In ausführlicher Weise besprach der Redner Ziele und Aufgaben dieser nationalsozialistischen Erziehung zur Exaktheit, zur Betätigung und Leistungssteigerung. Die Einfachstschulung, die sich über ein Jahr ausdehne, wolle die Lücken schließen zwischen Schule und Beruf. Hier solle der junge Mensch durch die Bearbeitung der vier Grundwerkstoffe Pappe/Papier, Holz, Textil, Eisen, seine Geschicklichkeit, Energie, seinen Arbeits- Eifer, kurzum seine charakterlichen Eigenschaften einer laufenden Erfolgskontrolle unterstellen. Die Einfachstschule sei sehr geeignet, bei den jungen Menschen die inneren Voraussetzungen für den künftigen Arbeitseinsatz zu schaffen und erweise sich als planvolle Berufslenkung. Da diese Hinlenkung auf einen geeigneten Beruf frühmöglich erfolgen muß, werde diese Schulung in das letzte Schuljahr der Volksschule und in die entsprechenden Jahrgänge der mittleren und höheren Lehranstalten eingebaut.
An einigen Beispielen machte der Vortragende auch die Notwendigkeit der vorbeugenden ärztlichen Berufsberatung klar. Abschließend zeigte Pg. Eilers, wie durch Lehrlingswerkstätten und Lehrlingsecken in den Betrieben die Heranbildung eines leistungsfähigen Nachwuchses gesichert werden muß. Die Ausführungen fanden lebhaften Beifall,
richtung anzubringen, es ist der Kotflügelabrundung entsprechend leicht zu krümmen; seine Vorderecken müssen abgerundet sein. Alle Kennzeichen, die diesen Vorschriften nicht entsprechen, werden in Zukunft ohne weiteres zurückgewiesen.
Langeniarck-Feier
der Mädelgruppe 1/116, Gießen-Süd.
Die Mädelgruppe 1/116 (Gießen-Süd) vereinigte dieser Tage die jungen Kameradinnen zu einer eindrucksvollen Langemarckfeier in der Turnhalle der Schillerschule. Neben den Kameradinnen der veranstaltenden Gruppe fanden sich auch viele Mädchen anderer Gruppen der Stadt ein.
Die Mädel waren im großen Rechteck in der Halle aufmarschiert, der Gruppenwimpel stand in der Mitte und die Fackeln waren entzündet. Auf das Lied „Laßt wehn die schwarze Fahne" folgte die Geschichte eines pflichtbewußten deutschen Matrosen, der unter Aufopferung seines Lebens die Geheimpapiere angesichts eines feindlichen Kreuzers ins Mee.r versenkte. Die Untergauführerin Käthe P f e f- f e r wies in eindrucksvollen Worten auf die Bedeutung jenes heroischen Geschehnisses von Lange- marck hin. Sie ermahnte die Mädel, besonders die Führerinnen (denen sie auch gleichzeitig ihre Führerausweise verlieh), zu neuem unermüdlichen Schaffen und Pflichterfüllen nach dem Vorbild jener jungen Helden von Flandern.
Die Flöten spielten den „Flandrischen Totentanz". Ein Mädel las den Abschiedsbrief eines dieser Gefallenen an seine Mutter. Nach einem Gedicht von Walter F l e x fangen die Mädchen das Lied „Wild- gänse- rauschen durch die Nacht ..." Es folgten dann noch „Dankesschuld" und „Totenehrung". Schließlich erklang das Lied „Heilig Vaterland" und nach einem Sieg-Heil auf den Führer das Lied der Jugend.
Revolte im Kleiderschrank
Pechdunkel und eng gedrückt war es im Kleiderschrank. Ganz still — kein Laut war zu hören. 6ie alle, die Anzüge, Kleider und Mäntel lagen im tiefsten Kampferschlafe.
Da drangen ganz schwach von weit her zwölf dumpfe Schläge in dieses Kleidergrab hinein... plötzlich riefelten Mottenkugeln auf den Boden des Schrankes, die Kleider, die Anzüge bewegten sich, verloren ihr schlaffes Aussehen, sprengten die Tür und ergossen sich ins Zimmer — aufrecht, als wenn sie Menschen in sich bargen — und doch schauerlich anzusehen. Und dann erfüllten Stimmen den Raum, Stimmen, die mehr und mehr anschwollen — Wut, Zorn, Empörung sprach aus ihnen: Revolte! Revolte im Kleiderschrank!
Ein schwerer Winterpelz schwang sich auf einen Stuhl und übernahm das Kommando. „Ruhe sollt ihr halten, verstanden? Jeder erzähle in dieser kurzen Geisterstunde, die uns das Leben schenkt, einmal jenem Menschenkind dort auf dem Ruhelager, was uns drückt... vielleicht, vielleicht versteht es uns." Da trat ein alter schwerer Mantel vor, ein kräftiger Änzug trat an feine Seite, dann ließ er sich mit knarrender Stimme vernehmen: „Wenn hier mein Kamerad und ich nun nicht endlich aus diesem Mottengefängnis herauskommen dann gehen mir ein. Noch ein Jahr halten wir das nicht mehr aus, bann wehren wir uns nicht mehr und lassen uns bei lebendigem Leib von den Motten auffreffen. Wir sind doch da, um getragen zu werden, wir wollen doch nicht hier verkommen!" Leere Aermellöcher in der Runde klatschten Beifall __
„Ich komme ja noch ab und zu hinaus", begann em Frauenkleid, „und höre, was eigentlich draußen vorgeht, denkt euch nur, auch in diesem Jahr sammeln die Menschen uns, uns Kleider, Anzüge Mäntel, gleich das Geschlecht,^leich die Verfassung' wieder im WHW. Dort sollen wir fein in die Reih' gebracht, Menschenkindern zugeführt werden die uns brauchen, die wir schützen und wärmen sollen — oh, welch schöner Lebenszweck... und wir hier?"
Aufmerksam hatte alles zugehorcht. „Welch Skandal", rief der Regenmantel, „jetzt hilft und schützt ein Mensch den andern — genau wie auch bei uns, die Wäsche uns und wir die Wäsche, der Mantel den Anzug, das Kleid. Auch ich will raus'"
Aufgeregt schwirrten die Geisterstimmen durch den Raum. Unruhig warf sich der Mensch im Schlafe auf feiner Lagerstatt hin und her x
Da nahm der alte Pelz noch einmal das Wort, beschwichtigte das aufgeregte Geistervolk und, indem er Front zu dem schlafenden Menschen nahm rief er ihm den Willen feiner Kameraden zu: ,Jch weiß nicht, ob du hier, dieser Mensch vor uns uns verstehst. Aber ich hoffe, daß unser Appell nicht nur fernen Schlaf, fonbern auch die Gleichmütigkeit in feinem Herzen gegen uns und feine Menschenbrüder dort draußen überwindet. Wir wollen heraus aus diesem Gefängnis, wir wollen unserem Zwecke zu
helm Schäfer zum Obersteuerinfpektor, Steuer- assistent Jakob Stapp zum Steuersekretär, Steuerbetriebsassistent Eduard Hirt zum Steuerassistent, unter Versetzung an das Finanzamt Darmstadt- Stadt: Steuerpraktikant Hans Pfeffer zum Steuerinspektor.
** 40 Jahre im Dienste der Reichsbahn. Am gestrigen Freitag konnte der im Bahnhof Gießen beschäftigte Stellwerksmeister Ludwig Sch reiner aus Alten-Buseck auf eine 40jährige Dienstzeit bei der Reichsbahn zurückblicken. Aus diesem Anlaß fand im Bahnhof Gießen im Dienst- zimmer des Gefolaschaftsführer, Reichsbahnamtmann Wahl, eine schlichte Feier statt, zu der sich auch eine Anzahl Mitarbeiter einfand. Amtmann Wahl hob besonders die Treue des Jubilars und feine Hingabe an den Kreis feiner Pflichten hervor und bezeichnete ihn als einen Beamten von echtem Schrot und Korn. Gleichzeitig überreichte er ihm Glückwunschschreiben des Führers und der Reichsbahnverwaltung. In bewegten Worten dankte der Jubilar für die ihm zuteil gewordene Ehrung.
** Dienftjubiläum. Der Operationsgehilfe Friedrich Becker an der Universitäts-Augenklinik Zu Gießen feiert am heutigen 13. 11. fein vierzigjähriges Dienftjubiläum. Der Jubilar erfreut sich allseitiger Anerkennung bei Patienten und Gefolg- chaft, sowie bei seinen Vorgesetzten.
** Don der Kraftpost Krofdorf — Gie- ; e n. Die nach dem Winterfahrplan nur an Samstagen verkehrende Kraftpost ab Krofdorf 15.35 Uhr nach Gießen ist im Fahrplan der Kraftpostlinie ge- trichen worden, weil infolge geringer Benutzung ein Bedürfnis zur Beibehaltung dieser Fahrt nicht besteht.
** Berichtigung. In dem Aufsatz „D e r Kampf um den Monte Grappa" (im Gie- zener Anzeiger vom Donnerstag) hat sich in den letzten Satz ein sinnentstellender Fehler einge« chlichen. Der Satz muß richtig lauten: „Wir können für, diese Heldenverehrung, aber auch für den Stolz, daß auf dem Monte Grappa, am Piave und an der Brenta, das schwer geschlagene italienische Heer sich in kurzer Zeit wieder aufgerichtet hat, nur volles Verständnis aufbringen."
Schöffengericht Gießen.
Gestern hatte sich der W. Sch. aus Frankfurt am Main vor dem hiesiaen Schöffengericht wegen Erregung öffentlichen Aergernisfes zu verantworten. In der Hauptverhandlung wurde festgestellt, daß der Angeklagte, der geständig war, derartig betrunken war, daß feine Zurechnungsfähigkeit entfiel. Eine Verurteilung wegen Erregung öffentlichen Aergernisfes kam daher nicht in Frage. Durch fein Verhalten hatte sich der Angeklagte aber der Dolltrunkenheit nach den neuen Bestimmungen des § 330a StGB, schuldig gemacht. ~ •
kannte auf eine Sefängr
Gaukullurwoche 1 937.
Spielplan des Gießener Sladtthealers vom 14. bis 21. November.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Am Sonntag, 14. November, findet ein einmaliges Gastspiel des Polnischen Nationalballetts Parnell statt, das sich augenblicklich auf einer großen Europa-Tournee befindet. Es hat triumphale Erfolge in Berlin, London und Paris gehabt. In der Weltkonkurrenz auf der Tanzolympiade in Berlin 1936 wurde es mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Das Ballett bringt das Programm in der gesamten Olympia-Besetzung ohne irgendwelche Kurzungen. An der Spitze dieses großen Balletts steht die hervorragende Primaballerina der Warschauer Oper Zizi Halama. Das Gastspiel beginnt ausnahmsweise um 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr. Außer Miete.
Dienstag, 16. November, Anfang 20, Ende 22.45 Uhr: Erstaufführung, „Der Wildschütz", komische Oper von Lortzing. Musikalische Leitung Paul Walter, Spielleitung Hermann Schultze-Griesheim. Dienstag-Miete, 8. Vorstellung.
Mittwoch, 17. November (Buß- und Bettag), Anfang 19.30 Uhr, Ende 22 Uhr: Zum 75. Geburtstag des Dichters Erstaufführung „Fuhrmann Henschel", Schauspiel von Gerhart Hauptmann. Spielleitung Wolfgang Kühne. Mittwoch-Miete, 8. Vorstellung.
Freitag, 19. November, Anfang 20 Uhr, Ende 22 Uhr: Erstaufführung „Ich liebe dich", Lustspiel von Niewiarowicz. Spielleitung Wolfgang Kühne. Freitag-Miete, 9. Vorstellung.
Samstag, 20. November, Anfang 20 Uhr, Ende 22.15 Uhr, „KdF."-Miete Gruppe I (4. Vorstellung): Zum letztenmal „Moral", Komödie von Ludwig Thoma. Spielleitung Hans Geißler. Freier Kartenverkauf zu Tagespreisen auch"Samstag von 17 bis 18 Uhr.
Sonntag, 21. November, Anfang 12 Uhr, Ende 12.45 Uhr, 5. Morgenoeranftaltung: „Gedenkfeier der Wehrmacht am Totensonntag". Leitung: Der Standortälteste Gießen. Platzmieter auf allen Plätzen 0,25 Mark. — Von 19 bis 21.15 Uhr: „Uta von Naumburg", Schauspiel von Dhünen. Spielleitung Dr. Erich Schumacher. Außer Miete!
WHW. Ortsgruppe Gießen-Mitte.
Am Dienstag, 16. November, vormittags, findet im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Mitte'die Kleidersammlung statt. Es werden auch nicht mehr trag= ähige Kleidungsstücke angenommen. Die Einwohnerschaft wird gebeten, die Sachen zur Abholung bereitzuhalten.
WHW., Ortsfüßrung Gießen-Nord.
Vetr.: fileiberfammlung.
Am Donnerstag, 18. November, wird im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Nord die Kleidersammlung ür das WHW. 37/38 durchgeführt. Die Hausfrauen werden gebeten, alle für die Sammlung vorgesehenen Bekleidungsstücke (auch unbrauchbare) bereitzuhalten. Für die Sammlung werden von der Wehrmacht Wagen zur Verfügung gestellt. Die Durch- ührung der Sammlung erfolgt durch die Hitler- Jugend und NSV.-Walter.
BÄM.- u. ZM.-Untergan 116, Gießen.
Dienstbefehtt
Achtung! SingscharundOrchesterschar!
Alle Mädel der Sing- und Orchesterschar treten am Donnerstag, 18. November, 18 Uhr, im Singsaal des Lyzeums zum Ueben für den „Tag der deutschen Hausmusik" an. Triftige Entschuldigungen müssen dem Untergau telephonisch mitgeteilt werden (3733). Ohne Entschuldigung darf kein Mädel fernbleiben!
Betr.: A p p e ll des B D M.-S t a n d o r t e s Rüddingshaufen.
Am Freitag, 19. November, 20.30 Uhr, treten alle Mädel des Standortes Rüddingshaufen zum Appell an. Es kommen die Untergauführerin und die Gruppenführerin.
Wichtig für alle Krafifahrzeugbesitzer.
Vom Kreisamt Gießen wird uns geschrieben: Bei der zur Zeit stattfindenden Umnummerierung der polizeilichen Erkennungszeichen müssen wir immer wieder Fahrzeugbesitzer feftfteüen, die ihre Fahrzeuge mit unvorschriftsmäßigen Kennzeichen vorführen und die wir deshalb zurückweisen müssen. Um die Fahrzeughalter vor unnötigen Ausgaben ZU bewahren, weisen wir nochmals auf folgendes hin: 1. Alle Kennzeichen müssen nach den Vorschriften zum § 16 der Ausführungs - Anweisung zur Reichsstraßenverkehrsordnung vom 29.9.1934 her- gestellt fein. 2. Bei Krafträdern ist das vordere Kennzeichen beiderseitig beschrieben in der Fahrt-
gnisstrafe von einem Monat. Der Angeklagte nahm das Urteil sofort an.


