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Nr. 239 Erstes Blatt

187. Jahrgang

Mittwoch, 13. Moder 1937

Lrlcheml täglich, außer Sonntags und Feiertags vetlaaen: Die Illustrierte Eietzener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle

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Sietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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auf der Insel Handel treiben. Im 18. Jahr-

uiit

Das tausendjährige Island heute.

Don unserem 6 S.-Serichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.

Reykjavik, September 1937.

Als im Jähre 1930 die germanische Kulturwelt Ins tausendjährige Bestehen des isländischen Älthipg", des alte ft en Parlamentes der Welt, feierte, wurde die nordische Feuerinsel Lwas mehr in der europäischen Presse erwähnt als iswöhnlich. Seitdem ist Island wieder eine terra mcognita für den Durchschnittseuropäer. Man hat !fch an die romantische Vorstellung gewöhnt, daß ie Insel der Edda, der germanischen Sagen- und tötterwelt, von Fischern und Bauern bewohnt sei, d-e in althergebrachter Weise ihrem Gewerbe nach- gchen, und nur als im Juni 1937 die isländi­schen Thingwahlen oorgenommen wurden, röstete man etwas mehr auf diese Insel, da das Wahlergebnis zeigte, daß die modernen und nur r Deutschland überwundenen Gegensätze auch auf Lr Insel der rund 115 000 Einwohner lebendig fnd. Von den Parteien ist die größte die k o n - s rvatioe Selbständigkeitspartei, die r: nd 24 000 Stimmen auf sich vereinigte, aber in- sllge der Verteilung der Zusatzmandate weniger T andate erhielt als die rund 14 500 Stimmen zäh- Inöe Fortschrittspartei. Die Bauern- rnrtei erhielt 3500, die Kommuni st en 5000, fr? Sozialdemokraten 11 000 Stimmen. 3 ese 16 000 der roten Internationale zugefallenen Kimmen zeigen, daß Island in den Hafenstädten - das Innere ist fast unbesiedelt alle Span- it ngen und Gegensätze aufweist, die die moder- nm Großstaaten zerreißen, soweit sie politischen und wirtschaftlich noch im Banne der liberalistischen ÄLltauffassung stehen.

Die Bewohner der Hafenstädte sind unter dem Einfluß der modernen Technik des Fischfanges f a st ^Amerikanern geworden, d. h. die Lebens- aijffassung des Amerikanertums hat sich mehr und mhr der Isländer bemächtigt. Die reichen Fisch- I giünde Islands haben in den meist unschönen und kliiinen Hafenstädten eine Industrie veranlaßt, die F.chöle und Fischmehl erzeugt und eine Arbeiter- csnft besitzt, die, durch Klassenkampfhetzer aufge- vi'gelt, finster und haßerfüllt alles ablehnt, was icti anderen Volksteil heilig ist: Ueberlieferung, Hbpen- und Rassestolz, Betonung des Germanischen TD Heldenhaften. An und für sich ist das Arbeiten in den engen, vom Fischgeruch überwallten Fabri- e> nicht erfreulich. Die Arbeit wird als Fluch emp- ii'.ben, und der Verkehr mit den Seeleuten aller tntio^ien hat diesen Teil des Jsländertums moder- I ie« Irrlehren zugänglich gemacht, die ihre zer- efsnde Wirkung deutlich zeigen. Die Arbeiter un- rr cheiden sich fast gar nicht von den englischen, die «r eitenden Frauen und Mädchen ahmen in Tracht ur» Haltung die Amerikanerinnen nach und sind gänzlich Zivilisationsprodukte geworden, die in eiiem bunten Fähnchen, im Bemalen der Gesichter uiui im Kinobesuch das Lebensideal erblicken und fid vollständig vorn Kulturboden Altislands los- geSst haben. Dieser Volksteil entspricht so gar nicht Den Bilde, das sich die Fremden von der isländi­sche Bevölkerung machen, und nur das Blond der Haire und das Blau der Augen zeugen von ihrem 'Ermanentum, das sie sonst der internationalen !f-ase opfern.

trotzdem ist der Isländer, sieht man von jenen r.üschen Elementen ab, durchweg ein Mensch, der io;- äußerer Armut sehr gebildet und auf sein .'lmanentum und auf seine Sippe stolz ist. Man iwet in den kleinen, einsamen Siedlungen sehr ochig nicht nur Grammophon und Rundfunk, son- bo auch Goethe und andere Heroen der Geistes- «is«enschaften und der Literatur, und da das Wege­netz auf der Insel hervorragend ausgebaut worden ist lebt der Bauer zwischen Gletschern, rauschenden Oa serfällen, rauchenden heißen Quellen und klaren Seen wie ein alter germanischer Heerkönig, der leinen Hof bestellt und trotzdem Verbindung mit tilei hat, was die germanische Kultur hervor- brachte. Hier findet man auch das tiefste Verständ- iib für das Deutschland Adolf Hitlers, und die 8el e, mit der das Deutschtum als artverwandt be- irecetet wird, kommt oft in rührenden Zügen zum 1 Abdruck.

D ese selbstverständlichen und stolzen Naturen ha- auch politisch immer einen Freiheitssinn be- der schließlich Island eine gewisse Unabhän- it eingtragen hat. Als im Jahre 871 die Wi- r mit der Besiedlung des menschenleeren Lan- begannen, machte sich bald die Notwendigkeit, iZisttz und Ordnung aufrechtzuerhalten, bemerkbar, Hflb im sechzigsten Jahre derLandnahme" schuf Leiisländische Solon" Uljljotr ein Landrecht rnb'das Althing, das in Thingvellir, einer Lava- bm?, die noch heute den Isländern heilig ist, all- Wch abgehalten wurde. Hier wurde das Althing zae nem Fest, das neben der politischen und wirt- haföichen Wegfindung auch das Ideal der Körper- leos den freien Männern nahe brachte, etwa wie jitzt in Deutschland geschieht. Ring- und Ball- bieit usw. wurden geübt und mancher Zweikampf >asg?fochten, da Zweikämpfe ein wichtiges Mittel iler Rechtsfindung waren. Die norwegischen- g? brachen diese Verfassung im Jahre 1264, aber ihrer Entmündigungsversuche handelten die ?i5lir der eifrig mit der Hanse, und zwar brachten die Deutschen Kaufleute den Isländern Weizen, Nv;csn usw. und tauschten dafür Fische, Eiderdau- iir et unb Schwefel. Als die Dänen das Erbe der egerkönige antraten, kamen böse Zeiten. Im 2 ifci 1602 wurde der Handel ein dänisches Mo- rop. Nur der Däne, aber nicht der Isländer

Welche Umstände fiihrien zurHmdenburg"ckalastrophe?

Professor Dieckmann von der Lilienihal-Gefettschast berichtet über die Forschungsergebnisse im Untersuchungsausschuß.

München, 12. Okt. (DNB.) In der Haupt­versammlung der Lilienthal-Gesell­schaft für Luftfahrtforschung in München erstat­tete Professor Dr.-Jng. Max Dieckmann (Mün­chen) einen Bericht über die elektrischen Unter­suchungen aus Anlaß derHindere- b u r g" - K a t a st r o p h e. Er führte u. a. aus:

Der von dem Reichsmlnister der Luftfahrt er­nannte deutsche Untersuchungsausschuß zur Klärung derHindenburg"-Katastrophe weilte vom 14. bis 28. Mai in Lakehurst und bearbeitete anschließend in der Heimat eine Reihe von Fragen weiter, wo­bei es gelang, experimentell unter Zugrunde­legung der bei der Landung vorliegenden Verhält­nisse dieHindenburg"-Katastrophe als Folge des Zusammentreffens ungünstiger na­türlicher Umstände zu reproduzieren. Die Landung des Luftschiffes in Latehurst wurde wegen mäßig-starker örtlicher Gewitterzone ver­schoben, dann aber auf Anraten des Stations­leiters in Lakehurst doch vorgenommen. Beide Haltetaue waren bereits gefallen, und bis etwa 15 Sekunden vor dem 18.25 Uhr offenkundigen Unglück wurde von keinem Zeugen irgendwie etwas Auffälliges wahrgenommen. Mit Eintritt etwa der letzten 15 Sekunden bemerkten einige Zeugen in der Gegend des Schiffes, wo die Vertikalflosse in den Schiffsrücken einmündet, eine rötlich feu­rige Erscheinung, die aber durchaus keinen gefährlichen Eindruck machte. Dieser Erscheinung folgte nach Abl'auf der geschätzten Sekundenzahl ein heftiger, offener Flammenaus­bruch großen Ausmaßes, gleichzeitig ging ein starker Stoß durch das ganze Schiff. Das Feuer breitete sich nun von dem Entstehungsort außer­ordentlich schnell aus, wobei das von den Flam­men eingehüllte Heck zuerst zur Erde ging. Wäh­rend der Katastrophe fiel leichter Regen.

lieber eines herrschte namentlich nach den Aus­sagen von Dr. Eckener im Untersuchungsausschuß wohl Einigkeit, daß nämlich in den allerletzten Mi­nuten der Fahrt im hinteren Teil des Schiffes Wasserstoff aus einer Zelle ausgetreten ist. In die­sem Zusammenhang ist folgendes wesentlich: Wenn Traggas aus den Ueberdruckventilen oder beim Navigieren aus den Manövrierventilen austritt, so sorgt normalerweise eine überaus reichlich bemes­sene, mit dem Fahrwind und der Kaminwirkung arbeitende Belüftungsanlage dafür, daß das Was- strstoff-Luftgemisch in allerkürzester Zeit auf vor­geschriebenem Wege aus dem Luftschiff entfernt wird. In den kritischen Minuten lag das Schiff aber still, die Entgasung blieb im wesentlichen auf die Kaminwirkung beschränkt, und es darf deshalb mit der zeitweiligen Anwesenheit von Wasserstoff-Luft­gemisch höherer Konzentration über einer Gas­austrittsstelle unter dem Außenhüllenstoff im First des Schiffes gerechnet werden. Damit war die für die Möglichkeit einer Zündung notwen­dige Hauptbedingung gegeben; denn nur, wenn gleichzeitig zündfähiges Gemisch und eine Zün-

dungsursache wie Feuer, Sprühentladung, Funken oorltegen, kann es zu einer Katastrophe kommen.

Nun haben die inzwischen abgeschlossenen Be­obachtungen und Versuche ergeben, daß man auch die zweite Hauptbedingung, die Möglichkeit des Auftretens zündfähiger Funken auf Grund lustelektrischer Erscheinungen und der Baustoffe des Schiffes in Lakehurst als vorhanden annehmen darf. So kann man zur Landezeit in Lakehurst das Zusammentreffen folgender Einzel- u m st ä n d e als gegeben annehmen:

1. Es war wahrscheinlich zündfähiges Gemisch unter dem First des hinteren Tei­les des Luftschiffes, begünstigt dadurch, daß wegen des Stittiegens des Schiffes Fahrtwind­ventilation fehlte oder herabgesetzt war. 2. Es regnete, und gerade dieser Teil des hinter-

Jrn Kongreßsaal des Deutschen Museums wurde die Hauptversammlung der Lilien- t h a l - G e s e l l s ch a ft für Luftfahrtforschung er­öffnet. Präsident Kommerzienrat Professor Karl Bosch leitete die Hauptversammlung mit dem Hin­weis auf die Bedeutung der Gesellschaft ein und dankte allen Förderern. Im Namen des Reichsmi­nisters der Luftfahrt, Generaloberst Göring, des Schirmherrn der Gesellschaft, begrüßte Staatssekre­tär General der Flieger Milch die Erschienenen und gedachte des Führers. Der Geschäftsfüh­rende Präsident, Ministerialrat B ä u m k e r , hieß den Stellvertreter des Führers willkommen, ging dann auf die Aufgaben der Gesellschaft ein und machte Mitteilung von einem von der Ge­sellschaft veranstalteten Preisausschreiben für Ar­beiten über Flugzeugbau, Flugmotoren, Flugfunk- wesen und Luftwaffenwesen. Er dankte dem Reichs­minister Rust für die Stiftung. Für die Zukunft habe sich die Gesellschaft eine neue Aufgabe gestellt, die Aufrechterhaltung persönlicher Verbindungen zu den Angehörigen der Opfer der im Kampf um den Fortschritt der Luftfahrttechnik verunglückten Flug- zeugbesatzungen. Die Versammlung erhob sich, als die Namen derer verlesen wurden, die seit der Gründung der Gesellschaft im Dienste der Luft­fahrtforschung gefallen sind. Der Geschäftsführende Präsident gedachte ehrend des Führers der deut­schen Luftwaffe im Weltkriege, des erblindeten Ge­neralleutnants Thomsen, Ehrenmitgliedes der Lilienthal-Gesellschaft. Ministerialrat B ä u m k e r schloß mit dem Hinweis darauf, daß nur der Glaube an die Zukunft die großen Fortschritte der Menschheit zu schaffen vermöge. Otto Lilien- thal habe das Beispiel gegeben. Generalmajor übet nahm die Verleihung der Lilienthal- Gedenkmünze an folgende Persönlichkeiten vor:

schiffes kann als der feuchteste Teil betrachtet werden. 2Han kann also mit äußerlich feuchten Stellen rechnen. 3. Es war eine h o ch t a n - düng ausgeführt worden, d. h. das Potential- gefalle über dem Schiff und damit das Durch- griff-Feld war größer, als wenn es eine Tief- landung gewesen wäre. 4. Zur Zeit der Lan­dung fand ein Nachgewitter statt; während dieser Zeit erfährt das Potentialgefälle erfah­rungsgemäß sehr rasche und sehr große Aende- rungen. 5. 3tn Regen wurden die halteseile immer nässer und leitender. Würde ein ein­ziger dieser fünf Punkte in Lakehurst gefehlt haben, so würde eine Zündung nicht haben ein­treten können.

Prof. Dr.-Jng. Otto Mader (Dessau), Dr.-Jng. Archur B e r g er (Stuttgart), Dipl.-Ingenieur Fritz N a l l i n g e r (Stuttgart), Prof. Dipl.-Ingenieur Willy Messerschmidt (Augsburg).

Dr. phil. C. Krauch, Chef der AbteilungFor­schung und Entwicklung" im Amt für deutsche Roh- und Werkstoffe in Berlin, gab ein Bild der Arbeit, die von der Forschung zur Verwirklichung des Vier­jahresplanes geleistet worden ist. Im Anschluß an den Vortrag von Prof. Dr. Dieckmann über die Untersuchung derHindenburg"-Katastrophe wies Ministerialdirigent Muehlig-Hofmann dar­auf hin, daß der Verlust desHindenburg" als eine Fügung höherer Gewalt betrachtet werden müsse und daß alle Stellen, die zu einer Abwehr von An­schlägen in Betracht gekommen seien, ihr Menschen-- möglichstes getan hätten. Weiter sprach der Leiter des Aerodynamischen Instituts in Cambridge (USA.) Prof. Dr. I. C. Hunsaker überDie Entwicklung des Ueberseeluftverkehrs".

Im Verlaufe der Hauptversammlung empfing der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Rudolf Heß die ausländischen Teilnehmer, begrüßte sie und unterhielt sich besonders angeregt mit Dberjt Lindberg h. Anschließend beglückwünschte Ru­dolf Heß die mit der Lilienthal-Geöenk- münze Ausgezeichneten.

Flieger-Stabsingenieur Friedrich Hucke (Berlin) sprach überDie Entwicklung des Blindfluges und feine Bedeutung für die Luftfahrt". Die (Einfüh­rung der systematischen Schulung für den Blind­flug sei entscheidend für die Weiterentwicklung des deutschen Luftverkehrs. Der Direktor der deutschen Lufthansa, Freiherr von Gablenz, der vor kur­zem von seinem Pamirflug wieder glücklich heimge­kehrt ist, gab wertvolle Anregungen aus seinen reichen Erfahrungen im Blindflug.

3m Dienste des menschlichen Forischntts.

HauptversammlungderLilienthal-GesellschastfürLustfahrtforschunginMünchen.

hundert wurde die Insel von Erdbeben und vul­kanischen Ausbrüchen schwer heimgesucht, die Ein­wohnerzahl sank um ein Fünftel. Jrn Jahre 1800 wurde das Althing aufgehoben und damit war die altisländische Freiheit gänzlich vernichtet.

Aber zähe kämpfte das Volk um die Wieder­gewinnung feiner Freiheit. Jrn Jahre 1854 fielen die letzten Schranken des Handelsmonopols, im Jahre 1871 erhielt das Land eine Verfassung, 1903 eigene Minister, 1911 eine eigene Universität und 1918 wurde ein Abkommen mit Dänemark getrof­fen, wonach bis 1943 der dänische König nur einen Teil der auswärtigen Vertretung und der Staats­führung hat. Im übrigen ist das Land selbständig, und es ist ftaglich, ob 1943 die Neurgelung wenig­stens die bisherige Art beibehält, da viele Isländer für eine völlige Selbständigkeit eintreten.

Bedenklich für alle einsichtigen Isländer ist aber die zunehmende Amerikanisierung des Landes. Die Parlamentarisierung reißt Abgründe auf, die sich kaum überbrücken lassen, und vor allem ist, genau wie in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, eine zunehmende Derstädte- r u n g mit allen ihren Folgen innerhakb von zwei Jahrzehnten eingetreten. Die Hauptstadt Reyk­javik umfaßt rund ein Drittel aller Ein­wohner: die Altstadt mit ihren schlichten Häuschen und dem Thinggebäude ist längst überholt durch die Betonbauten der Neustadt, und in der Umge­bung wachsen die Landhäuser, ebenfalls aus Beton, -aus dem Boden und verschandeln die großzügige Gegend. Ein großstädtischer Bar- und Rummel­betrieb würdigt die alten Volkstrachten zu berufs­mäßigen Schaustellungen herab, und der Auslän­der, der altisländische Eigenwüchsigkeit sucht, ist ent­täuscht und angeekelt von Verfallserscheinungen, die sich ganz offenkundig zeigen. Noch vor wenigen Jahrzehnten war Island eine Insel des Bauern­tums. Fast 95 v. H. der Bevölkerung war land­wirtschaftlich tätig. Heute sind es nur 40 v. H., und mit dem Bauerntum schwindet die Ueberlieferung. Die Kriminalität ist gestiegen und die Geburtenein­schränkung hat einen derartigen Umfang angenom­men, daß sich gewichtige Stimmen gegen die Ge­fahr eines Aussterbens der Nachkommen der alten Wikinger erhoben haben.

Nur noch 469000 Arbeitslose.

Bereits starker Rückgriff auf die beschränkt Einsatzfähigen.

Berlin, 12. Okt. (DNB.) Die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung teilt mit: Die Zahl der Arbeitslosen ist im September um 40 000 zurückgegangen, sie beträgt jetzt nur noch 469 000. Die Zahl der Beschäftigten hat allerdings keine entspre­chende Erhöhung mehr erfahren, sondern ist u m rund 30000 zurückgegangen. Hierbei handelt es sich um eine alljährlich wiederkehrende Erscheinung: die Gesamtzahl der Arbeiter und An­gestellten geht durch Tod und Invalidisie­rung monatlich um rund 50 000 zurück. In den Frühjahrs- und Sommermonaten wird diese Tat­sache durch den Eintritt des neuen Jahrganges Schulentlassener überdeckt; vom Herbst ab tritt sie dagegen voll in die Erscheinung. Dazu kommt im Herbst das Ausscheiden insbesondere solcher weib­licher Arbeiter und Angestellter, die nur in den Sommermonaten in Saisongewerben tätig sind, dann aber wieder in die Familie zurückkehren. Einen gewissen Einfluß mag auch schon der Wech­sel der Jahrgänge in der Wehrmacht gehabt haben. Bei dem Rückgang der Arbeitslosig­keit um rund 40 000 ist die ft'a r k e Beteili­gung der nur örtlich Einsatzfähigen und der N i ch t v o l l e i n f a tz f ä h i g e n bemer­kenswert. Sie waren in diesem Monat am Rück­gang fast ebenso stark beteiligt wie die Volleinsatz­fähigen und zugleich Ausgleichsfähigen. Der zusätz­liche Bedarf beruhte zum großen Teil auf fürs® friftigem Einsatz für Saisonarbeiten (Hackfruchternte), für die in erster Linie örtlich ansässige Arbeiter herangezogen werden. Die Volleinsatzfähigen und zugleich Ausgleichsfähi­gen werden auch weiterhin nur langsam abnehmen, da sie fast ausschließlich nicht aufnahmefähigen Be­rufen angehören. Von den 469 000 Arbeitslosen sind 157000 nicht mehr volleinsatzfähig, und zwar 61 000 Facharbeiter, 17 000 Angestellte und 79 000 Ungelernte. Das sind rund ein Viertel

aller Facharbeiter, ein Sechstel aller Angestellten und über die Hälfte aller Ungelernten. Von den restlichen 312 000 Volleinsatzfähigen find nur 7 0000 auch außerhalb ihres Wohn­ortes einsatzfähig. Insgesamt beträgt die Belastung im Reich jetzt 7,1 Arbeitslose auf 1000 Einwohner. Die Gesamtzahl der Unterstützten der Reichsanstalt ging auf 244 000 zurück. Die Zahl der Notstandsardeiter beträgt nur noch 52 000, die über­wiegend in den Grenzgebieten angesetzt sind.

Ausländsdeutsche und Volksdeutsche.

Gegen irreführende Verdächtigungen in Frankreich.

Berlin, 12. Okt. (DNB.) In Paris hat eine Tagung der Auslands franzosen statt­gefunden, an der neben dem Präsidenten Lebrun eine Reihe von Ministern und andexen Persönlich­keiten des öffentlichen Lebens teilgenommen haben. In einer Sitzung, die von dem Unterftaatsfefretär im Kolonialministerium geleitet wurde, wurde eine Entschließung angenommen, in der Einspruch g e gen eine etwaige Rückgabe d e r po­litischen Oberhoheit über irgend eines der französischen U e b e r f e e g e b i e t e , die einen unveräußerlichen Teil Frankreichs bildeten, erhoben wurde. Zur Verhinderung einer Beschnei- öung des französischen Kolonialreiches werde nöti­genfalls alles getan werden.

So irreführend der sachliche Inhalt dieser Ent­schließung, soweit Mandatsgebiete betroffen werden, auch ist, so würden wir doch großzügig darüber hinweggehen können, wenn nicht am gleichen Tage der Präsident dieses Verbandes, Senator Verenger, zugleich Vorsitzender des