zu Bulgarien in der mazedoni
Tage,
polens Industrialisierung
daß e r -
beitem Beschäftigung bieten. Vieles dürfte Zukunftsmusik sein, da die finanzielle Lage des polnischen Staates nicht günstig ist. Trotzdem hat der Staat in diesem Jahre für das neue Industriegebiet 800 Millionen Zloty bereitgestellt, so daß immerhin ein Anfang gemacht worden ist.
Deutscher Protest gegen eine Rede des Wojwoden von Ost-Oberschlesien.
reform. Im weiteren trat der Minister der Auffassung entgegen, daß die Parzellierung einen Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion nach sich ziehe.
polnischen Grenze entlang entgegenzukommen, aber grade diese Abkehr von der bisher geübten Zurückhaltung gegenüber jeder engeren Verbindung mit Moskau ist in Rumänien höchst unpopulär gewesen und hat zum Sturz Titulescus wesentlich beigetragen.
Im vergangenen Jahr ist nun in Prag ein Buch erschienen, das den Titel führt: „Sowjetrußland und die Kleine Entente in der Weltpolitik". Das dickleibige Werk hat den tschechoslowakischen Gesandten in Bukarest, Jan S e b a (sprich: Scheda), zum Verfasser, der tschechische Ministerpräsident K r o f t a hat ihm ein Vorwort gewidmet. Auf dem Umschlag breitet ein rotes Bombenflugzeug, von Ost nach West fliegend, seine Flügel über eine Karte von Mitteleuropa. Das Buch, das also seinen offiziellen Charakter gar nicht zu verbergen wünscht, hat in Warschau sowohl wie in Bukarest lebhafte Entrüstung ausgelöst. Begreiflicherweise, denn es legt sich in der Kritik der politischen Haltung Polens wie Rumäniens in Vergangenheit wie Gegenwart keinerlei Zurückhaltung auf. Seda bedauert, daß es in Versailles nicht gelungen sei, wie es ursprünglich in der Absicht der Versailler Friedensmacher gewesen sei, die Grenzen Polens so zu ziehen, daß die Tschechoslowakei direkter Anrainerstaat Sowjetrußlands geworden wäre, wodurch „die Frage des Durchmarsches sowjetrussischen Militärs nach der Tschechoslowakei bedeutend einfacher gewesen wäre". Aufrichtig ist Sebas Trauer über den Sturz Titulescus. Er schreibt: „Minister Titulescu trug dafür Sorge, daß die Annäherung zwischen Rumänien und Rußland sich in berfelben Zeit vollziehe wie die Annäherung zwischen Prag und Moskau. Er hatte in dieser Beziehung einen schwereren Stand als Benesch. Die rumänische öffentliche Meinung und besonders ihr entscheidender Teil, das bevorzugte Bürgertum, konnte sich nur schwer mit der
Gin Aussatz Lord Rothermeres
London, 12. Febr. (DNB.) In der „Daily Mail" schreibt Lord Rothermere unter der Ueberschrift „Die Gefangenen der Tschechoslowakei", der Fehler, der mit der Schaffung jenes künstlichen und merkwürdigen Staates gemacht worden ist, der Tschechoslowakei genannt wird, kann Europa möglicherweise einen Krieg kosten. Von allen Fehlern, die von den „Friedensmachern" in Paris begangen wurden, war dieser der schlimmste. Eine kleine Gruppe selbstsüchtiger Sachverständiger überschüttete sie mit einseitigen Denkschriften. Das Ergebnis war, daß fie eine Regelung, die i m einseitigen Interesse der Tschechen lag, annahmen. Schon der Name Tschecho-Slowakei war ein gefälschtes Etikett ohne historische oder ethnographische Bedeutung, im Interesse der Tschechen geschaffen, eines verschlagenen Volkes, das es verstanden hat, während des ganzen Krieges m i t je einem Fuß in beiden Lagern zu stehen und nach Kriegsende eine extravagante Belohnung von den Siegern für sein Doppelspiel verlangte.
Obwohl die Tschechoslowakei 14 Millionen Einwohner hat, sind nur 7 Millionen Tschechen. Die Hälfte der Bevölkerung hat es fertiggebracht, den Rest zu annektieren und zu beherrschen. Selbst nach löjähriger systematischer Tschechi- sierung kann ein Drittel der Bevölkerung weder tschechisch noch slowakisch sprechen. Da Tschechen und Slowaken nur 8V2 Millionen zählten, sicherten sich die tschechischen Führer mit zweifelhafter Beweisführung die Annektierung großer Blocks völlig von ihnen verschiedener Völker. Auf diese Weise wurde die Tschechoslowakei durch den Einschluß von 3V4 Milli 0 ne«n Deutschen und im Süden durch die rücksichtslose Zuteilung von */< Millionen reinblütiger Ungarn abgerundet. Diese beiden geschlossenen Kontingente von Ausländern wur-
B e u t h e n, 12. Febr. (DRB.) Bei der kürzlichen Bestattung des Bialystoker Vizewojwoden und Au f st ä n d i s ch e n f ü h r e r s Zgrzebnik in Rybnik hielt der Wojwode von Ost-Oberschlesien Graßynski eine Grabrede, die laut „Polska Za- chodnia" u. a. nachstehende Sätze enthielt: „Ich nehme von dir Abschied namens aller Aufständischen, deiner Wafsengefährten, und stelle folgendes fest: Du stammest aus Dziergowitz, aber mir b e - erdigen dich leider in Rybnik. Dein Grab wird hier nicht nur Zeichen errungener Siege, sondern auch Symbol unserer noch unerfüllten Hoffnung und Sehnsucht sein." — Da Oderwalde (Dziergowitz) in dem beim Reich gebliebenen Teile Oberschlesiens liegt, stellt diese Auslassung eine gegen den Bestand des Reiches gerichtete Kundgebung des Wojwoden Grafzynski' dar, der schon wiederholt öffentliche Steuerungen dieser Art getan hat. Da der deutsche Botschafter in Warschau beauftragt worden ist, bei der polnischen Regierung gegen diese unverantwortlichen Aeußerungen eines hohen polnischen Beamten Verwahrung einzulegen, darf man erwarten, die Warschauer Regierung nunmehr die forderlichen Maßnahmen ergreift.
„Die Gefangenen der Tschechoslowakei."
Oer schlimmste Fehler der Versailler Friedensmacher.
bungsflächen hatte. Prag suchte vielmehr die Freundschaft der Italiener als Gegner des österreichischen Anschlußgedankens. Südslawien hat dagegen bis heute jede Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zur Sowjetunion abgelehnt. Das hängt zusammen mit den engen dynastischen Beziehungen des serbischen Königshauses zu der durch die Bolschewisten ermordeten russischen Zarenfamilie. Sowohl der in Marseille 1934 ermordete König Alexander, wie seine Geschwister, und der jetzige Prinzregent Paul haben während der Verbannung König Peters durch die Obrenoviksch ihre Erziehung am Hofe von St. Petersburg genossen. In Belgrad haben die Reste der Wrangel- armee nach dem Mißlingen ihres Kampfes gegen die Bolschewisten freundliche Aufnahme und dauerndes Asyl gefunden. Die heftigen innerpolitischen Erschütterungen, die in den ersten Jahren eine Konsolidierung des neuen südslawischen Staates verhindert haben, erforderten einen scharfen Kurs gegen den Kommunismus, der im Verein mit separatistischen Strömungen leicht zu einer Gefahr für den Staat hätte werden können, der so schwer um seine endgültige Form ringen mußte. Auch aus diesem Grunde verbot sich für die Belgrader Regierung ein näheres Verhältnis zu Moskau, dem Hei^ des Bolschewismus.
Die schwerste Belastung der südslawischen Außen Politik bedeutete neben dem italienischen Druck au die Adriaküste und den engen Beziehungen Roms zu Ungarn und Albanien, Südslawiens begreiflicherweise wenig freundlich gesonnenen Nachbarn im Norden und Südwesten, der scharfe Gegensatz
Restlose Durchführung der polnischen Agrarreform.
Warschau, 12. Febr. (DNB.) Im Senat wies der polnische Landwirtschastsminister P 0 n i a 10 w- s k i darauf hin, daß nach dem Agrarreformgesetz bis Ende 1935 zwei Millionen Hektar hätten parzelliert werden sollen. Indessen seien bisher nur knapp 1 400 000 Hektar parzelliert worden. Die Regierung halte es daher für ifjre Pflicht, die noch fehlenden mehr als 600 000 Hektar z u parzellieren, um bas Gesetz vollständig durchzuführen. Der Minister beftritt, daß die Regierung eine Vernichtung des Großgrundbesitzes anstrebe. Wenn das ihr Ziel wäre, hätte sie dafür sehr viel einfachere Mittel finden können, als das Gesetz über die Agrar-
Im Auswärtigen Ausschuß des polnischen Sejm hat der stellvertretende Ministerpräsident und Handelsminister Kwiatkowski Mitteilungen über die Schaffung eines neuen Indu - striegebietes südlich von Warschau gemacht, dessen Mittelpunkt der Ort Sand 0 mir sein soll. In den nächsten vier Jahren will die Regierung nicht weniger als 2,4 Milliarden Zloty (rund 1,2 Milliarden RM.) aufwenden, und zwar soll dadurch die gewaltige Arbeitslosigkeit in Polen gemildert werden. Insgesamt wird für den Aufbau des neuen Industriegebiets eine Zeit von zehn Jahren vorgesehen. Zwar wird im wesentlichen ganz Polen von dem neuen Jnvestierungsplan Vorteile ziehen, aber neben Gdingen, für das etwa 60 Millionen Zloty bereitgestellt werden, und neben Bereitstellung von 40 Millionen Zloty für landwirtschaftliche Zwecke wird der Hauptteil der staatlichen Gelder sicherlich im neuen Industriegebiet verwendet werden. Lange Zeit hindurch lag Polens Wirtschaft in einer schweren Krise, die dadurch verschärft wurde, daß die Ueberzahl an Juden des Landes sich vornehmlich mit dem Handel beschäftigte und die Produktion, die durchweg polnische Träger hat, von ihnen ausgenutzt wurde, zumal Vertriebsorganisationen fast durchweg fehlten. In der letzten Zeit hat sich die Konjunktur etwas nach oben entwickelt, die Produktionswirtschaft hat in einigen Industrien einen größeren Elan entfaltet und sich von der ausbeuterischen Bevormundung des Judentums selbständig zu machen versucht, und Minister Kwiatkowski hat durch die Anlage des großen Stick st offwerkes Mos- c i c gezeigt, daß er seinen Worten auch Taten nach- olgen läßt. Die Struktur der polnischen Industrie ist in einem Lande, das etwa 75 v. H. seiner Bevölkerung durch Landwirtschaft ernährt, hauptsächlich nach Westen verlagert. Die Kohlen-, Eisen- und Stahl in du st r i e liegt in Oberschlesien und dem anschließenden Dombrowaer Revier, die verarbeitende Industrie bei Warschau, die chemische und Textilindustrie bei Lodz, Bialystock und Bilitz. Das neue Industriegebiet kommt in einem industriearmen Raum bei Sandomir, einem Städtchen südwestlich des Ein- lusses des San in die Weichsel. Dieses Industriegebiet, das im sogenannten polnischen Sicherheitsrayon liegt, wird vor allem der Landesverteidigung dienen. Aber auch die bisher noch unbenutzten Kräfte der Wasserfälle in den Karpathen werden für die Industrie in Form von Elektrizität nutzbar gemacht, die zahlreichen Erdgasvorkommen werden ebenfalls ausgenutzt und der Bau der Werke wird vielen Tausenden von Ar-
Englands E'chlachtsckiffneubauien.
Zu Beginn dieses Jahres sind die beiden englischen 35 000-Tonnen-Schlachtschiffe „King G e - 0 r g e V." und „P r i n c e 0 f Wales" auf Stapel gelegt worden. Es sind die ersten großen Neubauten feit 1922. Damals wurden „Nelson" und „Rodney" begonnen. Für jedes der neuen Schlachtschiffe sind sieben Millionen Pfund (also rund 85 Millionen Mark) vorgesehen. 1940 sollen die Schiffe ihren Platz in der Marine einnehmen. Als stärkste Bewaffnung sind 35,6-cw -Geschütze vorgesehen. Auf ein größeres Kaliber haben die Engländer verzichtet, obwohl sie die Möglichkeit gehabt hätten, weiter zu gehen, da die Japaner die Kaliberklausel des Londoner Vertrags abgelehnt hatten, so daß die Mächte bei der Bestimmung der Kaliber freie Hand haben. Nach britischen Zeitungsmeldungen sollen die 35,6-ow-Geschütze in vier Drillingstürmen untergebracht werden. Die Hauptbewaffnung besteht also aus 12 schwersten Geschützen. Vorgesehen sind weiter zwölf 15,2-cm- Geschütze. Sie werden in sechs Doppel- türmen Aufstellung finden. Für die Flugabwehr kommen acht 12-cw-Geschütze, außerdem die leichte Flugzeugabwehr in Frage. Es ist damit zu rechnen, daß sich an Bord der neuen Schlachtschiffe mehrere Flugzeuge befinden werden. Sir Samuel Hoare hat jedenfalls in einer Rundfunkrede erklärt, daß die Schiffe eine Verbindung von Schlachtschiff und Flugzeugträger dar- stellen sollen. Wahrscheinlich werden im Laufe dieses Jahres noch zwei weitere 35 000-Tonnen-Schifie auf Stapel gelegt werden.
Londoner preffestimnien zur Merreduna Ribbentrops mit Lord Halifax
London, 12. Febr. (DNB.) Obwohl die englische amtliche Meldung über die Unterredung des Botschafter von Ribbentrop mit Lord Hali- f a x lediglich besagte, daß verschiedene Fragen, die das Interesse der beiden Länder berühren, besprochen worden seien, sagt „Daily Mail", daß das Kolonialproblem nicht „formell" erörtert worden sei. Botschafter von Ribbentrop habe darauf hingewiesen, daß Deutschland wegen seiner wachsenden Bevölkerung einen Anspruch auf d i e Rückgabe seiner früheren Kolonien habe. Lord Halifax habe dem Botschafter auf den Rohstoffausschuß in Genf verwiesen. Ribbentrop habe anscheinend erklärt, daß der Führer die Ansichten der britischen Regierung zu wissen wünsche. Halifax habe versprochen die Angelegenheit dem Kabinett vorzutragen. Weiter seien die kommunistische Gefahr und der französisch- s 0 w j e t r u s s i s ch e Pakt erörtert worden sowie die Nichteinmischungspolitik. Ribbentrop habe die deutsche Bereitschaft erklärt, ein Freiwilligenverbot zu verhängen, sobald eine Allgemeinregelung erreicht worden sei. Deutschland könne aber keine Form der Einmischung dulden, die es Sowjetrußland erlaube, weiter Einfluß in Spanien auszuüben.
„Morning Post" glaubt, der Botschafter habe besonders auf die Erklärungen des Führers hinge- wiesen, daß Deutschland an der Befriedung Europas mitarbeiten, an Verhandlungen für einen neuen Westpakt teilnehmen und Belgiens und Hollands Neutralität garantieren wolle. Was die Tschechoslowakei anlange, so habe Ribbentrop darauf aufmerksam gemacht, daß Deutschland sich um ein besseres Verstehen bemühe unter der Voraussetzung, daß eine Zusicherung bezüglich des Schutzes der deutschen Minderheit gegeben werde.
Ser italienische Thronerbe geboren.
Rom, 12. Febr. (DNB.) Die italienische Kronprinzessin hat am Freitagmittag 14.30 Uhr den von ganz Italien sehnlichst erhofften Thronerben geboren. Der Führer und Reichskanzler hat sowohl dem König von Italien, Kaiser von Aethiopien, als auch dem Kronprinzen und der Kronvrinzessin herzliche Glückwünsche zu dem freudigen Ereignis ausgesprochen.
Die Geburt des Thronerben hat in ganz Italien größten Jubel ausgelöft. Kaum hatten 101 Salutschüsse die mit Spannung erwartete glückliche Geburt eines Thronerben angekündigt, eilten Tausende begeisterter Neapolitaner zum königlichen Schloß, um in stürmischen Ovationen dem Haus Savoyen ihre Huldigungen darzubringen. Rom prangt in prächtigem Flaggenschmuck. Auch hier verkündeten 101 Salutschüsse der Bevölkerung das frohe Ereignis. Gleichzeitig ertönte die nur bei ganz seltenen Anlässen, so zuletzt bei der Prokla- mation des Imperiums, erklingende Glocke des Capitols. Am Montag bleiben die öffentlichen Slemter und Schulen geschlossen. Ebenso wie der D u c e hat auch der P a p st die Nachricht von der Geburt eines Thronerben mit größter Freude aufgenommen. Die deutsche Botschaft hat gleich- falls Flaggenschmuck angelegt. Dem Thronerben, der die Namen Viktor Emanuel erhält, wird der Titel eines Prinzen von Neapel verliehen.
Verzweiflung in Madno.
Salamanca, 13. Febr. (DNB. Funkspruch.) Die Zeitung des Bolschewistenhäuptlings Largo Caballero „El S 0 z i a l i st a" läßt die Lebensmittelknappheit der Madrider Bolschewisten klar erkennen. Das Blatt fordert nachdrücklich, daß die Valencia-Bolschewisten Lebensmittel für die Bolschewisten in Madrid senden, damit nicht Madrid das Schicksal Malagas erleide. Mit lee- rem Magen sei es nämlich unmöglich tatkräftigen W i d e r st a n d zu leisten.
Wie aus nervösen Aufrufen des Madrider Senders hervorgeht, ist die Bestürzung im bolschewistischen Lager über die jüngst an allen Fronten erlittenen Niederlagen außerordentlich groß. In den zahllosen Aufrufen heißt es immer wieder, daß Madrid jetzt feiner schwersten Stunde entgegengehe. Ein Artikel des Madrider Syndikalistenorgans „CNT" greift die bolschewistische Leitung von Valencia, die „in Wohlleben und Sorglosigkeit" dahinlebt, heftig an. Die Bolschewisten in Valencia dürften sich nicht um die
der durch die ständigen Grenzzwischenfälle mazedonischer Komitatschis latent erhalten wurde. An dieser Frage ist auch Griechenland in hohem Maße interessiert, oas ein Drittel Mazedoniens besitzt und die Bulgaren vom Aegäischen Meer zurückgedrängt hat. Schließlich spielen auch die Interessen der Türkei hinein, die in Ostthrazien noch mehr als 20 000 Bulgaren beherrscht und wegen ihres Restbesitzes in Europa auch an der Aufrechterhaltung der Entwaffnungsbestimmungen für Bulgarien sich interessiert gezeigt hat. Dieser gemeinsame Jnteressenkomplex hat die Anrainer Bulgariens zum Abschluß des Balkanbundes bewogen, eine Parallelunternehmung der Kleinen Entente und ebenso wie er unter der Aegide Frankreichs entstanden. Ihm gehört die Tschechoslowakei nicht an, wie ja auch Griechenland und die Türkei nicht Teilhaber der Kleinen Entente sind, nur Rumänien und Süd- slawien sind in beiden Koalitionen vertreten.
Wir sind in der Erinnerung an die Entstehungsgeschichte der Kleinen Entente ausführlicher geworden, weil sich damals schon deutlich das Ausein- anberlaufen der Interessen der drei Vertragspartner abzeichnete, das heute zu einer Krise der Kleinen Entente geführt hat, die zwar keineswegs tödlich zu sein braucht — darüber darf man sich keiner Täuschung hingeben — aber doch schon gewisse Tendenzen einer Neuorientierung aufzeigt. Der Dreikönigsvertrag vom Jahre 1935, in dem Frankreich den Italienern freie Hand in Ostafrika ließ, mahnte Südslawien, das sich von feinem fran-; zösischen Verbündeten im Stich gelassen fühlte, sein Verhältnis zu Italien auf eigene Faust zu bereinigen, nachdem die französische Vermittlung durch die Mordtat von Marseille im Oktober 1934 abgeschnitten worden war. Südslawien hat sich während des Abessinienfeldzugs zwar mit Griechenland und der Türkei an dem von England ausgehenden Mittelmeerabkommen mit der deutlichen Spitze gegen Italien beteiligt, aber nach Beendigung des Feldzuges freundschaftlichere Beziehungen zu Italien anzuknüpfen versucht und dabei in Rom Entgegenkommen gefunden, vorerst namentlich auf handelspolitischem Gebiet. Es ist dann erst vor wenigen Tagen den südslawischen Staatsmännern gelungen, den wichtigsten, aber auch schwierigsten Punkt des politischen Testaments König Alexanders zu bereinigen: das Verhältnis zu Bulgarien. Der südslawisch-bulgarische Freundschaftsvertrag, der soeben in Belgrad abgeschlossen wurde, ist dazu bestimmt, auch die mazedonische Frage aus der Welt zu schaffen, die viele Jahrzehnte hindurch zwischen den beiden so nah verwandten Volkern stand. Der Abschluß dieses Vertrages, von dem Südslawien seinen Bundesgenossen Kenntnis gab, hat bei den anderen Teilhabern des Balkanbundes begreiflicherweise keine reine Freude ausgelöst. Nachdem Bulgarien allen Lockungen zum Eintritt in den Balkanbund widerstanden hat, sieht man in Athen, Bukarest und Ankara in diesem zweiseitigen süd- flawisch-bulgarischen Pakt eine gewisse Lockerung der gemeinsamen antireoisionistischen Front. Die in diesen Tagen in Athen zusammentretende Konferenz des Balkanbundes wird Gelegenheit geben, sich darüber auszusprechen. Aber da auch noch ein anderer Teilhaber, die Türkei nämlich, durch den Besuch ihres Außenministers in Mailand die Beziehungen zu Italien neuzuknüpfen und damit die Starre zu überwinden sucht, die solange lähmend über dem Südosten lag, wird es den südslawischen Ministern nicht so schwer fallen, ihre Aussöhnung mit Bulgarien zu begründen, zumal es durchaus den Anschein hat, als ob der italienische Außenminister Graf Ciano in Mailand mit Rüschtü Aras nicht nur als Außenminister der Türkei, sondern auch als Mitglied des Balkanbundes gesprochen hat. Rüschtü Aras hatte inzwischen über seine Mailänder Zusammenkunft eine Aussprache mit dem südslawischen Regierungschef S t 0 j a d i n 0 w i t s ch. Gewiß kann es sich für die Balkanstaaten nicht darum handeln, nun vom französischen Fahrwasser in das italienische überzuwechseln, vielmehr wird der zuerst in Belgrad proklamierte Grundsatz: „Der Palkan den Balkanvölkern" die Richtschnur für künftiges Handeln fein.
Weit heftiger sind die Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Kleinen Entente. Hier ist es das Verhältnis zu Moskau, das zu einer äußerst lebhaften Debatte zwischen Prag, Bukarest und Belgrad geführt hat. Die Tschechoslowa- fei hat durch den Abschluß des Militärpakts mit der Sowjetunion vom 16. Mai 1935 von den Staaten der Kleinen Entente eine Sonderstellung eingenommen. Südslawien ist aus den oben schon bargelegten, auch heute noch voll und ganz stichhaltigen Gründen keinesfalls gewillt, seinem Bundesgenossen auf diesem Wege zu folgen, den es für verhängnisvoll hält. Um so energischer sind die Bemühungen Prags, wenigstens die Rumänen in den Pakt mit Moskau hineinzuziehen, Bemühungen, die natürlich von der französischen Diplomatie sehr lebhaft unterstützt werden. Wir haben hier früher schon einmal die verwickelten Grenzverhältnisse bargelegt, die es den russischen Bolschewisten nicht gestatten, zu dem in der Tschechoslowakei gefundenen Sappenkops der Roten Armee eine direkte Verbipdung zu erhalten, ohne rumänisches oder polnisches Gebiet zu durchschreiten Der im vergangenen Jahre gestürzte rumänische Außenminister Titulescu wäre anscheinend geneigt gewesen, den tschechischen Wünschen durch den Bau einer strategischen Bahnlinie an der rumänisch-
den den Tschechen überantwortet, ohne daß man sie gefragt pätte; als wenn fie Vieh wären. Als Gefangene eines Volkes, das bekannt ist wegen feiner Niedertracht, find sie kaltblütiger Enteignung und Unterdrückung ausaesetzt gewesen. Jede Anstrengung ist gemacht worden, um ihre Sprache zu unterdrücken, die tschechische Polizei hat versucht, ihren Geist durch systematische Ver- folgung zu brechen. Letztes Jahr wurde ein Verteidigungsgesetz angenommen, das die sofortige Versetzung jedes Deutschen ober Ungarn von seinem Wohnsitz an der Grenze in das Innere des Landes ermöglicht, sobald eine örtliche tschechische Behörde das wünscht. Denn die Tschechen, die mit Beute überladen sind, haben ein schlechtes Gewis- s e n. Die Beschwerden der 3'/§ Millionen Deutschen, die in Berlin Nicht unbeobachtet bleiben und die gerechte Forderung Ungarns aus Rückgabe feiner verlorenen Staatsangehörigen, die jenseits der tschechischen Grenze ebenfalls mitfühlende Beachtung gefunden hat, ist die Drachen faat, die die Tschechen ausgesät haben, sie sproßt rings um sie in tödlichen Gefahren auf.
Aus Furcht vor Wiedervergeltung hat die Tschechoslowakei einen Beistandspakt mit Sorojet* rußland abgeschlossen. Sowjetrussische Offiziere kamen sofort nach Prag, um tschechische Flugplätze und den Benzinbedarf für bolschewistische Kriegsflugzeuge zu organisieren. Mit Flugzeugen vom tschechischen Boden aus können bolschewistische Bombenflugzeuge innerhalb einer Stunde über Berlin, Dresden und Breslau fein. Vor zehn Jahren habe ich festgestellt, daß die Tschechoslowakei ein beunruhigendes Element in Mitteleuropa ist. Heute hängen die Kriegswolken schwer um seine Grenzen. Dr. Benesch, Der Hauptgründer des tschechoslowakischen Staates, ist nunmehr- sein Präsident. Es ist bezeichnend, daß sein Land nicht einen einzigen Freund unter seinen fünf angrenzenden Staaten hat.
neuen Orientierung vertraut machen, da es durch die Perspektive, mit einem Nachbarn, der die alten Privilegien aufhvb, in Beziehung zu treten, verängstigt ist. Die Idee, daß durch die Beziehungen mit den Sowjets jene Klassen des rumänischen Volkes, die vom sozialen Standpunkt betrachtet, schwach sind, die gefährlichen sozialistischen Ideen in sich aufnehmen könnten, ruft eine Unruhe in den Reihen der Führer der Gesellschaftsklasse hervor, die in Luxus und ohne Arbeit lebt." Es dürfte wohl einzigartig sein, wie hier ein aktiver Diplomat die politische Führung eines Landes charakterisiert, bei dem er beglaubigt ist. Seba schreibt dann weiter: „Nach dem herzlichen Telegrammwechsel, den die Herren Litwinow und Titulescu gelegentlich des Jahrestages der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Rumänien und Rußland austaufchten, begann Titulescu mit Moskau zu verhandeln, um einen gegenseitigen Unterstützungsoertrag nach dem Muster des tschechisch-russischen Vertrages abzuschließen. Diese Verhandlungen sind nicht abgeschlossen worden." Es ist kein Wunder, daß diese (Eröffnungen des tschechischen Diplomaten, der zum engsten Freundeskreise des Präsidenten Benesch gehört, in der rumänischen Kammer lebhafte Entrüstung heroor- gerufen haben, denn Titulescu hatte, als er damals über seine Absicht eines Kurswechsels gegenüber Moskau zur Rede gestellt worden war, jede Verhandlung mit den Sowjets geleugnet. Herr Seba ist zur Berichterstattung nach Prag beordert und wird vermutlich nicht wieder nach Bukarest zurückkehren. Aber es ist nützlich für die Klarstellung des intimen Verhältnisses der Tschechoslowakei zu Sowjetrußland, daß hier von offizieller Stelle die Katze aus dem Sack gelassen wurde und Rumänien sowohl wie Polen die Gedankengänge kennen lernten, in denen sich die maßgebenden tschechoslowakischen Politiker bewegen. Fr. W. L.
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