Aus -er Stadt Gießen.
Hausfrauen, verbrennt kein Papier!
NSG. Mit dem Herbst, dessen Kühle man von Tag zu Tag mehr spürt, ist wieder die Zeit gekommen, in der der Ofen in Tätigkeit treten muß. Fast täglich brennt von früh bis abends spät das Feuer. An die Hausfrau ergeht nun wieder der Ruf, kein Papier in den Ofen zu stecken oder mit Papier Feuer anzu^ünden. Wie sie dadurch zum Gelingen des Vierjahresplanes mit beitrügen kann, zeigen die nachfolgenden Zahlen, die die Bedeutung des Altpapiers für den Vierjahresplan erkennen lassen.
Die gesamte deutsche Papiererzeugung beträgt 45 bis 50 Millionen Zentner im Jahr. Davon werden etwa 20 o. H. oder etwa 10 Millionen Zentner für den Zeitungsbedarf verbraucht, für Zigarettenschachteln und Einwickelpapier etwa 35 v. H. oder etwa 16 Millionen Zentner. Von diesen gewaltigen Papiermengen werden in Deutschland nach dem Verbrauch nur etwa 20 v. H. einer späteren Wiederverarbeitung in der Papierindustrie zugeführt. (In Amerika etwa 60 o. H., England 70 o. H.) Unsere geringe Sparsamkeit aus diesem Gebiete führt dazu, daß wir unseren notwendigsten Bedarf von etwa einer Million Zentner Altpapier im Werte von etwa zweieinhalb Millionen Mark jährlich einführen müssen. Dieser große Einfuhrbedarf könnte sehr leicht in das Gegenteil verwandelt werden, wenn jede Hausfrau das durch ihre Hände gehende Altpapier sammelt.
Deutschland zählt 17 Millionen Haushalte, in denen durchschnittlich mindestens eine Tageszeitung gelesen wird, die etwa 50 Gramm wiegt. Das ergäbe im Jahr pro Haushalt 15 Kilogramm Zeitungen, bei 17 Millionen Haushaltungen etwa fünf Millionen Zentner Zeitungspapier. Richt gerechnet sind Rundfunkzeitungen, Modezeitschriften, Fachzett- schriffen und Illustrierte, die zusammen ebenfalls fünf Millionen Zentner ergeben. Bei einer Sammlung von nur 60 v. H. der anfallenden Zeitungen und Zeitschriften kämen also der Wiederverarbeitung tn den Papierfabriken sechs Millionen Zentner Zeitungen zugute, so daß ungefähr eine Mil- lion Raummeter Holz jährlich eingespart werden könnte. Außerdem ergibt die Sammlung von Tüten, Einwickelpapier und Briefumschlägen ungefähr drei Millionen Zentner Altpapier jährlich oder 500 000 Raummeter Holzersparnis.
Deutschland brauchte also kein Einfuhrland an Altpapier zu sein. Wenn das Altpapier der Wieder- perarbeitung zugesührt würde, wäre Deutschland imstande, für etwa 20 Millionen Mark weniger Holz aus dem Ausland einführen zu müssen. Es ist dringend notwendig, sich von der alten bequemen Art, nut Papier Feuer anzuzünden, abzuwenden! Das Sammeln der Papierabfälle ist im Interesse unserer Volkswirtschaft Pflicht jedes Volksgenossen!
BOM.-Unterqau 116.
Dlenstbefehll
Zur Einführung des neuen Kreisleiters treten am Freitag, 15. Oktober, 18.30 Uhr, alle M.» und IM.- Gruppen-, Schar- und Schaftsführerinnen des Standortes Gießen und der Gruppen 17, 18, 19/116, außerdem die Gruppenführerinnen der Landesstandorte an der Dolkshalle pünktlich an.
Befr.: 3M.-Schwimmen.
Da der Dienst während der Ferien ununterbrochen weitergeht, fällt auch Mittwoch, 13. Oktober, dos Schwimmen der IM. von 19 bis 20 Uhr nicht aus. JM.-Gruppe 2/116 schwimmt Montags von 18 bis 19 Uhr.
Die Untergaufportwartin.
Befr.: Meldung über Sonderausbildungen.
Folgende Mädelgruppen haben bis heute noch nicht die Formulare, die ihnen vom Obergau aus zugegangen sind, an uns eingeschickt: M.-Gr. 2, 6, 8, 10, 11, 14, 16, 19/116. Letzter Einsendetermin ist der 14. Oktober, da wir die Meldungen am 15. Oktober am Obergau haben müssen.
WWWWSM!
Roman von Bernhard Lonzer.
Urheberrechtsschutz:
Arthur Moewig, Romanvertrieb, Berlin SW 68.
40 Fortietzung (Nachdruck verboten )
So hätte es sein können, gewiß. Aber bei dieser schmerzhaften Enttäuschung und diesem wunden Herzen das alles lächelnd über sich ergehen lassen? Nein, man hatte es nicht gekonnt...
Mit schreckhaftem Erstaunen hatte sie dann fest- gestellt, daß Stefan zwar höflich, aber von betonter Zurückhaltung und geradezu ertötender Kälte war. Dazu lag doch gar kein Grund vor, denn er wußte doch nicht...
Oder etwa doch ...?
Nein, es war nicht möglich. Er hatte Suse nicht wieder gesprochen, war sofort verschwunden gewesen. Er konnte nicht wissen, wer die Rokokodame gewesen war!
Und doch deutete fein Verhalten darauf hin, daß er es gewußt hatte. Anders war es gar nicht zu erklären. Hatte er sie etwa trotz der Maske er» ka^nt...?
Dann — dann war das wirklich nur ein Scherz van ihm gewesen? Und er war gekränkt, daß man ihm andere Absichten unterschoben hatte?
Oder — nein, wie ein Scherz hatte es nicht aus- gesehen, da war noch etwas anderes gewesen, man hatte es deutlich gespürt. Aber man hatte es falsch verstanden. Großer Gott, wenn es wirklich so gewesen wäre! Wenn sein Herz zu ihr gewollt hatte...! Dann mußte er ja glauben, daß man nichts davon wissen wollte...!
Verstört und von Zweifeln und Selbstvorwürfen geplagt, versah sie ihren Dienst.
Es bedurfte nicht der scharfen Augen Wolfgang von Achenbachs, um die plötzliche auffällige Derän- derung tn dem Verhalten der beiden festzustellen. ?5nroait ^fort klar, daß es da etwas gegeben hatte. Und zwar auf dem Maskenfest. Er war nicht gesonnen, da ruhtg zuzusehen und sich damit abzu- finden, daß die Behaglichkeit im Hause wieder gestört war. Der Himmel mochte wissen, durch welchen Unfug!
Annelore mich ihm offensichtlich aus. Aber am Abend fand er doch Gelegenheit, sie allein zu spre- chen.
„Nun sagen Sie bloß mal, Kind, was es wieder gegeben hat. Ist Stefan daran schuld?"
„Nein, Herr von Achenbach. Oder — nein, ich weiß es nicht. Und ich bitte Sie, nicht weiter zu
Tannenschonung, wo ein schmaler Weg an der steil abfallenden Schlucht entlangführte, nahmen sie die Fährte auf.
Nach wenigen Minuten wurde der Hund unruhig, und plötzlich rollte ein Schuß von der Seite her durch die unsichtige Luft. Und fast gleichzeitig klang ein dünner Schrei aus grauenmunb auf.
Mit langen Sätzen eilten sie vorwärts. Die Gestatt eines Mannes hob sich aus dem leichten Nebel heraus. Er hielt die Büchse in der Hand und starrte regungslos in den wallenden Dunst. Es war Wolfersdorff.
Mit hartem Griff riß Stefan ihn an der Schulter herum.
„Sie also, Wolfersdorfs? Sie ...!"
Mit einem gleichen. Griff entriß er ihm die Büchse.
„Darüber wird mein Großvater mit Ihnen ab. rechnen. Nun aber schnell, Mann, was war das? Wo kam der Schrei her?"
Wolfersdorff schien nicht fähig, eine Bewegung zu machen.
„Das — das habe ich nicht gewollt, Herr von Achenbach", stammelte er.
. "Was denn, um Gottes willen? Haben Sie jemanden getroffen?"
„Ach weiß es nicht. Ich habe niemanden gesehen."
Plötzlich klang leise ein unterdrücktes Stöhnen aus dem Nebel her.
Stefan lief ein paar Schritte vor. Seine Taschen« lampe blitzte auf.
„Hallo...?!"
„Hier!" kam eine weibliche Stimme von dem schmalen Weg an der Schlucht her. Sie schien Stefan bekannt. Noch ein paar Schritte, dann sah er eine weibliche Gestalt auf dem Weg kauern, die Rechte um das schwache Stämmchen einer jungen Birke gekrampft, die unmittelbar am Rande der Schluckt stand. Es wak Gloria.
Er beugte sich zu ihr herab.
„Frau Konsul...? Was ist Ihnen? Sind Sie getroffen?"
"Nein", stöhnte sie auf, „es war nur der Schreck über den Schuß. Ich bin gestürzt — mein Fuß ...!"
Der Förster war inzwischen herangekommen. Auch Wolfersdorfss Gestalt wurde sichtbar.
Stefan gab dem Förster einen Wink. Vorsichtig zogen sie Gloria vom Rand der Schlucht zurück.
„Werden Sie gehen können? Wollen Sie ver- suchen, aufzustehen?" forschte Stefan.
Er wollte ihr helfen, aber mit einem neuen Weh« laut sank sie wieder zurück.
„Wir müssen sie tragen", wandte er sich an den Förster. Er wollte mit zugreifen, besann sich aber.
"Fassen Sie mit zu, Mann", herrschte er Wolfersdorfs an. „Seien Sie froh, daß Sie nicht ein Menschenleben auf dem Gewissen haben!"
Fortsetzung folgt.
Eröffnung der Recchsaulobahnstrecke Bad-Nauheim—G.eßen.
Die Oberste Bauleitung Frankfurt a. M. teilt mit, daß am nächsten Sonntag, 17. Oktober, 11 Uhr, die Eröffnung der Reichsautobahn st recke Bad-Nauheim — Gießen stattfindet. Die Feierlichkeiten beginnen an der Anschlußstelle Gießen—Lich, also bei dem Dorfe Steinbach. Dort wird der Leiter der Obersten Bauleitung Frankfurt, Bandirektor Kado, den Erösfnungsakt mit einer Begrüßungsansprache einleiten. Sodann folgt der Werkspruch eines Arbeitskameraden. Hieraus spricht der Gauleiter Reichs- statthalter Sprenger. Nach der Rede des Gauleiters wird der neue Streckenabschnitt befahren.
Die Anfahrt der Kraftwagen erfolgt von Gießen her über Steinbach in Richtung nach Albach zur Auffahrt auf die Reichsautobahn, die Anfahrt von Lich her ebenfalls durch Steinbach.
Die Ausstellung erfolgt auf der östlichen Fahrbahn. Bis spätestens 10.30 Uhr müssen alle Fahrzeuge angefahren fein. Nach dem Aussteigen begeben sich die Gäste nach dem Eröffnungsplatz innerhalb der Anschlußstelle. Nach Beendigung der Feier nehmen die Gäste auf Fanfarensignal in den Fahrzeugen Platz, die unter Vorfahrt des Gauleiters und der an dem Bau beteiligten Arbeiter die neue Strecke befahren. Bei der Anschlußstelle Bad-Nauheim erfolgt die Dorbeifahrt an dem Gauleiter. Die Rückfahrt geht über die östliche Fahrbahn nach der Anschlußstelle Gießen-Lich bei Steinbach vor sich.
Wie wir noch hören, wird der festliche Tag für die Arbeiterschaft des Baues mit einem kameradschaftlichen Beisammensein in der Volkshalle zu Gießen abgeschlossen werden.
Reichslager der Reichssiudenienführung auf Burg Gleiberg.
Vom Turm der Burg Gleiberg weht seit einigen Tagen die Fahne des Nattonalsozialistischen Deutschen Studentenbundes, ein Zeichen, daß ©tu« öenten im Schulungslager Einkehr gehalten haben. An neun verschiedenen Orten im Reich hält die Reichsstudentenführung eben vor Semesterbeginn Gemeinschaftslager ab, um die Kameradschaftsführer der einzelnen Studentenschaften im Geist der Nürnberger Studenten- Gesetze auszurichten und sie vorzubereiten für die bald einsetzende Arbeit des kommenden Wintersemesters.
Im Schulungslager auf Burg Gleiberg sind zur Zeit 40 Studenten aus drei verschiedenen Gauen des Reiches. Wie wir bereits berichteten, steht das Lager unter der Leitung von Pg. Salon von der Reichsstudentenführung.
Nach der fiagereröffnung wurde zunächst über die Notwendigkeit der Kameradschaftserziehung gesprochen. Die ganze Erziehung sei daraus ausgerichtet, den deutschen Studenten zum deutschen Mann und zur verantwortungsfähigen schöpferischen Persönlichkeit heranzubilden. Siel» seittg sei diese Kameradschaftserziehung-, die politische Arbeitsstunde bringe z. S. die Vorarbeiten für den studentischen Einsatz, eine der Hauptaufgaben der studentischen Kameradschaften. In diesem Einsatz des Land- oder des Fabrikdienstes ober der Erntehilfe usw. habe sich der junge Kameradschaftsstudent zu bewähren. Die Gemeinschaftsstunde, die auch im Lager Gleiberg praktisch durch- aeführt wurde und noch wird, hilft mit, die Vorkämpfer unserer Freiheitsbewegung näher kennenzulernen, ihre Werke werden gelesen und durchgesprochen. Das ganze Handeln und Tun wird nach diesen Persönlichketten und Führern mit ausgerichtet.
In der Erziehungsstunde werden die Ehren- und die Disziplinarordnung behandelt. Die Geschichte des deutschen Studententums wird studiert, denn über das Vergangene wird nicht ohne weiteres hinweggegangen, sondern die gute Tradition wird im neuen Geiste fortgesetzt. Ferner wird in der Erziehungsstunde eine nicht aus dem Egoismus, sondern aus der Rücksichtnahme zum Mitmenschen geborene Erziehung zum anständigen und natürlichen Verhalten durchgeführt. All diese neuen Formen und Arten der künftigen Kameradschaftserziehung wurden im Lager Gleiberg behandelt und erprobt. Als Ausgleich zu diesen Stunden kommt natürlich reger Sport.
Manche Referate wurden in diesen Tagen im Schulungslager gehalten, und wichtige Themen sind noch angekündigt. Pg. Fell, der Leiter der @au« schulungsburg Hessen-Nassau in Kronberg, sprach
vor den Kameradschaftsführern über „Priesterherrschaft und Freiheit des Geistes", Studentenführer und SA.-Sturmführer Schuhmacher hielt einen Vortrag „Aus der Geschichte des deutschen Studententums". Angekündigt ist noch ein Referat von Gauabteilungsleiter Pg. Handwerk über „Die Kulturarbeit der HdF. und ihre Aufgabenstellung für die studentische Kameradschaft", ferner hat der Gauschulungsleiter Pg. Ruder noch einen Vortrag am kommenden Freitag übernommen.
Am heutigen Vormittag erwartet das Reichslager Gleiberg den Vesuch des stellvertretenden Reichsstudentenführers Pg. Horn, der fein Kommen angesagt hat. Am Nachmittag sind die Kameradschaftsführer Gäste der Stadt Gießen; auf einer Omnibusrundsahrt werden sie Gelegenheit haben, die Universitätsstadt Gießen und einen Teil ihrer Umgebung kennenzulernen. Der Herr Oberbürgermeister wird die studenttschen Vertreter in Gießen begrüßen und willkommen heißen.
Für Samstag abend hat die Lagerleitung einen Kameradschaftsabend geplant, der die Lagerteilnehmer mit Vertretern der Partei und ihrer Gliederungen, der Wehrmacht, der Behörden und der Universität vereinigen soll.
In jeder Epoche der deutschen Studentengeschichte klingt der Name Gleiberg auf. Auch die nationalsozialistische Hochschuljugend kennt das erste Studentenlager unseres Gaues auf Surg Gleiberg, und mancher hat auf der alten, trutzigen Surg schon eine Ausrichtung für fein ganzes Leben mitbekommen.
Vornotizen.
Tageskalender für Mittwoch.
Stadttheater: 19.30 bis 22.30 Uhr „Das kleine Hofkonzert". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Walpurgisnacht". — Lichtspielhaus, Sahnhofstraße: „Der Scheidungsgrund".
Stadttheater Gießen.
Aus dem Stadtthectterbüro wird uns geschrieben: Heute abend findet die erste Wiederholung von „Das kleine Hofkonzert", Operette aus der' Welt Carl Spitzwegs von Vethoeven und Impekoven, Musik von Ed. Nick, statt. Musikalische Leitung Kapellmeister Joachim P o p e l k a ; Spielleitung: Karl-Ludwig Lindt. Es wirken mit das Operetten- und Schauspielpersonal des Stadttheaters. Die Vorstellung findet als 3. Vorstellung der Mittwoch-Miete statt. Anfang 19.30, Ende 22.30 Uhr.
Colin Roß spricht in Gießen.
Der bekannte Weltreisende und Reiseschriftsteller Colin Roß wird, wie man uns mitteilt, am Montag, 18. Oktober, in der Neuen Aula auf Ein
fragen. Ich kann nichts sagen. Später vielleicht. Nur jetzt nicht ...!"
„Also doch! Hab' mir's beinah' gedacht. Aber so geht das natürlich nicht. Auf keinen Fall. Ihr seid doch keine Kinder mehr. Und ich dulde es unter feinen Umständen, daß Sie immer und immer wieder aus dem Gleichgewicht gebracht werden. Wär' ja noch schöner! Ich werde mal von Stefan selber hören, was los ist und was er sich eigentlich denkt."
„Nein, Herr von Achenbach — bitte nicht!" wehrte Annelore ab. „Wenn Sie mich wirklich gern haben, dann tun Sie es nicht."
Er sah ihr in das verstört zuckende Gesicht und fügte sich. Vorläufig, wie er bei sich dachte. Lange würde er jedenfalls nicht zusehen.
Am Nachmittag des folgenden Tages kam Stefan aus dem Zimmer eines Patienten, als das Hausmädchen, das offenbar diesen Augenblick abgewartet hatte, auf ihn zutrat.
„Frau Vollrath wünscht Sie zu sprechen, Herr von Achenbach. Sie wartet im Empfangszimmer."
Stefans (Stirn krauste sich.
„Haben Sie denn nicht gesagt, daß ich jetzt zu tun habe? Sie wissen doch, daß ich um diese Zeit nicht zu sprechen bin."
„Gewiß. Ich habe es auch gesagt. Nötigenfalls will Frau Vollrath warten, bis Sie fertig sind."
Stefan überlegte kurz.
„Führen Sie Frau Vollrath in das Sprechzimmer", ordnete er dann an.
In aufrechter Haltung und mit entschlossenem Gesicht stand Suse mitten im Zimmer, als er eintrat. Sie gab ihm die Hand.
„Entschuldige, daß ich jetzt Pöre, Stefan, aber wie sott ich es denn anders machen daß ich dich allein sprechen kann! Ich will dich auch nicht lange aufhalten, will nur yören, was eigentlich los ist. Ich war heute vormittag schon bei Annelore, aber es mar einfach nichts aus ihr herauszubekommen. Nun möchte ich von dir wissen, was es gegeben hat. Man macht sich doch Gedanken."
Stefan hob die Schultern.
„Ist das denn so wichtig, daß man sich darüber Gedanken machen muß?"
„Erlaube mal! Allerdings ist das wichtig. Ich bin bekanntlich — schuld daran, daß Annelore überhaupt hier ist. Infolgedessen habe ich auch die Pflicht, mich um sie zu kümmern."
„Kannst ou ja auch. Ader, bitte, was hat das denn mit mir zu tun?"
Suses zierliche Gestalt reckte sich noch ein wenig mehr.
„Was das mit dir zu tun hat? Ich wollte, mein Junge, ich könnte dir das mal so richtig sagen! Jedenfalls kannst du nicht erwarten, daß ich den Dingen ruhig zusehe."
Stefans Gesicht verdunkelte sich.
„Ich will dir mal was sagen, kleine Suse: du bist ein lieber Kerl, aber über deine Zuständigkeit in dieser Frage scheinst du dir doch nicht ganz klar zu sein. Du hältst es für deine Pflicht, dich um die Angelegenheit deiner Freundin zu kümmern. Bitte! Aber die in Rede stehende Angelegenheit ist zufällig auch die meine, und in die lasse ich mir von niemanden hineinreden. Darüber wollen wir doch keine Unklarheit auskommen lassen."
Suse hielt es für richtig, einzulenken.
-„Du bist ein richtiger harter Achenbach-Kopf, Stefan. Aber versteh mich doch nur mal richtig! Sieh mal, ich war so froh, daß du Gelegenheit haben wolltest, mit der „Rokokodame" allein zu sein. Auf einmal bist du spurlos verschwunden, und Annelore sitzt ganz verstört da, mit der Maske in der Hand, und schwatzt ein Zeug, daß einem die Haare zu Berge stehen. Klar, daß etwas Schwerwiegendes passiert sein muß. Aber was? In dieser kurzen Zeit?"
Stefan hob wieder die Schullern.
„Wenn deine Freundin es ablehnt, sich darüber zu äußern — ich habe noch viel weniger Veranlassung, darüber zu sprechen."
„Doch, Stefan, ich muß es wissen. Sag' dock —"
„Nein, Suse. Später vielleicht, wenn der Wind mal wieder über die Stoppelfelder weht und die letzte Erinnerung an eure Mondscheingrotte mit» nimmt. Aber heute nicht. Heute auf feinen Fall. An den Tatsachen würde es ja sowieso nichts ändern."
Suse wußte, daß es zwecklos war, jetzt noch länger zu drängen. Sie fügte sich, aber es stand fest bei ihr, daß das letzte Wort in dieser Angelegen- heit noch ntch* gesprochen war. Man mußte nur erst eine gewisse Beruhigung eintreten lassen. Es konnte sich hier doch nur um irgendein Mißverständnis Han- dein, und dem mußte doch beizukommen fein. —
Märznebel braute feit einigen Tagen über den Wiesen und schob sich in leichten Schleiern bis zum Hochwald hinauf. Dem feuchten Boden entströmte schon der Geruch des kommenden Frühlings. Der Revierfärster hatte bereits zum zweiten Male eine frische Schweiß spur gefunden, die auf krankgeschossenes Wild schließen ließ. Es dämmerte stark, als Stefan eines Tages mit dem Förster zum Walde hinaufstieg. Man wollte versuchen, dem Wilderer auf die Spur zu kommen.
Tief atmete Stefan die schwere Luft ein. Frühling! Es war kaum ein paar Wochen her, daß er hoffnungsfreudig gedacht hatte: bald ist es Früh- ling! Ihm war, als läge das schon Jahre zurück. Oder als wäre es irgendein fremder Mensch gewesen, der diesen Gedanken gehabt hatte.
Den Hund an der Leine, Das Jagdgewehr am Riemen über der Schuller hängend, ging er schweigend neben dem Förster her. Kurz vor der kleinen
ladung des Goethe-Bundes und des Kaufmännischen Vereins einen Lichtbilder-Dortrag über das Thema „Asien — Amerika — Europa (Weltpoli» tischs Hintergründe und Ausblicke 1937/38" halten. Mit diesem durch die gegenwärtigen Ereignisse im Fernen Osten besonders bedeutsamen Vortrag wird der Goethe-Bund in Vortragsgemeinschaft mit dem Kaufmännischen Verein das Vortragsprogramm 1937/38 eröffnen.
Bolksdeutfche Kundgebung.
Die Kundgebung, die am Donnerstag, 2030 Uhr, in der Neuen Aula der Universität stattfindet, soll ein Bekenntnis aller Volksgenossen zu der Verbundenheit aller Deutschen sein. Es handelt sich da« ; bei nicht um eine Angelegenheit einzelner, die am Auslanddeutschtum besonders interessiert sind, son-
Ruhl Sehersweg Nr. 67 ■■
adlO Telephon Nr. 3170 H
eparaturen l89,D gj
dem um unsere gemeinsame völkische Aufgabe, den Zusammenschluß aller Deutschen, den der erste Ab. satz des Programms der NSDAP, als Grundlage ihrer gesamten Politik bezeichnet. Der Redner, Pg. A. R i e g e r l (Graz), hat selbst inmitten des völkischen Kampfes gestritten und gelitten. Um das Er» lebnis seines Vortrags „Das Dritte Reich und das Auslanddeutschtum" jedem zu ermöglichen, hat die Ortsgruppe des VDA. den Eintrittspreis auf nur 30 Pfennig festgesetzt.
d WWW MW«
71SG. „Kraft durch Freude". Kreis Gießen.
Theatervorstellung
„Große KdF.-Miete" Gruppe I, 2. Vorstellung.
Samstag, den 16. Oktober, 20 Uhr:
„Die Dorothee", Operette.
preise 1,20 und 1,— RM.
Karten durch die Betriebswarte und Kreisdienststelle, Schanzenstrahe 18. 6669V
Hitler-Lugenv Bann 116 Gießen.
Befr.: Feierliche Uebergabe der Kreisleitung Detterau.
Arn kommenden Freitag, 15. Oktober, 19 Uhr, findet in der Dolkshalle die feierliche Verabschiedung des Kreisleiters Dr. Hildebrandt und die öffentliche Einführung des neuen Kreisleiters Pg. Backhaus durch den Gauleiter statt. Hieran haben teilzunehmen: alle Unterbannführer, alle Gefolgschaftsführer, die gesamte Führerschaft des Standortes Gießen sowie der gesamte Bannstab. Anzutreten ist um 18.20 Uhr am Schützenhaus (Winterdienstanzug).
Der Bann 116 stellt am 15. Oktober eine Ehrenformatton. Die Gefolgschaften 1/116 bis 4/116 haben hierzu je 20 Iga., die Nachrichtenschar, Motorschar und Fliegergefolgschaft je 10 Igg. abzustellen. Die Ehrenformation wird vom Gefolgschaftsführer Weerth geführt. Anzutreten ist um 18.30 Uhr am Schützenhaus im Winterdienstanzug.
Befr.: (Eröffnung der Reichsautobahn-Teilstrecke Bad-Rauheim—Gießen am Sonntag, 17. Oktober.
Die feierliche Eröffnung der Reichsautobahn« Teilstrecke Bad-Nauheim—Gießen findet am kam- menben Sonntag, 17. Oktober, bei dem Dorf Steinbach auf der Autobahn statt. Zu der Eröffnungsfeierlichkeit stellt der Bann 116 die Marine- Gefolgschaft 1/116 als Ehrenformatton. Die Ehrenformatton muß am 17. Oktober um 10.30 Uhr an der Reichsautob ahn bei Steinbach angetreten sein. Befr.: Uebergabe des Unterbannes 1/116 (Gießen).
Zur Uebergabe des Unterbannes 1/116 am Mittwoch, 13. Oktober, hat die gesamte Führerschaft des Standortes Gießen um 20.30 Uhr an der Banndienststelle anzutreten (Winterdienstanzug).


