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Auswärtigen Senatsausschusses, den Versuch unter­nommen hätte, indirekt die deutsche Auslands­organisation zu verdächtigen durch die Behauptung, Deutschland zähle zu seinen Ausländs­deutschen auch alle jene, die deutschen Ur­sprungs seien, obgleich sie staatsrechtlich einer anderen Nation angehörten, während die Zahl der Auslandsfranzosen knapp 800 000 ausmache.

Die Dienststelle des Chefs der Auslandsorganifa- tion im Auswärtigen Amt hat dazu erklärt, Gau­leiter Bohle habe wiederholt mit allem Nachdruck klargestellt, daß die Auslandsorganisation der NSDAP, und er als Chef der Auslandsorganisa­tion im Auswärtigen Amt nur die Ausländsdeut­schen, d. h. die Deutschen im Auslande mit reichs­deutscher Staatsangehörigkeit, erfasse und im Sinne der nationalsozialistischen Volksge­meinschaft beeinflusse. Die Zahl dieser Ausländs­deutschen betrage, da eine genaue Statistik wegen des Fehlens der Konsulats-Matrikel nicht möglich sei, nach Schätzungen rund 1,5 bis 2 Mil­lionen. Wenn darüber hinaus die Volks­deutschen in Europa und Uebersee bei aller Treue zu ihrer neuen Heimat ihr deutsches Volkstum nicht verleugnen und kulturelle Beziehungen zu dem Land ihrer Väter aufrecht­erhalten wollten, so sei das, da jede Assimilierung fremden Volkstums große Nachteile in sich berge, ein in internationalen Verträgen verbrieftes Recht und Voraussetzung dafür, daß diese Men­schen überhaupt wertvolle Bürger ihres Staates fein könnten. Mit Fragen dieser Volksdeutschen be­fasse sich die Auslandsorganisation aber nicht.

Vor den Wahlen in der Sowjetunion.

Schemmanöver um dieDemokratisierung".

Moskau, 12. Oft. (DNB.) Durch Verordnung des Zentralvollzugsausschusses werden dieW a h - len" zum Ober st en Rat der Sowjet­union auf den 12. Dezember festgesetzt. Die Mel­dung entbehrt nicht eines gewissen Reizes, wenn man sich daran erinnert, daß sich der Bolschewismus lange Jahre als der geborene Feind derDemo­kraten" europäischen Stiles aufspielte und dieDik­tatur des Proletariats" proklamierte. Die große Schwenkung begann im Zusammenhang mit der westeuropäischen Bündnispolitik der Sow­jetunion und der V o l k s f r o n t t a k t i k der Ko­mintern. Der Parteikongreß 1934 brachte die erste Verlautbarung von einerDemokratisierung". Ende 1936 wurde die neue Verfassung mit ihren Segnungen" vom Sowjetkongreßangenommen" zu einer Zeit, als die Blutwelle mit den Schau­prozessen und Erschießungen am laufenden Band begann.

Die Vorbereitung dieserWahlen" wird durch eine Agitationskampagne größten Aus­maßes eingeleitet, um die völlig passive Bevölkerung an die Wahlurne zu bringen. Wie die sog. freie Willenskundgebung" aussehen wird, läßt sich bereits erkennen. In jedem Wahl­bezirk 579 Wahlkreise sind vorgesehen hat der Wähler eine Auswahl von Kandidaten, die aller­dings sämtlich von der Kommunistischen Partei aufgestellt sind, nachdem sie auf ihreZuverlässigkeit" geprüft worden sind.

Stalin wütet gegen die alten Bolschewisten.

Bolksbildungskomnrissar Bubnow seines Postens enthoben.

Moskau, 12. Oft (DNB.) Nach einer sowjet- amtlichen Mitteilung wurde der Volkskommissar für Volksbildung, Bubnow, seines Postens enthoben, da erseine Aufgabe nicht bewälttgt und systematisch die Erziehungsarbeit untergraben habe". Zu seinem Nachfolger wurde der Vorsitzende des Leningrader Vollzugs-

Ein Kind erzählt.

Von Wera Wagenschein

Wir geben im Folgenden einige Proben aus dem im Verlag von Pfister & Schwab, Gettenbach bei Gelnhausen, erschienenen BucheE i n K i n d erzählt", von Wera Wagenschein: eine Gießenerin berichtet hier von den ersten Eindrücken und frühen Erlebnissen in ihrer Vaterstadt. Das Bänd- chen wird bei vielen unserer Leser beson­derem Interesse begegnen.

Nun kommt der Nordwind. Er wirbelt Blätter und Vögelchen durch die Luft, wir können sie kaum unterscheiden. Die Stare hocken in der kahlen Ulme wie große schwarze Nüsse. Sie quirlen im­mer leiser, und ich stehe und horche auf die letzten einzelnen Rufe, wie hoch und süß sie sind.

Wir gehen mit Lisa nach Klein-Amerika, drau­ßen an der Kuhle, wo die Kinder Schlittschuhe ha­ben, und ich kniee mich und sehe die Mauslöcher an. Sie haben weiße Kränze von Rauhreif-Kristal­len. Da sitzt nun überall etwas Warmes drunter und atmet ... Drüben der Schiffenberg sieht vor dem Himmel so aus wie eine weiße Krone auf hell­blauer Seide.

Ich gehe ihm ein Stückchen entgegen. Am Klin­gelbach ein Rabe, der schreit au au, vor lauter Kälte; doch er verbeugt und schwingt sich hin und her und hat etwas Freude im Sinn. Aus dem Nebelwald kommt silberner Meisengesang, und ein Hagebuttenstrauch steht da mit grauen Vögelchen und roten Beeren. Ein Reh geht im Schnee. Es scharrt und findet etwas Gutes, ißt es ruhig auf und sieht sich um nach dem Walde. Ein Hase läuft immer auf mich zu, als ob ich gar nicht wäre. L

Ge geht mit mir, wenn ich zum Alten Zahnkoch muß, wo es so furchtbar weh tut Auf der Straße faßt Ge meine Hand. Er lacht ein bißchen und sagt: du drückst ja die Arme so an dich und hüpfst wie die Nähmaschine, vor lauter Angst.

Wenn es dann beinahe vorbei ist, und der Alte Zahnkoch an den Glasschrank geht, ganz gebückt mit seinen weißen Haaren, und sich niederbeugt, um mir Schokolade zu holen, dann sehe ich über mir in der silbernen Kugel schon Ge, wie er ganz klein und umgedreht unten auf und ab geht und hinaufschaut. Und der alte Zahnkoch sieht mich so freundlich an und sagt: aber von Süßem gehen die Zähne kaputt...! Dann schenkt er mir Schoko­lade, und ich mache einen Knix und wische mir die

ausschusses, Tjurky, eineneue", bisher kaum bekannte Persönlichkeit ernannt.

Obwohl Presseangriffe und Anzüglichkeiten gegen Bubnow seit Jahren zur Tagesordnung gehörten, kommt dessen Absetzung doch überraschend. Die Be­gründung weist darauf hin, daß auch diese Maß­nahme im Zusammenhang mit der großen Säube- runyslawine steht Bubnow, ein alter Berufsrevolu­tionär aus der nächsten Umgebung Le­nins, war schon seit einigen Jahren auf das Er­ziehungskommissariat abgedrängt, während er früher eine bedeutende Rolle in der Parteihierarchie und in.der Roten Armee gespielt hat. Im Bürger­krieg leitete Bubnow eine zeitlang die militärischen

Operationen an der kaukasischen und der ukraini­schen Front, später war er lange Jahre Mitglied desrevolutionären Kriegsrates" und Chef der politischen Verwaltung. Bubnow war ferner einer der letzten überlebenden Mitglieder jenes ,chistori- schen" bolschewistischen Zentralkomitees von 1917, das die Oktoberrevolution geleitet hat. Von den 24 damaligen Mitgliedern dieses Komitees sind nun am Vorabend des 20. Jahrestages der bolfckewisti- schen Revolution zehn eines natürlichen oder unnatürlich en Todes gestorben und weitere zehn von Stalin beseitigt oder erschossen worden.

Das nationale Spanien bleibt selbständig und unversehrt.

Eine Erklärung des spanischen Staatschefs.

Burgos, 12.Okt. (DNB.) Das nationale Spa­nien beging das Fest der Rasse. Die Hauptfeier sand in Burgos im Beisein des Staatschefs General Franco, des deutschen und des italienischen Bot­schafters sowie des Regierungsausschusses statt. Aus allen Gegenden des nationalen Spaniens waren etwa 30 000 in der Universitäts-Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossene Studenten herbeigeeilt. Die Straßen waren mit Tausenden von Fahnen geschmückt. Vor der Tribüne des Generals Franco standen Ehrenformationen. Der deutsche Botschafter von Stohrer wurde von der Menge mit er­hobenem Arm und minutenlangen Hochrufen auf Adolf Hitler und auf Deutschland begrüßt. Die Ka­pelle spielte das Deutschland-Lied.

General Franco, der das blaue Hemd der Falange trug, hielt eine Ansprache. AmDia de la Raza", so sagte er, können wir mit Stolz unseren Brüdern und Schwestern in Südamerika und der übrigen Welt ein Beispiel von Opfermut, von Hel­dentum, von Siegesoertrauen und Arbeitsamkeit geben, welche Tugenden die Grundlage des neuen Staates bilden.

Ich wende mich nun an die Regierun­gen in der Well und an die Länder, die den Kampf im nationalen Spanien, den Sinn unserer Freiheitsbewegung nicht kennen, und die von Gebietsabtretungen in Spa­nien sprechen. Solche Nachrichten sind falsch und haben ihren Ursprung bei den Frei­maurern und den internationalen Geheimorga-

nifationen. Die Machthaber von Valencia sind es gewesen, die den berüchtigten Vertrag von San Sebastian abschlossen, laut dem Marokko und die Balearen aus­ländischen Mächten angeboten wür­ben, um damit Spanien auseinanderzureihen und zu zerstören. Die ausländischen Regierun­gen brauchen keine Sorge zu haben: Spa­nien wird selbst dafür sorgen, dah eine Aufteilung oder Verkleinerung seines Lebensraumes nicht stattfindet. Auch wird es feine Selbständigkeit nie und nimmer aufgeben.

Mögen die Journalisten aller Welt, mögen aus­ländische Studienkommissionen zu uns kommen und unsere Jugend anschauen, so wie sie ist und Irrtümer ausmerzen. Alle Ausländer, die zu diesem Zwecke nach Spanien kommen, wer­den alle Erleichterungen erhalten, um sich ein objektives Urteil bilden zu können. Das große und starke Spanien gehört einer ritterlichen Rasse an. Die Anarchie, welche im bolschewistischen Spanien herrscht, und die Ordnung und Zufriedenheit bei uns kann auch demjenigen nicht verborgen bleiben, der, mit allen Vorurteilen behaftet, das nationale Gebiet besucht." Mit dem Hinweis darauf, daß mit dem Erwachen der fpanifc^n Juaend dem Nieder- gana Spaniens während der letzten Jahrzehnte Einhalt geboten worden fei, und daß für Spanien nunmehr eine neue geschichtliche Epoche anbreche, schloß General Franco.

Oie spanische Sprache im deutschen Schulunterricht.

Reichsminister Rust spricht auf dem Fest der presse der ibero-amerikanischen Kolonien in Berlin.

Berlin, 12. Oft. <DNB.) Am 12. Oktober feiern die Völker des amerikanischen Kontinents den Tag der Entdeckung durch Colum­bus. Darüber hinaus aber hat dieser Tag für die ibero-amerikanischen Völker seine besondere Bedeu­tung alsD i a de la Raza", als Tag der ge­meinsamen Sprache und der gemeinsamen Kultur. Das Jbero-Amerikanische Institut feiert mit den ibero-amerikanischen Kolonien zu Berlin. In dem mit den Fahnen des neuen Deutschland und 22 ibero-amerikanischen Staaten geschmückten Festsaal des Instituts hielt

Reichserziehlitigsminister Rust eine Ansprache, in der er u. a. ausführte: An der Spitze der zahlreichen deutschen Gelehrten, die mit ihren Forschungen und Wirken die ibero-amerika­nischen Länder der ganzen Welt nähergebracht haben, steht Alexander von Humboldt.

Wenn der deutsche Mensch hohe Achtung und An­sehen in den ibero-amerikanischen Staaten genießt, jo danken wir es ferner in starkem Maße dem deut­schen Bauer, Arbeiter, Handwerker und Soldaten, dem Lehrer und Kaufmann, die in den weiten Ge­bieten Jbero-Amerikas gewirkt haben oder noch tätig, sind. Die Regierung Adolf Hitlers hat den deutsch-ibero-amerikanischen Beziehungen die größte Aufmerksamkeit geschenkt und mit großer Genug­tuung immer wieder feststellen können, daß man in den Ländern spanischer und portugiesischer Sprache bemüht ist, dem nationalsozialistischen Deutschland Verständnis entgegenzubringen. Wir freuen uns über diese Anteilnahme an unserem staatlichen und völkischen Leben, und so ist es nur natürlich, daß auch Deutschland seinerseits das Leben der ibero-amerikanischen Völker mit größter Aufmerksamkeit verfolgt. Davon zeugen die reich­haltige deutsche Literatur und zahlreiche Veranstal­

tungen, die dem Studium ihrer kulturellen uni wirtschaftlichen Fragen dienen.

Ich habe den ehrenvollen Auftrag, den Dertre« tretern der ibero-amerikanischen Staaten und Völ­ker die Grüße und Wünsche des Führers und Reichskanzlers sowie der Reichsregie, r u n g zu übermitteln.

Die meiner Leitung unterstehende Pflege der wissenschaftlichen und kulturellen Beziehungen zu ihren Völkern betrachte ich als eine vor­dringliche Aufgabe, und diesem Ziele diente auch mein Erlaß vom 22. Blärz d. 3., nach welchem die deutschen Hochschulen aller Art gehalten sind, in ihrer Lehrtätigkeit den spanisch - amerikanischen und den portugiesisch - brasilianischen Kulturkreis vorzugsweise zu berück­sichtigen. Insbesondere gilt dies auch vom S t u- dium der spanisch en Sprache, die von mehr als 100 Millionen Menschen gesprochen wird und somit zu den Weltsprachen zählt. Diese letztere Tatsache hat mich bestimmt, auch bei der Neuordnung des höheren Schulwesens den spanischen Unterricht zu erweitern, und heute kann ich Ihnen die Mit­teilung machen, daß in Zukunft in Deutschland die spanische Sprache an den höheren Schulen mit der französischen und italieni­schen gleichgestellt ist und damit im ge­samten deutschen Bildungswesen die Stellung einnimmt, die ihrer Bedeutung neben den an­deren europäischen Kultursprachen entspricht. Auch das Studium des Portugiesischen soll nach Möglichkeit gefördert werden.

Im Zusammenhang damit möchte ich meiner Freude Ausdruck geben, daß auch die deutsche Sprache in den ibero-ameri- konischen Staaten mehr und mehr gepflegt wird, wofür u. a. die Errichtung eines germani­stischen Institutes an der Universität Buenos Aires ein erneuter Beweis ist. Das persönliche Kennenlernen und Verstehen bedeutet im Leben der Völker die sicherste und festeste Grundlage des fried­lichen, ideellen und materiellen Güteraustausches. So wird der Professoren - und Studen­tenaustausch mit den ibero-amerikanischen Ländern stets die besondere Förderung meines Mi­nisteriums finden. Unsere Universitäten und Hoch­schulen stehen der ibero-amerikanischen Jugend offen. Möge der heutige Festtag dazu beitragen, daß die bestehenden herzlichen und freundschaft­lichen Beziehungen, die unsere Völker miteinander verbinden, immer fester Wurzel fassen.

Nach einem Musikvortrag überbrachte der Bot­schafter von Brasilien, Dr. Monez de Aragag die Grüße Brasiliens. Der Gesandte von Columbien, Obregon A r j o na . der gleichzeitig Präsident der Bolivar-Humboldt-Stiftung ist, würdigte besonders die hervorragende Zusammenarbeit der ibero-ame­rikanischen Diplomaten mit den deutschen Amts­stellen. Dann sprach der Botschafter Spaniens, Admiral Marquez de Magaz. Mit einem Huldigungsmarsch von Grieg schloß der Festakt.

Australien wünscht deutsche Siedler.

London, 12. Okt. (DNB.) In der Londoner Guildhall wurde die Aussprache über die Bevöl- k e r u n g s p o l i t i k des britischen Em­pires fortgesetzt. Ein Abgeordneter machte den Vorschlag, die britische Regierung solle einen Sied- lerausschuß einsetzen und den siedlungsbedürf­tigen Gebieten des Weltreiches eine Riesenanleihe von 50 Millionen Pfund gewähren. Ein anderer Redner erklärte, es sei unmöglich, ja sogar un­moralisch, daß ganze Kontinente leer st ün- den, während andere übervölkert seien Ganz abgesehen aber von der moralischen Seite des Problems stelle es eine ständige Kriegs­gefahr dar. Ein Vertreter Kenyas (Brit. Ost- afrika) erklärte, daß man dringend Siedler brauche. Das gleiche erklärten der Vertreter Neusee­lands sowie der australische Vertreter, der hinzu­fügte, in Australien wünsche man Deut- jche als Siedler. Die Deutschen seien wunder­bare Farmer, genügsam und sauber.

Tränen ab und gebe dem Alten Zahnkoch die Hand. Er lächelt mir in die Augen und sagt, ich soll den Papa grüßen, und seine weißen Haare hängen wie weiche Fähnchen um sein Gesicht. Ich nicke und lache ihn schon wieder ein bißchen an und laufe hinunter zu Ge. Da wickeln wir die Tafel aus und falten ein silbernes Schiffchen. Dann essen wir sie auf.

*

Am ersten Juli ist Universitätsfest in Steins Garten. Da sitzen die Studenten an langen Ti­schen, und wenn ein Professor oder ein Mädchen oorübergeht, winken sie fröhlich. Da gibt es Topf­schlagen für die Kinder und viele lustige Spiele. Und die alten Bäume schütteln sich vor Freude.

Aber Mao und ich haben anderes im Sinn. Wir kaufen uns von dem alten Mann jeder einen Luft­ballon; und Maos muß immer grün sein und meiner brennend blau. Mit denen gehen wir in einen Seitengang vom Garten und da bleiben wir den Nachmittag. Von fern, hinter den Büschen, kommt Lachen und Tanzmusik. Das ist wie ein bunt bemalter Vorhang, der hängt so gut und bekannt um uns herum, und draußen hinter der Mauer ist die Welt.

Sie haben Namen wie die Sterne, wir schlagen sie sacht mit unseren Händen und treiben sie vor uns her. Es müßte sehr schön sein, sie fliegen zu lassen, daß sie höher als die Adler wie ein Pünkt- chen vergingen. Aber wir haben sie zu gern. Wir nehmen sie mit nach Hause, wo sie blank an die Decke steigen, und dann langsam niedersinken und Runzeln bekommen. Wenn sie so wunderlich über dem Fußboden schweben, sind sie weich wie Seide geworden...

Das große Schiff kommt...

Abenteuer im Grönlandeis.

Ein junger französischer Polarforscher, Paul Errnl Victor, der 16 Monate in Grönland, aus­schließlich in der Gesellschaft von Eskimos, zuge­bracht hat, befindet sich jetzt auf dem Heimweg nach Frankreich. Er hatte mit zwei Kameraden am 4. April 1936 Frankreich verlassen und Grönland im Hundeschlitten durchquert. Während aber seine beiden Kameraden nach einer abenteuerreichen Fahrt von 1200 Kilometer durch Schnee und Eis in den ersten Tagen des Januar 1937 in die Hei­mat zurückkehrten, blieb Victor im hohen Norden, wo ihn im Juli dieses Jahres der Dampfer Quest" wieder abholen sollte. Von Bord des Dampfers aus hat der Forscher seinen ersten Bericht

anParis-soir geschickt, in dem er die furchtbaren letzten Tage im ewigen Eise und seine unverhoffte Rettung schildert.

Seit über einem Monat", so schreibt er,war­teten meine Eskimos und ich auf die Ankunft des Quest". Als er mich in Kangerlugssuatsiak zu­rückgelassen hatte, war verabredet worden, daß er am 20. Juli kommen würde, um mich zu holen. Aber am 16. August warteten wir immer noch vergeblich. Ich begann zu fürchten, daß der Quest" Havarie erlitten haben könnte. Seit der Abreise meiner Gefährten hatte ich nur mit Es­kimos und Hunden in einer Eiswüste gelebt. Am Abend des 16. August beschlossen wir, nach Sü­den aufzubrechen. Der ganze Stamm traf in größ­ter Hast die Vorbereitungen, 26 Menschen, 22 Hunde. Als Transportmittel verfügten wir über zweiOumiaks". Das ist eine Art Kanu von acht bis zehn Meter Länge, mit einem Gerippe aus Holz gnö mit Seehundsfell überzogen. Diese Fahrzeuge sind ausgezeichnet zur Schiffahrt in diesen schwierigen Gewässern. Der ganze Stamm verftachtet sich in unsere beiden Schiffe, die zum Platzen voll werden. Menschen und Hunde durch­einander. Was für eine Fahrt! Wir müssen uns zwischen Eisblöcken hindurchwinden, die uns jeden Augenblick zu zermalmen drohen. Aus den Ou­miaks müssen wir auf die Eisschollen springen und sie mit Bootshaken auseinander treiben, um den Fahrzeugen eine Gasse zu machen. Wir schla­gen uns verzweifelt mit diesen verdammten Eis­bergen herum. Kaum hat sich die Wand ein we­nig geöffnet, da gleiten die Boote hindurch. Jedes­mal stehen wir Todesangst aus, daß die beiden Mauern sich wieder schließen und die schwachen Kanus zerdrücken. Zehnmal falle ich bei dem Ma­növer ins Wasser. Ich triefe, aber ich habe keine Zeit mich abzutrocknen.

In der ganzen Nacht haben wir nur ein paar Seemeilen zurückgelegt. Am Morgen erweist es sich als unmöglich, die Reise fortzusetzen. Das Eis ist zu kompakt. Wir sind blockiert. Zwei Uhr nach­mittags tut sich endlich eine Spalte auf. Wir gleiten in diese Bresche und, um vorwärts zu kom­men, fahren wir am Ufer entlang. Die Küste ist böse von spitzen Felsen zerrissen, auf die die Wel­len uns werfen. Ein Glück, daß die Eskimos so tüchtige Seeleute sind! Aber nach fünfstündigen An­strengungen sitzen wir wieder fest. Unmöglich, sich vorwärts oder rückwärts zu bewegen. Die Eis­blöcke verbinden sich und werden uns zermalmen. Wir müssen die Oumiaks an Land ziehen. Da ent­schließt sich einer der Eskimos, Milkloi, der ge­schickteste Mann des Stammes, auf Kundschaft zu gehen. Er erklimmt einen hohen Felsen und als­

bald bricht er dort oben in die tollsten Freuden­bezeugungen aus.Das große Schiff! Das große Schiff!" heult er. Im nächsten Augenblick sind wir bei ihm auf seinem Ausguck und wir sehen oh Freude! den Großmast desQuest". Gerettet.

Wir heulen wie die Verrückten. Wir springen und tanzen. Wahre Wilde! Ich feuere ein paar Schüsse ab. Bald darauf erhebt sich über den Eis­bergen ein kleines weißes Rauchwölkchen und der Ton , einer Sirene dringt zu uns. Mit welchem Entzücken hören wir, schlürfen wir diesen Sire­nengesang. Ich blicke meine Gefährten an. Sir stehen mit offenem Munde, runden Augen, die vor Hoffnung und Freude leuchten. Und wieder ertönt die Sirene. DerQuest" hat unsere Schüsse gehört. Wir binden zwei Ruderstangen aneinander und befestigen daran die französische Fahne und eine Fackel und hissen diese Standarte. Wir schwen­ken sie wild. Neues Sirenenzeichen. Und plötzlich erscheint an der Mastspitze die französische Fahne. Tiefe Bewegung bemächtigt sich unser, wir beben, es verschlägt uns die Rede, unsere Knie wanken. Drei Stunden später legt derQuest" an. Das Eis ist gewichen, und er hat sich einen Weg bahnen können. Wir klettern an Bord. Wir umarmen die Matrosen. Der Graf Micard, der Herr des Schif­fes, begrüßt uns mit überströmender Wärme.

So ist es also zu Ende. Ich habe das Gefühl, etwas stirbt in mir. Eine tolle Versuchung wan­delt mich an, dieses schöne Schiff, das mich nach Frankreich heimbringen wird, zu verlassen, meine treuen Eskimos zurückzurufen und ihnen wieder in die Einsamkeit zu folgen. Aber schon laufen die Maschinen, die Oumiaks sind verschwunden, der Quest" entfernt sich. Das schöne Abenteuer ist zu Ende. Und nun erfahre ich, der ich seit über einem Jahr außerhalb der Welt lebte, mit einem Schlage alles, was sich seitdem auf dem Erdball zugetragen hat: Krieg in Spanien, Krieg zwischen China und Japan. Was für Tragödien! Und Trauerbotschaften: der Tod treuer Freunde, der Tod Charcots, des geliebten und verehrten Mei­sters. Welch schreckliche Rückkehr in die Welt. In einer einzigen Stunde habe ich das Unglück eines ganzen Jahres erfahren. Und mir scheint, daß ich Monate und Jahre brauchen werde, um mich da­von zu erholen ..." C. K.

Hochschulnachrichten.

Professor Dr. Dr. Hans K o ch an der Universa tät Königsberg wurde auf den seit längerer Zeit verwaisten ordentlichen Lehrstuhl für osteuro­päische Geschichte an der Universität Breslau be­rufen.