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Aus -er Gta-1 Gießen.

Kartoffelfeuer...

Es ist etwas Heimeliges um die Dämmerstunde des Septembertages. Kaum dringen die ersten Abendschatten in das langsam schwindende Tages­licht, so erfüllt sich die Luft mit jenem blaugrauen Schein, der alle Konturen verschwimmen macht. Etwas unendlich Weiches und Zartes scheint dann die Landschaft einzuhüllen, das die Schritte in den Gassen dämpft und selbst den Verkehrslärm um einige Grade ruhiger werden läßt. Die farbigen Lichter an den Fassaden der Geschäftshäuser ver­leihen im Verein mit den hell erleuchteten Läden den Straßen im Innern der Stadt ein eigentümlich reizvolles Aussehen, so daß ein Bummel um diese Stunde einem kleinen romantischen' Abenteuer gleicht.

Aber während hier allmählich das von gewaltiger elektrischer Energie gespeiste Licht die Oberhand gewinnt, flammen in den Gärten und vor den Toren die roten Signale der Kartoffelfeuer auf. Der beizende Rauch des brennenden Krautes zieht in langen Schwaden zum Horizont und sättigt die Luft mit dem herben Geruch der Reife. Sie geben dem scheidenden Tage ein besonders stimmungs­volles Gepräge, diese Kartoffelfeuer, und durch nichts wird dem Stadtbewohner so sehr die Tat­sache nahegebracht, daß die Ernte von den Feldern heimgebracht ist und daß die schöne Jahreszeit zur Neige geht.

Wo indessen auch die Kartoffelfeuer brennen, ob in den kleinen Hausgärten, in der Schrebergarten­kolonie oder weiter draußen am Rande der Stadt: überall sind eifrige Bubenhände dabei, das Feuer zu schüren. Sie sammeln mit froher Emsigkeit alles nur irgendwie erreichbare Kraut und Reisig und türmen es auf den Brandherd. Es geht ein geheim­nisvoller Zauber von einem solchen Feuer in der Abendstunde aus, dem sich kein richtiger Junge ent­ziehen kann. Deshalb sind die kleinen braunen Fäuste, die das Feuer schüren, auch keinen Augen­blick untätig. Und zu der flinken Behendigkeit der Arme und Beine gesellt sich die des Mundwerks. Denn der Meinungsaustausch ist eine ebenso wich­tige Sache: er gilt den schmorenden Früchten im Feuer.

Es ist ein großartiger und beglückender Augen­blick, wenn aus der Feuerasche die verkrusteten, heißen Kartoffeln gesucht und dann verspeist wer­den. Etwas von dem naturnahen Leben unserer Urväter steckt noch in diesem Vorgang und macht ihn besonders reizvoll. Und wer möchte etwa mit nörgelnder Erwachsenenmiene dabeistehen und das Idyll ftöjen, das zu dieser Jahreszeit gehört wie der Nebel über den Wiesen und das Geschrei der Zugvögel in den Nächten. Kartoffelfeuer sind die Fanale des früchteschweren Herbstes, und wo sie brennen, da offenbart sich die Romantik dieser To''.', die an Leuchtkraft ihresgleichen sucht.

H. W. Sch.

Dornotizen.

Tageskalender für Montag.

Gloria-Palast, Seltersweg:Mädchen-Pensionat". « Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Gauner im Frack". Herbstmarkt (Messe).

NS.-GemeinschaftKraft durch Freude".

KdF.-Mieke" für das Sladttheater.

Sämtliche KdF.-Betriebswarte von Gießen, Heu­chelheim, Klein-Linden, Wieseck und Leihgestern wer­den gebeten, spätestens bis Dienstag, den 14. b. 2TL, die neuen Richtlinien für die ,KdF.-Mieten" auf unserer Dienststelle abzuholen. 5932V

.Für Interessenten, die nicht einem Betrieb ange­hören, werden die neuen Richtlinien für dieKdF.- Mieten" außer in der Kreisdienststelle, Schanzen­straße 18, auch bei Musikhaus Challier, Schokoladen­haus Huntemann, Oberhessische Tageszeitung, Gie­ßener Anzeiger und Verkehrsbüro abgegeben.

Winzerfest 1937 in Gießen.

2lm 25. und 26. September 1937 führen wir vor­stehende Veranstaltung in der Gießener Volkshalle durch. Diejenigen Wirte, die Mitglieder der Deut­schen Arbeitsfront sind und Interesse haben, ein Wein- oder Kaffee-Büfett zu übernehmen, können auf der Kreisdienststelle vorbeikommen, um die

näheren Bedingungen zu erfahren. Meldeschluß 13. 9. 37. 5941V

Sonderzuge zum Erntedankfest auf dem Bückeberg.

Zu dem Staatsakt auf dem Bückeberg fahren wir in Verbindung mit der Landesbauernscyaft folgende Züge:

I .Zug: Abfahrt am 2.10. abends in Frankfurt am Main, Ankunft Grohnde (am Bückeberg) am 3.10. vormittags. Abfahrt ab Grohnde am 3.10. abends, Rückkunft am 4.10. früh. Die Teilnehmer haben die Möglichkeit, in Gießen zuzusteigen. Teilnehmerpreis ohne Verpflegung 7, R7N.

2 . Zug: Abfahrt am 1.10., abends, in Frankfurt am Main., Rückkunft am 5.10. in Frankfurt a. M. abends. Teilnehmerpreis einschließlich Verpflegung und Unterkunft 21,50 RW.

Anmeldungen nimmt die Kreisdienststelle Gießen entgegen.

Wieder Messe auf Oswaldsgarten.

Die Schausteller haben wieder auf Oswaldsgarten Einzug gehalten. In kurzer Zeit hatten sie ihre Buden und ihreGeschäfte" aufgebaut, und am Samstag begannen die Orgeln und die Lautsprecher wieder mit ihrer heftigen Klangfülle den Platz zu beherrschen. Es gibt wieder allerlei zu sehen und zu hören. Haases Achterbahn nimmt wieder einen großen Teil des Platzes für sich in Anspruch, und in runden Gondeln gleitet die Jugend mit größtem Vergnügen über die kurvenreiche Bahn. Neben der Achterbahn gibt es, ebenfalls von Haase, etwas Neues zu sehen, und zwar das Karussell mit der Mondrakete. Selbstverständlich zeichnet sich diese Bahn durch große Schnelligkeit aus und kommt allem Sensationsbedürfnis entgegen. Noch vieles andere wird auf der gegenwärtigen Messe die Auf­merksamkeit der Besucher auf sich ziehen. Ein russi­sches Rad lockt, vor Glücksbuden rufen die Laut­sprecher zum Kauf der Lose auf, für Süßigkeiten ist wieder ausreichend gesorgt, und für die Kinder gibt es an den fliegenden Ständen mancherlei hüb­schen Kleinkram. Angehende Kraftfahrer können auf der elektrischen Autobahn ihre Fähigkeiten entdecken, und in vielen Schaubuden offenbaren sich den erwar­tungsvollen Besuchern alle möglichen und unmög­lichen Wunder der Welt. Für die Kinder ist wieder

das Karussell mit den winzigen Motorrädern und Autos da, in denen sich "die Kleinsten schonso groß" vorkommen. Die Messe hatte bereits am Samstag guten Besuch aufzuweisen, und am gestrigen Sonn­tag in den Abendstunden herrschte auf Oswalds­garten ein beängstigendes Gedränge.

** Verschönerung der Straßenfront imSeltersweg. In etwa sechswöchiger Bauzeit hat die Straßenfront unseres Hauptgeschäftsviertels an der Ecke Seltersweg/Plockstraße eine bedeutende Verschönerung erfahren. Das SchuhhausWald- s ch m i d t, das seit 1926 den Eckladen an jener Stelle besitzt, hat durch die bauliche Erweiterung seines Ladenraumes und durch moderne Gestaltung der Eckfronten der Schaufenster dem Gesicht dieses Straßenteils eine wesentlich bessere Note als bisher gegeben. Der Entwurf des Um- und Erweiterungs­baues wurde von dem Architekten mit glücklicher Hand in die Tat umgesetzt und die fast ausschließ­lich von Gießener Handwerksmeistern geleisteten Ar­beiten in vortrefflicher Weise durchgeführt. Dadurch hat die Ladenfront der Firma, aber auch der große Verkaufsraum ein durchaus modernes Gepräge er­halten, das man getrost mit großstädtischem Maßstab messen kann. Der jetzige Um- und Erweiterungsbau stellt in der Geschichte des Schuhhauses Waldschmidt einen bedeutsamen Markstein dar, denn innerhalb verhältnismäßig kurzer Zeit war es dem Senior der Firma vergönnt, sein Unternehmen aus kleinsten Anfängen zu der heutigen geachteten Höhe empor­zuführen. Noch im Jahre 1904 bestand das Unter­nehmen aus einer kleinen Schuhmacherei. Im Jahre 1907 wurde es durch den Einbau eines Ladens im Hause Friedrichstraße 3 zum Verkauf von fertigen Schuhwaren erweitert. Im Jahre 1920 machte das Anwachsen des Geschäftsbetriebes die Verlegung in ein größeres Ladengeschäft im Hause Friedrich­straße 14 notwendig. Aber bereits im Jahre 1926 genügten auch diese Räume den Anforderungen nicht mehr, so daß das Geschäft nach der Ecke Selters­weg/Plockstraße verlegt werden mußte, die nunmehr durch den modernen Erweiterungsbau an Stelle des bisherigen, räumlich immer enger gewordenen La­dens ein wesentlich schöneres Geschäftslokal enthält und in der jetzigen Gestaltung in den Schaufenstern umfassende Schaumöglichkeiten, im Verkaufsraum viel Platz für den Publikumsverkehr bietet.

Aus der engeren Heimat.

Generalversammlung des Geschichts- und Altertumsvereins Alsfeld.

<£ Alsfeld, 9. Sept. Im Sitzungssaals des Rathauses hielt der Geschichts- und Alter­tums verein der Stadt Alsfeld nach mehrjähriger Pause wieder eine Mitgliederver­sammlung ab im Hinblick darauf, daß der Verein in diesem Jahre auf ein 40jähriges Beste­hen zurückblicken kann. Oberstudiendirektor Dr. Hainer, der zur Zeit die Geschäfte des Vereins führt, gedachte in seinem Bericht über die Entwick­lung und Tätigkeit des Vereins in den abgelaufenen 40 Jahren zunächst der großen Verdienste des im vergangenen Jahre verstorbenen langjährigen Vor­sitzenden des Vereins, Kommerzienrat R a m f p e ck, der nahezu 40 Jahr den Verein geleitet hatte. Aus dem Bericht von Dr. Hainer war zu entnehmen, daß der am 9. September 1897 gegründete Verein wertvolle Arbeit in der Erforschung der Heimat- aeschichte der Stadt Alsfeld und des Kreises Als­feld und in der Sammlung wertvoller heimatge­schichtlicher Gegenstände geleistet hat. Von besonde­rer Bedeutung ist das von dem Verein geschaffene Heimatmuseum, das sich heute über den Rahmen der gewöhnlichen Heimatmuseen der kleineren Städte heraushebt und eine wertvolle Sammlung von über 3000 Einzelgegenständen aufweist, die in den sämt­lichen Räumen des Hochzeitshauses eine würdige Stätte gefunden haben. Daneben wurde eine Muse­umsbücherei mit etwa 3000 Einzelnummern in den letzten Jahren eingerichtet. Dr. Hainer bezeichnete die hier ehrenamtlich geleistete Arbeit als ein her­vorragendes Beispiel oes Gemeinschaftssinnes der Alsfelder Bürger, ohne den dieses Werk nicht hätte geschaffen werden können. Auch die weitgehende Unterstützung des Vereins durch die Stadtverwal­tung, die alljährlich einen Zuschuß von 600 RM. leistet, wurde dankend anerkannt. Die durch den Rechner des Vereins, Kaufmann Jul. Waldeck, vorgetragene Rechnung vom Rj. 1936/37 wurde genehmigt und dem Rechner Entlastung erteilt. Der

Verein zählt zur Zeit 205 Mitglieder. Auf Wunsch der Mitgliederversammlung erklärte sich Ober­studiendirektor Dr. Hainer bereit, das Amt als Führer des Vereins für ein weiteres Jahr zu übernehmen. Künftig wird die Anstellung von aus­gebildeten Fremdenführern namentlich für den Be­such des Museums in Erwägung gezogen.

Landkreis Gießen.

# D a ubringen, 10. Sept. Bei der hier üurchgeführten Schweine - Zwischenzählung wurden folgende Bestände festgestellt: Ferkel unter acht Wochen wurden 87 gezählt, Tiere von acht Wochen bis zu einem halben Jahr wurden 109 und Schweine, ein halbes bis ein Jahr alt, 342 fest- gestellt. Zuchtsauen wurden 23 gezählt.

* A l t e n - B u s e ck, 13. Sept. Am gestrigen Sonn- tagoormittag stürzte der Kaspar S e u l i n g von hier in seiner Scheune so unglücklich ab, daß er mit einem Oberschenkelbruch von der Gießener Sani­tätskolonne des Roten Kreuzes in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden mußte.

* Watzenborn Steinberg, 13. Sept. Am heutigen Montag kann der weithin bekannte oberhessische Ziegenzüchter P h i l i p p III. von hier in geistiger und körperlicher Frische seinen 7 0. Ge­burtstag feiern. Der betagte Mann hat sich in vieler Hinsicht bewährt. Er stammt aus einer, seit dem 15. Jahrhundert in Watzenborn-Steinberg an­sässigen Bauernfamilie, die über viele Jahrzehnte hinweg die Ortsbürgermeister stellte. Schon frühzei­tig widmete sich der Jubilar der Kleintierzucht; er interessierte sich schon in früher Jugend für Kanin­chen- und Bienenzucht, widmete sich später der Zuchtvervollkommnung des Vogelsberger Viehes, seine intensivste Tätigkeit widmete er aber der deut­schen weißen Edelziege. Er zählt zu den Begrün­dern des Ziegenzuchtvereins für den Kreis Gießen, dessen Geschäfte er lange Zeit führte. Er ist Mit­glied der Körkommission und arbeitet im Ziegen- züchteroerband für Hessen als Vorstandsmitglied. Für seine Förderung der Ziegenzucht zeichnete ihn der Reichsverband der Ziegenzüchter mit der bron­

zenen und der silbernen Verdienst-Medaille aus. Seit 1905 gehörte er dem Landwirtschaftskammer- Ausschuß für die Provinz Oberhessen an. Auch im Leben der Gemeinde war Philipp sehr tätig. Er wirkte als Bullenhalter und Fleischbeschouer, be­tätigte sich im Geflügel-Zuchtoerein, im Obst- und Gartenbau-Verein, und im Landwirtschaftlichen Lokal-Verein; er ist eifriger Sänger und treues Mitglied im Krieger-Verein.

5 Steinbach, 13. Sept. Arn morgigen 14. (Sep­tember vollendet Pfarrer i. R. Wilhelm Kraemer sein 7 0. Lebensjahr. Er war von 1923 bis 30. April 1933 Pfarrer von Steinbach und Albach und trat am 30. April 1933 nach mehr als 40jäh- rigem Dienst in den Ruhestand. Pfarrer K r a e - m e r, der seinen Wohnsitz jetzt in Darmstadt hat, erhielt von den Kirchenvorständen von Steinbach und Albach ein Glückwunschschreiben, ebenso haben die kirchlichen Vereine von Steinbach, die Evange­lische Frauenhilfe und der Evangelische Frauenchor ihrem langjährigen Vorsitzenden und Gründer ihre Glückwünsche zum 70. Geburtstage übermittelt.

ch L i ch, 13. Sept. Die Beerdigung des fruf so tragische Weise ums Leben gekommenen Geschäfts­führers der Licher Tonwerke, Hch. Schmidt VIII., fand am Sonntagnachmittag statt. Ein großes Trauer­gefolge aus unserer Stadt und der Umgebung gab dem Verstorbenen das letzte Geleite. Die Grabrede hielt Stiftspfarrer Naumann. Die Sprecher der Vereine legten unter Würdigung der Verdienste des Verstorbenen Kränze nieder, so Sangesbruder R i n ck e r (Nonnenroth) vom Sängergau 12 für Ministerialrat Ringshausen, für die Provin- zialwaltung des Sängerbundes und den Sängerbund Chattia", Rektor i. R. Erb (Lich) für die Licher Tonwerke, Johann Heß für die Gefolgschaft der Tonwerke Lich, Direktor Rehberg für die Fach­gruppe des Verstorbenen, Rechtsanwalt Zimmer (Gießen) für die Licher Bank, Karl Volz für den Turnverein Lich, dieLiedertafel" Marburg, die am Grabe ihres Ehrenmitgliedes auch sang, der Gesang­vereinHeiterkeit" Gießen, der Männergesangverein Kirchhain und die Sangesbrüder von derCäcilia", die ebenfalls am Grabe gesungen hatten.

* Villin gen, 10. Sept. Zu einer Feier be­sonderer Art versammelten sich am Samstag Vor­stand und Aufsichtsrat derLandwirtschaftlichen Kredit- und Bezugsgenossenschaft von Dillingen und Umgebung". Es galt, zwei rührige' Mitbe­gründer und langjährige Vorstandsmitglieder zu ehren, die aus Gesundheitsrücksichten ihr Amt zur Verfügung stellen mußten: den seitherigen Ren­danten Wilhelm Koch II., der 34 Jahre lang in vorbildlicher Weise die Geschäfte der Kasse geführt hatte, und das Vorstandsmitglied Gg. Zimmer IV., beide aus Dillingen. Beide wurden zu Ehrenvor­standsmitgliedern ernannt. Direktor Zimmer über­reichte ihnen die Ehrenurkunden und den wohlver­dienten Ruhesessel. Er dankte ihnen im Namen der ganzen Genossenschaft für ihre in jeder Beziehung lobenswerten Leistungen zur Förderung des länd­lichen Genossenschaftswesens.

Q] Birklar, 8. Sept. Die hiesige NS. - Frauenschaft unternahm am vorigen Sonntag einen Ausflug nach Heidelberg. Die Fahrt ging über Bad-Nauheim zunächst nach Darmstadt, wo mehrere Besichtigungen stattfanden, sodann weiter nach Heidelberg. In der Neckarstadt wurden eben­falls zahlreiche Besichtigungen vorgenommen, die den Fahrtteilnehmern viel Neues und Sehenswer­tes brachten. Sehr befriedigt von der Fahrt, die der hiesigen Frauenschafts-Leiterin Marie Engel zu verdanken ist, kehrten die Teilnehmerinnen am Abend hierher zurück.

s. Lang-Göns, 12. Sept. Um auch bei gro­ßer Trockenheit für die Bekämpfung eines Scha­denfeuers gerüstet zu sein, wurde auf Beschluß der Gemeindeverwaltung von Maurermeister Sauber nahe bei der Brücke in der Mohrgasse eine kleine Sperrmauer errichtet, die mit einer Schleusen­vorrichtung versehen werden soll. Das sich dadurch ansammelnde Wasser des Gönsbaches kann bei einem etwaigen Brande große Dienste tun. Am Samstagabend wurde von der Gaufilmstelle neben dem bekannten tönenden Wochenbericht aus aller Welt der schöne FilmStandschütze Bruggler" ge­zeigt. Der Besuch der Veranstaltung war gut.

Kreis Wehlar.

* Königsberg, 10. Sept. Gestern nachmittag ereignete sich im Bergwerk ein Unfall. Der 40jäh- rige Bergmann Wilhelm Pfeiffer verunglückte, erlitt einen O b e r s ch e n k e l b r u ch und einen Beckenbruch und mußte durch die Freiwillige Sanitätskolonne vom Deutschen Roten Kreuz in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden.

Untmiwiw!

Roman von Bernhard Lanzer.

Urheberrechtsschutz:

Arthur Moewig, Romanvertrieb, Berlin SW 68.

14 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Ausgetretene Stufen aus verwittertem Sandstein führten in den Keller hinunter. Feuchte Kühle wehte aus dem Dunkel herauf. Wieder eine schwere eichene Tür, bann tat sich bas riesige Gewölbe vor ihnen auf.

Wolfgang v. Achenbach blieb im Eingang stehen und hielt die Kerze hoch. Flackernd wehte ihr Schein durch das Dunkel hin, ohne es aber in seiner gan­zen Ausdehnung durchdringen zu können. Wie eine riesige Höhle aus Urzeiten lag die Tiefe des Ge­wölbes vor ihnen.

Sie traten ein. Fässer verschiedener Größen lagen aus ungefügen Holzblöcken. An den Wänden stan­den Wein- und Vorratsschränke. Hoch oben, an der Hofseite, äugte dunkel eine Anzahl vergitterter Fenster herab.

Wolfgang v. Achenbach trat auf ein altes Wein­faß von beachtlicher Größe zu, das in der Mitte des Gewölbes lag.

Um Sie gleich mit dem Hauptstück bekannt zu machen: es ist das sogenannte Schwedenfaß."

Interessiert und fragend sah Annelore ihn an.

Eine merkwürdige Bezeichnung. Hat sie histori­schen Ursprung?"

Ja. Das alte Schwedenfaß hat seine Geschichte. Wenn es Sie interessiert, erzähle ich Ihnen, was die Familienchronik darüber berichtet."

Ach ja", bat Annelore.Historische Dinge inter­essieren mich sehr. Sie sind ja immer irgendwie von Bedeutung, und man läßt sich gern mal von dem romantischen Hauch vergangener Zeiten ein­spinnen."

Wolfgang v. Achenbach zog einen niedrigen Sche­mel heran, auf dem Annelore Platz nahm.

Das Schwedenfaß hat seinen Namen aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Der damalige Achenbach war durch Schwedenhand gefallen. Die Ruine draußen im Park ich erzähle Ihnen ein andermal davon gibt heute noch Zeugnis davon.

Die Mutter verwaltete den Besitz für den Heran­wachsenden einzigen Erben. Noch war das Schloß bisher vor dem Schlimmsten bewahrt geblieben, aber an einem wundervollen Herbsttage schien sich auch sein Schicksal erfüllen zu sollen."

Wolfgang v. Achenbach stellte den Leuchter nieder.

Ich kann Ihnen die Begebenheit nur mit meinen Worten schildern. Sie können sie bei Gelegenheit in der Chronik selbst nachlesen."

Er lehnte sich gegen das Faß. Der flackernde Schein der Kerze glitt über sein scharfes, aber im- mer noch straffes Gesicht. Ein kurzer Augenblick des Nachdenkens, dann begann er:

»Wie ein glutroter Ball hing an jenem Tage die Abendsonne tief am westlichen Himmel. Ihr Licht rann wie ein flüssiger Feuerstrom über das Land, rötete die Silberstämme der Birken am Rande des Waldes und fing sich in den dunklen Zinnen des Schlosses.

Regungslos wie eine Bildsäule stand der alte Leuthold, der den Wächterdienst versah, auf dem Turm. Sein weißes Haar lohte in der Abendsonne. r Hand über die Augen gelegt und

spähte in das Land hinaus. Die Augen des Alten waren noch klar und scharf wie die eines Falken. Sie gemährten in der Ferne der abendlichen Ebene eine Staubwolke, die zusehends größer wurde. Einen Augenblick verharrte Leuthold noch auf seinem Po­sten, dann wandte er sich plötzlich um und stieg eilig die gewundene Treppe hinab.

In der dämmerkühlen Halle erwartete ihn die greise Schloßherrin. Aufrecht stand sie in der Mitte des weiten Raumes und sah ihm voll heimlicher Unruhe und Sorge entgegen.

,Sie kommen!* meldete der Alte mit harten, ern­sten Blicken. »Eine knappe halbe Wegstunde sind sie noch entfernt/

Die Schloßherrin wurde blaß und verschlang die Hände ineinander.

,Da sei uns der Himmel gnädig!*

Der Schwed' ist da! hatte ein Jnstmann des Schloßgutes, der am Tage zuvor in der Stadt ge­wesen war, bei seiner Rückkehr berichtet. Die Mel­dung hatte Schrecken und Entsetzen hervorgerufen. Seit vielen Jahren hausten die fremden Söldner schon im Lande. Verwüstete Felder, zerstörte Häu­ser, leere Scheunen und Ställe, Blut und Feuer zeichneten den Weg, den sie genommen hatten. Nur

Hunger und Armut, Jammer und Leid ließen sie zurück. Es hieß, die feindlichen Herren säßen in Osnabrück zusammen an einem Tisch, um Frieden zu machen. Aber immer noch zogen einzelne (Streif» scharen plündernd durch das ausgesogene Land. So war es kein Wunder, daß das gemeldete Nahen der Rotte tödlichen Schrecken auslöste.

»Sorg' für Essen und Trinken, Leuthold*, raffte sich die Schloßherrin endlich auf. ,Gib den besten Wein, den wir im Keller haben. Vielleicht, daß sie es gnädig mit uns machen.. .*

Der Alte verschwand, um den Auftrag auszu­führen.

Dann stieg er in den Keller hinab. Ein heller Pfiff hatte Troll, den Hofhund, der struppig war wie ein wilder Schwedenrtziter, herbeigerufen. Schweifwedelnd und mit klugen Augen trottete das treue Tier neben dem Alten hin. Leuthold öffnete die Tür zum Weinkeller und ging auf eins der Fässer zu, das Schwedenfaß hier. In diesem Fasse reifte seit Jahren ein Burgunder, der seinesgleichen suchte. Der gefallene Schloßherr hatte ihn zum Hochzeitswein für feinen Sohn bestimmt. Der Herr war nicht mehr, aber feinem Willen sollte trotzoem Genüge geschehen. Nein, diesen Wein bekam der Schwede nicht! Lieber mochten ihn die Fugen des steinernen Kellerbodens trinfen! So dachte der alte Leuthold.

Dor Tagen schon hatte er den Hahn in das Spundloch des Fasses getrieben. Tag für Tag hatte er sich stundenlang mit dem Hunde im Keller auf» gehalten. Niemand wußte, was sie dort getrieben hatten. Jetzt schlug der Alte mit den Knöcheln der harten Rechten gegen bas Faß. Nein, diesen herr­lichen Burgunder bekam der Schwede nicht!

Dann beugte er sich zu dem Hunde herab.

»Jetzt gilt es die Generalprobe, Troll zeig, was bu gelernt hast! Ich könnt' es selber tun, aber es rnöcht' vielleicht das Leben kosten. Wär' nicht eben viel daran verloren, aber unsere Frau braucht uns noch und der blutjunge Herr auch.*

Er beugte sich herab und lockerte den Hahn ein wenig. Dann richtete er sich wieder auf.

»Troll faß an!*

.Der Hund schoß heran und stellte sich auf die Hinterläufe. Das scharfe, kräftige Gebiß wurde sicht­bar, die Zahne schlugey in das Holz. Ein drehender

Ruck der Hahn stand offen. Ein roter (Strom färbte den Steinboden.

Rasch bückte Leuthold sich und schloß den Hahn' wieder.

»Brav, mein Troll!* lobte er und holte eine feiste Wurst unter dem Lederschurz hervor.

Indessen trabte die Reiterschar donnernd über die Schloßbrücke. Das blaugoldene Schwedenbanner flatterte im Abendwind. Es waren wilde, verwegene Gestalten, die von den schnaubenden Rossen spran­gen und, des Befehls zum Plündern gewärtig, sich um den Anführer scharten.

Mit scharfen, prüfenden Blicken sah Gyllenborg, der Anführer, sich in dem leeren Schloßhof um.

Da drängte sich ein fünfzehnjähriger Knabe durch den Kreis und trat vor ihn hin:

»Es ist alles bereit. Wenn die Herren sich stärken wollen*

Ueberrafcht und mit deutlichem Spott sah Gyl­lenborg auf ihn herab.

»Bist du etwa der Herr dieses wohlgenährten Be­sitztums?* lachte er.

Der Knabe, der Enkel der Schloßherrin, sah ihm aufrecht und furchtlos ins Gesicht.

»Nach bin ich's nicht. Aber ich hoff' es dereinst zu werden. Sofern der Schwed' mir soviel übrig läßt*

Gyllenborg verschlang es für einen Augenblick das Mort.

»Du führst eine kecke Sprache, Bursche!* erwiderte er dann. »Hat der Herr Vater weniger Mut als du, daß er dich ins Feuer vorschickt?*

»Der Vater ist nicht mehr. Er fiel durch Schwe- denhand. Im Märzen jährt es sich zum fünften Male.*

Gyllenborg lockerte sich das Wams.

»Und wer führt jetzt das Regiment im Haus?*

»Des Vaters Mutter. Sie läßt Euch bitten, mit dem furheb zu nehmen, was Küche und Keller Euch bieten können. Ihr werdet zufrieden fein/

(Menborg tauschte einen Blick mit seinem Spieß- gesellen Kellgren. Ein kurzer Wink hielt die beute- lüsterne Schar vom Plündern ab. Man folgte dem Knaben m den Saal, in dem in aller Eile die Ta­fel hergerichtet worden war. Dort hob nun ein lärmendes Schmausen und Trinken an. Der Wein floß in Strömen.

Fortsetzung folgt