Nr 766 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesfen)
Samstag,'Z November 1^7
reicht überall hin. Ein Arm ist nicht verkürzt. Gottes! Kein Frevler entkommt ihm. Zur gegebenen Zeit trifft ihn die sichere Strafe der beleidigten Majestät. Und diesen unendlich gerechten Gott rufst du zum Zeugen an, daß du die Wahrheit sagst und dein Versprechen hältst und wiederum, je tiefer diese Gottes-Ueberzeugung in dir lebt, um so wertvoller ist dein Eid!
Darum, Kameraden, wollen mir mcht bloß jetzt das tiefe Gottesbewußtsein in uns tragen und uns klar sein, was es heißt, Gott den Allwissenden und Allgerechten als Zeugen anzurufen, sondern seien wir ernstlich besorgt, daß diese religiöse Gesinnung uns nie verlasse und Grundstimmung unseres ganzen Handelns bleibe. Soldat sein, nicht reiner
Feierliche Rekrutenvereidigung in Gießen.
in seiner Allmacht und Allgegenwart, der niemand entrinnen kann, und rn seiner Gnade und Barmherzigkeit, die denen hilft, die zu ihm rufen um Stärke und Hilfe zur treuen Erfüllung der gelobten Pflicht.
Im Blick auf ihn leistet euren Eid! Dann wird es ein rechter Eid Gott sieht euer Herz, eure geheimsten Gedanken sind ihm bekannt, denn es ist keine Kreatur vor ihm unsichtbar, es ist aber alles bloß und entdeckt vor seinen Augen Darum tut allzeit eure Pflicht im Bewußtsein der Gegenwart Gottes, dann werdet ihr auch dann, wenn keines Menschen Auge euch sieht, getreu sein in der Erfüllung eures Soldatenberufs, auch im Kleinen und Kleinsten.
Wenn man eidlich gelobt, auch sein Leben einzu- setzen, und, wenn es lein muß, es willig hinzugeben, dann bekommt dieses Gelöbnis erst den rechten Sinn, wenn man den kennt und dem angehört, der über Zeit und Ewigkeit gebietet, der den Tod überwunden hat und ewiges Leben schenken kann.
Lasset euch dünken, daß ihr Gott- bienet! Berufserfüllung soll Gottesdienst sein. Rechtes Christentum ist weder ein Schwelgen in -frommen Gefühlen, noch ein sich Begeistern an frommen Worten, es ist Dienst, es bedeutet, seinen Beruf treu und gewissenhaft erfüllen als einen Gottesdienst, in tiefer Demut, die allezeit das Kennzeichen wahrer Größe gewesen ist, im Bewußtsein der eigenen Unzulänglichkeit, Schwachheit und Sünde, aber auch in der täglichen Erfahrung der allmächtigen Hilfe Gottes, der allezeit den Hoffärtigen widerstanden und den Demütigen Gnade gegeben hat, der Hilfe unsers Herrn und Heilands, der uns sagt: Ohne mich könnt ihr nichts tun, und der es die Seinen erfahren läßt, daß feine Kraft in den Schwachen mächtig ist.
So tragt eure Soldatenpflichten tief in euer Herz geschrieben! Gedenkt an euren Eid, so oft ihr an Gott gedenkt, wenn ihr sein Wort hört in den Gottesdiensten der Gemeinde, wenn ihr es lest in eurer Bibel, wenn ihr tm Gebet euch Kraft holt zur treuen Berufserfüllung, damit der Gedanke an eure Pflicht untrennbar verbunden ist und verbunden bleibt mit dem Gedanken an Gott. Dann wird der allmächtige Gott, bei dem ihr euren Eid leistet und dem ihr mit der Erfüllung euerer Pflicht dient, euch dazu helfen, daß ihr euren Eid haltet treu bis zum Tode. Das malte Gott! Amen.
Wiederum erklingen die feierlichen Klänge der Regimentsmusik. Dann spricht der
Kalhoische MMargeiMche
Dr. Hammes:
Kameraden! Die Vereidigung bedeutet vor allem eine religiöse Tat. Gott soll Zeuge sein, daß der Soldat unter der Führung des Obersten Befehlshabers zum Schutze des Vaterlandes alle Kräfte einsetzt. Je tiefer also die Ueberzeugung von der Majestät Gottes ist, um so wertvoller ist der Eid. Darum einige Gedanken erstens über Gottes Größe und zweitens über die Anrufung Gottes als Zeugen.
Erstens. Ein offener Blick in die Natur läßt uns den gewaltigen Urheber allen Seins erkennen: mögen wir den Flügel einer Fliege unter dem Mikroskop betrachten, den Wassertropfen mit dem mannigfaltigen Leben, den Bau der Zelle, dieses Ursprungs allen Lebens. Richten wir unser Augenmerk auf die berggetürmten Gesteine, den bunten Teppich der Flora, auf die Weiten und Tiefen der Meere, auf die von segenspendenden Wolken durchwogten Räume der Luft! Oder auf zum Firmament, woher das Licht der Sonne leuchtet und erwärmt! Dieser Sonne, die millionenmal größer ist als die Erde, in einer Entfernung von 20 Millionen Meilen im Raume schwebt, um die unser Planet Erde in ungeheurer Geschwindigkeit sich bewegt. Oder richten wir unser Auge durchs Fernrohr auf den gestirnten Himmel, die Milliarden Sterne, die wie
Ein heller, freundlicher Nooembertag verschönt die heutige Feier der Vereidigung der Rekruten unserer Garnison Gießen. Seit zehn Tagen sind die jungen Männer Träger des Ehrenkleides des deutschen Soldaten. Heute wird ihnen die hohe Ehre zuteil, den Soldateneid der Treue bis zum letzten auf den Obersten Befehlshaber der Wehrmacht, den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler, und damit zugleich ihrem deutschen Volk und Vaterland zu leisten. Eine große Menge von Volksgenossen der Bevölkerung von Gießen ist Zeuge dieses feierlichen Aktes, der im Leben eines jeden Soldaten für alle Zeiten unvergeßlich ist.
In den frühen Vormittagsstunden bemerkt man auf dem Trieb die letzte Prüfung der Lautsprecheranlage zur Uebertragung der Ansprachen. Um 9.45 Uhr marschiert die Fahnenkompanie unter Führung von Hauptmann Rendel von der Waldkaserne aus zum Dienstgebäude des Divisions-Kommandeurs in der Zeughauskaserne zur Abholung der Fahnen und der Standarte. Mit klingendem Spiel geht der Marsch durch die Licher Straße, Moltke- straße, Senckenbergstraße, Landgraf - Philipp - Platz zur Zeughauskaserne, von dort mit den Feldzeichen durch die Landgrafenstraße, Hitler-Wall, Moltke- straße, Kaiserallee zum vorderen Trieb bei der Volkshalle.
Hier sind mittlerweile die Truppenteile zu der Vereidigungsfeier aufmarschiert. Vor der Volks- Halle, mit der Front in Richtung Artillerie-Kaserne, nimmt die Fahnenkompanie mit den entrollten Fahnen und der Standarte Aufstellung. Vor dem Gelände der Liebigshöhe, mit d»r Front nach dem Schützenhaus zu, stehen die Kompanien des J.-Rgt. 116, vor dem Querweg nach dem 1900-SportpIatz haben die Männer des I. J.-Rgt. 36 und der III Abt A.-Rgt. 9 Aufstellung genommen. Dieses große offene Viereck der Truppen wird, entlang der Grünberger Straße, von den zahlreichen Ehrengästen der Partei, der Wehrmacht, der Behörden, ferner von den Organisationen der alten Soldaten und von der großen Menschenmenge, die hier wiederum ihre innige Verbundenheit mit unseren Soldaten bekundet, geschlossen.
Um 11 Uhr trifft der Standortälteste, Generalleutnant O ß w a l d , vor der Volkshalle ein. Ihm wird am rechten Flügel der Truppenaufstellung von dem Kommandeur des Jnf.-Rgt. 116, Oberst Herr- lein, die Truppe gemeldet. Dann schreitet Generalleutnant Oßwald unter den Klängen des Präsentiermarsches die Front der Soldaten ab, die er in soldatischer Weise begrüßt und die seinen Gruß mit weithin schallender Stimme erwidern, ferner begrüßt er die Ehrengäste und die aufmarschierten Gliederungen. Sodann werden die Fahnen und die Standarte zu ihren Truppenteilen gebracht.
Feierliche Musik des Musikkorps des Jnf.-Rgt. 116 leitet die Vereidigung ein. Dann spricht der Eva^a.MMvsarrer Ausfeld:
Kameraden! Ihr wollt in dieser feierlichen Stunde einen heiligen Eid schwören auf die Fahnen, die unser Führer den Truppenteilen unseres Standorts verliehen hat, den Eid der Treue und des Gehorsams, der Pflichterfüllung und der Opferbereit- schäft bis zur Hingabe des eigenen Lebens.
Ihr schwört diesen Eid bej Gott Darum treten wir jetzt vor Gottes Angesicht. Er redet zu uns m seinem Wort, und wir reden zu ihm in unserm Gebet Wer bei Gott schwört, dem ist Gott nichl ein menschlicher Gedanke, sondern eine Wirklichkeit, die sich uns offenbart nicht nur in der Schöpfung und im Menschenleben, sondern vor allem in dem, der der einzige wirklich genügende Beweis für Gottes Wirklichkeit ist, in Christus, m dem sich der ewige Gott uns Menschenkindern so deutlich kund- qetan hat, daß wir hineinsehn m em Herz, daß wir ihn nun kennen in seiner Allwissenheit, die den tiefsten Grund unsrer Herzen erforscht und kennt,
Quartett mit drei Unsichtbaren
Hexerei mit Grammophonplatten.
Hinter der Tür, auf die ich zugehe, ertönt Streichmusik Ich öffne sie, jemand winkt mir aus oem verdunkelten Raum lautlos zu: „Veife, leise . Aus Katzensohlen schleiche ich mich zu einem der Sessel des leeren Parketts, hoffentlich knarrt er jetzt nicht . .1 Im schmalen Raum zwilchen vorde- ren Sitzreihen und Orchester sitzen drei Musiker und spielen ein Trio.
Ein Trio? Ich lausche ein paar Minuten — merkwürdig — die Musik kenne ich doch? Uno kenne sie doch wieder nicht. Das ist ohne Zweifel Beethoven, ein ganz merkwürdiger Beethoven, ich habe ihn nie so gehört. Liegt es an ben Spielern. Da, jetzt setzen sie alle ab, geisterhafte Stille eine sßaufe? Der Geiger nickt den Takt mit dem Kopf, alle nicken, jetzt setzt der Cellist ein — Klmgklmg schlägt eine Glocke an, em rotes Licht färbt die Wange des Gebers, die'drei verharren noch einen Moment wie Statuen, dann legen sie die Instrumente hin, räuspern sich, sprechen...
Mir ist bei den letzten Takten klar geworden, daß diesem Trio etwas Wesentliches fehlt. Die erste Geige nämlich Da wurde unbegreifllcher- weise em Quartett ohne die führende Stimme ge= spielt Mit höchster Vollendung Zwar, kerne 5rage, dort schelten Meister ihres Faches. Was um Gottes willen veranlaßte sie zu diesem merkwürdigen Vorhaben? Ich ging den Musikern m den Neben- raum nach, in dem sie verschwanden waren. Wieder erklang das Quartett ohne erste Geige. Aber diesmal aus einem Lautsprecher, vor dem die drei andächtig vertieft standen.
„Wir hören unser Spiel ab , erflart mir der Cellist von vorhin. „Dort läuft die W^sp atte auf der es aufgenommen wurde. Wir muffen Tempo und Tonstärke überprüfen, nachher kommt die endgültige Aufnahme." . _ ~
Di( Drei find eigentlich vier. Eine junge Dame ergänzt sie zum Quartett Sie sind- von einer be- kannten Schallplattenfirma eigens dazu an^estellt um Duette, Trios und Quartette tn unvollständiger Besetzung auf Schallplatten zu spielen Darm haben sie es zu einem Spezialistentum gebracht .glauben Sie mir. das ist schwerer als richtiges und «r ’ kla siqes Musizieren Ern Quartett ohne tue erste Geige exakt und unter Beachtung aller Pausen und Tempi genau so zu spielen als wenn die Geige mitspielte, ist ungeheuer schwierig und anstren- 9e9d) unterdrücke zunächst die Frage nach dem
Sinn dieser Anstrengung. „Spielen Sie immer ohne die erste Geige, oder lassen Sie auch einmal ein anderes Instrument fort?"
„Natürlich! Einmal fehlt das Cello, dann das Klavier, bann bie Bratsche — je nachdem."
Gertrude Pitzinger singt im Lieber-Abend des Gießener Konzertvereins. (Äufn.: Fayer, Wien.)
„Ja — und — machen Sie das aus c aus wissenschaftlichen Gründen ober —?'
Lächelnb greift ber junge Geiger nach seinem Instrument, ein Wink zu bem im Hmtergrunb war- tenben Techniker, der fingert an feiner Wachs- platte, — Stille — jetzt erklingt aus dem Lautsprecher ein Ton — der Kammerton? — Stille — jetzt pocht ein unsichtbarer Taktstock deutlich dreiviertel Takt — wieder kurze Pause — und nun setzt plötzlich ber Geiger auf seinem Instrument mit einem schmelzenden Dur-Ton ein Die zweite Geige antwortet — aus bem Lautsprecher, — jetzt bas Cello, die Bratsche Aus bem vermeintlichen Trio ist ein volles Quartett geworben — aber wo sind die anderen Spieler? Wo man vorhin drei spielen
Diamante auf dunkler Decke glänzen, in Wirklichkeit unverhältnismäßig größer als unsere Erde! Kein Sterblicher hat sie gezählt. Und alle bie gewaltigen Himmelskörper bewegen sich nach ganz genauem Plane, nach mathematischen Gesetzen! — Wenn wir mit ruhiger Vernunft bas alles erwägen, müssen wir unwillkürlich ausrufen, wie um eüblich groß ist ber Geist, ber einen solchen Plan entworfen, ber alles nach Maß unb Zahl georbnet unb in bie sichere Bewegung gebracht hat!
Zweitens! Unb bieten unendlichen Geist, biese höchste Intelligenz unb höchsten Willen, ben letzten Urheber aller Dinge, unser selbst, rufst bu jetzt als Zeugen an, baß bu als pflichttreuer Solbat leben unb sterben willst. — Niemanb blickt dir ins Herz. Nur einer weiß um beine innerste Gesinnung, er, ber bie Herzen durchforscht. Und dieser erste Kenner deiner Persönlichkeit soll nunmehr irgendwie und irgendwann bestätigen, haß bu die Wahrheit sagst, daß es dir mit deinem Versprechen ernst ist. Jawohl, wer immer Gott den Herzenskundigen anerkennt, dem muß der Eid heilig sein, und ich wiederhole, je tiefer die Ueberzeugung von diesem höchsten persönlichen Gott ist, um so wertvoller ist der Eid. — Und weiter! Wieviele Verbrechen sind in der Welt, die der Strafe entgehen, da die irdische Gerechtigkeit oft unzulänglich ist! Nur einer
Ruhl Seilersweg Nr. 67 I
adiO Telephon Nr. 3170 I
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Aeußerlichkeit wegen, sondern vor allem aus Religion, aus Treue gegen ben heiligen Eib, den wir Gott geschworen. So habens die großen Vorbilder aller Zeiten gehalten. So war es Brauch bei unfern Vprfahren, so geloben auch wir: treu zu Gott und Vaterland!
Nunmehr gilt nach erneuter Musik alle Aufmerksamkeit der Soldaten unb aller Volksgenossen ber nachstehenben Ansprache von
Generalleutnant Oßwald:
Rekruten!
Einer ber wichtigsten Tage in eurem militärischen Leben in Friebenszeiten ist ber heutige Tag ber feierlichen Vereidigung, ihr jungen Soldaten.
Sollt ihr doch heute einen heiligen Eid auf Eure neuen Fahnen bzw. Standarten schwören, daß ihr dem Führer des deutschen Volkes und Reiches, dem Obersten Befehlshaber der.Wehrmacht, unbedingten Gehorsam leisten werdet und für bie Erfüllung biefer Verpflichtung bereit seib. wo nötig, euer Leben einzusetzen.
Manneszucht, Disziplin, Gehorsam finb bie Grunbpfeiler jebes Heeres. Zur treuen, unbebingten Erfüllung biefer Gehorsamsoerpflichtung gehört bie Erfüllung aller Pflichten, nicht allein unter ber Führung unb Aufsicht ber Führer unb Vorgesetzten, sondern ganz besonders auch dann, wenn ihr, um beaufsichtigt, allein auf euch gestellt seid, sei es im Frieden, sei es im Kriege.
Nur der ist der wahre, echte Soldat, der aus freiem Antrieb, aus eigenem Wollen heraus feine Pflicht im Frieden und im Kriege, irn Leben und im Sterben, bis zum Aeußersten erfüllt.
Die Infanterie war, ist und bleibt bie Königin ber Schlacht. Sie allein erobert unb hält fest. Sie trägt bie größte Last bes Kampfes, sie bringt bie größten Opfer, ihr winkt deshalb ber höchste Ruhm. Aber heute bebarf sie mehr benn je ber Unterstützung burch bie verschiedenen anberen Waffen, insbesondere burch bie Artillerie, bie Panzer unb bie Flieger.
So könnt ihr jungen Solbaten bet Infanterie stolz darauf sein, dieser Königin der Schlacht anzugehören. Ihr jungen Soldaten der Artillerie aber könnt gerade so stolz fein, daß ein Kampf heute nur mit machtvoller Unterstützung durch eure Granaten siegreich durchgeführt werden kann.
Es ist heute wieder eine besondere Ehre, Waffenträger der Nation sein zu dürfen. Denn unser Reich ruht auf zwei Säulen: der Partei, ber politischen Macht auf ber einen Seite, unb ber Wehrmacht, ber realen Kraft und Waffenstärke ber Nation auf ber anberen Seite. Ihr Solbaten also schützt mit euren Leibern unb euren Waffen unser Reich unb Vaterlanb.
Das Bewußtsein dieser hohen Ehre verlangt von euch Solbaten, baß ihr eure Pflicht tut, wie bie 13 Millionen beutscher Solbaten im Weltkriege, Solbaten bes besten Heeres, bas bie Welt bisher
gesehen hat, von benen über 2 Millionen starben, bamit Deutschlanb lebe.
Upb so rufe ich euch auch dieses Jahr zu: Erfüllt fortan eure Pflicht im Sinne ber ewigen Werte deutschen Soldatentums, so wie es sich für einen rechtschaffenen, tapferen, pflicht- und ehrliebenden deutschen Soldaten gehört.
Nunmehr folgt die feierliche Vereidigung der Rekruten. Trommelwirbel ertönt. Die Fahnen bzw. die Standarte werden vor die Mitte ihrer aufmarschierten Einheiten getragen. Vor jeder Einheit tritt ein Mann zur Eidesleistung auf die Fahne bzw. Standarte vor. Während alle Soldaten stillstehen, erheben die Rekruten die rechte Hand zum Schwur, die vorgetretenen Rekruten legen dabei die linke Hand auf die Fahne bzw. Standarte, und nun sprechen alle mit lauter Stimme den vom Adjutanten des Infanterie-Regiments 116, Hauptmann Dreher, vorgesprochenen Fahneneid nach.
Nach der feierlichen Eidesleistung treten bie vorgetretenen Männer ins Glieb zurück, bie Fahnen und bie Stanbarte werben zur Fahnenkompanie zurückgebracht. Unter präsentiertem Gewehr ber Fahnenkompanie spricht nun ber Stanbortälteste ben
Gruß an den Führer.
„In dieser feierlichen Stunde gedenken wir Soldaten bes Führers unb Obersten Befehlshabers ber Wehrmacht unb unseres Reiches unb Volkes, benen wir unverbrüchliche Hingabe unb Treue, im Frieben unb im Kriege, im Leben und im Sterben, geloben mit bem Ruf: Der Führer, unser Oberster Befehlshaber, unb unser Volk unb Vaterlanb: Sieg-Heil!"
Anschließend nimmt bie Fahnenkompanie Aufstellung zum Vorbeimarsch, währenb alle übrigen Truppenteile, bie Gäste unb bie Bevölkerung auf ihren Plätzen verharren. Die Kompanie mit ben Felbzeichen rückt aus ber Richtung Artillerie-Kaserne heran. Mit zackigem Paradeschritt marschiert sie an dem Standortältesten Generalleutnant Oßwald vorbei. Damit hat die Feier ihren Abschluß gefunden.
Die Fahnenkompanie bringt dann mit klingendem ‘ Spiel die Feldzeichen zum Divisionsgebäude zurück, wobei der Marsch durch die Kaiserallee, Ludwigs- platz. Neuen Bäue, Schulstraße, Kirchenplatz, Lin- denplatz, , Brand gasse, Landgraf-Philipp-Platz zur Zeughauskaserne geht. Nach dem feierlichen Einbringen ber Feldzeichen rückt bie Fahnenkompanie zur Kaserne zurück.
sah unb einen nicht hörte, spielt jetzt einer unb brei finb nicht zu sehen. Zauberei? Nein — eine geniale Verschwisterung von Kunst unb Technik, zum Besten ber Hausmusik!
„Sie glauben gar nicht", mischt sich jetzt der Herr von ber Schallplattenfirma ein, „was für ein Geschenk für unzählige Musiker biefer Einfall gewesen ist, ber auf die Erfahrungen eines sehr bekannten deutschen Meistergeigenbauers zurückgeht. Dieser Geigenbauer erlebte nämlich in den letzten Jahren immer wieder, daß ihm seine besten Kunden seine Meistergeigen wiederbrachten, nicht etwa, weil sie etwas daran auszusetzen hatten, sondern weil die Instrumente unbenutzt bei ihnen verstaubten. Immer seltener fanden sich genug Musikfreunde zusammen, um ein Duett, ein Trio, ein Quartett voll zu machen, selbst mit der Klavierbegleitung haperte es, besonders auf dem Lande. Hier — dieser Zauber, ben Sie heute miterleben, weckt eine ber schönsten Deutschen Liebhabereien roieber auf!"
Also ein Ei bes Kolumbus! „Ja, ist benn bas so einfach, nach einer Schallplatte unb gewöhnlichen Noten bie fehlenbe Stimme zu spielen?"
„Die Stimme liefern wir jeweils in Noten mit, sie gehören zu ber Schallplatte als ihr musikalischer Begleiter. Sehen Sie, hier ist z. B bie Schallplatte: Anbante cantabile, Quartett op. 3, Nr. 5 F-bur von Haybn ohne 1. Violine. Unb hier", seine Finger ziehen ein Notenblatt aus ber Plattenumhüllung: „ist bie partiturgetreue Wiebergabe ber sehlenben Stimme in Noten.
Die Illusion bes Zusammenspiels ist bei ber Benutzung biefer Schallplatten so vollkommen, baß ich neulich bei einem abendlichen Zusammensein in meinem Hause ein paar ahnungslose Musikkritiker tatsächlich getäuscht habe. Ich bat einen Freund, der künstlerisch Geige spielt, die Violinergänzung zu einer unserer Platten zu spielen. Zwei kurze Proben am Nachmittag genügten, um ihn fpielfeft zu machen. Abends spielte er im verhängten Musikzimmer und alle glühten, ich hätte nicht Mühe und Kosten gescheut, um ein Quartett zu verpflichten. Als sich'nachher nur ein Spieler zeigte, wollte niemand die Wahrheit glauben. Ich mußte sie durch die Wiederholung überzeugen!"
Kein Wunder,'daß dem Verlag täglich begeisterte Zuschriften — besonders von Musikliebenden auf dem Lande — zufliegen, die gar nicht genug Platten bekommen können Die fünfte Fünfzigerserie dieser „Spiel mit"-Platt en wird gegenwärtig aufgelegt. Das ist nur möglich, weil bas Repertoire ber Wiener Kammermusik-Vereinigung, bie sich für biefes Kulturwerk einsetzt, heute schon mehr als zwei hundert Musik stücke
umfaßt. Ganz zu schweigen von der hochentwickelten Aufnahmetechnik, die m ihrer Kompliziertheit für uns Laien ein Buch mit sieben Siegeln bleibt.
Dr. Buresch.
Kampf mit dem Kraken.
Ein furchtbares Abenteuer hatte in ber Nähe von Fort Bragg in Kalifornien an der Küste bes Stillen Ozeans eine Amerikanerin zu bestehen. Die junge unb schöne Mrs. Graves babete bei ben berühmten Klippen von Abalones, als plötzlich ein ungeheurer Krake ober Achtfüßer aus ber Familie ber Kopffüßer ganz nahe bei ihr aus bem Meere auftauchte, unb ehe sie fliehen konnte, einen ihrer riesigen um bie Beine unb einen anberen um ben Nacken schlang unb so ben Körper völlig unbeweglich machte. Das Ungeheuer zog sich barauf langsam, aber unwiderstehlich gegen bas Wasser zurück: bie unglückliche Frau konnte, von Entsetzen gelähmt, nur noch einen unmenschlich tlingenben Schrei aus- stoßen, unb würbe bann ohnmächtig. Sie war aber von anberen, bie in einiger Entfernung ba= beten, gehört worben, bie nun herbeistürzten unb das furchtbare Bilb vor Augen hatten. Ein paar beherzte Männer bewaffneten sich mit Eisenstangen unb versuchten bem Riesentier seine Beute abzujagen. In bem schrecklichen Kampf gelang es bem Achtfüßer, noch einen Mann, ber ihm zu nahe gekommen war, zu fassen, worauf es mit ber hoppelten Beute im Meer zu verschwinben versuchte. Der Mann war jeboch nur burch eine Umschlingung um ben Körper erfaßt unb konnte ben Kampf fortsetzen. Trotzbem wären bie (reiben unrettbar verloren gewesen, wenn nicht ein neunzehnjähriger Jüngling, Jack Bulling, ber sich mit einem großen Fischermesser bewaffnet hatte, mutig gegen bas Untier vorgegangen wäre, wobei es ihm gelang, es an einigen lebensgefährlichen Stellen zu treffen. Der Krake lockerte barauf bie Umschlingung bes Mannes unb ließ ihn frei, hielt aber immer noch bie Frau fest, bie schon keine Lebenszeichen mehr gab. Bulling sprang dem Tier ins Wasser nach, unb es gelang ihm enblich, bas Tier zu töten. Um bie Frau aus ben umschlingenden Armen zu befreien, war es jeboch nötig, diese mit dem Messer abzu- schlagen. Mrs. Graves wurde sofort ins Krankenhaus gebracht, wo sie lange völlig bewußtlos lag, ehe sie wieher zum Leben erwachte. Der getötete Achtfüßer ist ber größte, ben man jemals im Stillen Ozean beobachtet hat. An ber kalifornischen Küste werben sonst kaum Tiere gefangen, bie über einen Meter lang finb, währenb bie Arme bes getöteten Untiers allein über vier Meter maßen.


