Auswärtigen Senatsausschusses, den Versuch unternommen hätte, indirekt die deutsche Auslandsorganisation zu verdächtigen durch die Behauptung, Deutschland zähle zu seinen Ausländsdeutschen auch alle jene, die deutschen Ursprungs seien, obgleich sie staatsrechtlich einer anderen Nation angehörten, während die Zahl der Auslandsfranzosen knapp 800 000 ausmache.
Die Dienststelle des Chefs der Auslandsorganifa- tion im Auswärtigen Amt hat dazu erklärt, Gauleiter Bohle habe wiederholt mit allem Nachdruck klargestellt, daß die Auslandsorganisation der NSDAP, und er als Chef der Auslandsorganisation im Auswärtigen Amt nur die Ausländsdeutschen, d. h. die Deutschen im Auslande mit reichsdeutscher Staatsangehörigkeit, erfasse und im Sinne der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft beeinflusse. Die Zahl dieser Ausländsdeutschen betrage, da eine genaue Statistik wegen des Fehlens der Konsulats-Matrikel nicht möglich sei, nach Schätzungen rund 1,5 bis 2 Millionen. Wenn darüber hinaus die Volksdeutschen in Europa und Uebersee bei aller Treue zu ihrer neuen Heimat ihr deutsches Volkstum nicht verleugnen und kulturelle Beziehungen zu dem Land ihrer Väter aufrechterhalten wollten, so sei das, da jede Assimilierung fremden Volkstums große Nachteile in sich berge, ein in internationalen Verträgen verbrieftes Recht und Voraussetzung dafür, daß diese Menschen überhaupt wertvolle Bürger ihres Staates fein könnten. Mit Fragen dieser Volksdeutschen befasse sich die Auslandsorganisation aber nicht.
Vor den Wahlen in der Sowjetunion.
Schemmanöver um die „Demokratisierung".
Moskau, 12. Oft. (DNB.) Durch Verordnung des Zentralvollzugsausschusses werden die „W a h - len" zum Ober st en Rat der Sowjetunion auf den 12. Dezember festgesetzt. Die Meldung entbehrt nicht eines gewissen Reizes, wenn man sich daran erinnert, daß sich der Bolschewismus lange Jahre als der geborene Feind der „Demokraten" europäischen Stiles aufspielte und die „Diktatur des Proletariats" proklamierte. Die große Schwenkung begann im Zusammenhang mit der westeuropäischen Bündnispolitik der Sowjetunion und der V o l k s f r o n t t a k t i k der Komintern. Der Parteikongreß 1934 brachte die erste Verlautbarung von einer „Demokratisierung". Ende 1936 wurde die neue Verfassung mit ihren „Segnungen" vom Sowjetkongreß „angenommen" — zu einer Zeit, als die Blutwelle mit den Schauprozessen und Erschießungen am laufenden Band begann.
Die Vorbereitung dieser „Wahlen" wird durch eine Agitationskampagne größten Ausmaßes eingeleitet, um die völlig passive Bevölkerung an die Wahlurne zu bringen. Wie die sog. „freie Willenskundgebung" aussehen wird, läßt sich bereits erkennen. In jedem Wahlbezirk — 579 Wahlkreise sind vorgesehen — hat der Wähler eine Auswahl von Kandidaten, die allerdings sämtlich von der Kommunistischen Partei aufgestellt sind, nachdem sie auf ihre „Zuverlässigkeit" geprüft worden sind.
Stalin wütet gegen die alten Bolschewisten.
Bolksbildungskomnrissar Bubnow seines Postens enthoben.
Moskau, 12. Oft (DNB.) Nach einer sowjet- amtlichen Mitteilung wurde der Volkskommissar für Volksbildung, Bubnow, seines Postens enthoben, da er „seine Aufgabe nicht bewälttgt und systematisch die Erziehungsarbeit untergraben habe". Zu seinem Nachfolger wurde der Vorsitzende des Leningrader Vollzugs-
Ein Kind erzählt.
Von Wera Wagenschein
Wir geben im Folgenden einige Proben aus dem im Verlag von Pfister & Schwab, Gettenbach bei Gelnhausen, erschienenen Buche „E i n K i n d erzählt", von Wera Wagenschein: eine Gießenerin berichtet hier von den ersten Eindrücken und frühen Erlebnissen in ihrer Vaterstadt. Das Bänd- chen wird bei vielen unserer Leser besonderem Interesse begegnen.
Nun kommt der Nordwind. Er wirbelt Blätter und Vögelchen durch die Luft, wir können sie kaum unterscheiden. Die Stare hocken in der kahlen Ulme wie große schwarze Nüsse. Sie quirlen immer leiser, und ich stehe und horche auf die letzten einzelnen Rufe, wie hoch und süß sie sind.
Wir gehen mit Lisa nach Klein-Amerika, draußen an der Kuhle, wo die Kinder Schlittschuhe haben, und ich kniee mich und sehe die Mauslöcher an. Sie haben weiße Kränze von Rauhreif-Kristallen. Da sitzt nun überall etwas Warmes drunter und atmet ... Drüben der Schiffenberg sieht vor dem Himmel so aus wie eine weiße Krone auf hellblauer Seide.
Ich gehe ihm ein Stückchen entgegen. Am Klingelbach ein Rabe, der schreit au au, vor lauter Kälte; doch er verbeugt und schwingt sich hin und her und hat etwas Freude im Sinn. Aus dem Nebelwald kommt silberner Meisengesang, und ein Hagebuttenstrauch steht da mit grauen Vögelchen und roten Beeren. Ein Reh geht im Schnee. Es scharrt und findet etwas Gutes, ißt es ruhig auf und sieht sich um nach dem Walde. — Ein Hase läuft immer auf mich zu, als ob ich gar nicht wäre. L
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Ge geht mit mir, wenn ich zum Alten Zahnkoch muß, wo es so furchtbar weh tut Auf der Straße faßt Ge meine Hand. Er lacht ein bißchen und sagt: du drückst ja die Arme so an dich und hüpfst wie die Nähmaschine, vor lauter Angst.
Wenn es dann beinahe vorbei ist, und der Alte Zahnkoch an den Glasschrank geht, ganz gebückt mit seinen weißen Haaren, und sich niederbeugt, um mir Schokolade zu holen, dann sehe ich über mir in der silbernen Kugel schon Ge, wie er ganz klein und umgedreht unten auf und ab geht und hinaufschaut. Und der alte Zahnkoch sieht mich so freundlich an und sagt: aber von Süßem gehen die Zähne kaputt...! Dann schenkt er mir Schokolade, und ich mache einen Knix und wische mir die
ausschusses, Tjurky, eine „neue", bisher kaum bekannte Persönlichkeit ernannt.
Obwohl Presseangriffe und Anzüglichkeiten gegen Bubnow seit Jahren zur Tagesordnung gehörten, kommt dessen Absetzung doch überraschend. Die Begründung weist darauf hin, daß auch diese Maßnahme im Zusammenhang mit der großen Säube- runyslawine steht Bubnow, ein alter Berufsrevolutionär aus der nächsten Umgebung Lenins, war schon seit einigen Jahren auf das Erziehungskommissariat abgedrängt, während er früher eine bedeutende Rolle in der Parteihierarchie und in.der Roten Armee gespielt hat. Im Bürgerkrieg leitete Bubnow eine zeitlang die militärischen
Operationen an der kaukasischen und der ukrainischen Front, später war er lange Jahre Mitglied des „revolutionären Kriegsrates" und Chef der politischen Verwaltung. Bubnow war ferner einer der letzten überlebenden Mitglieder jenes ,chistori- schen" bolschewistischen Zentralkomitees von 1917, das die Oktoberrevolution geleitet hat. Von den 24 damaligen Mitgliedern dieses Komitees sind nun am Vorabend des 20. Jahrestages der bolfckewisti- schen Revolution zehn eines natürlichen oder unnatürlich en Todes gestorben und weitere zehn von Stalin beseitigt oder erschossen worden.
Das nationale Spanien bleibt selbständig und unversehrt.
Eine Erklärung des spanischen Staatschefs.
Burgos, 12.Okt. (DNB.) Das nationale Spanien beging das Fest der Rasse. Die Hauptfeier sand in Burgos im Beisein des Staatschefs General Franco, des deutschen und des italienischen Botschafters sowie des Regierungsausschusses statt. Aus allen Gegenden des nationalen Spaniens waren etwa 30 000 in der Universitäts-Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossene Studenten herbeigeeilt. Die Straßen waren mit Tausenden von Fahnen geschmückt. Vor der Tribüne des Generals Franco standen Ehrenformationen. Der deutsche Botschafter von Stohrer wurde von der Menge mit erhobenem Arm und minutenlangen Hochrufen auf Adolf Hitler und auf Deutschland begrüßt. Die Kapelle spielte das Deutschland-Lied.
General Franco, der das blaue Hemd der Falange trug, hielt eine Ansprache. Am „Dia de la Raza", so sagte er, können wir mit Stolz unseren Brüdern und Schwestern in Südamerika und der übrigen Welt ein Beispiel von Opfermut, von Heldentum, von Siegesoertrauen und Arbeitsamkeit geben, welche Tugenden die Grundlage des neuen Staates bilden.
„Ich wende mich nun an die Regierungen in der Well und an die Länder, die den Kampf im nationalen Spanien, den Sinn unserer Freiheitsbewegung nicht kennen, und die von Gebietsabtretungen in Spanien sprechen. Solche Nachrichten sind falsch und haben ihren Ursprung bei den Freimaurern und den internationalen Geheimorga-
nifationen. Die Machthaber von Valencia sind es gewesen, die den berüchtigten Vertrag von San Sebastian abschlossen, laut dem Marokko und die Balearen ausländischen Mächten angeboten würben, um damit Spanien auseinanderzureihen und zu zerstören. Die ausländischen Regierungen brauchen keine Sorge zu haben: Spanien wird selbst dafür sorgen, dah eine Aufteilung oder Verkleinerung seines Lebensraumes nicht stattfindet. Auch wird es feine Selbständigkeit nie und nimmer aufgeben.
Mögen die Journalisten aller Welt, mögen ausländische Studienkommissionen zu uns kommen und unsere Jugend anschauen, so wie sie ist und Irrtümer ausmerzen. Alle Ausländer, die zu diesem Zwecke nach Spanien kommen, werden alle Erleichterungen erhalten, um sich ein objektives Urteil bilden zu können. Das große und starke Spanien gehört einer ritterlichen Rasse an. Die Anarchie, welche im bolschewistischen Spanien herrscht, und die Ordnung und Zufriedenheit bei uns kann auch demjenigen nicht verborgen bleiben, der, mit allen Vorurteilen behaftet, das nationale Gebiet besucht." Mit dem Hinweis darauf, daß mit dem Erwachen der fpanifc^n Juaend dem Nieder- gana Spaniens während der letzten Jahrzehnte Einhalt geboten worden fei, und daß für Spanien nunmehr eine neue geschichtliche Epoche anbreche, schloß General Franco.
Oie spanische Sprache im deutschen Schulunterricht.
Reichsminister Rust spricht auf dem Fest der presse der ibero-amerikanischen Kolonien in Berlin.
Berlin, 12. Oft. <DNB.) Am 12. Oktober feiern die Völker des amerikanischen Kontinents den Tag der Entdeckung durch Columbus. Darüber hinaus aber hat dieser Tag für die ibero-amerikanischen Völker seine besondere Bedeutung als „D i a de la Raza", als Tag der gemeinsamen Sprache und der gemeinsamen Kultur. Das Jbero-Amerikanische Institut feiert mit den ibero-amerikanischen Kolonien zu Berlin. In dem mit den Fahnen des neuen Deutschland und 22 ibero-amerikanischen Staaten geschmückten Festsaal des Instituts hielt
Reichserziehlitigsminister Rust eine Ansprache, in der er u. a. ausführte: An der Spitze der zahlreichen deutschen Gelehrten, die mit ihren Forschungen und Wirken die ibero-amerikanischen Länder der ganzen Welt nähergebracht haben, steht Alexander von Humboldt.
Wenn der deutsche Mensch hohe Achtung und Ansehen in den ibero-amerikanischen Staaten genießt, jo danken wir es ferner in starkem Maße dem deutschen Bauer, Arbeiter, Handwerker und Soldaten, dem Lehrer und Kaufmann, die in den weiten Gebieten Jbero-Amerikas gewirkt haben oder noch tätig, sind. Die Regierung Adolf Hitlers hat den deutsch-ibero-amerikanischen Beziehungen die größte Aufmerksamkeit geschenkt und mit großer Genugtuung immer wieder feststellen können, daß man in den Ländern spanischer und portugiesischer Sprache bemüht ist, dem nationalsozialistischen Deutschland Verständnis entgegenzubringen. Wir freuen uns über diese Anteilnahme an unserem staatlichen und völkischen Leben, und so ist es nur natürlich, daß auch Deutschland seinerseits das Leben der ibero-amerikanischen Völker mit größter Aufmerksamkeit verfolgt. Davon zeugen die reichhaltige deutsche Literatur und zahlreiche Veranstal
tungen, die dem Studium ihrer kulturellen uni wirtschaftlichen Fragen dienen.
Ich habe den ehrenvollen Auftrag, den Dertre« tretern der ibero-amerikanischen Staaten und Völker die Grüße und Wünsche des Führers und Reichskanzlers sowie der Reichsregie, r u n g zu übermitteln.
Die meiner Leitung unterstehende Pflege der wissenschaftlichen und kulturellen Beziehungen zu ihren Völkern betrachte ich als eine vordringliche Aufgabe, und diesem Ziele diente auch mein Erlaß vom 22. Blärz d. 3., nach welchem die deutschen Hochschulen aller Art gehalten sind, in ihrer Lehrtätigkeit den spanisch - amerikanischen und den portugiesisch - brasilianischen Kulturkreis vorzugsweise zu berücksichtigen. Insbesondere gilt dies auch vom S t u- dium der spanisch en Sprache, die von mehr als 100 Millionen Menschen gesprochen wird und somit zu den Weltsprachen zählt. Diese letztere Tatsache hat mich bestimmt, auch bei der Neuordnung des höheren Schulwesens den spanischen Unterricht zu erweitern, und heute kann ich Ihnen die Mitteilung machen, daß in Zukunft in Deutschland die spanische Sprache an den höheren Schulen mit der französischen und italienischen gleichgestellt ist und damit im gesamten deutschen Bildungswesen die Stellung einnimmt, die ihrer Bedeutung neben den anderen europäischen Kultursprachen entspricht. Auch das Studium des Portugiesischen soll nach Möglichkeit gefördert werden.
Im Zusammenhang damit möchte ich meiner Freude Ausdruck geben, daß auch die deutsche Sprache in den ibero-ameri- konischen Staaten mehr und mehr gepflegt wird, wofür u. a. die Errichtung eines germanistischen Institutes an der Universität Buenos Aires ein erneuter Beweis ist. Das persönliche Kennenlernen und Verstehen bedeutet im Leben der Völker die sicherste und festeste Grundlage des friedlichen, ideellen und materiellen Güteraustausches. So wird der Professoren - und Studentenaustausch mit den ibero-amerikanischen Ländern stets die besondere Förderung meines Ministeriums finden. Unsere Universitäten und Hochschulen stehen der ibero-amerikanischen Jugend offen. Möge der heutige Festtag dazu beitragen, daß die bestehenden herzlichen und freundschaftlichen Beziehungen, die unsere Völker miteinander verbinden, immer fester Wurzel fassen.
Nach einem Musikvortrag überbrachte der Botschafter von Brasilien, Dr. Monez de Aragag die Grüße Brasiliens. Der Gesandte von Columbien, Obregon A r j o na . der gleichzeitig Präsident der Bolivar-Humboldt-Stiftung ist, würdigte besonders die hervorragende Zusammenarbeit der ibero-amerikanischen Diplomaten mit den deutschen Amtsstellen. Dann sprach der Botschafter Spaniens, Admiral Marquez de Magaz. Mit einem Huldigungsmarsch von Grieg schloß der Festakt.
Australien wünscht deutsche Siedler.
London, 12. Okt. (DNB.) In der Londoner Guildhall wurde die Aussprache über die Bevöl- k e r u n g s p o l i t i k des britischen Empires fortgesetzt. Ein Abgeordneter machte den Vorschlag, die britische Regierung solle einen Sied- lerausschuß einsetzen und den siedlungsbedürftigen Gebieten des Weltreiches eine Riesenanleihe von 50 Millionen Pfund gewähren. Ein anderer Redner erklärte, es sei unmöglich, ja sogar unmoralisch, daß ganze Kontinente leer st ün- den, während andere übervölkert seien Ganz abgesehen aber von der moralischen Seite des Problems stelle es eine ständige Kriegsgefahr dar. Ein Vertreter Kenyas (Brit. Ost- afrika) erklärte, daß man dringend Siedler brauche. Das gleiche erklärten der Vertreter Neuseelands sowie der australische Vertreter, der hinzufügte, in Australien wünsche man Deut- jche als Siedler. Die Deutschen seien wunderbare Farmer, genügsam und sauber.
Tränen ab und gebe dem Alten Zahnkoch die Hand. Er lächelt mir in die Augen und sagt, ich soll den Papa grüßen, und seine weißen Haare hängen wie weiche Fähnchen um sein Gesicht. Ich nicke und lache ihn schon wieder ein bißchen an und laufe hinunter zu Ge. Da wickeln wir die Tafel aus und falten ein silbernes Schiffchen. Dann essen wir sie auf.
*
Am ersten Juli ist Universitätsfest in Steins Garten. Da sitzen die Studenten an langen Tischen, und wenn ein Professor oder ein Mädchen oorübergeht, winken sie fröhlich. Da gibt es Topfschlagen für die Kinder und viele lustige Spiele. Und die alten Bäume schütteln sich vor Freude.
Aber Mao und ich haben anderes im Sinn. Wir kaufen uns von dem alten Mann jeder einen Luftballon; und Maos muß immer grün sein und meiner brennend blau. Mit denen gehen wir in einen Seitengang vom Garten und da bleiben wir den Nachmittag. Von fern, hinter den Büschen, kommt Lachen und Tanzmusik. Das ist wie ein bunt bemalter Vorhang, der hängt so gut und bekannt um uns herum, und draußen hinter der Mauer ist die Welt.
Sie haben Namen wie die Sterne, wir schlagen sie sacht mit unseren Händen und treiben sie vor uns her. Es müßte sehr schön sein, sie fliegen zu lassen, daß sie höher als die Adler wie ein Pünkt- chen vergingen. Aber wir haben sie zu gern. Wir nehmen sie mit nach Hause, wo sie blank an die Decke steigen, und dann langsam niedersinken und Runzeln bekommen. Wenn sie so wunderlich über dem Fußboden schweben, sind sie weich wie Seide geworden...
Das große Schiff kommt...
Abenteuer im Grönlandeis.
Ein junger französischer Polarforscher, Paul Errnl Victor, der 16 Monate in Grönland, ausschließlich in der Gesellschaft von Eskimos, zugebracht hat, befindet sich jetzt auf dem Heimweg nach Frankreich. Er hatte mit zwei Kameraden am 4. April 1936 Frankreich verlassen und Grönland im Hundeschlitten durchquert. Während aber seine beiden Kameraden nach einer abenteuerreichen Fahrt von 1200 Kilometer durch Schnee und Eis in den ersten Tagen des Januar 1937 in die Heimat zurückkehrten, blieb Victor im hohen Norden, wo ihn im Juli dieses Jahres der Dampfer „Quest" wieder abholen sollte. Von Bord des Dampfers aus hat der Forscher seinen ersten Bericht
an „Paris-soir“ geschickt, in dem er die furchtbaren letzten Tage im ewigen Eise und seine unverhoffte Rettung schildert.
„Seit über einem Monat", so schreibt er, „warteten meine Eskimos und ich auf die Ankunft des „Quest". Als er mich in Kangerlugssuatsiak zurückgelassen hatte, war verabredet worden, daß er am 20. Juli kommen würde, um mich zu holen. Aber am 16. August warteten wir immer noch vergeblich. Ich begann zu fürchten, daß der „Quest" Havarie erlitten haben könnte. Seit der Abreise meiner Gefährten hatte ich nur mit Eskimos und Hunden in einer Eiswüste gelebt. Am Abend des 16. August beschlossen wir, nach Süden aufzubrechen. Der ganze Stamm traf in größter Hast die Vorbereitungen, 26 Menschen, 22 Hunde. Als Transportmittel verfügten wir über zwei „Oumiaks". Das ist eine Art Kanu von acht bis zehn Meter Länge, mit einem Gerippe aus Holz gnö mit Seehundsfell überzogen. Diese Fahrzeuge sind ausgezeichnet zur Schiffahrt in diesen schwierigen Gewässern. Der ganze Stamm verftachtet sich in unsere beiden Schiffe, die zum Platzen voll werden. Menschen und Hunde durcheinander. Was für eine Fahrt! Wir müssen uns zwischen Eisblöcken hindurchwinden, die uns jeden Augenblick zu zermalmen drohen. Aus den Oumiaks müssen wir auf die Eisschollen springen und sie mit Bootshaken auseinander treiben, um den Fahrzeugen eine Gasse zu machen. Wir schlagen uns verzweifelt mit diesen verdammten Eisbergen herum. Kaum hat sich die Wand ein wenig geöffnet, da gleiten die Boote hindurch. Jedesmal stehen wir Todesangst aus, daß die beiden Mauern sich wieder schließen und die schwachen Kanus zerdrücken. Zehnmal falle ich bei dem Manöver ins Wasser. Ich triefe, aber ich habe keine Zeit mich abzutrocknen.
In der ganzen Nacht haben wir nur ein paar Seemeilen zurückgelegt. Am Morgen erweist es sich als unmöglich, die Reise fortzusetzen. Das Eis ist zu kompakt. Wir sind blockiert. Zwei Uhr nachmittags tut sich endlich eine Spalte auf. Wir gleiten in diese Bresche und, um vorwärts zu kommen, fahren wir am Ufer entlang. Die Küste ist böse von spitzen Felsen zerrissen, auf die die Wellen uns werfen. Ein Glück, daß die Eskimos so tüchtige Seeleute sind! Aber nach fünfstündigen Anstrengungen sitzen wir wieder fest. Unmöglich, sich vorwärts oder rückwärts zu bewegen. Die Eisblöcke verbinden sich und werden uns zermalmen. Wir müssen die Oumiaks an Land ziehen. Da entschließt sich einer der Eskimos, Milkloi, der geschickteste Mann des Stammes, auf Kundschaft zu gehen. Er erklimmt einen hohen Felsen und als
bald bricht er dort oben in die tollsten Freudenbezeugungen aus. „Das große Schiff! Das große Schiff!" heult er. Im nächsten Augenblick sind wir bei ihm auf seinem Ausguck und wir sehen — oh Freude! — den Großmast des „Quest". Gerettet.
Wir heulen wie die Verrückten. Wir springen und tanzen. Wahre Wilde! Ich feuere ein paar Schüsse ab. Bald darauf erhebt sich über den Eisbergen ein kleines weißes Rauchwölkchen und der Ton , einer Sirene dringt zu uns. Mit welchem Entzücken hören wir, schlürfen wir diesen Sirenengesang. Ich blicke meine Gefährten an. Sir stehen mit offenem Munde, runden Augen, die vor Hoffnung und Freude leuchten. Und wieder ertönt die Sirene. Der „Quest" hat unsere Schüsse gehört. Wir binden zwei Ruderstangen aneinander und befestigen daran die französische Fahne und eine Fackel und hissen diese Standarte. Wir schwenken sie wild. Neues Sirenenzeichen. Und plötzlich erscheint an der Mastspitze die französische Fahne. Tiefe Bewegung bemächtigt sich unser, wir beben, es verschlägt uns die Rede, unsere Knie wanken. Drei Stunden später legt der „Quest" an. Das Eis ist gewichen, und er hat sich einen Weg bahnen können. Wir klettern an Bord. Wir umarmen die Matrosen. Der Graf Micard, der Herr des Schiffes, begrüßt uns mit überströmender Wärme.
So ist es also zu Ende. Ich habe das Gefühl, etwas stirbt in mir. Eine tolle Versuchung wandelt mich an, dieses schöne Schiff, das mich nach Frankreich heimbringen wird, zu verlassen, meine treuen Eskimos zurückzurufen und ihnen wieder in die Einsamkeit zu folgen. Aber schon laufen die Maschinen, die Oumiaks sind verschwunden, der „Quest" entfernt sich. Das schöne Abenteuer ist zu Ende. Und nun erfahre ich, der ich seit über einem Jahr außerhalb der Welt lebte, mit einem Schlage alles, was sich seitdem auf dem Erdball zugetragen hat: Krieg in Spanien, Krieg zwischen China und Japan. Was für Tragödien! Und Trauerbotschaften: der Tod treuer Freunde, der Tod Charcots, des geliebten und verehrten Meisters. Welch schreckliche Rückkehr in die Welt. In einer einzigen Stunde habe ich das Unglück eines ganzen Jahres erfahren. Und mir scheint, daß ich Monate und Jahre brauchen werde, um mich davon zu erholen ..." C. K.
Hochschulnachrichten.
Professor Dr. Dr. Hans K o ch an der Universa tät Königsberg wurde auf den seit längerer Zeit verwaisten ordentlichen Lehrstuhl für osteuropäische Geschichte an der Universität Breslau berufen.


