Ur. 160 Erstes Blatt
187. Jahrgang
Dienstag,iZ.Zuli 1957
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Reue europäische Friedenskonferenz?
Zur Regelung finanzieller, wirtschaftlicher und territorialer Fragen. — Erklärungen des früheren Führers der englsichen Arbeiterpartei Lansbury über feine Unterredungen mit Muffolini
Berlin, 12. Juli. (DNB.) Bei den vom 6. bis 10. d. M. durchgeführten deutsch-österreichischen Besprechungen im Sinne des Abkommens vom 11. Juli 1936 wurden auch die Fragen der g e g e n- f eiligen P r e s s e b e z i e h u n g e n eingehend
Sechs soeben fertiggestellte englische Unterseebootjäger ankern auf der Fahrt nach Gibraltar im Hafen von Lissabon, um sich dann der englischen Mittelmeerflotte anzuschließen. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
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mit den positiven Lei st ungen in den beiden Ländern befassen und sich nicht ausschließlich in negativer Richtung bewegen; insbesondere sollen Angriffe persönlicher Natur unterbleiben.
Fragen der Weltanschauung und der Staatsauffassung sollen auch dort, wo Meinungsverschiedenheiten gegeben sind, sachlich und in nicht beleidigender Form behandelt werden. Die Presse soll sich jeder Unterstützung oder Ermutigung einer gegen den anderen Staat und dessen Regierung gerichteten Betätigung enthalten und sich der Verantwortung bewußt sein, die der Publizistik beider Staaten durch deren Zugehörigkeit zum deutschen Volk auferlegt ist.
-Italienische Feststellungen und Fragen.
1. Daß damit die Hetzmeldungen demokratischer Länder gegen den „Militarismus der faschistischen Staaten", die allein an dem Wettrüsten schuld sein sollen, gegenstandslos würden.
2. Daß das Rohstoffproblem angesichts der englischen Milliardenausgaben auf den Weltmärkten, mit denen England möglichst viele Rohstoffe für die Zwecke der stark vergrößerten englischen Rüstungsindustrien an sich reißen wolle, einen ganz anderen Charakter erhalten habe, als das noch vor einem Jahr der Fall war, da England nicht nur seine Kriegsindustrien versorgen, sondern zugleich auch die Belieferung der übrigen Mächte, die ebenso wie England für ihre militärische Ausrüstung auf die Beschaffung von Rohstoffen angewiesen sind, unmöglich machen wolle. Auch müsse man sich fragen, gegen welche Nationen d ie Rüstungen gerichtet seien, mit denen der englischen Nation zum erstenmal in der Geschichte in Friedenszeiten die Lasten einer bis ins einzelne organisierten Kriegsindustrie auferlegt werden.
Kriegsindustrie in Frie-enszeiten
Oie gewaltige Aufrüstung Englands.
Der deutsch-französische Vertrag.
Wie bei besonders feierlichen Anlässen haben der deutsche Wirtschaftsminister Dr. Schacht und der französische Handelsminister C h a p s a l zum Abschluß des deutsch = französischen Handelsabkommens vom 10. Juli Begrüßungsund Glückwunschtelegramme ausgetauscht. Auch auf der Schlußsitzung der Abordnungen in Paris sind Ansprachen gehalten worden, in denen die besondere Bedeutung des in mehr als oiermonatiger Arbeit abgeschlossenen Vertragswertes gewürdigt wird. Am 1. August wird der neue Vertrag in Kraft treten und einen zweijährigen vertraglosen Zustand beendigen. Die Dauer des Vertrages ist auf 23 Monate berechnet, also erheblich länger, als in dieser wirtschaftspolitisch so schnellebigen und politisch so erregten Zeit vertragliche Bindungen zwischen großen Völkern festgesetzt zu werden pflegen. Der vorige deutsch-französische Vertrag, der vom 28. Juli 1934, hat nur eine einjährige Lebensdauer gehabt. Ganz ohne Gefahr ist die Abwicklung des Vertrages jedoch deshalb nicht, weil die Franzosen sich das Recht ausbedungen haben, Zollzugeständnisse kurzfristig zu widerrufen und dadurch die weitere Abwicklung des Vertrages in Frage zu stellen. Wenn Deutschland dieser französischen Forderung zugestimmt hat, so ist dies mit Rücksicht auf die schwere Finanz- und Währungskrise geschehen, die Frankreich soeben durchlebt, und die zu einer ganzen Reihe von Steigerungen der öffentlichen Abgaben Anlaß gegeben hat.
Wirtschaftsverhandlungen mit Frankreich pflegen stets besonders langwierig und mühselig zu sein, da die französischen Unterhändler parlamentarische Gegenwirkungen befürchten. So war es einer Gruppe von Wirtschaftszweigen gelungen, Über die ihr nahestehende Radikalsoziale Partei Begünstigungen sowohl in der Ausfuhr, als auch im Schutz gegen ausländische Einfuhr durchzusetzen. Ein autoritär regiertes Land, wie das nationalsozialistische Deutschland, hat es leichter, einen Ausgleich zwischen den einander zum Teil widerstreitenden Interessen zu finden und durchzusetzen, da das Vertrauen der betr. Wirtschaftskreise in eine volkswirtschaftlich gerechte Führung der Handelsvertragsverhandlungen größer ist, als in parlamentarisch regierten Ländern. Das soll nicht bedeuten, daß Deutschland bei den Verhandlungen mit Frankreich vom Zwang befreit gewesen sei, schwerwiegende Zugeständnisse zu machen. Wenn beispielsweise festgesetzt worden ist, daß Deutschland in gewissem Umfang die Einfuhr französischer Luxusartikel und Weine begünstigt, so ist das nur bann zu verstehen, wenn man das französische Zugeständnis daneben hält, nämlich die Gewährung ausreichender Kontingente für die Erzeugnisse wichtiger deutscher Industriezweige.
Der deutsch-französische Handelsvertrag unterscheidet sich von seinem Vorgänger in wesentlichen Punkten. Bereits vor über zweieinhalb Jahren ist zwischen Deutschland und England an die Stelle des Verrechnungsverkehrs ein neues System getreten, das sich bewährt hat, und das später in einem zwischen Deutschland und Belgien abgeschlossenen Vertrag noch veredelt worden ist. Ihm liegen folgende Gedanken zugrunde: Deutschland als gegenüber dem Ausland verschuldetes und rohstoffarmes Land muß beim Warenaustausch mit zivilisierten Völkern Ueberschüsse erzielen, also mehr liefern, als es selbst bezieht. Diese Erkenntnis führt dazu, die deutsche Ausfuhr als die Grundlage des gesamten Abkommens anzuerkennen. Im neuen Handelsvertrag mit Frankreich wird nur etwa die Hälfte der deutschen Ausfuhr kontingentiert, d. h. in ihrer Höhe festgelegt sein; zur anderen Hälfte ist die deutsche Ausfuhr nach Frankreich steigerungsfähig. Auf Grund der Erfahrungen der letzten Monate ist die deutsche Warenausfuhr nach Frankreich mit rund 3,2 Milliarden Franken angenommen worden. Es ist durchaus möglich, daß dieser Betrag überboten wird. Trifft dies ein, so erhöhen sich auch die übrigen Zahlen des Abkommens. Rund ein Drittel vom Erlös der deutschen Ausfuhr nach Frankreich wird für besondere Zwecke bereitgestellt; diese Zwecke sind: Tilgung alter Warenschulden, Einlösung fälliger Anleiheverpflichtungen, Provisionen, Frachten usw., Reisedeoisen und Beschaffung ausländischer Rohstoffe und Nahrungsmittel in anderen Ländern. Die übrigen rund 1,6 Milliarden Franken zuzüglich weiterer 0,6 Milliarden Franken werden für französische Warenlieferungen und für solche Ausfuhr zur Verfügung stehen, die keine Devisen einbringt. Das Recht auf Warenlieferungen — also die Ausstattung mit Kontingenten — wird nicht, wie Frankreich es ursprünglich gewünscht hatte, dem Ermessen des Handelsministeriums überlassen sein, sondern auf Grund der Lieferungen in .ben letzten Monaten errechnet werden. Damit ist die deutsche Exportindustrie vor einer Willkür der genehmigenden französischen Stellen geschützt.
Besondere Schwierigkeiten hat ein Punkt verursacht, bei dem die französische Regierung bisher auf die öffentliche Meinung des Landes Rücksicht nehmen au müssen glaubte: der Erz- und Koksaustausch zwischen den beiden Ländern. Wenn auch gewiß Französisch-Lothringen nicht das einzige Liefergebiet für Eisenerze ist, so liegt es doch den Hauptgebieten der deutschen Schwerindustrie örtlich sehr nahe. Umgekehrt hat Frankreich ein starkes Interesse am Bezug von deutschem Hüttenkoks, der auch nur wenig durch Frachtkosten belastet ist. Es ist gelungen, einen Ausgleich dahingehend zu treffen, daß Deutschland fast im bisherigen Umfang lothringisches Eisenerz weiter bezieht, während Frankreich das Recht erhalt, seine Kokskäufe in Deutschland zu erhöhen. Die deutschen Unterhändler haben die Bereitschaft der französischen Vertreter, ihre vorgefaßten Meinungen auf diesem Gebiet zurückzustellen, mit großer Befriedigung ausgenommen und ihrerseits im Rahmen des Erträglichen Zugeständnisse gemacht. Eine Reche weiterer Vereinbarungen, wie insbesondere über das Ansiedlungsrecht von Deutschen auf franzosi-
Ro m, 13. Juli. (DNB.) Der frühere englische Arbeiterführer Lansbury, der am Sonntag im Palazzo Ehigi eine längere Unterredung mit dem italienischen Außenminister Graf Liano hatte, ist am Montagabend von Mussolini zum zweiten Male empfangen worden.
Lansbury gab nach seiner zweiten Unterredung mit dem italienischen Regierungschef Mussolini der internationalen Presse eine Erklärung ab. Rach seinem Eindruck würde Mussolini eine Friedenskonferenz über finanzielle, wirtschaftliche und territoriale Fragen begrüßen. Mussolini habe jedoch betont, daß eine solche Konferenz sehr gründlich vorde- reifet werden mühte, da nach dem Scheitern der Londoner Weltwirtschaftskonferenz von 1933 keine Regierung einen neuen Mißerfolg dieser Art riskieren könnte. Auch scheine es Mussolini fraglich, ob der gegenwärtige Zeitpunkt für eine solche Konferenz günstig sei. Soweit die Rüst u n g a f r a g e auf der Konferenz behandelt werden sollte, könnte nur eine Begrenzung, nicht aber eine Herabsetzung der Rüstungen in Frage kommen. Mit größtem Nachdruck habe Mussolini in seiner zweiten Unterredung mit ihm, Lansbury, am Montag erklärt, daß Italien auch nicht die leise sie Absicht habe, die Integrität Spaniens oder seiner Kolonien anzutasten. Mit dem gleichen Nachdruck setzte Lansbury hinzu: „Das ist die klare und feste Politik der italienischen Regierung. "
Zwischen Italien und England sehe Mussolini nichts, was zu einem Konflikt führen müßte. Er würde es nur begrüßen, wenn italienische und englische Vertreter zusammenkommen könnten, um die zwischen den beiden Ländern schwebenden Fragen, darunter auch die Lage in Abessinien und die Anerkennung des italienischen Imperiums, zu erörtern.
Ohne jeden Vorbehalt habe ihm Mussolini auf das entschiedenste die Friedensliebe Italiens klar gemacht. Italien brauche den Frieden zum inneren Aufbau seines neuen nationalen Lebens. Jeder neue europäische Krieg wäre für ganz Europa und nicht nur für den einen oder anderen Staat eine Katastrophe und mühte die europäische Kultur vernichten. Der Anregung Lansburys, die von ihm geplante Friedenskonferenz zur Rettung Europas und feiner im Christentum verankerten Kultur in Rom abzuhalten, habe Muffolini nicht widersprochen, doch habe er die Ansicht vertreten. dah die Initiative nicht von Italien ausgehen könne, sondern von anderer Seite kommen müsse.
Lansbury, der am Mittwoch nach London zurückkehrt, teilte noch mit, dah er auch nach der Tschechoslowakei, nach Jugoslawien und Polen zu reifen beabsichtige. Seine Hauptarbeit werde aber jetzt in feinem eigenen Lande liegen, damit England, wenn möglich, die 3 ni- tiafioe zu dieser Konferenz ergreife.
Eine gute Vereinbarung.
Die Presse soll der gedeihlichen Entwicklung der Beziehungen dienen.
fchem Gebiet, ein Meistbegünstlgungsrecht für Deutschland in den französischen Kolonien, Vereinbarungen über den Grenzoerkehr zwischen Lothringen und dem Saarland sowie endlich em Reise- und ein Filmabkommen bezeugen, daß auf beiden Seiten ehrliche Verständigungsbereitschaft vorhanden
In Deutschland hofft man aufrichtia, daß der Abschluß des Handelsabkommens der Auftakt auch zu einem politischen Ausgleich zwischen den beiden benachbarten Ländern werden möge. TL.
Der deutsche Sozialismus.
Gemeinsam in Leid und Sorgen, in Glück und Freude.
B e r l i n, 12. Juli. (DNB.) Anläßlich der glanzvollen Beendigung der „Kraft-durch-Freude"-Feiern auf der Pfaueninsel fand zwischen Reichsminister Dr. Goebbels und Dr. Ley folgender Telegrammwechsel statt:
„Lieber Pg. Dr. Goebbels!
Am Ende der ,Kraft-durch-Freude<-Woche auf der Psauenin el möchte ich Ihnen im Namen der 150 000 Berliner Arbeiter und Arbeiterinnen, denen dies ,KdF/-Sommerfest ein unvergeßliches Erlebnis ist, meinen herzlichsten Heilgruß senden.
erörtert. Bei diesen Besprechungen war der Gedanke maßgebend, daß gerade die Haltung der Presse in den beiden Ländern für eine gedeihliche Entwicklung der Beziehungen zwischen den beiden Staaten von größter Bedeutung ist.
Demgemäß wurde im Zuge der in freundschaftlichem Geiste geführten Unterhaltung die Beobachtung gewisser Grundsätze für notwendig erklärt. Es sollen künftig im Nachrichtendienst und in der Presse keinerlei Nachrichten, die im anderen Lande A n st o ß erregen und eine Polemik entfesseln könnten, u n g e p r ü f t veröffentlicht und auch keine Nachrichten aus notorisch unfreundlich gesinnten Blättern und Agenturen Übernommen werden. Ferner sollen sich die Berichterstattung und der Artikeldienst in loyaler Weise auch
Rom, 12. Juli. (DNB.) Die Rüstungspoli- tik Englands wird vom Direktor des halbamtlichen „G i o r n a I e d ' Italia" am Montagabend an Hand statistischen Materials einer eingehenden Untersuchung unterzogen. Mit besonderem Nachdruck wird darauf hingewiesen, daß die Rüstungs - ausgaben für die englische Flotte sich im laufenden Rechnungsjahr gegenüber dem Jahre 1929/30 bereits mehr als verdoppelt hätten und daß der ganze Mehrbetrag für Neubauten verwendet wurde. Die Ausgaben für die Luftwaffe hätten sich gegenüber dem Vergleichsjahr mehr als vervierfacht, während die Hee- resausaaben um das zweieinhalbfache gestiegen seien. Der Mehraufwand betreffe auch in diesen beiden Fällen hauptsächlich die Motorisierung des Heeres und die damit verbundene neuzeitliche technische Ausrüstung.
Ohne zu dieser Entwicklung kritisch Stellung zu nehmen, macht der Direktor des halbamtlichen Blattes zwei Feststellungen:
Es gibt im Deutschland Adolf Hitlers nichts mehr, woran der deutsche Arbeiter nicht Anteil hat.
Heil Hitler!
Dr. Robert Ley." „Lieber Pg. Dr. Ley!
Nehmen Sie bitte meinen herzlichsten Dank entgegen für die Grüße, die Sie mir anläßlich der .KdF.'-Festtage auf der Pfaueninsel übersandten.
Daß 150 000 Berliner Arbeiter und Arbeiterinnen an diesen wunderbaren Feiern teilnehmen konnten, ist wiederum ein beredter Beweis dafür, daß unser Sozialismus nicht nur im gemeine n Ertragen von Leiden und Sorgen, sondern auch im gemeinsamen Erleben oon Glück und Freude besteht.
Mit Hitler-Heil!
Ihr Dr. G o e b b e l s."
Sau Hessen-Nassau beim diesjährigen Neichsparteitag.
NSG. An dem Reichsparteitag 1937 nehmen aus dem Gau Hessen-Nassau als Marschteilnehmer 4000 Politische Leiter teil. Außerdem fahren 2000 Parteigenossen und 1000 Frauen als Zuschauer zum Reichsparteitug nach Nürnberg.
Kaplan macht Den deutschen Gruß und das WM. verächtlich.
Aachen, 12. Juli. (DNB.) Der 27jährige Kaplan Johann N i e s s e n aus Richterich bei Aachen wurde vom Sondergericht Köln, das am Montag in Aachen tagte, wegen mehrerer Verstöße gegen das Heimtückegesetz zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte hatte Schüler, die ihn auf der Straße mit dem deutschen G ru ß grüßten, als „dumme Jungen" bezeichnet, und ein anderes Mal hatte er dabei mit dem Finger an die Stirn getippt. Einem Schüler, der als letzter mit dem deutschen Gruß die Klasse verlies, hatte er sogar eine Ohrfeige gegeben! Endlich hatte er, als ihm ein WH W.-Abzeichen angeboten wurde, frech geantwortet, „es ist doch noch nicht Fastnacht, das ich ein solches Ding anstecke (!)". In der Verhandlung entschuldigte sich der Angeklagte mit einer Krankheit, die seine Selbstbeherrschung gemindert habe. Das Gericht folgte den Darlegungen und dem Antrag des Staatsanwaltes, indem es die Handlungen und die Aeußerungen des Angeklagten als Verächtlichmachung des deutschen Grußes und des WHW. wertete und bestrafte.


