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Werks ist nach den Bestimmungen des Gesetzes über den Aufbau des deutschen Handwerks mustergültig durchgeführt worden. Es gibt 820 Innungen in 15 Bezirksinnungsoerbänden. Daneben verfügt das Handwerk über zwei Zentralverbände der Rohftoff- befchaffupg in Düsseldorf und Stuttgart mit etwa 150 örtlichen Genossenschaften. Eine R e i ch s l i e - ferungsgenossen schäft gliedert sich in 15 Landeslieferunasgenossenschaften, die die Aufgabe haben, die Aufträge der öffentlichen H a n d zu sammeln, an die Innungen zu verteilen, die sie dann den einzelnen Werkstätten zuleiten. Hier hat sich seit der Machtübernahme des Natio­nalsozialismus zugunsten des Schuhmacherhand' werks manches geändert. Heer, Arbeitsdienst und Winterhilfswerk vergeben nunmehr Aufträge im steigenden Umfange, so daß insgesamt 12 v. H. des deutschen Gebrauchs vom Handwerk hergestellt werden. Diese Einschaltung des Schuhmacherhand' werks in eine dauernde, die sich schon heute voll und ganz bewährt hat. Das Schuhmacherhandwerk war durchaus in der Lage, allen Ansprüchen gerecht zu werden. Wahrhaftig ein entscheidender Wandel, der nicht nur im Interesse dieses Handwerks, son­dern auch der Allgemeinheit begrüßt werden kann.

Heute gibt es etwa 140 000 Betriebe im Schuh­macherhandwerk mit etwa 35 000 Gesellen und 30 000 Lehrlingen. Das Schuhmacherhandwerk be­dauert es, auch im Interesse der Ausbildung der Lehrlinge, daß es noch immer Fabrikfilialen gibt, die nebenbei Reparaturwerkstätten unterhalten. 65 v. H. seiner Umsätze gewinnt das Schuhmacher­handwerk aus der R e p a r a t u r t ä t i g k e i t, 25

v. H. aus dem Handel mit fertigen Schuhen, Schuh­kreme ufw. Hier finden wir noch immer einen sehr starken Drang zur Selbständigkeit, da der Schuh­machergeselle, der beim Handwerk bleibt, danach strebt, möglichst seinen Beruf selbständig auszuüben. Da aber viele gelernte Schuhmacher erfahrungs­gemäß später in andere Berufe übergehen, zu einem großen Teil nach der Militärdienstzeit zur Post, Eisenbahn ufw., gibt es gerade in diesem Handwerkszweig Schwarzarbeiter, die eine Be­lastung für die gesunde wirtschaftliche Entwicklung des regulären Handwerks darstellen. Dabei ist zu beachten, daß meistens solche Gesellen den Beruf verlassen, die ihn unlustig ausgeübt und es deshalb auch nicht zu einer großen Fertigkeit gebracht haben.

Das Schuhmacherhandwerk legt großen Wert auf eine intensive Berufsausbildung. Heute herrscht schon hier und da ein Mangel an Qualitäts- und Spezialarbeitern, so daß die weitere Ausbildung einer großen Zahl von Lehrlingen not­wendig war. So werden z. B. Spezialisten für orthopädische Schuhe, für Sportstiefel und für Luxusarbeiten gesucht. Die Reichsfachschule für das Schuhmacherhandwerk befindet sich i n Siebenlahn (Sachsen), einer Ausbildungsstätte, die bereits große Erfolge aufzuweisen hat. Die Blüte des Schuhmacherhandwerks ist nicht zu tren­nen von der Kaufkraft der Bevölkerung. Je stärker diese wird, je größer wird auch der Umsatz des Schuhmachermeisters, besonders so weit der Umsatz aus der Maßarbeit in Frage kommt. H. D.

Bummel durchs Suaheli-Land.

Don unserem E.R.K.-Äerichterstatier.

Nachdruck verboten!

I.

Das Rote Reer.

Unser E. R. K. - Berichterstatter hat soeben eine Reise durch das frühere Deutsch - Ostafrika beendet. Wir be­ginnen heute mit der eindrucksvollen Schilde­rung seiner Fahrt auf einem Dampfer der Deutschen Afrikalinien durchs Rote Meer zum schwarzen Erdteil.

Das Rote Meer, ein Streifen Salzwasser von vielleicht 150 Kilometer Breite, liegt zwischen den riesigen Wüsten Arabiens und Afrikas. Zu deren wilden Hitzegraden gesellt sich auf ihm die Feuch­tigkeit des tropischen Meeres, mit so gegen 95 v. H. Wasserdampf m der Luft. Es können auch 98 sein, höher geht's dann nimmer. Daß es das hei­ßeste aller Meere sei, ist wohl allseitig aner­kannt. Gott hat es in seinem Zorn erschaffen. Aber er hat andererseits den Menschen nicht befohlen, zu ollen Jahreszeiten darauf herumzufahren. Daß das Dennoch geschieht, ist bekanntlich Ferdinand von L e s s e p s zu verdanken, der auf der Mole des Suez-Kanals in Port Said eine trügerisch einladende Geste macht, von der man nicht weiß, ob sie eine Aufforderung bedeutet, sich des so eröff­neten Roten Meeres zu bedienen oder die Kanal­gebühren in Höhe von einigen Zehntausenden von Mark in dem unweit gelegenen Verwaltungsgebäude der Kanalgesellschaft zu berappen. Er glaubte wohl, sich ein Verdienst mit der Erbauung des Kanals erworben zu haben. Nun, wer einmal durch das Rote Meer fährt, mag wohl als Neugieriger ent­schuldigt werden. Wer es aber dauernd tut, und gar als Schiffsangestellter, Heizer, Koch oder Ste­ward ist mehr bewundernswert.

Diese drei Kategorien von Berufen wissen wirk­lich, was Rotes Meer heißt, sie sind die eigentlichen Helden der sommerlichen Durchfahrt, sie sollte man schreiben lassen anstatt der Zeitungsleute, die von den Temperaturen in den Heizräumen und Kü­chen mit über 40 Grad berichten, während sie selbst an der kühlsten Stelle der Decks sitzen, wo es nur 3 3 Grad hat, wie in meinem Falle. Man muß die Stewards gesehen hüben, nicht nur das

Das Hungermahlvon Larbonara.

Von Otto Anihes

Nachdem Prinz Eugen den Oberbefehl des Heeres übernommen hatte, das die Franzosen in Italien zu bekämpfen bestimmt war, überraschte er den französischen Oberbefehlshaber zunächst vollkom­men durch einen unerhört kühnen Uebergang über die Alpen und schlug ihn darauf in zwei Schlach­ten. Dann aber geriet er in die größte Bedräng­nis, nicht etwa, weil die Feinde ihm mit einem Male so viel gefährlicher geworden wären, sondern weil ihn die Heimat ganz und gar im Stich ließ. Unverstand, Liederlichkeit und böswillige Hinde­rungssucht wirkten in Wien zusammen, um jegliche Hilfeleistung zu unterbinden, so daß das Heer in kurzer Zeit schlecht gekleidet, schlecht bewaffnet und am schlechtesten verpflegt war. Alle Briefe, die der Prinz nach Wien schrieb, die groben wie die flehent­lichen, änderten nichts, und er mußte froh sein, daß es seinem Feldherrngeschick gelang, durch äußerste Ausnutzung des Geländes im Kleinkrieg den Gegner im Schach zu halten.

So standen die Dinge, als er eines Tages, nach­dem er seine Vorposten besucht hatte, eine Beglei­tung voraufschickte und allein langsam durch die Gassen des Städtchens Carbonara seinem Quartier zuritt. Die Soldaten standen in Trupps vor den Häusern zusammen, mit finsteren Gesichtern. So­bald sie den verehrten Feldherrn erblickten, rissen sie sich wohl zusammen und traten ehrerbietig zur Seite; und jeder, den er ansah, leuchtete unter dem Feuer seines wunderbaren Auges auf. Aber wenn er vorüber war, erlosch die flüchtige Glut alsbald und machte dem vorherigen Mißmut Platz. Dem Prinzen entging nichts von diesem Schauspiel. Und als er durch das niedere enge Tor die Stadt wie­der verließ, straffte ein Entschluß seinen Körper mit einem Ruck derart, daß der Gaul unter ihm er­schrak und in einen heftigen Galopp verfiel.

So wurde er bald des Schlosses ansichtig, in dem er mit seinem Stabe untergebracht war. Er lenkte das Pferd in den Park, der mehr ein großer ver­wilderter Garten war, und näherte sich dem Hause von der Rückseite. Aus den weitgeöffneten Fenstern eines weitläufigen Raumes zu ebener Erde schollen laute erregte Stimmen, und er hielt an, um zu hören, was die Offiziere seines Stabes sich wohl mit solcher Leidenschaft mitzuteilen hätten.

A Sauerei is dös", ließ einer sich vernehmen, a Hundsviecherei. Solln's ihr'n Krieg alloan fuhr'n, die Mistoiecher in Wien, wann's nir ä' freffn fchick'n woll'n."

Die Leut hungern", ergänzte ein zweiter,oder aber sie betteln. In Bresonello is a Fähnrich, der

Hemd eine einzige, klatschnaß im Zugwind flat­ternde Fahne, sondern auch die Hose durchgeschwitzt, man muß dieHeizer gesehen haben, wie sie bleich und vollends ausgepumpt aus ihrer Hölle ans Ta­geslicht der Decks emportauchen. Dann brechen sie zusammen. Diesmal waren es von den zehn Ste­wards unserer Klasse nicht weniger als fünf, noch mehr Arbeit für die, die durchzuhalten ver­mochten, bei der Höllenhitze der Anrichte. Auch das muß man gesehen haben, wenn sie umkippen, rö­cheln, mit den Armen arbeiten, weil sie keine Luft mehr kriegen, während der nächste Kamerad ihnen eine kleine Flasche Sekt zwischen die Zähne gießt, und der Arzt kommt gelaufen, selber klatschnaß und die Schwester ist schon da mit einem Stück Eis aus der Bar, und wie sie dann weggeschleift werden in einem Stück festen Tuchs wie ein Sack, schwer und bewegungslos ...

Man begreift dann, daß das Rote Meer kein Kinderspaß ist, und oft, wenn es am unerträglich­sten war, so mittags zwischen zwei und vier, wenn kein Lufthauch auf dem ganzen Schiff zu spüren war, wenn es einem vom bloßen Stillsitzen über das Gesicht lief und die nackten Unterarme hin­unter, befiel mich wie ein Alpdruck der Gedanke: Was wird bloß, wenn die Heizer plötzlich alle nicht mehr können? Dann kommen wir in absehbarer Zeit überhaupt nicht mehr heraus aus diesem Höllenloch. Und dennoch, und dennoch wird immer wieder durch das Rote Meer gefahren und durch seine höllischen Windstillen nun, wir wissen ja warum. Aber wir wollen uns dabei immer dankbar und mit Hochachtung derer er­innern, die die Sachegefchmissen" haben.

Es ranken sich, wie um viele ungewöhnliche Dinge dieser Welt, die Legenden um dieses ungewöhn­liche Meer. Und mit den Legenden ist es meist so, daß Dinge, die am unglaubhaftesten aussehen, sich nachher als völlig w a y r erweisen, während ganz solid ausschauende Erzählungen sich als glatte Fabeleien Herausstellen. Daß es mitten auf dem Roten Meer Sandstürme gibt, bei denen, aller Hitze zum Trotz, alle Türen und Bullaugen des Schiffes dicht gemacht werden müssen, weil man sonst im Staub fast erstickt, ist zum Beispiel durch­aus keine Legende, sondern bittere und gefürchtete Wahrheit.

Legenden dagegen sind meist, wie gesagt, die

wo zu g'schamig war zu betteln, am Hunger g'storbn."

No jo", knurrte ein Dritter,was solln's machen, wenn koan Nachschub is."

Ah, da gibts fei nix", wieder der erste,der Soldat muß vor all'n Dingn effn."

Guet effn muß er", verbesserte eine helle Stimme, die gehörte dem jungen Windischgrätz, die kannte der Prinz.

Er ritt kurz auf den Hof, ein Reitknecht nahm ihm den Gaul ab, und unbemerkt von den Raun­zern trat er ins Schloß.

Dies Schloß war eigentlich nur ein sehr umfäng­liches, langgestrecktes Haus mit einem Erdgeschoß und vielen Dachzimmern. Es gehörte einem ver­armten Marchese, der zwar nicht in der Lage war, den Prinzen und seinen Stab standesgemäß zu speisen und zu tränken, der es sich aber nicht neh­men ließ, die Tafel täglich mit seinem kostbaren alten Silber zu schmücken. So sah denn der Speise­saal, als kurz nach des Prinzen Rückkehr zum Es­sen geblasen wurde, auch diesmal wieder aus wie gerüstet zu einem Mahl der Pracht und Ueppigkeit.

Der Prinz kam.

Nehmen's Platz, meine Herren!" rief er.Der Soldat muß vor allen Dingen essen."

Die Offiziere spitzten die Ohren. Denn solchen Spruch waren sie aus diesem Mund zu hören nicht gewohnt. Aber schon traten die Ordonnanzen ein, gingen, einer hinter dem andern, silberne Teller in den Händen, um die Tafel und setzten jedem ein großes Glas klaren Wassers hin.

Der Prinz ergriff fein Glas.

Auf Ihr Wohl, meine Herren!" sagte er.Auch trinken schadet dem Soldaten nicht wenn ers haben kann."

Betreten und dunkel ahnend, was hier gespielt wurde, tranken die Herren. Ader der Prinz begann alsbald einen Vortrag, der sie anders aufhorchen ließ. Denn was er sagte war nichts anderes als der Plan einer Schlacht, den er entwickelte, klar und durchsichtig; scheinbar nur als Beispiel, zur Be­lehrung; ihnen aber, die alle Verhältnisse kannten, wohl verständlich als eine wirkliche Absicht für die nächste Stunde.

Indem sie nun, gefesselt und erregt, saßen und hörten, traten abermals die Ordonnanzen ein, mach­ten ihren Rundgang und legten jedem ein großes Stück einfachen Brotes vor, so wie es die Feld­bäckereien für den gemeinen Mann buken, wenn sie Mehl hatten.

Greifen's zu, meine Herren!" rief der Prinz und biß selbst mit den beiden breiten Zähnen, die feine allzu kurze Oberlippe allezeit sehen ließ, in sein Stück.

Immer zu, Windischgrätz!" setzte er hinzu, als

Der neue Stahlfielm um 200 Gramm leichter.

D . . :

Beim Heer wird jetzt ein neues Stahlhelm-Modell eingeführt, das gegenüber dem bisherigen Stahlhelm den großen Vorteil hat, daß es um rund 200 Gramm leichter ist. Ferner ist der Rand etwas höher angesetzt, so daß das Auge freier bleibt, und schließlich ist der Schirm verkürzt, damit die Träger des Stahlhelms besser hören können. Unser Bild zeigt links den bisherigen und rechts den neuen Stahlhelm. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Temperaturangaben von uns Berichter­stattern, und zwar einfach deshalb, weil nicht wir, als Passagiere, es sind, die diese höchsten Extreme aushalten hatten. Ader wenn wir schon leiden, soll man uns unsere kleine Lust an oer Rekordziffer nicht grämlich verargen (außerdem macht sie da­heim einen so guten Eindruck). Und 33 Grad ist gar nicht so wenig, wie es scheint. Bei fast gesättigt feuchter Luft genügt es durchaus. Und nichts hilft dagegen. Im Gegenteil. Ein Glas kalten Bieres oder geeister Limonade zur unrechten Zeit, und du fliegst mit einem gehörigen Darmkatarrh für einige Tage ins Hospital des Schiffes. Eine Minute zu lange im klatschnassen Hemd im Wind gesessen, und du fliegst wegen schwerer Bronchitis mit Fieber ebenfalls ins Hospital. Fast die Hälfte der Passa­giere hat nach und nach daran glauben müssen. Es hat wirklich der Teufel erfunden, daß man in dieser heißesten Gegend auch noch anfangen muß, sich warm anzuziehen, mit Unterzeug und wollenen Leibbinden...

So ist reihum, zu aller Hitze, auch noch alles krank, und der Gesprächsstoff geht den Gesun­den nicht aus. Aus Gehirnen, die in der Hitze lang­sam zu brodeln anfangen, krauchen, wie Schmetter­linge aus der Puppe, nun die skurrilsten Legenden über das Rote Meer. Daß man vier bis fünf Nächte kaum schläft und auf den unmöglichsten Stühlen an Deck herumliegt, versteht sich von selbst. Aber daß man sich dabei erkälten müsse, ist auch Legende, wenn man nur fest genug entschlos­sen ist, unter genügend dicken Decken weiter zu schwitzen. Und vielleicht sind diese Nächte nach Tagen mit einer bleiern brütenden Sonne das Schlimmste, diese erbarmungslosen Nächte, in denen das diffuse Geschleier am Himmel bisweilen viertel- stundenlang ununterbrochen vom Wetterleuchten häßlich grün erleuchtet wird. Mir haben ganz ernst­hafte und sonst wenig wehleidige Menschen am Morgen darauf versichert, sie wüßten nun, daß man vor Hitze verrückt werden könne.

Zum Ende der Fahrt kommt dann der Rote Hund, und statt daß nur die rinnenden Schweiß­tropfen kitzeln, juckt die ganze, vom Schwitzen ent­zündete Haut und besonders die Kinder sahen zum Erbarmen aus. Und es kommt die Apathie.

er den jungen Rittmeister aus hochadeligem Haus Zögern sah.Gut essen muß der Soldat."

Und schon war er wieder in seinem Vortrag, der nun so bestimmte Anweisungen und Fingerzeige enthielt, daß die Herren unter dem Kauen ihre No­tizbüchlein zogen und schrieben.

Noch einmal traten die Ordonnanzen an und boten jedem eine einfache Frucht. Aber ehe noch einer sie angerührt hatte, schmetterte draußen vor dem Hause ein Trompeter den Großen Alarm in die Luft.

Stecken's ein, meine Herren!" rief der Prinz. Als Nachschub." Und erhob sich von der Tafel, ihm nach wie hochaeschnellt die ganze Runde.

Eine Viertelstunde später stieg er zu Pferde.

Er winkte die Herren zum Kreise um sich.

Daß ich's Ihnen sage, meine Herren", sagte er ernst und leise:Der Soldat muß vor a.l"n Dingen siegen." Und als sie alle den Atem anhielten: Vorwärts, meine Herren!"

Am nächsten Abend war die Schlacht bei Luz- zara gewonnen Achtzehntausend hungrige zer­lumpte Oesterreicher hatten einen vielfach überlege­nen Gegner geschlagen, dank dem Feuer, das der Siegerwille des Prinzen ihnen in Hirne und Kno­chen gegossen hatte.

SchlangenMer Mngo.

Von Paul Eipper

Ob es wahr ist, daß der kleine Mungo nur mit Giftschlangen kämpft?" Diese Frage konnte mir auch der alte Jndienfahrer nicht beantworten, den ich während einer kurzen Rastpause im Hambur­ger Hafen ausforschte. Der vielgereiste Mann hat mehrere Mungokämpfe selbst beobachtet:Es wa­ren allerdings jedesmal Kobras, Brillenschlangen, dieverdammt" giftig sind. Aber so fuhr er fort solch ein Mungo frißt nicht allein Schlangen, sondern ebenso gern Ratten und Mäuse, ja, sogar Obst und wenn er es fangen kann mit sicht­lichem Wohlbehagen auch ein Huhn, draußen in ber freien Wildbahn. Auf der Farm läßt er die Hühner meist in Frieden. Sie wissen doch, daß die Mungos leicht zu zähmen sind und recht erfreuliche Haustiere werden? Sie kommen auf den Pfiff Zum Menschen, sind gutmütig und sehr sauber, eine wahre Wohltat für uns und die beste Reinlichkeits­polizei. Der Mungo wittert jede kleinste Maus im Bungalow und ruht nicht, bis er sie gefangen hat".

Die Nützlichkeit des Mungos bestätigt schon der Altmeister Brehm. Er berichtet, daß in den 70er Fahren des vorigen Jahrhunderts die Zuckerrohr- Pflanzer auf Jamaika Mungos eingeführt haben, weil dort die Plantagen durch ungezählte Ratten schwer gefährdet waren. Die Mungos oerwiklichten

Auch die Tatsache, daß ein sorglicher Kapitän täg­lich 70 Tonnen Süßwasser spendiert, kann einen nicht mehr erfreuen. Man bedenke: 70 000 Kilo Wasser täglich für kaum 300 Menschen, die Be­satzung einbegriffen! Und vielleicht gibt es noch viel schlimmere Fahrten als die, die wir hatten. Als wir noch im Suezkanal fuhren, erzählten mir die See­leute, sie hätten am Abend zuvor in Port Said mit Matrosen von einem Tankschiff gesprochen, das aus dem Roten Meer kam. Seeleute find wortknapp, und der Dialog sah, nach den einleitenden Fragen über Woher und Wohin, etwa folgendermaßen aus:Wie war es denn im Roten Meer?", frag­ten die Deutschen. Die Antwort der Engländer lau­tete überraschend:fyabt ihr gut geschärfte Messer an Bord?" Die Deutschen:Wozu denn?" Worauf die Engländer die Gebärde des Sich-den-Hals- Durchschneidens machten.

Daß es einen bis zum Gedanken an Selbstmord treiben kann, mag Legende fein. Aber wie steht es nun eigentlich mit folgender Geschichte, für deren Wahrheit sich mehrere Angestellte der Schiffe ver­bürgt haben allerdings spielt sie im Golf von Aden, aber das ist fein großer Unterschied gegen das Rote Meer. War da nämlich ein deutsches Schiff, ein Holländer als Passagier darauf und ein Bockbierfest des Abends. Besagter Holländer hatte beim Angriff auf das deutsche Bier wacker seinen Mann gestanden und schlief daher ein. Als er aber erwachte, geschah es unter peinlichen Umständen. Er merkte nämlich, daß er im weiten Ozean schwamm und das Schiff war schon weit. Er mar auf der Reeling sitzend eingeschlafen und ii'-er Bord gefallen. Auf dem Schiff bemerkte man d"s Fehlen des Holländers erst am nächsten Mor n, fünfte indes, trotz der Aussichtslosigfeit des Falles, mit deutscher Gründlichfeit allen Schiffen in der Nähe das Nötige über Kurs und vermutliche St.'le des Unfalls zu. Und tatsächlich: der Mann rombe vom nächsten des Weges kommenden Dampfer a o- fanden und aufgefischt. Und zwar Irhcn= big! Er hatte zwölf Stunden im Wasser zuge­bracht, war sehr durchweicht, aber sonst munter und hatte das Klügste getan, was er tun konnte, sich einfach rücklings aufs Wasser gelegt und nicht gerührt. Die Möwen waren um ihn herumgeflogen

umgehend die auf sie gesetzten Erwartungen, und ersparten dadurch den Pflanzern alljährlich'mehrere Millionen Mark Verlust.

Mancherlei Legenden ranken sich um den Mungo; es wurde früher behauptet, daß er deshalb gegen Schlangengift gefeit sei, weil er nach dem Kampf gewissermaßen als Gegengift eine ganz be­stimmte, sehr bittere Pflanzenwurzel sorgfältig kaue. Dies ist ein Märchen; das Geheimnis seiner Ueberlegenheit beruht ganz allein in der Behen­digkeit dieses allerdings äußerst mutigen Raudtie- res. Würde der Mungo von einer Giftschlange ernst­haft gebissen, so müßte er wahrscheinlich ebenso sicher daran sterben, wie jedes andere warmblütige Tier. Der Todeskampf würde vermutlich nur etwas länger dauern. Allerdings wird von zuverlässigen Beobachtern einstimmend berichtet, daß der Mungo auch die Köpfe der von ihm erlegten Giftschlangen verzehre; das Gleiche tut übrigens der Igel, der eine Kreuzotter tötete, tut wohl auch der Iltis.

Aber es kommt eben sehr selten vor, daß die an­gegriffene Kobra ihre Giftzähne ins Muskelfleisch des Mungo schlagen kann; denn derSchlangen­töter" hat eine besonders dicke Haut. Zudem sträubt er beim Kampf feine silbergrau gesprenkel­ten, starren Körperhaare und erhält auf diese Weise eine Art Schutzpanzer, zumindest einen recht zu­verlässigenPaukschurz". Der Mungo bleibt ja auch während des Kampfes kaum eine Sekunde ruhig, läuft und huscht auf seinen kurzen Beinchen scheinbar ziellos umher springt aber im richtigen Augenblick treffsicher auf die Schlange, packt sie mit den Krallenpioten und versucht, sie alsbald in den Nacken zu beißen, zu lähmen und zu vernich­ten. Gelingt das nicht, weil die große Giftotter das vordere Körperdrittel aufrichtet,'so umkreist sie der knapp fünfzig Zentimeter lange Mungo von neuem, faucht und weicht geschickt den jähen Vorstößen der gefährlichen Feindin aus.

Mein indischer Gewährsmann behauptete, gerade dieser Teil des Kampfes sei von atemraubender Spannung, weil man klar erkennen könne, daß der zornig gesträubte Mungo mit kühler Ueberlegung Zu Werk gehe. Er soll die um ihr Leben kämpfende Kobra geradezu ermüden mit seinem Umberren« nen und mit seinen Scheinangriffen, bis allmählich ihre Vorstöße immer langsamer werden. Nun springt er wiederum zu, gräbt an der richtigen Stelle seine Zähne ins Nackenfleisch der Schlange, die sich verendend zu einem wirren Knäuel zusam- menrollt, ohne den Besieger mit ihren todbringen­den Waffen erreichen zu können. Im Gegenteil Der Mungo trägt seine Beute stolz erhobenen Kaufes in irgendeine ruhige Schattenecke und macht sich ans genußvolle Mahl. Selten soll mehr von der Giftschlange übrig bleiben als das Schwanzende ober ein Schädelknochen.

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