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Nr.lO Dritter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Mittwoch, lZ.Zanuar 193?
Aus der Provinzialhauptstadt
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NSG. Die RattonalfoziaUsttsche Deutsche Arbeiterpartei des Gaues Hessen-Nassau vereinigt am kommenden Sonntag in 36 Kreisappellen alle hoheitsträger, Politischen Leiter, Amtswalter der Partei und Führer der Gliederungen. 3n den meisten Fällen finden diese Appelle in den Städten, die Sih der Kreisleitung sind, statt.
Der Zweck dieser Grohaktion ist nach der Winterruhe vom 15. Dezember 1936 bis 15. Januar 1937 die Propagandaarbeit für das kommende Jahr aufzunehmen.
Besondere Bedeutung kommt dem Appell des Kreises der Gauhauptstadt Frankfurt a. 2R. zu. Im Hippodrom spricht der Gauleiter zu den versammelten Parteigenossen. Er gibt die Parole aus, nach der die gestellten Aufgaben des Jahres 1937 erfüllt werden müssen.
Die Rede des Gauleiters wird in die übrigen 35 Kreise Hessen-Nassaus übertragen.
Nach einleitenden Worten des jeweiligen Kreisleiters hören so im ganzen Gau Hessen-Nassau die Führer der Bewegung die Worte des Gauleiters, die ihnen Ziel und Ansporn geben werden.
dings auf diese Provokation, wenn man es nicht als ihre boshafte Antwort betrachten will, daß jene mutigen Dreizehn am nächsten Tage mit einem erbarmungswürdigen Brummschädel erwachen.
Zwischen jenen Angstgemütern und diesen Kraftprotzen steht die große Zahl derjenigen, die von dem Dreizehnten nicht viel Aufhebens machen, die an ihm wie an jedem anderen Tage unverzagt ihre Pflicht erfüllen, die ohne Säumen zum Büro oder zur Werkstatt gehen und häufig erst nach Feierabend die Wahrnehmung machen, daß abermals ein Dreizehnter im Schwinden begriffen ist. Erst dann beschäftigen sie sich vielleicht mit der fatalen Tatsache des Dreizehnten und sind es zufrieden, daß sein Verlaus nicht unerfreulich war. Denn offengestanden: in gutem Ansehen steht der Dreizehnte auch bei ihnen nicht.
Mit dem Dreizehnten ist es nämlich so wie mit der schwarzen Katze, die einem plötzlich über den Weg läuft. Manchmal bemerkt man sie nicht, und dann ist es gut. Bemerkt man sie aber, so stellt sich
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Unfallverhü- itnis der Un« cht als Ent- b« Verletzten rldigt nicht, lerdings nach egenüber dem iebsunfaß nur
Weisungen. Schließlich sah man noch auf dem Platz vor dem Hotel Schütz die Polizeibeamten als liebenswürdige und hilfsbereite Helfer, die kleinere Kinder an der Hand über den Platz führten und ihnen dabei zeigten, wie man es machen muß, um ungefährdet über den Platz zu kommen. Angeregt von dieser unterhaltsamen Belehrung durch die Polizei machten sich die Kinder auf den Heimweg.
Nach den Buben nahm noch eine Schar Mädchen
Und dann erzählte sie ihm. Erzählt von ihrer frühesten Kindheit in Rußland, dem „breiten Leben" im Hause ihres Vaters, des großen Petersburger Anwalts, dessen einzige Tochter sie ist. Von dem unsagbaren Schrecken der Revolution, die ihr den Vater nahm, in einem gräßlichen nächtlichen Angsttraum voll polternder Schritte auf der Treppe, von rauhen, streitenden Männerstimmen, verzweifeltem Frauengeschrei und knatternden Revolverschüssen. Die abenteuerliche Flucht dann nach Finnland mit
zur Verkehrsbelehrung in dem großen Polizeiwagen Platz und auch sie folgten mit großer Aufmerksamkeit den Erklärugen der Polizeibeamten.
Dieser Verkehrsunterricht für die Jugend wird im Laufe dieser Woche noch fortgesetzt, so daß sehr viele Kinder dieser Belehrung teilhaftig werden, denn gerade die Aufklärung der Jugend und ihre Erziehung zur Verkehrsdisziplin ist der aussichtsreichste Kampf gegen den Verkehrsunfall.
stutzigkeit und halb verzweifelt aus. Und dann wandelt sie plötzlich eine irrsinnige Lust an, über sein entgeistertes Gesicht zu lachen — alles kommt ihr auf einmal so komisch vor, so rasend lächerlich wie in einem Zerrspiegel — diese ganze verrückte Situation — das ganze Leben — alles... Man könnte sich ausschütten vor Lachen...
Ihr Mund verzerrt sich zu einer zitternden Grimasse. Aber sie hat doch noch die Kraft, diesen schrecklichen, unwiderstehlichen Kitzel in ihrer Kehle zurückzudrängen. Nur keinen Schreikrampf bekommen — denkt sie —, bloß das nicht. Aber wenn er jetzt aufsteht und höflich grüßend davongeht, dann kann ich für nichts mehr einstehen.
Doch da hört sie schon wieder seine tiefe, ruhige Stimme. Er hat sich völlig in der Gewalt. Nur etwas wie eine dunkle Traurigkeit schwingt in seinem Ton, als er jetzt zu ihr sagt:
„Entschuldige, Evelyn, die Ueberraschung war zu plötzlich. Mir dröhnt ein bißchen der Kopf. Aber das wird sich schon geben... Du wirst mir viel zu erzählen haben — aber nicht hier. Gehen wir ums Kap, da spricht es sich leichter. Ich verstehe von alledem zunächst ja noch kein Wort. Aber du wirst es mir erklären, alles — ja? Versprich mir, Evelyn, daß du mir alles sagen wirst — auch das Schlimmste, wenn es das gibt...", setzte er zögernd hinzu.
Evelyn nickt nur immer wieder stumm mit dem Kopf. Sie fühlt sich jetzt merkwürdig ruhig. Sie weiß, es wird nun aus sein zwischen ihnen. Aber er soll wenigstens alles wissen, alles richtig verstehen. Was dann mit ihr geschieht, ist gleichgültig. Ganz gleichgültig ...
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Heerschau des Gaues Hessen-Nassau.
Kreisappelle der NSDAP, in allen Kreisstädten des Gaues am 17. Januar.
Links: Der Wachtmeister als freundlicher Begleiter über den verkehrsreichen Platz. — Rechts: Polizeikommissar Zimmer erklärt am Selterstor den Buben den Sinn der Anweisungen des Verkehrspolizisten. — (Aufnahmen [2]: Neuner, Gießener Anzeiger.)
tilgung des edlen Gerstensaftes einiges leisten, um i solchermaßen ohne Zagen die dunklen Mächte her- I ausmfovdern. Die dunklen Mächte pfeifen aller-
Dein Freund, her Wachtmeister!
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Der Dreizehn««
Es gibt Leute, die ihn ängstlich fürchten. Der Dreizehnte ist ihnen so unsympathisch wie des Teufels Großmutter, und sie würden ihm im weiten Bogen aus dem Wege gehen, wenn es sich machen ließe. Aber da sich im Ablauf eines Monats unvermeidlich eines Tages der Dreizehnte einstellt, bleibt ihnen nichts übrig, als ihn ergeben wie^ eine Schicksalsfügung hinzunehmen. Indessen hüten sie sich an diesem Tage vor wichtigen Unternehmungen und atmen erst wieder auf, wenn wie ein milder Tröster der Vierzehnte sein Kalenderblatt vor ihren Augen präsentiert.
Natürlich gibt es auch andere. Solche beispielsweise, die sich mutig zu einem Klub der Dreizehn zusammentun und nur einmal im Monat zusammenkommen: am Dreizehnten, wo sie dann in der Ver-
Mensch hier — ein sympathisch aussehender Dreißiger — war der bis vor kurzem noch berühmte große Finanzier Serge Ostrowski, der nun plötzlich als berüchtigter Schwindler galt. Der Mann war verhaftet worden, gerade am Morgen seines Hochzeitstages, als er eben im Begriff war, seine Braut zum Standesamt abzuholen. Die Braut? Aha — ein Fräulein Olga Iwanowna — „die schöne junge Olga Iwanowna, deren Grazie man noch kürzlich auf der Bühne zu bewundern Gelegenheit hatte", wie der Journalist sich galant ausdrückte. Eine peinliche Geschichte für beide Teile. Als die Polizei einürang, hatte Ostrowski sich schon selbst gerichtet. Mußte wohl gerade in diesem Moment am wenigsten auf den vernichtenden Schlag gefaßt gewesen sein und einfach die Nerven verloren haben. So etwas kommt bei den kaltblütigsten Leuten vor...
Und die Braut — das schöne Fräulein Olga Iwanowna? Die war bereits verschwunden, als die Polizei zu einer offenbar ergebnislos verlaufenen Haussuchung in iyrer Wohnung erschien. Kein Wunder, sie wird gewarnt worden sein. Irgend jemand will sie mit einem ebenfalls dringend gesuchten Freund von Ostrowski noch im Auto gesehen haben... Ungefähr eine halbe Stunde vor Ostrowskis Verhaftung ...!
Hm, ja — scheint wirklich eine hübsche Person, soweit der schlechte Klischeeabdruck das erkennen läßt. Beinahe ein bißchen Ähnlichkeit mit Evelyn.. Herrgott — vielleicht gar eine Verwandte von ihr, ein... Vielleicht ist das überhaupt — womöglich eine ältere Schwester sogar, deren Schicksal sie sich so zu Herzen genommen hat, daß...
Erschrocken blickt er zu ihr auf und öffnet den Mund zu einer Frage. Aber Evelyn kommt ihm zuvor und sagt mit einer Art von fatalistischer Genugtuung:
„Also hast du das Bild doch gleich erkannt, so schlecht es ist! Ich hätte nicht gedacht, daß ich wirklich so alt und häßlich aussehe."
Ihm bleibt vor Ueberraschung das Wort in der Kehle stecken.
„Du...?" stößt er ungläubig hervor und starrt die Geliebte an wie ein Gespenst.
„Ja, ich — verstehst du denn immer noch nicht", ruft Evelyn halb ärgerlich über seine Begriffs-
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Die „Woche der Polizei" gibt eine gute Gelegenheit, zu beweisen, daß der Polizeibeamte nicht her böse Mann ist, als den unvernünftige Mütter ihren Kindern den Polizeibeamten darstellen, wenn Hans oder Grete einmal die Suppe nicht essen wollen. — „Dann holt dich der Schutzmann!", diese kledewendung sollte endgültig aus der Kinderstube verschwinden! In Wirklichkeit ist es doch so, daß der Wachtmeister auf der Straße den Kindern der beste Freund ist, soferne sie nicht gerade böse Lausbübereien aushecken und verüben. —
Wie sehr der „Schutzmann" der Freund der Zagend ist, konnten gestern viele Buben und Mädchen erfahren. Eine stattliche Anzahl von Kindern war gestern zum Polizeiamt bestellt worden; zuerst kamen so etwa 25 Buben, die in das große Auto des Ueberfallkommandos eingeladen wurden unb einf Fahrt zu den verkehrsreichsten Punkten unserer Stadt an treten sollten.
Vorher jedoch hielt Oberinspektor Beate eine kurze Ansprache, in der er die Jungen auf so mancherlei Verkehrssünden aufmerksam machte, die man bei so halbwüchsigen Burschen immer wieder beobachten kann. So z. B. das Anhängen der jugendlichen Radfahrer an Lastkraftwagen, das allluschnelle Fahren in der Stadt, das Fußballspiel auf Straßen und Plätzen, das unvorsichtige lieber« schreiten der Fahrbahn und noch manches andere mehr. Oberinspektor Beate wußte noch in lustiger Weise ein bißchen zu examinieren und es zeigte sich dabei, daß die Buben eigentlich schon ganz gut Bescheid wissen, aber, aber — das Verhalten auf der Straße geschieht manchmal doch gegen das bessere Wissen.
Die Fahrt zu den verkehrsreichsten Punkten unserer Stadt führte (unter Leitung von Polizeikommissar Zimmer) zunächst an die Kaiserallee, an den Platz, an dem sich Licher Straße, Kaiserallee, Nahrungsberg und Moltkestraße treffen. Hier mürbe den Buben genau erklärt, daß man nicht schräg über den Platz gehen darf, sondern die „Fuß- gäntzer-Ueberwege" zu benutzen hat, wie man beim überschreiten der Straße zunächst nach links und bann nach rechts zu gucken hat, um herankommende Fahrzeuge im Auge zu haben, wie man immer hinter den rotweißen Stangen zu bleiben hat ii. a. m. Diese Belehrung wurde auch praktisch geübt, so daß alles Gesagte den Jungen recht anschaulich wurde.
Am Selterstor wurde diese Belehrung fortgesetzt :nnb besonders lehrreich gestaltet dadurch, daß sich
W fremde Gesicht.
Vornan von Caren.
lk. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Während Evelyn mit dem zusammengeballten Taschentuch die Tränenspuren von ihren Wangen wischte, sagte sie merkwürdig ruhig mit einer kühlen :nid hohen Stimme:
„Du mußt mich nicht für eine dumme, hysterische ’Bttion halten. Ich werde dir gleich alles erklären, jranf. Es muß fein."
Und dabei schenkte sie ihm ein nur halb gelunge- iU5, rührend ermutigendes Lächeln, mit dem sie .will eigentlich mehr sich selber als ihm helfen zu : ookn schien. Mit einer Hast, als fürchte sie, in "hrem Entschluß noch schwankend zu werden, kramte -ie b ann aus ihrer eleganten Handtasche, mit deren ibiirenfionen er sie oft geneckt hatte, ein zusammen- -Mtetes Zeitungsblatt hervor und legte es auf- ijcjdrlagen vor ihm auf die Tischplatte, stumm ab- inartenb und mit der gespannten Miene eines »Spielers, der seine letzte entscheidende Karte auf- izedcckt hat und noch nicht weiß ob er verloren oder • jemonnen hat.
$5 war — wie Alland mit flüchtigem Blick auf iiit fettgedruckte Ueberfchrift feststellte — der erste ausführliche Bericht eines Pariser Boulevardblattes über den kürzlich aufgedeckten Finanzskandal, von ibem auch der Wirt vorhin gesprochen hatte, wie übrigens so ziemlich alle Welt. Alland interessierte sich nicht für derartige Sensationen, am allerwenig- f’ien jetzt. Anstatt in die Zeitung blickte er ziemlich uechändnislos in Evelyns blaß entschlossenes Ge- ;id)t, als wollte er fragen, was das alles sie beide Hngnge.
■ I .Du mußt es schon selber lesen, ganz genau", "ircie sie wie zur Antwort in einem vor verhaltener 1 Erregung beinahe strengen Ton, dem er unwlll- I fel'id) gehorchte.
Uber er konnte beim besten Willen die engge- i tadle n Spalten nur flüchtig überfliegen.
illso gut — war das? Dieser schöne junge
itin Beamter als Verkehrsschutzmann inmitten des 'Platzes aufstellte und den Verkehr der Fahrzeuge :md Fußgänger durch die bekannten Zeichen regelte :!jw. sperrte und freigab. Polizeibeamte erklärten .
Aen Buben im einzelnen die verkehrstechnischen An-' auszufordern. Die dunklen Mächte pfeifen aller-
der alten Kinderfrau und der völlig gebrochenen Mutter, die sich, endlich über die Grenze gerettet, in einer elenden Bauernhütte hinlegt, um nicht mehr aufzustehen. Die Irrfahrten der Alten mit dem Kinde, bis die beiden endlich in Paris bei einer nie gesehenen Schwester des Vaters landen, die ihren Gatten, einen französischen Offizier, im Anfang des Krieges verloren hat unb nun, selbst kinderlos, die kleine verwaiste Nichte mütterlich aufnimmt, die Erziehung des Kindes von der schmalen Witwenpension bestreitet und früh genug die tänzerische Begabung der kleinen Evelyn entdeckt.
Die ernste, fast aszetisch strenge Arbeit dann in der Tanzschule von Potuloff, dessen Vorzugsschülerin die kaum Fünfzehnjährige wird. Ein Leben ernster Zurückgezogenheit, geteilt zwischen dem Tanzstudio und dem fast inselhast abgeschlossenen Zuhause bei ihrer ein wenig gefühlskargen Tante, mit der sie dennoch herzliche Zuneigung verbindet, bis ihr der Tod — ein sanfter Herzschlag diesmal — auch die zweite Mutter nimmt. Doch wenigstens nicht wieder das Heim. Die kleine, ihr zufallende Erbschaft der Tante ermöglicht es Evelyn immerhin, bei genauer Einteilung ihr bescheidenes Leben in der kleinen Wohnung fortzusetzen, mindestens die zwei, drei Jahre, die sie noch zur Vollendung ihrer tänzerischen Ausbildung braucht, besonders da Potuloff von ihr kein Honorar verlangt, sondern nur die einzige ehrenvolle Gegenleistung, daß sie ihn manchmal bei einer Privatschülerin vertritt, wenn er verhindert ist.
„Hast du einmal von dem großen Wohltätig- keitsfest für die Kinderspitaler gehört, das in Paris jedes Jahr im Juni stattfindet?" unterbricht sie sich plötzlich mit einer Frage, und als er stumm den Kopf schüttelt, setzt sie mit kindlichem Stolz hinzu: „Es ist ein großes gesellschaftliches Ereignis, der Präsident der Republik und alle Minister und alle reichen und berühmten Leute find da, und die de- rühmteften Künstler wirken mit, umsonst natürlich. Und da hat Potuloff mich zum erstenmal auftreten lassen, mit einer kleinen Solopartie in seiner Tanzgruppe. O, es war herrlich — so ein Erfolg.
(Fortsetzung folgt!)
leicht eine Antipathie gegen das sonst so geschätzte Hauswesen ein, und diese Antipathie entlädt sich in Verwünschungen, von denen meist die gute Mieze nichts mehr vernimmt. Schließlich kann ja das brave Katzentter nichts für seine schwarze Farbe und ebensowenig für seinen Bewegungsdrang. Aber darin geht es der Katze wie dem Dreizehnten: die Tatsache ihres Vorhandenseins ist für manchen schon Anstoß genug.
Die Gründe für diesen Anstoß sind in mystisches Dunkel gehüllt, und es ist ein weiter Weg von dem Dreizehnten dieses Monats und der schwarzen Katze bis hin zu den altersgrauen Vorstellungen unseres Volksglaubens. Doch eben darum ist philosophische Gelassenheit am Platze. Wer eine Glückssträhne sein eigen nennt, wird auch am Dreizehnten nicht vom Unglück verfolgt werden, und wer fein Leben lang nur Pech gehabt hat, kann schließlich vom Dreizehnten keinen großen Talersegen erwarten. Nur eines bleibt auch für den Dreizehnten beachtenswert: der Umstand nämlich, daß wir den Jahresablauf in zwölf Kreisen erleben. Ein dreizehnter Monat wäre sowohl für die Angstgemüter, als auch für die Kraftprotzen wahrhaftig gar nicht auszudenken. H. W. Sch.
Äornofizen.
Tageskalender für Mittwoch.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Der Hund von Baskerville". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Hannerl und ihre Liebhaber".
Sladtthealer Gießen.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Da die Nachfrage nach Karten für die Wiederholung der Uraufführung von Rainer Maria Rilke „Die weiße Fürstin" am Sonntag, 17. Januar, vormittags 11.30 Uhr, sehr stark eingesetzt hat, bitten wir unsere Platzmieter, die Eintrittskarten möglichst im voraus an der Theater-Tageskasse abzuholen, um ein Stören der Feier durch zu spätes Kommen zu vermeiden.
Vortrag über „Nahrung und Ernährung".
Am nächsten Sonntagvormittag findet der dritte Vortrag im Physiologstchen Institut, Friedrichstr., statt. Näheres in der heutigen Anzeige.
Neues Adreßbuch von Gießen.
Die sehr zahlreichen Aenderungen in den Adressenverzeichnissen durch Zuzüge, Fort- und Umzüge innerhalb der Zeit von zwei Jahren, sowie das Entstehen neuer Wohnviertel und die Neugestaltung des Stadtplanes machen die Herausgabe eines neuen Adreßbuches dringend erforderlich. Zwecks Erzielung genauer Einträge in das neue Buch werden von Donnerstag ab die Haus- und Firmenlisten von den Vertretern des Adreßbuchverlages bei den Hausbesitzern abgegeben. Es dient dem Vorteil jedes einzelnen und der Allgemeinheit, daß die Listen ohne jeden Verzug sorgfältig und eigenhändig ausgefüllt und zur Abholung bereitgelegt werden.
Llebungsplähe und Gchwinunsport- anlagen für Leibesübungen.
Lpd. Der Reichsstatthalter in Hessen, Gauleiter Sprenger, ist ein eifriger Förderer der Leibesübungen. So hat er jetzt wieder eine Anweisung an alle unterstellten Behörden, Gemeinden, Ge- meindeverbände und sonstigen Körperschaften des öffentlichen Rechts über Anlage und Ausbau von Uebungsplätzen und Schwimmsportanlagen für die Leibesübungen ergehen lassen, in der es u. a. heißt:
„Zur einheitlichen Gestaltung und Förderung der Uebungsplätze für die körperliche Ertüchtigung der Jugend weise ich daraus hin, daß bei Errichtung ober Umgestaltung solcher Anlagen im ganzen Landesgebiet Hessen in jedem Falle zunächst die Gemeinden unterrichtet sein müssen. Die Gemeinden des Landesgebiets Hessen wiederum sind angewiesen, sich diesen Angelegenheiten vordringlich anzunehmen und vor Ausführung oder Umgestaltung solcher Anlagen gemäß meiner Verfügung vom 27. März 1936 betr. Uebungsftättenbau zunächst die Pläne der Hessischen ßanbesregierung vorzulegen. Das von mir errichtete Referat Turnen und Sport bei der Hessischen Landesregierung übernimmt als-
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